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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 11.1886"

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St. Petersburger 

% 

Medicinische Wochenschrift 


UNTER DER RED ACTION VON 


Prof. Ed. v. WAHL, 

Dorpat. 


Dr. L. v. HOLST, 

St. Petersburg. 


Dr. (just. TTLIHGr, 

St. Petersburg. 




Neue Folge. — III. Jahrgang. 


0 

ST. PETERSBURG. 

1886 . 


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(Die 'mit einem 


A. 

Abort, künstlicher — durch Evidement. 395*. 

— — Discnss. 463. 

Abscesse, Jodoformäther z. Beb. kalter — 
452, praevesicale — 175. z. Aetiolog. d. 
kalten — 450. 

Abscessns snbphrenic. d., Fall ▼. — 433. 

Acnsticns, elektr. React. d. — b. Geistes¬ 
kranken 309. 

Addison’sche Krankheit, Fall Ton — 37*. 
Verhalten d. Nv.Systems b. dselb. 131. 

Adonidin. 270. 

Adonis Ternalis. 270. 

Aerste, Sterblichkeit d. — 103. Wichtigkeit 
d. weibl. — f. d. Landvolk. 62. 

Aktinomykosis, Fall v. — 302. 

Albuminimeter. 262. 

Albuminurie b. Gesunden 219. — b. Schwan¬ 
geren 245, — durch d. Lebensweise 451« 
physiologische — 17, — u. Eiweissnah¬ 
rung 261. 

Alcoholismus b. Kindern in Irland. 369. 

Alumen ustum b. Febr. intermitt. 59. 

Ammonium bromat., Exanthem nach — 230- 

Amputatio cruris, neue Methode d. — 10. 

Amylnitrit b. Cocainvergiftung. 209. 

Anämie, perniciöse — 363*. Fall von hel- 
minthisch. perniciös. — 367. z. Patho¬ 
genese d. essentiell. — 328. 

Anästhesirung, über locale — v. Bum. 452. 

Anatomie« Bedeutung d. wissenschaftlichen — 
von Räuber 137. Lehib. d. patholog. — 
v. Birch-fiirschfeld 210. Lehrh. d. ver¬ 
gleichen. — v. Nuhn 73, 169. Beiträge 
zur pathol. — u. Physiologie v. Ziegler | 
u. Nauwerck 367. ! 

Aneurysma arc. Aortae, s. Operat. d. — 390. 

— Carot. int., Fall v. Ruptur eines — 
392. Fall von — dissecans Aortae 8. 

Angina lacunaris u. diphtherica. 246. 

Antifebrin. z. Wirkung d. — 451. 

Antipyrin bei Augenleiden 375. — b. Gelenk¬ 
rheumatismus 61, 333. — b. Kindern 
186. z. Wirkung d. — 109. — Exanthem, 
Fälle von — 230. 

Antiseptik im Marienhospitale. 10. 

Antisepsis in d. Pharmacie 115*. Beiträge z. 
— 229. — im Kriege 137, 138. 

Anurie, Fall v. — 392. 

Apomorphin b, Epilepsie. 199. 

Apotheken, z. Frage d. Landschafts- — 61. 

Archiv, deutsches — f. Geschichte d. Medicin 
u. med. Geographie. 110. 

Arsen, Uebergang dess. in d. Milch. 337. 

Arzneimittel, neue — 155*. — b. Stillenden 
219. — lehre v. Bernatzik u. Vogel 210. 

Ascites, chvlöser — 294. Fall von — 220. 

Asepsis in d. pharmaceut. Praxis. 60. 

Aseptol als Antisepticum. 398. 

Atherom, z. Exstirpat. d. — 350. 

Atropin b. Chloroformvergiftung. 281. 

Auctionatorkrampf. 393. 

Augenheilkunde von Klein. 263. 

— krankheiten v. Statistik; — unter d. 
Volke 40. 

— präparate, z. Herstellung dselb. 62. 

— Untersuchung b. Kopfverletzungen 333. 

B. 

B&cterien in d. Luft 26. — u. Jnfections- 


alts-V erzeich niss. 

* bezeichneten Zahlen beziehen sich auf Original«Arbeiten.) 


[Sach-Register. 


krankheiten v. Cornil und Babes (franz.) 
352. 

Baden-Baden und seine Curmittel von Baum¬ 
gärtner, v. Corval etc. 336. 

Bäder, wehenerregende Wirkung heisser — 
157, 327, 367. 

Banknoten, Flora der — 103. 

Beri-Beri in holländ. Indien. 297. 

Bericht, Kranken — über d. Nicolai-Cavalle- 
rie-Schule 89*. — über d. Nervenheilan¬ 
stalt iu Riga v. Holst 343. — über Kran¬ 
kenanstalten, SanitätsverhSltnisse etc. v. 
Statistik. 

Berlin, Führer durch d. medicin. — 320. 
Bewegungen, Physiologie d. — 7. 

Bismuthum salicylicum. 246. 

Blasenstein durch Incrustat. eines] Wachs¬ 
lichtes, Fall von — 411*. — z. Chirurg. 
Beh. dess.^319, 326. 

— naht, ModificaU den. 4*. 

— tumoren, z. Diagnose u. Therapie d. 

- 111 . 

Bleivergiftung, Fall von — 75. 

Blindheit in Russland 29*. Fall v. transito¬ 
rischer — 417. 

Blut, Transfusion v. peptonisirt. — 177. 

— -serum Hg b. Lues 343. 

— Veränderung nach Milzexstirpation 53. 
Borax b. Epilepsie. 393. 

Bromäthyl in d. Geburtshülfe. 17. 

— kalinm b. Salivatio gravi dar. 393. 
Bronchialcatarrb, Homeriana b. — 35. 

Bursa pharyngea, Bedeutung d. — b. Nasen¬ 
krankheiten v. Tornwaldt. 271. 

c. 

Calomelinjectionen b. Syphilis. 315*. 
Cannabinonvergiftung. 294. 
Cannabispräparate. 294. 

Capacität d. Gefässe, z. Lehre d. — 26. 
Capsicum b. Rheumatismus. 228. 
Carbolinjectionen bei Diphtherie. 188. 

— Säurevergiftung. Fall v. — 393. 
Carcinom des Oberkiefen, Fall v. Exstirpa¬ 
tion eines — 392. — des Pankreas, Fall 
v. primärem— 119. — desPylorus, Fall 
v. Megenresection wegen — 391. — des 
Rectum, s. Exstirpation dess. 262. — d. 
Uterus, Totalexstirpation wegen — 431. 
Fallv. primärem Nieren — 101. Fall v. 
primärem Uterus — u. secundärem Nie¬ 
ren — 128. 

Carcinoma ut., z. Beh. d. — 462- 
Carotis communis, Fall v. Unterbindung der 

— 127. 

— ligatur, Discnss. 376. • 

Castration, 2 Fälle von — 127. 

Cataract. z. Nachbehaudl. d. — Joperat. 305- 
z. Operat. d. — 18. 

Chinarindenextract, neues — 382. 

Chinin, lactic. z. subcutan. Inject. 42. 
Chininpillen, z. Dantellung d. — 409. 
Cbirurgen-Congress, französisch. — 441,450. 
Chirurgie auf dem Lande. 40. Farabeufs — 
russ. v. Tauber. 186. Handb. d. speciell. 

— v. König, russ. von Friedberg. 295. 
Lehrb. d. — v. Albert. 34. 

Chloral-Menthol. 401. 

Chloroform als Hämostaticum. 401. — bei 
Tollwuth. 101. 

— narcose u. Cocain. 232. 


Chloroform-Tod, Fall v. — 49*, 188. 

— Vergiftung, Atropin b. — 281. 
CholecyBtotomie, Fall v. 264. 

Cholera in Deutschland. 418, in Italien. 19* 
35, 159, 232, 248, 305, 312. — - u. 
Frankreich 122, m Japan 248, 305, 368, 
io Korea 352, in Oesterreich-Ungarn 256, 
337, 344, 353, 360,368, 393,418, 464, in 
Spanien 11. — 1885. 281. in Wladiwostok 
344,352. Karawanen — u. Schiffs- — 
97*, z. Aetiolog. d. — 34, z. Beh. d.— 
288, z. Verbreitung d. — 102. 
Cholerabacillen, z. Lebensdauer d. — 91- 

— , Giftigkeit d. — 462. 

Chorea minor, Ovarie b. — 229. z. pathol. 
Anatom, d. — 422. 

Chromsäure und Galvanocaustik bei Nasen- 
Rachenkrankheiten. 21*. Anwendung d. 
x — in d. Nasenhöhle. 169. 
Chrysophansäure u. Santoninfarbstoff. 334. 
Chylune. 294. 

Cocain als Anästheticum. 168, 351. — b. Hy- 
peremesis gravid. 351. — b. Keuchhusten 
83. — b. Litholapnxie83. — b. Morphi¬ 
nismus 42^ — b. Nymphomanie und Ma¬ 
sturbation 131. b. Seekrankheit 188. — 
in der Gynäkologie 451. Methode zur 
Anästhesirung durch — 220. toxische Ei- 
gensch. d. — 375. — u. Chloroformnar- 
cose 232. z. Wirkung grosser Dosen von 

— 443. 

Cocain-Anästhesie b. Operat. in d. Mundhöhle 
v. Witzei. 335. 

— Mydriasis, Pilocarpin b. — 19. 

— omanie 19, 254. 

— präparate, Reinheit dsslb. 279. 

— tod, Fall von — 188. 

— Vergiftung u. Amylnitrit. 209. 

Coffein, z. Wirkung des — 287. 

Conception, z. Verhütung d. — v. Ferdy. 407. 
Concurse b. Stellenbesetzung. 41. 

Cendurango b. Magenleiden. 335. 

Condylome, Impfungen mit spitzen — 34. 

Resorcin ge*, spitze — 302. 

Conserven, Vergiftung durch — 118. 
Constantine, z. med. Geographie v. — 176. 
Contagion, psychische — 327. 

Cornea, künstliche — 147. 

Cornu cutaneum, Fall v. — 433. 

Cornutin. 359. 

Curare u. Glykogengebalt d. Leber. 451. 
Curorte, klimatische — d. Krim. 101. Ter¬ 
rain — v. OerteL 137. 

Cutaneous and venereal diseases, Journal of 

- 287. 

Cystotomia suprapubica. 6. 


D. 

Darm, Verhalten des v. Mesenter. abgelösten 
- 310. 

— invagination, z. operat. Beh. d. — 279. 

— occlusion, Laparotomien b. — 173*. 
Delirium cordis, Fall von — 130. 

Dermatitis herpetiformis, Fall v. — 459*. 
Dermatologische Untersuchungen von Polo- 

tebnow. 210. 

Dermatomycosis tonsurans, Epidemie von — 
443. 

Desinfection der Scheidentampons. 100. — 
durch d.Salzwasseroten. 5. — mitO.ver- 


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billdangen des N. 93. z. Einheit d. — 83. 
z. Frage d. — 463. 

Diabetes mellit., e. Beb. d. — 4, 321. 
Diphtherie, e. Beh. d. — 81*, 59, 188, 350, 
461. z. Kenntniss d. — 147. — in Wo* 
ronesh. 464. 

Dinretica, Volksmittel. 52. 

Dysenterie in Riga. 337. v. auch Statistik. 

E. 

Echinokokkus, Fall von Knochen —• 130. 
Edampeie, e. Lehre d. — 245. 
Eisenalbuminat b. rund. Magengeschwür 237. 
Eisenb&hnnnfälle, Hülfeleistnag b. dselb. 102. 
Eiweissnahrung b. Albuminurie. 261. 
Elektrolyse b. Mutterm&lern u. Warnen. 197. 
Elektrotherapie, Handfb. d. — v. Erb. 310. 
Elephantiasis Arabum v. Hebra. 101. 
Emphysem, allgemeines Haut — nach Bippen- 
bruch. 120. 

Empyem, Fall von — 125*, 187. s. Beh. d. 

— 110. Discuss. 60, 92, 129. 
Endocärditis, z. Lehre v. d. — 238- 
Entfärbungsüüssigkeit, neue — b. Tuberkel¬ 
bacillen. 26. 

Entfettungsmethoden. 116*. 

Epilepsie, Apomorphin b. — 199. Borax bei 

— 393. Fall v. geheilter — 17. 
Epithelioma scroti, Fall v. — 375. 

Ergotin, e. Wirkung d. — 137. 

Erysipel, z. Beh. d. — 227, 320. 

Eulyptol. 382. 

Expression d. nachfolgenden Kopfes. 146. 
Exstirpatio Uteri, Fall v. — 431. 

F. 

Fftulniss u. Kohlehydrate. 431. 

Favus u. Herpes tonsurans, e. diff. Diagn. 248. 
Febr. intermitteps, Alum. nst. b. — 59. 

— recurrens, e. Vorhersage eines neuen 
Anfalles b. — 349*. s. Statistik d. — 254. 

— variolosa. 184*. 

Fibroma coli transversi, Fall v. — 264. 

— e, s. Casuistik multipler 264. 

Fieber, Salabäder b. — 359. gelbes — in Rio 

de Janeiro. 188. 

Firnissnng u. Stickstoffmetamorphose. 55*. 
Flexionscontractur b. Gehirnkrankheiten 168. 
Fractura autabuli. Fall von — 9. — oss. me- 
tacarp. pollic. 334. e. Beh. d. - an. 359. 
Frauenkrankheiten v. Schafier. 220. Erkennt- 
kenntniss u. Beh. d. — v. Li tz mann 452- 
Fremdkörper im Uterus. 169. 

Frühgeburt, e. Einleitung künstl. — 169. 
Fungöse Erkrankungen, Milchs. b.deslb. 431. 
Fussph&nomen. 82. 

— gelenkresection, Modiücation osteopla¬ 
stischer — 421*. Modificat. d. Methode 
Wladimirow-MikuflcE. 334. 

G. 

Gaetrotomie. Fall v. — 351. 

Gaswechsel o. hungernden Hunden. 53. 
Gaumenspalten, e. Beh. d. — 270. 

Geburt, Fall von früher — 42. 

Geheimmittel wem, e. Unterdrückung d.— 42. 
Gehirn, Kugel im — eingeheilt. 432. 
Gehörgang, Fall v. narbig. Verschluss dass. 
308*. 

— organ, Schuluntersnchungen über d. 
kindliche — v. Besold. 263. 

Gelenkentsündung, e. Beb. d. granulirenden 

— 11 . 

— rbeumatismus, Antipyrin b. — 61. 
Genitalirritation n. Beflexneurosen. 73. 
Geschosse, Wirkung moderner — anf.d. thier. 

Körper v. Beck. 335. 

Glykogengehalt d. Leber, Einfl. v. Strychnin 
u. Curare auf d. — 451. 

Glykosurie, Verhalten d. — 319. 

Grippe in Petersburg. 198. — u. Pneumonie. 
186. 


H. 

Haare in foreos. Beziehung. 83« 
Hadernkrankheit, Fälle von — 301*. 


Hämatom d. Sternocleidomast., forens. 326- 
Hömatopnenmothorsx, Fall von — 133*. 
H&ngebanch, e. Prophylaxe dess. 375. 
Harnanalyse f. prakt. Aerste von Laache 73. 

— b. Kinderkrankheiten. 127. 

— cylinder, e. Bildung d. — 24. 

— resorption n. Urämie. 45*. 
Harnstoffbestimmung b. Tumoren d. Bauches. 

441. 

Hasenscharten, morpbolog., klin. u. statis¬ 
tisch. 5. 

Haut- und Geschlechtskrankheiten, Lehrb. d. 

— v. LeBser. 238, 352. 

— perspiration u. Wärmeabgabe b. Fir- 
nissung. 52. 

— resorption aus Lanolinsalben. 287. 
Heilkunde, Real-Eucydopädie d. — v. Eulen¬ 
burg. 295. 

Helminthen, Naphtalin b. — 265. 
Hemianopsie, e. Patbol. d. — 303. 

Hepar sulphur. sine odore. 464. 

Hernia inguino-interstitialis. 147. 

— — properitonäali8. 147. 

Hernien, s. Lehre v. d. — 442. 

Herpes ciliaris, s. Aetiolog. d. — 443* 

— tonsuransu. Favus, e. diff. Diagn. 248. 
Hers, Lage u. Grenzen dess. b. Kindern. 24. s. 

Verschiebbarkeit dess. 383. 

Hersganglien b. Pneumonie. 26. 

— geräusch, Fall v. ungewöhnlichem — 61. 

— klopfen, nervöses — 283*. 

— leiden, Nitroglycerin b. — 299*. — 
durch Ueberanstrengung. 318. e. The¬ 
rapie d. — 118. 

— mittel, Spartein. sulph.,ein neues — 39. 

— ruptur, Fall v. — 220. 

— st oss b. verschied. Krankheiten. 353. 
Heufieber, e. Beh. d. — 42. 

Hirndruck, Untersuchungen über — 185. 

— nerven, Schema d. Function d. — von 
Heiberg. 101. 

Histologie, Lehrb. d. — v. Brass. 137. 
Hoäng-nän geg. Lyssa. 399. 

Hobeltrepan. 101. 

Hömeriana bei Broncbialcat&rrh. 35. 

Hopein. 53,149. 

Hübner-Cholera in Italien. 418. 

Hungern, Veränderungen b. unvollständig. 

— 53. 

Hydrastis canadens. 279. 

Hydrops d. Schwangeren. 245. — durch d. 
Lebensweise. 451. 

Hydrotherapie, Grundlagen d. — v. Kröger. 

101. moderne — 8. 

Hymen in Mexico. 353. 

Hyperemesis gravid., Cocain b. — 351. 
Hypnon. 157. 

Hypnotismus, Fall v. — 247, 255. 

Hysterie d. Kinder. 421. e. Beh. d. — 245. 


i. 

Icterus neonJät., Dies. 91. s. Therapie d. — 
237. 

Ignipunctur u. Trepanation bei gr&nulirend. 
ÜeienkeutEÜndg. 11. 

Ueue, 2 Fälle von — 157. Laparotomie b. — 
158. 

Impfung, Resultate d. — 27. 

Impfswang in d. österreich-nngar. Armee. 464. 
Inanition, experimentelle - 275*. 

Indican, Bedeutung des — im Harn. 295. 
Infection, Lt^- u. Contact — 278. 
Infectionskrankheiten, x. Aetiolog. d. — 67*, 
302. 

Invagination, opertft. Beh. d. Darm — 279. 
Irrsinn u. Verbrechen. 156. 


j. 


Jennerismus n. Pasteurismus v. Brasol. 280. 
Jod, subouUn b. Syphilis. 267*. tinctur, 
Formel f. farblose — 42. 

Jodismus, seltene Erseheinung b. — 461. 
Jodoform b. vener. Krankheiten. 262. 

— äther b. kalt. Abscessen. 452. 

Jodol. 42, 246. — b. Ulcus molle. 230. 
Jubiläum d. Aerzte d. med. chir, Aoademie. 18. < 


K 

Kälte, Einfi. d. — auf d. Herz. 279. 

Käsegift. 149. 

Kairin b. Typh. abdom. 310. 

Kaiserschnitt, Fall von — 320. 

Kalender, ärztl. Taschen — f. 1887. 463. 

Kali chloricum, d. Wirkungen d. — 24. 

Kefir, z. Darstellung d. — 122. 
Kehlkopfpolypen, z. Operat. d. — 461*. 
Kemmern, Bericht über — f. 1S85. 264. v. 

Statistik. Gynäkologisches aus — 239. 
Keuchhusten, laryngoskop. Beobacht, b. — 
398. z. Beh. d. — 136. 
Rinderdejectionen. 262- 
Kleidung, Erwärmung u. Abkühlung b. In¬ 
fanteristen. 6. 

Klappenfehler, hochgradige, Fall von — 417. 

z. Symptomatol. u. Aetiol. d. — 280. 
Klonnsd. Unterkiefers b. Lateralsolerose. 334. 
Koiegelenkresection b. Kindern. 128. 

— phänomen b. Degen erat, der Hinter¬ 
stränge. 318. 

Knochen. Grössenverhältnisse der — in ver¬ 
schied. Altersstufen. 176. 
Körperwägungen Militärpflichtiger. 108*, 
196*. 

Kohlehydrate, Einfl. dselb. auf Eiweissfäul- 
niss. 431. 

Kohlendunstvergiftung, Fälle von — 207*. 
Kohlensäure u. Wasserausscheidung b. gefir¬ 
nissten Thieren. 25. 

Kommabacillns, Tödtnng des — durch Hitze. 
288. 

Kopf, Zange oder Expression beim nachfol¬ 
genden — 146. 

— Bchmerz d. Schuljugend. 35. 

— Verletzungen, Au gen Untersuchung bei 

— 333. eigenthüml. Folgen nach — 433. 
-n. Psychoneurosen. 128. 

Kraft, strahlende — d. Menschen. 53. 
Kranzarterien, Sclerose der — 218. 
KriegBchirnrg. Mittbeil, ans Belgrad. 317. 
Kropf, z. Beh. dess. 319. z. Lehre v. — 383« 
Kugel, Einheilung einer — im Gehirn. 432« 
s.Schmelag. dselb. in Schusswunden. 177. 
Kumyss u. Kefir, Untersuchungen über d. Ei¬ 
weissstoffe d. — v. Biel. 443. 
Kurzsichtigkeit, e. Statistik n. Atti< )<g 

- 122 . 


L. 


Lanolin. 91. 

Laparotomie b. Darmocciusion. 173*, 444. 
Bericht über 112 Fälle v. — 91. Fall v. 

— 148.-b. Ileus. 158. 

Laryngitis hypoglottica acuta. 197. 
Larypgofission, Fall von — 9. 
Lateralsclerose, Klonns d. Unterkiefers b. — 
334. 

Leberabscass, Fall v. — 271. 

— cirrhose, Fall v. — 310. 

Leberthran, e. Fälschung des — 445. 

Lepra tnberosa, Fall v. geheilter — 109. 
Leseproben n. Schrifttafelnd. Petersb. Augen¬ 
hospitals. 7. 

Lexicon, biographisches — 198. 

Licht, polarisirtes — als diagnost. Mittel von 
Pohl-Pineos. 310. 

Lithion salicylicnm b. Tripperrheum&t. 103. 
Lithotomie, xnr medianen — 111« 

Lues hereditär, tarda. 59. 

Luft, Einathmnngen kalter — b. Fiebernden. 
228. 


— reinigungslampe. 321. 

Lungenblutung, Fälle v. — 453. 

— Oberfläche, Grösse der — 272. 

— ruptur ohne Rippenbrucb, Fall v. — 
376. 

— schwindsncht, d. Aetiolog. d. — von 
Brebmer. 391. 

Lustgas, Verwendbarkeit in d. Chirurg, von 
Schr&uth. 367. 

Luxationen, Compepdiam d. Lehre vonj d. 

frischen traumatischen — v. Stetter. 110. 
Ljm phdrüsen, Regeneration d. — 34. 

Lymphomata colli. 24. 


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M. 

Magenausspülung, Anästhesirung b. — 321* 
— Geschwür, z. Bth. d. runden — 237. 

— leiden, Condurango b. 335. Salzsäure 
b. — 413. z. Symptomatol. d. — 238. 

— neuroßen n. — Catarrh v. Rosentbal. 
320. 

— resection, Fall v. — 391. 

— saft n. acut. Phosphorvergiftung. 451. 
Malariaanfall, verfrüht durch Milzsehoss, 

Fall v. — 413*. 

Masern, z. Lehre v. d. — 271. z. Prophylaxis 
b. — 237. 

Massage u. Stickstoffwechsel. 261. 
Meckel’sches Divertikel, Fall v. — 158. 
Menstruatio mascula, Fall von — 103. 
Mikroorganismen, z. Biolog. d. — 367*. — 
im Blut u. in Körperhohlen. 279. 

Milch, Einlass d. — auf d. Säugling. 219. 

— diät b. Nephritis. 186. 

— säure b. fungös. Erkrankungen. 431. 
Milzbrand, Schutzimpfung geg. — 73. 

— exstirpation, Blutveränderungen nach 

— 53. 

— ruptur, Fall von — b. Recurrens. 130. 

— schuss. Fall von — 413*. 
Mittheilungen aus d. Würzburger Klinik von 

Gerhardt u. Müller. 295. — d. Vereins 
d. Aerzte in Steiermark. 7. 

Mollin zu Salben. 418. 

Mord oder zufällig. Tod ? 365*. 
Morphinismus, Cocain b. — 42. 

Morphium, Uebertragkeit des — v. d. Mutter 
auf d. Foetue. 94. 

Mortalität d. Aerzte. 103. 

Moschus, Chinin als Desodorans des — 26. 
Motilitätsstörungen, posthemiplegische— 254. 
Muskelatrophie, besondere Form progressiv. 

— 220. Fall v. — 433. • 

Mntterkornpräparate. 359. 

MyxOdema, z. Pathogenese d. — 122. 

N. 

Nachtschweisse, Pikrotoxin gegen — 232. 
Naevi, Elektrolyse bei — lltf. 

Nahrungswerth d. Soldatenration. 100. 
Naphthalin, 01. Bergamott, als Desodorans b. 

— 42. — b. Helminthen. 265. 

Nase, die — v. Runge. 147. 

— n-Höhle, Aetzung d. — mit Chrom¬ 
säure. 169. 

— krankheiten etc. v. Schelf. 320. 

— rachenraum, adenoide Vegetationen im 

— v. Michael. 279. 

Natr. salieylic., Geschmackscorrigens f. —76. 
Nephritis, Milchdiät bei — 186. — u.Nieren- 
Glomeruli. 197. 

Nerven, operat. Beh. von Snbstansverlusten 
d. - 91. 

— dehnung, Indicat. für — 281. 

— heilanstalt, Bericht über d. — in Riga 
▼. Holst. 343. 

— krankheiten, Diagnostik d. — v. Mö¬ 
bius. 118. 

-, Störungen d. Sinnesorgane b. — 237. 

— reaction, elektrische —, z. Bestimmung 
dselb. 287. 

— System, Erkrankungen dess. im Kriege 
70/71. 310. 

Neurasthenie, z. Beh. der — 245. 
Nieren-Glomeruli u. Nephritis. 197. 

— leiden, Nitroglycerin b. — 299*. 

— sarcom, Fäll v. primärem — 24. 

— tumoren, z. Operat. d. — 334. 
Nitroglycerin b. Herz- u. Nierenleiden. 299*. 

Discuss. über — 9. 

Xothbaracken, neue Art v. — 350. 
Nothbospitäler, z. Frage der — 205*. 
Nymphomanie n. Masturbation, geheilt durch 
Cocain. 131. 

o. 

Oedeme, Abhängigkeit d. — v. Hydrämie.Diss. 
91. 

Ohrenheilkunde von Sarron. 13. 

— krankheiten v. Hartmann. 40. 

Onanie b. kl. Kindern. 407. 


Operationen u. Witterung. 248. 

Ophthalmie, Fall v. eitriger secundärer — 238. 
Ophthalmotonometrie. 62. 

Os tempor., Resect. d. parspetrosa d. — 177. 
Osteomyelitis u. Tubercnlose. 413. 

Osteotom, Elektro — 232. 

Ovarie b. Chorea minor. 229. 

Ovariotomie, Fall v. — 92.128. 

p. 

Pankreaskrebs, Fall v. primärem — 119. 
Papillome d. weibl. Genital. 442. 

Paranoia u. Zwangsvorstellungen. 264. 
Parotitis, z. Lehre v. d. — 35. 

Pellagra, Fall v. — 350. 

Pendehgeschwür. 175. 

Pepsin, Werth verschiedener Sorten von — 102. 
Pepton, neues — präparat. 237. 
Perinephritische Abscease, z. Diagn. dselb. — 
111 . 

Peritonitis, Fall von — 211, 220. z. Diagn. 

u. Therap. d. perforativ. — 431. 

Pes calcaneus paralyticus. 111. — equinus, 
z. Beh. d. erworbenen — 177. 

Pharmacia, ReaLEncyclopädie d. — v. Geiss- 
ler u. Möller. 110, 391. 

Pharmakologie, Vorlesungen über — v. Binz. 

220 . 

Phosphor b. Rhachitis. 392. — Vergiftung, 
Magensaft b. acuter — 451. 

Phthisiker, Gesundbeitsreisen der — 193*, 
235*, 261*, 317*. 

Phthisis syphilit., Fall v. — 302. — trauma¬ 
tica. 228. 

Pikrinsäure b. Harnuntersuchung. 443, — z. 
Zuckerprobe. 335. 

Pikrotoxin b. Nachtschweissen. 232. 
Pilocarpin geg. Cocain-Mydriasis. 19. 

Pilze, Nährwerth essbarer — 451. Fall von j 
Vergiftung durch — 120. 

Piper methysticum. 146. 

Plantargeschwür u. Tabes dorsalis. 243*. 
Pneumonie, Beh. d. croup. — mit grauer Salbe. 
2*. Bericht über Fälle croupöser — 209. 
Discuss. über Beh. d. — 9. Witterung 
u. fibrinöse — 237. 

Pneumothorax, Fall von — 339*, 230. 341 
Fälle v. — 350. 

Pocken in Frankreich. 19. — in Messina. 122. 

- in Pest. 418. — in d. 8cbweiz. 240. 
Polymastie, z. Casuistikd. — 333. 

Proe. vagin. periton., Untersuchung über d. 

- 463. 

Proc. mastoid., Trepanation d. — 177. 
Prostitution, z. Einschränkung d. — 25. 
Prurigo b. lymphat. Anämie. 309. 

Psoriasis vulgär., Uebertragbarkeit d. — 263. 
Psyshiatrie, klinische — von Schüle. 398. 
Psychische Contagion. 327. 

Ptomaine u. Mikroorganismen. 357*. 

Ptosis, z. Operat. d. — 165*. 

Purpura hämorrhagica, Fall v. — 347*. Dis¬ 
cuss. über — 417. 

Q. 

Quecksilberausscheidung durch d. Harn. 73. 
— oxyde subcutan b. Syphilis. 27. 

JR. 

Rechtsschutzvereine, ärztliche — 62. 
Recrotirungserffebnisse in Riga. 233*. 
Recurrens, Fall von enormem Milstumor bei 

- 8 . 

Resecction d. Fusses nach Wladimirow-Miku- 
licz. 13*. — d. Knies, z. Technik d. — 
403*, osteoplastische — d. Tibiotarsalge- 
gelenks. 421*. 

Resorcin b. spitzen Condylomen. 302. 
Retroinfection, syphilitische — der Mutter 
durch d. Fötus. 143*. 

Rhachitis, s. Phosphor beh. d. — 392. 
Rheumatismus. 390. — artieul., Antipyrin 
b. — 333. — centralis. 127. 
Bheumatoiderkrankungen. 390. 

Rhinologie u. Laryngelogie, chirurgische * 
von Schaeffer. 210. 

Rhinoplastik, zur — 383* 


Riechen u. Geruchsorgan v. Hack. 229. 
Rückgratsverkrümmungen, s. Beh. d. — 342. 
Rupia, z. pathol. Anatom, d. — 74. 

Buptura uteri gravid., Fall von — 429* 

s. 

Salivation in d. Schwangerschaft, Bromkalium 
b. — 393. 

Salol. 327. 

Salzbäder bei Fieber. 359. 

— säure b. Magenkrankheiten. 418. 

— wasserofen z. Desinfection. 5. 
8anitttt8ge8etze in Oesterreich von Witowski. 

3 IQ. 

— Verhältnisse in Russland, Commission 
z. Reorganisat. dselb. 90. — in Wladi¬ 
mir. 418. 

— personal im Ssaratowsch. Gouv. 418. 

— wesen, d. spanische Müitär — 175. 
Santoninfarbstoff u. Chrysophansäure. 334. 
Sapo mercurialis z. Inunctionen. 63. 

Sarcine im Harn, Fall v. — 419*. 

Sassenhof, Wasserheilanstalt — v. Schröder. 

187- 

Schanker im Mittelohre, Fall v. — 387*. Jo- 
dol b. weichem — 230. 

Scharlach in Twer. 464. — inWoronesh. 464. 
Scharlachmikrobe. 281. 

Schielen, Entstehung dess. 73. 

Schilddrüse, Folgen nach Exstirpat. d. — 441. 

z. Physiolog; d. — 343. 

Schlachtvieh, Nährwerth verschiedener Theile 
dess. 6. 

Schlaflosigkeit, z. Beh. der — 104. 
8chleimpolyp d. Tonsille, Fall v. — 303. 
Schnupfen, z. Beh. dess. 42, 63. 
Schusswunden, Trichterbildung in d f — 177. * 
Schwangerschaft, Hydrops u. Albuminurie in 
d. — 245. frühes — Zeichen. 263. 
Schwefelbäder bei Syphilis. 73. 

Schwitzen, Einfl. dess. auf d. Verdauung. 50. 
Sclerose der Artt. coron. cord. 218. 

Scoliose, z. Diagn. d. habituell. — 400. 
Sectio alta, Fall von — 411*, 119, 383. — 
b. Kindern. 111. Modificat. d. — 111. 

- von Thompson. 295. 

Secundärnaht u. antisept. Tamponade. 334. 
Seekrankheit, Cocain b. — 188. 

Sehnen, Transplantation v. — 59. 
Sehnervenatrophie, Aetiol. u. Verlauf d. — 
246. 

Sehstörungen b. Nervenkrankheiten. 237. 
Sinnestäuschungen, Beobachtungen über — v. 

Kandinsky. 40. 

Solanin. 397. 

Spaltpilze, z. Kenntniss einiger — 176« 
Spartelnum sulphur., ein Herzmittel. 39. 
Speichelsteine, Fälle v. — 265, 433. 
Sphygmographische Curven, Demonstrat. von 

— 130, Differenz dselb. b Nv.- u. Herz¬ 
leiden. 438. — Untersuchungen. 392* 

Spinal wurzeln, Effect d. Durchschneidung d. 
hinteren — 350. 

Spiraea filipendula geg. Tollwuth. 312. 
Spondylitis cerrical., Filzapparat für — 247. 
z. Beh, d. — 60. z. operat. Beh. d. — tu- 
berculosa. 177. 

Sprachanomalien, Pathol. u. Therap. d. — v. 
Coän. 328. 

Statistik: Augenleiden im St. Petersb. Mili¬ 
tär-Bezirk. 62. Bedürfnisse d. med. — 
83. Bericht ans d. serbisch-bulgarischen 
Kriege. 74. — d. Med Departem.f. 1881, 
50. — d. Alexander-8tadtbarackenhosp. 
414. — d. Marien-M agdalen .-Hosp. für 
1886. 155. — d. St. Georgs Gemeinsch. 
f. 1885. 308. — über 178 Fälle v. Typhus. 
333. — über d. Wasserheilanstalt Sassen- 
hof. 128. — über Kemmem f. 1885.264. 
Sanitäts- — über Frankfurt a. M. 176. 
Mortalität in Odessa. 401. Ruhr in Riga. 
400. Syphilis. 7. — im Kreise Ocbanik. 
377. — in Bnssland. 74, 326. vener. 
Krankheiten in Petersburg. 379*. 
Steinkrankheit b. Weihern. US. 

— schnitt, hoher n. perinäaler — 111. 

— Operationen an Kindern. 219. z. Wahl 
d. Methoden d. - 406. 

Sterilität von Kisch. 384. 


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Stickßtoffinhalat. b. chron. Langenleiden. 833. 

— metamorphose b. Firaissung. 55*. 

— Wechsel a. Massage. 261. 

Stimmbandlähmungen, z. Aetiol. d. — 227. 

8trumaexstirpation, Fall v. — 177. z. — 209. 

Strychnin n. Glykogengehalt d. Leber. 451. 

Strychnin Vergiftung , uretban b. — 323*. 

Sublimat b. Laparotomien. 366- z. Resorpt. 
d. — in d. Bauchhöhle. 444. 

— verband, Zusätze zum — 138. 

Sulphurine. 464. 

Syphilis, Calomelipjectionen b. - 315*. Jod 
subcutan b. — 267*. — bacillen. 293. 
Blutserum Hg b. — 343. extragenitale 
Infection mit — 74. Grundsätze b. Beh. 
d. — v. Brandiß. 229. Inf ec t. mit — durch 
Basiren. 384. Mikroben b. hereditärer — 
100. Schwefelbäder b. — 73. Vorlesun¬ 
gungen ü. Pathol. d. — v. Lang. 271. z. 
Beh. d. — 27, 229. z. Bekämpfung d. — 
25. z. Prognose d. Gehirn — v. Braus 
229- — v. auch Statistik. 

T. 

Tabakrauchen, Gefahren dess. 221. 

Tabes dorsalis u. Plantargeschwür. 243*. 

Tamponade, antisept. — u. Secundärnaht. 334. 

Tampons, Desinfection d. Scheiden — 100. 

Taschenkalender, ärztlicher — für 1886. 7. 

Terpenthininject. b. malign. Tumoren. 321. 

Tetanus. 441,442,450- 

Thallin b. Abdominaltyphus. 253. z. Wirkung 
d. — 109- 

Therapie, Vorlesungen über allgem. — v. Hoff- 

mann. 118. 

Thermogalvanometer, neues — 52. 

'Thermometer, z. Aichung d. — 311. 

Thoracotomie, neue Methode d. — 827. Ver- 
schlussvorrichtnng b. — 230- 

Thoraxpunction, Zufall b. — 230. 

Thyreoiditis bei Typhus. 294. 

Tinct. Cannab. indic. als Anästheticum. 199. 

Tollwuth, z. Prophylaxisd. —405*. Abnahme 
d. — in Deutschland. 139. Präventiv¬ 
impfung geg. — v. Pasteur. 84, 103,112, 
121, 139, 159, 221, 248,253,256,265, 
272, 281. 289, 297, 312. v. Valli. 305. 


Untersuchungen über — 112. z. Beh. d. 

— mit Chloroform. 101. mit Hoäng-nän. 
399. mit Spiraea filipendula. 312. 

Transmigratio ovuli, Fall von — 367. 
Transfusion v. Kochsalzlösung b. Verblutung. 

87*. — v. peptonisirt. Blut. 177. 
Transplantation nach Tbiersch. 293* 
Trepanation d. proc. mastoid. 177. 

Trichinose, z. Casuistik d. — 439*. — der 
Wildschweine. 94. — in Berlin 1885. 
188. — u. deren Therapie v. Dyes. 295. 
z. Therapie d. — 50. 

Trichocephalus dispar. 451. 
Tricuspidalisinsufficienz, z. Diagn. d. — 407. 
Trigeminus-Neurosen. 39. 

Trinkwasser, Mikroorganismen im — 329. 
Tripperrheumatismus, Lithion salicyl. bei — 
103. 

Tuberkelbacillen ? z. Färbung d. — 128. 
Tubercubse, chirurgische Erfahrungen über 

— 236. — d. Knochen u. Gelenke v. Kö¬ 
nig (russ.). 452. Inoculation8 — nach 
Amputat., Fall v. — 398. — und Osteo¬ 
myelitis. 413. 

Tumoren des Bauches, Hamstoffbestimmung 
b. — 441. maligne —, Terpenthiniiyect. 
in - 321. 

Typhus abdem., Culturen d. Bacill. b. —270. 
Kairin b. — 310- Thallin b. — 253. 
Thrombosen b. — 351. z. Beh. d. — 287. 
—bacillen, Nachweis d. — 238. — exanth. 
in Moskau. 94. hämorrhag. »Diatbese b. 

— 270. — in Tonkin. 310. v. auch Sta¬ 
tistik. 

u. 

Ulcus ventricul. rotund., z. Lehre d. — 327. 
Unguent. einer, b. Pneumonie. 2*. 
Unterrichtswesen, raedieinfaches — 117. 
Urämie u. Harnresorption. 45*. z. Lehie der 

— 245. 

Urethan b. Strychnin Vergiftung. 323*. — als 
Hypnoticum. 168. 

Uterus, Fremdkörper im — 169. 

— exstirpation. totale —, Discuss. 210. 

— höhle, Besichtigung d. — 149. 


V. 

Vaccination, z. Frage der — 131. 
Vaccinemikrokken. 82. 

Venerische Krankheiten, Verbreitung dselb. 

in Petersburg. 379*. Jodoform b. — 262. 
Verbandpäckchen d. Soldaten. 287. 
Verblutung, Transfusion v. Kochsalzlösung b. 
-87*. 

Verbrechen u. Irrsinn. 156. 
Verbrennungsspuren b. Schusswunden foren¬ 
sisch. 93. 

Verdauung, Gesetze d. — 135*. Einfluss d. 
Schwitzens auf d. — 50. Klinik d. — s- 
krankheiten v. Ewald. 263. 

Vergiftung, Opium — durch Muttermilch, Fall 
von — 26. Pilz — 17. 

Verletzung, Fall v. hochgradig. Maschinen — 
452. 

Verrücktheit, hypochondrische — 197. 
Vitali8mus u. Mechanismus v. Bunge. 118. 
Volvulus, Fall von Laparotomie b. — 148. 
Vomitus gravidarum, Chloralclystiere b. — 
131. 

w. 

Wärmeabgabe u. Hautperspiration b. Fir¬ 
nissang. 52. 

Wässer, z.Reinigung faulig. — v. König. 320. 
Warzen, Elektrolyse bei — 197. 
Wehenschwäche, Ursache n. Beh. d. — 72. 
Whitania somnifera. 122. 

Witterung u. fibrinöse Pneumonie. 237. 

— u. Operationen. 248. _ 

Wladimirow - Mikulicz’scbe Operation, Fälle 

von — 9. 

Wundverband ohne Antisepsis. 137. 

z. 

Zahncaries, Anästheticum b. — 445. 

— putzwasser, wohlschmeckendes — 157. 
Zange am nachfolgenden Kopf. 146. z. unbe- 

endeten Extraction mit d. — 375. 

Zucker im Blut. 50. z. Bestimmung <1 • ss. im 
Harn. 413, mit Pikrinsäure. 335. 
Zwangsvorstellungen u. Paranoia. 264. 


Namen -B, e g i s t e r. 


Aarousin 199 
Afanasqjew 177. 

Ahlfeldt, F. 72. 

Albanus 130, 392. 

Albert, E. 34. 

Albor, N. f 159. 
Alex&ndrow, A. f 272. 
Alvarez, M. 293. 

Amann 451. 

Amburger, G. 193*, 261*, 
8, 130,188. 

Anders, E. 60, 247. 

Anders, Th. t 26. 
Andrijewski + 289. 
v. Anrep, B. 323*. 

Arakin, T. M. + 84. 
Arnheim 52. 

Assaki 59. 

Assmuth, J. 45 *,411*, 120, 
158,188, 376 . 

Aufrecht 197. 

Auspitz, H. f 199. 
Awajew. A. t 352- 
Axcnfeld 82. 

Babes, V. 103,352. 
Babuschkin, W. f 170. 
Baelz, E. 375. 

Baldi 350. 

Balestreri 442. 

Bardet 157. 

Barthel E. 2\ 148, 392. 
Bartoscaewitsch 1256. 
Bashenow, W. N. 1329. 
Basilinski f 424. 
Baumgärtner 336. 

Bayer, K. 34. 
DujardinBeaumetz 157. 


v. Beck, B. 335. 
van Becker 401. 

Beevor 334. 

Bahrend 248. 

Beliawski f 281. 

BelI, R. t 248. 

Bennett, E. M. 334. 

Berens, A. f 304. 

Berg 128, 264. 

Bernatzik 210. 

Bernstein, A. + 376. 

(Bert, P. f 400. 

Beesonow + 211. 

Betz 176. 

Bey, C. 443. 

Besold, F. 263. 

Bidder 92. 

Biel, J. 443. 

Bignon 375. 

Binz 220. 

v. Birch-Hirschfeld, s. u. H. 
Bielinski, B. + 35. 
Blocbaum, F. 59. 
v. Bloedau, K. + 424. 
Bochefontaine + 112. 
Bockhardt, M. 262. 

Boeck, C. 302. 

Boeckel, E. 327. 
Bogaiewski 40. 
Bogogubow, A. f 400. 
Boianiü + 400. 

Boltenkow + 336. 

Bong, R. 1312. 

Bornhardt, A. 108*, 196*. 
Bouchardat t 139. 

Bovies 450. 

Boymond 327. 

IBradford, H. W. 19. 


Brandis, B. 229. 

Brasol, L. 280. 

Brass, A. 137. 

Braun, H. 279. 

Braus, 0. 229. 

Brehmer, H. 391. 

Bresgen, M. 169. 
v. Broecker G. + 53. 
Brnberger, M. f 256. 
Bruns, P. 83. 

Bnceola 309. 

Bachwald, A. 294. 

Bull, E. 168. 

Bum, A. 431, 452. 

Bumm, E. 442. 

Bunge, G. 118. 

Burkart 245. 

Burkhardt, E. f 211. 
Burkhardt-Merian s..n. M. 
Burschinski. P. 287. 
Burschtynski, K. f 344. 
Busk, G. f 304. 

Butz, R. 293*. 

Bystrow, N. 35. 
i 

Caddac 94. 

Cadge, W. 3ly. 

Cahn, A. 451. 

Camus 118. 

Cantani, A. 462. 

Carter. 265. 

Chadwick, Ch. f 336. 
jv. Chamisso, H. + 84. 
Championniöre, L. 359. 
Charcot 220. 

Chauvel 281. 

Chisolme305. 
ICkerner-Cuesta, J. t 159. 


Cliquet*271. 

Cobbold, T. S. f.149. 

Coön 328. 

Cooper.W. W. f]221. 
Corianaer 265. 

Mac Corraac. H. f 256. 
Cornil 352. 
v. Corval 336. 

Courty, A. f 131. 

Daschkewitsch f 408- 
Davidson, D. f 393. 
Dawydow t 352. 

Dehio, K. 133*, 283*. 
Demant, B. 451. 
v. Dembowski,;Th. 91. 
Disse, J. 293. 

Djnkow 156. 

Dobroslawin, A. 5, 6, 102. 
Dohrn 320. 

Doknrno, F. f 211. 
Dombrowski 9, 60. 230, 
444. 

Döremns 188. 

Dornblütb, 0. 4. 

Dornig, J. 350. 

Doubleday 333. 
Doutrelepont 293. 

Dranisyn, J. f 312. 

Draper,. J. f 26. 

Dubiski, J. + 344. 
Duchenne, G. B. 7, 310. 
Diyardin-Beaumetz s. n. B. 
Dunin, Th. 351. 

Durand 270. 

Dyes, A. 295. 

Ebermann 41, 111. 

Eckert, A. 127. 


Ehrlich, P. 253. 
v. Eiseisberg, A. 279. 
Ellert, G. f 281. 

Elzin 25. 

Engelmann, F. 351. 
Erb, W. 310. 

Erhard 359. 
Erlenmeyer 254. 

Erui 451. 

Ernroth 62. 

Escard 176. 

Espana, T. + 149. 
Estor f 304. 
Enlenbnrg, A. 295. 
Evans, W. 26. 

Evers f 41. 

Ewald, C. A. 263. 

Faire, F. J. f 433. 
Faure, V. 42. 

Favre, W. 333. 
Fedorow, P. f 312. 
Fehling 219. 

Gsell-Fels 445. 

Ferdy, H. 407. 
Fergnsson, S. 1304. 
v. Fillenbaum 317. 
Finkeistein, J. M. 175. 
Finkeistein, L. 237. 
Firssow f 376. 

Fischei, W. 431. 
Fischer, G. t 418. 
Fleischer 384. 
Fleischmann 169. 
Flerow, P. P. tl99. 
Flint 1121. 

Flores 353. 

Focke, W. 350. 


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Folsom 393. 

Forgue 294. 

Förster 288. 

Förster, C. + 181 " \ 
Fourniö, E. f 178. 
Frftnkel, A. 24, 317. 
Fränkel, B. 246. 
Fränkel, E. 351. 
Fr&enzel, 0. 287. 
Fremmert 35. 
Freudepberg 146. 
Frej 336. 

Friedländer, M. 127« 
Frisch 289. 

Froebelins, W. f 221. 

krolog 231. 
Ffltterer, 0.128. 


Gätbgens 400. 

Gamgea, J. S. + 368. 
Gaudichier 302. 

Garrö, C. 450. 

Geissler, E. 110, 391. 
t. Gellhorn 104. 

Te Geropt 237. 

Genenil 397. 

Gerhardt, C. 27Q, 293,295, 
390. 

t. Gernet, A. t 385. 
Geschwind 271. 

Gierke, J. f 178. 

Goldfeld, M. f 19. 
Golebuwsky, E. 333. 
Goodell, W. 127. 

Gopadse, J. 261. 

Gorain 1352. 

Gotthelf, F. 5* 

Grandin 263. 

Grazianski 74« 

Greidenberg 254. 
Grigorowitscb, F. 279. 
Grimm, J. 89*. 198. 
GrOdinger, ß. 7 . ' 

Grofe, A. t 281. 

Grohö, F. t 418. 

Groacb, J. f 170. 

Gsell-Fels s. n. F. 

▼. Gudden, B. f 231. 
Guörin, J. + 41. 

Gutt, J. t 84. 

Gattmann, P. 91, 262. 


▼. Holst, L. 299*, 363*, 
230. 

t. Holst, V. 343. 

Hondö 39. 

[Hoppe-Seyler s. n. S. 

Horner + 464. 

Horsley 122. 

Huchard 168. 

Hüber 119, 157, 158, 220. 
Hübner 238. 

Hnemmerich 175. 

Hüppe, F. 398. 

Hnndias + 368. 

Ne-jlgelberg, A. Nekrolog 18. 
Immermann, H. 390. 

Ingels 1199. 

Iwanow f 281. 


Jacnbowitsch 186. 
JaffA M. 443. 

Jagell, J. 312. 
Jankowiu, A. + 424. 
Jansen 264. 

Janson 83. 

Jeliokin t 297. 
«fentyss, A. + 368. 
Jewssejenko 137. 
Jogiches, A. 254. 
Jones, D. 321. 
Jürgens 131. 


Hack, W. 229. 

Häcker, A. Nekrolog 10. 
Hagen-Torn Hl. 

Hahn t 272. 

Halberstamm 91. 
Hallibnston, W. D. 103. 
Hamilton, F. + 304. 
Hampeln HO. 187. 280. 
Hartge, A. 419* 279. 
Hartmann, A. W. 40,451. 
Hausmann, A. f 433. 

▼. Hebra, H. 101. 
Heerwagen 301*. 463. 
Heiberg 101. 

Heibowitsch + 103. 

Heller, A. 6 . 

Hellwig 75. 

Henrid, A. 97* 34, 102. 
Herff, 0 . 398. 

Hernnann, F. 405* 120, 
417. 

Hers, L. 443. 

Herzenstein, G. 25,74,102, 
326. 

Heubner 188. 

Heydenreich, Th. 137. 
Hinkeldeyn, J. 1368. 
Hinse, V. 243*, 349*. 
t. Birch-Hirschfeldt, F.210.1 
Hirschler, A. 431. 
Hirsohsprang 407. 
Hochsinger 100. 

H&gyes 112. 

Hoffa, A. 128. 

Hoifmann, A. 367. 
Hollmann, F. A. 118» 
t. Hoifmann 336. 

Holmes 409. 


Ka^jan 111 . 

Kadnikow f 400. 

Kahan, J. A. 275*, 26. 
Kalitschitzki, P. M. f 433 
Kandinsky, V. 40. 

Karell, Ph. f Nekrolog! 
311. 

Karst, S. 209. 
Kasakewitsch, 0. t 75. 
Kassowitz 100. 

Katzaurow, J. 375. 

Kernig 8 , 61,101, 188. 
|Ket 8 cher, N. f 385. 

Kirsten 418. 

Kisch, E. H. 116*, 384. 
Klein, 8 . 263, 281. 
Klemperer 293. 

Kobert, B. 359. 

Koch 100. 

Köhler, A. 333. 

König, F. 295, 334 , 383, 
406, 452. 

König, J. 320. 

[Kogelmann, F. 122. 
Kolomnin, S. P. 11 , 138, 
139,f 408. 

[Kondraijew, N + 320- 
Kopp, C. 461. 

Koppe, R. 146, 168. 
Koretzki 138. 

Korf, W. f 289. 

Korff f 360. 

Koshin, E. f 344. 

Kraack, A. W. f 35. 
Krajewski, A. 73. 

[Kraker 7. 

Kramer 406. 

Krannhals 301*, 238, 264, 
280. 

Kraske, P. 262. 

Krassowski, A.*S. f 221. 
Kraus, F. 367. 

Kreuser 327. 

Kröger, 8 . 8 ,101. 
Krokowski, J. f 256. 
Kruber, A. t 408. 

Krylow 1 . f 360. 

Krylow 2. T 281. 

Krylow 3. t 393. 

Kümmel, H. 278. 

Küster, E. 442. 

Kttstner, 0. 326. 

[Köttner, C. + 149. Nekro-I 
log 158. 

Kunacbowitsch, F. t 53. 
jKusmin 138. 

Kutscbewski, A. f 352. 


Lasche, 8 . 73* 

Labuz f 360. 

Ladenburg, A. 149. 
Lagner, B. 253. 

Lang, E. 271. 

Langaard, A. 287. 

Lanz, A. 315*. 

Lapin, A. G. + 297. 
Larger 450. 

Lassar, 0. 263. 
LaueDstein, C. 350. 

Lauer, E. 24. 
Morel-Lavallöe, M. 310. 

▼. Lavandal, Th. J. + 289 
Lazanki 137. 

Lebedanski f 360. 
Lebedew, G. + 289. 

Leo, F. 131. 

Leone 329. 

Lequime + 408. 
jLesser, E. 238, 352. 
Lesshaft, A. 50. 

Leusser, J. F. 175. 

Levi, M. f 75. 

Lewin, L. 146. 

Levis, T. t 211. 

Leyden, E.*245, 318. 
Liebert 17. 

Liebreich, 0. 91. 

Limaröw f 63. 

[Lingen 211,220, 417. 

Lipski 102. 

[Lissner, F. t 433. 
Litschkow 418. 

Litzmann, C. 452. 
Löwe-Calbe f 393. 
[Löwenmeyer, M. 261. 
Löwenthal, H. 237. 

Lomer, B. 146. 

Löss f 424. 

Luchsinger + 35. 
Lustgarten. S. 293. 

Lwow, J. 375. 


Moritz, E, 2*, 61, 220,230, 
417, 433, 444. 

Moritz, J. f Nekrolog 417. 
Morochowetz, L. 135*« 
Morosow 93,177. 

Müller, F. 295. 

Mumorzew, A. f 188. 

Nadeshdin 40. 

Naether, B. 197. 

Nauwerck 367, 422. 

Nebel, H. 342. 

Nekrassow f 329. 

Neuhaus, B. 238. 

Neumann. H. 91. 

Neumann, J. F. 21*. 

Nieden 350. 

Nikiforow, A. t 344. 
v. Norden, C. 219. 

Nowak f 131. 
Newiin-Nowogonski t 360. 
Nowodworski + 360. 

Nuhn, A. 73, 169. 


Magawly 238. 

Makawejew 138. 

Maklakow 62. 

Makowezki, T. f 103. 
Malet 94. 

Maragliano. E. 310. 

Marcowici f 75. 

Marcus 246. 

Marie 220, 229. 

Martenson, B. + 26. 

Martin 147. 

[Haging, B. 347*, 9, 320, 
417. 

Masse 303. . 

Maunoury 450. 

[Mazonn, J. F. + 19. 
Mendelejew 102. 
Mendelsohn, M. 228. 
Merckün 264. 
Burckhardt-Merian + 424. 
v. Mering, J. 24. 
de Meser, A. + 149. 

Meyer, Th. t 221. 

Mial f 408. 

[Michael 136, 279. 

[Michaelis f 418. 

Michailow, K. f 159. 
Michailowski 73. 
Mierzejewski, W. 0. 365.*| 
Mikulicz. J. S09. 

Mikulinski t 454. 

Mikulski + 211. 

Miller 176. 

Mizewicz + 231. 

Mizkuner 367. 

Modselewsky f 149. 

Möbius, P. J. 118. 

Moeller, J. 110, 391. 
[Mörner, C. 451. 

Möser, H. 227. 

Monastyrski, N, 13*, 9,130,1 
391, 392,432,433. 
Moncorvo 83. 

Monier, R. + 159. 

D’Monte 101. 
Morel-Lavall 6 e s. u. L. 


|OboIen 8 ki 83. , 

Ochotin 53 . 

Oertel, M. 137. 

Je, W. 103. 

Olenew, J. f 149 . 

Opitz, W. 169. 

Oppenheim, H. 128. 

Orlow 61. 

Ortweiler 295. 

[Osthoff 245. 

Ott 177. 

Pantelejew, 8 . 1 112. 
Parvin 131. 

Paulson 255. 

[Pavy, P. W. 319. 

Pawlow 138. 

Pawlowski 26, 138, 177. 
Pelligot f 221. 

Peltesohn, N. 246. 
Penkowski, W. f 103. 
[Peters 26, 230, 392. 
Petersen 0. 379*, 62,128, 
130, 198, 23a 375, 392, 

Philpots 42. 

Pobf-Pincus 310. 

Petrow f 149. 

Pjatnizki 1103. 

[PJastunow t 329. 

Pleischl, Th. f 63. 

Plenio 431. 

Podsenkowski t 408. 

Poehl, A. 115*, 155*, 357*J 
60. 464. 

Polaillon 351. 

Polotebnow, A. G. 25, 210, 
227. 

Ponchet 337. 

Popandopulo, W. 302. 
Popow f 149. 

Popow, A. f 26. 

Popow, A. N. 377. 

Popow, 8 . A. 52. 

Popow, W. f 139. 

Porgesf 418. 

Port 229. 

Poschiwailo, G. t 418. 
Posner, C. 17. 

Possashnyi 53. 

Potjechin t 231. 

Poulet 228. 

Prandina t 240. 

Presl 27. 

Protassow, A. f 170. 

Putz, G. t 454. 

Baumann, f 454. 
Babinowitsch 359. 

Babow 63. 

Baptschewski 34. 
[Basspopow f 445. 

Räuber, 0. 137. 
Rauschenbach, F. 37*. 
Rautenfeld 247. 

Beimann 287. 


v. Renard. K. + 329. 
Renken. H. 413. 

Reverdin, J. 441. 
Bichardson, B. W. 248* 
Richardson, J. t 454. 
Riegel, F. 413. 

Riegel, J. 407. 

Riehl, A. + 320. 

Biese, H. 451. 
8 chmidt-Rimpler 122 . 

Boche 287. 

Bodsajewski, D. K. 339*. 
350. 

Bogowitsch, N. 343. 

Bona, 8 . 343. 

Rosenbach, 0. 218. 

Bosenöl + 304. 

Bosenstirn, J. 390. 
Bosentbal, M. 320. 

Böser, K. 334. 

Bosow, N. f 256. 
Rotschinin 35. 

Boy 382. 

Bunge, W. 147. 

Saalfeld, E. 443. 

Sachs, H. 463. 

Sänger, G. + 84. 
Saiontschkowski f 281. 

Saks f 103. 

Salugowski 177. 

Santesson, C. t 35. 

Sarron, A. 18. 

Sarusski, J. f 103. 

Saturski 1159. 

Legrand du Saulle, H. f 
178. 

8 ayre, L. A. 73. 

8 chachno + 112 . 

Schadeck, C. 143*, 267*, 
459*. 

Schadewaldt 39 . 

Schaffer, M. 210. 

8 charer, E. 17. 

Schafier, H. 220. 
Scharschmidt 103. 

Schatz 279. 

Scheff, G. 320. 

Schenker, G. 461 
Scherscbewski, M. 383* 
Schidlowski 93. 

Schilbow 53. 

Schilling, F. 209. 

Schliep 336. 

Schijachtin 83. 

Schmeltz 382. 4 
Schmidt, A. Ch. i 418. 
Schmidt, K. W. f 53. 
Schmidt, M. I. 235*, 317*. 
Schmidt, M. H. 147. 
Schmidt, 0. 366. 
Scbmidt-RimpJer 8 . u. B. 
Schmitz, A. 49*, 111, 219, 
433. 

Schneider 336. 

Schott, A. f 84. 
Scbpoljanski, G. 50. 
Schramm, J. 393. 

Schranz, J. 383. 

Scbroeder, Cb. 128,187* 
Schrauth, C. 367. 

Scbroeder, L. 439*. 
Schtschepkowski f 248. 
Schttle 398. 

Schütz 293. 

v. Schultön, M. W. 185. 
Schultz, Fr. 207*, 233*, 
301*, 429*, 264, 452. 
Schwedow t 248. 
Schwemberger, B. f 240* 
Schwimmer 63. 

Söe, M. 272. 

Seegen 50. 

Seibert, A. 237. 

Seiffert, H. f 112. 

Söguin 303. 

Selenkow 138, 230. 

Seldön 221. 

Semmola 288. 

Senator, H. 294. 


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Sewruk + 84. 
Hoppe-Seyler, G. 334. 
Shirmunaki, M. 308*. 
Shornikow + 360. 
8i]bermans, 0. 327, 328. 
Singer, J. 24. 

Sippel, A. 157, 327. 
Sjerikow, W. f 41. 
Sklifossowski 138. 

Skor, G.!413. 
SkrebiUky, A. J. 29*. 
Sknba, N. + 199. 

Smitb, J. G. 326. 

Smith, M. F. 383. 
8molen.8ki t S. f 289. 
Sokolsk 1 , G. f 188. 
Solger 246. 

Spaak 401. 

SpreDgel 334. 

SpeeT, W. 1139. 

Sperk 25. 

Spißharny 177. 
Saabanejew, J. 421*. 
Ssacbarow f 248. 
Sßasonow, A. + 170. 
Ssemenow f 256. 
Ssinizyn 111. 

Sßlawin, N. + 408. 
8ßochanski, S. f 35. 
Ssytschagow 418. 
Seyzjanko, J. + 248. 
Staddmann 321. 


|Sta]lcnp 42. 

Steinberg 138, 176. 
Stempkowski 1112. 

Stetter 110. 

Stilling,J. 73. 

Stoll 101. 

Streatfield f 139. 

Strukow, A. f 188. 
8trnpow f 199. 
v. Stryck 239. 

Subaröw + 336. 

Sucbow 73. 

Snlima 40. 

Swinzow, A. f 418. 

Syrenin 111. 

I 

jTaguchi, K. 293. 

Tait, L. 91. 

Talma, S. 118. 

Taube, W. 197. 

Tauber 10, 40, 186. 

Tavel 293. 

Tepljaschina, M. f 312. 
Thttry, F. 335. 

Thiriar 441, 450. 
Thompson, H. 6, 295. 
Tichomirow 62. 

Tiger, G. J. 100. 

Tiüng, G. 4*, 119,403* ,444. 
Tillmauns, fl. 91. 

Titow f 41. 

Tolkatsch 1121. 


Tornwaldt, G. L. 271. 

Vogt 321. 

Trebut 122. * 

Voigt, L. 82. - 

Trubatschew, A. 186. 

Volkmann, R. 236. 

Treymann, M. 67*, 184*, 

Voltolini 197. 

453. 

Voss 413*. 

Tscheremschanski, E.f 159. 

Vulliet 149. 

Tschernow, W. 262. 

Vulpian 103. 

Tßcbißtjakow 74. 
Tschunichin, P. 17. 

Wagner, E. 147, 220, 309, 

Tumaß, F. 34. 

431. 

Tuczek 421. 

v. Wahl, E. 173*, 

Twerizki f 393. 

Wahl, M. 398. 

Uffelmann 253- 

Wakley, J. + 336. 
Waldhauer, C. 165*. 205*. 

Ugijunow 25. 

Waaserfuhr, H. 237. 

|ühle, F. 59. 

Wassilewski. S. 24. 

jUnkowßki, J. 34. 

Wassiljew, B. S. + 41. 

Unna 109. 

▼. Watraszewski 387*, 27. 

Usaenko, A. t 320. 

Warawka f 418. 

Uwarow 62, 102. 

Weber, F. 87*, 101. 

Vallender 199. 

van der Weide 118. 
Weinlechner 127. 

Valli, E. 305. 

Weise, H. 461*. 
Weljaminow 137, 138, 177. 

Varlin 441.|| 

Varrrentrap n G. f 112. 

Welt, S. 109. 

Vanghan'149. 

West 281. 

Veh, F. f 385. 

Westphal 318. 

Verchdre 452. 

Werner, P. 81*. 

Vernenil 450. 

Weyl, Th. 237. 

Vigier 42, 157. 

Whithaker 42. 

Vogel I. 210. 

Wicherkiewicz, B. 18. 

Vogel II. 10, 138, 177. 

Wiedemann, C. 395*, 230. 


Wießentbal 25. 

Wilbelmy 335. 

Wilishanin, P. N. 55*. 
Wilmer, fl. 333. 
Wiltßcbnra, A. 270. 
Winogradow, K.N. 26, 53. 
Winogradow, N. f 26. 
Winter 302. 

Wißard, A. 462. 
Wißcbnewski f 112. 
Witowski, A. 310- 
Witte, E. A. f 103. * 

Witz 73. 

Witzei, A. 335. 

Wölfler 319. 

Woitkewitsch, J. 228. 
Wolff. J. 270. 
Woronzowski, N.'f 121. 
Woßsinski 1149. .. 

Wulff, F. 125*, 101, 119 
230. Nekrolog 120. • 
Wwedenski, A. 111, 118. 
Wyeth, J. 232. 
Wyschkowßki + 376. 

▼. Zeissl, M. 59, 293. 
Zenner 393. 

Zeßa«, D. G. 310. 

Ziegler 367. 

Zjjescheiko t 445. 

Zueber 1312. 

Zygaukow, A. f 63. 


ÄoßBoaeHo r^eusypoH) C. UeTepöyprB, 27 ^eaaßpa 1886 r. Tunorpa^iH „IleTepÖ. ras.“, Baa^HMipcKift np., Af 12. 


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Neue Folge. 


St. Petersburger 


III. Jahrgang. 

(ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 


Medicinische Wochenschrift 


Prof. Ed. v. WAHL, 
Dorpat. 


unter der Redaction von 

Dr. L. v. HOLST, 
St. Petersburg. 


Dr. GüST. TILING, 
St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Lin¬ 
dem 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Insertions-Preis für 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist io Kop. oder 30 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

Ns 1 


Abonnements-Aufträge bittet man an die Buehhandlang von 
Carl Ricker ia St. Petersburg, Newsky - Prospect AI 14 zu richten. 

Inserate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
reau von Friedrich Petrlck in St. Petersburg, Newsky-Prospect AI 8, 
entgegengenommen. Manuscripte sowie alle auf die Redaction 

bezüglichen Mittheilungen bittet man an den geschäftsfÜhrenden Re- 
dacteur Dr. Gustav Tiling (Kirotschnaja AI 39) zu richten. 

1886 . 


St. Petersburg, 4. (16.) Januar 


Inhalt! B. B a r t h e 1 und E. M 0 r i t z: Behandlung der cronpösen Pneumonie mit Einreibungen grauer Salbe. — G. T i 1 i n g: 
Ueber eine kleine Modification der Blasennaht. — Referate . Otto Dorublüth jun.: Bin Beitrag zur Theorie und Praxis der Arsnei- 
behandlung des Diabetes mellitus. — Prof. Dobroslawin: Ueber Desinfectiou vermittelst des Salawasserofens. — F. Gotthelf: 
Die Hasenscharten der Heidelberger Klinik, 1877—1883. — Prof. Sir Henry Thompson: Ueber die Cystotomia suprapubica. — 
A. Dobroslawin: Der Nährwerth der verschiedenen Tbeile des Schlachtviehes. — A. Heller: Ueber Erwärmung und Abkühlung 
des Infanteristen auf dem Marsch und der Einfluss der Kleidung darauf. — Bacher-Anzeigen und Besprechungen . Prof. W. Anrep 
and N. Woronichin: Aeratlicher Taschenkalender auf dAs Jahr 1886. — G. B. Duchenne: Physiologie der Bewegungen nach 
elektrischen Versuchen und klinischen Beobachtungen mit Anwendungen auf das Studium der Lähmungen and Entstellungen. * R.Grö- 
d i n g e r: Mittheilungen aas der syphilitischen Abtheilung des Hospitales au Alexandershöhe bei Riga. — K r a k e r: Mittheilungen des 
Vereins der Aerate in Steiermark 1884. — Leseproben and Schrifttafeln. — Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft praktischer 
A erste zu Biga. — Auszug aus den Protokollen des deutschen Ärztlichen Vereins . — Protokolle des Vereins St. Petersburger 
Aerzte. — Adalbert Häcker +. — Eingesandt . — 1. Session der Moskau-St. Petersburger Gesellschaft. — V erwischtes. — Morta¬ 
litäts-Bulletin St. Petersburgs . — Anzeigen. 



An unsere Leser. 



In diesem Jahre vollendet sich das erste Decennium des Bestehens dieser Wochenschrift. Da 
mag es der Redaction denn gestattet sein einen Rückblick auf die vergangene Zeit zu thun und ihre Ab¬ 
sichten und Wünsche für die Zukunft auszusprechen. Die Wochenschrift hat vom Beginne an sich die Auf¬ 
gabe gestellt ein Organ vorzugsweise für die deutschen Aerzte Russlands zu sein, welche kein anderes in 
deutscher Sprache und im Inlande erscheinendes Fachblatt besitzen. Um diesen Zweck zu erreichen, wurde 
den Collegen die Gelegenheit geboten ihre Erfahrungen und Anschauungen in der Wochenschrift zu ver¬ 
öffentlichen, und Hess die Redaction andererseits sich angelegen sein durch Referate und Kritiken über die 
wichtigeren Erscheinungen auf dem Gebiete der medicinischen Literatur aller Länder, durch Veröffentlichung 
der Verhandlungen einiger namhaften deutschen ärztlichen Gesellschaften des Inlandes so wie durch Perso¬ 
nalnotizen und andere Mittheilungen die Leser in Bezug auf die Fortschritte der Wissenschaft im Allge¬ 
meinen, so wie über das wissenschaftliche Leben in inländischen ärztlichen Kreisen und über Standesange¬ 
legenheiten auf dem Laufenden zu erhalten. 

Unser Streben hat Anerkennung gefunden. Schon die Thatsache dass die Wochenschrift seit 10 
Jahren besteht, ist an sich ein Erfolg, der nicht gering anzuschlagen ist, wenn man bedenkt, mit welchen 
Schwierigkeiten die Wochenschrift zu kämpfen hat um eine Concurrenz mit den deutschen medicinischen 
Blättern des Auslandes von alt begründetem Rufe aushalten zu können. Es fehlt uns die dichtgeschlossene 
zahlreiche Menge von Collegen die einen grossen Leserkreis bilden könnte, es fehlt uns vor Allem die breite 
und sichere Basis einer grossen Universität, deren Leistungen nach einem Ausdruck in der Oeffentlichkeit 
verlangen. Trotz dieser Schwierigkeiten können wir mit Genugthuung constatiren, dass das Interesse für 
die Wochenschrift in stetig fortschreitendem Maasse gewachsen ist, was sich sowohl in der wachsenden 
Zahl der Beiträge als in dem zunehmenden Leserkreise zeigt, sowie in der Beachtung, welche von ausländi¬ 
schen Fachblättern den von der Wochenschrift gebrachten Mittheilungen gezollt wird. 

Diese Erfahrungen berechtigen uns auf dem eingeschlagenen Wege muthig auszuharren und die Hoff¬ 
nung zu hegen, dass die Wochenschrift sich mehr und mehr die Theilnahme der Collegen verdienen werde. 
Unsere Zwecke und unser Programm bleiben die galten; an unsere Collegen aber richten wir wiederum die 
Bitte nicht müde zu werden und uns auch fernerhin freundlichst und nach Kräften zu unterstützen mit Bei¬ 
trägen, Referaten, Personal- und Localnachrichten, welche letzteren wir bisher meist anderen Blättern zu 
entnehmen hatten —, damit die Wochenschrift mehr und mehr werde was sie sein will: ein Sprechsaal für 
die inländischen Collegen, ein Blatt welches geeignet wäre ihnen — namentlich den in kleinen Städten oder 
auf dem Lande mehr isolirt dastehenden — das Wissenswerthe in dem Umfange zu bieten, dass ihren Be¬ 
dürfnissen damit genügt wäre, und sie — was die ausländischen Blätter nicht thun können — auch über 
Standesangelegenheiten, seien sie nun mehr allgemeiner, oder aber mehr localer und persönlicher Natur, 
. genügend informirt zu halten. 


Der Abonnementspreis ist incl. Zustellung in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 4 Rbl. für ein halbes Jahr; 
in den andern Ländern 16 Mark für das Jahr, 8 Mark für ein halbes Jahr. — Abonnements-Aufträge bittet 
man an die Buchhandlung von C. Ricker in St. Petersburg, Newsky-Prospect Ji 14 zu richten; Inse¬ 
rate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Comptoir von Fr.Petrick, Newsky-Prospect tä 8 entge- 


gengenommen. 


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2 


Behandlung der croupösen Pneumonie mit Einreibungen 
grauer Salbe. 

(Ans dem weiblichen Obnchow-Hospital.) 

Von 

Dr. E. Barthel und Dr. E. Moritz. 


Die Verwendung von Quecksilberpräparaten bei der Be* 
handlung der croupösen Pneumonie ist jedenfalls schon alt, 
und sind es das Calomel und der Sublimat, die wiederholt 
ihre warmen Lobredner in dieser Richtung gefunden. So 
trat W i 11 i c h *) im Jahre 1850, als die Behandlung der j 
Pneumonie nach der französischen Schule mit ausgiebigen 
und wiederholten Aderlässen mehr und mehr in Misscredit 
gerieth und eine Reactiön hervorzurufen begann, mit seiner 
Calomelbehandlung derselben hervor. Den damals gelten¬ 
den pathologisch-anatomischen Anschauungen entsprechend, 
sollte das Calomel den Faserstofiexcess' des Blutes, die crou- 
pös-fibrinöse Krase schnell herabsetzen; ausserdem sollte es 
die Congestion zu den Lungen vermindern und die Schmel¬ 
zung des gesetzten Exsudates befördern. Eine ähnliche 
Wirkungsweise wurde von verschiedenen Autoren auch dem 
Sublimat bei der Behandlung der Pneumonie nachgerahmt. 
Allein man fand sich bald in den anfangs sehr sanguini¬ 
schen Hoffnungen, die man auf die genannten Quecksilber¬ 
präparate gesetzt hatte, zum Theil getäuscht und zur Aus¬ 
bildung einer mehr oder weniger allgemein adoptirten Me¬ 
thode der Quecksilberbehandlung der Pneumonie kam es 
nicht, wenn auch hin und wieder bewährte Kliniker in ihrer 
Ansicht nach besonders dazu qualificirten Fällen auf die 
Anwendung des Quecksilbers recurrirten. So erinnere ich 
(Barthel) mich noch lebhaft, dass Prof. Eck uns bei 
seinen klinischen Vorlesungen wiederholt den Sublimat 
Warm empfahl bei der Behandlung schwerer Pneumonien 
bei alten, das 50. Lebensjahr überschritten habenden Pa¬ 
tienten. Gleich in den ersten Jahren meiner Thätigkeit 
am weiblichen Obuchow-Hospital hatte ich wiederholt Ge¬ 
legenheit, diesen Rath zu befolgen, muss aber offen ge¬ 
stehen, dass ich mit der Anwendung des Sublimats wenig 
Grund hatte, besonders zufrieden zu sein und zwar schien 
mir der etwaige Nutzen desselben durch die differente, irri- 
tative Wirkung auf den Magen-Darmtractus, dessen unge¬ 
störte Function bei der Behandlung einer schweren Pneu¬ 
monie so ausserordentlich wichtig ist, mehr als compensirt 
zu werden 2 ). 

Da nun bei Entzündungen anderer wichtiger Organe, bei 
Meningitis, Peritonitis etc., durch Einreibungen grauer 
Salbe häufig recht günstige Resultate erzielt werden, so 
tauchte bei mir die Idee auf, auch senile Pueumonien neben 
anderen gebräuchlichen Mitteln mit Quecksilbereinreibungen 
* zu behandeln. Anfangs, in der 2. Hälfte der 70er Jahre, 
beschränkte ich dieses Verfahren in der mir unterstellten 
2. Abtheilung nur auf alte Personen, war aber mit den er¬ 
haltenen Resultaten so zufrieden, dass ich bald auch in 
Fällen schwerer Pneumonie bei jüngeren Individuen meine 
Zuflucht zu den Quecksilbereinreibungen nahm. Auch da¬ 
bei batte ich allen Grund, mit den erzielten Resultaten zu¬ 
frieden zu sein, die dermaassen günstig ausfielen, dass mein 
Chef, Dr. E. Moritz, der Sache sein volles Interesse 
zuwandte, und auf seine Veranlassung hin bald auch iu 
anderen Abtheilungen unseres Hospitals schwerere Fälle 
von Pneumonie wiederholt mit Einreibungen grauer Salbe 
behandelt wurden. In der 2. Abtheilung wurde die be- 
regte Methode allmälig auf immer mehr Fälle von croupöser 
Pneumonie ausgedehnt und zuletzt entschlossen wir uos, 

. vom Januar 1883 an alle in der 2. Abtheilung des Hospitals 


*) Die acute Pneumonie und ihre sichere Heilung mit Quecksilber- 
chlorür ohne Blutentziehung. Erlangen 1850. 

*) In der bekannten statistisch-therapeutischen Studie über Pneu¬ 
monie von Dr. B a r y ergiebt sich für die Sublimatbehandlnng ein 
Mortalitätsprocent von 23,3 gegenüber einer allgemeinen Mortalität 
▼ou 20,9 %. 


vorkommenden Fälle von croupöser Pneumonie neben den 
sonst gebräuchlichen Mitteln mit Einreibungen grauer 
Salbe zu behandeln. Zu diesem Entschluss trieb uns der 
Wunsch, eine reine Beobachtung zu haben. Da nämlich 
die 3 (zeitweise auch 4) anderen Abtheilungen des Hospi¬ 
tals sich mit der zweiten unter genau denselben Bedin¬ 
gungen befinden, und auch in allen bei der Therapie der crou¬ 
pösen Pneumonie im Uebrigen wohl so ziemlich dieselben 
Principien befolgt werden, so glaubten wir uns berechtigt, 
nach Verlauf eines etwas grösseren Zeitraumes die Morta¬ 
lität der 2. Abtheilung einerseits mit derjenigen der 3 (oder 
4) anderen Abtheiluagen zusammen andererseits ver¬ 
gleichen zu können und aus diesem Vergleich einen Schluss 
auf den etwaigen Werth der Quecksilbereinreibungen bei 
croupöser Pneumonie zu ziehen. Dass wir alle croupösen 
Pneumonien der 2. Abtheilung der Quecksilberbehandlung 
unterwarfen, geschah, um dem Einwande zu begegnen, viel¬ 
leicht nur leichte, prognostisch günstige Fälle zur ßeob 
achtung herangezogen zu haben. Berechtigt aber hielten 
wir uns zu dem Entschluss umso mehr, als wir einmal unter¬ 
dessen im Sublimat durch die Untersuchungen im deutschen 
Reichs-Gesundheitsamte das mächtigste autibacterielle Mit¬ 
tel kennen gelernt haben, andererseits durch F r i e d 1 ä n - 
d er’s Pneumoniekokken die bacterielle Natur der croupösen 
Pneumonie über alle Zweiiel erhaben ist. Die Vermuthung 
aber, dass auch bei Anwendung von grauer Salbe auf die 
Haut das Quecksilber im Blute in Sublimat übergehe, hat 
bereits 1857 C. V o i t ausgesprochen*). 

Wenn wir schon jetzt, nach Ablauf zweier Jahre, bei einer 
relativ kleinen Versuchsreihe, uns zur Veröffentlichung der 
erhaltenen Resultate entschliessen, so geschieht dies einmal 
im Hinblick auf den doch recht bedeutenden Unterschied 
in der Mortalität zu Gunsten der Quecksilberbehandlung 
(für die beiden Jahre zusammen 6,2% gegen 31,4 bei der¬ 
selben Behandlung, ohne oder ausnahmsweise mit Anwen¬ 
dung der grauen Salbe), hauptsächlich aber in der Absicht, 
die beregte Methode, wenn wir so sagen dürfen, deu Col- 
legen zur weiteren Prüfung zu empfehlen. Die Möglichkeit, 
dass schon vor uns Jemand die Quecksilbereinreibungen bei 
Behandlung der croupösen Pneumonie in Anwendung ge¬ 
zogen, können wir natürlich nicht in Abrede stellen, eine 
Empfehlung derselben aber ist uns aus der uns zugängigen 
Pneumonicliteratur nicht bekannt. 


Unsere Archive haben für die Jahre 80—84 weit über 
1000 Journale ergeben, in denen in der Ueberschrift ent¬ 
weder allein oder mit anderen Diagnosen die Bezeichnung 
«Pneumonie» sich fand. Nach unseren Jahresberichten 
hatten wir in dieser Zeit nur 882 Fälle; nach nochmaliger 
Sichtung behufs vorliegender Arbeit blieben nur 640, in 
welchen die Pneumonie mit ziemlicher Sicherheit als allei¬ 
nige oder als hauptsächliche Krankheit bezeichnet werden 
konnte. 

Wir hatten nach den Jahresberichten Pneumonia crouposa: 


1880—194 Fälle, davon 125 Genesene, 69 Gestorbene 


36% Mort. 

1881-186 * 

* 113 

tr 

73 

rt 

= 

39% „ 

1882-207 „ 

„ 142 

tt 

65 

tr 

— 

31% „ 

1883-141 „ 

„ 102 

tt 

39 

n 

= 

28% „ 

1884-154 „ 

„ 96 

tt 

58 

r* 

= 

38% „ 

Sma. 882 

* 578 

rt 

304 

ft 

= 

34,5% „ 


Nach erfolgter Sichtung bleiben: • 

1880—138 Fälle, davon 93 Genesene, 45 Gestorbene = 33 V, Mort. 


1881-127 „ 

rt 

81 

» 46 

rr 

= 36% „ 

1882-155 „ 

tr 

107 

. 48 

tr 

= 31% „ 

1883-115 

„ 

89 

„ 26 

rt 

= 22% „ 

1884-105 „ 

rt 

70 

„ 35 

M 

= 33% . 

Sma. 640 „ 

rt 

440 

„ 200 

rt 

= 31% .„ 


Wenn wir mit diesen Zahlen die Resultate der Mercurial- 
behandiung vergleichen, ergiebt sich zunächst kein erheb¬ 
licher Unterschied; es waren: 


*) Ueber die Aufnahme des Quecksilbers und seiner Verbindungen 
in den Körper. Augsburg 1857. 


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3 


1880 - 10 Geschmierte, davon 6 Genesene, 4 Todte (40%) 

" ” ,1 - 4 „ (36%) 

IRR? ot » 19 » 5 „ (21%'t 

1SR4~I! * ” R - (2H%) 

1884—33 . 23 . 10 „ (30%) 


Summa 101 „ . 73 „ 28 „ (28%) 

Die Resultate der Jahre 1880 und 81, in welchen aus- 
schliesslich in einer Abtheilung geschmiert wurde, hätten 
uns schwerlich zur Fortsetzung aufgemuntert, wenn es sich 
nicht nur um sehr schwere Fälle gebandelt hätte, für 
welche uns die 40 % Mortalität doch noch sehr günstig er¬ 
schienen. Demgemäss sehen wir von 1882 an eine Zu¬ 
nahme der Zahl der mit Quecksilbereinreibungen Behan¬ 
delten, hauptsächlich durch Einführung der Methode auf 
anderen Abtheilungen und die Mortalitätszifiern sind gün¬ 
stiger. Doch während in der einen Abtheilung (Barthel) 
in welcher 1883 und 84 alle Fälle geschmiert wurden, das 
Verhältmss sich auffallend besserte, blieb dasselbe im Gan¬ 
zen sich ziemlich gleich, wohl hauptsächlich aus dem 
Urunde, weil in den übrigen Abtheilungen fast nur die 
schwersten Fälle dieser Behandlung unterworfen wurden. 

. Vergleichen wir die Resultate der Schmiercur in der 2 
Abtheilung für 83 und 84 mit den Zahlen sämmtlicher 
übrigen Abtheilungen für dieselben Jahre, jedoch ohne 
Rücksicht auf die Behandlung in den letzteren, so er¬ 
halten wir: 


1883 in der II. Abtheilung 

* m den übrigen Abtheil. 

1884 in der U. Abtheilung 
den übrigen Ahtheil. 


ln Sma. in der II. Abtheilnng 
in den übrigen Abtheil. 


14 Fülle mit 0 Todten 

n 

n n 2 w 

Ai n s 33 B 


32 Fälle mit 2 T. = 6,2 Mrt. 4 ) 
188 v , 29, =31,4 „ 


Wenden wir uns nun den in den Jahren 1883 uud 84 in 
der 2. Abtheilung mit Quecksilbereinreibungen behandelten 
Fällen von croupöser Pneumonie zu, deren genaue Kran¬ 
kengeschichten und Curven uns vorliegen, so sehen wir, 
dass sich ihre Zahl auf 32 (mit 2 Todesfällen) beläuft, wo- 
von auf das Jahr 1883, welches für Petersburg im .Allge¬ 
meinen als ein leichtes Pneumoniejahr bezeichnet werden 
iocf?’ ^ keinem Todten entfallen» während auf 

1884, wo die Pneumonien einen viel schwereren Charakter 
hatten, 18 Fälle kommen mit einer Mortalität von 11,1%, 
was für beide Jahre zusammen 6,2 % ausmacht. Wir möch¬ 
ten hier gleich bemerken, dass von den 2 letalen Fällen der 
eine eine Greisin von 76 Jahren betraf, die erst am 7. Krank¬ 
heitstage zur Aufnahme kam mit einer pneumonischen In¬ 
filtration des linken Oberl&ppens; am 10. Krankheitstage 
Hess sich auch eine Infiltration des rechten Oberlappens 
hinten constatiren, welch’ letztere auch nicht zur Losung 
kam, während das Infiltrat des linken Oberlappens sich am 
11 . Krankheitst&ge zu lösen begann und allmälig fast spur¬ 
los verschwand. Die schon von Hause aus recht decrepide 
Kranke wurde bei anhaltenden subfebrilen Temperaturen 
rasch vollends marantisch und ging» nachdem sich vom 33. 
Krankheitstage an Durchfälle eingestellt, am 43. Krank¬ 
heitstage nach 37tägigem Hospitalaufenthalte zu Grunde. 
Die Section wurde in diesem Falle nicht gemacht. Der 2. 
Todesfall betraf eine 52jährige Patientin, die am Morgen 
des 16. April 1884 am 9. Krankheitstage mit einer Pneu¬ 
monie des linken Oberlappens in’s Hospital trat und bereits 
am Abend des 18. April unter Zeichen von Lungenoedem 
verstarb. Die Section ergab ausser grauer Hepatisation 
des linken Oberlappens linksseitige fibrinöse Pleuritis und 
weit vorgeschrittene doppelseitige interstitielle Nephritis. 

Fragen wir nun nach dem Alter der 32 Kranken unserer 
Beobachtung, so ergiebt sich als Durchschnittsalter 40 (ge¬ 
nau 39,9) Jahre; nach den Decennieir geordnet standen un¬ 
ter 20 Jahren 3 Patientinnen ((die jüngste 11 Jahre alt), 
zwischen 20 und 30 — 7, zwischen 30 und 40 — 5, zw. 

") Anmerk. Eine Procentberechnung ans so kleinen Zahlen macht 
8 eJb0tver8tändlich nicht Anspruch auf Genauigkeit; sie ist uur dazu 
da, um bequemer vergleichen zu können. 


I 40 und 50—7, zw. 50und60— 6, zw. 60 und 70 eine, und 
überschritten batten das 70. Lebensjahr 3 Patientinnen. 
Was den Eintritt ins Hospital betrifft, so erfolgte derselbe 
2 mal am 2., 2 mal am 3., 11 mal am 4., 2 mal am 5., 
4 mal am 6., 7 mal am 7., einmal am 8. und 3 mal am 9. 
Krankheitstage. 

ln 24 von den 32 Fällen war nur ein Lungenlappen von 
der Entzündung befallen, und zwar 8 mal der rechte 
Ober- und 6 mal der rechte Unterlappen, während auf den 
linken Ober- und Unterlappen je 5 Fälle kommen. Von 
den übrigen 8 Kranken zeigten beim Eintritt ins Hospital 
zwei pneumonische Infiltration zweier Lappen und zwar 
die eine der ganzen linken Lunge, die andere des rechten 
Unter- und Mitlellappens. Bei 2 Kranken, die mit Infil¬ 
tration des rechten Ober- und Mittellappens eintraten, 
wurde später auch noch der Unterlappen derselben Lunge 
von der Entzündung befallen. In 2 weiteren Fällen kam 
zur Entzündung eines Lappens der linken Lunge später eine 
solche des rechten Oberlappens hinzu; in den 2 letzten 
Fällen endlich gesellte sich zu einem Infiltrat eines Lappens 
der rechten Lunge im Hospital ein solches eines 2. Lappens 
derselben Lunge. 

26 mal kam es zu einer deutlichen Krise, und zwar 15 
mal unter abundantem Schweiss; dieselbe erfolgte 3 mal 
am 5. Tage, 2 mal am 6 ., 8 mal am 7„ 2 mal am 8„ 5 mal 
aut 9., 2 mal am 10., 3 mal am 11. und einmal am 12. 
Krankheitstage. Von den 6 Fällen, in denen es nicht za 
einer Krise kam, endeten 2 letal; in 2 Fällen kam es nicht 
zu einer vollkommenen Lösung und wurden Patientinnen 
nach 45- resp. 57tägigem Hospitalaufenthalte mit verdäch¬ 
tigen Spitzen entlassen ; von den 2 letzten Kranken endlich 
zeigte die eine neben Entzündung der ganzen rechten Lunge 
eine linksseitige Pleuritis und war dabei im 3. Monat 
schwanger; am 10. Krankheitstage kam es zu Abort und 
damit zu etwas verschlepptem Verlauf, der schliesslich doch 
zur Lösung führte. Die letzte Kranke, die am 24. April 
83 erkrankt war, hatte am 26. im 7. Monat frühgeboren 
und trat am 1 Mai ins Hospital, wo sie am 3. Mai eine Pa- 
rametritis dextra acquirirte; in diesem Falle kam es nicht 
zu*definitiver Lösung und wurde Patientin auf ihren Wunsch 
nach 24tägigem Hospitalaufenthalt mit subfebrilen Tempe¬ 
raturen entlassen. Schwanger überhaupt waren von un¬ 
seren 32 Patientinnen 6; von ihnen batten 3 bereits zu 
Hause (einmal am 9., 2 mal am 3. Krankheitstage) abortirt, 
resp. frühgeboren; bei den 3 noch Schwangeren erfolgte die 
Ausstossung der Frucht im Hospital (am 7., 10. und 11. 
Tage). Das Puerperium verlief mit einer einzigen Aus¬ 
nahme ohne Störung. 

Zum Schluss möchten wir. noch einige Worte über die 
während der Jahre 1883 und 84 in der 2. Abtheilung bei 
der Behandlung der Pneumonie befolgten Principien sagen. 
Was erstens die Einreibungen mit grauer Salbe betrifft, 
so wurde damit sofort nach feststehender Diagnose begon¬ 
nen, was hei dem relativ späten Eintritt der Kranken ge¬ 
wöhnlich mit dem Aufoahmetage zusammen fiel; fast aus¬ 
nahmslos wurde Morgens und Abends je eine Drachme, in 
einigen besonders schweren Fällen auch noch am Tage eine 
3. Drachme verrieben. Es wurden dazu stets die Extremi¬ 
täten, nötigenfalls auch der Leib und das Kreuz benutzt; 
nie aber wurde dieselbe in den Thorax gerieben, um die 
Haut desselben für anderweitige Applicationen, z. B. Com- 
pressen, frei zu halten, die soMt leicht unangenehme Der* 
matitiden verursachen. Fortgefahren wurde mit den Ein¬ 
reibungen gewöhnlich einen halben Tag über die Krise hin¬ 
aus. Verbraucht wurden in 1 Falle 2, in 3 Fällen je 3, in 
7 Fällen je 4, in 6 Fällen je 5, in 1 Falle 6, in 1 Falle 7, 
in 7 Fällen je 8, in 3 Fällen je 9 Drachmen und in je einem 
Falle 10, 12 und 13 Drachmen. Bei gleich von vornherein 
verordneten Mundspülungen mit Kali chloricum sahen wir 
es doch wiederholt zu leichter Gingivitis und mässigem 
Speichelfluss kommen, eine irgend heftigere Stomatitis aber . 
kam nicht zur Beobachtung, ebenso wenig hatten wir eine 

l 


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4 


auf das Quecksilber zu beziehende Colitis zu verzeichnen. 
Neben den Qnecksilbereinreibungen kamen in allen Fällen 
Coinpressen auf die ergriffene Thoraxh&lfte in Anwendung; 
wo Indicationen dazu vorhanden, wurde Digitalis gereicht, 
bei exceesiver Temperaturerhöhung Chinin angewandt, und 
überhaupt je nach Bedarf die sonst bei der croupösen Pneu¬ 
monie übliche symptomatische Behandlung in Anwendung 
gezogen. _ 

lieber eine kleine Modification der Blasennaht. 

' Von 

Dr. G. T i 1 i n g. 

Die neuerdings viel ventilirte Frage der zu wählenden Stein¬ 
schnittmethode hat noch in diesen Tagen .die chirurgische 
Section der Moskau-St. Petersburger Gesellschaft viel be¬ 
schäftigt; die ganze Sonnabends-Sitzung (28. Dec.) war fast 
ausschliesslich diesem Gegenstände gewidmet, ein grosser 
Theil der Redner sprach sich für die Sectio alta aus, aber 
unter diesen durchaus nicht alle für die Nabt der Blase. 
Mir will scheinen, die Sectio alta ohne nachfolgende Nabt 
ist eine halbe Maassregel oder, man verzeihe mir den Aus¬ 
druck, eine missverstandene, trotzdem dass Autoritäten wie 
B. Thompson (Semaine mödicale 1885, NI 48) dafür 
eintreten. Mir scheint, wenn man jetzt, dazu neigt, zur 
Extraction des Steines den operativ weit schwierigeren 
Weg über der Schoossfuge als den durch Sectio mediana zu 
wählen, so dürfte man das nur thun, wenn man zugleich 
nach Möglichkeit bemüht ist, die unbestreitbaren Gefahren 
des hohen Schnittes, Verletzung des Peritonäum und 
Harninfiltration des lockeren Beckenzellgewebes, zu ver¬ 
meiden. Erstere wird am besten durch dasPetersen- 
F e h 1 e is e n'sche Verfahren umgangen, letztere theilweise 
oder vollständig vermieden durch die Blasennaht. Doch 
leider hat letztere in der bei weitem grössten Zahl der ge¬ 
meldeten Fälle nicht gehalten, sondern ist meist am 5. oder 
6. Tage geplatzt. Die Blase ist ein gut vascularisirtes 
Organ, müsste also a priori für eine Heilung per primam 
intent. sehr geeignet sein, wenn man ihr nur Ruhe schaffen 
könnte für einige Tage. Der Verweilcatheter erfüllt nicht 
immer diese Aufgabe, weiter sich leicht durch Schleim oder 
Blutcoagula verstopft, oder wohl auch mal herausgleitet, in 
Folge dessen die Blase gedehnt und die Nähte aus einander 
gezerrt werden können- Mir scheint nun, dass man ln der 
lürschneraaht ein gutes Mittel hat, die Knopfnähte vor 
Zerrung zu schützen und dem verletzten Blasentheil recht 
sicher Ruhe zu garantiren. Die Knopfnähte müssen na¬ 
türlich nach den Rathschlägen von J u 11 i a r d und M a x i- 
m o w schon jenseits des Schnittendes begonnen und so an¬ 
gelegt werden, dass die Schleimhaut der Blase nicht mit¬ 
gefasst wird. Sobald die Knopfnähte geknüpft sind, sinkt 
natürlich die Blase in das Becken zurück und contrahirt 
sich in Folge der Reizung durch die Manipulationen an 
derselben sehr stark. Wenn man nun jetzt über die Reihe 
der Knopfnähte hin, jenseits der ersten beginnend- und über 
die letzte hinausgehend eine fortlaufende Kürschnernabt 
circa durch die halbe Dicke der Blasenwand legt (um die 
Gefahr des Mitfassens von Muscosa zu vermeiden), so 
müssten die Knopfnähte und mit ihnen der Rayon der Bla¬ 
senwunde genügend immobilisirt sein. Dafür, dass diese 
Voraussetzung vielleicht richtig ist, spricht, dass meine 
beiden letzten Fälle von Sectio alta, in denen ich dieses 
Verfahren anwandte, per primam heilten, während von 
drei früher Operirten an'zweien die Nabt platzte und nur 
der erste Fall, ein Knabe von 7 Jahren, per primam heilte. 
(St Petersb. med. Wochenschr. 1884, NI 4). Gestorben 
ist kein Pat. Dass manche Operateure zur Naht noch Cat¬ 
gut (Sklifossowski) nicht Seide (Bruns) benutzen, 
erscheint nicht zweckmässig, da das Platzen der Blasennaht 
zu einer Zeit (am 10. Tage Makawejew) beobachtet wor¬ 
den, wo die Haltbarkeit des Catgut illusorisch wird. Die 
versenkten 8eidennähte machten meinen Patienten keinerlei 
Beschwerden, den einen hatte ich ca. ■§• Jahr nach der 


Operation unter Beobachtung, der andere bat bis heute (31 
Dec.) keine bezüglichen Klagen. 

Der noch nicht veröffentlichte Fall sei hier kurz referirt. 
L. Sm. 49 J. alt, Beamter, leidet seit 2 Jahren an Blasen¬ 
beschwerden, Schmerzen und Schwierigkeit zuweilen beim 
Harnlassen. Der Harn-ist öfters trübe, auch roth, wirklich 
Blut nur selten in der letzten Zeit. Niemals Schmerzen 
in der Nierengegend. Am 22. Juni 1885 suchte Pat. dieser 
Beschwerden wegen Hülfe in der Ambnlanz des klinischen In- 
tituts der Grossfürstin Helene Pawlowna, Bei wiederholten 
Untersuchungen durch Prof. Monasty rski und durch 
mich vermittelst Steinsonde konnte kein Stein, wohl aber eine 
geringe Prostatahypertropbie constatirt werden. Bei der 
Untersuchung am 12. Octob. stiess ich bei Einführung der 
Sonde sofort auf den Stein. Es wurde also angenommen, 
dass derselbe in einem Divertikel bisher gelegen habe, was 
sich dadurch bestätigte, dass von nun an der Stein bei jeder 
Untersuchung gleich gefühlt wurde und Pat. angab, dass 
er fühle wie etwas in der Blase umberrolle und dass zu Zei¬ 
ten das Harnlassen nur in bestimmten Körperlagen möglich 
war, wie z. B. in Seitenlage, endlich dadurch, dass derglatte, 
rundliche Stein an der einen grossen Fläche ganz glatt, an 
der gegenüberliegenden aber sehr raub, mit vielen kleinen 
Zapfen Besetzt war. Beim Eintritt-in das klinische Institut 
(16. Octob.) war der Blasencatarrh sehr arg, viel 8ediment, 
ammoniakalischer, oft stechender Geruch. Die gewöhnliche 
Therapie: Acid. salicyl. innerlich, Blasenausspülungen mit 
Acid boric. 2% brachte gar keine Besserung. 18. Nov. 
Sectio aUa nach den Vorschriften von Fehleisen. 
(Archiv für klinische Chirurgie XXXII Band 3 Heft.) Es 
wurde das Peritonäum nicht gesehen. Stein 15,5 Gewicht 
Ein Divertikel konnte nicht ertastet werden. Die Blase war 
vpr der Operation erst gründlich mit 3 %iger Borsäurelösung 
ausgespült und dann mit derselben Lösung gefüllt worden. 
11. Knopfnähte und darüber eine Kürecbnernaht. Schluss 
der Bauchwunde, Einführung eines bleistiftdicken Drains 
im untern Wundwinkel in die Höhle zwischen Symphyse 
und Blase. Am ersten und zweiten Tage recht bedeutende 
Blutung durch deb Verweilkatheter, wohl aus der durch 
den Stein maltraitirten Schleimhaut. Da der Verband von 
aussen mit Blut besudelt war, wurde er am 19. und 20. Nov. 
gewechselt, die Wunde war beide Male reactionslos und 
ganz trocken. 26. Nov. wurde der Verband gewechselt zur 
Entfernung des Drains und der Bauchdeckennähte. Das 
Drain war durch ein Coagulum gefüllt, die Umgebung des¬ 
selben im Verband ganz trocken. Am 28. Nov. verliess 
Pat. das Bett. Der Harn enthielt mehrere Tage Blut, 
später war er schwärzlich und trübe, aber immer sauer, 
erst am 28. Nov. war er ganz normal und Pat. fühlte sich 
von da ab ganz gesund. Die Temperatur hob sich nur 
1 mal über 37,5 und zwär auf 38,0 am 20. Nov. — 
Schmerzen hatte Pat im Laufe der Wundbeilung nicht, nur 
die permanente Rückenlage wurde beschwerlich. Entlassen 
den 8. December 1885. 


Referat». 

Otto Dornblütb jun. (Rostock): Ein .Beitrag zur 
Theorie und Praxis der Arzneibehandlung des Diabetes 
mellitus. (Deatach. Arcb. f. klin. Med. 1885). 

D., hat bei 4 Diabetikern zunächst den Erfolg einer bestimmten 
antidiabetischen Kost beobachtet nnd dann die Einwirkung ver¬ 
schiedener Arsneimi ttel bestimmt, nämlich des salicylsauren Natron, 
des Jodoform, der Carbolsftufe und des Salioin. 

Die Einwirkung derselben war in allen Fällen übereinstimmend 
in der Weise, dass das Jodoform die Zuckermenge sowohl wie das 
Allgemeinbefinden gar nicht beeinflusste, die drei anderen Mittel 
dagegen in den diabetischen Symptomen sehr günstige Veränderun¬ 
gen hervorbrachten. Es geht aus den Versuchen mit Sicherheit 
hervor, dass die drei hervorgehobenen Medicamente die Zuckeraus¬ 
scheidung in den vorliegenden Fällen bei «Diabetesdiät» theils be¬ 
deutend herabsetsten, theils ganz aufhoben; dass sie die zuckerver¬ 
mehrende Wirkung von hinzugefügten Amylaceen, auf Wunsch der 
Patienten meist Kartoffeln, bis zu einem gewissen Grade compen- 
sirten; endlich dass sie den Kräftezustand, das Körpergewicht, das 
Wohlbefinden hoben, oder wenigstens den progressiven Verfall der 


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5 


Kranken für einige Zeit anfbielten. Eine Heilung dagegen ist nicht 
beobachtet. Eine Patientin starb trotz dauernder Salicylbehand- 
lnng an Coma diabeticom. 

Uebrigens vermochte die C&rbolsäure in ihrem Effect auf die 
Dauer nicht mit den Leistungen des salicylsauren Natron und des 
Salicin Schritt su halten, und die Gefährlichkeit des Mittels hielt D. 
ab, grossere Dosen zu geben als 0,50 drei mal täglich, zumal da das 
Befinden während der Anwendung dieser grossen Gaben sich ent¬ 
schieden verschlechterte (sic 1 Bef.) 

Die Wirkung des salicylsauren Natron und des Salicin war in 
allen Fällen eine fast gleiche, nur in einem Fall war der Erfolg des 
Salicins bei Weitem hervorstechender als der des vorher angewen¬ 
deten salicylsauren Natrons. Das Salicin wurde in Einzelgaben von 
3— 8 G. verwendet. 

Von den etwaigen Nebenwirkungen der Salicylsäure ist es bekannt, 
dass sie in den bei Diabetikern schwereren Grades erforderlichen 
Dosen fast unfehlbar Kopfschmerzen und subjective Gehörerschei¬ 
nungen erzeugt; Blutungen in das innere Ohr infolge ihres Gebrau¬ 
ches sind neuerdings wiederholt constatirt und Quincke theilt 
sogar einen Salicyltodesfall mit. Dazu kommt, dass das Mittel 
auch in der Form des Natronsalzes vom Magen auf die Dauer schlecht 
vertragen wird — bei Kranken dieser Art eine bedenklicher Umstand 

— und endlich, dass der Missgeschmack des Salzes Vielen ganz 
ausserordentlich widerlich ist oder bald wird. 

Von dem Salicin sind dagegen verdauungsstörende Wirkungen 
nicht beobachtet. Die durchfallhemmende Wirkung, von der im 
Handbuch der Arzneiverordnungslehre von Ewald und Ltideck • 
die Rede ist, war in den von D. beobachteten Fällen nicht mit Deut¬ 
lichkeit zu erkennen. Der Geschmack ist intensiv bitter, chinin¬ 
ähnlich, war aber den Patienten niemals eigentlich nnangenebm. Da 
W. Marmä bewiesen, dass es seine febrifuge Wirkung im Orga¬ 
nismus der Bildung von Salicylsäure verdankt, könnte man ihm eine 
ähnlich bedenkliche Stellung zuschreiben, doch brachten Gaben bis 
zu 18 G. pro die, bis zu 8 G. pro dosi (die zu Überschreiten niemals 
Veranlassung war) bei keinem der Patienten unangenehme Erschei¬ 
nungen hervor. 

Viele Autoren glauben mit strengen diätetischen Vorschriften aus¬ 
zukommen. Verf. hält das nicht durchweg filr richtig. Zunächst 
gibt es Kranke, welche eine reine oder fast animalische KoBt nicht 
vertragen. Abgesehen von einfachen Verdauungsstörungen hat man 
bekanntlich mehrfach der reinen Fleischdiät die Entstehung tödt- 
licher Acetonämie zugeschrieben ; in manchen Fällen wird die Ein¬ 
haltung der strengen Diät nach längerer Dauer direct verweigert. 
Anderen Kranken wieder ist es weit eher möglich, sich Medicamente 
zu verschaffen, als tägliche Fleischkost. Aber auch für diejenigen, 
welche alljährlich einige Wochen dem strengen Regime widmen 
können, wird eine arzneiliche Hilfe in der Zwischenzeit günstiger 
sein als ein völliges Aufhören der Behandlung. Endlich ist von 
W. Roser auf das Vorkommen brandiger und geschwüriger Zer¬ 
störungen bei Zdpkerkranken aufmerksam gemacht worden, bei 
denen alle Operationen sehr ungünstige Erfolge aufzuweisen haben 

— auch diese bieten bei antidiabetischer Behandlung eine günstigere 
Prognose. Ueberhanpt wird man bei Diabetikern, die sich aus an¬ 
deren Gründen einem operativen Eingriff unterziehen wollen, gewiss 
von der vorherigen dauernden Verabreichung immerhin antisepti¬ 
scher Mittel nar Gutes erwarten können. (Aber keinesfalls auf 
längere Zeit, da sonst jede medicamentöse Behandlung mehr scha¬ 
det, als nützt. Ref.). 

D. empfiehlt daher eine Anwendung des Salicins, am besten 3 mal 
täglich eine halbe Stunde vor dem Essen je 3—6 G. Wo kein Zucker 
mär ausgeschieden wird, kann man mit Vortheil einmal täglich 
Amylaceen oder Leguminosenration nach vorheriger Gabe von 3—8 G. 
Salicin verordnen. (D. hat verabsäumt vergleichsweise Karlsbader 
Brunnen seinen Patienten zu verabreichen, was doch gewiss sehr 
viel therapeutisches Interesse und Werth gehabt hätte. Jedenfalls 
begrüsse ich freudigst, dass auch D., sich meiner Ansicht anschlies¬ 
send, gegen die einseitige Kost Front macht. Ref.) 

Dr. Hertzka — Carlsbad. 

Prof. Dobroslawin: Ueber Desinfection vermittelst 
des Salzwasserofens. (Wratsch A4 32). 

Bereits vor 1 Jahr beschrieb Vf. einen von ihm constrnirten Des- 
infectionsofen, dessen Princip darauf beruht, dass Kochsalzwasser 
erst bei 106° C. verdampft, folglich überhitzter Dampf von hoher 
Temperatur leichter zu erhalten ist. Nunmehr ist der Apparat 
unter Mithülfe des Technikers Krell verbessert und vereinfacht 
in seinem Mechanismus und theilt Verf. eine Reihe damit ange- 
stellter Versuche mit. 

Je nachdem wie hohe Temperaturen man der überhitzten Luft 
geben will, kann man verschiedene Salzmischungen benutzen. Löst 
man auf 100 Thl. Wasser: 

41, 2 Th. Chlornatrium, so ist der Siedepunct bei 108,4° C. 
(d. h. Kochsalz) 

61,5 „ Ammon, nitricum „ * * * „ 121° C. 

205 „ Kali carbonicum „ * m „ „ 135° C. 

325 - Chlorcalcium „ „ * * * 179,5° C. 

88,9 „ „ * . * * 114,2® C. 

Der jetzige Apparat braucht von der Lösung 40—50 Liter (3—4 
Wedro) und beginnt nach 2—3 Stunden zu kochen. 

Die Versuche wurden derartig angestellt, dass Maximaltherntyo- 


raeter in verschiedene Gegenstände eingewickelt oder bineingelegt 
wurden und ergab sich Folgendes : 

zeigte nach Stunden 


Der Thermometer 

31 /• 

n 

3* 

2 

4 

frei im Ofenranme. 

. 106® 

105 

106,6 

107 

106 

in eine Binde gewickelt. 

. 101® 

— 

— 

104,2 

— . 

zwischen 2 Kissen gewickelt . . 

.101® 

— 

90 

100,2 

— 

in einen Fnssteppich gewickelt. . 

. — 

103,5 

— 

— 

102° 

in einem Sack mit Wäsche ... 

. 104° 

— 

90° 

— 

— 

* * n n Kleidern • • 

. — 

105 

— 

— 

— 

in ein Paar Tuchhosen gewickelt 

. — 

— 

100,5 

100,5 

— 


Dass im Versuch 3 die Temperatur unter 100° geblieben, erklärt 
Vf. daraus, dass der Apparat nicht richtig gehandhabt worden und 
ungenügend gefüllt war. Man muss nämlich, nachdem der Apna- 
rat 4 Stunden lang gekocht hat, wieder die Lösung nachfüllen. Ob¬ 
gleich die Versuche noch fortgesetzt werden müssen, um zu erfah¬ 
ren, wie die verschiedenen Gegenstände zu behandeln sind, ersieht 
sich, nach Verf., schon jetzt der Schluss, dass 3stündiges Erhitzen 
von Kleider - und Wäschebändeln (welches Gewicht und Gröese, 
ist nicht angegeben. Bef.) im Salzwasserofen zur Desinfection 
genügt . 

Um zu erfahren, wie der Apparat auf Mikroorganismen wirke, 
benutzte Verf. Seidenfäden in Lösungen mit Sporen des Baciüue 
mbtilis getränkt. Dieselben wurden in 3—4 Stunden bei 102 — 
104° C. völlig getödtet . 

Der Preis des Ofens, der transportabel, stellt sich gegenwärtig 
auf 260 Rbl. P. 

F. G o 11 h e 1 f: Die Hasenscharten der Heidelberger 
Klinik, 1877—1883. Mit besonderer Berücksichti¬ 
gung der Mortalitatsstatistik und einem Beitrage zur 
Odontologie. (Langenb.’s Archiv, XXXII, 2 und 3.) 

Ueber das Material, welches Verf. morphologisch sowohl als kli¬ 
nisch eingehend studirt und verwertbet hat, giebt folgende Tabelle 
eine gute, allgemeine Ueberaicht: 

Zahl. Männl. Weibl. Links. Rechts. 

Einseitige Spalten ... 29 19 10 20 9 

Doppelseitige Spalten . . 17 11 6 — — 

Gaumenspalten . . . . 10 _5_5_—_ — 

56 35 21 20 9 

Das Ueberwiegen der einseitigen Spalten über die doppelseitigen, 
der linksseitigen über die rechtsseitigen, scheint gesetzmässig; ebenso 
wie auch das Ueberwiegen des männlichen über das weibliche Ge¬ 
schlecht. Letzteres ist vorwiegend von den leichteren, ersteres 
mehr von den schwereren Spaltbildungen betroffen. Der Heredität 
kommt kein allzngrosses ätiologisches Gewicht sn. Die therapeu¬ 
tischen Eingriffe, zu denen jene 56 Fälle Veranlassung gaben, be¬ 
standen in: ’' 

40 Hasenschartenoperationen, 

2 desgl. mit Uranoplastik nnd St&phylorrfaaphie, 
und 12 Fälle von Uranoplastik nnd Staphylorrh&phie ohne Hasen- 
schartenoperation. 2 Fälle wurden garnicht operirt. In Bezug auf 
die Mortalitätsstatistik kommt Verf. zu folgenden Anschauungen: 
1) Von den Factoren, welche dieselbe beeinflussen, sind der Gesund- 
heits- und Kräftezustand, sowie das Alter der Kinder bei der Opera¬ 
tion die wichtigsten. Von denselben hängt auch zu nicht geringem 
Theil das unmittelbare Heilnngsresnltat ab. — 2) Die Mortalität in 
den ersten 14 Tagen nach der Operation beträgt mehr als 10%. — 
3) Durch die letztere wird in den 3 ersten Lebensmonaten die natür¬ 
liche Lebensprognose der Hasenschartenkinder verschlechtert, und 
zwar in geradem Verhältnis* sur Grösse des Blutverlustes. In dieser 
Altersstufe ist die Operation also ein schädlicher Eingriff; und das 
Gleiche gilt, wenn auch in weniger ausgesprochener Weise, von der 
Zahnperiode. — 4) Kräftige und gesunde Kinder sind daher am 
besten in der Zeit vom 3. bis 6. Monat zu o^eriren; bei schwäch¬ 
lichen Kinder sollte die Operation überhaupt nicht im ersten Lebens¬ 
jahre vorgenommen werden, um so weniger als auch die späte Ope¬ 
ration kosmetisch tadellose Resultate bei ungetrübter Lebenspro¬ 
gnose verspricht. 

Morphologisch fasste man die Hasenscharte früher allgemein alz 
eine Spaltbildung zwischen Ober- und Zwischenkiefer anf. Letzterer 
wurde ans 2 Knochen bestehend gedacht, deren jeder 2 Schneide¬ 
zähne trüge. Fänden sich weniger als 3 Schneidezähne, so seien 
nicht alle znr Entwickelung gekommen; habe auch der Oberkiefer 
einen anfznweisen, so sei dieser überzählig. Dieser Anschauung 
schliesst sich nach sorgfältigen anatomischen Stadien an skeletirten 
Schädeln auch Th. Kölliker an; doch können nach ihm die 
Schneidezähne sowohl im Oberkiefer als im Zwischenkiefer, als auch« 
in beiden zugleich stehen, sowohl überzählig vorhanden sein als auch 
ganz fehlen.—Zn einer anderen Theorie gelangte Paul Albreoht. 
Nach ihm dienen sur Anlage des Zwischenkiefers jederseits zwei 
Theile, das Endognathion and das Mesognathion. Beide tragen je 
einen Schneidezahn; jenes den Parasymphysicus, dieses den Praeca- 
ninus. In ersterem kommt aber znweilen noch ein zweiter Schnei¬ 
dezahn von atavistischer Bedeutung zur Entwickelung, der Propara- 
symphysiens. Im Oberkiefer lExcguathion) findet sich nie ein Scbnei- 
dezahn. Der Spalt nun liegt stets zwischen Endo- und Mesagnathion. 

1* 


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6 


Trifft man denselben zwischen Schneide- und Eckzahn, so ist das 
Mesognathion rudimentär. Den Beweis für seine Theorie findet 
Albrechtin dem Vorkommen einer Sutnra incisiva (meso-exognathica) 
neben seitlicher Kieferspalte, sowie in dem auch von H. v. Meyer 
überwiegend häufig bei jugendlichen Individuen gefundenen Rest 
der Sntura endo-mesognathica. Die klinische Untersuchung kann 
Eur Klärung dieser Frage natürlich nur beitragen, wenn man, im 
Gegensatz zu K ö 11 i k e r, für die Scbneidezähne einen constanten 
Ursprung annimmt. Nun hat Langenbeck constatirt, dass der 
Spalt zuweilen zwischen Incisivus und Caninus verläuft; doch fragt 
es sich, ob dies für die Mehrzahl der Fälle gilt. Unter 14 Fällen, 
welche Verf. in dieser Beziehung untersucht hat, war eine intrain- 
cisive Lage des Spaltes allerdings nur 4 mal zu constatiren, und 10 
aal verlief derselbe zwischen Schneide- und Eckzahn. Allein die 
Zahl der Schneidezähne war in den letzteren Fällen nur 3 mal nor¬ 
mal; so dass wir also hier im Lichte der Al br e ch t 1 sehen Theorie 
7 mal einfache Atrophie des Mesognathion und 3 mal gleichzeitige 
Uebenahl der Schneidezähne in Folge von hexaprotodonter An¬ 
lage naoh dem Typus unserer qnadrumanen Vorfahren anzunehmen 
hätten. Durch dieses häufige Vorkommen der Atrophie des Meso¬ 
gnathion wird Verf. auf die Vermuthung geführt, dass hierin eine 
Haupiursache der Spaltbildung zu suchen sei. In Folge einer Gleich- 

S ewlchtistdrung in der embryonalen Entwickelung des Endo- und 
[esognathion bleibe letzteres im Wachsthum zurück, das Gebiet der 
Art. naso-palatina werde auf ersteres beschränkt, und der dadurch 
bedingte rel. Ueberschuss an Blutzufubr äussere sich in der Anlage 
eines Proparasymphysicus und in Hypertrophie des Bürzels. Der 
Spalt liege also dann zwischen Endo- und Exognathion, könne aber 
durch nachträglich beschleunigtes Wachsthum des Mesognathion 
noch entweder ganz geschlossen werden oder zwischen Endo- uud 
Mesognathion zu liegen kommen. Hierdurch würde sich auch die 
Seltenheit der Coüxistenz einer Sutura incisiva mit Gaumenspalte 
erklären. G. 

Prof. Sir Henry Thompson: Ueber die Cystotomia 
suprapubica. Vorlesung im University College in London 
am 20 . November 1885. (Semaine mödic&le 85/48, p. 396). 

Die Lithotritie in einer Sitzung sei unter 10 Fällen in 9 beim Er¬ 
wachsenen vorzuziehen. Stricturen, Prostata hypertrophica, chron. 
Cystitis und organische Veränderungen in den Nieren seien keine 
Contraindicationen» Nur zu grosse oder zu harte Steine bilden eine 
solche. Doch dürften solche garnicht existiren, da Vorhandensein 
einer solchen gleichbedeutend sei mit einer Unterlassungssünde 
Jemandes (desArztes oder des Pat.). Für diese Fälle sei die Epi¬ 
cystotomie unzweifelhaft allen anderen Operationen überlegen, viel 
leichter und weniger gefährlich als die Lithotritie überall, wo ein 
Stein hart sei und 40—50 Grm. wiege. 

Mit Ausnahme einer zufälligen Eröffnung der Peritonäalhöhle 
weise die Operation keine ernstliche Gefahr auf. Die Blutung sei 
fast Null, da Venenverletznngen vermieden werden können und die 
Arterien sehr unbedeutend seien; die Septicämie sei selten. Für 
eine Harninfiltration, «wenn man nur nicht das Gewebe, welches 
die vordere Fläche der Blase mit dem Os pubis vereinigt, zerreisse 
fein ebenso gefährliches, wie unnützes Manoeuvre)>, sähe Th. keinen 
Grund. — Die Peritonäalverletzungen vermeide man durch den P e- 
t e r s e n ’schen Ballon. 

Seit Juli 1883 habe Tb. 8 mal dieEpicystotomie ausgeführt, 6 mal 
um Steine zu extrahiren, 2 mal wegen Tumoren, darunter 1 Todes¬ 
fall, ein kacbektischer Greis, der am 9. Tage an Erschöpfung ge¬ 
storben. 

Th. unterlässt es als überflüssig und schädlich, die Capacität der 
Blase durch vorhergehende Injectionen zu vergrössern. Sein Vor¬ 
geben ist folgendes. Evacuation des Rectums durch ein Lave¬ 
ment. Lagerung des Kranken auf dem Rücken mit etwas er¬ 
höhten Schultern. Narcose. Einführung des Ballons bis über den 
Sphincter. Injection von 400 Grms. (beim Erwachsenen) in den¬ 
selben und eine vorsichtige von 200—300 Grm. in die Blase durch 
einen weichen Catheter. Verschluss des Penis durch eine elastische 
Binde und Untersuchung der Regio hypogastiiea, um die bis dahin 
erhobene Blase zu fühlen. Position des Operateurs zur linken des 
Kranken, Schnitt in der Medianlinie durch Haut und Unterhaut¬ 
zellgewebe 8 Gm. lang bis etwas unter den Rand des Os pubis. Ent¬ 
fernung des Gewebes über der Linea alba mit dem Nagel des Zeige¬ 
fingers und Durchschneiden der Aponeurose auf der Sonde. Dasselbe 
Verfahren mit den Muskeln bis zur Fascia transversa und an dieser. 
Bei grossen 8 teinen theilweises Abtragen der unteren Insertion des 
Rectus abdominis. Mit dem Fingernagel durchtrennt er die Fett¬ 
schicht vor der Blase, immer in der Medianlinie bleibend und 
von unten nach oben vorgehend, wobei man den Stein zuweilen 
schon sehr deutlich fühle. Die Venen werden dabei zur Seite 
"geschoben, nicht durchschnitten, wodurch Blutung vermieden 
werde. An der Blase angelangt, wird ein scharfer Haken ein 
geführt. Man macht, den Haken mit der Blase in der linken 
Hand, mit einem Bistouri einen Schnitt in dieselbe gerade so 
gross, um den rechten Zeigefinger einführen zu können. Dadurch 
wird zugleich Ausfluss der Flüssigkeit vermieden und eine ge¬ 
naue Exploration der Blase vorgenommen. Zur Erweiterung der 
Oeflhung wird der andere Zeigefinger eingeführt und die Oeffhuug 
mit Hilfe beider vergrössert. Das Bistonri wird der Blutung wegen 
vermieden. Liegt ein Tumor vor, so werden die Wundflächen durch 


Seidenligaturen auseinandergehalten. Zur Extraction des Steines 
benutzt man die Zange oder die gekreuzten Zeigefinger. Zum 
Schluss sorgfältige Untersuchung der Blase auf etwa noch vorhan¬ 
dene Fremdkörper. Keine Naht der Blase, zuweilen eine des un¬ 
tern Hautschnittwinkels. Einführen eines Drains von 12—15 Ctm. 
Länge und zuweilen ein Cathötre ä demeure in die Urethra für 24 
—48 St. Für gewöhnlich kann nach 2—3 Tagen Beides wegge¬ 
lassen werden. Die ersten 24 St. liegt Pat. auf dem Rücken, wei¬ 
terhin wird er für je 6 St. abwechselnd auf die eine oder auf die 
andere Seite gelegt. Dadurch leichter Abfluss des Harns und Ver¬ 
meiden einer Hautaffection. Als Verband eine Lintcompresse mit 
schwacher Carbol- oder Borsäurelösung. 

T h. schliesst folgendermaßen: Nur einer seiner Pat., der Greis, 
sei an Erschöpfung gestorben. Er habe im Ganzen nur einmal eine 
Arterie unterbunden, nie sonst eine hämostatische Operation an 
einer Arterie unternommen. Nie habe er eine venöse Blutung 
gehabt Er sei endlich überzeugt, die Epicystotomie sei dazu be¬ 
rufen, bei grossen Blasentumoren grosse Dienste zu leisten, die 
kleineren Polypen seien durch den Perinäalscbnitt zu entfernen. Für 
die Fälle, wo die Blase mit Hille derselben untersucht worden sei 
und man sie daher nicht extendiren könne,- wende er eine Modifica- 
tion, die auch bei Weibern anzuwenden sei, an, über die er bei 
einer nächsten Gelegenheit sprechen werde. N. 


A. Dobrosl&win: Der Nährwerth der verschiedenen 
Theile des Schlachtviehes. (Wratsch M 33). 

Obgleich der Hauptbestandteil des Fleisches, die Muskeln bei 
den meisten Säugethieren eine fast coustante chemische Zusammen¬ 
setzung hat, besitzen wir über den Nährwerth des Fleisches bisher 
nur ungenaue Angaben, weil der Gehalt an Knochen, Sehnen, Fas- 
cien und Fett ein sehr wechselnder, und selbst die auf dem Markt 
gebräuchliche Eintheilung des Fleisches in verschiedene Sorten 
ebenfalls bedeutend variirt. Der Knocbengehalt des Schlachtviehes 
wird ebenfalls sehr verschieden angegeben, von 8 — 20 % des Ge- 
sammtgewichtcs des Fleisches. Kuleschow in Moskau nimmt 
für das russische Schlachtvieh sogar mehr als 20 % an. 

Um den Gehalt des Fleisches an verschiedenen Bestandteilen in 
den verschiedenen Sorten festzustellen, unternahm nun Verf. eine 
Reihe von Untersuchungen. Dank der materiellen Unterstützung 
der Hauptintendantur und der Stadtverwaltung konnten 10 Stücke 
Schlachtvieh zu diesem Zwecke angekauft werden nnd zwar je 2 
Stück der tscherkasskischen, sibirisch-kirgisischen, Inländischen, 
kalmükischen und russischen Race (letztere 2 waren Kühe, die 
übrigen Ochsen). Nach Bestimmung ihres Gewichtes wurden sie 
geschlachtet und in die in Petersburg gebräuchlichen Sorten zer- 
theilt. Jede einzelne Sorte der einzelnen Thiere wurde wiederum 
gewogen und in die einzelnen Bestandteile zertheilt, Dank der 
Beihülfe der 4 Stadt veterinäre. 

Die Einteilung des Schlachtviehes ist folgende: Gleich nach der 
Tödtung werden Kop^ Fell und Eingeweide entfernt und das Uebrige 
in 4 Sorten geteilt. 

Wir lassen die Tabelle, welche das Gewicht der einzelnen Fleisch¬ 
stücke je nach der Race angeben und reprodneiren nur folgende Zu- 
sammenBtellnng nach den Sorten : 

Muskeln Fett (ampi) Talg (caio) 

57,9% 9,7% 0,6% 

59,1% 8 , 6 % 9,6% 


1 . Sorte 

2 . „ 

3. „ 

4. 


Sehuen 
10 3% 
14 , 3 % 
15,0% 
23,4% 


Knochen 

13,7% 

17,7% 

11 , 8 % 

7,2% 


9,1% 10,4% 

5,7% 13,5% 

Auf Grund dieser Zahlen meint Verf., es wäre eine Eintheilung 
in 3 Sorten ausreichend, für grössere Anstalten, wie Hospitäler etc. 
müsste überhaupt nicht nach Sorten eingekauft werden, sondern 
nach ganzen oder ± Thierkörpern, deren sämmtlicbe Theile dann 
richtig verteilt und verwertet werden könnten. Der Einwand, in 
diesem Falle könne ein Theil als unbrauchbar verloren gehen, beruht 
auf Unkenntniss. 

Nach einer weiteren Berechnung enthält ein ganzer geschlachteter 
Ochse — 51% des Gesammtgewichtes Fleisch und gewinnt man, 
wenn man ihn in toto, statt in Sorten zertheilt, kauft, c. 10 % mehr 
verwertbaren Fleisches. P. 


A. H e 11 e r: Ueber Erwärmung und Abkühlung des In¬ 
fanteristen auf dem Marsch und den Einfluss der Klei¬ 
dung darauf. (Deutsche Militärärztliche Zeitschrift Heft 
7 und 8 , 1885. 

Der Verfasser hat genaue Temperaturmessungen der Körper¬ 
wärme, der Wärme in den betreffenden Kleidungsstücken bei Infan¬ 
teristen der Armee, im Ruhezustände, auf dem Marsche and nach 
dem Marsche, bei sonnigem klaren*und bei windigem Wetter, dann, 
durch Messungen der Luft in Glasflascben, die er entweder unbe¬ 
deckt, und dann derselben in bedeckten Flaschen — indem er sie 
der Sonne anssetzte oder abkühlen liess — angestellt, und kommt 
schliesslich za folgenden Schlussfolgerungen: 

«Die Kleidung hat einen ungemein wichtigen Einfluss auf die 
Wärme-Oekonomie desselben auf dem Marsch und besonders auf die 
Entstehung des Hitzschlages.» «Sie hemmt den Wftrmeabfluss des 
Körpers trotz der gesteigerten Wärmeeinnahme desselben in Folge 
andauernder Muskelarbeit in beträchtlichem Grade, und zwar durch 
Verzögerung der Wärmeleitung und Strahlung nm das 2—3fache 


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und durch erhebliche Behinderung der Scbweissverdunstung und der 
Lufterneuerung auf der Körperoberfläcke ; durch die Kleidung, die 
häufig bei andauernder Bestrahlung durch die Sonne eine Tempera¬ 
tur annimmt, die hoher als die Körpertemperatur ist, wird die 
Wärmeabgabe des Körpers durch Leitung und Strahlung anf ein 
Minimum reducirt, die Verdunstung des Schweisses anf der Haut 
wird um das 3—4fache verzögert, die Lufterneuerung durch die 
Belegung der freie* «traospkärisehen Luft au der Körperoberfläche 
um das 3- 4fache gehemmt. — Als Prophylaxe fttr den Hitzsehlag 
hat man Erleichterung in Bezug auf die Kleidung und reichliche 
Zufahr von Wasser zum Organismus zu gewähren. Das Nähere im 
Original nachzulesen. —i— 


Bacher-Anzeigen und Besprechungen. 

AerzUicher Taschenk&Iender auf das Jahr 1886 (KazeBAapb 
BpaieÄ Bcbxi BiiAOMCTBi»), unter der Bedaction von 
Prof. W. Anrep und Dr. N. Woronichin, herausgegeben 
von C. fiickdr. St. Petersburg, Verlag von C. Kicker, kl. 8°, 
360 S. und 1 Beilage 228 S. Preis 150 Kop., mit Versendung 
170 Kop. 

Mit dem uns vorliegenden Jahrgange beginnt der Ricker’&che Ka¬ 
lender für Aerzte aller Ressorts, welcher sich in der ärztlichen Welt 
Busslands einer allgemeinen Beliebtheit erfreut, bereits das zweite 
Becennium seiner Existenz, und zwar unter einer neuen Bedaction, 
Prof. A n r e p in Charkow und Dr. W o r o n i c h i n in St. Peters¬ 
burg. 

Der Kalender, welcher neben dem Notizbuch, dem Kalendarium, 
Adressen der Aerzte, Veterinäre, Apotheker und Instrumenten¬ 
macher von St. Petersburg und Moskau in reicher Fülle Mitthei¬ 
lungen enthält, die dem Arzt in seiner Praxis von Wichtigkeit sind, 
ist diesmal im Format kleiner und dadurch bequemer für die Tasche 
geworden. Eine dankenswerthe Zugabe sind die 5 Seiten mit alpha¬ 
betisch geordneten Bubriken für Adressen. Bezüglich des Tages¬ 
notizbuches können wir nicht umbin wiederum darauf aufmerksam 
zu machen, dass der Baum für die Notizen — für 3 Tage nur eine 
Seite — zu karg bemessen istrund es zweckmässig wäre eine Zwei¬ 
theilung der einzelnen Seite statt der jetzigen Dreitheilung einzu¬ 
führen. 

Damit der Kalender aber nicht nur ein Nacbschlagebucb für den 
praktischen Arzt, sondern auch gleichzeitig von wissenschaftlichem' 
Interesse sei, so hat die neue Bedaction sich bemüht in einer 228 S. 
starken Beilage Mittheilungen von wissenschaftlichem Werthe zu 
bieten. Von letzteren wollen wir hier erwähnen : üntersuchungs- 
methoden bei Simulation von Sehstörungen von Prof. Hirsch- 
mann; Ueber Ptomaine von Prof. A n r e p ; Die Odessascheu 
Schlammbäder; Technik der Anfertigung von pathologisch-histolo¬ 
gischen Präparaten ; Ueber Cocain ; Praktische Bemerkungen zur 
Efoktrodiagnostik der Bewegungsnerven und Mnskeln von Docent 
Orschanski; Untersuchungsmethoden für Bacterien von Prof. 
Afanasjewu. s. w. In dieser Beilage ist auch das Personalver- 
zeichniss der Aerzte Busslands, sowie ein Verzeichniss der im ver¬ 
flossenen Jahre verstorbenen Aerzte untergebracht. 

Der reiche Inhalt des Kalenders, sowie die beigegebenen Artikel 
von wissenschaftlichem Werthe werden bei der trefflichen äusseren 
Ausstattung nicht verfehlen, dem Kalender immer mehr und mehr 
Freunde zu erwerben. Bf. 

<G. B. D u c h e n n e: Physiologie der Bewegungen nach 
elektrischen Versuchen nnd klinischen Beobachtungen 
mit Anwendungen auf das Studium der Lähmungen 
und Entstellungen. Aus dem Französischen übersetzt von 
Dr. C. Wer nicke. Mit 100 Abbildungen. Cassel und 
Berlin, Tb. Fischer 1885. XXVII. 663. 

Der Uebsrsetzer hat in seiner Vorrede vollkommen Becht, wenn 
er sagt, dass er nicht fürchte, mit seiner Uebersetzui^ etwas Ver¬ 
altetes zu bringen — das Original erschien 1867. Wir können Dr. 
Wernicke nur dankbar sein, dass er uns das Werk des genialen 
Reformators in der Nervenpathologie in einer vorzüglichen Ueber- 
setzung dargeboten hat. Was das Werk trotz seiner Dickleibigkeit 
sehr gebrauchsfähig macht, sind die, am Ende jedes grösseren Ab¬ 
schnittes befindlichen allgemeinen Uebersichten über die Functionen 
der vorher besprochenen Muskeln. Einen Auszug aus dem vorlie¬ 
genden Buche zu geben, ist einfach schon wegen des Stoffes selbst, 
der die genauesten Details über die Wirksamkeit der einzelnen Mus¬ 
keln und gewisser, physiologisch zusammengehöriger Muskelgrup¬ 
pen giebt, unmöglich; wir beschränken uns darauf, das Buch auf das 
Wärmste den Chirurgen und besonders den Neurologen zu empfehlen. 

Hz. 

JLGrüdinger: Mittheilungen aus der syphilitischen 
Abtheiluug des Hospitales zu Alexandersböhe bei 
Riga. Dissertation. Dorpat 1885. 48 pag, 

Verf, hat das Material der Jahre 1 874—83 bearbeitet, welches 
«ich auf 1277 syphilitische Personen (männl. — 534, weibl. — 743) 
bezieht. Die Zahl der jährlich Behandelten ist in diesen 10 Jahren von 
*0 auf 159 gestiegen. Das Alter betrug bei Männern vorherrschend 


(42%) 26—35 Jahre, bei den Prostituirten (50,5%) 17—20 Jahre, 
4,4% derselben waren erst 14—16 Jahre alt. Was die Form anbe¬ 
trifft, so traten 231 Pat. mit Initialsclerose ein, 961 in der condy- 
lomatösen und 85 in der gummösen Periode ein. Von extrageui- 
talem Sitze der Initialsclerose werden 3 Fälje erwähnt (2 Mal die 
Lippen, 1 Mal der kleine Finger). Bemerkenswerth sind 3 Fälle, 
wo gleichzeitig Condylome und Gumioata beobachtet wurden. 
Iritis wnrdö 9 Mal beobachtet, Orchitis in 10 Fällen (? Bef.). 

Verf. theilt ferner einen Fall von angeblicher Beinfection mit 
Syphilis mit, derselbe ist jedoch durchaus nicht überzeugend. (Es 
heisst, der 43jährige Pat. «giebt an, vor 14 Jahren syphilitisch ge¬ 
wesen zu sein», doch fehlt die ärztliche Bestätigung, auf einfache 
Patientenaussage hin kann man keinen so aussergewöhnlichen Fall 
wie eine Beinfectio constatiren. Bef.). P. 

K r a k e r: Mittbeilungen des Vereins der Aerzte in Steier¬ 
mark 1884. Graz, Leuschner & Lubensky 1885. 

Die Originalmittheilungen betreffen 1) eine sehr übersichtliche, 
auf eigene Erfahrung begründete Abhandlung von Dr. Jo h. H e rz o g 
über den acuten und chronischen Nasencatarrh mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung des nervösen Schnupfens, 2) ärztliche Mittheilungen 
aus Bohitsch-Sauerbrunn von Dr. G1 a x , 3) zur Behandlung von 
Fracturen der Unterextremitäten von Dr. Walser, welcher gegen 
das lange Liegen der mit einem festen Verbände versehenen Kranken 
polemisirt und sie bereits in der 2.-3. Woche nach dem Anlegen 
eines Verbandes gehen lässt, indem er die kranke Extremität in 
eine Gurtschlinge suspendirt und den Kranken Krücken giebt. 4) 

Baubmord — Moralisches Irresein — Wahrscheinliche Epilepsie_ 

Simulation von Blödsinn. Facultäts-Gutachteu der Grazer medici- 
cinischen Facultät, mitgetheilt von Prof. v. K r a ff t - E b ing. 
Darauffolgen die Protokolle der Monatsversammlungen, die Rech- 
nungsablage und die Berichte über die geschäftlichen Sitzungen. 
Inseressant ist, dass die meisten, oft recht tüchtigen Vorträge die in¬ 
nere Medicin betrafen. H z. 

Leseproben und Schrifttafeln, entworfen nach dem Meter¬ 
system zur Bestimmung der Sehschärfe. Herausgegeben 
vom St. Petersburger Augenhospital. Commissions-Verlag v. 
Carl Ricker 1885. 

Das Erscheinen obiger Arbeit darf gewiss al9 ein recht zeitge- 
mässes bezeichnet werden. Die Zahl russischer Drucke zur Be¬ 
stimmung der Sehschärfe ist eine sehr geringe. — Innerhalb gewis¬ 
ser Zeitabschnitte eine Veränderung in den Probeschriften eintretea 
zu lassen, bat gewiss für jeden Augenarzt seine Annehmlichkeiten. 
Die vorliegenden Tafeln lehnen sich zudem an das in der Ophthal¬ 
mologie mehr und mehr gebräuchliche Metersystem an. Die Arbeit 
zerfällt in 2 Theile: Erstens das von Dr. v. Schroeder zusammen¬ 
gestellte russische Lesebuch, und zweitens in die von Dr. Th. Öerr 
mann— nach Dr. M o n o y e r ’s Princip — entworfenen Tafeln. 

Im Lesebuch sind als sehr dankenswerthe Neuerungen hervorzu- 
heben, dass 1) über jeder Schriftgattung angegeben ist, in welchem 
Abstande ein mit voller Sehschärfe begabtes Auge die Schrift hoch 
erkennen muss — man also auch mit diesen Leseproben eine genaue 
Bestimmung der Sehschärfe ausführen kann; 2) eine genaue Tabelle v 
betreffs der entsprechenden Werthe der Brillengläser nach Zoll- oder 
Metersystem beigegeben ist, und 3) das Vorhandensein eines Pu- 
pillometers. 

Die Tafeln — eine mit russischen, eine mit lateinischen Buchsta¬ 
ben, eine mit Zahlen, eine mit Haken, und zwei für Astigmatismus, 
sind dieser Reichhaltigkeit wegen international brauchbar und er¬ 
möglichen dem Arzte einen stetigen Wechsel der Vorlage. Die Skala 
fällt gleichbleibend stets nin */«>» daher mit diesen Tafeln eine ge¬ 
nauere Bestimmung der Sehschärfe möglich ist, als mit den bisher 
allgemein gebräuchlichen, welche 1, 3 /i, V*. */»* */t, V*, */«<> in ihrer 
Skala anfweisen. Was Genauigkeit, Schärfe und Sauberkeit der Aus¬ 
führung, Papier, äussere Ausstattung und dabei Billigkeit 1 ) betrifft 
— so kann die vorliegende Arbeit den besten ausländischen noch als 
Muster dienen! — ein Verdienst der hiesigen cartographischen An¬ 
stalt des Herrn A. Iljin und des Herrn A. Behnke (Typographie des 
Ministeriums der Wegecommunicationen). L. 


Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft prakti¬ 
scher Aerzte zu Riga. 

Sitzung am 4 . September 1885 . 

Dr. Bergmann spricht über «die Lepra in Riga». (Der Vor¬ 
trag ist in dieser Zeitschrift in J5 38 und 39 abgedruckt worden). 

Sitzung vom 2. und 16 October 1885 . 

1) Anknüpfend an den Vortrag von Dr. Bergmann legt Dr. 
Krannhal82 lepröse Kehlköpfe vor, die in diesem Jahre durch 
die Section gewonnen, und demonstrirt Präparate vom Bacillus 
leprae. 

2 ) Dr. Zwing mann stellt einen Kranken mit amyloider 
Degeneration der Conjunctiva vor, und macht kurz anf das Charak¬ 
teristische gedachter Affectionen aufmerksam. 


f ) Lesebuch nebst Tafeln 3 Rbl. — Tafeln allein 2 Bbl. — Lese¬ 
buch allein 1 Rbl. 50 Kop. 


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3) Dr. Mandelßtamm demoLstrirt einen scharfen Löffel, 
den er sich behufs Operationen an der Conjunctiva hat anfertigen 

lassen. 

4) Dr. K r ö g e r spricht: «Ueber die wissenschaftlichen Grund¬ 
lagen der modernen Hydrotherapie». 

Nach einer kurzen historischen üebersicht hob Vortragender ber- 
Tor f dass die moderne Hydrotherapie auf wissenschaftlicher Basis 
ruhe und ebenbürtig den anderen Disciplinen gegenüber stehe. 
Das Ziel jeder Wissenschaft, die Einzelbeobacbtung auf Grundlage 
yon allgemein anerkannten Gesetzen zu erklären, sei auch ihr aus¬ 
gesprochenes Bestreben, welches sie an ungemein zahlreichen Fällen 
Statisch durchgeführt habe. 

Vortragender geht dann näher auf die Vorgänge bei den hydro¬ 
therapeutischen Wirkungen ein und führt es aus, wie vorwaltend 
die Temperaturwirkung uns entgegentritt, daneben aber auch das 
Wasser nicht nur als Wärmeträger von grosser Bedeutung ist, son¬ 
dern auch vermöge seiner physikalischen Eigenschaften bei keinem 
thermischen Verfahren eigentlich entbehrt werden könne. 

Die durch thermische Beize hervorgerufenen Wirkungen könne 
man nach 3 Richtungen hin unterscheiden. Sie bestehen 

1) in Reizerscheinungen, 

2) in Wärmezufuhr und Wärmeentziehung, 

3) in Gegenwirkungen des Organismus gegenjlen therapeutischen 

Reiz. 

Im weiteren Verlaufe des Vortrages kam zunächst die Reizwir¬ 
kung von Wärme und Kälte zur Betrachtung, dann die örtlichen 
Wirkungen derselben auf die Hautgebilde, ferner die Temperatur¬ 
wirkungen auf peripher und central von der Einwirkungsstelle 
gelegene Körpertheile, weiter die Reflexwirkungen thermischer 
Hautreize, die Wirkungen aufs Herz, auf den Blutdruck und die 
Blutvertheilung. Zuletzt wurde der Einfluss thermischer Reize 
auf die Körperwärme, und dadurch auf den Stoffwechsel sowie auf 
die Hautfunction besprochen, sowie des Einflusses des innerlich ge¬ 
nommenen Wassers gedacht. 

In eingehender Weise schilderte Vortragender alsdann die ver¬ 
schiedenen Badeformen und beleuchtet die Indicationen derselben. 

Dr. Hampeln erkennt die hohe Bedeutung der modernen 
Hydrotherapie an. Es sei auffallend, dass dieselben keinen grösse¬ 
ren Einfluss auf die Gestaltung der modernen Krankenhäuser ge¬ 
wonnen habe. Seiner Ansicht nach müsste jede Abtheilung für 
innere Krankheiten, eine gut eingerichtete Kaltwasserheilanstalt 
zur Verftignng haben. Bezüglich der localen Kältewirkung wolle 
er hervorheben, dass bei Nasenbluten der Recurrenskranken die Kälte 
auf den Hals applicirt blutstillend wirke, local angewandt nicht. 
Ebenso sei bei Lnngenblutung die Eisblase auf die ClavJculargruben 
nutzlos, vielleicht würde es sich mehr empfehlen, dieselben auf die 
Gegend der Pulmonalis zu legen. 

Dr. Worms: Von Winternitz" sei bereits der Vorschlag ge¬ 
macht worden, die Kälte auf die zuführenden Gefässe anzuwenden. 
Den Grund, weshalb die Hydrotherapie hei ihren unzweifelhaft 
wirksamen Mitteln, keine grössere Bedeutung für die Therapie 
im Allgemeinen gewonnen, sehe er in dem schwankenden Boden, auf 
dem die Behandlung der chronischen Leiden beruhe. 

Dr. Kröger: Die H. sei eine junge Wissenschaft, die nicht an 
den Kliniken gelehrt, sich selbständig entwickelt habe. Daher sei 
noch Manches unzureichend. Ueberdies kämen meist nur Gichti¬ 
sche, Rheumatische und Nervenleidende zu den Hydrotherapeuten, 
während gerade die geeignetsten, wie die an chronischen Bronchi¬ 
tiden und Herzleiden laborirenden Patienten sich in der privaten 
Behandlung befänden, oder in Kliniken und Krankenhäuser Auf¬ 
nahme suchten und fänden. 

Dr. C a r 1 b 1 o m: Bei den localen feuchten Einpackungen der 
sog. Priessnit ziehen Umschläge bediene ersieh des Gummi¬ 
zeuges, mit dem er die nasse Compresse decke. Dieses habe den 
Vortheil, dass der Umschlag warm bleibe, dem Kranken durch we¬ 
niger häufiges Wechseln des Umschlages mehr Ruhe gegönnt werde. 
Ihm sei es nicht recht ersichtlich, warum die Hydrotherapeuten den 
impermeablen Stoff gewöhnlich wegliessen. 

Dr. K rö ger: Derselbe werde weggelassen, wenn eine'stärkere 
Verdunstung stattfinden soll. Sei die Körpertemperatur hoch, so 
werde dadurch eine Abkühlung erzeugt, während unter dem Gum 
mistoff dieselbe noch zurückgehalten werde. In jedem Falle müsse 
man individualisiren. Der Grad der Reaction zeige, ob die Reiz¬ 
stärke genügend sei. Der Wechsel zwischen Hyperämie und Ischä¬ 
mie, durch den Wechsel der Temperatur erzeugt, das sei der Zweck 
des ganzen Verfahrens, a priori feste Regeln Hessen sich nicht 
geben. Im Uebrigen Hesse sich das Gummizeug in jedem Falle 
durch Bedeckung mit Wolle oder Flau eil stoffen ersetzen. 

Dr. Rn Ile: Gerade in der Schwierigkeit des Individnalisirens 
liege der Grund, welcher der Hydrotherapie das Eindringen in die 
Privatpraxis erschwere. d. Z. Secretair Dr. M i r a m. 


Auszug aus den Protokollen des deutschen ärztlichen 

Vereins. 

Sitzung vom 4 . Noveniber 1885 . 

1. Dr. L i n g e n hebt hervor, dass die Recnrrensfälle, die sich 
jetzt wieder zu zeigen anfangen, nicht recht typisch verlaufen. 


Der Milztumor ist zwar immer deutlich, aber die Fiebercurve ist seh* 
unregelmässig. Gerade so war es vor 20 Jahren, als die Recurrens 
zum ersten Mal in Petersburg auftrat, we sie für abortiv verlau¬ 
fenden Typhus gehalten wurde, bis sie die typische Form annahm 
und ihren Namen erhielt. 

Dr. Herrmann giebt das zu; die Fälle, die das Bild schwerster 
Infection (enorme Milz, Blutungen, Tod im Collaps nach dem 3. oder 
4. Anfall) bieten, treten jetzt ganz zurück gegenüber den mehr aty¬ 
pisch verlaufenden leichten Fällöh, in denen aber während des Fie¬ 
berstadiums die Spirillen nicht vermisst werden, wodurch die Dia¬ 
gnose zweifellos wird. 

Dr. Am burger theilt dagegen mit, dass er eben in seiner Ab- 
theilong im Marien-Magdalenen-Hospitale 2 sehr schwere biliöse 
Fälle von Recurrens zu behandeln gehabt hat, von denen der eine 
nach dem III. Anfall in gesicherte Reconvalescenz getreten, der an¬ 
dere gestorben ist. Es war das ein 25jähriger Barkenführer ans 
Archangel, seit einem Jahre in Petersburg, der 7 Tage vor der Auf¬ 
nahme mit Frost erkrankt war; in der letzten Nacht Schweres. Bei 
der Aufnahme sehr collabirt 34,3, Puls 72 weich. Herztöne rein, 
starker Icterus, Bronchialcatarrh. Milz enorm. — Unter belebender 
Behandlung bessert sich der Zustand. Temp. 36,4. Doch war die 
Schwäche noch immer bedeutend, als am 6. Tage des Hospitalauf¬ 
enthaltes mit Frost ein neuer Anfall beginnt, 39,8—40,5. Der 2. 
Anfall dauert 6 Tage. Der Icterus noch stärker, ebenso wird die 
Milz noch grösser und nimmt schliessHch die ganze linke Bauch- 
hälfto ein. Im Collaps nach diesem II. Anfalle stirbt der Kranke. 
Seine Milz wird von Dr. Am bürge r dem Verein demonstrirt. Sie ist 
34 Cm. lang, 18 breit und 11 dick und hat ein Gewicht von 7-^ Pfd. 
russ Civilgewicht. Der Durchschnitt zeigt das Bild der hyperä- 
mischen weichen Recurrensmilz mit zahlreichen kleinen Infarcten. 

2. Dr. Amburger demonstrirt noch eine Milz von einem kürz¬ 
lich im Marien-Magdalenen-Hsspital Verstorbenen, der nur 24 
Stunden daselbst gelegen hatte, so dass eine fortlaufende Beobach¬ 
tung des Krankheitsverlaufes nicht existirt. Bei der Section fand 
sich der Unterlappen der linken Lunge roth hepatisirt, das Herz 
sehr' 1 dilatirt und fettig entartet und amyloide Degeneration der 
Leber, Nieren und Milz. Letztere ist so hochgradig amyloid, dass 
ihre Consistenz wohl mit der des Holzes verglichen werden kann. Die 
chemische Reaction setzt die Diagnose ansser Zweifel. 

3. Dr. K e rn i g theilt folgenden Krankheitsfall mit: Am 8. Aug. 
trat in ? s Obuchowsche Frauenhospital ein 19jähriges Mädchen ein, 
welches angab, vor 2 Jahren Scharlach gehabt zu haben und ein 
Jahr darauf an Durchfällen, Dyspnoe und allgemeinem Hydrops er¬ 
krankt zu sein. Sie hatte trotz ihrer 19 Jahre einen ganz unent¬ 
wickelten Körperhabitus, schlechten Ernährungszustand, ein Körper¬ 
gewicht von nur 75 Pfd. trotz bedeutenden Hydrops. Alle Symp¬ 
tome einer diffusen Nephritis und ein colossal hypertrophisches Herz; 
die Herztöne ganz rein und so laut, wie K. sie nie früher von solcher 
Stärke gehört haben will; alle palpablen Arterien wie harte Schnüre 
anzufühien, aber nur durch pralle Füllung und Spannung, nicht 
durch Atherom. Unter entsprechender Behandlung wurde sie besser, 
verlor rasch die hydropischen Anschwellungen (in 5 Tagen 14 Pfd. 
Körpergewicht verloren), die Albuminnrie wurde sehr gering, ja 
schwand für die letzten 14 Tage ganz. Anämie und allgemeine 
Schwäche blieben aber. Des hohen Arteriendruckes wegen erhielt 
sie vorgestern 2 mal zu 2 Tropfen einer 1% Lösung von Nitroglyce¬ 
rin. An dem l äge hatte sie ein Urinqnantnm von 1400 Ccm. Der 
Einfluss auf den Puls war ein günstiger. Am nächsten Morgen traten 
rasch nach einander 3 epileptiforme Anfälle, heftige Convnlsionen 
mit Verlust des Bewusstseins ein Inf. Sennae sal. und snbcut&ne 
Pilocarpininjectionen. Der starke Schweres brachte keine Verände¬ 
rung zu Stande. Collaps. Nachmittags Tod. Wie waren die Con- 
vulsionen zuMeuten: urämische Intoxication ? Nitroglycerinwirkung? 

Die Section heute früh.^ Gehirn: in den Subarachnoidalräumen 
kein Oedem. Zeichen von stark erhöhtem Hirndruck — Gyri abge¬ 
plattet. Rinde und weisses Mark anämisch; die Hirn Ventrikel sehr 
ausgedehnt, gefüllt mit klarem Serum ; solches fliesat auch reichlich 
aus dem Wirbelkanale nach Herausnahme des Gehirns hervor. In 
der Bauchhöhle war die rechte Niere kaum zu finden, ein kleiner 
schlaffwandiger Sack, einen schmierigen Kalkbrei enthaltend, mit 
wohlerbalteuem Ureter; die linke Niere ein wenig kleiner als normal, 
bloss im Zustande der secundären Schrumpfung (Bartels). Leber 
und Milz vergrössert. 

Brusthöhle : Beide Lungen über die ganze Fläche mit der Brust¬ 
wand verwachsen, ebenso sind beide Pericardialblätter mit einander 
verwachsen. Herz enorm gross und schwer. Klappen ganz ge¬ 
sund, kein Atherom an der Intima der Aorta. Nach Herausnahme 
des Herzens finden sich im hinteren Mediastinum reichliche frische 
Blutergüsse, auch ältere mit Fibrinausscheidung, so namentlich ein 
grosser Klumpen zwischen Aorta und Pulmonalis. Die Quelle dieser 
Blutung wurde klar, als man in der hinteren Wand der Aorta nahe 
über den Semilunarklappen einen Längsriss von ein Cm. Länge ent¬ 
deckte, der die Communication bildete zur recht beträchtlichen Höhle 
eines Aneurysma dissecans, zwischen Intima und Media einerseits 
und Adventitia andererseits. Diese Aneurysmahöhle hatte die Blu¬ 
tung in’s Mediastinum vermittelt. 

Die Epicrise dieses Falles wird wohl in Folgendem das Richtig* 
treffen : Die rechte Niere ist entweder im frühen Kindesalter durch 
eine Pyelonephritis zu Grunde gegangen, oder es geschah dieses 


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schon im Fötalleben, wofür der Mangel an Verwachsungen mit der 
Nachbarschaft spricht. Die überbürdete linke Niere erkrankte wohl 
während des Scharlachs und, wenn es auch die Hegel ist, dass Schar¬ 
lachnephritis nicht zu secnndärer Schrumpfung führt, so sind doch 
solche Ausnahmefälle beobachtet (Leyden). Diese Zustände in 
den Nieren und die Verwachsungen der Pericardialblätter unter ein¬ 
ander brachte die Herzhypertrophie zu Stande (Bäumler). Wa¬ 
rum der ausserordentlich gesteigerte Blutdruck gerade an dieser 
Stelle der Aortenwand einen Einriss veranlasst hat, ist nicht zu Er¬ 
mitteln. Die Ruptur des Aneurysmas hatte die Blutung zur Folge, 
die die schon ohnedies hochgradige Anämie, besonders des Ge¬ 
hirns so steigerte, dass Hydrocepbalns internus, Convulsionen und 
Tod erfolgten. Es ist sehr fraglich, ob an letzteren Erscheinungen 
auch Urämie mitgewirkt haben sollte: die Albuminurie war gang 
geschwunden und die Diurese reichlich. Ebenso ist es sehr zweifel¬ 
haft, ob das Nitroglycerin schädlich gewirkt haben sollte. Ros¬ 
bach hat es besonders bei Nephritis und hohem Arteriendruck em¬ 
pfohlen. Wahrscheinlich ruft es wie Amylnitrit zuerst Hyperämie 
des Gehirns hervor und dann Anämie. Kernig hat vor kurzem 
em» Kranke mit Angina peetoris 9 Tage lang Nitroglycerin brauchen 
lassen. Die Angina pectoris wurde besser, aber der Appetit schlecht, 
die Zunge roth und eigenthümliche blande Delirien traten auf, die 
wochenlang fortdauerten. 

Dr. Herrmann hat beim Gebrauche von Nitroglycerin keine 
Hirnerscheinungen gesehen. Er liess es kürzlich einen Kranken mit 
Albuminurie, Herzdilatation ohne Klappenfehler, Leberhypertrophie 
und Pleuratranssudation längere Zeit und zwar 3 mal täglich zu 
einem Tropfen einer 1 % Lösung brauchen. Die Wirkung war eine 
sehr günstige. 

Dr. A1 b a n u s hat dagegen bei 2 Versuchen an sich intensive Kopf¬ 
schmerzen beobachtet, die über eine Stunde dauerten, wenn er auch 
nur 'Ino Gran Nitroglycerin nahm. 

Dr. Hobst hat Nitroglycerin mehrfkch angewandt. Ein junger 
Flottofflcier, der sehr fettleibig, sonst aber gesund war, namentlich 
was das Herz betrifft, litt an schweren stenocardischen Anfällen. 
Er erhält das Mittel nur während des Anfalles bis 6 Tropfen der 
1% Lösung. Er vertrug es sehr gut ohne Nebenwirkungen und hat 
jetzt über ein Jahr keinen Anfall mehr. 

In anderen Fällen hat Holst auch deutliche Kopfcongestionen 
gesehen. Eine sehr günstige Wirkung sah er bei einem Kranken, 
der ein nach allen Seiten vergrössertes Herz mit systolischem Ge¬ 
räusch an der Mitralis hatte. Schwere Dyspnoe, sehr hydropisch, 
TJrin wenig eiweisshaltig, 1 Pfd. in 24 Stunden. Puls 54 , drohende 
Urämie. Nach Pilocarpin wird der Puls noch schwächer und sinkt 
bis auf 49 Schläge. Dann Nitroglycerin den ersten Tag 3 mal zu 
einem Tropfen, später 3 mal zu 2 Tropfen der i% Lösung. 24stün- 
dige Urinmenge stieg auf 7 Pfd., aller Hydrops schwand, Puls hob 
sich auf 65 und wurde kräftig, gar keine Athembeschwerden mehr. 

z. Z. Dr. Herrmann. 

Secretär: Dr. M a s i n g. 


Sitzung vom IS, November 1SS5 . 

1. Dr. Assmuth zeigt einen Blasenstein von 4-J Cm. Länge. 3 -J- 
Breite und 2 -) Dicke, den er kürzlich einem 19jährigen Frauenzimmer 
durch die Harnröhre extrahirt hat, nachdem er die Harnröhre in der 
Chloroformnarcose sehr rasch durch successives Einführen der Finger 
genügend dilatirt hatte. Die nachfolgende Incontinenz war in we¬ 
nigen Tagen geschwunden. 

Dr. T i 1 i n g knüpft daran die Mittheilung an, dass er heute 
einen Blasenstein durch die Sectio alta bei einem 30jährigen Patienten 
entfernt und die Blasen wunde sofort genäht habe nach den Vor¬ 
schriften von F e h 1 e i s e n. (v. den Originalartikel in dieser AI.) 

2 . Dr. Moritz verliest eine ausführliche Bearbeitung der Be¬ 
handlung der croupösen Pneumonie mit Mercurialfricuonen im 
Obuchowschen Weiberhospital. Der Vortrag ist in dieser AI ent¬ 
halten« 

In der sich daran knüpfenden Discussion hebt Dr. Amburger 
hervor, dass die Statistik der Pneumonie gegenüber ihre ganz beson¬ 
deren Klippen habe: ob doppel- oder einseitig, ob an der Spitze 
oder nicht, ob primär oder secundär etc. Es sei daher der Werth 
noch so fl emsiger statistischer Zusammenstellung bei der Pneumonie 
oft problematisch. 

Dass die mercnrielle Behandlung der Pneumonie schon älteren 
Datums sei, dafür führt Dr. K a r e 11 an, dass der weil. Prof. Eck 
schon vor 35 Jahren Schmiercuren anwandte; auch grosse Calomel- 
doeen. 

Dr. Herrmann bestätigt das. Das Calomel nach der Ec k- 
sehen Methode rufe aber wohl sehr oft schwere Salivation hervor, 
Sublimat wieder Digestionsstörungen; am besten seien Frictionen 
von33—5? Ung. einer, pro die, die aber Herrmann doch erst 
dann anwendet, wenn die Lösung sich verzögert. Bis dahin Digi¬ 
talis und Ipecaouanha innerlich und Eis local. Er hofft, dass der Ader¬ 
lass hei der Behandlung der Pneumonie wieder den ihm gebührenden 
Ehrenplatz einnehmen werde. 

Dr. K e r n i g wendet am liebsten äusserlich Eis an. Innerlich 
scüätzt er das Antipyrin sehr. Die classischen Gaben zu 5 Gramm 
pro die schaffen Fieberlosigkeit bis zu 12—15 Stunden Dauer, die 
von wesentlicher Bedeutung für die Erhaltung der Widerstands¬ 
fähigkeit des Körpers ist. Gleichseitig mit dem Temperaturabfall 
werden Puls und Respiration besser, die Cyanose schwindet, oft auch 


der pleuritische Schmers. Collapserscheinungen habe er eigentlich 
nur einmal gesehen, als einem 15jährigen Mädchen aus Versehen, 
während ihre Temp. schon im Herabgehen war, 5 Gramm gegeben 
wurden. Sehr bedrohlich waren aber auch hier die Erscheinungen 
nicht und wichen bald spurlos. — Ein anderes Mal waren einer 
58jährigen Frau am 6 . Tage der cronp. Pneum. mit sehr bedenk¬ 
lichem Aussehen auch aus Versehen in kurzer Zeit 8 Gramm Anti- 
pyrih gegeben, statt des gefürchteten Collapses trat aber ganz 
besonders reine Euphorie ein, 37,0, Puls 80 voll, Respiration ruhig. 

Dr. H ü be r glaubt, dass die geforderten 5 Gramm Antipyrin oft 
in sofern zu viel seien, als auch lOgranige Gaben mehrmals wieder¬ 
holt genügend Fieberlosigkeit zu Stande bringe. 

3. Dr. M a s i n g refenrt die Untersuchung eines in die chirurgi¬ 
sche Abth. das Mar.-Magdal.-Hospitals Aufgenommenen, der 8 Tage 
vorher von 2 Faden Höhe auf die rechte Hülfe gefallen, war. Gleich 
nach dem Unfall batte Pat. doch gehen können, bald würde das aber 
unmöglich wegen Schmerzen in der Hüfte. Die Diagnose bei der 
Aufnahme: Contusion ohne Fractur schien gerechtfertigt. Das Bein 
hatte keine abnorme Stellung und konnte willkürlich alle Bewe¬ 
gungen ausführen, wenn auch mit Schmerzen. Dann abeHiess eine 
ganz unbedeutende Verkürzung des rechten Beines und eine ebenso 
geringe Verkleinerung der Distanz zwischen Trochanter major und 
Spin, ilei aut. sup. auf der rechten Seite gegenüber der linken einen 
eingekeilten Oberschenkelhalsbruch vermuthen. Die Untersuchung 
per rectum gab endgültigen Aufschluss : rechts prominirten die 
Bruchstücke des eingedrückten Pfannenbodens in’s Lumen des kleinen 
Beckens, links der Knochen fest und glatt. 

z. Z. Director: Dr. Herrmann. 

Secretair: Dr. M a s i n g, 


Protokolle des Vereins St Petersburger Aerzte. 

Sitzung den 29. October 1885. 

1. Prof. Monastyrski stellt dem Verein 2 Pat. vor, die von 
ihm erfolgreich operirt worden. 

1 ) Bei deih einen Patienten, hat M. 1884 nach der W1 a d i m i- 
row-Mikulicz 1 sehen Methode die osteoplastische Resection 
des Fusses mit Erfolg ausgeführt. Gelegentlich dieses Falles 
recapitulirt M. die Geschichte dieser Operation, die zuerst 1872 von 
W 1 a d i m i r o w und dann 1880 von Mikulicz (ganz unabhän¬ 
gig von W 1 a d i m i r o w) erfanden worden. (Die Mittheilung ist 
zum Druck bestimmt). 

Dr. Dombrowski hat ebenfalls einen Fall, wo nach einer 
Fabrikrerletzang ausgedehnter Hautverlust ausser den Knochen¬ 
verletzungen des Fusses vorlag, nach Mikulicz operirt, doch 
Verliese Pat. das Peter-Paulhospital vor Beendigung der Operation, 
da es ihm gar nicht daran lag einen guten brauchbaren Stumpf zu 
erhalten, sondern es ihm vor Allem darauf ankam, von der Fabrik, 
auf welcher er die Verletzung sich zugezogen, eine möglichst reich¬ 
liche Unterstützung zu erhalten. Daher hatte er D. wiederholt 
gebeten, ihm doch eine Amputation zu machen, worauf D. jedoch 
nicht einging, weshalb Pat. das Hospital verliess 

Prof. Monastyrski interessirt es sehr, diese Notizen zu er¬ 
fahren, denn auf der chirurgischen P i r o g o w-Gesellschaft, wo M. 
ebenfalls über seinen Fall berichtete, theilte Prof. Kolomnin 
mit, es habe sich an ihn ein Pat. mit der Bitte, ihn zu amputiren, 
gewandt, bei dem angeblich die M i k u 1 i c z sehe Operation erfolg¬ 
los im Peter-Paulshospitale ausgeführt worden. Offenbar ist das 
der von D. erwähnte Pat. gewesen und beweist dieser Fall, wie 
vorsichtig man in seinem Urtheil sein müsse, wenn man die näheren 
Verhältnisse nicht kenne. 

*4) Bei der 2. von Prof. Monastyrski vorgestellten Patientin 
handelte es sich um Largngofission. Die Pat. trat im Herbst a. c. 
in die therapeutische Abtheilnng des klinischen Instituten der 
Grossfüretin Helene Pawlotrna wegen Aphonie, die sich angeblich 
nach einer Geburt eingestellt habe. Die laryngoskopische Unter¬ 
suchung durch Dr. N i k i t i n ergab eine breit anfsitzende, das 
linke Stimmband völlig verdeckende Geschwulst. Nachdem die 
endolaryngeale Behandlung keinen Erfolg gebracht, wurde Pat. 
dem Prof. M. überwiesen, welcher zur Laryngofission schritt. Er 
legte, nach B i 11 r o t h s Vorschlag den Schnitt vom Zungenbein 
bis zum Jugulum an, enthlösste die Trachea, spaltete 4 Knorpel 
und legte den Trendelenburg’schen Obturator ein. Hierauf 
wurde der Larynx gespalten und der Tumor vorsichtig mit Scheere 
und Pincette knapp am Rande des linken wahren Stimmbandes ab¬ 
getragen, ohne dasselbe zu verletzen; das ganze falsche Stimmband 
dagegen wurde mitexstirpirt. Der Tumor erwies sich als adenoma¬ 
töses Papillom. 

Der Larynx wurde nun mit Jodoformgazestreifen tamponirt, deren 
Enden über der nun eingelegten einfachen Trachealkanüle nach 
aussen geführt wurden. Auf diese Weise diente der 9 Tage liegen 
gelassene Tampon gleichzeitig als Leitfaden für das Secret. Die 
Wunde wurde vernäht, Pat. konnte bereits am folgenden Tage 
gut trinken und die Wunde verheilte schnell, worauf auch die Tra- 
chealcanüle entfernt wurde. 

Jetzt bann die Pat., wie der Verein sich überzeugen konnte, wie¬ 
der mit deutlicher, klangvoller Stimme sprechen. 

2. Dr. Peterse n stellt dem Verein den Pat. vor,bei welchem 
er im verflossenen Sommer zur Schliessung einer ausgebreiteten 


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10 


grannlirenden Nackenwunde Transplantationen von Iroschhaut 
mit Erfolg vorgenommen hatte (cf. Pbg. med. W. a. c. J438). Die 
Narbe zeichnet eich durch ihre Elasticität ans und lässt sich in klei¬ 
nen glänzenden Fältchen abheben. 

3. Dr. Vogel beendet seinen Vortrag Uder Antiseptik . Er 
schildert eingehend die Anlegung der Verbände und hebt hervor, 
dass er den Esmarch'sehen Schlauch erst dann abnehme, wenn 
der Verband bereits fertig angelegt ist. Kommt dann auch noch 
einiges Blut in die Wunde, so bietet das keinen Nachtheil. Bei 
Weichtheüwunden bleibt der erste Verband 6—8Täge, bei Knochen¬ 
wunden 12—14 Tage liegen. Bei verdächtigen Wunden und Weich- 
theilen, die mit Blut inlltrirt, wendet V. die 2 zeitige Ko cher¬ 
sehe Naht an. Bei sicher inficirten Wunden und denjenigen, wo 
nicht genäht werden kann, wird mit Sablimat-Marly tamponirt. 
Diese Methode bewährt Bich vorzüglich. In 2 Fällen bedeutend zer¬ 
trümmerter Knochen bei complicirten Fracturen, wo eigentlich 
hätte amputirt werden müssen, legte Dr. Rey he r derartige Ver¬ 
bände an, die 12—13 Wochen liegen blieben und zur Heilung führ¬ 
ten. Aus seiner eigenen Praxis führt V. folgende Fälle an: 

1) Bedeutende tuberculöse Zerstörung des Radius vom eröffneten 
Handgelenk bis zum halben Vorderarm nach oben gehend, sodass 
der Weichtheile soweit ausgeräumt werden mussten, dass nur der 
stark durchfurchte Radiusknochen und die isolirten Sehnenstränge 
in der Wunde zurückblieben. Sublimattampons blieben 3 Tage 
liegen, darauf die Wunde rein. In 3 Wochen Heilung. 

2 ) Senkungsabscess vom XII. Brust- und I. Lendenwirbel ausge¬ 
hend. Ausräumung mit theilweiser Auslöffelung dieser Wirbel. Güns¬ 
tiger Verlauf nach Anwendung von Sublimat- und Jodoformtampon’s. 

Secretair: Dr. 0. Petersen. 


Adalbert Häcker f. 


Am 21. October vorigen. Jahres starb in Bogorodizk (Kreis-Stadt 
des Gouv. Tula) der Stadtarzt Dr. med. Adalbert Häcker. 
Er stammte aus Riga, studirte in den Jahren 1858—1862 in Dorpat 
Medicin und promovirte daselbst nach glänzend absolvirtem Doctor- 
examen im Jahre 1863. — Von hervorragender Begabung und viel¬ 
seitigem,gediegenem nicht blos auf das medicinischeGebiet beschränk¬ 
tem Wissen — mit Vorliebe gab er sich philosophischen Studien hin 
war es ihm vom Schicksal trotzdem beschieden worden, fern von 
grösseren Centren der Cultur in den kleinen Verhältnissen einer 
russischen Provinz sein Leben zu verbringen. Er suchte und fand 
Ersatz in unausgesetzter geistiger Thätigkeit und aufopfernder Ar¬ 
beit in seinem Beruf. Während seiner wechselvollen Laufbahn se¬ 
hen wir ihn im Jahre 1864 als Bataillonsarzt in einem kleinen Orte 
Polens, im Jahre 1866 als Arzt an der Sternwarte in Pulkowa, dar¬ 
auf in St. Petersburg als Ordinator des Kalinkin-Hospitals, wo — 
wenn wir uns recht entsinnen — Differenzen mit dem damaligen 
Oberarzt ihn und andere deutsche Collegen bewogen den Dienst zu 
verlassen. 

Nach einem mehrjährigen Aufenthalte im Tambow’schen Gouver¬ 
nement, siedelte er im Jahre 1872 nach Michailowskoje über als 
Fabrikarzt auf den Besitzlichkeiten des Grafen Bobrinski im Tula- 
seken Gouvernement; nach 7jähriger Thätigkeit von dort als Kreis¬ 
arzt in die nächstgelegene Stadt Bogorodizk. Hier blieb er bis zu 
seinem Tode. 

Sein vielseitiges Wissen bethätigte er auch praktisch mit entschie¬ 
denem Erfolg auf den verschiedensten Gebieten der Medicin, so auf 
dem der Nervenpathologie, der Geburtshülfe, Gynäkologie und Chi¬ 
rurgie und erwarb sich dadurch eine hochgeachtete Stellung, wie 
unter den wenigen Collegen, mit denen er in Berührung kam, so in 
der Gesellschaft. — In nimmer ermüdendem Streben folgle er den 
Fortschritten der Wissenschaft. Die Sehnsucht, für seinen Geist 
«frische Luft zu schaffen», trieb ihn im Jahre 1875 zu einer Reise nach 
Deutschland, wo er verschiedene Universitäten besuchte, und in die 
Schweiz. 

Hier — in der Grossartigkeit der Alpenwelt, kam ihm die Ein¬ 
samkeit seines Lebens besonders zum Bewusstsein. «Der Einsame 
— schrieb er einem Freunde — hat nirgends so sehr das Gefühl des 
elenden Alleinseins, als vor den überwältigenden Eindrücken der 
Aussenwelt unter fremden, fröhlichen, lachenden Menschen. Viel 
leichter trägt es sich im stillen Studirzimmer unter den stummen 
Genossen, den gebundenen und brochirten Freunden.» 

Von seinem wissenschaftlichen Streben legen verschiedene in un¬ 
serer und in russischen Zeitschriften erschienene Artikel Zeug- 
niss ab. — 

Sein warmes und edles Gemüth werden ihm bei Allen, welche ihm 
nahe gestanden haben, immerdar ein treues Andenken sichern ! 

L— 8 . 


Eingesandt j 

In einer kalten regnerischen Novembern acht des vorigen Jahres 
kam eine Frau zu mir, welche mich aufforderte mit ihr nach einer 
8 Werst entlegenen Vorstadt zu eiuer Gebärenden zu fahren. Zn 
dieser Fahrt auf ungebahnten Wegen batte sie einen gewöhnlichen 


federlosen offenen Wagen mitgebracht. Sie erzählte, dort komme 
die Frau eines Hausbesitzers zum 5. Mal nieder, der anwesende 
Arzt hätte schon 2 mal die Zange angelegt, und finde jetzt Perfora¬ 
tion des Kopfes nöthig. Sie wäre schon in der geburtshülflichen 
Klinik gewesen, die beiden Assistenten hätten es aber abgelehnt 
zu fahren, weil aie Instrumente verschlossen wären uud der Schlüs¬ 
sel sich bei dem Professor (einige Häuser weiter) befinde, darauf 
hätte sie sich an die beiden Aerzte der von der Stadt eingerichteten 
Nacbtdejour gewandt, aber beide hätten wegen Mangel an Instru¬ 
menten abgelehnt zu kommen. Ich antwortete, dass ich, kränklich, 
in diesem Wetter so weit nicht gut fahren könnte, wünschte aber 
zu wissen, ob ich wenigstens auf einige Entschädigung rechnen , 
könnte und bestimmte auf ihre Frage 25 Rubel als Entschädigung. 
Sie erwiderte, dass sie sich erst erkundigen müsse und kam nicht 
wieder. Später erfuhr ich, dass sie sich 2 Stunden später an einen 
andern Arzt gewandt habe, der die Perforation gemacht hatte. 
Die Mutter wurde gesund, doch scheint eine Urinfistel entstanden 
zu sein. 

Nach 2 Tagen erschien ein Artikel in der hiesigen Localzeitung, 
die mich schon seit Jahren mit Angriffen verfolgt, in welcher dieses 
Ereigniss vollkommen unrichtig erzählt wurde. Auf Grund dieses 
Zeitungsartikels erhob der Staatsanwalt die Anklage, nicht gegen 
alle erwähnten Aerzte, sondern gegen mich allein. 

Bei der Verhandlung vor Gericht konnte der Verlauf der Geburt 
nicht klargestellt werden; es ergab sich nur, dass einige Stunden 
nach Abfluss des Wassere der erste Arzt versucht hatte, die Zange 
anzulegen, dann die Kreissende auf einige Stunden verlassen hatte, 
abermals vergeblich die Zange anlegte und dann einen andern Arzt 
verlangte, wobei er aber der Botin keine schriftliche Erklärung 
oder Aufforderung mitgab. Im Ganzen waren seit der ersten Anle¬ 
gung der Zange bis zu der Zeit wo die Botin bei mir erschien un¬ 
gefähr 8—10 Stunden verflossen. Der Arzt, welcher die Perfora¬ 
tion gemacht hatte, sagte aus, dass diese Operation schon lange 
nöthig gewesen wäre, dass in Folge der Kopfgeschwulst die Nähte 
nicht mehr zu fühlen gewesen wären, konnte aber nichts näheres 
über Puls, Tempeiatur etc. der Kranken berichten. Das Wochen¬ 
bett verlief ohne Störung, nur zeigte sich am 7. Tage unwillkürli¬ 
cher Harnabfluss. 

Die eingeladenen Experten, der Professor der Geburtshülfe Rein 
und Dr. S a s 1 a w s k i sagten aus, dass keine besondere Gefahr für 
die Kranke vorhanden gewesen wäre, dass ähnliche Geburten Tage 
lang ohne Schaden für die Kranke dauern könnten, und dass ich 
endlich, ohne genauere Nachricht von der Krauken, mich nicht 
hätte davon überzeugen können, ob sie sich wirklich in Gefahr be¬ 
finde. Zahlreiche Zeugen sagten aus, dass ich Btets bei Tage und 
bei Nacht auf die erste Aufforderung ihnen ohne alle Rücksicht auf 
Honorar Hülfe geleistet habe. Das Gericht stützte sich im Gegen¬ 
satz gegen die Aussage der Experten auf die Meinung des Arztes, 
welcher die Perforation gemacht hatte jiud erklärte mich für schul¬ 
dig, verurtheilte mich aber zu 8 Tage Hausarrest in Folge mei¬ 
nes Alters und zu 5 Rubel Strafe. Ein dem Gericht vorgeleg¬ 
tes, von drei bekannten Aerzten Unterzeichnete« Attest darüber, 
dass mein Gesundheitszustand mir nicht erlaube, bei ungünstigem 
Wetter des Nachts uud auf rauhen Wegen zu fahren, blieb unbe¬ 
rücksichtigt. 

Gegen dieses Urtbeil legte ich sowohl wie der Staatsanwalt Pro¬ 
test ein; der letztere verlangte Verlängerung des Arrestes, und 
Haft im Gefäugniss oder auf der Hauptwache. 

Bei der Verhandlung vor der Palate war mein Vertheidiger nicht 
erschienen, obgleich er contractlich verpflichtet war mich zu ver¬ 
teidigen, und ein bedeutendes Honorar schon vorher erhalten * 
hatte. Das Gericht verwarf indess meine Bitte, die Verhandlung 
zu verschieben, und ich musste mich mit dem vom Gericht ex officio 
bestellten Vertheidiger begnügeu. Die beiden wieder vorgeladenen 
Experten sagten mit noch grösserer Bestimmtheit aus, dass der 
Zustand der Kranken nicht als ein unmittelbar gefährlicher zu be¬ 
zeichnen sei, und dass ich unmöglich mir eine kläre Vorstellung 
von dem Zustande der Kranken hätte machen können. Der Ver¬ 
theidiger machte geltend, dass das Gesetz nur unmittelbar mit dem 
Tode drohende Gefahren meinen könne wie Blutung, Schlagfluss 
n. dgl., dass das Gesetz nur da Anwendung finden könne, wo andere 
Hülfe ausgeschlossen sei, aber nicht in einer von Aerzten wimmeln¬ 
den Stadt und wenn schon ein Arzt sich am Bette der Kranken 
befinde. Dass die Anwendung des Gesetzes ausgeschlossen sein 
müsse, wo weite Entfernung, schlechtes Wetter, Kränklichkeit 
u. dgl. die Hülfeleistung erschweren. Das Gericht adoptirte trotz¬ 
dem die Ansicht des Staatsanwaltes und verurtheilte mich zu 14 
Tagen Arrest auf der Hauptwache, 5 Rubel Strafe und Tragung 
aller Kosten. 

Kiew. Dec. 1885. Dr. R e i m a n n. 


1. Session der Moskau-St. Petersburger Gesellschaft. 

Chirurgische Section. 

I. Sitzung 27. Dec. eröffnet durch den Vorstand Prof. K o 1 o m n i n. 
Ehrenpräsident: Prof. Sklifossowski (Moskau). 

1 . Prof. Tauber (Wareehau). Eine neue Methode der osteo - 
plastischen Amputatio cruria . Schnitt vom äusseren Rande der 
Achillessehne horizontal unter dem Mall. int. über den Fussrücken 
in der Talo crural-Gelenklinie, dann senkrecht nach unten bis zur 


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11 


Mitte der Sohle, von wo ans Vereinigungsschnitt an den Ansgangs- 
punct. Nach Talusexstirpation und Exarticulation im Chopartge- 
Jenk; Sägescbnitt senkrecht durch Mitte des Calcaneus; Absfigung 
der Malleolen; Knochen-und Hautnaht. Vortbeile: Sichere Erhal¬ 
tung der Tibial. postica, vollständige Schonung des Tendo Achill, und 
der Bursa muc., gute Adaption der gleich grossen Sägeflächen. An¬ 
wendung bei Zerstörung der äusseren Fersenfläche, etwa durch Con- 
Relation. Discussion: Prof. B o b r o w (Moskau) hat in einem ähn¬ 
lichen Fall die Malgaigne’sche Amputation im Talus gemacht und 
war mit dem Erfolge so zufrieden, dass er, zugleich im Hinblick auf 
die grössere Verkürzung, die neue Operation nicht vorziehen würde. 
T. sieht in der Malg. Op. mehr Chancen für Verletzung der Tibial. 
post, und Lappengangrän. Der t ors. erblickt in der T.sehen Ope¬ 
ration eine Bereicherung des Feldes für die P i r o g o w ’sche osteo- 
plait. Verlängerung des Untersch., bält aber die Sohlenbildung aus 
der Seitenhaut für einen schwachen Punct derselben. 

2 . Prof. Kolomnin (Pbg) Behandlung der granulirenden 
Gelenkentzündungen mittels Ignipunctur und Trepanation. Vortr. 
hat die Eichet’sche Ignip. una die Brodie’sche Trepanation 
der Knochen, welche 1875 von 0 o ss e 1 i n bei neuialgischer Ostitis, 
1876 von Olli er bei Osteomyelitis empfohlen war, seit 1882 mit 
grossem Erfolge bei fungösen Knochenleiden, und zwar vorherr¬ 
schend frischen, angewandt. 153 Fälle (davon 92 reine Ignip. und 
57 Combinationen beider Methoden, worunter 28 Coxitiden. Die 
Gelenke waren: Knie, Hüfte, Fussgel., Ellbogen. Als Instrumente 
dienten: ein langer, dünner Paquelin, eineTrephineoder Hohlmeissel, 
mit welchen an einer oder mehreren Stellen (am Knie bis 15) in den 
afficirten Theil eingedrnngen wurde. Von den 153 Pat., meist 
Kindern, ist keiner gestorben; alle haben mehr oder weniger Er¬ 
leichterung bekommen; viele (?) sind geheilt; nur wenige, welche 
offenbar tuberculös waren, hatten keinen Nutzen von der Operation. 
Demonstration von 3 Coxitischen, von denen 1 schon geheilt und 3 
Gonitischen, denen die Ignipunctur bedeutende Erleichterung ver¬ 
schafft hat. Die Immobilisation hält Verf. wegen der bei langer 
Dauer eintretenden Knochende^eneratiop für schädlich. Discussion : 
Prof. Kusmin (Moskau) weist auf die herrschende Ansicht über 
die tubercul. Natur der fragl. Erkrankungen hin, bei denen ja nach K. 
die, Methode unwirksam sei. Wohl noch grössere Erfolge sind durch 
den Gypsverband erzielt worden. Jedenfalls müsste die diff. Diagnose 
zwischen tnberc. und rein granulirenden Processen näher aufgeklärt 
werden. Diesem schlosst sich Prof. M on as tyrs ki an. Dr. 
Key her betont seine viel schwereren Erfahrungen auf diesem Ge¬ 
biete und gratulirt K. und K. zu ihren schönen Erfolgen. Prof. 

S s i n i z y n (Moskau) meiut, dass die betr. Behandlungsmethode ge¬ 
wiss auch bei wahrer Knochcntuberculose nur Nutzen bringen könne. 
Zur Antwort erklärt t ortr., dass er mit 011 i e r nicht jeden Fun¬ 
gus für tuberculös halte, obgleich die Mehrzahl dieser Ansicht sei. 
Er behandle eben frisohe und cbronicirende, nicht mit Eiterung ver¬ 
bundene Formen. Monographie versprochen. Kocher wird gar 
nicht erwähnt. (Ref.) 

3. Dr. Ratimow (Pbg.) stellt einen Fall von gut geheilter 
Pylomsexstirpation an einer 57-j. gut genährten Köchin vor, 
welche er vor etwa 6 Wochen im Alexanderhospital ausgeführt 
hatte. Das Carcinom im Centrum bereits ulcerirt war kl.-apfel- 
gross und bot wegen seiner guten Beweglichkeit die bestei^Cbancen 
Är die Operation. 

4. Dr. Th. Heydenreich (Moskau) demonstrirt ganz me¬ 
tallene chir . Instrumente , leicht zu putzen und auseinanderzuneh¬ 
men, Überhaupt den Anforderungen der Antiseptik entsprechend, 
eine Lampe mit Glaskugel (angelüllt mit hellblauer Flüssigkeit) zu 
mikroskop. Arbeiten von Dr. Pokrowski und einen Thermostat 
von demselben Autor, ein neues Mikrotom mit Vorkehrung zur 
Gefrierung der Präparate, sowie einen Kehlkopfspiegel mit kl. 
Edisonlaiupe durch kl. Batterie erleuchtbar, von Schwabe 
(Moskau). 

5. Dr. E. P a w 1 o w (Pbg.) Zur Frage über die heutige Richtung 
in der Ausführung von Knochenresectionen. Vortr. empfiehlt aus¬ 
gedehntes Evidement, partielle atypische Resectionen und Arthro- 
tomien, spricht von der grossen Zukunft der osteoplastischen Ope¬ 
rationen, demonstrirt in Zeichnungen einen Fall von Keilosteotomie 
bei Deformität des Fussgelenks nach Fractur und von Utilisirung 
des Humeruskopfes bei Resection einer ungebeilten Halsfractur 
(disloc. ad latus et longit.). Schliesslich werden 2 # derartig geheilte 
Pat. vorgestellt. In der Discussion meint Prof. K u s m i n, dass 
die partiellen Resectionen bei Kindern gewiss mit grösserem Nutzen 
als bei Erwachsenen anzuwenden seien; die breite Eröffnung der 
Diaphysen halte er auch bei Lues für gerechtfertigt. Gegen das 
Letztere wendet sich Dr. Weljaminow (Pbg.) 

6 . Dr. Hagen-Thorn vertheidigt auf 2 bewegl. geheilte 
Fälle gestützt die Excision des Troch. maj. bei Hüftgelenks¬ 
ankylose. Dagegen verficht P a w 1 o w die keilförmige Osteotomie 
bei rechtwinkliger Ankylose des Femur; Trojanow (Pbg.) die 
lineäre. 

—... i ? 

Vermischtes, 

— Der Director und Oberarzt des hiesigen Augenhospitals, Leib- 
oculist des Allerhöchsten Hofes, wiikl. Staatsrath Dr. GrafM a - 
ga w 1 y , ist zum beratenden Mitglieds des Medicinalraths er¬ 
nannt worden. 


— Dr. Rau&bfuss ist unter Beibehaltung seiner bisherigen 
Stellung als Director des Kinderhospitales des Prinzen von Olden¬ 
burg zum zeitweiligen Verweser des Postens eines Inspectors der 
Anstalten der Kaiserin Maria ernannt worden. 

— In Plozk beging der dortige Arzt Dr* Buzke wicz sein 
50jähriges Doctorjubiläum. B. ist noch ein Schüler der früheren 
Wilnaschen med. Academie und hat sich nicht nur als praktischer 
Arzt, Bondern auch durch seine wissenschaftlichen Arbeiten (z. B. 
über den Weichselzopf) einen Namen gemacht. 

— Der Professor der allgemeinen Pathologie und Geschichte der 
Medicin an der Warschauer Universität, Dr. Luczkewitsch giebt 
demnächst nach Ausdienung seiner Jahre seine Lehrtbätigkeit auf. 
Wieder «Wratsch» erfährt, beabsichtigen die Privatdocenten der 
hiesigen militär-medicinischen Academie, Dr. K o s t j u r i n und Dr. 
Lukjanow, als Candidateil für den vacanten Lehrstuhl anfzu- 
treten. 

— An 6. Januar n. St. feierte der bekannte Curarzt, Dr. Franz 
Tappeiner in Meran seinen 70. Geburtstag. Bei dieser Gelegen¬ 
heit wurden dem nm die Wissenschaft, wie auch um den Curort 
Meran verdienten Manne zahlreiche Ovationen zu Theil. Als ein 
dauerndes Zeichen der Verehrung wird beabsichtigt eine Ver¬ 
bindungsbrücke zwischen Meran und Obermais zu erbauen, die den 
Namen *7appeinersteg* erhalten soll. 

— Wir haben vor einiger Zeit berichtet, dass der Verwaltungs¬ 
rath der städtischen Krankenhäuser in Biüsseldie bisherigen Leiter 
der in diesen Krankenanstalten befindlichen sechs medicinischen 
Kliniken auf Grund eines bereits iu Vergessenheit gerathenen Re¬ 
glements nach 15jähriger Thätigkeit abgesetzt hat, um anstelle der¬ 
selben jüngere Männer zu wählen. Unter den Entlassenen befinden 
sich Männer wie Cr oeq, Roubaix und Hy er n a u x, denen da¬ 
durch gleichzeitig ihre Thätigkeit an der Universität unmöglich ge¬ 
macht wird. In Folge dessen hat jetzt Prof. Crocq seinen Ab¬ 
schied alB Universitätsprofessor eingereicht, zumal auch die Studen¬ 
ten sich weigern die medicinischen Voile&ungen, resp. Kliniken 
unter diesen Verhältnissen zu besuchen. 

— In New-York ist ein < Amerikanisches Pasteur-Institut* ein¬ 

gerichtet worden zur Erforschung von Krankheiten, welche durch 
Impfung bekämpft werden könnteu. (A. m. 0. Ztg.) 

— Aus Algeziras , Hafenstadt in der spanischen Provinz Cadix, 
wird der Ausbruch der Cholera gemeldet. Am ersten Tage sollen 
16 Todesfälle vorgekommen sein. 

— Ein provisorisches Comitä hat an sämmtliche conditiönirende 

Aerzte Deutschlands die Aufforderung ergehen lassen, sich einer 
Petition anzuschliessen, die an den deutschen Reichstag gerichtet 
werden und dahin gehen soll, auch bei dem Apotheker-Gewerbe 
die Gewerbe-Freiheit eintreten zu lasren, wenngleich eine staat¬ 
liche Controle als unbedingt erforderlich anerkannt werden müsse. 
In dem Aufruf wird hervorgehuben, dass das Apotheker-Gewerbe, 
das einzige monopolisirte Deutschlands, unter den heutigen Ver¬ 
hältnissen selbst den bemittelten Apothekergehülfen kaum die Mög¬ 
lichkeit biete, sich unter einigermaassen rentablen Bedingungen 
selbstständig zu machen. Die Preise, die für Apotheken gefordert 
und gezahlt würden, hätten eine solche Höhe erreicht, dass trotz 
des enormen Gewinnsatzes kaum so viel verdient würde, als was 
die Verzinsung des Kapitals, der Geschäftsbetrieb, die Ernährung 
der Familie erfordern. (A. m. C.-Ztg.) 

— Das Österreichische Unterrichtsministerium hat von der medi¬ 
cinischen Facultät der Wiener Universität ein Gutachten über die 
Frage, ob der Verkauf von menschlichen Skeletten und anderen 
anatomischen Präparaten eingeschränkt werden solle , einverlangt 
und zwar mit Rücksicht darauf, dass dieser Verkauf 1) widerrecht¬ 
lich, weil die Verkäufer dieser Gegenstände zumeist nicht berech¬ 
tigte Eigenthümer derselben seien, 2) unsittlich , weil es die religiö¬ 
sen und menschlichen Gefühle verletze, wenn mit den Bestandthei- 
len eines todten Körpers gleichsam Handel getrieben werde und 3) 
sanitätswidrig sei, weil die qn. Präparate mitunter von Menschen 
herrühren, die an einer infectiösen Krankheit gestorben sind. Das 
Professoren-Collegium sprach sich nach längerer Debatte, an der 
sich fast alle Professoren der Anatomie und Physiologie betheilig- 
tan, gegen eine Beschränkung auf diesem Gebiete aus und begrün¬ 
dete sein ablehnendes Votum unter Anderem dahin : ad l, dass Ske¬ 
lette und andere anatomische Präparate fast ausnahmslos von den 
Bestandtheilen solcher Leichen gemacht würden, die bereits zum 
Unterrichte als Secirobject gedient hätten und dass bekanntlich zu 
Secirübungen nur solche Leichen aus den Spitälern verwendet wür¬ 
den, die von keinem Verwandten des Verstorbenen reclamirt wor¬ 
den. Nach Beendigung der Secirübungen würden die restlichen 
Leichenbestandtheile, auf die Niemand einen Anspruch habe, ent¬ 
weder einfach vergraben, oder zur Verfertigung von Skeletten und 
anderen Präparaten verwendet. Ad 2 sei zu bedenken, dass der 
Handel mit anatomischen Präparaten kein öffentlicher sei, dass 
solche Gegenstände nur an Mediciner und zwar nur zum Zwecke 
des Studiums verkauft würden. Ad 3 müsse hervorgehoben wer¬ 
den, dass die Leichenpräparate gründlich verarbeitet und desinficirt 
würden, und was speciell die Knochenskelette betreffe, so können 
dieselben, welche einem starken Hitzeprocesse unterzogen würden, 
absolut nicht sanitätshedenklich sein. Gerade das Hauptverdienst 
der berühmtesten Wiener Professoren sei es gewesen, das Studium 
der Anatomie, welches ohne anatomische Präparate nicht gut mög- 


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12 


lieb ist, zur richtigen Würdigung gebracht zu haben. England 
habe in Folge dessen, dass dort die Verwendung der Leichen noch 
erschwert ist, die berüchtigten Leichenschändungsprocesse zu be¬ 
klagen. 

— Der Tod hat im verflossenen Jahre unter den Gliedern der me- 
dicinischen Welt eine reiche Ernte gehalten. Nachstehend bringen 
wir nach unseren Aufzeichnungen eine Liste der im Jahre 1885 in 
Bussland verstorbenen Aerzte in chronologischer Reihenfolge. 

Kabalanowitsch (Petersburg). — Wosnessenski (Birjutsch). — 
Einhorn (Moskau). — A. Ohochrjakow(Tomsk). — Daukscha (Scban- 
len). — Koschinski (Kasan). — Schpi^anski. — Ehern. Prof. G. Pro- 
sorow (Petersb.). — Chef des Medidnalwesens des St. Petersb. Ha¬ 
fens Heinr. Benezet (Petersb.). — Drszewezki (Petersburg). — Louis 
Mickwitz (Weissenstein). — A. Schwartz (Kijew). — J. Topas 
(Petersb.)'— M. Lagowski (Kijew). — Rosanow. — Ssalazki. — 
Magn. Gust. v. Löwenstein (Moskau). — Kedrow (Petersb.). — 
Woloschkewitsch (Lchim). — Bulachow (Tula). — Heinr- Stern 
(Warschau). — Prof. emer. Carl v. Seidlitz (Dorpat). — D. Kedrow 
(Petersb.). — Corpsarzt D. Nikolski (Lublin). — N. Wepritski 
(Grodno). — S. Amirow (Tiflis). — E. Mischtschenko (Kischinew). 
Al. Bogoljepow (Moskau). — Lipjawko-Polowinez. — Zechano- 
witsch. — Skorik (Perejaslawl). — Linda (Gouv. Poltawa). — Je- 
schtschin (Gouv. Poltawa). — Lagowski (Kijew). — Hofmedicus 
Theodor v. Ettinger (Petersb.). — Fr. Stemmann (Petersb.). — St 
Zawadski (Gouv. Grodno). — Nemetti (KHew). — Sobern (Fastowo).’ 
—Slatownatski. — Kwaschnin (Samarkand). —E. Jürgens (Moskau)! 

— Löwenthal (Moskau). — Minkewicz (Moskau). — J. Popow (Gouv. 
Kursk). — Smirenski (Gouv. Kasan). — Dick (Kutaiss). — Ka¬ 
schinski (Kasan). — Rubinstein (Lukjanow). — Selenewski (Ros- 
slawl). — Jewstifejew (Solwytschegotsk). — Kunzewitsch (Ostrow). 

— Pokrowski (Ssytschewka). — Dubenskl (Trumen). — A. Dubnizki 
(Petersb.). — K. Ssolowjew (Petersb.). — Proschanski. — Kisch- 
kowski. — Wl. Gawrilow (Petersb.). — Borowkow (Petereb.). — 
Wesselowski (Petersb.). — Prof. emer. Chotowizki (Petersb.). — 
Wischnewski (Moskau). — Komaretzki (Gadjatsch). _ N. Baldow- 
ski (Petersb.). — N. Sergejew (Moskau). — Nasarow-Snamenski 
(Gouv. Charkow). — Anton Schmidt (Moskau). — Dianin. — Sele- 
nezki. — Ludwig Gorezki (Kijew). — Czartoryshski (Moskau) 

— N. Afanasjew (Petersb.). — Flerow. — Poshidiyew (Gouv. Orel). i 
Carl Zwingmann (Kronstadt). — Kling (Warschau). — W. Nanmow 
Gouv. Rjasan). — Sawadski (Gouv. Lomsba). — Ssweridenko. — 
Kossmin. — Prof. Petrow (Kasan). — Totleben (Rybinsk). — Carl 
Paul (Petersb.). — Strebzow (Charkow). — Arbusow (Wjatka). — 
Skorik (Kaukasus). — Kossycb. — Al. Eduard Witte (Reval). — 
Ssacharow. — Nowizki (Nalentschow). — Fliesfeder (Kischinew). 

— W. Pawlowski (Pultusk). — Corpsazt Karl Jobannson (Paw- 
Jowsk). — Koschinski (Kasan). — Med. Inspector J. Tichomi- 
row (Kursk). — Diwnogorski. — Donskow. — Barklowski (Sslo- 
nim). — Dobrowolski. — Pawlowski. — M. A. Portugalow 

(Oranienbaum). — Bedro (Gonv. Charkow). — Chorodezki _ 

Slobodsinski. — Kulakow (Irkutsk). — Wassewitsch (Pultusk). 

— N. Dieterichs (Odessa). — Towjanski (Dünaburg). — P. 
Guschtschin (St. Petersburg). — Adolf Berg (Warschau). — S. Stra- 
tijewski (Nikolajew). — Ad. Sambrzicki. — Stupatscbewski (Nowy- 
OskoJj). — Al. Eduard Pohl (Goldingen). — Wold. Heidecke (Zars¬ 
koje-See lo). — Grodsinski (Podolien). — A. Kudijawzew. — J. Ku- 
rowski ftPlozk). — Jgnatowski (Gorodnja). — Maximow. — C. v 
Wietinghausen (Petersburg). — M. K. Miljutin (Pjatigorsk). — Mil.- 
Med.-Insp. Christian Ritter (Petersburg). — Tscherschik (Turek). — 
Kudsinowitsch (Noworossisk). — Jästrzembski (Chersson). — W 
Geibowitsch (Kansk). — M. Schnegas (Petersburg). — Hein Gläser 
(Wenden). — Med.-Insp. Arthur Suck (Warschau). — Med.-Insp. 
Geh. W. Krause (Ssmolensk). — Ssirotin (Nowotscherkask). — Cari 
Speyer (Petersb.). — Pikulin (Moskau). — Reutski (Petersb.). 

— Wierzbicki. — Sadkowski. — Golembiowski (Kamenka). — 
Butjagin (Jekaterinoslaw). — Valentin Schwartz (Riga). — 
K. Speranski. — Adamski. — Alex. Poresch (Lemsai). — Divis.- 
Arzt Nik. Wladykow (Siedlce). — Porubajew ( Werchne-Dnjeprowsk). 

— J. Gladkowski. — Schtschastliwzew — Prof. emer. Jakob Tschi- 
stowitsch (Petersb.). — Lewentujew (Omsk). — Jeborowicz (War¬ 
schau). — Krestnikow (Troizk). — Bachmanow (Moskau). — A. 
Popow. -«- Leonow (Kijew). — Joh. Chr. v. Nordström (Riga). — 
Corpsarzt R. Nensberg (Wladikawkas). — Alex. Brandt (Petersb.). 
Pawlowitsch (Jelissawetgrad). — Kalinin (Geok-Tepe). — P. Med- 
wedjew (im Skopinschen Kreise). — J. Schimkewitsch, Mizewitsch 
und Narkewitsch in Telscbi. — Sachmanowitsch. — A. Jarkowski 
(Bobruisk). — Wl. P. Krylow (Moskau). — Tschaschnizki (Tscher- 
dyn). — Prof. emer. D. E. Minn (Petersb.). — 8 . Tschernigowski 
(Gouv. Poltawa). — N. P Stefanowski (Orel). — Minkewitsch 
(Kijew). — Nik. Dm. Ornatski. — R. Wassiljew (Omsk). — Ssal- 
manow (Moskau). — N. Ladygin (Gouv. Orel). - Joh. Schönfeldt 
(Dorpat). — Hirschfeld (Petersb.). — Bjegun (Ssurgutsch). — Poru¬ 
bajew (Wercbnednjeprowsk). — Lasarew (Ssimbirsk). — Jastrzem- 
ski (Chersson). — Emauuel Wulffius (Nishni-Nowgorod). — Fed. 
Michailow (Moskau). — K. P. Cboroschko (Moskau). — Consultant 
des Wilnaschen Mil.-Hosp. A. Winogradow. — N. Wischnewski 
(Gouv. Kasan). 

Die medicinische Wissenschaft im Auslande verlor im ver¬ 
flossenen Jahre durch den Tod folgende hervorragende Männer: 


Dr. AdolfBoeckmann in Davos. — Prof. I. Lucae(Frankfurts. M.) # 
—Med. Rath Döber (Meiningen). — Prof. Gust. Piotrowski (Krakau)*. 

— Saoitätsrath Elias Salomon (Bromberg). — Dr. Henry Martin 
(Boston). — Prof. Mazzoni, berühmter italienischer Chirurg (Rom). 

— Dt. Th. Zuliuski (Lemberg). — Prof. emer. Dr. I. Brodowicz 
(Krakau). — Docent der Kinderheilkunde Ignaz Hauke (Wien). — 
Dr. Leonhardt (Bremen). — Prof. Theodor v. Frerichs (Berlin). — 
Geh. Med. Rath Schlegel (Liegnitz). — Dr. Adolf Holzer (Wien). — 
Prof. Eisberg, Laryngolog, in America. — Pietro Bipari (Rom). — 
Dr. Leisrink (Hamburg). — Geh. Med. Rath Housselle (Berlin). — 
Prof. emer. Blazina (Prag)_— Prof. emer. Carl v. Siebold, Physiolog 
(München). — Prof, der Physiologie Panum (Copenhagen). — Dr. 
Nachtigall, berühmter Afr kaerforscheir. — Dr. Paul und Dr. Desaux 
(Frankreich). — Prof. Henle, berühmter Anatom (Göttingen). — 
Sanitätsrath Delhaes (Teplitz) — Diomedes Pantaleoni (Rom). — 
Noöl Guönneau de Mussy ( Frankreich). — Sanitätsrath Hirschfeld 
(Colberg). — Prof, der Chirurgie Dr. Paul Vogt (Greifswald). — Dr. 
Picard in New-Yprk, ehern. Prof. Physiologie in Lyon. — Prof, der 
Pharmakologie Herrm. v. Böck (München). — Dr. Faludy, bekann¬ 
ter Kinderarzt (Budapest). — Prof. Cb. Aeby, bekannter Anatom. 
(Prag). — Prof. emer. Georg Hirsch (Königsberg). — Prof. d. Ana¬ 
tomie Albrecht Budge (Greifswald). — Prof. Oscar Berger, bekann¬ 
ter Neuropatholog, in Salzbrnnn. — Prof. d. Psychiatrie Ludwig 
Schlager (Gastein). — Ober Med.-Rath. Datzaner (Bayreuth. —Geh. 
Sanitätsrath Brück (Osnabrück). — Prof. MUne-Edwards (Paris). — 
Prof. d. Chemie, Dr. med. Länderer (Athen). — Röckert, d. aelteste 
homöopathische Arzt und homöopathische Schriftsteller Deutschlands 
(Herrnhut).—Redactenr d. deutsch, m. Wochenschr. Paul Börner(Ber- 
lin). — Dr. Tilenius, bekannter Baineolog, (Berlin). — Prof. Nökäm 
(Budapest). Oberarzt Schweninger (München). — Prof. Charles Phi¬ 
lippe Robin berühmter Histiolog (Paris). — Generalarzt Prof. Paul 
Starcke (Berlin). — Prof. Uhde (Braunschweig). — Prof. d. Hygiene 
Gay. (London). — Dr. Adolf Rueff (Stuttgart). — Dr. Czarda (Prag). 
— Prof. d. Physiologie Heynsius (Leyden). — Ehern. Prof. E. Zini 
(Graz). — Prof. W. Carpenter. bekannter Physiolog (London). — 
Proi. Ernst Burow (Königsberg). — Der bekannte Pharm akolog Ra- 
buteau (Paris). — Prof. Giuseppe Ponzi (Rom). — Prof. Bouley 
(Paris). — Dr. W. Strassmann (Berlin). — Prof. Veterin. Kolon, 
Mitgl. d. deutsch. Gesundh.-Amtes (Berlin). — Obersanitätsrath 
v. Schneller, Senior d. Wiener-Doctorencoliegiums. 

— Dr. Mc Curdy aus Dennison in Ohio hat einen Strabismus 
mit Erfolg an einem jungen Mann von 18 Jahren operirt, welcher 
vorher hypnotisirt worden war und erst nach der Operation erweckt 
wurde ; es wurden keinerlei üblen Nachwirkungen, wie etwa nach 
Aethernarkose, beobachtet. 

(New-York Med. Rec, 1885, Oct. 10 ). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 22. bis 28. December 1888. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


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317 351 568 77 45 84 17 13 17 75 68 48 49 38 30 6 1 
2) nach den Todesursachen: 


— Typh. exanth. 2, Typh. abd. 13, Febris recurrens 9. Typhus 
ohne Bestimmung der Form 5, Pocken 5, Masern 13. Scharlach 20, 
Diphtherie 6, Croup 5, Keuchhusten 4, Puerperalkrankbeiten 4, 
Dysenterie 1, Thiergift 0, andere Infectionskrankbeiten 8. 

— Gehirnapoplexie 13, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
29, andere Gehirnkrankheiten 23, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 20, croupöse Lungenentzündung 15, acute Entzündung der 
Athmungsorgane 43, Lungenschwindsucht 127, andere Krankheiten 
der Brusthöhle 10, Gastrointestinal-Krankheiten 79, andere Krank¬ 
heiten der Bauchhöhle 18, angeborene Schwäche nnd Atrophia in- 
fant. 30; Marasmus senilis 26 Cachexia 20. 

— Tod durch Zufall 6, Selbstmord 1, Mord 1. 

Andere Ursachen 12. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 7. Januar 1886. 

Discussion : 1. Welche therapeutische Behandlung ist am er¬ 

folgreichsten gewesen behufs Aufsaugung pleuritischer Exsudate ? 
2. Welche Symptome indiciren einen operativen Eingriff? 3. Wel¬ 
cher Modus der Operation ist der sicherste und gefahrloseste ? 4. 
Sind Ausspülungen der Pleurahöhle nothwendig und nützlich? 5. 
Welche Folgen kamen zur Beobachtung nach Ablauf des Processes je 
nachdem derselbe nur therapeutisch oder operativ behandelt worden? 
6. Soll operirt werden bei secundären Exsudaten, tuberculosen, 
carcinomatösen, scorbutischen ? 

09"* Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 13. Januar J886. 


Ä 08B * 3 ©H 8 . Cnö. 3 ÄHBapn 1886 r. Herausgeber Dr. L. v. Holst. Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. 


St. Petersburger 


III. Jahrgang. 

(ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 


Medicinische Wochenschrift 


Prof. Ed. v. WAHL, 
Dorpat. 


unter der Redsetion von 

Dr. L. v. HOLST, 
St. Petersburg. 


Dr. GUST. TILING, 
St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. ihr das Jahr, 
4 Rbl. für’das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; In den anderen Län¬ 
dern 16-Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Insertlons-Preis für 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist io Kop. oder 30 Pfenn. — Den 
Antoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

N» 2 


Abonnements-Aufträge bittet man an die Buchhandfung von 
Carl Rlcker in St. Petersburg, Newsky - Prospect AI 14 zu richten. 

Inserate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu¬ 
reau von Friedrich Petrlck in St. Petersburg, Newsky-Prospect AI 8, 
entgegengenommen. Manuscripte sowie alle auf die Redaction 

bezüglichen Mittheilungen bittet man an den geschäftsführenden Re- 
dacteur Dr. Gustav Tlling (Kirotschnaja AI 39) za richten. 

1886. 


St. Petersburg, 11. (23.) Januar 


Inhalt t N.Monastyrski: Ein Beitrag zur Geschichte und Casnistik der osteoplastischen Resection des Fnsses nach W1 ad i- 
mirow-Mikulicz. — befei aie. P. T s c h n n i c h i n: Bromaetbyl in der geburtshülflichen Praxis. — L i e b e r t: Epilepsie durch 
Extraction eines Zahnes geheilt. — E. Sc hä rer: Ueber Vergiftungsfälle mit Knollenblätterschwamm. — Carl Posner: Ueber 
physiologische Albuminurie. — B. Wicherkiewicz: Ueber ein neues Verfahren unreife Staare zu operiren, nebst Beitrag zur Au- 
gen-Antiseptik. — Bücher-Anzeigen und Besprechunqen . Die 26-jährige Thätigkeit der 1860 aus der medico-chirurgischen Academie 
entlassenen Aerzte. — A. Sarron: Compendium der Ohrenheilkunde. — Alexander Igelberg f. — 1. Session der Moskau-St. Peters¬ 
burger Gesellschaft. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas. — 
Anzeigen . 


Zur Steuer der Wahrheit! 

Ein Beitrag zur Geschichte und Casui.stik der osteo¬ 
plastischen Resection des Fusses nach Wladimi- 
row-Mikijlicz. 

Von 

Dr. N. Monastyrski, 

Professor der Chirurgie und Vorstand der chirurgischen Abtheilung 
des klinischen Instituts der Orossfttrstin Helene Pawlowa*. 


Ino Jahre 1871 behandelte College W. D. W1 adimi- 
r o w auf der chirurgischen Abtheilung des Alexander* Kran¬ 
kenhauses in Kasan einen 15 Jahre alten Patienten mit Ca- 
ries des Sprung- und Fersenbeins nebst Geschwüren an der 
Innen- und Aussenseite des Hinterfusses. Das Scaphoi- 
deum, das Cuboideum, sowie die Metatarsalia waren gesund. 
Da es in diesem Falle unmöglich war nach P i r o g o w oder 
S y m e zu operiren, so hätte eigentlich eine Amputation 
über den Malleolen oder in loco electionis gemacht werden 
müssen. Doch fragte sich College Wladimirow, ob 
es denn, nicht möglich wäre diese verstümmelnde Operation 
auf irgend eine Weise zu umgehen ? Dabei verfiel er auf 
den Gedanken, mit möglichster Erhaltung der gesunden 
Theile, eine zur prima intentio geeignete Wunde zu schaffen, 
um 6odann dem Patienten in künstlicher Weise einen Pes 
equinus und mit ihm die Möglichkeit zu geben, auf eigenem 
Fusse zu gehen. Diesen seinen Plan führte Herr Wladi¬ 
mirow am 2. März 1871 in folgender Weise aus: Er 
machte zunächst einen Schnitt, der dicht über dem Höcker 
des Kahnbeins begann, quer durch die Planta ging und 
einen Querfinger breit hinter dem Höcker des V. Metatarsus 
endigte. Von den Enden dieses Schittes gingen zwei andere 
Schnitte über die Mitte des einen und des anderen Malleolus 
nach der Mitte der inneren und der äusseren Fläche des 
unteren Endes des Unterschenkels. Nach Eröffnung des 
C h o p a r t ’schen Gelenks von unten her, wurden dessen 
laterale und dorsale Bänder durchschnitten und die zwischen 
den seitlichen Schnitten gelegenen dorsalen Weichtheile des 
Fasses bis auf den Unterschenkel hinauf iu toto abpräpa- 
rirt, wobei eine Verletzung der in der Weichtheilsbrücke 
zurückgelassenen Art. pediäa sorgfältig vermieden wurde. 
Mit einem kleinen' Amputationsmesser wurde dann ein 
zweizeitiger Querschnitt durch die Weichtheile an der hin¬ 
teren Fläche des Unterschenkels gemacht. Sodann wurden 
die nnteren Enden beider Unterschenkelknochen mit der 


Säge abgetragen, die Knorpel von den hinteren Flächen des 
Kahn- und Würfelbeins mit dem Meissei entfernt und der 
Rest des Fusses so an den Unterschenkel adaptirt, daäs das 
Kahn- und Würfelbein die Sägeflächen der Unterschenkel¬ 
knochen berührten. Schliesslich wurde genäht und sodann 
die operirte Extremität auf einer entsprechenden Schiene 
fixirt. 

Behufs Erlangung des Doctorgrades überreichte Wla¬ 
dimirow im Jahre 1872 der medicinischen Facultät an 
der Universität zu Kasan eine luauguralschrift u. z. unter 
dem Titel: «Einige neue osteoplastische Operationen an 
der unteren Extremität» ’)• Diese Schrift enthält unter 
Anderem auch eine genaue Beschreibung des obenaugeführten 
Falles, nebst einer photographischen Abbildung des ge¬ 
heilten Kranken. Ich glaube nicht, dass es bei der öffent¬ 
lichen Vertheidigung von Wladimirow’s Inaugural- 
schrift ohne eine Discussion hergegangen sein dürfte — 
leider sind mir aber die näheren Details unbekannt. Eines 
ist aber ganz gewiss, dass nämlich Herrn Wladimirow 
der gewünschte Doctorgrad von der Facultät zuerkannt 
wurde. In demselben Jahre stellte Herr Dr. Wladimi¬ 
row den von ihm operirten Knaben der medicinischen Ge¬ 
sellschaft in Kasan in der Sitzung vom 11. Februar vor. 
Patient ging sehr gut, etwas biukend, stützte sich dabei auf 
einen Stock, konnte aber auch ohne Stock gehen. Endlich sei 
noch erwähnt, dass die Operationsmethode Dr. Wladi¬ 
mir o w ’s auf dem 4. Cour ress der russischen Aerzte und 
Naturforscher, welcher 1873 in Kasan tagte, Gegenstand 
lebhafter Debatten gewesen ist. 

Dass die Idee der W1 a d i m i r o w ’schen Operation ge¬ 
radezu als originell bezeichnet werden darf, das wird wohl 
Jedermann zugeben, gerade so wie man auch zugeben dürfte, 
dass diese Idee es gewiss verdient hätte geprüft und nach¬ 
geahmt zu werden. Unstreitig hat sich Dr. Wladimi¬ 
row recht viel Mühe gegeben, um seinem Vorschläge bei 
den Kasaner Collegen Gehör zu verschaffen und sie auf 
diese Weise zu veranlassen, denselben gelegentlich zu 
prüfen. Nicht seine Schuld ist es also, dass dem nicht so 
wurde und dass man sich nur mit lebhaften Debatten be¬ 
gnügen zu müssen glaubte. So viel ich weiss, ist bis zum 
Jahre 1882 von einer gelegentlichen Prüfung des W1 a - 


’) B. BjaxHitipoBi. HtcKOJbRo hobuxi ocTeoniacTH- 
vecKBXi onepauifl Ha Hazuett kohchhocth. ßHccepraiiifl 1872. 


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di m i ro w'sehen Vorschlages bei uns gar nichts bekannt 
geworden. 

Einem Assistenten Prof. B i 11 r o t b ’s, Herrn Dr. Ali - 
k u 1 i c z d. Z. Professor der Chirurgie an der Jagelloni- 
schen Universität zu Krakau» kam 1880 zufälliger Weise 
auch die Idee, ob es nicht möglich wäre, bei jenen Erkran¬ 
kungen der Weichtheile und Knochen des Fusses, welche 
sich auf den hinteren Theil der Fusswurzel und auf das 
Fussgelenk beschränken, durch eine typische Operation die 
vordere gesunde Hälfte des Fusses zu erhalten; diese sollte 
dann in Equinusstellung der Tibia direct adaptirt und da¬ 
durch ein zum Gehen tauglicher Stumpf gebildet werden. 
Mehrfache Versuche an Leichen überzeugten Mikulicz 
von der Ausführbarkeit dieser Idee* Da geschah es, dass 
am 7. September 1880 auf Billroth's chirurgische Kli¬ 
nik ein 23jähriger, mit hereditärer Lues behafteter Mann 
aufgenommen wurde, bei dem, ausser umfänglichen Narben 
am Unterschenkel, noch ein serpiginöses Geschwür vorhan¬ 
den war, welches sich über die rechte Ferse und deren Um¬ 
gebung ausdehnte. Die radicale Eliminirung der Geschwürs¬ 
fläche wäre nur durch eine hohe Unterschenkelamputation 
möglich gewesen. Da aber dieser Ausweg später immer 
noch offen blieb, so beschloss Mikulicz, der damals in 
Abwesenheit B i 11 r o t h ’s die chirurgische Klinik leitete, 
zunächst seine vorerwähnte Idee zu versuchen. Operirt 
wurde in Bauchlage des Patienten, unter antiseptischen 
Cautelen und localer Anämie. Etwas vor der Tuberositas 
des Kahnbeins wurde das Messer an den inneren Fussrand 
angesetzt und ein bis auf die Knochen dringender Schnitt 
quer durch die Planta pedis bis hinter die Tuberosität des 
V. Metatarsusknochens geführt. Von den Endpuncten 
dieses Schnittes wurden dann von jeder Seite bis zum ent¬ 
sprechenden Malleolus zwei weitere nach hinten und oben 
gehende Incisionen geführt und die Enden derselben durch 
einen der hinteren Circumferenz des Unterschenkels ent¬ 
sprechenden Schnitt vereinigt, welcher auch bis auf die 
Knochen ging. Nun wurde von hinten her im Fussgelenke 
enudeirt, der Fuss in Dorsalflexion gebracht, Talus und 
Calcaneus sorgfältig von den Weichtheilen des Fussrückens 
abpräparirt und dann im C h o p a r t'sehen Gelenk aus¬ 
gelöst. Weiterhin wurden von hinten her die Malleolen 
sammt der Gelenkfläche der Tibia quer abgesägt und 
desgleichen von hinten her die hinteren Gelenkflächen 
des Os naviculare und cuboideum. Nach Stillung der 
Blutung wurde der Rest des Fusses derartig in Spitz- 
fussstellung gebracht, dass sich die Sägeflächen des Kahn- 
und Würfelbeins direct denjenigen der Fibula und Tibia 
adaptiren konnten, und um die Coaptation der Sägeflächen 
auch weiterhin zu sichern, wurden schliesslich durch die 
zu einem leicht vorspringenden Wulst gefaltete Weichtheils- 
brücke einige Plattennähte gelegt Die Heilung verlief 
ohne Zwischenfall. Um die Zehen in eine für den Gehact 
günstige Lage zu bringen, durchtrennte Mikulicz noch 
nach der Operation die Beugesehnen in der Planta pedis 
subcutan und redressirte später die Zehen zu wiederholten 
Malen bis zum rechten Winkel. Der Kranke verliess An¬ 
fangs December das Bett und ging zuerst mit Hülfe zweier 
Stöcke, dann nur mit einer Stütze; ungefähr 4 Monate nach 
der Operation konnte er bereits ohne Stock umhergehen 
und wurde von Mikulicz zuerot in der Sitzung der k. 
k. Gesellschaft der Aerzte in Wien am 28. Januar 1881, 
sodann in Berlin auf dem X. Congress der deutschen Ge¬ 
sellschaft für Chirurgie in der Sitzung vom 7. April 1881 
vorgestellt. Die auf diesen Fall sich beziehende erste Mit- 
theUung veröffentlichte Mikulicz im 2. Hefte des 26. 
Bandes des Langenbeck’schen Archiv’s. Ich muss 
aber ausdrücklich hervorheben, dass der von Mikulicz 
gemachte Vorschlag nicht nur debattirt wurde, sondern, zur 
allgemeinen Kenntniss gelangt, auch von anderen Chirurgen 
bald versucht wurde. Dass man im Auslande die Operation 
«nach Mikulicz» taufte, ist begreiflich; er hat sie ja 


durch seine Mittheilungen in die chirurgische Praxis ein¬ 
geführt. 

Ende 1881 erschien in St. Petersburg eine 59 Seiten 
starke Brochüre, deren Autor Prof. S. P. Kolomnin 
ist und die von ihm also betitelt wurde: «Bericht über die 
chirurgische Section des internationalen medicinischen Con- 
gresses in London 1881, sowie über die gegenwärtigen Leis¬ 
tungen der Chirurgie in Deutschland, Frankreich, England 
und Russland» *). In diesem Berichte ist auf pag. 10 fol¬ 
gender Passus zu lesen: «Mehr kennt man uns übrigens 
in Deutschland; daselbst vereinfacht man auch unsere 
Ideen, Entdeckungen und Erfindungen, in so weit solche 
bei uns auftauchen. Das letzte Mal wurde eine derartige 
Vereinfachung mit der Operation des gewesenen Kasanschen 
Privat-Docenten Herrn W1 a d i m i r*o w vorgenommen, 
der seine neue Operation (pes equinus artificialis) sogar 
mit Befolgung aller geforderten Formalitäten veröffent¬ 
licht batte, d. h. mit Beilage von Photographien. Im lau¬ 
fenden Jahre hat ein Assistent Prof. B i 11 r o t h's, Herr 
Mikulicz, sieb diese Operation ohne weitere Mühen 
einfach angeeignet. Was für ein Pessimismus, wird mancher 
Leser sagen, er ist ja der russischen Sprache nicht mächtig. 
Ja, möglich ist’s schon, denn er ist ein Czeche, oder ein 
galizischer Pole, so was derartiges, wie sollte er da russische 
Photographien erkennen *).> Merkwürdig, dass es bei uns 
gewissermaassen zur Mode geworden, ehrbare Leute so mir 
nichts — dir nichts des Plagiats zu beschuldigen. Ich 
will mich nicht gerade zum Anwalt des Herrn Prof. M i • 
k u 1 i c z aufdrängen ; sein bester Anwalt ist das, was er 
bis jetzt geleistet. Nun kenne ich aber Herrn Mikulicz 
persönlich und kenne ihn seit lange her; wir sassen zu¬ 
sammen auf der Gymnasfalschulbank und verbrachten in 
Wien auch unsere Universitätsjahre mit einander. Dieses 
vorausgeschickt, versichere ich, dass Herr Prof. Mikulicz 
.kein Sterbenswort russisch versteht. Um aber auf die 
osteoplastische Resection des Fusses zurückzukommen, so 
muss ich nachdrücklich darauf aufmerksam machen, dass 
seit dem Erscheinen der Dissertation des Herrn Dr. Wla- 
d i m i r o w im Jahre 1872 bis zum Jahre 1882 Niemand ' 
diese Operation bei uns gemacht hat; 1872 und 1873 
wurde zwar darüber sehr viel und sehr lebhaft discutirt, 
operirt hat aber bis 1882 doch Niemand. Bei Gelegenheit 
einer Discussion Uber das hier berührte Thema in einer 
Sitzung der russischen chirurgischen Gesellschaft Piro- 
g o w ’s wurde mir erwidert, dass nach Dr. W1 a d i m i - 
r o w die Indication zu dieser Operation eine verhältniss- 
mässig seitend, wesshalb es denn auch nicht Wunder neh¬ 
men darf, dass man überhaupt sehr selten einen geeigneten 
Fall zu Händen bekommt. Dr. W1 a d i m i r o w hält die 
Operation in jenen Fällen von Caries oder Verletzung 
(Schusswunden) der Fusswurzel und des Tibiotars&lgelenkes 
für indicirt, in denen Sprungbein, Fersenbein und die un¬ 
teren Epiphysen der Unterschenkelknochen gleichzeitig 
zerstört, dagegen der vordere Theil der Fu&wurzel 
und die dorsalen Weichtheile des Fusses intact sind. In¬ 
dem ich nun die verhältnissmässige Seltenheit der Indica- 


a ) MesxynapoxHiifl xexamHcsift aonrpeci bi Aosnonh 1881 r. 
XapypraveCKaa ceaitffl h oaepsi coBpeaeHHaro cocroaHia xapyp- 
rin bi repKania,<*>paHuiH, Ahnia hP occia, C. Kojomhkb». 
opftHHapHaro npo(J)e;copa HxnepaTopczott Boohho- aexHiiHHCBOfl 
AaaxemH. C.-Uexep6ypn 1881. 

•) Bi repaania aaci, Bnpoaexi 6ojbme shbioti; taxi-xe h 
ynpoutawrm (im Original zerschossen gedruckt) Hamn ajea, orapti- 
Tia h HsoöptTeHla, no czoibsy ohb v aaci cjyaaiOTca- ÜocxfexBit 
pasi Tasoe ynpoweme (im Original zerschossen gedruckt) npoaa- 
sexeao 6uio ci onepagiefl öuBinaro aasaHcaaro npaBaTi-xoneaxa 
r. Biaxuriposa, onacaBmaro bi neaaia cboio hobjjo onepau.no (pes 
equinus artificialis) ci co6iioxeHi Q ici xaxe Bctxi xpedyeiraxi 
$opuaibHOCTeft, t. e. ci npaioxeuiexi (Jarrorpa^HaeczBii cmnt- 
bobi. Bi TOKymero roxy 00 bphcbohu c@6k oesi xuihhxi xjo- 
non accacTOBTi npo<J>. Baxxbpoia r. Masyiani. , Ito sa nocca- 
MB3MI, caasen aaoü aHTaiexi, x a oai He 3Haen pyccaaro asuaa. 

J(a, B03M0XH0, HÖO OHl <10X1, HIB TaiHIliftCKift HOlflKl, 1T0-T0 Bl 

Bio bi pox’fc, rxt-xe ryn aaaTb pyoesu $ororpa$iz. 


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15 


tion, wiesie Dr. W 1 adim i ro w aufgestellt hat, gerne 
zugebe, ist es mir doch sehr auffallend, dass bis zum Jahre 
1882, also in einem Zeiträume von 10 Jahren, gar Niemand 
einen operationstüchtrgen Fall zu Händen bekommen hat. 
Es ist das um so auffallender, als in den Jahren 1882— 
1885, also in einem Zeiträume von nur vier Jahren, auf 
einmal vier Fälle auftauchen und zur Operation gelangen. Die 
zwei ersten dieser Fälle hat Herr Prof. Sklifossowski 
1882 und 1883 in Moskau operirt, den dritten operirte ich 
im Frflbjahr 1885 und den vierten hat Herr College Dr. 
Dombrowski im Peter-Paul-Hospital im Sommer des¬ 
selben Jahres operirt. Möglich ist’s schon, dass bei uns in 
dieser Zeit noch mehr Fälle operirt wurden; jedenfalls ist 
aber darüber nichts in die Oeffentlichkeit gelangt. Kurz 
und gut, ich halte es für meine Pflicht zu constatiren, dass 
die bei uns sonst so rare Indication seit dem Jahre 1882 
sich auffallend oft einstellt. Weiter möchte ich noch auf 
einen Umstand aufmerksam machen, auf den kürzlich Herr 
Dr. G. Fischer (Deutsche Zeitschr. für Chirurgie Bd. 
XXII Heft 1 und 2.) in Hannover schon bingewiesen hat. 
Sowohl Dr. Wladimirow,als auch Prof. Mikulicz 
machen die Hautschnitte im Allgemeinen ganz gleich. Ein 
Unterschied liegt nur darin, dass Dr. W1 a d i m i r o w den 
Querschnitt an der hinteren Seite des Unterschenkels gegen 
Ende der Operation macht, während Prof. Mikulicz die¬ 
sen Schnitt sogleich den übrigen Hautschnitten'anschliesst. 
Nun beginnt aber Dr. W1 a d i m i r o w die Knochenaus¬ 
lösung an dem von unten geöffneten C h o p a r t ’schen Ge¬ 
lenk, dringt von unten nach oben vor und öffuet das Talo- 
cruralgelenk von vorne her, während Prof. M i k u 1 i c z in 
entgegengesetzter Richtung zuerst vom hinteren Querschnitt 
aus das Talocruralgelenk öffnet, dann von oben nach unten 
vorgeht und im C h o p a r t ’schen Gelenk die Auslösung 
beendigt. 4 ) Herr Prof. N. W. Sklifossowski hat, so 
weit mir bekannt, es auch vorgezogen, in der Weise von 
M i k u 1 i c z zu operiren; was mich und Herrn Dr. Dom¬ 
browski anbelangt, so sind wir beide in den von unB 
operirten Fällen genau «nach Mikulicz* vorgegangen, 
da dessen Methode entschieden grössere Zugänglichkeit und 
bessere Uebersicht des Operationsfeldes gestattet. 

Aus all’ dem, was ich angeführt habe, geht nun hervor, 
dass es gewiss eine Sünde wäre, wollte man die Verdienste 
des Herrn Dr. W. D. Wladimirow schmälern. Es 
unterliegt eben keinem Zweifel, dass die originelle Idee der 
Operation zuerst in ihm aufgetaucht ist, sowie dass er die¬ 
selbe zuerst am Lebenden mit günstigem Erfolge ausgefübrt 
bat. Es fand aber die Operation bei uns keinen Anklang 
und ist, trotzdem Dr. Wladimirow in Schrift und 
Wort wiederholt zum Versuche auflorderte, doch von Nie¬ 
mandem gemacht worden. Ist es nicht natürlich, dass unter 
solchen Umständen W1 a d i m i r o w’s Operation ausser¬ 
halb Russlands ganz unbekannt bleiben konnte? Jetzt aber 
entsinnen wir uns plötzlich der Vorschläge Wladimi- 
r o w * 8, die zu versuchen wir uns ehedem geradezu sträub¬ 
ten, erinnern uns sogar, dass wir über dieselben vor etwa 
zehn Jahren «lebhaft debattirt» haben und entschliessen 
uns endlich dem Autor Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. 
Ihn, den wir nicht hören wollten, dessen Schrift wir so lange 
ignorirten, nehmen wir jetzt in unseren Schutz. Das be¬ 
rühmte «Habent sua fata libelli» hat sich an Wladimi- 
r o w ’s Dissertationsschrift wieder einmal bewahrheitet. 
Gut, dass wir wenigstens jetzt, unseren Fehler sühnen wol¬ 
len — besser später, als niemals. Doch, wenn dies nur 
nicht auf Kosten anderer geschehen würde? Herrn Prof. 
M i k u 1 ic z der Aneignung fremder Ideen zu beschuldigen, ist 
ungerecht und durchaus unbegründet. Aus Obigem dürfte 
zur Genüge einleuchten, dass Prof. Mikulicz von der 


0 Im Wratsch * 51 von 1885 befindet Bich pag. 878 ein von 

Dr. Heidenreich ans Moskau gezeichnetes Beferat Uber die 
obenerwähnte-Arbeit Fisch er’s, in welchem Beferent erklärt, 
dass der Unterschied zwisohen dem Vorgehen von Wladimirow 
nnd M i k n 1 i c s kein wesentlicher sein soll — eine Erklärung, der 
ich mich unmöglich anschliessen kann. 


Operation Dr. W1 a d i m i r o w’s nichts wissen konnte, dass 
er dieselbe vielmehr ganz selbstständig zum zweiten Male 
erfand und zum Gemeingut der chirurgischen Praxis maehte, 
wofür wir ihm nur zu Danke verpflichtet sein können. Suum 
cuique! Meiner Ansicht nach wäre es billig und ganz den 
Thatsachen entsprechend, wenn man die von Dr. W 1 a d i - 
m iro w 1871 zuerst erfundene, aber von Prof. Miku¬ 
licz 1880 ganz selbstständig wiedergefundene, und in die 
chirurgische Praxis eingoführte osteoplastische Resection des 
Fusses von nun an nach «W ladimirow-Mikuli cz« 
benennen würde. 

Die osteoplastische Resection des Fusses nach Wladi- 
mirow-Mikulicz ist bis jetzt, so viel mir bekannt, 
19 mal ausgeführt worden u. z. von Wladimirotfl, 
Mikulicz 4, Socin 1, Sklifossowski 2, Lum- 
niczer 1, Lauenstein 2, K. Roser 1, Küm¬ 
mel 1, Schattauer 2, Reussen 1, G. Fischer 
1, von mir 1 und von D o m b r o wski 1. In dem von 
Dr. Dombrowski operirten Falle handelte es sich um 
eine veraltete complicirte Fractur des Fersenbeins, die zu 
Sequestration und Caries führte; Patient war, ehe er noch 
in die Behandlung von Dr. Dombrowski kam, von 
Prof. S. P. K o 1 o m n i n am anderen Unterschenkel ampu- 
tirt worden, u. z. auch in Folge complicirter Fractur. 
Leider sind mir die auf die Resection bezughabenden De¬ 
tails dieses Falles unbekannt; es wäre aber sehr zu wün¬ 
schen, dass Herr Dr. D o m b r o w s k i uns mit denselben 
bekannt mache. 

Was mich anbelangt, so habe ich bis jetzt eigentlich schon 
zweimal die Gelegenheit gehabt, die osteoplastische Resec¬ 
tion des Fusses am Lebenden auszuführen. Mein erster 
Versuch misslang aber. Es handelte sich um einen here¬ 
ditär belasteten 20jährigen Burschen mit tuberculöser Osti¬ 
tis des Sprung- und Fersenbeins. Bei der nachträglichen 
Exstirpation der fungösen Massen von der dorsalen Weich- 
theilbrücke, die ich so genau als nur irgend möglich aus¬ 
führen wollte, passirte mir das Unglück, dass ich die Art. 
pediäa verletzte. Es blieb mir natürlich nichts anderes 
übrig, als die Operation mit einer supramalleolären Ampu¬ 
tation zu beenden. Nach Heilung der Amputationswunde 
bekam Patient noch eine tuberculöse Ostitis des Olecranon 
derselben Seite, die vermittelst das Evidement beseitigt 
wurde. Viel glücklicher war ich in dem zweiten Falle, dessen 
Geschichte kurz folgende ist: Boris Fomin, ein 16 Jahre alter 
Waisenknabe, hatte sich im August 1884 während der Ar¬ 
beit eine Contusion der rechten Ferse zugezogen. Bald 
darauf bildete sich in der Planta ein Abscess, der vom Herrn 
Collegen Dr. M a si n g im Maria-Magdalenen-Hospital er¬ 
öffnet wurde. Die Incisionswunde heilte in kürzer Zeit 
vollständig und da Patient ohne Schmerzen herumgeben 
konnte, so wurde er aus dem Hospital entlassen. Doch schon 
nach einigen Tagen schwoll der Fuss wieder an, die Haut 
röthete sich, hettige Schmerzen stellten sich ein und die nach 
der Incision zurückgebliebene Narbe brach von Neuem auf. 
Am 24. November 1884 kam Patient in meine Behandlung. 
Ich fand ihn stark fiebernd, abgemagert, auffallend anä¬ 
misch. Die hintere Hälfte des rechten Fusses bedeutend 
geschwellt, die Schwellung namentlich in der Fersengegend 
besonders ausgesprochen, Schmerzen sowohl spontan als 
auch bei Druck. In der Planta pedis, unweit des inneren 
Fussrandes und ungefähr in der Gegend des vorderen Endes 
des Fersenbeins, eine bis 3. Ctm. lange Narbe. Die Mitte 
dieser Narbe von einer kraterförmigen Fistelöffnung einge¬ 
nommen, aus der fungöse Granulationen bervorragen. Die 
in die Fistelöffnung eingeführte Sonde dringt mit Leichtig¬ 
keit in die Substanz des Feraenbetas*tief hinein, ohne aber 
gerade auf rauhen Knochen zu stossen. Etwas hinter der 
Mitte des äusseren Fussrandes fand ich an der Aussenseite 
des Fusses deutliche Fluctuation. Eine Incision entleerte 
viel dicklichen Eiters und der explorirende Finger drang in 
eine geräumige Höhle, die zwischen den plantaren Weich- 
tbeilen einerseits, und dem Fussgerüste andererseits lag. 
Dabei konnte ich einen grossen Tbeil der unteren Fläche 

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des Fersenbeins deutlich abtasten, fand aber den Knochen 
nirgends entblösst; ebenso war es auch mit den anderen 
Fusswurzelknochen. Nach der Iocision ging das Fieber 
fftr einige Zeit etwas herab, aber die profuse Eiterung dauerte 
weiter und trotz gehöriger Drainage hatte sich bald eine 
Eitersenkung hinter dem äusseren Knöchel gebildet, die 
ebenfalls incidirt werden musste. Endlich bildete sich noch 
ein dritter Abscess an der Aussenseite des Fusses, gerade in 
der Mitte zwischen den beiden früheren Incisionen, der auch 
gespalten wurde. Fieber und profuse Eiterung hatten aber 
unterdessen die ohnediess schwachen Kräfte des Patienten 
bedeutend herabgebracht. Etwas musste iür ihn gesche- j 
hen — doch was? 

Ich habe Fälle gesehen, wo bei tuberculöser Ostitis des 
Fersenbeins, nach viele Jahre langem, wechselvollem Ver¬ 
lauf, es schliesslich doch zu einer Art von Heilung mit hoh¬ 
lem Fersenknochen kam.- Einen solchen Fall behandelte 
ich im Januar 1883. Es war dies eine 32 Jahre alte, soge¬ 
nannte Sage femme, ein hageres, ungemein anämisches In¬ 
dividuum. Seit ihrem 3. oder 4. Lebensjahre hatte sie fort¬ 
während Schmerzen in der linken Ferse und war viel behan¬ 
delt worden. Oftmals hatten sich Abscesse gebildet, die ge¬ 
öffnet werden mussten und jahrelang persistirende Fisteln 
zurückliessen. Hie und da kam es schon vor, dass sich die 
Fisteln für einige Zeit schlossen, aber sie brachen immer 
wieder von Neuem auf. Trotz alledem soll aber Patientin 
doch stets auf den Beinen gewesen sein. Anfangs 1882 
waren wieder einmal alle Fisteln geschlossen. Da plötzlich 
stellten sich heftige Schmerzen ein, die sich erst dann etwas 
mässigten, als sich die Fisteln neuerdings öffneten. Kurz 
bevor ich gerufen wurde, war die Secretion aus den Fistel- 
Öffnungen geringer geworden, dafür aber nahm die Intensi¬ 
tät der Schmerzen zu. Als ich die Kranke zuerst sah, hatte 
sie so fürchterliche Schmerzen, dass sie Tag und Nacht laut 
schrie; an’s Morphium hatte sie sich bereits gewöhnt. Bei 
der Untersuchung fand ich den linken Fuss in der Entwick¬ 
lung auffallend zurückgeblieben und zwar in allen seinen 
Dimensionen; die 4 Zehe war stark verkürzt, ihre Spitze 
reichte nur bis ungefähr zur Mitte der Länge der 5. Zehe. 
Auf der Aussenseite der Ferse zwei Narben, auf der Innen¬ 
seite eine, in jeder derselben je eine trichterförmig eingezo- 
gene Fistelöffnung. Die durch die innere Fistelöffnung ein¬ 
geführte Sonde kommt in einer von den auf der entgegen¬ 
gesetzten Seite befindlichen Fistelöffnungen zum Vorschein. 
In Narcose erweiterte ich durch entsprechende, bis auf den 
Knochen geführte Schnitte die Fistelöffnungen und fand nun 
in der Corticalis des Fersenbeins zwei Oeffnungen. Die an 
der Aussenseite des Fersenbeins war so gross, dass man die 
Spitze des Kleinfingers in Bie einbringen konnte, während 
die an der Innenseite die Grösse eines 15 Kopekenstückes 
hatte; beide Oeffnungen waren voll gepfropft mit dickem, 
ungemein übelriechendem Schmutz. Die weitere Unter¬ 
suchung ergab, dass sich im Inneren des Fersenbeins ein 
loser Sequester befindet. Die zugeschärften Ränder der 
inneren Oefinung wurden mit dem Meissei abgetragen, ein 
scharfer Löffel eingesetzt und der Sequester herausgehoben. 
Dieser Sequester dürfte nach meiner Berechnung an die 
28 Jahre im Fersenbein gesteckt haben, er besass die Grösse 
einer kleinen Wallnuss, stank fürchterlich und hatte ein 
scheusslich schmutziges Aussehen. Die zurückgebliebene 
Knochenhöhle wurde nun gründlich mit dem scharfen Löf¬ 
fel bearbeitet, sodann mit SubKmatlösung ausgewaschen; 
weiters wurde Jodoform eingeblasen, Drainröhren eingesetzt 
und ein entsprechender Verband angelegt. Herr Dr. Dom - 
b r o w s k i, welcher die weitere Behandlung der Kranken 
übernahm, batte die Freundlichkeit mir mitzutheilen, dass 
die Eiterung eine sehr profuse gewesen, dass das Auskrat¬ 
zen nochmals wiederholt werden musste und dass er sich 
sogar veranlasst sah die Kranke auf eine eventuelle Ampu¬ 
tation vorzubereiten. Von einer Amputation wollte aber 
die Kranke nichts wissen. Allmftlig nahm auch wirklich 
die Eiterung ah und schliesslich blieb jederseits je eine kleine 


Fistelöffaung zurück. Diese Fisteln persistlren bis auf den 
heutigen Tag, secerniren aber fast.gar nicht mehr; von 
Zeit zu Zeit spritzt sich die Kranke die im Inneren des Fer¬ 
senbeins gelegene Höhle mit lauem Wasser aus. Ich sah 
Patientin noch vor kurzem und überzeugte mich, dass sie 
flink umhergehen kann; sie berichtete mir, dass- sie jetzt 
gar keine Schmerzen habe und dass sie im Stande sei ihrem 
Berufe nachzukommen. Dieser Fall beweist also die Möglich¬ 
keit einer Art Heilung mit Erhaltung eines gehfahigen Fus¬ 
ses nach einfachem Evidement. Ob aber die Heilung von 
Bestand sein wird, ist eine andere Frage. Jedenfalls möchte 
ich es nicht wagen 28 Jahre expectativ zu verfahren, um 
schliesslich eine hohle Ferse zu erhalten, zu deren Reini¬ 
gung von dem eindringenden Schwciss und Schmutz doch 
auch eine gewisse Intelligenz gehört, die nicht jeder Pa¬ 
tient besitzt. 

Was speciell das Evidement anbelangt, so habe ich da¬ 
mit in weniger veralteten Fällen nichts Gutes erreichen kön¬ 
nen. Ich vesuchte es einmal bei einem 17jährigen Jun¬ 
gen, habe aber dann Gewissensbisse darüber gehabt. Pa¬ 
tient laborirte, als er zu mir kam, bereits über ein Jahr und 
sah ungemein elend aus. Am linken Oberarm sass ein über 
faustgrosser kalter Abscess, der aus zwei unter einander 
communicirenden Abtheilungen bestand; die eine dieser 
Abtheiluugen lag unter dem M. deltoideus, die andere an 
seiner Aussenseite. Am linken Fusse, dessen hintere Hälfte 
starke Schwellung zeigte, sah man unter und vor der Spitze 
des inneren Knöchels ein bis 15 Kopeken grosses, fungöses 
Geschwür, während hinter dem inneren Knöchel drei kleine 
Fistelöflnungen sassen, von denen jede nicht über hanf¬ 
korngross war. Mit der Sondefdie in das fungöse Geschwür 
eingebracht wurde, konnte man direct in das Innere des 
Fersenbeins eindringen und stiess in der Tiefe auf barten, 
rauhen Knochen. In Narcose wurde zunächst der kalte 
Abscess am linken Oberarm breit eröffnet und die Abscess- 
höhle gründlich ausgekratzt; dabei konnte ich mit dem 
Finger längs des Schaftes des Oberarmbeius bis fast an den 
Rabenschnabelfortsatz dringen, fand aber nirgends entblöss- 
ten Knochen. Auf der Innenseite des linken Fusses führte 
ich durch das fungöse Geschwür mitten durch einen bis auf 
das Fersenbein dringenden Schnitt, dessen vorderer Theil 
gerade, dessen hinterer Theil leicht bogenförmig, mit nach 
hinten und unten gerichteter Convexität verlief. Bei näherer 
Untersuchung fand ich in der Corticalis an der Innenseite 
des Calcaneus eine, für den Kleiufinger kaum durchgängige 
Oeffnunp, durch welche der untersuchende Finger in eine 
im Knochen gelegene, mit morschen Granulationen erfüllte 
Höhle gelangte. Die Einführung eines scharfen Löffels ge¬ 
lang zwar; da aber die Höhle Ausbuchtungen hatte und 
deren Wandungen eburneirt schienen, so war eine richtige 
Handhabung des Instrumentes nicht möglich. Von einer 
Erweiterung der Oeffnung mit Hilfe des Meisseis musste 
ich ebenfalls Abstand nehmen, da die callösen, entzündlich 
infiltrirten Weichtheile mir hinderlich waren. Ich fügte 
daher an das hintere Ende des ersten Schnittes einen zwei¬ 
ten, frontal verlaufenden Schnitt, mit welchem ich nicht 
nur die Haut trennte, sondern gleich zeitig auchdie Achilles¬ 
sehne durchschnitt und schliesslich bis auf den Fersenkno¬ 
chen drang. Daraufhin nahm ich eine Stichsäge zur Hand 
und durchsägte den Calcaneus mitten durch die in ihm be¬ 
findliche Höhle durch in der Weise, dass die Trennungslie- 
nie von oben hinten — nach unten vorne verlief. Nachdem 
dies geschehen war, konnte ich den hinteren Abschnitt des 
Calcaneus leicht nach unten und aussen umklappen und die 
ziemlich geräumige, buchtige Höhle gründlich auskratzen. 
Die Wandungen der Höhle bestanden aus stark sclerosirter, 
compacter Knochensubstanz; in der vorderen Hälfte der 
unteren Wand derselben entstand beim Auskratzen ein klei¬ 
ner Defect, den ich noch erweiterte und als Contraapertur 
zur Drainirung gegen die Planta hin benutzte. Nach gründ¬ 
licher Desinfection unterband ich die Enden der durchschnit¬ 
tenen Art tibialis postica, führte durch die erwähnte Con- 


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traapertur ein kurzes Drainrohr in die Höhle ein, klappte 
den hinteren Abschnitt des Calcaneus in seine ursprüngliche 
Lage zurück, machte zuerst die Naht der Achillessehne, ver¬ 
nähte sodann die Ränder beider Hautschnitte, verband mit 
Jodoformgaze und 10 % Salicylwatte und fixirte die Extre¬ 
mität auf einer entsprechenden Blechschiene. Der weitere 
Verlauf war anfänglich ganz gut ; bis auf die Drainstelle 
schien alles geheilt zu sein. Bald jedoch entstanden in der 
Narbe an verschiedenen Stellen Fisteln, insbesondere aber 
in der Gegend der Achillessehne. Die beiden Hälften des 
Calcaneus waren zwar unter einander knöchern verwachsen, 
dafür aber ist das periphere Stück der Achillessehne nekro¬ 
tisch geworden und musste sammt einer exfoliirteD, bis dau¬ 
mennagelgrossen, oberflächlichen Lamelle desFersenbeinhök- 
kers extrahirt werden. Vielfach wiederholtes Auskratzen mit 
dem scharfen Löffel brachte zwar einzelne der zahlreichen 
Fisteln zum Schluss, daneben kamen aber neue Fisteln zum 
Vorschein. Am Oberarm war alles längst geheilt, mit dem 
Fusse ging’s aber so schlecht, dass ich mich endlich ent¬ 
schloss, dem Kranken eine osteoplastische Resection des 
Fusses vorzuschlagen. Leider aber wollte Patient auf mei¬ 
nen Vorschlag nicht eingehen und verlangte durchaus ent¬ 
lassen zu werden. Mit schwerem Herzen willfahrte ich sei¬ 
nem Wunsche. Ich bin geneigt die Ursache seiner Weige¬ 
rung darin zu sehen, dass ich einfach sein Vertrauen einge- 
büsst habe. Hätte ich, statt erst das Evidement zu ver¬ 
suchen, ihm von vorn herein die osteoplastische Resection 
des Fusses vorgeschlagen, er wäre vielleicht eher darauf ein¬ 
gegangen und hätte jetzt höchst wahrscheinlich einen ordent¬ 
lichen, gehfähigen Stumpf. Jedenfalls lernte ich, dass 
man sich in ähnlichen Fällen auf das Evidement ganz und 
gar nicht verlassen darf. 

Als ich mich in dem Falle F o m i n fragte, was zu thun 
wäre, da dachte ich an das Evidement nicht mehr. Zu einer 
Amputation konnte ich mich aber auch nicht entschliessen. 
Es dauerte mich den armen, hilfelosen Waisen in so jungen 
Jahren zu verkrüppeln. Ich proponirte ihm daher die osteo¬ 
plastische Resection des Fusäes nach Wladimirow-Mi- 
kulicz, auf die er auch einging. Die Operation 
machte ich am 3. Februar 1885, u. z. ganz in der Weise, 
wie cs Prof. Mikulicz vorschreibt. Die Wunde wurde 
zunächst mit Jodotormgaze tamponirt und die Nähte erst 
secundär, nach 48 Stunden definitiv geknüpft. Statt 
der Plattennähte machte ich ein Paar Doppelstichknopf¬ 
nähte ; Drainröhren brauchte ich keine. Als Spülflüssig¬ 
keit kam Sublimatlösung zur Verwendung. Zur Lagerung 
diente eine Holzschiene, die mir ein Bimpler Tischler 
angefertigt hatte; mit ihrer Hülfe konnte ich die Zehen von 
Anfang an permanent in rechtwinkliger Stellung erhalten 
und habe es nicht nöthig gehabt weder zu teuotomiren noch 
forcirt zu redressiren. Bei der näheren Untersuchung dts 
ausgelösten Fersenbeins fand ich dessen Corticalis stark 
verdünnt, osteoporotisch, stellenweise mit Osteopbyten be¬ 
netzt und die Spongiosa total sequestrirt. Die Wunde heilte 
recht schön bis auf drei Fisteln, zu deren Heilung ich drei 
mal nach dem scharfen Löffel greifen musste. Was die 
Form und die Festigkeit des Stumpfes anbelangt, so bin ich 
mit beiden zufrieden. Ich habe den Kranken am 18. Qcto- 
ber 1885 in der russischen chirurgischen Gesellschaft P i- 
rogow’s und am 29. October 1885 ira Verein St. Peters¬ 
burger Aerzte zu demonstriren die Ehre gehabt; Patient 
defilirte vor den anwesenden Herrn Collegeu in festem Pa¬ 
radeschritt. 


Referate. 

P. T sc h u n i c h i n (Charkow): Bromaethyl in der ge- 
burtshülflichen Praxis. (Wratsch H 30.) 

Nachdem dieses Mittel bereits von N n n n e 1 y in der Chirurgie 
benutzt worden, führte es L e b er 11880 in die Geburtshülfe ein und 
hat er eine Reihe von Nachfolgern erhalten, so in Russland W in¬ 
dem a n n (cf. Pbg. med. W. 1883 Ji 11) und 8 h d a n o w (Med. 
Westnik 1884 Jft 6). 


Vf. hat das Mittel bei 10 Wöchnerinnen 16 Mal angewandt und 
bringt folgeude Schlussfolgerungen : 

1) Das Br. t welches in den Handel gebracht, ist nicht gleichartig, 
meist bekam Vf. nicht chemisch •reines Bromaethyl, (letzteres hat 
keinen unangenehmen Geruch). 

2) Es ist weder der Mutter, noch der Frucht gefährlich, und ruft 
weder Uebelkeit noch Exaltationsstadien hervor, das Bewusstsein 
bleibt ungetrübt, nur wird meist Röthe des Gesichtes und Pupillen¬ 
erweiterung beobachtet, 

3) Das Br. gebt von der Mutter ins Blnt des Kindes über Und 
merkt man bei beiden 1—26 Stunden noch den Br.-Geruch der exha- 
lirten Luft. 

4) Bei Gaben von 7-J—48 Gran pro Minute, innerhalb -J—1 Std. 
erhielt Vf. keine vollständige Anaesthesie, bei normalen Geburten 
nnd als schmerzstillendes Mittel erwies es sich als schwach und un¬ 
gleich wirkend, je tiefer eingeathmetwird, um so besser die Wirkung. 

5) Die Intensität und Dauer der Wehen werden vermehrt, die Zwi¬ 
schenpausen verkürzt, sodass die Geburtsdaner nicht verlängert wird. 

Im Grunde ist Vf. jedoch nicht gegen das Mittel, nur meint er, 
müssten noch mehr Versuche gemacht werden. P. 

L i e b e r t: Epilepsie durch Extraction eines Zahnes ge¬ 
heilt. (D. med. W. 1885 M 37.) 

Es sind zwei Krankheitsfälle, die Männer in den 20er n. 30er Jah¬ 
ren betreffeu, welche an noch nicht veralteter Epilepsie mit vorher¬ 
gehender Anra litten, in welcher die Zunge krampt hafte Bewegun¬ 
gen machte. Bei dem Einen hatte epileptoider Schwindel 4 Monate 
mit einigen 100 Anfällen, die ausgebildete Epilepsie 3 Monate mit 
18—20 Anfällen bestanden ; bei dem Anderen hatte der epileptoide 
Schwindel circa 3—4 Monate, die Epilepsia gravis 38 Tage bestan¬ 
den, als durch Extraction eines unteren resp. oberen cariösen Backen¬ 
zahnes die Krankheit wie mit einem Schlage beseitigt wurde. Be- 
achtenswerth ist, dass nicht Zahnschmerzen bestanden, der Körper- 
theil, von dem die Aura ausgiug, war die Zunge, es bestanden krib- 
belnde Gefühle und krampfhafte Contractionen derselben zu Beginn 
des Anfalls. Bei allen Epileptikern, die keine anderweitige Aura 
haben, und sich nur auf initialen Schwindel besinnen, sollte man 
nach dem Verhalten der Zunge nnd nach der Beschaffenheit der 
Zähne forschen. Dr. M. Schmidt — San Remo. 

E. Schürer: Ueber Vergiftungsfälle mit Knollenblätter¬ 
schwamm (Amanita phalloides, Agaricua bulbosns). (Corresp.- 
Bl. für Schw. Aerzte 1885, J4 19). 

S. veröffentlicht die Krankengeschichten von sieben in einer Fa¬ 
milie durch Genuss obigen Schwammes Vei gifteten und dürfte diese 
klinische, mit einem Obdoctionsbericht von Dr. Sahli verbundene 
Mittheilung schon desswegen von bedeutendem praktischem Interesse 
sein, weil die Amanita phalloides dem Agaricus campestris (dem 
ächten, Überall mehr und mehr in Aufnahme kommenden Cham¬ 
pignon) sehr ähnlich ist, verhängnisvolle Verwechselungen mithin 
allerwärts stattfinden köuuen. Hinsichtlich des Gesammtbildes, 
welches die 7 Intoxicationen boten, ist zu bemerken, dass es im All¬ 
gemeinen mit dem von B o n d i e r und And. geschilderten überein¬ 
stimmte, wenn auch in der Intensität ziemliche Verschiedenheiten 
beobachtet wurden. Das Intervall vom Genuss der Schwämme bis 
zum Eintritt der ersten Erscheinungen dauerte in 6 Fällen 9 bis 11 
Stunden, in 1 Falle nahebei 24 Stunden und scheinen gerade in die¬ 
sem langen, keinerlei Warnungssignale darbietenden, einer Resorp¬ 
tion des Giftes aber gewaltig Vorschub leistenden Zeitraum die 
grössten Gefahren begründet zu sein. Die Symptome waren 
gastro-enteritische nnd cerebrale ; bei den ersteren wog zuweilen das 
Erbrechen, zuweilen der Durchfall vor, — die letzteren änsserten 
sich in den zwei letal verlaufenden Fällen in Apathie, auch Aufre¬ 
gung oder Schwindel, in Somnolenz, unterbrochen von heftigen hy- 
drocepbalischen Schreien, in Trismus und Opisthotonus oder wenig¬ 
stens Contracturen der Extremitäten etc. und schliesslich in voll¬ 
kommenem Coma. — Die pathologisch-anatomischen Veränderungen 
konnten am ehesten mit denjenigen der acuten Phosphorvergiftung 
verglichen werden und fiel namentlich die, in älteren Sectionsproto- 
collen (z. B. in denen von Maschka) nicht erwähnte, Verfettung 
der Leber, Nieren, des Herzens und verschiedener Muskeln ant. Die 
Prognose ist eine sehr schlimme, hängt im Allgemeinen aber doch 
vom Quantum der genossenen Schwämme und vom Alter der Pa¬ 
tienten ab. — In Betreff der Behandlung hebt S. hervor, dass man 
mit Brech- nnd Abführmitteln gewöhnlich zu spät kommt, dass 
Analeptica sich zunächst mit Nothwendigkeit aufdrängen und im. 
Grossen und Ganzen, so lange kein wirksames Antidot ausfindig ge¬ 
macht worden ist, symptomatisch zu verfahren sei. Zweckmässige 
sanitätspolizeilicbe Vorkehrungen (namentlich eine strenge üeber- 
wachung des Marktes), populäre Vorträge (mit Demonstrationen) 
und (illastrirte) Abhandlungen competenter Schwammkenner werden 
zur Verhütung oder Beschränkung solcher Vergiftungen unendlich 
viel beitragen nnd müssten legislatorisch angeordnet werden. 

F—t. 

Carl P.osner: Ueber physiologische Albuminurie. 

(Beri. klin. Wochenschr. H 41). 

C. P o s n e r ist es gelungen auf chemischem Wege in jedem be¬ 
liebigen normalen Urin Spuren von Ei weisskörpern nachzuweisen. 


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Den Grand des Misslingens aller früheren in dieser Richtung ge¬ 
machten Untersuchungen sieht er darin, dass 1. der normale Harn 
nur sehr geringe Mengen Eiweiss enthält und 2. diese geringen 
Mengen beim Eindampfen ausfallen und folglich im Filtrat nicht zu 
finden sind. Um nun das Ausfallen der Ei weisskörper zu verhin¬ 
dern, versetzt P. den Urin, bevor er ihn eindampft, mit reichlichen 
Mengen Essigsäure. Beim 2. Verfahren fällt er die Eiweisskörper 
mit Alcohol aus, filtrirt und löst dann den Rückstand in Essigsäure 
auf. In beiden Lösungen konnte Posner mit allen Reagentien, 
die in ihrer Wirkung durch viel Essigsäure nicht beeinflusst werden, 
Eiweiss nach weisen. Kn. 

B. Wicherkiewicz (Posen): Ueber ein neues Verfah¬ 
ren unreife Staare zu operiren, nebst Beitrag zur 
Augen-Antiseptik (Klinische Monatsblätter für Augenheil¬ 
kunde. Zehender November 1885.) 

Wie weit es häufig sehr wünschenswerth ist unreife Staare operi¬ 
ren zu können, weiss jeder Ophthalmologe zur Genüge und ist so¬ 
mit das Bestreben ein möglichst zuverlässiges Verfahren zur Ent¬ 
fernung der noch nicht getrübten Linsentheile zu besitzen ein sehr 
gerechtfertigtes. — Verfasser hat nnn versucht nach Entfernung 
des Linseukernes die zurückbleibenden Corticalismassen mittels 
eines eigens dazu construirten kleinen Irrigationsapparats aus dem 
Kapselsacke und der hinteren Kammer herauszuspülen und ist mit 
seinen bisher erzielten Resultaten sehr zufrieden. Als Irrigations¬ 
flüssigkeit braucht W. eine 2 % Borsäurelösung — vor selbst schwa¬ 
cher Carbolsäurelösnng warnt Verf. uud belegt diese Warnung durch 
eine Krankengeschichte. — Sublimatlösungen (1 : 5000) die wie 
bekannt vom Auge sehr gut vertragen wird und die, da W. mit der 
von ihm geübten Irrigation der vorderen und hinteren Angenkam¬ 
mer behufs Entfernung noch nicht getrübter Linsenmassen, gleich¬ 
zeitig eine Antiseptik genannter Theile verbinden will, uns sehr 
geeignet dazu scheinen will, hat W. nicht versucht. Jedenfalls^ 
scheint W.’s Verfahren rationell zu sein und wird viele Nachahmer 
finden, hoffentlich wird es sich auch diesen bewähren. — Der kleine 
Irrigationsapparat ist zu haben beim Instrumentenmacher Pischel 
in Breslau. L.— 

BUcher-Anzeigen und Besprechungen. 

Die 25jährige Thätigkeit der 1860 aus der medico-chirur- 
gischen Academie entlassenen Aerzte. (ÄBajwaTHDflT«' 

“ rfeiie rfuiTeibHocTi Bpanefl okohuhbuebzi uypci vb Mej. xnp. 
AuazeMiB n 1860 r. IleTepöyprb 1885. 192 Seiten). 

Eine ebenso originelle wie hübsche Idee war es, dass die 1860 
zn Aerzten creirten Collegen beschlossen, ihr 25 jähriges Jubilärim 
collectiv zu feiern. Am 13. Juni feierten sie es durch ein gemein¬ 
sames Diner, die Herausgabe des vorliegenden, von Dr. Iljinsk i 
verfassten Buches, welches ausser Erinnerungen an die gemeinsam 
verlebte Studienzeit ein Verzeichniss aller 1855 in die Academie Ein¬ 
getretenen sowie der damaligen Professoren enthält, nnd kürzere und 
längere Biographien der Collegen dieses Coetus mit Angabe ihrer 
wissenschaftlichen Arbeiten bringt. Dieses Buch wird nicht nur 
den dieses Jubiläum feiernden Collegen eine angenehme Erinnerung 
beherbergen, sondern auch ein Beitrag zur Geschichte der Medicin 
bleiben. 

Von 600 jungen Leuten, die Bich 1855 zur Aufnahme in die Aca¬ 
demie meldeten, wurden 350 angenommen. Von diesen beendeten 
1860 als Aerzte den Curaus 142 nnd jetzt nach 25 Jahren leben davon 
nur noch 96. 

Der genannte Coetus hat Tüchtiges geleistet. Von den Verstor¬ 
benen nennen wir nur die Professoren Rudnew nnd Horwitz 
(von denen, wie auch vom damaligen Präsidenten Dnbowitzki, 
dem Buche Holzschnitte beigelegt sind). Unter den Lebenden wären 
zu erwähnen: Archangelsk?, Weber, Docent E. Afonass- 
jew, Holm, Djukow, P. Sagorski, Iljinski, Lup- 

S ian, Reitz, Starkowund Tschoschin. Alles Collegen, 
eren Namen in ärztlichen Kreisen nnd in der Wissenschaft einen 
guten Klang haben. P. 

A. Sarron: Compendium der Ohrenheilkunde. Leipzig, 

Verlag von Ambr, v, Abel 1885. 

Ref. ist, wie er es schon bei ähnlicher Gelegenheit hier geäussert 
hat, kein Freund von knrzgefassten Leitfaden nnd Compendien. Es 
kann ja in solchen eigentlich nicht mehr, als ein Concept der resp. 
Disciplin gegeben werden, eine Skizze der Verhältnisse ohne das er¬ 
läuternde nnd motivirende Detail. Es wird einmal nur ein halbes 
Wissen verbreitet — bei dem, der sich mit der Disciplin bekannt 
machen will and sich dann mit dem einen Compendium begnügt, und 
damit glaubt er habe genügend gearbeitet andererseits wird der¬ 
selbe das Bnch unbefriedigt aus der Hand legen, sollte irgend einmal 
nachzuschlagen sein, um sich in einem concreten Falle Rath zu holen. 
Man mag noch so sehr über die behagliche Breite des Special werke 
die Nase rümpfen, man trägt ans einem solchen selbst bei nur curso- 
rischer Leetüre doch immer mehr nach Hause und hat immer einen 
mehr oder weniger guten Rathgeber. Ferner kann ein Compendinm 
als Repetitorium dienen, quasi ein Collegienheft darstellen, nnr dass 
es einem solchen immer darin nachsteht, dass jenes nur das Canneva j 


oder ein Erinnerungszeichen abgiebt für das gehörte Wort des Leh¬ 
rers. Aus diesem Motive und dem gleichzuerwähnenden wurde 
das Büchlein geschrieben. Vrf. hatte die Absicht, dass es einmal 
alsVorstudium dienen und dann «zur Verbreitung otiatrischer Kennt¬ 
nisse unter dem gesammten ärztlichen Publicnm beitragen nnd man¬ 
chem Leser das Verlangen zu eingehendem Studium dieses wichtigen 
Zweiges unseres Berufs dienen» solle. 

Diesen Zwecken kann vorliegendes Werkch'en entsprechen, da es 
frisch geschrieben und klar gedacht ist, besonders in dem ersten, 
mehr allgemeinen Theile. Einzelheiten des Buches kritisch zu be¬ 
leuchten, kann an diesem Orte einmal nicht unsere Aufgabe sein, 
andererseits kann man mit dem Antor eines Bnchs, in dem Kürze 
&nge8trebt wird, nicht zu sehr rechten. Wir müssen aber doch auf 
einige Unebenheiten binweisen. Es sind manche zu berücksichti¬ 
gende und recht wichtige Sachen gar nicht erwähnt, wie z. B. die 
antipar&sitäre, desinficirende Behandlung der Otitis externa, die doch 
mindestens erwähnenswerth. Weiterhin ist die Gefahr der Nasen- 
douche viel zu wenig urgirt, dann sind auch «Einziehungen von mäs- 
sig kühlem Wasser» in die Nase empfohlen, die wohl nicht selten 
von schlimmem Erfolge begleitet sein werden. Dass einfach Pr i e s s - 
d i tz’sche Umschläge bei Otit. media empfohlen werden, dass die 
Nase nnd der Nasenrachenraum viel zn wenig gewürdigt werden, 
mag noch hingehen, aber dass Vrf. allen Ernstes zum Cauterisiren in 
der Nase und Nasenrachenraum «das GlüheiBen in seiner einfachsten 
Form», nämlich eine geglühte Stricknadel in einen Korken gesteckt, 
empfiehlt, ist doch mindestens etwas gewagt. 

Die Mängel des Buches werden aber durch die schon oben er¬ 
wähnten Vorzüge reichlich gedeckt und wünschen wir dem frisch¬ 
geschriebenen Büchlein vollständigsten Erfolg bei Erreichung de* 
Ziels, das es sich gesteckt hat. N. 


| Alexander Igelberg f. | 

Am 26. December verschied in Petrosawodsk der Medicinal-Iu- 
spector des Gouv. Olonez Dr. med. Alexander Igelhergan 
einem organischen Herzleiden im 67. Lebensjahre. Ein Sohn Riga’s, 
besuchte er das dortige Gymnasium, darauf von 1842—1847 als 
Kronsmediciner Dorpat worauf er als Marinearzt in Kronstadt, dann 
in Sweaborg bis 1854 diente. Sodann in den Civildienst übergehend, 
war er älterer Bezirksarzt bei den Reichsdomainen des Gonv. Jaro- 
slaw. Hier sowohl wie dort hatte er eine umfangreiche ärztliche 
Praxis. 1860 erfolgte seine Ueberführung au die Domainen-Palate 
nach Petrosawodsk, woselbst er im folgenden Jahre auf den bis zum 
Tode bekleideten Posten tiberging. Dr. I g e 1 b e r g war unstreitig 
eine originelle Persönlichkeit im besten Sinne des Wortes. Der eh- 
renwerthe Mann von schlichtem, oft bis zur Derbheit geradem 
Wesen, in Allem ein Vertreter der «guten, alten Zeit», war durch 
eine seltene Pflichttreue und eine an Pedanterie streifende Pünkt¬ 
lichkeit nnd Ordnungsliebe ausgezeichnet. Trotzdem war ihm ein 
unverkennbar burschikoser Zug eigen, der sich in einer heutzutage 
fast beispiellosen Bedürfnislosigkeit, sowie einer echt deutschen 
Gemütlichkeit äusserte. Menschenfurcht, Parteilichkeit, Egoismus 
waren seinem Wesen durchaus fremd. War sein Benehmen gegen 
Höhere oft gar zu ungeschminkt und rücksichtslos, so pflegte er 
gegen Untergebene die Milde, Langmuth und Rücksicht oft allzu 
weit anszudehnen. Als Arzt stand ihm das Interesse des Kranken 
stets höher als das eigene, und ebenso selbstlos nnd wahrhaft colle- 
gial war sein Verhalten gegen die Berufsgenossen. Somit verdient 
der Verstorbene, obgleich durch wissenschaftliche Leistungen nicht 
ausgezeichnet, dennoch als musterhafter, lauterer Character unter 
den Aerzten einen Ehrenplatz und ein bleibendes Gedächtniss, das 
ihm Alle bewahren werden, die ihm je im Leben näher getreten. 

_ L—y. 

1. Session der Moskau-St. Petersburger Gesellschaft. 

Der vom 26.— 31. December v. J. hier abgehaltene erste Congress 
rassischer Aerzte verdankt seinen Ursprung der jüngsten medicini- 
schen Gesellschaft, welche am 24. Mai 1881, dem Tage des 56jähri- 
gen Jubiläums des hochverdienten N. J. P i r o g o w von Verehrern 
und früheren Schülern des Verewigtengegründet worden ist. Der 
neue Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, auf der Basis wissen¬ 
schaftlicher, dem Nutzen des Vaterlandes dienender Interessen die 
Aerzte beider Residenzen zu vereinigen, sie einander näher zu 
bringen nnd wenn möglich, sämmtliche Aerzte des weiten Vater¬ 
landes zu einer grossen Gesellschaft zu sammeln. Die Stifter, 81 an 
der Zahl, arbeiteten ein, am 23. November 1884 vom Herrn Minister 
des Innern bestätigtes Statut ans und als das nöthige Capital und 
eine genügende Anzahl Mitglieder vorhanden war, fand der Aus¬ 
schuss des Vereins es für geboten, seine Existenz kund zu geben und 
beschloss desshalh eine Zusammenkunft seiner Mitglieder zu or^ani- 
siren, welche ein doppeltes Ziel haben sollte, nämlich Vertheilung 
wissenschaftlich-praktischer Arbeiten urter den Theilnehmern und 
Aufstellung von wichtigen, durch den Congress zu lösender Auf¬ 
gaben. Die Stifter und die in Petersburg lebenden Mitglieder der 
Gesellschaft wählten einen Ausschuss, der aus den DDr. Berten- 
son,Wolowski, Ebermann, Ssutugin und Prof. Kras- 
sowski bestand. Dank der unermüdlichen Thätigkeit dieser 


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19 


Herren ist der Congress zu Stande gekommen tnd hat seine Aufgabe 
recht glttcklich gelbst, wie es aus den später zu veröffentlichenden 
und theils veröffentlichten Protokollauszügen ersichtlich wird ; na¬ 
mentlich hat die Section für Standesfragen und Volksmedicin sehr 
viel für Klarstellung äusserst wichtiger Fragen geleistet. Wir 
können nur dem jungen Verein, der bereits über 500 Mitglieder 
zählt, alles Glück wünschen und ihm für die Initiative einer Verei¬ 
nigung der russischen Aerzte auf solider Grundlage den wärmsten 
Dank sagen. Hz. 


Vermischtes, 

— Von der hiesigen Academie der Wissenschaften sind der Prä¬ 
sident des Medicinalratbs, Leibarzt Dr. Zdekauer, sowie der 
Professor der Moskauer Universität Dr. S a c h a r j i n zu Ehren¬ 
mitgliedern ernannt worden. 

— Zum Professor-Adjunct für den Lehrstuhl der Laryngo- 
logie an der militär-medicinisohen Academie ist der Privatdocent 
Dr. N. Ssimanowski gewählt worden. Mit ihm concurrirte der 
Privatdocent dieser Academie Dr. A. Jakobson. 

— Verstorben: 1) Am 20. December in Kyew der frühere Pro¬ 
fessor der Pathologie und pathol. Anatomie an der dortigen Univer¬ 
sität, Dr Julius Ferd. tfaionn, plötzlich im 69. Lebens¬ 
jahre. Der Hingeschiedene stammte aus der Gegend von Wenden 
(Livland) und erhielt seine wissenschaftliche Ausbildung auf der 
Universität Dorpat, wo er von 1836—43 Medicin studirte. Nach 
Absolvirung der Universität mit der Würde eines Arztes I. Grades 
fungirte er anfangs als Arzt an dem Stadthospital in Kirilow, dar¬ 
auf an der Kiew-Meshigor'schen Fayencefabrik und erhielt i. J. 
1850 nach Vertheidigung seiner Dissertation «Ueber Degeneration 
der Venen bei Morbus Brightii» die Doctorwürde an der Kiewer 
Universität. Im Jahre 1852 wurde M. zum Professor der speciellen 
Therapie an dieser Universität gewählt, vertauschte dieses Fach 
aber bald mit dem der Pathologie und pathologischen Anatomie. 
Nachdem er im J. 1875 seine Lehrtätigkeit an der Universität auf¬ 
gegeben, übernahm er den Posten des Directors des Kiewschen 
.Stadthospitals, als welcher er bis zu seinem Lebensende fungirte. 
2) Im Kreise Melitopol machte der dortige Landschattsarzt M. 
•Goldfeld in einem Anfalle von Wahnsinn seinem Leben durch 
Erhängen ein Ende. 

— Am 6. Januar n. St. beging Prof. Dr. S c hn i tsl e r in Wien 
nein 25jähriges Jubüäum als Doctor und Chefredacteur der «Wiener 
«nedicinischen Presse». Bei dieser Gelegenheit wurden dem um die 
medicinische Wissenschaft verdienten Manne zahlreiche ehrende 
Ovationen zu Theil. 

— Ordensverleihungen : Der St . Annenorden I. Classe : dem 
ord. Professor der Chirurgie an der Dorpater Universität, wirkl. 
Staatsrath D. E. v. W ah 1; dem consultirendeu Arzte deB Tambow- 
sehen Alexander - Instituts, wirkl. Staatsrath Dr. I k a w i t z. — 
Der St. Wladimirorden III . Classe : dem beratenden Mitgliede 
des Medicinalraths, wirkl. Staatsrath Dr. Lindemann; den 
Professoren der Medicin, wirklichen Staatsräson: Läsare- 
witsch (Charkow), H o y e r (Warschau), Arnstein (Kasan) 
und Scheffer (Kijew). — Der St. Stanislausorden I . Classe: 
den wirk). Staatsräthen: Dr. Lieven, dem Ministerium der 
Volksaufklärung zugezählt; Dr. Walther, Arzt des St. Peters¬ 
burger Nikolai-Waiseninstituts; dem ehemaligen Professor der Dor¬ 
pater Universität Dr. S t i e d a (gegenwärtig in Königsberg); dem 
PtoL der Physiologie in Kasan, Dr. Kowalewski und dem Prof, 
der pathol. Anatomie in Warschau, Dr. B r o d o w s k i. 

— Beförderung : Zum (leheimrath : der Prof. emer. der Chirur¬ 
gie an der Moskauer Universität Dr. N o w a z k i. 

— In Venedig ist die Cholera aufgetreten: es soll im Durch¬ 
schnitt ein Fall täglich gemeldet werden. Auen in der Umgegend 
von Venedig soll ein Choleratodesfall vorgekommen sein. 

— In Marseiile ist eine Pockenepidemie ausgebrochen. In Folge 
dessen Bind in der Stadt 8 Bureaux eröffnet worden, in welchen un¬ 
entgeltlich Impfungen vorgenommen werden. 

— In Paris hat sich eine Gesellschaft für ärztliche Standesan¬ 

gelegenheiten gebildet, welche den Zweck verfolgt, die ärztliche 
Standesehre zu wahren und die Standesfragen zu erörtern. Die Ge¬ 
sellschaft wird demgemäss die Curpfuscherei verfolgen, einen Ein¬ 
fluss auf die Gesetzgebung auszuüben suchen und für ihre Mit¬ 
glieder, wo erforderlich, eintreten. (A. m. C.-Ztg.). 

— Nachtrag zu dem in der vorigen Nummer dieser Wochen¬ 
schrift enthaltenen Verzeichniss der im verflossenen Jahre in 
Russland verstorbenen Aerzte : 

Ehemaliger Prof, der Kiewer Universität Jul. Mazonn. — M. 
Goldfeld (im Melitopolschen Kreise). — Eduard Brückner (Riga). — 
Theoder Larssen (Alt-Pebalg in Livland). — Leopold v. Mickwitz 
{Reval). — Julius Paulsen (Jörden in Estland). — Gabriel v. Stan- 
kiewicz. — Aug. Rauch (Mitau). — Wilhelm Krause (Majorenhof 
bei Riga). — Adalbert Häcker (Bogorodizk im Gouv. Tula). 

— Gegen eine unangenehme Nebenwirkung bei Anwendung des 
Cocains — die Pupillenerweiterung — empfiehlt Dr. H. W. B r ad- 
ford die gleichzeitige Anwendung von Pilocarpin. Bei Zusatz von 
10 Tropfen einer 5 % Lösung des Pilocarpins zu 4 Gramm einer 4% 
Cocainlösung soll die Pupille sich nicht verändern, während die 
anästhesirende Wirkung des Cocains dadurch keineswegs gestört 
wird. 


— Dem in kurzer Zeit so beliebt gewordenen Cocain wird ausser 
anderen unangenehmen Nebenwirkungen jetzt auch nachgesagt, 
dass es analog der Morphiomanie, eine Cocainomanie bewirken 
könne. Dr. B a u d u y behauptet, dass bereits ziemlich zahlreiche 
Fälle von Cocainomanie bekannt geworden seien und dass die Folgen 
dieses neuesten Lasters noch schrecklicher seien, als die nach Abu- 
sns spirituosorum, oder die der Morphiumsucht. Er hält es daher 
für seine Pflicht, die Aerzte zu warnen, das Mittel ihren Patienten 
selbst zu überlassen, damit diese neue Krankheit nicht an Ausdeh¬ 
nung gewinnt. 

— Dr. S m i t h beobachtete in Dublin 4 Fälle von acuter Lun¬ 
genentzündung, welche in einer Familie bei 4 Geschwistern 
gleichzeitig vorkamen, jedoch günstig verliefen. Die hygienischen 
Verhältnisse des Hauses waren sehr ungünstige. 

— Gegenwärtig befinden sich 20 Personen, darunter auch meh¬ 
rere Deutsche und Amerikaner, bei Pasteur in Paris, um sich der 
Impfung gegen die Hundswuth zu unterziehen. 

— In Washington ist eine nur au9 Frauen und Jungfrauen be¬ 

stehende anthropologische Gesellschaft unter dem Namen « fVomens 
Anthropological Society » gegründet worden. Diese Gesellschaft, 
welche nur weibliche Mitglieder auf nimmt, hat sich zur Aufgabe 
gestellt, die höchsten den Menschen betreffenden Probleme zu lösen, 
namentlich die Frage zu entscheiden, ob der Mensch wirklich vom 
Affen absummt! (A. m. O-Ztg.). 

— Von den beiden vom deutschen Central-Comitö des Rotben 
Kreuzes nach Serbien gesandten Sanitätsabtheilungen ist die eine 
nach Evacuation der Kriegslazarethe in Kragtyew&tz bereits zu- 
rückgekehrt und die andere wird ebenfalls demnächst heimkehren. 
Dagegen sind die beiden nach Bulgarien entsandten deutschen Sa¬ 
nitätsabtheilungen noch in voller Thätigkeit und werden voraus¬ 
sichtlich noch mehrere Wochen dort beschäftigt sein. 

— Das ungarische Unterrichtsministerium hat beschlossen, einen 
Arzt (wahrscheinlich Prof. B a b e s) nach Paris zu Pasteur, 
welcher seine Einwilligung dazu gegeben hat, zu senden, damit 
dieser Arzt sich in P.'s Institute mit der Methode der Impfung ge¬ 
gen die Hundswuth bekannt mache und dann seine Erfahrungen in 
der Heimath verwerthe. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 29. Dec. 1886 bis 4. Januar 1880 
8umme der Verstorbenen: Männl. 340. Weibl. 259. Im Ganzen 590. 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 15, Febris recurrens 2, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 6, Pocken 0, Masern 18, Scharlach 22, 
Diphtherie 9, Croup 2, Keuchhusten 1, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 31, Erysipelas 3, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 0, Ruhr 2, 
Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerpe¬ 
ralfieber 0, Septicaemie 8, Tuberculose der Lungen 106, Tubercu- 
lose anderer Organe 7, Alcoholismas and Delirium tremens 7, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 38, Marasmus senilis 28. 
Krankheiten des Verdauungscanals 71, Todtgeborene 39. 

Somit an Krankheiten verstorben exclusive die anderen Todes¬ 
ursachen 377. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 

Neuer Styl. 

• 

u 

9 

O • 
11 

I 

Gest, ohne diel 
Todtgeb. || 

Il 

1! 

i 

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is 

*5 .ff 

Stockholm . . 

13—19 Dec. 

200 134 

74 

10 

DM 

22,a 

13,6 

"357« 

Kopenhagen • 

23—29 Dec. 

280115 120 

7 

5,» 

41, 0 

Berlin .... 

13—19 Dec. 

1263 455 

537 

65 

22 .i 

12,i 

34,\ 

Wien ... 

20—26 Dec. 

769 889 

410 

39 

26,8 

9,» 

32,. 

Brüssel • . . 

20—26 Dec. 
20—26 Dec. 

175 811 

90 

4 

26,7 

4,4 

12 ,o 

28,. 

Paris .... 

2 239928 

1027 

124 

23, a 

27,. 

London . • . 

20—26 Dec. 

4083 928 

1408 

226,18,s 

77| 29, i 

16,i 

25 ,o 

8 t. Petersburg 

27 Dec. — 2 Jan. 

928 016 

502 

15, . 

23« 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 21. Januar 1886. 

Discussion : 1 . Welche therapeutische Behandlung ist am er¬ 
folgreichsten gewesen behufs Aufsaugung pleuritischer Exsudate? 
2. Welche Symptome indiciren einen operativen Eingriff ? 3. Welcher 
Modns der Operation ist der sicherste und gefahrloseste ? 4. Sind 
Ausspülungen der Pleurahöhle nothwendig und nützlich ? 5. Welche 
Folgen kamen zur Beobachtung nach Ablauf deB Processes je nach¬ 
dem derselbe nur therapeutisch oder operativ behandelt worden ? 
6. Soll operirt werden bei secundären Exsudaten, tnberculosen, 
carcinomatösen, scorbntischen ? 

Der Cassirer des Vereins ersucht die Herren Mitglieder ihre 
rückständigen Beiträge baldmöglichst einzahlen zu wollen. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 13. Januar J886. 


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20 


Annahme yon Inser aten ausschliesslich im Central-Annoncen-Comptoir von Friedrich Petrick 

___ Sm* St. Petersburg , Newsky-Prospeet 8. *^HI 

V 4 ‘‘n *• LANGENBECK’S ARC1 

uentrai-Ännoncen-uomütoir vollständig von Band i auf die g 

ui wirst vaslronft /tu »/»Vi /tia D. 


FRIEDRICH PETRICK 

die alleinige ANNAHME von ANNONCEN 


für die 


St. Petersburger 

Medicinische Wochenschrift 

übertragen worden und werden die geehrten Inserenten ersucht, ver¬ 
kommenden falls sich ausschliesslich zu wenden an das 

Genfral-Annoncen-Compfoir 

von 

c FRIEDRICH PETRICK 

St. Petersburg , Newsky - Prospect J4 8. 

Die Redaction der St. Petersburger medieinischen Wochenschrift 

Dr. L. v. Holst* 

Vorräthig in der Buchhandlung von CARL RICKER in St. Petersburg. 

Newsky-Prospeet M» 14. 

ÜP0BHL1E IHPH$TBI H TABJIHRBI 

no seTpHqecitoä CHereirk 

H 3 CJIM 0 BAHIH 3 Pl>HIfl. 

M3AAHIE C.-METEPByprCHOH I71A3H0Ü JltSEBH^u,. 

1885 r. U-feHa 3 p., ct. nepecuji. 3 p. 30 k. j 

M 3 t> hhxt. npojiaioTCfl OTA-bjibHo: .npoöfmempiaJJTfcl no 1 p. 50 j 

Kon. h IipOÖHUfl TaÖJIHRU no 2 py6. 

Die Tafeln sind nach dem Principe des Dr. M o n o y e r'entworfen 1 
worden. Indem sie sich dem jetzt in der Ophthalmologie wohl mehr und 
mehr gebräuchlichen Metermaasse anschliessen, bieten sie den Vorzug einer 
genauen Bestimmung der Sehschärfe von ^/io bis ,0 /to. In den .npoÖHue 
TaÖJiHUbi» sind enthalten: 

1) 1 Tafel mit russischer Schrift, 

2) I » mit lateinischen Buchstaben, 

3) I » mit Zahlen, 

4) 1 > mit Zeichen, 

_5) * > zur Bestimmung des Astigmatismus. 


FRANZ JOSEF¬ 
BITTERQUELLE 


VERSENDUNGS - DIRECTION 

in Budapest 


—- ar - 

hat die Ehre, den Herren Aerzten die untenstehende Analyse zu unterbreiten, mit der Bitte, 
versuchsweise, wenn sie es noch nicht gethan haben, dieses Wasser zu verordnen, welches bei 
allen Apotheken und Mineralwasserhandlungen, wie Stoll & Schmidt, Russ. Pharm. Handelsgesell¬ 
schaft etc. zu haben ist. S f*;! ' 

In 1000 Gr. Franz Josef . Schwefelsäure Saite 45,99 u. 2,41 Nat. bicaibf 

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„ Friedricbshall. „ .11,20 I 

Stuttgart, März »882. Geh.-Rath v. Fehling. 


LANGENBECK’S ARCHIV 

vollständig von Band i bis auf die Gegenwart 
(Band 32) wird verkauft durch die Buchhand¬ 
lung von 

Carl Ricker in St. Petersbarg, 

Newsky-Prospeet Ai 14. 

Preis 220 Rbl. 


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Direction: Paris, 8, boulev. Montmartre. 

GRAND-GRILLE. Gegen lymphat. 
Neigungen,schlechte Verdauung. Ver¬ 
stopfung der Leber, der Milz, des Lei¬ 
bes, Steinkrankheit u. s. w. 

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sch werden, Magenoeschwerden, Appe¬ 
titlosigkeit. Magenschmerzen 11. s. w. 

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Podagra, Appetitlosigkeit u. s. w. 

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durch den Erfinder, 7 Rue Pont Neuf, Pars. 


I trotheraple. Dr. Erlensneyer. 


Journal-Catalog 

1886. 


JfosB. qcB8. Cn6. 10 flHBapa 1886 r. Herausgeber Dr. L. v. Holst. Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. St. Petersburger m i»«** 

u (ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction von 

Prof. Ed. v. WAHL, Dr. L. v. HOLST, Dr. Gust. TILING, 

Dorpat. • . St. Petersburg. St. Petersburg. 

Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn- Abonn «menfs-Aufträ go bittet man an die Bucbbandlung von 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. flir das Jahr, Carl Rlcker in St. Petersburg, Newsky - Prospect AI 14 zu richten. 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; In den anderen Lin- 0V* Inserate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Insertlons-Preis für reau von Friedrich Petrlc h in St. Petersburg, Newskywprospect AI 8, 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 10 Kop. oder 30 Pfenn. — Den entgegengenommen. Rlanuscripte sowie alle auf die Redaction 

Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; bezüglichen Mittheilungen bittet man an den gescbäftsführenden Re- 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bo^en honorirt. dacteur Dr. Gustav Tlling (Kirotschnaja AI 39) zu richten. 

Ns 3. St. Petersburg, 18. (30.) Januar 1886. 


Inhalts J. F. Neumann: Ueber die Anwendung der Cbromsänre und der Oalvaoocaustik in der Nase und dem Rachen.— 
Referate . S. Wassilewski: Die Lage und Grenzen des Herzens bei Kiudern. — JacobS ia gern: Ueber die Folgen der theil- 
weisen und vollständiger Verschliessuog der Nierenvene. Ein Beitrag za dar Lehre von der Bildung der Harncylinder. — Alexander 
Fr&nke 1: Zar Histologie, Aetiologie und Therapie der Lymphomata colli. — Eugen Lauer: Ein Fall von primärem Nierensarcom 
bei einem 64 Jahre alten Manne nebst einigen Bemerkungen zur Differentialdiagnose zwischen Carcinoma und Sarcoma'senale. — Bücher - 
Anzeigen und Besprechungen . J. von Meriug: Das chlorsaure Kali, seine physiologischen toxischen und therapeutischen Wir¬ 
kungen. — 1. Session der Moskau-St. Petersburger Gesellschaft. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs . — 
Anzeigen . 


Ueber die Anwendung der Chromsfture und der Gaiva- 
nocaustik in der Nase und dem Rachen. 

Von 

Dr. J. F. N e u m a n d. 

Wir haben besonders in der letzten Zeit recht häufig die 
Erfahrung machen müssen, dass nenn ein neues Mittel, eine 
neue Anwendungsweise eines solchen oder irgend ein neues 
Verfahren beschrieben wird, sofort ein Theil der Gelehrten 
zu schwärmerischen Anhängern derselben wird, bald darauf 
sich aber ebenso heftige Gegner finden, die einen verzwei¬ 
felten Kampf dagegen führen, und nicht selten die ganze 
Angelegenheit zum grossen Theile in Vergessenheit geräth. 
Aehnlich, wenn auch bezüglich des letzten Punctes lange 
nicht so, steht es mit der Chromsäure. Sie fand einen 
glänzenden Vertreter und gleichsam ihren Vater in He¬ 
rin g, zugleich einen heftigen Widersacher in Fraenkel. 
Jetzt spitzt sich der Kampf ebenfalls noch zu im Losungswort 
— hie Cbromsäure, hie Galvanocaustik. Eine Meinungs¬ 
äusserung der Art iu Bresgen’s jüngstem Artikel') giebt 
mir Veranlassung, dieser Frage gegenüber Stellung zu neh¬ 
men. Ich will es versuchen, ohne in eins der Extreme zu 
verfallen, objectiv und auf Grundlage meiner Erfahrungen 
die Vortheile und Nachtheile der Chromsäure als Aetzmittel 
der Schleimhaut des Hachens und der Nase zu betrachten, 
üeber die Anwendungsweise derselben im Larynx und im 
Nasenrachenraume kann ich für’s Erste noch nicht mit¬ 
sprechen. Für die letzte sprechen wohl Schwane¬ 
bach 's Erfahrungen *), doch muss ich bis jetzt mich in 
diesen Fällen mehr für die Galvanocaustik aussprechen, da 
man bei dieser mehr die Möglichkeit hat, zu localisiren und 
andererseits beim Entfernen des Cauteriums weniger leicht 
Theile verletzt werden, die doch nicht so ganz anstandslos 
verletzt werden dürfen. Doch ich muss nochmals betonen, 
dass ich dieses nur bedingungsweise ausspreche, da ich bis 

*) M. Bresgen: Descantärisations &l’acide chromique dana leg 
fosses nasales. Revue mensaeile de laryngologie, d’btologie et de 
rliinologie 1885, J6 10, pag. 533—537. 

') St. Petersburger med. Wochenschrift 1885, & 49, pag. 410. 


jetzt nicht über persönliche Erfahrungen verfüge, und ich 
vielleicht späterhin doch noch anderer Meinung werde. 

Hören wir nun, was Bresgen sagt. In Fällen von bedeu¬ 
tender Hypertrophie der Nasenschleimhaut stehe die Cau- 
terisation mittelst Chromsäure der Galvanocaustik nach, 
sowohl was Schnelligkeit, als auch Dauer des Erfolges be¬ 
träfet Und weiter meint er, sogar in den Fällen von leich¬ 
ter Hypertrophie, wenn die Stelle nur leicht zu erreichen 
sei, seien die Resultate mit der Galvanocaustik leichter und 
sicherer zu erlangen. Er wendet die Chromsäure nur in 
sehr modificirter Weise und zwar dort an, wo leichte Hy¬ 
pertrophien sich hoch oben in der Nase befinden, weiterhin 
bei an und für sich sehr engen Nasengängen oder wo der 
Raum zwischen Septum und den Muscheln durch Vor- 
Bprünge und Exostosen verengert sei, so dass «die feinste 
Sonde nicht durchdringen kann. » Für diese Fälle schlägt 
er, da hier die Galvanocaustik wegen der leicht auftreten¬ 
den Verwachsungen unbequem sei, sein Verfahren vor. Er 
benutzt dazu eine myrthenblattförmige Sonde aus Silber, 
von länglicher Gestalt, mit leicht verdickter Spitze und von 
Va—1 Mm..Breite. Je nach der Grösse des Nasenganges 
wird die Spitze und das Anfangsende mit Watte umwickelt, 
auf den freigebliebeneü Theil werden 1—2—3, auch mehr 
Krystalle gelegt und dann die Sonde mit Watte wieder um¬ 
wickelt. So führt er sie ein, der Schleim der Nase durch¬ 
feuchte die Watte «und die Wirkung der Cbromsäure macht 
sich sofort bemerkbar. > Man dringe sehr leicht, wenn¬ 
gleich langsam, mit der armirten Sonde in den Hintergrund 
des Ganges oder der engen Spalte eiD, in dem Maasse, als sich 
die destructive Wirkung der Chroms&ure vollziehe. Damit 
habe er in den obengenannten Fällen die besten Resultate 
gehabt und räth sie dringend an. Zugleich empfiehlt er 
Vorsicht bei Anwendung der Cbromsäure, um Vergiftungen 
zu vermeiden. 

Dass solche bei diesem Verfahren leicht autoeten können, 
ist verständlich, da die Chromsäure in diesem Falle mit dem 
reichlichen, flüssigen Nasensecrete beim Andrücken aus 
dem Wattebausche in den Nasenrachenraum leicht hinab- 
fliessen und verschluckt im Mageu recht starkes Erbrechen 
veranlassen kann. In dem H e r i n g'sehen und dem von 
uns, Schw&nebach und mir, modificirten Verfahren, 


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kommt derartiges fast nie vor, da die Chromsäure direct 
an die kranken Partien gebracht .wird, einen festen Schorf 
bildet und nur ein Minimum in den Nasenrachenraum ab* 
fliessen kann, doch ist die Prophylaxe dagegen, wie ich spä¬ 
ter zeigen werde und schon von Hering angegeben ist, eine 
überaus einfache und sichere. 

Aus diesen Gründen, dem nicht genauen Localisiren und 
der Arbeit im Dunkeln nach Gefühl, erhellt deutlich die 
Unsicherheit des Verfahrens, die B r. selbst zugiebt, indem 
er es eigentlich nur als Lückenbüsscr verwendet. Doch 
daran ist die Chromsäure nicht schuld, sondern nur, dass 
sie nicht in der rechten Weise angewandt wird. Bresgen 
selbst giebt es zu, wenn er sagt, wenn man mit der H e- 
r i n g ’schen Chromsäurepaste den Punct direct treffe, den 
man cauterisiren wolle, dass dann die Operation gelungen 
sei, aber beim Versuche, dieses zu erreichen, sei die Chrom- 
säure überall unterwegs hängen geblieben, und zuletzt habe 
man gar nichts mehr zur Cauterisation auf der Sonde übrig. 
Dieses ist ganz richtig beobachtet. Zudem ist es weiterhin 
in den meisten Fällen nöthig, eine grössere Fläche zu cau¬ 
terisiren. Und drittens ist es nothwendig, dass man im 
Momente des Cauterisirens die benachbarten und gegen¬ 
überliegenden Theile schütze. Um diese Zwecke zu er¬ 
reichen, dazu genügt die einfache Chromsäurepaste He- 
ring’s, an eine gerade Sonde angeschmolzen, natürlich 
nicht überall, wie sich das beim Operiren mit ihr sofort 
kund gab. Diesem Umstand halfen wir alsbald ab, Schwa¬ 
nebach (1. c.) mit seinem Plattenbrenner, ich mit dem 
Löffel. Anfangs benutzte ich den einfachen Daviell- 
sehen Löffel, doch war die gerade Richtung desselben sehr 
störend. Ich liess mir einen Löffel an einer Kniesonde an¬ 
bringen, die ich an dem Griffe für die laryngoskopischen 
Spiegel anbrachte. Endlich habe ich jetzt den Löffel mit 
dem Po 1 i tze r’schen Griffe für Ohreninstrumente ver¬ 
bunden, welchen Rath ich dem Collegen Dr. Weise, dem 
ich die Löffel zeigte, verdanke. Mit diesen Löffeln von 3 
verschiedenen Grössen (von l 1 /* Mm. Breite und 5 jjfm. 
Länge bis 3 Mm. Breite und lö Mm. Länge), die amoe- 
kannten Pölitz e r’schen Griffe *) angebracht sind, kann 
man in der Nase in jeder beliebigen Tiefe und in jeder’ be¬ 
liebigen Ausdehnung cauterisiren. Zugleich schützen sie, 
da ihre nntere, convexe Fläche leicht von der anhaftenden 
Chromsäure zu befreien ist-feinfaches Abkratzen mit einem 
Federmesser), vor Verletzung der gegenüberliegenden Theile. 
Und endlich ist die Armirung derselben mit der Chrom¬ 
säure, das Einschmelzen derselben, eine überaus leichte. 
Für den Rachen genügt die ursprüngliche Hering’sche 
Knopfsonde oder lieber noch eine an der Spitze abgeplattete 
und mit leichten Riffen versehene, auf der recht bequem die 
Chromsäure angeschmolzen wird. 

Ehe ich zur Beschreibung des Verfahrens der Chrom¬ 
säureätzung übergebe, will ich in kurzen Worten die Indi- 
cationen für dieselbe erwähnen. Eigentlich sind diese 
gleich denen für die Galvanocaustik. Ich selbst habe sie 
vorherrschend bei hypertrophischen Schwellungen der un¬ 
teren Musehein, für die von H a c k die Furchung mit dem 
Brenner vorgeschlagen worden war, mit vollständigem Er¬ 
folg angewandt, um das cavernöse Gewebe zu destruiren. 
Weiterhin habe ich die Chromsäure als mehr oberfläch¬ 
liches Cauterium bei der mehr oder weniger submucösen 
Schwellung benutzt, die den Jodpinselungen nicht recht 
weichen wollte. Dann gebrauchte ich sie zur Cauterisa¬ 
tion von Polypenresten oder eigentlich der Gegend um den 
exstirpirten Polypen herum, um den «sogenannten» Reci- 
diven vorzubeugen. Zur Erklärung dieses <sogenannt» 
muss ich bemerken, dass nach meinen Beobachtungen, 
denen ich diejenigen meines Lehrers Dr. Rühlmann 
aazureihen befugt bin, ein Recidiv der Art, dass ein ent¬ 
fernter Schleimpolyp wieder wachse aus seinen nicht voll¬ 
ständig entfernten Resten, nicht vorkommt. Recidive von 


•) Keiner’sCatalog 1885, AS 251. 


Schleimpolypen sind nur Wucherungen eines solchen, d. h. 
der krankhaft angelegten Schleimhaut, und zwar neue 
Wucherungen aus schon vorhandenen Anfängen, die jetzt 
gleichsam Luft bekommen haben, nachdem die sie bis dahin 
im Wachsthum gehindert habenden grösseren Polypen ent¬ 
fernt sind. Endlich bei Papillomen der mittleren Muschel, 
durch welche diese zur polypösen Masse geworden war und 
die Nase fast total verlegte (s. u. Krankengeschichte). 

Im Rachen habe ich die Granula der Pharyngitis granu- 
losa, die hinter den Tonsillen verlaufenden, manchmal 
äusserst breiten Flächen der sog. Pharyngitis lateralis weg¬ 
geätzt. Hierbei muss. ich die Bemerkung machen, dass 
nicht von vornherein, so wie die Diagnose gemacht war, 
zum Operationsverfahren gegriffen wurde, sondern erst 
nachdem der Boden dazu gleichsam urbar gemacht war. 
Es wurden die Rhinitis und Pharyngitis, ebenso der immer 
dabei bestehende Catarrh des Nasenrachenraums mit Jod¬ 
glycerinpinselungen behandelt. Erst wenn die Schwel¬ 
lungen der Schleimhaut durch diese geringer geworden, 
wodurch die mehr kranken Partien recht deutlich hervor¬ 
traten, wenn die Passage der Luft durch den Nasenrachen¬ 
raum freier war, schritt ich zur Cauterisation. In den 
obenerwähnten Fällen von allgemeiner Schwellung, die auf 
Jodglycerinbehandlung nicht recht reagirten, wandte ich 
die Cbromsäure in anderer Absicht, nämlich der an, um 
die Schleimhaut umzustimmen. Kam Pat. dann zur Opera¬ 
tion, so wurde vorher das Operationsgebiet mit einer 5 %igen 
Cocainlösung vollständig anästhesirt, was mir bei einiger M usse 
und Ausdauer fast immer gelungen ist. Zu gleicher Zeit 
wurde die Chromsäure auf dem Löffel eingeschmolzen. 
Jetzt konnte diese in das durch das Anästheticum zugleich 
recht offen gewordene Operationsgebiet eingeführt und dort 
mit derselben die nöthigen Stellen berührt werden. Ich 
drücke den Löffel an die zu cauterisirenden Theile an (Mu¬ 
scheln), oder führe im weichen Gewebe (Papillome) den 
Löffel hin und her und auch in die Tiefe, so weit es geht, 
bis Pat. Schmerzen äussert oder ich genug habe am Effecte. 
Sofort wurde bei Operationen in der Nase diese mit einer 
warmen Sodalösung aasgespritzt, bis das Wasser nicht mehr 
gelblich gefärbt abfloss. Hinterdrein liess ich zuweilen 
noch einige Schluck Selters oder Sodawasser, oder eine 
Sodalösung nachtrinken, was Pat. übrigens schon vor der 
Operation batte thun müssen. Unter diesen Cautelen habe 
ich nie Erbrechen nach Chromsäureätzungen gesehen. In 
dem einzigen Fall, als nach recht ausgedehnter Chromsäure¬ 
anwendung sehr heftiges Erbrechen auftrat, war das Trin¬ 
ken unterlassen worden. Die Pat., eine- 50jährige Dame, 
der ich mehrere Polypenreste und kleine Polypen hoch oben 
in der Nase weggeätzt hatte, wollte auf keinen Fall Soda¬ 
oder Selterswasser trinken und wollte das Risico des ihr 
vorhergesagten Erbrechens auf sich nehmen. Trotz der 
nachträglichen, sorgfältigen Ausspritzung mit SodalösuBg, 
trat nach ca. einer Stunde sehr heftiges Erbrechen ein. 
Pat. war aber von ihrer Sodawasserscheu geheilt, denn ein 
späteres Mal cauterisirte ich wieder, nun mit den prophy¬ 
laktischen Vorsichtsmaassregeln, und das Erbrechen blieb 
aus. Dieses Trinkenlassen von einer Sodalösung vor der 
Operation unterlasse ich nie, viel eher das Ausspritzen der 
Nase, besonders wenn nicht zu grosse Partien geätzt werden, 
die man leicht Ubersiebt und mit einem in Sodalösung ge¬ 
tauchten Wattebausche leicht reinigen kann. — Im Rachen 
treten natürlich statt der Ausspritzungen die Gurgelungen 
in ihr Recht. 

Nachdem die Nase ausgespritzt und getrocknet ist, con- 
trolire ich den Erfolg. Unter Bedingungen kann jetzt die 
Cauterisation wiederholt werden. Wenn nicht, wird in die 
Nase feinstgepulverte Borsäure eingeblasen und das resp. 
Nasenloch mit einem Wattebausche verstopft. Zu Hause 
soll Pat. diesen durch einen anderen, in eine borsäurehaltige 
Salbe (der ich in letzter Zeit etwas Cocain zufüge) getauch¬ 
ten ersetzen und je nach'Maassgabe der Secretion wechseln. 
Denselben Tag soll Pat. sich zur Ruhe begeben, sich nicht 


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beschäftigen, daher operire ich mit Vorliebe am Nachmit¬ 
tage und Abende, da der zuweilen nicht unbedeutende, spä¬ 
ter auftretende Kopf- und Gesichtsschmerz am besten im 
Bette weggebracht wird. Folgen ernsterer Natur habe ich 
nie beobachtet. 

Nach ein paar Tagen stellt sich Pat. wieder vor. In¬ 
zwischen hat sich die nach der Aetzung eintretende, nie 
starke Schwellung der Theile gelegt und haben sich Theile 
vom Aetzschorfe schon abgestossen. Dieser Process dauert 
je nach der Stärke der Cauterisation und je nach der Indi¬ 
vidualität verschieden lange, gewöhnlich 5—8 Tage, auch 
mehr, in einem Falle Monate lang (cf. Krankengeschichte). 
Ausser der desinficirenden Salbe thue ich nichts weiter zur 
Beförderung der Abstossung des Schorfes, reisse ihn nie ah f 
da ich davon mir nicht den geringsten Nutzen versprechen 
konnte. Furcht vor einer sog. Organisation des Schorfes, 
wie S c h ä f f e r 4 ) meint, habe ich nie gehabt, verstehe 
es auch nicht recht. Blutungen habe ich nie gesehen, 
glaube auch, dass sie eher beim Abreissen des Schorfes 
Vorkommen werden, als wenn man den Schorf in Ruhe lasst. 

Hierauf erlaube ich mir aus der ganzen Reihe von Beob¬ 
achtungen zwei interessante und, wie ich glaube, illustri- 
rende Krankengeschichten herauszugreifen und mitzu- 
theilen. 

Herr 8cb.- P. t ein sonst vollständig gesunder Herr im Anfänge 
der Fünfziger hat sich im April 1884 in Italien eine starke Erkäl¬ 
tung zugezogen, wobei der Schnupfen äusserst heftig gewesen sein 
soll. Dieser hat ihn seitdem nicht mehr verlassen. Sehr reichli¬ 
cher, dünnflüssiger Ausfluss aus der Nase, der zuweilen einen sehr 
üblen Geruch angenommen habe, auch Borkenbildung quälen ihn 
fortwährend trotz localer und interner (Jodkalium) Behandlung bei 
Autoritäten des Aus- und Inlandes. Mitte Januar 1885 stellte 
er sich in der Ambulanz meines hochverehrten Lehrers Dr. R ü h 1- 
m a n n vor. Wir constatirten eine chronische, granulöse, hyper¬ 
trophische Pharyngitis und hypertrophische Rhinitis. Rechterseits 
geringen Grades.. Linkerseits starke Schwellung und Röthung der 
gesam roten Schleimhaut, mit eitrigem Schleime und Borkenbelage. 
Die Nase fost total unwegsam. Die Rhinoskopia posterior unmög¬ 
lich. Dr. R. überlieBs Pat. mir zur Behandlung. Nach einiger 
Zeit schwinden unter Behandlung mit Cocain- und Jodglycerinpin« 
Belangen und Borsäureinsufflationen die mehr deuten Erscheinungen, 
und wir constatiren nach 4 Wochen leichte Pharyngitis hypertro¬ 
phe». granulosa, unbedeutende Rhinitis dextra, unbedeutenden 
chronischen, hypertrophischen Catarrb des Nasenrachenraums, links 
• «Urke Schwellung und papillöse Wucherung der mittleren Muschel, 
die als polypöses Gewächs derselben Farbe und Gestalt durch die 
Rhinoskopia posterior zu sehen war, bei sonst mässiger allgemeiner 
Rhinitis. Da die Behandlung his dahin so gute Dienste geleistet 
sollte für's Erste noch eben so fortgefahren werden, doch jetzt 
bleibt der Zustand in stato quo. Da entschlossen wir uns, die eben 
von Hering empfohlene Chromsäure anzuwenden. AHmälig 
machte ich zuerst die vordere, dann die vordere untere Fläche der 
Muschel frei, vertauschte hier die Sonde mit dem D a vi eUmsehen 
Löffel und cauterisirte die Muschel unten, sehr allmälig und vor¬ 
sichtig, von Mal zu Mal mehr Courage bekommend. Die Escbara 
haftete immer sehr lange. Vor seiner Fahrt auf sein Gut am 5. 
Juni machte ich beim Pat. eine sehr gründliche Cauterisation, weit 
nach hinten und in die Tiefe der Geschwulst mit Löffel und Sonde 
eingehend, mehrere Mal in einer Sitzung, ihn weiter der Obhut 
eines mitreisenden Collegen überlassend, welchem empfohlen wurde, 
nach Abstossen dqr Eschara, wenn nötbig, weiter zu cauterisiren. 
Wie ich dann später erfahren, löste sich der Schorf nicht, wie er¬ 
wartet wurde nach 8—10 Tagen. Die Nase wurde fast absolut un¬ 
durchgängig. Der College machte erst einige Versuche mit dem 
Cauter in der Meinung, Verwachsungen zu zerstören oder sonst 
leichtere Abstossung der Eschara zu bewirken. Die Nase wurde 
immer unwegsamer, so dass ein dünner N 61 a t o n ’scher Catbeter 
emgeführt werden musste zum Ansspritzen derselben, ausserdem 
wurden Versuche mit der Sonde gemacht, um den Schorf zu entfer¬ 
nen. Doch Alles vergebens, so dass Pat. auf weitere Behandlung 
bis zu seiner Ankunft in Petersburg renonciite. Acht Tage vor 
Miner Abreise, etwa Mitte September, nimmt er ein orientalisches 
Bad und transspirirt sehr reichlich danach. Am Morgen bei der 
Toilette der Nase, fühlt er plötzlich beim Versuche, Luft durch die 
Nase und den Bachen einzuziehen, dass sich etwas in ihr gelöst 
habe und ihn fast zum Ersticken gebracht hätte. Er spie eine 
bräunliehe, dicke Masse von der Grösse «einer en masse zerquetsch¬ 
ten grossen Wallnoss» aus. In demselben Moment war seihe Nase 
vollstänig frei. Nach 1^ Jahren konnte er nun zum ersten Male 


4 ) Chirurg. Erfahrungen in der Rhinologie und Laryngologie aus 
den Jahren 1875—1885. Wiesbaden 1885. Verlag v, J. F. Berg¬ 
mann. , 


wieder frei und voll durch dieselbe respiriren. Voll Entzücken und 
auf Chromsäure schwörend, stellte er sich mir gleich nach seiner 
Ankunft in Petersburg vor. Aussser einer unbedeutenden submu- 
cöseu Rhinitis ist jetzt nichts Abnormes zu sehen. Dasselbe habe 
ich noch am 13. December constatiren können. 

Am 31/10.1885 stellte sich mir Herr Gr.-Gr., ein 50|ähriger 
Eisenbahningenienr vor, mit der Angabe, dass er schon seit Jahren 
leide, vor ein paar Jahren seien ihm Polypen ans der rechten Nasen¬ 
hälfte entfernt worden, jetzt glaube er wieder welche zu haben, 
da das Respiriren durch die rechte Nasenhälfte fast ganz unmög¬ 
lich sei, nur hin und wieder bekomme er Luft durch das rechte 
Nasenloch. 

Ich const&tirte rechterseits hypertrophische Rhinitis, ausser¬ 
dem bedeutende Schwellung und Verdickung der mittleren Muschel 
der Art, dass sie den Nasengang nach hinten fast totalster verlegte, 
was sich auch durch die Rhinoskopia posterior nachweisen lieas. 
Links Rhinitis ehr. hypertrophica mässigern Grades. Nach einer 
Vorcnr, (Jodglycerinpinselungen and Cocain) von einigen Wodien, 
wonach die Schwellung der Schleimhaut überall abnahm, so dass 
Pat. schon etwas durch die Nase zn respiriren anfiug, begann ich 
mit Chromsäurecauterisationen. Nach der ersten starken, entlang 
dem untern Rand aer Muschel, war die Respiration frei, so dass 
Pat. eigentlich damit schon geheilt war. Durch weitere Cauteri- 
sationen ist es mir gelangen, die ganze Hypertrophie wegzubringen 
und fast den Normalzustand der Nase wieder herzustellen. 

Ich habe mir erlaubt, die erste Krr&nkengeschichtet 
von folgenden Motiven geleitet, etwas ausführlicher zu be¬ 
schreiben: Einmal ist ja das Interesse des Falles zweifel¬ 
los, andererseits ist das Haftenbleiben des Schorfes durch 
so lange Zeit hindurch bis dahin, wie ich glaube, noch nicht 
beobachtet worden, wenigstens habe ich nirgends etwas 
darüber gelesen. Und drittens zeigte sich gerade schon 
hier, in meinem ersten Falle von Chromsäureauwendung, 
dass man mit der H e r i n g ’schen Perle nicht immer ans¬ 
kommen kann, so dass ich zum Vorbilde meiner Löffel, dem 
D"a v i e 11 ’schen, greifen musste. 

Kommen wir jetzt zum Schlüsse wieder darauf znrück, 
vou wo wir ausgegangen waren, auf die Frage, über den 
Werth der Chromsänre und der Galvanocaustik bei Be¬ 
handlung der Nasen- and Rachenkrankheiten und deren 
Verhältoiss zu einander. Nach dem Vorhergehenden 
glaube ich behaupten zu können, dass beide keine Concur- 
reuten sind, d. h. dass das eine Verfahren das andere kei¬ 
neswegs ausschliessf, sondern dass sie sich vielmehr gegen¬ 
seitig ergänzen. Wie wir gesehen haben, kommen selbst 
die eifrigsten Freunde der Galvanocaustik, wie B r e 8 g e n, 
nicht vollständig mit ihr aus, und wenden daher mit Freu¬ 
den die Chromsäure au, wenn auch in modificirter Weise. 
Ich habe zu beweisen gesucht, dass die Chromsäure gerade 
hier eutschieden eiospringen könne und dass man im 
Grossen nud Ganzen mit der Chromsäure Alles das errei¬ 
chen könne, was durch die Galvanocaustik erreicht werden 
sollte. Es existiren natürlich Fälle, wo die Chromsiure 
weniger bequem als die Galvanocaustik, dabei denke ich 
an die Polypen der Nase. Unter Bedingungen wird sie 
auch hier Nutzen bringen, ja zuweilen wieder bequemer 
anzuwenden sein, doch wird in diesen Fällen die galvano- 
caustische Schlinge fast immer vorteilhafter sein. Wie 
wir also sehen, auch hierin kein feindliches Gegenüber, son¬ 
dern ein freundschaftliches Hand in Hand zweier gleich¬ 
wertiger Grössen, so dass jeder Rhinologe je nach Um¬ 
ständen bald das eine, bald das andre Verfahren einschla- 
gen wird. 

Auf einen Umstand will ich zum Schluss noch hin- 
weisen, der wenigstens lür uns Petersburger Arzte die 
Chroms&ure bequemer macht, und in Folge dessen unter 
sonst gleichen Bedingungen ich sie lieber anwandte. Es 
liegt aber weniger an der Chromsiure, als au unseren 
Patienten selbst. Ich weiss nicht, ob sonst im Inlande und 
Auslande die Patienten operationslustiger sind, als bei uns. 
Es scheint fast so. Die Rhinologeo des Auslandes operiren 
sehr viel und wie es scheint, auch zuviel, bo dass M o r e 11 
Mackenzie in seinem bekannten Lebrbuche sogar sehr 
drastisch vor zu grossem Operationseifer warnt. Wir hier 
sind lange nicht so gut daran. Unsere Patienten sind fast 
durchweg sehr messer- und instrumentenscheu. Zu einer 

3 


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24 


Cant erisation mit einem Medicamente entschliesst sich Pat. 
noch, vor dem galvanocaustischen Apparate hat er eine 
heilige Scheu. Und man muss doch Pat. praeveniren von 
dem sich einstelle öden Schmerze und von der Action des 
glühenden Cauters während und nach der Operation. Er 
muss ja recht still halten, wenn man nicht unnütze Brand¬ 
wunden mit in den Kauf nehmen will. Und das ist schwer, 
auch wenn Pat. ’praevenirt ist. Mag auch der Schmerz 
nicht sehr bedeutend sein in Folge der Localanästhesie, so 
verliert der Kranke doch zu leicht seine Fassung und seinen 
Gleicbmuth, wenn er es in einem Theile seines Leibes 
schmoren und zischen bürt. Daher ist mir die Chrom¬ 
säure viel lieber gewesen, da sie nicht so laut, sit venia 
verbo, wie die Galvanocaustik ist und ich sofort beim Ein¬ 
tritt von Scbmerzäusserungen die Operation für Augen¬ 
blicke oder für das eine Mal gänzlich unterbrechen kann, 
was bei der Galvanocaustik doch nicht so prompt und ohne 
Schädigung der Nacbbartheile geschehen kann. 


Referate. 

S. WaBsilewski: Die Lage und Grenzen des Herzens 
bei Kindern. (Wratsch 33—34). 

Bezüglich der Lage des Herzens, die bekanntlich bei Kindern 
npehr horizontal, als bei Erwachsenen, hat Yerf. an 1820 gesunden 
Kindern im Alter bis zn 12 Jahren Untersuchungen angestellt und 
gefunden, dass nur bei 0,6% der Herzstoss in der Mamillarlinie lag, 
dagegen bei ca. 98% nach aussen und bei 1,5% nach innen von der¬ 
selben. Bei 43,8% Süfalt man den Stoss in dem 4., bei 21,5% im 4. 
und 5, und bei 35% nur im 5. Zwischenrippenraum. Diese mehr 
horizontale Lage ist durch den hohen Stand des Zwerchfelles bedingt. 
Während bei Erwachsenen der Querdurchmesser (costale) grösser, 
als der gerade (tboraco-vertebrale), sind beide bei Kindern bis zu 
2 Jahren gleich und auch später ist der Unterschied nur gering. • 

Nach Besprechung der verschiedenen Untersuchungsmethoden mit 
specieller Berücksichtigung der palpatorischen Percussion giebt 
Verf. die Resultate seiner Messungen, die er an 865 lebenden und 
112 todten Kindern angestellt, welche mit dem oben Angeführten 
Übere instimmen. 

Zum Schluss macht Verf. noch auf eine Erscheinung aufmerksam, 
die jedenfalls durch's Herz bedingt ist. Man findet nämlich gewöhn¬ 
lich unterhalb des linken Schlüsselbeines, bis zur zweiten Rippe eine 
leichte Dämpfung und feuchte subcrepitirende Geräusche. Dieses 
hängt nach Verf. von der Nähe des Hertens ab, welches die linke 
Lungenspitze an voller Entfaltung hindert. P. 

Jacob Singer: Ueber die Folgen der theilweisen und 
vollständigen Verschliessung der Nierenvene. Ein Bei¬ 
trag zu der Lehre von der Bildung der Harncylinder- 
(Zeitschrift für Heilkunde Bd. VI. H. II und III). 

Nachdem durch die auch von uns (1885 27) referirten Unter¬ 

suchungen von K n o 11 eine äusserst mannigfache Entstehungsweise 
der homogenen Harncylinder wahrscheinlich gemacht war, erschien 
es wünschenswert diese Frage einer neuen experimentellen Prüfung 
zu unterziehen, wozu Verf. in systematischer Weise nach einander 
sämmtliche zur Erzeugung von Harncylindern verwendbare Ver- 
suchsmetboden anzuwenden gedenkt. Den ersten Schritt in dieser 
Richtung bildet die vorliegende Arbeit. Die derselben zn Grunde 
liegende Methode wurde zuerst von Weissgerber und Per 1 s 
angewandt, jedoch legte Verf., wie vor ihm schon V ö r h ö v e , die 
Nierenvene nicht, wie die erstgenannten Antoren von der Bauch¬ 
seite, sondern vom Rücken her blos, wodurch es ihm bei antisepti¬ 
scher Wundbehandlung gelang, seine Versuchstiere beliebig^äuge 
am Leben zu erhalten. 

Die Resultate des Verf. stimmen mit denen seiner Vorgänger inso¬ 
fern überein, als auch er in den frühesten Stadien der Phlebostenose 
reichlich Cylinder fand, deren Vorkommen bei erhaltenem Epithel 
sich nur durch Enstehung aus gerinnungsfähigem Bluttranssudat 
erklären lässt. Der schon früh zu constatirenüe Befund von fein¬ 
körnigem Zerfall des Epithels, der Nachweis ferner von gequollenen 
und zerfallenden Epithelzellen im Inneren der cylindrischen Massen 
in späteren Stadien, endlich der Befund von Lenkocyten in densel¬ 
ben, deuten auf die Abstammung des Gerinnungsfermentes von einem 
oder beiden dieser Elemente hin. Auch in der Weise erfolgt Cylin- 
derbildung, dass zwischen Tunica propria und Epithel Transsudat 
ergossen wird, das Epithel körnig zerfällt und so einen von der äus¬ 
seren Cylinderschicht verschiedenen Cylinderkero bildet. Eine voll¬ 
ständige Homogenisirnng solcher Cylinder wurde nicht beobachtet; 
die Möglichkeit eines solchen Vorganges wird indessen durch Be¬ 
funde im menschlichen Harn (Cholera nostras) wahrscheinlich ge¬ 
macht. Endlich findet durch Zerfall und Verschmelzung rot her 
Blutkörperchen Cylinderbildung statt, hingegen konnte dieselbe 
durch Verschmelzung von sogenannten Plasmakngeln nicht consta- 
tirt werden. 

Die durch die Veneneiuengung gesetzten Ciroulationsstörungen 


verursachen auch in den erhaltenen Epithelzellen gewisse morpholo¬ 
gische und, wie es scheint, auch functionelle Veränderungen, da sie 
sich an der Absonderung von indigschwefelsaurem Natron zumeist 
nicht betheiligen. In dem Maasse, wie die Circulationsstörung sich 
durch Entwickelung eines Collateralkreislaufescompensirt, erhalten 
zunächst die Epithelien wieder ihr normales Aussehen, später auch 
ihre functionelle Integrität, und sehliesslish verschwinden die Cy- 
linder, wenn sie nicht ausnahmsweise liegen bleiben und verkalken. 
Der Grad der Störungen, welche sich nach Phlebostenose entwickeln, 
sehe int von der grösseren oder geringeren Leichtigkeit abzuhängen, 
mit welcher sich der Collateralkreislauf entwickelt. Dass dies in 
der sogenannten Grenzschicht, sowie in der äussersten Rindenschicht 
am schwersten geschieht, scheint sich aus den Erfahrungen zu erge¬ 
ben, die an späteren Stadien der phlebostenotischeu Niere, sowie der 
Nieren mit Totalligatur der Nierenvene gemacht worden sind. 

S. 

Alexander Fränkel: Zur Histologie, Aetiologie und 
Therapie der Lymphomata colli. (Zeitschrift für Heil¬ 
kunde Bd. VI. H. II und III). 

Verf. hatte es sich seit mehr als 3 Jahren zur Aufgabe gemacht, 
alle auf der Billroth’sehen Klinik exstirpirten Drftsentumoren 
histologisch zu untersuchen, und kommt zu Anschauungen, welche 
mit den älteren Untersuchungsergebnissen von S c h ü p p e 1 ziemlich 
genau ttbereinstimmen. Schon Letzterer erklärte das körnige Lym¬ 
phom und die Drüsenscropheln Virchows auf Grund des coustan- 
ten Vorkommens von Miliärtuberkeln für mit der sog. eigentlichen 
Drüsentuberculose identisch, nnd Verf. kann hierfür noch den regel¬ 
mässigen Befund des Tuberkelbacillus ins Feld führen. Es gebe 
wesentlich überhaupt nur 2 Arten von primären Drüsenschwellungen: 
die Drüsentuberculose nnd das Drüseusarcom. Eine reine primäre 
Lymphdrüsenbyperp)a8ie komme ganz entschieden nicht vor. Gleich 
S c h ü p p e 1 fasst Verf. ferner die «Riesenzelle» auf als Querschnitts- 
bild einer durch den Reiz des bacillenhaltigen Blutes verursachten 
Endocapiliaritis obliterans. Von dem Grade der Obliteration, welche 
keineswegs vollständig zn sein braucht, hänge es ab, welchen Ver¬ 
änderungen die durch Diapedese massenhaft in der Umgebung der 
erkrankten Capillaren angehänften weissen Blutkörperchen weiter 
unterliegen. Als Einfallspforte des Bacillus in diesen Fällen, möchte 
Verf. mitBi llrotb, besonders häufigcariöseZähne angesehen wissen. 
Angesichts des auffallend oft sehr befriedigenden Allgemeinzustandes 
der betreffenden Patienten, hat es fast den Anschein, als ob in diesen 
Fällen die Erkrankung der Lymphdrüsen geradezu ein Bollwerk gegen 
die Allgemeininfectioo biete, und lässt daher Verf. für event. Ein¬ 
griffe nur locale Indicationen zu. Für die Allgemeinbehandlung 
empfiehlt er, ausser diätetischen M&assuahmen, den Versuch einer 
Arsencur, am besten mit dem zugleich eisenhaltigen Roncegnowaaser. 

G. 

Eugen Lauer: Ein Fall von primärem Nierensarcom 
bei einem 64 Jahre alten Manne nebst einigen Be¬ 
merkungen zur DifTerentialdiagnose zwischen Carci¬ 
noma nnd Sarcoma senale. (Berl. klm. Woch. J£ 41). 

Verf. beschreibt einen Fall von intra vitam nicht diagnostioirtem 
Nierensarcom und sucht auf Grund dieses und 10 anderer seit 1875 
publicirten Fälle eine Differentialdiagnose zwischen diesem Leiden 
und dem Nierencarcinom aufzustellen. Hierbei hebt er folgende 
Umstände hervor: 1) das häufigere Vorkommen der Nierensarcome 
beim weiblicheu Geschlecht, 2) die Ergebnisse der Probepunction, 
3) das Auffinden kleiner Gescbwulststttcke im Harne; dagegen kann 
er weder der Localisation der Geschwulst auf der eineu oder der an¬ 
deren Seite, noch der Anschwellung der Lymphdrüsen, noch der 
Haematurie, noch den «hefepilzarti^en Zellen» im Urin viel Bedeu¬ 
tung für die Differentialdiagnose beilegqn. Kn. 


Bacher-Anzeigen und Besprechungen. 

J. von Mering (Docent in Strassbarg): Das chlorsaure 
Kali, seine physiologischen, toxischen und therapeuti¬ 
schen Wirkungen. Berlin 1885, Verlag von Hirechwald. 
134 S. 

Die Arbeit zerfällt in folgende Abschnitte: A) historische Ueber 
sicht, B) eigene Untersuchungen und C) Schlussfolgerungen. Aus 
der historischen Uebersicht erfahren wir viele interessante Data Über 
die Anwendung des KClOs, welches Mittel früher viel häufiger ange¬ 
wandt wurde, als heutzutage. 

Eigene Untersuchungen des Verfassers . Verf. machte 
quantitative Bestimmungen der Chlorate — Blut und eiweisshaltiger 
Urin müssen vorher von den Albuminaten befreit werden — mittelst 
chlorfreien Zinkstaubs und schwefliger Säure. Die Beschreibung 
der Technik und die näheren Details findet man im Original. Diese 
Bestimmungen an gesunden und kranken Menschen ergaben, dass 
der grösste Theil des Salzes unzersetzt durch die Nieren ausgeschie¬ 
den wird, wobei man in den ersten Tagen eine Vermehrung der 
Chloride fand; letztere rührten von einer Clentziehung fdem Organis¬ 
mus durch die Zufuhr des Kalisalzes her. Ein Theil des eingefUhr- 
ten Salzes wird aber im Blute reducirt. Ferner wurde constatirt, 
dass die Zufuhr von KClOs vermehrte Wasserausscheidung und ver- 


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mehrten Eiweisszerfall hervorruft. Die durch KClOs hervorgerufene 
Blutveränderung hängt ab von der Höhe der Temperatur und der 
Menge des zugesetzten Salzes und zwar steht sie mit beiden Facto* 
ren un geraden Verhältniss. Eine KClOs ähnliche Wirkung auf 
das Blut haben auch die übrigen ClOa -salze (Natrium, Baryum, 
Strontium, Calcium und Ammonium chloricum, von denen ersteres 
am schwächsten und letzteres am stärksten wirkt). KClOs wirkt 
in neutraler oder schwach alkalischer Lösung auf Blut oxydirend 
unter Freiwerden von Chlorsäure, welche dann weiter zersetzt wird. 
COs und saure phospborsaure Salze beschleunigen die Zersetzung des 
Blutes. Bedeutende Mengen von kohlensauren Natron resp. Aetz- 
natron (schon in geringen Mengen) verlangsamen dieselbe. Nach 
v. M’s Untersuchungen wird KClOs im Blute durch Oxyhämoglobin 
zu KCl reducirt, wobei ersteres in Methämoglobin verwandelt wird. 
Eine dem Oxyhämoglobin ähnliche Wirkung hat nur das faulende 
Fibrin. Auch bromsaure Salze vermögen Oxyhämoglobin in Methä¬ 
moglobin zu verwandeln, wirken aber schwächer. 

Schlussfolgerungen . Nach v. M. unterscheidet man 2 For¬ 
men von KClOs. Vergiftungen und zwar eine peracute und eine min¬ 
der rasch verlaufende Form. Symptome der ersten Form sind: 
Dyspnoe, Cyanose, hartnäckiges Erbrechen, profuse Diarrhoe und 
Herzschwäche. Pathologisch - anatomischer Befund: Chocolade- 
braune Färbung des Blutes und sonst in den Nieren nur unbedeutende 
Veränderungen. Symptome, der zweiten Form: Icterus (zuweilen 
nebst violetten Hautflecken), hartnäckiges Erbrechen von schwach¬ 
grünlichem Mageninhalt nebst Drnckempfindlichkeit des Magens, 
Diarrhoe, Leber- und Milzschwellung, Albuminurie *) (trüber, 
rothbrauner bis schwarzer Urin), Oligurie, Anurie und Herzschwäche. 
Exitus letalis: in Folge der Urämie. Pathologisch-anatomischer Be¬ 
fand : Blutveränderungen wie bei der ersten Form, Leber- und Milz¬ 
schwellung nebst Anfüllung derselben mit zerfallenen rothen Blut¬ 
körpereben. Der Hauptbefund besteht aber in den bekannten makro- 
und mikroskopischen Veränderungen der Nieren, ferner in brauner 
Färbung des Knochenmarks und in Schwellung und Ecchymosirung 
der Magenschleimhaut. 

Bei der Verordnung des Mittels sollen nach Verf. folgende Krite¬ 
rien beobachtet werden : 1) dasselbe darf nur nach Mahlzeiten gege¬ 
ben werden, 2) zwischen den einzelnen Gaben sollen grössere Zeit¬ 
räume vergehen und 3) bei fieberhaften Krankheiten (wegen vermin¬ 
derter Alkalescenz des Blutes) und bei den Krankheiten mit Respi- 
rationsstörungen (Lungenemphysem, Pneumonie, Diphtherie, Croup, 
nicht compensirte Herzfehler und zwar wegen Kohlensäure Anhäu¬ 
fung im Blute) darf das Mittel nicht verordnet werden, desgleichen 
auch bei den Nierenkrankheiten mit verminderter Harnabsonderung. 
Bei Vergiftungen mit KClOs reicht man im Anfang ein Brechmittel 
resp. wendet die Magenpumpe an. Später giebt man grosse Dosen 
Natr. biearb. (zur Vermehrung der Alkalescenz des Blutes) nebst gros¬ 
sen Mengen von Wasser und Milch (zur Anregung der Diurese). 
Contraindicirt: alle kohlensäurehaltigen Getränke (Champagner) und 
Mineralsäuren (wegen Herabsetzung der Alkalescenz des Blutes). 
Als Indicationen zur Darreichung des Mittels führt der Verfasser 
folgende Krankheiten an : Stomatitis mercurialis (als Prophylakti- 
cum und Curativum), S. ulcerosa, Ozäna, Krebsgeschwüre, Fussge- 
schwüre und Zahnendes mit Bioslegung der Pulpa. Bei Diphtherie 
— höchstens als Gargarisma. Was . die Dosirung anbelangt, so 
giebt der Verf. folgende Maximal-Gaben an: für Erwachsene höch- 
tens 2 Grm. pro dosi oder 8 Grm. pro die, für grössere Kinder (von 
10—14 Jahr) nicht mehr als 4 Grm. pro die, für jüngere Kinder 
(von 1—10 Jahren) höchstens 2—3 Grm, und für Säuglinge höchstens 
1 Grm. pro die. Bei Mund- und Nasenkrankheiten reicht die lokale 
Anwendung einer 5% Lösung vollkommen aus Schliesslich plaidirt 
der Verf. gegen den Handverkauf des Mittels in den Apotheken und 
Droguerien. N. E. 


I. Session der Moskau-St. Petersburger medio. Gesellschaft. 

Section für Syphüidologie. 

Sitzung den 27. l)ec. Ehrenpräses: Prof. Gay — Kasan. 

1. Dr. S p e r k (Pbg.): üeber die Maassregeln zur Einschrän¬ 
kung der Prostitution. 

Ine bisherigen Maassregeln laufen alle darauf heraus die <gehei¬ 
me» Prostitution in «offene» umzuwandeln, doch haben sie bisher 
kaum den bescheidensten Ansprüchen genügen können. 1) 42% 
der Petersburger öffentlichen Frauenzimmer befinden sich in der 
condylomatösen Periode der Syphilis und werden trotzdem zu ihrem 
Gewerbe durch das Sanitätsbureau zugelassen, sobald keine äusseren 
Zeichen vorhanden sind. Dieses erklärt S. für unzulässig. 2) Fer¬ 
ner verlangt S. Maassregeln, um die Ammen, welche Säuglinge 
aus dem Fiodelhause zum Nähren nehmen, vor Infection zu schützen. 
3) Jedes Specialhospital und Sanitätsb ureau soll verpflichtet werden, 
für jede zu untersuchende Person aparte Instrumente su haben,da¬ 
mit nicht Gesunde und Krankemit denselben Instrumenten untersucht 
würden, wie das bisher geschieht. 4) In Artels und in den Dörfern 
etc., wo viele Personen gemeinsam aus einer Schüssel essen, soll 
dafür propagandirt werden, dass jede Person einen eigenen Löffel, 


*) Mikroskopisch findet man im Urin reichliche breite Cylinder 
und amorphe Schollen (Detritusmassen von rothen Blutkörperchen). 
Chemisch: Hämatin und Methämoglobin (letzteres spektroskopisch 
nachweisbar). 


womöglich aus Metall habe. 5) Alle neu zu errichtenden Special¬ 
hospitäler sollen derartig eingerichtet werden, dass für jede der 3 
venerischen Krankheiten eine aparte Abtheilung bestände und 
ausserdem eine 4. Abtheilung für nicht infeetföse Genitalerkrankun¬ 
gen und Hautleiden. 

In der nachfolgenden Discussion sprach sich Dr. B o s c h k o gegen 
jede Reglementation der Syphilitischen aus und stellt als einziges 
Mittel gegen die Verbreitung der Syphilis, die Behandlung auf. 
Dr. Diatroptow theilte mit, dass die S p e r k’schen Vorschläge 
bei Bearbeitung eines neuen Projectes zur Reorganisation der poli- 
zeiärztlichen Comitö’s in Betracht gezogen und nach Möglichkeit 
zur Ausführung gelangen sollen. Prof. Gay stimmt nicht darüber 
mit S. überein, dass der gegenwärtige Modus der Reglementirung 
zur Verbreitung den Syphilis beitrage, denn man finde letztere be| 
der geheimen Prostitution doch noch häufiger. 

2. Prof. Polotebnow: (Jeher Organisation der ärztlichen 
Hülfeleistung für Syphilitiker in grossen Städten. P. weist darauf 
hin, dass nicht nur auf dem Lande sondern auch in unseren grossen 
Städten (Petersburg, Moskau, Kasan, Kiew, Charkow) die genannte 
Hülfeleistung eine durchaus ungenügende sei, was flospitfüeinrich- 
tungen betreffe, und weist auf die Nothwendigkeit hin, in den ge¬ 
nannten Städten Specialhospitäler für Veneriker mit Abtheilungen 
für Hautkranke zu gründen. 

Dr! Peters en befürwortet den Vorschlag P.’s Und weist darauf 
hin, wie mangelhaft bei uns noch die Abtheilungen für Veneriker 
in den Hospitälern eingerichtet und käme es daher, wenn auch sel¬ 
ten, vor, dass Pat. mit Urethritis oder Hautleiden eintreten und 
sich im Hospitale mit Syphilis inficiren, da sie nicht isolirt werden 
können. 

3. D. Herzenstein: Kritische Studie Hier die Maassregeln 
gegen die Verbreitung der Syphilis in Russland. Entschieden 
spricht sich H. gegen Repressiv-Maassregeln aus, die vielfach in 
Vorschlag gebracht (auch auf Versammlungen der Landärzte) wie 
Verbot der Ehe für Syphilitiker, obligatorische Untersuchung der 
auf Arbeit Ziehenden und zwangsweise Abfertigung ins Hospital. 
H. spricht sich ferner dahin aus, dass Alles, was zur Hebung des 
Wohlstandes und der Cultur de* Landvolkes geschehe, indirect auch 
auf Verminderung der Syphilisausbreitung wirken werde. Wün¬ 
schenswert ist eine möglichst ausgedehnte ambulatorische Behand¬ 
lung und Einrichtung mobiler Hospitäler, die ebenso wie auch Sani- 
tätacolonnen dahin dirigirt werden müssten, wo die Syphilis beson¬ 
ders herrsche. Ueberhaupt müsste die ärztl. Hülfe auf dem Lande 
vermehrt werden, namentlich müssten weibl. Aerzte für die weibl. 
Bevölkerung engagirt werden. Auch sei es wünschenswert, dass 
Wohlthätigkeitsgesellschaften gegründet würden, die den Syphili¬ 
tischen Unterstützungen gewährten und die Behandlung denselben 
erleichterten. 

4. Aerztin E1 z i n. Die polizei-ärztliche Controls der Prosti¬ 
tution auf dem Jahrmarkt in Nishni-Nowgorod. E. war gemein¬ 
sam mit einem Arzte im vergangenen Sommer dahin vom Medici- 
nai-Departement abcommandirt worden und berichtet über ihre dort 
gemachten Erfahrungen. Im Ganzen wurden an 2 Besiehtigungs- 
puncten vom 16.|VI.—3.|IX. 2812 Besichtigungen an 355 Weibern 
vorgenommen, von denen 49,3% zum ersten und 21,7% zum 2. Mal 
auf dem Jahrmarkt waren. Theils waren es wirkliche Prostituirte, 
teils Dienstboten, teils Bäuerinnen, welche nur für die Jahrmarkts¬ 
zeit sich der Prostitution ergaben und sonst in ihren Dörfern leben. 
Das Schlimmste ist, dass die Weiber garnicht regelmässig zu den 
Besichtigungen kamen und auch die Einrichtung von Besichtiguogs- 
büchern mit der Photographie der Person nichts halfen. Im Ganzen 
wurden krank befunden: mit Urethritis 22 (6,2 %), Ulcera mollia 
2 (0, i %), Ulcus induratum 1 (0,2 %), condylomatöse Syphilis 5,1 %, 
gummöses Stadium (0,2 %). Im Ganzen also nnr 5 % Syphiliticae. 
E. sehliesst mit folgenden Thesen: 

1) Die Prostitution (offene, wie geheime) ist die 1. Quelle der 
Syphilis-Infection. 

2) Die Jahrmarktsprostitution trägt viel zur Ausbreitung der 
Syphilis bei. 

3) Die Beaufsichtigung der Prostitution muss verbessert werden. 

P. 

Section für pathologische Anatomie und normale und patholo¬ 
gische Physiologie . 

I. Sitzung 27. December, eröffnet durch Prof. Paschutin. 
Präsident: Prof. 0 b o 1 e n s k i (Charkow). 

1) P. K. U g r j u m o w: Ausscheidung von COs und HO bei ge¬ 
firnissten Thieren. . 

COs und HO werden bedeutend stärker ausgeschieden als bei hun¬ 
gernden Thieren, das Körpergewicht sinkt in Folge dessen sehr 
stark, die Körpertemperatur sinkt verhältnissmässig langsam (nach 
4 Tagen erst um 1° C. bei einer 18° C. nicht übersteigenden Innen¬ 
temperatur des Apparates). 

Prof. Obolenski bemerkt, dass der Tod der Kaninchen in U/s 
Versuchen durch Hunger in Folge des vermehrten Stoffwechsels und 
nicht wie früher angenommen, durch Resorption von im Blut zurück¬ 
gehaltenen Auswurfsstoffen erfolgt sein könnte. Prof. Paschutin 
weist auf den bisher nicht erklärten Widerspruch mit V a 1 e n t i n’s 
Ergebnissen (rasches Fallen der T.) hin und erinnert an die Versuche 
G e r 1 a c h ’s an Pferden, welche trotz guten Appetits rasch abma¬ 
gerten. 


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2 « 


2) Prosecfcor Wintfradow (St. P.): «Ueber Veränderungen 
der Ganglienknoten im Herzen bei infectiöser croupöser Pneumonie». 
Diese (parenchymatöse Entzündung der Nervenzellen) betrafen die 
Knoten unter dem Perieardinm an der Hinterseite des Herzens, dem 
hinteren Theile des Septnms zwischen den Vorhöfen entsprechend, 
und wart» ebenso häufig anzutreffen wie die parenchymatösen Ent¬ 
artungen im Herzmuskel, der Leber und Milz und den Nieren und 
gingen diesen parallel, zuweilen waren sie stärker und dann wurde 
intra vitam bedeutende Herzschwäche beobachtet. Die Neryen¬ 
zellen waren dabei geschwellt, trübe, körnig, selbst bis zum Ver¬ 
schwinden der Kerne, das Endothel einiger Zellenkapseln war ge¬ 
schwollen, zuweilen war Durchsetzung der Interstitialsubstanz mit 
runden Granulationszellen und lymphoiden Zellen zwischen den Gan¬ 
glienzellen zu sehen. Das Zellenprotoplasma zeigte oft feinste Fett¬ 
körnchen, in einigen Nerrenfasern war das Myelin in feine Körner 
zerfallen, ein Mal waren Hämorrhagien um die Ganglienzellen zu 
sehen. 

Prof. 0 b o 1 e n s k i betont die Wichtigkeit dieser Untersuchungen 
für die Erklärung der Todesursachen bei der infectiösen cronpösen 
Pneumonie. 

3) J. A. Eahan: «Zur Lehre von der Capacität der Gefässe 
oder vom Einflüsse der hydrämischen Plethora auf Blut und Gefässe». 
Bis jetzt sei es unbekannt, ob das Gefässsystem für das aufgenom¬ 
mene Getränk genug Raum habe, geht dieses aus dem Magendarm¬ 
canal nur durch die Gefässe in die Gewebe und von diesen wieder 
durch die.Gefässe in die Nieren oder bleibt es bis zur Ausscheidung 
in den Gefässen; mit dieser Frage hängt die Lehre von der hydrä¬ 
mischen Plethora eng zusammen, bei welcher ausser der gewöhn¬ 
lichen Blutmenge das Gefässsystem noch zurückgehaltenes Wasser 
enthält (Morbus Brightii, Nephritis). Die Untersuchungen von 
Bostock, Gavarret, Barthels und Quincke haben 
diese Ansicht festgestellt, welche durch Cohnheim und Licht¬ 
heim experimentell bestätigt wurde. Diese letzteren injicir- 
ten aber grosse Mengen 0,6% NaCllösung und untersuchten das* 
Blut nur ein Mal gleich nach der Ipjection. K. hat nur 5—200% 
der Blutmasse einer 0,7 % Kochsalzlösung injicirt und das Blut m 
verschiedenen Zeitabschnitten untersucht, wobei er fand, dass die inji- 
cirte Lösung selbst bei unterbundenen Ureteren sehr bald ans den Ge¬ 
fässen ansgeschieden wird, nach 4 Stunden hatte das Blut fast die nor¬ 
male Dichtigkeit erlangt. Ob dieses nun davon abhängt, dass die vom 
Blutplasma verschiedene Lösung leicht durch die Gefässwände tritt, 
oder dass sie die Gefässwandungen so stark ausdehnt, dass diese 
sich ihrem Inhalte nicht anpassen können, bleibt ungewiss. 

Prof. Paschutin meint, dass die künstliche hydrämische Ple¬ 
thora jedenfalls nur kurze Zeit anhält, ob die Nephritiker an einer 
Bolchen leiden, ist noch fraglich. 

II. Sitzung 28. December. Präsident: Prof. W. A. Beetz 
(Kiew). 

1) Pawlowski (Privatdocent St. P.): «Ueber Bacterien in der 
Luft». 

P. verwirft den Koch-Hesse 'sehen Apparat zur quantitativen 
Bestimmung der Bacterien in der Luft und hat sich einen eigenen 
construirt, der aus gebogenen fünf sehen keligen Röhren besteht. Die 
vortheilhafteste Geschwindigkeit der Aspiration ist ein Liter in der 
Stunde. In allen seinen Versuchen wogen Mikro- und Mesokokken 
vor, in der Luft seines Laboratoriums und des Forstcorps wurden 
Bacterium termo und Hefepilze gefunden, ausserdem in ersterem 
Safbine, im zweiten Bacillen. Im grossen anatomischen Saale des 
Prof. Grube r — eine Menge Mikro-, Meso-, Mega-und Diplo¬ 
kokken, Bacterium termo, viel Bacillen, Hefepilze und Vibrionen, im 
pathologisch - anatomischen Laboratorium ausserdem noch Strepto¬ 
kokken und viel Pilze, in den chirurgischen Abtheilungen meist 
Mikrokokken. 

Auf den Ko ch 'sehen Gelatinetafeln schwankte die Zahl der er¬ 
haltenen Colonien zwischen 9 (Park des Forstcorps), 49 (Anat. Inst, 
von Prof. Gruber), und 230 (im Sommer in den Chirurg. Sälen). 
Hesse’« Röhre gab von 300 Bacterien (Forstcorps) bis zu 17,666 
(pathol.-anatom. Inst.), Pawlowski's Apparat gab an denselben 
Orten 700 und 31,250 (bei Prof. Gruber), 9000 (in den chirurgi¬ 
schen Sälen) u. s. w. Nach Spray (welchem ?) sank die Zahl der 
Bacterien rasch, zuweilen bis zum Verschwinden, nach Desinfection 
mit Chlor war keine Mikrobe vorhanden. Von pathogenen Mikroor¬ 
ganismen wurden die croupösen Diplokokken und eine den Staphy¬ 
lokokken Rosenbach's sehr ähnliche Mikrobe gefunden. Lie Cul- 
tnrqp aus den chirurgischen Sälen erzeugten bei Thieren locale und 
metastatische Abscesse, da wurde auch eine, dem Mikr<>kokkus ci- 
treis (P a*§ s e t) sehr ähnliche Mikrobe gefunden. Durch Culturen 
in COa Atmosphäre überzeugte sich P. von der Anwesenheit anaöro- 
ber Bacillen in der Luft. P. formulirte seine Resultate iu 13 
Thesen, deren letzte den Vorschlag enthielt, der Congress möge bei 
der Regierung um Errichtung von Laboratorien, ähnlich den in 
Montsouris bei Paris und dem Reichsgesundbeitsamte in Berlin pe- 
titioniren, wozu Dr. Protopopow (Charkow) das Amendement 
stellte, beim Minister der Volksaufklärung um Gründung von myko- 
logischen Lehrstühlen *a bitten. 

2) Wjashlinski: «Ueber die Aufsaugung von Fetten im 
Dünndarm von Thieren während des Stillens». Nur eine Wieder¬ 
holung der bekannten Versuche von Prof. Sawarykin. 


3) Tschalowski: «Ueber verschiedene Formen des Beri-beri ». 
Pathologische Anatomie. Nichts Neues. 

4) Prof. Beetz: «Einige Facta ans der Morphologie der Osteo- 
•genese». 10 Perioden, welche sich durch charakteristische Zeichen 
an den Knochen unterscheiden. 


Vermischtes. 

— Dem Professor der Chirurgie an der Berliner Universität, Geh. 
Medicinalrath Dr, E. v. Bergmann, ist der preußische Rothe 
Adler-Orden III. Classe verliehen worden. 

— Von der hiesigen Academie der Wissenschaften sind die Pro¬ 
fessoren der Anatomie Dr. H i s s in Leipaig and Dr. Gegenbaur 
in Heidelberg zu correspondirenden Mitgliedern gewählt worden. 

— Wie der <Wratsch» erführt, beabsichtigen die Professoren der 
ChirurgieSkl ifossowski nndTauber ein neues russisches, 
speciell der t hirurgie gewidmetes Journal herauszugeben. 

— Die Redaction der mediciniscben Zeitschrift »IIpaBTHqecKan 
MeAHUHHa» (Praktische Medicin) hat nach dem Tode des Dr. 
Hirsch feld der Privatdocent der militäronedicinischen Acade¬ 
mie, Dr. M J. A f a n a s j e w , übernommen. 

— Wie wir hören, ist in der letzten Sitzung der Sanitäts-Com¬ 
mission über die ferneren Schicksale der weiblichen mediciniscben 
Curse beratschlagt worden und soll die Commission zu dem Vor¬ 
schläge sich geeinigt haben, dass die Stadtverwaltung die Fort¬ 
führung der weiblichen medicinischen Curse auf sich nehme, letz¬ 
teren das Alexander-Hfspital (an der Fontanka) zu weise, in diesem 
das Gebäude der jetzigen syphilitischen Abtheilung (ein einstmaliges 
Privat-Palais) zu l ehrzwecken (Auditorien etc.) berrichte und jähr¬ 
lich 15,000 Rbl. zum Unterhalt der Curse auswerfe. Dafür solle 
der Verwaltungsrath der weiblichen medicinischen Curae als Ersatz 
für die aufgehobene syphilitische Abtbeilung an einem derScadt- 
hospitäler die Baulichkeiten (Holz-Baracken) zur Unterbringung 
von 90 syphil. Kranken herstellen. 

— Die «Medical Times and Gazette *, die älteste Londoner me- 
dicinische Zeitschrift, hat mit dem Beginn dieses Jahres zu erschei¬ 
nen anfgehört. 

— Der Herausgeber der bierseibet seit 1881 erscheinenden «Mo- 
AiiniiHCK&a EHÖiioTeKa» (Medicinische Bibliothek), N. W i 1 k i n , 
hat das Recht zur Herausgabe dieser Bibliothek auf den Buch¬ 
druckereibesitzer MosesRumseh übertragen. 

— Der bekannte Docent der Erlanger Universität, Dr. F i I e h n e , 
ist als Professor der Pharmakologie nach Breslau berufen worden 
und hat den Ruf angenommen. 

— Der dirigirende Arzt der inneren Station am grossen städti¬ 
schen Krankenhanse im Friedrichshain bei Berlin, Docent Dr. R i oss, 
ist von diesem Amte znrückgetreten. Von den 24 Bewerbern um 
diesen Posten ist Prof. Dr. F ü r b r i n g e r aus Jena zum Nachfolger 
von Riese gewählt worden. 

— Pasteur hat vom Grafen L a u b e s p i n 40,000 Frcs. zur 
Erweiterung seiner Versuche mit den prophylaktischen Impfungen 
gegen die Tollwuth erhalten. 

— Verstorben: 1) In Kasan der Professor der therapeutischen 
Klinik, wirkl. Staatsratb Dr. N. W i n o g r a d o w. 2) In Grosny 
(Terek-Gebiet) der dortige Stadtarzt B. Martenson. 3) Ami. 
Januar c. der Oberarzt des Katharinen-Hospitals in Moskau Dr. A. 
Popow. 4) Der Ordinator der Klinik für Syphilis nnd Haut¬ 
krankheiten an der Warschauer Universität, Dr. T b. A n d er s , im 
28. Lebensjahre. 5) In New-York Prof. Dr. J. D r a p e r, bekannt 
als medicinischer Schriftsteller besonders anf dem Gebiete der Che¬ 
mie nnd mediciniscben Physik. 6) In Paris im 74. Lebenriahre der 
Cbefredactenr der von ihm vor mehr als 30 Jahren gegründeten me¬ 
dicinischen Zeitschrift: «Gazette bebdomadaire de mödecine et 
Chirurgie». Ihm verdankt die Wissenschaft auch das großartige, 
noch nicht vollendete encyclopädische Wörterbuch der medioiniseben 
Wissenschaften («Diotionaire encydopödiqne des Sciences mödica- 
les»), welches er unter Mitwirkung der bedeutendsten medicinischen 
Kräfte Frankreichs herausgab. 

— Dr. Wiesenthal empfiehl t zur Desodoration des Moschus 
das Chinin (Cb. snlfnr. nnd rnnriat.). Ganz geringe Mengen davon 
sollen durch Verreiben mit Moschus denselben völlig geruchlos 

machen. 

— Als Entfärbungsflüssigkeit für Tuberkelbacillen benutzt Dr. 
Peters (Bad Elster) statt der von E h r 1 i c h empfohlenen, bisher 
allgemein gebräuchlichen verdünnteu Salpetersäure eine .Losung 
von JSatriumhydrosulfid in verdünnter Essigsäure (Natrinmhy- 
drosulfid 0,5. Aq. dest., Acid. acet conc. »85,0: filtra.), welche 
man ^—t Minute einwirkeu lässt. Während bei den durch ver¬ 
dünnte Salpetersäure hergestellten Tuberkelbacillen-Präparaten dio 
Bacillen schnell bleichen, haben die Präparate, welche Verf nach 
seinem Verfahren vor 2 Jahren hergestellt hat, ihre intensive Fär¬ 
bung bis beute vollständig erhalten. 

_ Dr. William Evans (London) beobachtete einen Fall von 

Opium-Vergiftung durch Muttermilch. Eine Mehrgebärende hatte 
vom Tage der Entbindnng, den 17. November, bis in die Nacht znm 
20. Nov. starke Dosen Opium, im Ganzen 1,7 (in Form von Liquor 
opii sedativus) erhalten. Am 20. November bekam das Kind zwei¬ 
mal die Brust (nm 4 und 7 Uhr Morgens) nnd starb unter Erschei¬ 
nungen von Vergiftung durch Opium nm Mitternacht. 

(Brit. med. Journ.). 


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27 


— Die bekanntlich von der hiesigen pharmacentischen Gesell¬ 
schaft eingesetzte Commission zur Ausarbeitung eines Pharma - 
kopoe-Entuurfes , der bei der eventuellen Herausgabe einer neuen 
Anflage unserer Pharmakopoe nutzbringend sein könnte, hat den 
Beschluss gefasst, ihre bis dahin ausgeführten Arbeiten allen, die 
sich für die Sache interessiren, vorzulegen, damit dieselben ihre 
Meinungen und Vorschläge in Bezog auf etwa vorzunebmende Aen- 
derringen, wie anch über in der geltenden Pharmakopoe fehlende, 
aber doch gebräuchliche nnd daher vielleicht der Aufuahme werthe 
Mittel änssern mögen. Die Redaction der «Pharmaceutiscben Zeit¬ 
schrift für Russland», in welcher die Veröffentlichung des Pharma- 
kopoeentwnrfes mit Jä 1 dieses Jahrganges bereits begonnen hat, 
ist bereit, Ausstellungen und Vorschläge betreffs des successive zu 
veröffentlichenden Materials der * Pharmakopoe-Commission in Em¬ 
pfang zu nehmen und diese nach Wunsch der Einsender entweder 
der Commission zu übermitteln oder sie der öffentlichen Besprechung 
su unterziehen. — Bei der Bearbeitung de« Entwurfes hatte die 
Commission besonders in's Auge gefasst, die Prüfung chemischer 
Präparate auf Verunreinigungen nach von ihr durcbgearbeiteten 
Methoden anzugeben und zwar womöglich als quantitative Reac- 
tionen binzustellen. Die Maximaldosen strengwirkender Mittel sollen 
erst nach eingeholten ärztlichen Gutachten angegeben werden. 

— Im St. Lazarushospital zu Warschau demonstrirte der Ober¬ 
arzt Dr. v. Watraszewski den versammelten dortigen Spe¬ 
cialärzten eine Anzahl syphilitischer Kranker, die mittelst subeu- 
taner Injectionen von Quecksilberoxyden behandelt wurden. Bei 
allen, sowohl an recenten als an tardiven Syphilissymptomen behafte¬ 
ten Kranken, waren die Behandlungsresultate überaus günstig: Nach 
3—5 Iqjectionen von Hydrarg. oxydulat . nigrum vel Uydrarg . 
oxydat . rubrum , die in wöchentlichen Intervallen gemacht wurden, 
waren aämmtliche manifeste Erscheinungen geschwunden und es 
konnten die Kranken als geheilt entlassen werden. Dabei wirken 
die genannten Mittel recht wenig local reizend, ein Umstand der 
im Vergleiche mit anderen zu demselben Zwecke benutzten Mer-- 
curialpräparhten, besonders dem in neuerer Zeit von S m i r n o w 
wiederum empfohlenen Calomel — recht zu betonen ist. Ein gerin¬ 
ger Schmerz und eine leichte Infiltration der injicirten Gegend, die 
sich gewöhnlich 24 Stunden nach geschehener Einspritzung einzu¬ 
stellen pflegten, schwinden nach 3—4 Tagen, und nie will Dr. W. 
beim Benutzen der obenerwähnten Präparate Allgemeinreaction 
(wie es manchmal nach den Calomeieinspritzungen geschieht) oder 
Abscesse an der Injectionsstelle beobachtet haben, obwohl von ihm 
an Männern und Frauen über 200 Injectionen gemacht wurden. 

(Ueber genannten Gegenstand ist eine vorläufige Mittheilung im 
Centralblatte für medicinische Wissenschaften 1886 J4 2, soeben er¬ 
schienen). 

— Die deutsche Marine-Verwaltung stellt Versuche an mit Kar- 
toffel-Conserven zum Gebrauche auf Kriegsschiffen. Beim Trocknen 
verlieren die Kartoffeln die Hälfte ihres Gewichtes und nehmen, 
wenn sie vor dem Gebrauche angefeuchtet werden, wieder das 
Ansehen frischer Kartoffeln an. (VVojenn. Ssanit. D. 1885 ^6 48). 

— Es liegt uns der Statuten-Entwurf für den im September des 
Jahres 1887 in Washington abzubaltenden neunten internationalen 
medicinischen Congresses vor, aus welchem wir einige wichtigere 
Bestimmungen mittheilen wollen. — Amerikanische Mitglieder zah¬ 
len einen Beitrag von 10 Dollars, auswärtige sind von der Zahlung 
befreit. — Der Congress zerfällt in 17 Sectionen: allgemeine Medi- 
ein; allgemeine Chirurgie: Militair- und Marine-Chirurgie; Ge¬ 
burtshülfe ; Frauenkrankheiten ; Therapie und Arzneiknnde; Ana¬ 
tomie ; Physiologie : Pathologie; Kinderkrankheiten; Angenkrank- 
htiten; Ohren- una Kehlkopfkrankheiten; Haut- und venerische 
Krankheiten ; öffentliche und internationale Hygiene; Sammelfor- 
sehungen, Terminologie ; Statistik und Klimatologie ; Psychiatrie 
und Nervenkrankheiten; Zahn- und Mundkrankheiten. — Von den 
in den Sectionen zu haltenden Vorträgen sind kurze Inhaltsangaben 
bia zum 30. April 1887 den Sectionssecretären einzusenden. Auch 
nach dem 30. April können noch Vorträge angenommen werden, 
wenn sie mindestens 21 Tage vor Eröffnung des Congresses beim 
Generalsecretär angemeldet werdeu, wonach das Sectionsbureau 
über die Zulassung entscheidet. — Es wird keine Mittheilung ent¬ 
gegengenommen, welche schon veröffentlicht, oder vor irgend einer 
Gesellschaft gemacht worden ist. — Die officieRen Sprachen des 
Congresses sind die englische, deutsche und französische. — Jedem 
Bedner werden nicht mehr als 10 Minuten, für Vorträge und zur 
E mls itnng von Debatten aber 20 Min. Zeit zugestanden. — Jeder 
Vortrag wird in den gedruckten Verhandlungen in derjenigen 
Sprache erscheinen, in welcher er gehalten worden ist; die Discus- 
sionen werden englisch gedruckt. — Mittheilungen und Anfragen 
sind an den Generalsecretär Dr. N. S. D a v ie, 65 Randolph Street, 
Cbioago, Illinois zu richten. 

— Dr. P r e s 1 (Wien) weist auf Grund der von ihm zusammen- 
gestellten Ziffern der österreichischen Blattern Sterblichkeit, ver¬ 
glichen mit den Blattern>Sterblichkeitssiffern des preussischen Staa¬ 
tes, auf die Erfolge einer tüchtig organisirten nüfi. zielbewussten 
Durchführung der Impfung in Preussen gegenüber dem systemlosen 
Schwanken zwischen Impffreibeit und Impfzwang, wie dies in Oe¬ 
sterreich derzeit der Fall ist, hin. In dem Durchschnitt der 6 Jahre 
1875—1880 waren von je lOo eines natürlichen Todes Verstorbenen : 
in Oesterreich 1,8% und in Preussen nur 0,7% an den Pocken 


gestorben. Von je 10,000 Lebenden waren inderseiben Zeit an den 
Blattern gestorben in: Oesterreichs ,7 und im preussischen Staate 
nur 0,19. (Oesterreich. Statist. Mtsschr. — A. m. C.-Ztg.J. 

— Ein Fleischbeschauer in Vietz (Preussen) hielt sich einen 
Fuchs 1 welcher bei den vom Fleischbeschauen übrig gebliebenen 
Fleischstück eben vortrefflich gedieh. Vor einiger Zeit fand der 
Fleischbescbauer bei einem Schweine Trichinen nnd gab von dem 
trichinösen Fleische seinem Fuchs, um zu sehen, welchen Einfluss 
die Schmarotzer auf das Thier haben würden. Merkwürdiger Weise 
blieb der Fuchs munter und gesund, obwohl man in dem später ge- 
tödteten Thiere eine Unmenge Trichinen vorfand. (A. m. C.-Ztg.) 

— P u ec h bat in der Literatur über 200 Fälle von r icariiren- 
der Menstruation gesammelt nnd giebt folgende Statistik: Blu¬ 
tungen ans: Haarwurzeln 6, Gehörgang 6, Thränencanälen 10, 
Nase 18, Zahnfleisch 10, Wangen 3, Mund 4, Bronchien 24, Magen 
32, Brust 25, Achselhöhle 10, Nabel 5, Harnblase 8, Darmcanal 10, 
Händen 7, Beinen 13, verschiedenen Orten 8 mal. Bei jungen Mäd¬ 
chen combinirt sich die vioariirende Blutung häufig mit ein&m 
schleimig-blutigen Ausflüsse aus den Genitalien. 

(Cincinnati Clinic and Lancet. 1885 H 14). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom B. bis 11. Januar 4 1880. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


£ 

aft 

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330 252 582 84 


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70 66 


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52 48 


Ha 

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48 


-a 4» 

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2 


23 


p 

p 

O B 

00 Ö 
10 1 


• 2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 3, Typh. abd. 21, Febris recurrens 4, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 5, Pocken 2, Masern 8 f Scharlach 23, 
Diphtherie 15, Croup 2, Keuchhusten 5, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 38, Erysipelas 3, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 0, Ruhr 3, 
Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerpe¬ 
ralfiebers, Septicaemie 4, Tuberculose der Lungen 98, Tubercn- 
1 ose anderer Organe 9, Alcoholismns and Delirium tremens 1, Le¬ 
bensschwäche nnd Atrophia infantum 30, Marasmus senilis 26. 
Krankheiten des Verdanungscanals 71, Todtgeborene 31. 

Somit >au Krankheiten verstorben exclusive die anderen Todes¬ 
ursachen 373. 


Berichtigung. 

Jd 52, Seite 437, Zeile 15 muss es nicht Gr. 8nblimat, sondern 
i Gr. Sablimat heissen. 


_ _ Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 21. Januar 1886. 

Piscussion : 1. Welche therapeutische Behandlung ist am er¬ 

folgreichsten gewesen bebnfs Aufsaugung plenritischer Exsudate? 
2. Welche Symptome indiciren einen operativen Eingriff? 3. Welcher 
Modus der Operation ist deV sicherste nnd gefahrloseste ? 4. Sind 
Ausspülungen der Pleurahöhlenothwendig nnd nützlich? 5. Welche 
Folgen kamen zur Beobachtung nach Ablauf des Processes je nach¬ 
dem derselbe nur therapeutisch oder operativ behandelt worden ? 
6. Soll operirt werdeu bei seenndären Exsudaten, tnberculosen, 
caroinomatösen, scorbntischen ? 

Der Cassirer des Vereins ersucht die Herren Mitglieder ihre 
rückständigen Beiträge baldmöglichst einzahlen zu wollen. 

•9» Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 27. Januar J886. 



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28 


Annahme von Inseraten ausschliesslich im Central-Annoncen-Compto ir ron Friedrich Petrick 

_ WB St. Petersburg, Newsky-Prospect 8. 


Vom 1. Januar 1886 ab ist dem 

Central-Annoncen-Comptoir 


von 


FRIEDRICH PETRICK 

•V die alleinige ANNAHME von ANNONCEN 

für die 

St. Petersburger 

Medicinische Wochenschrift 

übertragen worden und werden die geehrten Inserenten ersucht, vor¬ 
kommenden falls sich ausschliesslich zu wenden an das 

C enf ral-Annoncen-Co mploir 


von 


FRIEDRICH PETRICK 

St. Petersburg, Newsky - Prospect A» 8. 

Die Redaction der St. Petersburger medicinischen Wochenschrift 

Dr. L. v. Holst 


:oooocx3Qoocooooooaoaooo oo oooct 


Verlag von Leopold Vo ss in Hamburg (und Leipzig). 

Soeben erschien : — - ——- 

Bakteriologische Diagnostik. 

Hülfstabellen beim praktischen Arbeiten. 

Von 

Dr. «James Kisenberff. 

Lex. 8, kart. Preis 3 Rbl. 9 (1) 

OSi 



Chemische Gutachten 


über die 


>o(3) 


FRANZ JOSEFBITTERQUELLE 


«sehr gehaltreich, die Einführung iu Frankreich wird be¬ 
ienthält mehr purgirende Salze, als alle andern 


Academie der Medicin , Paris: 
fürwortet.» (1878). 

Br. E. Boutmy, Paris amtl. Chem. : 
gleichart. Mineralwässer.» (1879). 

Prof . H. V. Fehling, Stuttgart: «die Menge der abführenden Salze in der F. J.-B. 
ist etwas mehr als 4 mal so gross wie im Friedrichshaller Wasser» (1882). 

Prof. John Attfield, London: «in Folge seiner kräftigen Bestandteile ist eine geringere 
Dosis erforderlich, als von Andern abführenden Wässern.» (1882). 

Pfof» Carlo Bazzoni. Mailand: «muss allen Wässern gleicher Gattung vorgezogen 
werden». (1883). * * 

Vorräthig in allen Mineralwasser-Depots. Niederlagen werden auf Wunsch 
überall durch die Versendungs-Direction in Budapest errichtet. 

Central-Depot für Verband-Waaren 

von 

ALEXANDER WENZEL 

St. Petersburg, Kasanskaja Nr. 3, Magazin Nr. 7. 

Jwdwferni. Salleyl-, Thymol-, Carboi- and Jod-Watten and -Jäten, 
Llator’o antlaeptlaehe Verband-Binden and Schienen jeder Art. 
gebrannten Oyp* und a&mmtllehee Zubehfir fAr Jeden Verband, 

Verband-Banzen, Feldflaechen, Feldecheer-Tanehen, 
ohlrurginoho Bestecke und sämmtliches Zubehör für Sanltflts- 
Abtheilnngen der Beglmenter. «(3) 

Detaillirte Engros-Preis-Courante stehen auf Verlangen jederzeit zur Verfügung. 

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ollcttndig von Band i bis auf die Gegenwart 
Band 32) wird verkauft durch die Buchhand - 
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von Europa, herausgegeben von Alfred 
Kirchhof f. 


)(obb. geHB. Cnö. 17 ^Ihb&ph 1886 r. Herausgeber Dr. L. v. Holst. Bacbdrackerei von A. Oaspary, Liteiny 52. 


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v 






Neue Folge. St. Petersburger III. Jahrgang. 

^ (ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction von 

Prof. Ed. v. WAHL, Dr. L. v. HOLST, Dr. Gust. TILING, 

Dorpat. St. Petersburg. St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medidnische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn« 
abend. «Der Abonnements - Preis ist in Rossland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl» für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; In den anderen Lin¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Inserations - Preis für 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist io Kop. oder 30 Pfeon. — Den 
Antoren werden 25 SeparatabzUge ihrer Original - Artikel zugesandt 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aoftrige bittet man an die Boobbandtang von 
Carl R icher in St. Petersburg, Newsky - Prospect M 14 zu richten. 

Inserate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
reau von Friedrich Patrick in St. Petersburg, Newsky-Prospect * 8, 
entgegengenommen. NRanuscrlpto sowie alle auf die Redaction 

bezüglichen Mittheilungen bittet man an den gescbäftsführenden Re* 
dacteur Dr. Gustav Tlllng (Kirotschnaja Ä 39) tu richten. 

1886 . 


N2 4 . St. Petersburg, 25. Januar (6. Februar) 


iBfcalt s A. J. Skrebitzky: Ueber Verbreitung und Intensität der Erblindungen in Russland und die Verthoilung der Blinden 
Aber die verschiedenen Gegenden des Reichs. — Referate. Karl Bayer: Ueber Regeneration und Neubildung der Lymphdrflsen. — 
J. Unkowsky: Resultate der Thierimpfangen mit Calturen des Mikroben der spitzen Condylome. — Bücher-Anzeigen und Bespre¬ 
chungen. E. Albert: Lehrbuch der Chirurgie und Operationslehre. — 1. Congress der russischen Aerzte. — Ferwischtes. — 
Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs . — Mortalität einiger Hauptstädte Europas. — Anzeigen . 


Ueber Verbreitung und Intensität der Erblindungen in 
Russland und die Verkeilung der Blinden Ober die 
verschiedenen Gegenden des Reichs. 

Von 

Dr. A. J. S k r e b i t z k y. 

(Vortrag gehalten am 28. Deoember 1885 auf dem I. Congress der 
rassischen Aerzte). 


Die Anwesenheit zahlreicher Collegen ans verschiedenen 
Oertlichkeiten der Reiches giebt mir die gewünschte Gele¬ 
genheit eine Frage in Anregung zu bringen, welche, schon 
längst gereift, jetzt zur Sprache gebracht werden muss. 
Meine Absicht ist, Ihnen einen Bericht über die Verbrei¬ 
tung der Blindheit in unserem Vaterlande zu erstatten, ohne 
anf die Aetiologie und die Prophylaxis der Erblindungen 
näher einzugehen und rechne dabei stark auf Ihre Unter¬ 
stützung in dieser letzten Angelegenheit, hochverehrte Col¬ 
legen, denn Sie stehen dem Volke viel näher, als wir Resi¬ 
denzärzte und können mir in dieser Frage guten Rath er- 
theilen. 

Diese einleitenden Worte sollen von vorneherein den 
Charakter meiner Mittheilung kennzeichnen, deren Zweck 
darin besteht, in knappen Zügen die ungeheure Ausdehnung 
der allgemeinen Calamität zu entwerfen, damit Sie .die 
Ihnen vorgelegten Daten unter den hier nicht anwesenden 
Collegen in Ihrer Heimath verbreiten. Von der Wichtig¬ 
keit der von mir angeregten Frage durchdrungen, trete ich 
in Ihre Mitte, um Ihre Aufmerksamkeit auf diese Ange¬ 
legenheit zu lenken und Sie aufzufordern, an der weiteren 
Ausarbeitung und Lösung derselben mitzuwirken, da eine 
solche Aufgabe die Kräfte eines Einzelnen übersteigt and 
nur durch gemeinsames Wirken erfüllt werden kann. 

Die Frage von der Verbreitung der Blindheit unter der 
Bevölkerung wurde während eines langen Zeitraums nicht 
allein von Aerzten, sondern sogar auch von Ophthalmologen 
mit einer gewissen Scheu umgangen. Die unheilbar Blinden 
verloren, nachdem sie das Hospital verlassen, das Interesse 
des sie behandelnden Arztes. In letzter Zeit haben sich 
die Ansichten in diesem Puncte wesentlich geändert, viele 
Augenärzte erweiterten den Kreis ihrer Thätigkeit und 


wiesen, nach genauer Erforschung der Aetiologie der Er¬ 
blindungen, die Regierung und die Gesellschaft anf zweck¬ 
entsprechende Maassregeln für rechtzeitige Verhütung der 
Blindheit bin, wobei sie ihre gewesenen Patienten auch 
nach vollständiger Erblindung nicht ans den Augen ver¬ 
loren. Die Statistik, Aetiologie nnd Prophylaxis der Blind¬ 
heit sind von Cohn, Magnus, Sämisch, Roth, 
Reich, Fienzal, Appia, Fuchs, Zehender, 
Schmidt-Rimpler, Steffan eingehend and in streng 
wissenschaftlicher Weise von einigen bei beeonderer Be¬ 
rücksichtigung der physiologischen und psychologischen 
Eigenthümlichkeiten der Erblindeten bearbeitet worden. 
Mich bewogen nicht nur die täglichen Erfahrungen der 
Privatpraxis, sondern mehr noch die Begegnung mit den 
massenhaften (vermeintlichen) Opfern des letzten Krieges von 
1877— 78 ’) dazu, meine Mussestunden dieser Frage zo 
widmen und sie richtig zn formuliren, um sie der Öffent¬ 
lichkeit zu übergeben. Bis jetzt hatte ich keine Gelegen¬ 
heit, meine frommen Wünsche in Bezug auf diese hülfloee 
Menschencla8se in der Heimath öffentlich zn verlaotbaren 
und habe sie desshalb im Anslande publicirt*) Meine Mit¬ 
theilungen fanden keinen Wiederball im Vaterlande, und 
gingen, weil in Fachjournalen vergraben, für die Mehrzahl 
meiner Landsleute verloren. Der gegenwärtige Congress 
bietet mir die erste günstige Gelegenheit, auf russischem 
Boden über rassische Blinde za reden. Ich benutze sie, um 
anf mein Thema überzugehen. 

Meine Verwegenheit über die Verbreitung der Blinden 
bei ans zu reden, wenn wir wissen, dass unsere officielle 
Statistik sich nie mit diesem Gegenstände beschäftigt hat, 
wird Sie wohl in Erstaunen setzen. Aus dem Nachfolgen¬ 
den werden Sie sich vielleicht überzeugen, ob ich ein 
Recht habe, ein so umfassendes, meinen Kräften scheinbar 


*) cf. Meise Mittheilung: «Unter blinden Soldaten» in den Zeit¬ 
schriften Golos 1879> 14. November * 315 nnd Nowoje Wrenya 
*1334. 

*) »Zur Blindenfrage in Russland», Frankfurt a/M. 1882» bei 
Adelmann, 348., und «In welchem Verhältnisse steht in Russland 
die Fürsorge für die Blinden zu deren Zahl?» Bonn a/R. hei Georgi 
1885t 15 8. — Die erste Mittheilung wurde anf dem Congresse sn 
Frankfurt, die letzte in Amsterdam gemacht. 


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30 


nicht adäquates Thema mit der nöthigen Gründlichkeit zu 
behandeln. Ich hege fast die Ueberzeugung, dass ein so 
kühnes Beginnen auch jetzt schon möglich sei, selbst bei 
Benutzung indirecter Quellen und nicht für 2— 3 Provinzen, 
sondern fast für das ganze europäische Russland. 

Der erste Versuch, Material für die Statistik der Blinden 
zu Sammeln, wurde in einer der Grenzprovinzen des Reiches 
angestellt und verdient trotz der fragmentarischen Daten 
für einen beschränkten Bezirk eben als erster einer Er¬ 
wähnung. 

Mein verstorbener Lehrer, der Professor der Staatsarz¬ 
neikunde in Dorpat, Samson v. Himmelst jerna, 
veranstaltete, in Anbetracht der anglücklichen Lage der 
Erblindeten und des durch dieselben dem Lande zugefügten 
ökonomischen Schaden, in den sechziger Jahren, unter Bei¬ 
hülfe medicinisch geschulter Mitarbeiter, eine Zählung der 
in den Dörfern Livlands vorhandenen Blinden mit gleichzei¬ 
tiger Angabe der Art des Augenleidens. 

Ich will heute die damals ermittelte Anzahl Augenkran¬ 
ker und die Erkrankungsformen derselben unberücksichtigt 
lassen und erwähne nur, dass schon zu jener Zeit die völlig 
und unheilbar Erblindeten die Aufmerksamkeit der Unter¬ 
sucher erregten. Die Zahl der von ihnen protokollirten 
Blinden erscheint auf den ersten Blick unbedeutend, denn 
auf die damalige Bevölkerung voa 656.054 Menschen kamen 
beiderseitig Blinde 619 (1:1076), einseitig Erblindete 1379 
(1:476). Die später erfolgte Bearbeitung des Materials 
der Universitätsklinik und besonders die sorgfältig, allein 
im Dörpt’schen Kreise ausgeführte Volkszählung bewiesen 
aber, dass die S a m s o n 'sehen Zahlen durchaus nicht der 
Wirklichkeit entsprachen. Die erwähnte Blindenzählung er¬ 
gab, dass bei der damaligen Bevölkerung des Dörpt’schen 
Kreises von 115,000 Menschen es 492 auf beiden (1: 235) 
und 504 ani einem Auge (1:193) Erblindete gab, D<e 
Untersacher übertragen das im Dörpt'schen Kreise erhal¬ 
tene Resultat auf die 7 anderen Kreise Livlands und glaub¬ 
ten, annehmea zu können, dass es in der ganzen Provinz 
2606 auf beiden Augen Blinde gäbe, eine Zahl, welche 
die S a m s o u 'sehe um das 4—öfachc übersteigt. 

Seit dieser Zeit ist bei ans im Verlaufe von 20 Jahren 
nicht ein Mal der Versuch zu einer Untersuchung in diesem 
Abschnitte der Demographie gemacht worden. Erst in den 
Jahren 1882 und 1883 fing die Kiewer Abtheilung des Con¬ 
seils der Biindenpflege in Russland, als sie eine Anstalt für 
Bünde gründen wollte, mit Hülfe der Kreischefs und der 
städtischen und ländlichen Behörden Daten über die in ih¬ 
rem Wirkungskreise befindlichen Blinden an zu sammeln. 
t» ihrem Berichte betont sie «die gründliche Sichtung und 
Bearbeitu^ des ihr zugeflossenen Materials und das die 
Arbeit ungemein fördernde sympathische Entgegenkommen 
der lDcnisBBehörden« und registrirt in der Kiew’schen Pro- 
witt*) bei einer Bevölkerungszahl von 2,144,276 4221 
Blinde, d. h. 1 auf 508 Sehende. Dieselbe Abtheilung ver¬ 
öffentlichte im folgenden Jahre eine Blindenstatistik der 
Pottawa'sehen Provinz (die Stadt Poltawa ausgenommen), in 
welcher auf 1,970,266 Einwohner 3506 Blinde, d. b. 1 auf 
562 Sehende kam, also ein etwas günstigeres Verhältnis als 
die Kiew'sche gab. In demselben Jahre veröffentlicht M. 
M. K o n i s s k i eine Blindenstatistik der Kasan’schen Pro¬ 
vinz, welche sich auf von den Polizeibehörden der Städte 
und des flachen Landes gelieferte Daten stützte. Aus ihr 
folgt, dass auf 1,992,985 Einwohner 7,666 (4154 Männer 
und 3512 Weiber) Blinde gefunden waren, d. h. 1 auf 260 
Sehende. Ich muss übrigens bemerken, dass A. P. 0 r 1 o w, 
welcher diese Daten« benutzt hat, sie durchaus nicht für 
vollständig hält, ein offenes Geständniss, welches die Ar¬ 
beit dieses Mannes um so werthvoller macht. 

Da mir die Verallgemeinerung eines auf privatem Wege 
gesammelten Materials nicht ganz zulässig erschien, suchte 

*) Die russische Bezeichnung ryÖepHiH ist mit Provinz wiederge¬ 
geben, weil jenseits der russischen Grenze die Bezeichnung «Gouver¬ 
nement« missverstanden werden konnte. 


ich lange vergebens nach einer Quelle, welche mir eine 
Orientirung in der mich beschäftigenden Frage ermöglichte. 
Ein Zufall half mir aus der Verlegenheit. Dank der Lie¬ 
benswürdigkeit des Herrn Directors des medicinischen De¬ 
partements im Ministerium des Innern Dr. N. E. M a m o - 
n o w, erhielt ich officielle statistische Daten, welche den 
Berichten der Wehrpflichtscommissionen für 5 Jahre (1879 
—1883) entnommen waren. In ihnen f&Dd ich bei der de- 
taillirten Angabe der, die Einreihung der Einberufenen in 
die Regimenter verhindernden Gebrechen auch Angaben 
über den Zustand der Augen bei Wehrpflichtigen aus 63 
Provinzen. 

Diese zu einem besonderen Zwecke an Leuten eines 
bestimmten Alters und männlichen Geschlechtes gewonne¬ 
nen Daten können keine, der Wirklichkeit vollständig ent¬ 
sprechende Blindenstatistik abgeben, sie können nicht alle 
uns interessirende Fragen beantworten, werfen ahpr doch 
ein genügendes Licht anf die Hauptfrage — die Verbrei¬ 
tung der Blindheit in Russland. 

Die detaillirte Bearbeitung des Materials* Ist in 6 Tabel¬ 
len in Folio auf dem Tische des Präsidenten niedergelegt 
und enthalten dieselben für jedes Jahr and jede Provinz 
die Zahl der aufgenommenen und die der zurückgewieienen 
Einberufenen, wobei alle Gebrechen berücksichtigt sind; 
die Summe dieser beiden Kategorien stellt die Gesammt- 
zahl der Untersuchten dar Dann folgt eine Rubrik mit der 
Zahl der auf einem und auf beiden Augen Blinden zusammen 
and eine andere für diejenigen, deren Sehschärfe wenigstens 
auf die Hälfte gesunken war. Eine weitere Rubrik zeigt an, 
wie viel Sehende auf einen Blinden in jeder Provinz kamen. 
Das Jahr 1883 ist in der Beziehung sorgfältiger bearbeitet, 
dass die Zahlen für die auf einem und die auf beidea -Augen 
Blinden getrennt angegeben sind, wodurch die Darstellung 
dieses Verhältnisses wenigstens für ein Jahr ermöglicht 
wird. Die Tabelle A enthält nur eine summarische Zu¬ 
sammenstellung der in den erwähnten 6 Tabellen enthal¬ 
teneu Daten. 

Diese Zahlenreihen reden eine alizudeutliche laute 
Sprache! 

Auf 1 388 761 *) untersuchte Jünglinge im wehrpflich¬ 
tigen Alter finden wir, auf Grundlage officieller Quellen, 
13 686 Blindei 

In dieser Endsumme sind (wegen einer eigenthümticbea 
Eintheilung der Gebrechen in den Berichten der Wehr¬ 
pflichtscommissionen) 1291 Mann mit Hornhautnarben, 300 
mit Exophthalmus, 198 mit Blepharophimose, 4498 mitSta- 
phylom, im Ganzen 6287 Mann nickt mitgesählt. 

Doch das ist lange noch nicht Alles! 

9059 Mann zeigten eine Herabsetzung der Sehschärfe 
wenigstens auf die Hälfte. Ich brauche wohl nicht daran 
zu erinnern, dass auch dieBe nicht zu den ganz normal 
Seheoden gezählt werden können. 

Diese, zum ersten Male aus dem 8tanbe der Archive 
auftauebenden Zahlen müssen Sie gewiss durch ihre er¬ 
drückende Grossartigkeit in Erstaunen versetzen! Viel¬ 
leicht können Sie Ihr beschwertes Gemüth mit dem Gedan¬ 
ken beruhigen, dass diese enorme Zahl bedeutend kleiner 
ausfallen würde, wenn man die Bedingungen berücksich¬ 
tigt, welche als Correctur auf die Zahlen im Sinne einer 
Verminderung dieser wirken konnten, wenn man sie zvr 
Berechnung der % der Blinden für die anderen ARera- 
classen und das weibliche Geschlecht benutzt. Man könnte, 
meinethalben sich mit der Hoffnung schmeicheln, dass das 
wehrpflichtige Alter sich aus verschiedenen Ursachen durch 

*) Diese von mir ans einer detailUrten Bearbeitung des Materials 
gewonnene Zahl weicht etwas von der offleiellen ab. Anf wessen 
Seite der Fehler liegt, ist gleichgültig, da er seiner Geringfügigkeit 
halber im Vergleiche mit den der Berechnung zn Grunde liegenden 
Zahlen die Schlussfolgerungen nicht beeinflusst. Die Ursache dieser 
Differenz liegt darin, dass ich hei der Bearbeitung des Materials im 
Aaslande nnr die vom mediciuiscben Departement gelieferten End¬ 
summen benutzen konnte, bei meiner Rückkehr bierner konnte ioh 
in den Original berichten Posten für Posten die Ziffern sammeln. 


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31 


eine besondere Prädisposition zu Erblindungen auszeicbDe 
und dass die Scheidung der Blinden in einseitig und beider¬ 
seitig Erblindete, velcbe in unseren Quellen zusammen auf- 
geführt sind, meine ungeheuren Zahlen, wie den Schnee im 
Frühlipg schmelzen lassen würde. 

Ich erkenne die Berechtigung dieser Einwände vollkom¬ 
men an und schlage vor, die entsprechenden Correcturen in 
meinen Zahlen für irgend eine beliebige Provinz, mit Be- 
rücksichtiüung aller drei Factoren: Geschlecht, Alter und 
das Verhältnis der einseitig Blinden zu den vollständig 
Erblindeten anzubringen. 

In Ermangelung vaterländischer Quellen müssen wir 
für die beiden ersten Factoren uns an die westeuropäische 
Statistik wenden, für den dritten sind auch unsere officiel- 
len Daten brauchbar. 

Betrachten wir nun mit Hülfe der Tabelle A jeden Fac¬ 
tor einzeln und sehen wir, welchen Einfluss diese Factoren 
bei Uebertragung auf die ganze Bevölkerung ausüben 
können. 

Beginnen wir mit dem Geschlechte. 

Die westeuropäische Statistik zeigt uns, dass in Betreff 
der Blinden das Verhältniss zwischen Männern und Weibern 
in verschiedenen Ländern bald zu Gunsten des einen, bald 
zu Gunsten des anderen Geschlechtes schwankt; für be¬ 
stimmte Gegenden sind bestimmte Bedingungen nachweis¬ 
bar 5 ). Rechnet man aber, wie ich es für 10 Staaten 
gethan, mit grossen Zahlen, so stellt es sich heraus, dass 
auf 68,521 blinde Männer 61,673 blinde Weiber kommen. 
Es verhalten sich also in West-Europa erstere zu letz¬ 
teren wie 53:47, mithin halten sich, wenn man mit grossen 
Zahlen aus verschiedener Herren Länder rechnet, die beiden 
Geschlechter so ziemlich das Gleichgewicht, mit einem nur 
geringen Uebergewicht zu Ungunsten der Männer. 

Ich meine, dass dasselbe Verhältniss auch in Russland 
sich finden wird, da dieses seiner grossen Ausdehnung hal¬ 
ber wohl dieselben Verschiedenheiten darbieten könnte, wie 
die 10 Staaten, deren Statistik ich die oben angeführten 
Zahlen entnommen habe. 

Die procentiscbe Vertheilung der Blinden nach dem Al¬ 
ter ist besonders genau in Bayern (Mayr) und Sachsen 
studirt worden. Die in beiden Staaten erhaltenen Zahlen 
sind in Tabelle B zusammengestellt; aus ihnen ergiebt sich, 


Tabelle B. 

Procentverhältniss der Blinden nach Altersclassen. 


In Bayern, nach Mayr. 

% 

In Sachsen. 

Altersclassen: 

Zahl 

der 

Blinden. 

Altersclassen. 

Zahl 

der 

Blinden. 

von 1 bis 5 

Jalir. 

64 

1,6 

von 

1 bis 5 

Jahr 

50 

n 

6— 10 

fi 

115 

2,8 

n 

5- 10 


75 

H 

11— 15 

tt 

96 

! 2,4 

tt 

10- 15 


127 

n 

16— 20 

tt 

107 

2,6 

tt 

15- 20 


104 

tt 

21— 25 

tt 

126 

3; 1 


20— 30 


180 

tt 

26- 30 

tt 

127 

3,1 





H 

31— 35 

tt 

119 

1 2,6 

m 

30— 40 


175 

tt 

36— 40 

n 

133 

3,3 





>t 

41— 45 

H 

164 

4,0 

tt 

40- 50 

tt 

270 

tt 

46- 50 

tt 

215 

5,4 





ft 

51- 55 

*t 

243 

6,0 

tt 

50- 60 

tt 

275 

tt 

56- 60 

ft 

292 

7,3 





ft 

61— 65 

»» 

360 

9,0 

>t 

60- 70 


344 

ft 

66- 70 


434 

10,9 





tt 

71— 75 

m 

549 

13,7 

tt 

70- 80 

tt i 

364 

tt 

76— 80 

tt 

444 

11,1 





tt 

81— 85 

•t 

274 

6,8 

n 

80- 90 

tt 

147 

•t 

86- 90 

tf 

100 

2,5 





tt 

91- 95 


27 

0,7 


Unbekannt 

4 

tt 

96— 100 


2 







Unbekannt | 

3 







3994 | 1 

1 

2115 


*) Nachfolgende Zusammenstellung zeigt das ^Verhältnis« der 
blinden Männer zu den blinden Weibern. Es kommen anf 10,000 


dass das Alter, welches dem unserer Wehrpflichtigen ent¬ 
spricht, sich dadurch auszeichnet und, so zu sagen, privile- 
girt erscheint, dass es ein vorhältnissmässig geringes Contin- 
gent an Blinden liefert 

Es erübrigt noch die Antwort für den letzten Factor der 
Correctur meiner Angaben: kann man das Verhältniss der 
einseitig Erblindeten zu den völlig Blinden feststellen ? Bei 
der Rekrutirung im Jahre 1883 wurde diese Frage beson¬ 
ders berücksichtigt und in Bezug auf unsere Bevölkerung 
vollkommen bestimmt beantwortet (cf. Tabelle A), Es 
kamen in diesem Jahre auf 287,622 besichtigter Wehr¬ 
pflichtiger 3195 Blinde, von welchen 2666 auf beiden, 529 
auf einem Auge blind waren, die erste Kategorie war also 
5 Mal stärker vertreten, als die letzte 4 ). 

Ich biete freilich nur die Durchschnittszahlen aus den in 
63 Provinzen gewonnenen Daten, welche, wie aus der Ta¬ 
belle A zu ersehen ist, für die einzelnen Provinzen verschie¬ 
den gross ausfallen, doch genügt ein Blick auf die Tabelle, 
um die Ueberzeugung zu gewinnen, dass es keine Provinz 
gebe, in weicher die Zahl der einseitig Blinden die der 
beiderseitig Erblindeten überwiegt. 

Diese, im Westen Europas unbekannte traurige Eigen¬ 
tümlichkeit des russischen Lebens kann wohl den feurig¬ 
sten Optimisten verwirren 1 Wenden wir das, im Jahre 
1883 gewonnene Resultat auf die übrigen 4 Jahre an, in 
welchen die Zahlen der einseitig und beiderseitig Blinden 
zusammen geworfen sind, so brauchen wir nur die Anzahl 
der einseitig Erblindeten auf Vs sämmtlicher Blinder zu 
veranschlagen und von-der Gesammtsurome abzuzieben, um 
mit dieser Correctur die entsetzliche Zahl der völlig Blinden 
in ihrer ganzen Nacktheit zu erhalten I 

Ich wäre äusaerst glücklich, wenn mir Jemand die Un¬ 
richtigkeit der von mir angeführten Thatsacheo naebweisen 
könnte, aber leb theile sie auf Grund officieller Acten mit... 

Nachdem ich das zu meiner Verfügung stehende Material 
für eine Blindenstatistik Ihnen dargestellt und auf die, eine 
Correctur desselben ermöglichenden Factoren hingewiesen, 
muss ich die Frage aufwerfen, ob wir, oder besser gesagt, 
die in dies« r Angelegenheit interessirten Personen, jede in 
ihrem Landstrich, den Versuch wagen können, die Zahl der 
Blinden, wenn auch annährend, zu bestimmen? 

Vor uns liegen die, aus drei Quellen stammenden Daten 
und die Gesammtsumme der Bevölkerung von 63 Provinzen 
— 85,382888'’). Die Dorpater Statistik (1 Blinder auf 
285 Sehende) leidet, trotzdem dass sie von ärztlichem Per¬ 
sonale gesammelt ist und beide Geschlechter und alle Alters¬ 
classen berücksichtigt, an der Geringfügigkeit des Materials, 
welches, von örtlichen Bedingungen beeinflusst, nicht auf 
das ganze Land übertragen werden kann, ausserdem weisen 
die Sammler selbst auf die Unvoilständigkeit desselben hin. 
Die Statistiker der Kiew’schen, Poltawa’schen und Kazan- 
schen Provinz (1:508,1:562,1:260) wollen uns, wenigstens 
die beiden ersten, versichern, dass ihre Daten sogar ein 
wissenschaftliches Interesse darbieten, enthalten auch, wie 
die Dörpt’sche Angaben über Alter und Geschlecht der Un¬ 
tersuchten. Sie würden auch ein kostbarer Schatz, unge¬ 
achtet ihrer localen Färbung, sein, wenn nicht einiger Zwei- 


Einwohner in Ho Hand 4 ,» H„ 3,mW., Würtemberg7,T 
M, 1 6,iW. l Sachsen 7,«« M„ 7,« W„ Prenssen 8,« M., 8,* 
W., Bayern 8,«»M., 8,w W., Schweden 7,«» M„ 8,<»W., 
Schottland 9,» M., 8,to W., Belgien 9,»« M., 6,«i W.. 
England und Wale» 10,o»li., 8,i* W., Irland 11,«* M., 
11,»» W., Italien 11,so M., 9,to W., Norwegen 13,«» M,, 14,«« 
W., Finnland 15, u M., 29,«s W. (nach M a g n u s). 

•) Ob dieses Verhältniss bei den sukttnftigen Aushebungen das¬ 
selbe sein wird, das wird die Zukunft lehren; das Material für. 1884 
und 1885 ist im Ministerium noch nicht verarbeitet worden. 

7 ) Ich scheide dieses Contingent ans der allgemeinen Zahl der 
Bevölkerung (101,553138 nach den Berichten der Regierungspräsi¬ 
denten [Gouverneure]) aus, weil in den mir sn Gebote stehenden 
Quellen für die in der Tabelle nicht angeführten Provinzen keine 
Angaben Ober die Zahl der Blinden im wehrpflichtigen Alter vor¬ 
handen sind. 


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32 


fei an der Glaubwürdigkeit dieser Zahlen aufsteigen würde, 
welche von nicht ganz Vertrauen erweckenden Organen ge¬ 
sammelt sind, namentlich heim Vergleichen derselben mit 
den Zahlen der Webrpflichtscommissionen (Tabelle A Daten 
der 3 oben angeführten Provinzen); der recht grosse Unter¬ 
schied weist auf Fehler in einer der beiden Quellen hin. 
Ich konnte in Folge dieser Betrachtungen nicht umhin, den 
Zahlen der Wehrpflichtscommissionen den Vorzug zu geben 
und habe sie auch bei der Bearbeitung der vor Ihnen lie¬ 
genden Tabellen als Grundlage benutzt, weil sie den An¬ 
forderungen einer zuverlässigen Statistik genügen: die 
sammelnden Organe verdienen sowohl hinsichtlich der Com- 
petenz ihrer Zusammensetzung, als auch ihres ärztlichen 
Personals vollkommenes Vertrauen, ihre Thätigkeit un¬ 
terlag der Controle der Hyperarbitrien, wozu noch der 
Umstand kommt, dass die Theilnehmer an der Sammlung 
des Materials unter dem Zwange der Verantwortlichkeit für 
etwaige Missbräuche arbeiteten. Das Material lagerte sich 
automatisch in den vorhandenen Rubriken ab, man brattchte 
es nicht aufzusuchen und konnte nichts auslassen, es stellte 
sich in seiner ganzen Fülle vor. Es stammt aus 63 Provin¬ 
zen, also fast aus dem ganzen europäischen Russland in im- 
ponirender Grösse und heben sieb die localen Besonderheiten 
und das allgemeine Bild plastisch hervor. 

Die Glaubwürdigkeit meiner Mittbeilung steht und fällt 
mit den meinen Schlussfolgerungen zu Grunde liegenden 
Zahlen und nur in diesem Sinne ziehe ich die von mir be¬ 
nutzten Quellen anderweitigen vor, wofür ich keinen Vor¬ 
wurf zu verdienen glaube, mein Material soll die angeregte 
Frage nur in Bezug auf die Zahlen klären. Sie können, 
wenn Sie gewichtige Gründe dafür haben, an der Glaub¬ 
würdigkeit meiner Angaben zweifeln und mein Vertrauen zu 
ihrer relativen Wahrhaftigkeit nicht theilen, aber dann müs¬ 
sen Sie mir auch eine gegenwärtig vorhandene zuverlässigere 
Quelle zeigeu können! Um Missverständnisse zu vermeiden, 
muss ich bemerken, dass ich nur von den nackten, durch 
die Wehrpflichtscommissionen zu gewissen Zwecken gesam¬ 
melten Zahlen spreche, welche nur einen Coefficienten im 
Budget der Blindheit darstellen und für mich, da sie andere 
Fragen nicht beantworten können, keine weitere Bedeutung 
haben. Diese, anderer Zwecke halber gesammelten Zahlen 
geben uns keine Aufklärung über den enormen Blindenbe¬ 
stand, doch geht aus ihnen in ätiologischer Beziehung mit 
grosser Wahrscheinlichkeit hervor, dass Infection eine wich¬ 
tige Rolle bei den Massenerkrankungen der Augen spielt. 

Wie Sie sehen wage ich nicht die aetiologische Seite der 
von mir aufgeworfenen Frage zu beantworten, dieses hängt 
nur von Ihnen und von den übrigen, über das ganze Reich zer¬ 
streuten Collegen ab, welche ich gerne mit meinen Schlussfol¬ 
gerungen bekannt machen möchte, damit sie dieselben contro- 
lireu, ergänzen, verbessern, hauptsächlich aber die ursäch¬ 
lichen, in verschiedenen Gegenden andersartig auftretenden 
Momente dieser betrübenden Erscheinung ergründen. Sind 
diese ein Mal bekannt, so finden sich prophylaktische Maass¬ 
regeln beinahe von selbst, welchen specialistisch-ärztliche 
Hülfe auf dem Fusse folgen muss, denn nur diese allein kann 
den ungeheueren Umfang der Blindheit, welche so viel Ar¬ 
beitskräfte vernichtet und das Elend im Volke steigert, ein¬ 
schränken. 

Sie errathen wohl, mit welchen Vorschlägen ich mich 
an Sie am Schlüsse meiner Mittheilung wenden möchte: 

1) Sie möchten anerkennen, dass die heute besprochene 
Frage in so weit spruchreif sei, dass nicht nur die Aerzte, 
sondern auch Gesellschaft und Regierung verpflichtet sind, 
an der Einschränkung dieses so tief in unserem Boden 
wurzelnden Uebels thätig mitzuwirken. 

2) Sie möchten das Studium der ätiologischen Momente 
der Erblindungen in verschiedenen Oertlichkeiten Russlands 
auf dieselbe Stufe, wie die Assainisirung derselben stellen. 

3) Sie möchten mit allen Mitteln in der Gesellschaft, 
mit der Sie in Berührung kommen, die Ihnen bekannten 
Eigentümlichkeiten des Verlustes des Sehvermögens und 


die, ihn von anderen Gebrechen unterscheidenden Merkmale 
betonen. Die Ausgänge der Erkrankungen anderer Organe 
sind ja-kein Geheimniss — Genesung, Besserung oder Tod. In 
letztem Falle verliert die Familie und das Land den Ernährer 
und den Arbeiter, der Leidende aber hat mit dem Irdischen ab¬ 
geschlossen und fällt Niemandem zur Last, bleibt aber der 
Blindgewordene am Leben, so verliert die Familie oder die 
Gemeinde nicht nur einen Arbeiter, sondern erhält noch 
eine neue Last Erklären Sie der Gesellschaft, in welcher 
Sie sich bewegen, dass die grösste Anzahl der Augenerkran¬ 
kungen im Eindesalter infectiösen Ursprungs ist und sicher 
zur Blindheit führt, durch Ihr therapeutisches Eingreifen 
aber in den meisten Fällen geheilt werden kann.. 

4) Werden Sie nicht müde, zu wiederholen, dass die 
Gesellschaft, wenn sie solchen Weisungen der Wissenschaft 
und der Erfahrung gegenüber gleichgültig bleibt, eine 
schwere Mitschuld an dem Unglücke ihrer Glieder und eine 
grosse materielle und sittliche Verantwortlichkeit auf sich 
ladet, sie soll in Zukunft nicht durch Almosen ihre Unter¬ 
lassungssünden wettmachen wollen, denn der Arbeiter be¬ 
darf nicht der milden Gaben, sondern der Kraft und des 
Verständnisses, letzteres ist aber für die grosse Mehrzahl 
ohne Licht unerreichbar — desshalb mehr Licht, nicht nur 
geistiges, sondern auch physisches! (Aus « Wratsch» 1886,Je 3.) 


Dieser Vortrag machte einen mächtigen Eindruck auf 
die zahlreiche Versammlung und knüpfte sich an ihn eine 
lebhafte Discussion, aus welcher wir zwei Kundgebungen 
hervorheben, von denen eine von einem, so zu sagen, officiel- 
len Ophthalmologen, die andere von einem Landschaftsarzte 
stammen. 

Dr. Tichomirow (Oculist des St. Petersburger 
Militärbezirks). Die,von Dr. Skrebitzky angeführten 
Zahlen Bind in der Wirklichkeit weit grösser, weil viele von 
den Einberufenen bei einer erneuerten Untersuchung sich auf 
einem Auge blind erweisen. Dieses rührt davon her, dass 
wegen Meinungsverschiedenheit in der aus Laien und Aerzten 
zusammengesetzten Wehrpflichtscommissionen erstere letz¬ 
tere überstimmen und die betreffenden Untersuchten nicht 
in die Rubrik der Blinden eingetragen werden. 

Dr. B o g a j e w s k i (Krementschug) bestätigt die nu¬ 
merischen Angaben des Dr. S k r e b i t z k y und findet sie der 
Wirklichkeit nahe kommend, wegen der in der Landbe¬ 
völkerung angetroffenen enormen Zahl von Augenkranken. 

Ein Ausspruch der «Nowosti» vom 31. December 1885 
ist für den Eindruck, den dieSkrebitzky’sche Mit¬ 
theilung beim Publicum hervorbrachte, recht charakteri¬ 
stisch : «wir haben Europa nicht nur in geistiger, sondern 
auch in körperlicher Blindheit überholt». 


Die von Dr. Skrebitzky vorgeschlagenen Thesen 
wurden durch eine ad hoc niedergesetzte Commission be- 
rathen und in folgender Form am 30. December von der 
Section angenommen: 

1) In Anbetracht der Wichtigkeit der von Dr. Skre¬ 
bitzky angeregten Frage hält es die Section für unum¬ 
gänglich notwendig, die nächsten Ursachen der so häufigen 
Erblindungen im Volke und unter den Arbeitern und die 
Mittel zur Verhütung auf das Gründlichste zn studiren. 

2) Wegen Mangel an Zeit konnten eine zweckmässige 
Instruction zur Erreichung des in P. 1) angegebenen Zieles 
und ein Programm für populäre, unter Bevölkerung, Voiks- 
lebrem und Geistlichen zu vertheilende Brochüren nicht 
ausgearbeitet werden und empfiehlt die Section diese Fragen 
durch Commissionen örtlicher Ophthalmologen gründlich 
ausarbeiten zu lassen. 


Nachtrag von Dr. Skrebitzky. 

Ich habe oben erwähnt, dass der Gegenstand meiner 
Mittheilung zuerst jenseits der vaterländischen Grenzen von 
mir öffentlich besprochen worden ist, ich halte es daher für 
geboten, um böswilligen Insinuationen zu steuern, die Worte 


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33 


TabeUe A. 


Zahl der Blinden im wehrpflichtigen Alter für 5 Jahre in 
63 Provinzen auf Grund der ärztlichen Besichtigung von 
1,388,761 Mann. 


Provinzen 

(Gouverne¬ 

ments). 

Besichtigt in 5 
Jahren. 

Inde 

i 

Besicl 

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Anf 2 
Augen 

Archangelsk . 

5070 

13 

23 

390 

973 

1 

1 

4 

1 

Astrachan . • 

6264 

34 

27 

184 

1236 

2 

8 

0 

Bessarabien . 

22210 

184 

200 

121 

4268 

5 

18 

7 

Warschau . . 

25746 

312 

204 

81 

5520 

29 

47 

16 

Wilna. . . . 

21251 

154 

123 

138 

4380 

7 

27 

3 

Witebsk . • • 

16757 

143 

78 

117 

3271 

3 

26 

3 

Wladimir • . 

20586 

99 

70! 

208 

4286 

6 

26 

7 

Wologda . • 

18183 

128 

115 

142 

3944 

2 

33 

14 

Wolhynien . . 

36223 

545 

294 

66 

6876 

12 

62 

0 

Woronesch . . 

38934 

399 

272 

97 

7786 

11 

92 

13 

Wjatka . • . 

41048 

356 

348 

115 

9479 

9 ; 

84 

21 

Grodno . . . 

20740 

233 

116 

89 

4107 

1°; 

32 

4 

Ekaterinoslaw 

27541 

284 

117 

95 

5580 

9 

89 

11 

Jenisseisk . . 

4666 

56 

36 

83 

898 

0 

11 

2 

Irkutsk . . 

4520 

42 

37 

107 

749 

oj 

2 

12 

Kasan .... 

33714 

473 

307 

71 

6582 

ll! 

57 

16 

Kalisch . . . 

16971 

127 

207 

133 

3419 

5' 

49 

12 

Kaluga - • • 

18776 

172 

128 

109 

4137 

10 

65 

19 

Kiew' .... 

43118 

660 

275 

65 

9200 

63' 

109 

29 

Kowno • . 

20430 

108 

116 

189 

3899 

11 

9 

1 

Kostroma . . 

19914 

120 

115 

166 

4426 

2 

24 

4 

Kurland . . . 

11399 

115 

144 

99 

2300 

7 

38 

4 

Kursk .... 

34167 

314 

212 

108 

7364 

4 

45 

1 

Kleine .... 

11691 

71 

46 

164 

2665 

0 

17 

4 

Livland . . 

19539 

105 

171 

186 

3858 

4 

32 

4 

Lomscha . . 

14194 

137 

111 

103 

3226 

2 

45 

5 

Ljublin . . . 

13444 

193 

32 

69 

2806 

0 

15 

0 

Minsk .... 

25283 

195 

158 

129 

5108 

11 

30 

10 

Mogilew . . 

21689 

339 

161 

64 

4291 

20 

61 

9 

Moskau • . . 

26202 

244 

118 

107 

5840 

34 

58 

7 

Nishni-Nowgor. 

21303 

181 

94 

117 

4287 

16 

22 

4 

Nowgorod . . 

20140 

150 

153 

134 

3864 

4 

25 

3 

Olonez . . . 

5000 

36 

15 

138 

920 

0 

6 

0 

Orenburg . . 

13725 

139 

71 

98 

2753 

0 

40 

9 

Orel . . . 

27138 

175 

123 

155 

5858 

5 

42 

4 

Pensa .... 

21410 

189 

128 

113 

4174 

1 

39 

13 

Perm .... 

42666 

351 

273 

121 

8807 

11 

77 

19 

Piotrkow . . 

14320 

100 

21 

143 

2793 

1 

12 

1 

Plozk .... 

11453 

77 

50 

148 

2430 

1 

22 

7 

Podolibn . . . i 

34690 

531 

202 

65 

6880 

6 

56 

4 

Poltawa . . . 

47586 

508 

415 

93 

9722 

7 

77 

18 

Pskow .... 

13570 

78 

61 

173 

2994 

4 

18 

2 

Radom ... 

12102 

181 

70 

67 

2749 

6 

22 

7 

Rjasan • . . 

28775 

205 

93 

140 

6484 

1 

28 

11 

Ssamara . . . 

32678 

301 

181 

108 

6543 

3 

81 

3 

St. Petersburg 

17894 

81 

136 

220 

3895 

6 

12 

24 

Searatow . . 

34403 

385 

231 

89 

6952 

37 

52 

24 

Ssimbirsk . . 

21450 

241 

178 

89 

, 4254 

11 

53 

10 

Smolensk . . 

19833 

140 

120 

141 

3853 

22 

25 

11 

Suwalki • . . 

9421 

34 

20 

270 

1842 

0 

8 

3 

Siedletz . . . 

13781 

172 

63 

80 

3369 

1 

23 

0 

Taurien . . . 

14378 

128 

82 

112 

3045 

5 

26 

11 

Tambow . . 

37560 

179 

145 

209 

8661 

5 

38 

13 

Twer .... 

28234 

264 

177 

106 

5879 

10 

67 

11 

Tobolsk . . . 

17388 

187 

136 

93 

3484 

4 

41 

27 

Tomsk . . . 

12918 

224 

65 

57 

2511 

16 

36 

12 

Tula .... 

21251 

165 

130 

128 

4823 

6 

61 

9 

Ufa. 

29859 

431 

295 

69 

6188 

9 

139 

5 

(Markow . . 

38002 

481 

322 

79 

7627 

19 

111 

26 

Chanson- . . 

24967 

311 

161 

80 

5617 

5 

89 

7 

TsShemigow . 

34328 

488 

237 

70 

6919 

15 

73 

21 

fetland . . 

7468 

60 

89 

120 

1464 

1 

7 

8 

Jaromlsw . . 

17198 

145 

143 

118 

3577 

9 

23 

5 

8tedt Petersb. 

•) 1607 

13 

18 

? 

? 

? 

? 

? 


1388761 

13686 

i| 9059 


287692 

529| 2666 

571 


Von 1,388,761 besichtigter Wehrpflichtiger waren überhaupt 
13,686 blind (auf einem und beiden Augen), folglich kommt im 
Durchschnitt im Wehrpflichtsalter 1 Blinder auf 101 Sehende . 
Die 1883 gesammelten Daten betrafen 287,692 Mann und zeigen, 
dass im Mittel die anf beiden Angen Erblindeten 5 Mal zahlreicher 


s ) Diese Zahl ist nicht vollständig. 


waren als die einseitig Blinden. Diese beide Verhältnisse schwanken 
aber in den einzelnen Provinzen. 

In Westeuropa kommt 1 Blinder in 


Dänemark ..... 

. .anf 1429 

Sehende 

Sachsen.. 

. . „ 1406 


Schweden. 

... 1241 

«r 

Belgien. 

. . 1232 

m 

Frankreich .... 

■ • „ 1178 

ff 

Oesterreich . . 

. • „ 1102 

ft 

England nnd Irland 

. • „ 1015 

ff 

Ungarn ..... 

. .% 750 

ff 

Norwegen. 

• . 732 

ff 


anzuführen, welche ich zu einer Zeit aussprach« als ich noch 
keine Gelegenheit hatte, vor meinen Landsleuten zu reden. 
Ich sagte damals: . 

t)ie von mir gemachten Angaben haben nur die Bedeu¬ 
tung eines bescheidenen Beitrages zur Sammlung von Ma¬ 
terial und nichts weiter! Nehmen Sie aus den mitgetheil- 
ten Quellen als Maassstab zu ihren Berechnungen die her¬ 
aus, welche Ihnen beliebt, keine derselben wird der Wirk¬ 
lichkeit, wie ich es möchte, entsprechen, aber jede enthält * 
eine solche Masse dcsUnglflcks, von dem Sie in West-Europa 
keine Ahnung haben. Dann war ich gezwungen zu erklä¬ 
ren, dass unsere Gesellschaft in Entsetzen gerathen wird, 
wenn die Opfer des Unglücks, das menschliche Wrack, für 
welches bei uns fast gar nichts gethan worden ist 9 ), vor ihr 
in seinen wirklichen Dimensionen erscheinen wird. Ich 
sprach hier die Ueberzeugung aus, dass wenn derartige 
Schäden rückhaltslos aufgedeckt werden, gerade Russland 
das Land ist, in welchem eine Anregung zu humanitären 
Bestrebungen viel leichter einen fruchtbaren Boden findet, 
als in manchen anderen Staaten. Ich brachte Beweise für 
meine Behauptung indem ich sagte, dass das Land, obgleich 
es das Unglück nicht in seinem vollen Umfang kenne, seine 
Schuldigkeit gethan und seine Almosen gespendet hat, 
ihm ist man schuldig zu zeigen, dass die so reichlich bereits 
gestellten Mittel 10 ) unverzüglich (vom Conseil der Blinden¬ 
pflege in Russland) ihre passende Verwendung finden wer¬ 
den... 

Die Tilgung einer solchen directen Schuld wird das Loos 
nur weniger Blinder erleichtern, eine erdrückende Masse 
wird ausserhalb des Etats der Wohlthätigkeit bleiben, das 
ganze jetzt lebende Geschlecht der Lichtlosen ist zu hilflo¬ 
sem Untergange verurtbeilt. Wir müssen desshalb alle un¬ 
sere Bemühungen darauf richten, das Uebel für die Zukunft 
zu verringern, d. h. ihm vorzubeugen . 


°) Recht naiv ist es, wie einige Gönner der Blinden in einer von ihnen 
verbreiteten Broschüre gethan, das Gegentheil von dem, was ich 
gesagt habe, zn behaupten wagen. Diese Gönner berufen sich auf das 
Vorhandensein einiger Asyle, Armenhäuser und Schulen für Blinde in 
Russland mit 532 Insassen für das ganze Reich. Denn es haben 
erstens , die russischen Anstalten nicht so viele Stellen, diese Zahlen 
sind mit einem gewissen Zwange zusammengestellt, welcher in einer, 
die volle Wahrheit fordernden Angelegenheit übel angebracht ist. 
Der Verfasser der Broschüre hat, um die oben angeführte Zahl 
zu erhalten, 2 finnländische mit 45 und 2 Warschauer mit 98 
Zöglingen mit angeführt, so dass sich, wie ich es in meiner aus¬ 
ländischen Mittheilnng sagte, in rein russischen Anstalten sich 
keine 400 Insassen befinden und das isr Alles, was während einer 
Periode von 78 Jahren (1807—1885) für die Blinden in Russland 
gemacht worden ist! Und gäbe es, eweitens } auch deren 4000, so 
ist es doch noch immer kein Grund von einem ungewöhnlichen «Auf¬ 
schwünge» der Blindenversorgung zu reden, wie es der Verfasser 
der Broschüre thut — auch im Eigenlobs muss man Maass halten. 
Es verlangt Niemand vom Conseil der Blindenpflege« dass es alle 
Blinden Russlands versorge, es müsste aber, bevor es von seinen un¬ 
gewöhnlichen Heldenthaten erzählt, eine den ihm zugeflossenen Mit¬ 
teln entsprechende Anzahl Blinder unterbringen. Dieser Mangel 
an Congruenz zwischen Müssen und Wollen und die unbegreifliche 
Verzögerung in der Ausführung seiner Pflichten stellt den Conseil 
in den Augen Aller, welche sich für das Wohl der Blinden erwär¬ 
men, bloss. 

<0 ) Bis zum 3t. December 1883 — 489,368 Rubel. Für die zwei 
letzten Jahre fehlen noch die Nachrichten, voraussichtlich wird aber 
das Capital in diesem Zeiträume sich um nicht weniger als 140,000 
Rubel vermehrt haben. 


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34 


Referate. 

Karl Bayer: Ueber Regeneration und Neubildung der 
Lymphdrüsen. (Zeitsehr. für Heilkunde. Bd. VI. H. II 
und HI). 

Es ist eine bekannte Thatsache, dass die Zahl der in Folge ver¬ 
schiedener pathologischer Processe secundär erkrankten Lymph- 
drüsen gewisser Körperregiouen die für den normalen Zustand fest¬ 
gesetzte Zahl weit überschreitet. Dabei fällt es noch auf, dass die 
erkrankten Drüsen bedeutende Grössen unterschiede zeigen, von den 
grössten knollenartigen Tumoren bis zu den kleinsten, makrosko¬ 
pisch kaum noch wahrnehmbaren Knötchen, welche letztere in cen- 
tripetaler Richtung dem Verlaufe der grossen Gefässe folgen. Fer¬ 
ner weiss man, dass nach noch so ausgedehnten Lymphdrüsen ex- 
stirpationen Störungen der Lymphcirculation, wenn sie überhaupt 
zustande kommen, stets sehr rasch sich auszügleicheu pflegen; 
und endlich, dass Ljmphdrüsentnmoren selbst nach gründlichen Ex¬ 
stirpationen besonders gern recidiviren. Es lag daher nahef* sich 
die Frage vorzulegen: 1) ob nicht unter physiologischen Verhält¬ 
nissen eine Regeneration von Lymphdrüsen stattfindet, und 2) ob 
nicht auch die Erkrankung der vorhandenen Lymphdrüsen einen 
Ersatz durch Neubildung bedingt. — Zur experimentellen Entschei¬ 
dung der ersten Frage exstirpirte Verf. aus der Achselhöhle von 
, Hunden die dort ziemlich constant vorkommenden 1—2 Drüsen und 
tödtete darauf nach Ablauf verschiedener Zeitabschnitte seine Ver¬ 
suchstiere, um die ganzen Weichtfieile der operirten Region als¬ 
dann makro- und mikroskopisch zu untersuchen. Dieser Versuch 
wurde mit einigen Modificationen viermal wiederholt und ergab als 
Resultat, dass beim Hunde nach Entfernung der Lymphdrüsen unter 
Umständen eine Neubildung derselben stattfindet, und zwar in ver- 
hältnissmässig knrzer Zeit und höchst wahrscheinlich durch Um¬ 
wandlung von Fettgewebe. Von Bedeutung ist hier der Wund ver¬ 
lauf, insofern als ausgedehnte Narbenbildung einer Reproduction 
überhaupt nicht förderlich ist und die verlängerte Heilungsdauer 
eine Restitution der Lymphcirculation durch' Eröffnung von Collate- 
ralbahnen begünstigt. 

In durchaus analoger Weise konnte Verf. eine Neubildung in der 
Umgebung pathologisch veränderter Lymphdrüsen constatiren, und 
zwar gebunden an den Verlauf der Blutgefässe, deren Gefässschei- 
den nach den Untersuchungen von F1 e m m i n g auch die Matrix 
zur Bildung neuer Fettläppchen abgeben. Den Anstoss zur Neu¬ 
bildung scheint sowohl in diesen pathologischen Fällen, als nach 
der Exstirpation die dadurch bedingte Störung in der Lymphcircu¬ 
lation abzugeben. Wenigstens würde dies mit der auf anatomischer 
Basis stehenden Annahme Teichmann ’s übereinstimmen, wo¬ 
nach sich überall dort Lymphdrüsen vorfinden, wo für die freie 
Passage der Lymphe durch die anatomischen Verhältnisse der Region 
irgend ein Hinderniss geschaffen wird. G. 

J» Uokowski: Resultate der Tliierimpfangen mit Cul- 
turen des Mikroben der spitzen Condylome. (Wratsch 
Ni 46.) 

In Ni 14 des Wratsch hatte Vf. bereits die von ihm gefundenen 
Mikroorganismen beschrieben und mitgetheilt, dass er, wenn auch 
erfolglos, bereits Impfungen mit denselben vorgenommen. Nun¬ 
mehr hat er Reinculturen dieser Mikroorganismen hergestellt (be¬ 
schreibt sie jedoch leider nicht! Ref.) uud eine Lösnng der 2. Rein- 
cnltur in sterilisirtem Wasser einem Kaninchen unter die Scrotalhant 
injicirt. Es traten Schwellung, Röthang und am 3. Tage Abschil¬ 
ferung der Hant auf, dann schwanden alle Erscheinungen. Gegen 
Ende der 3. Woche darauf bemerkte Vf. an der Umgebung der In- 
jectionsstelle 2 hanfkorngrosse feste röthliche Knötchen, die stetig 
länger wurden nnd eine graue Färbung annahmen. Ferner fingen 
noch einige Knötchen an zu wachsen; bevor V. sie jedoch näher 
untersuchen konnte, hat das Kaninchen sie alle abgebissen (!). 

Den 2. Versuch führte Vf. an einem Ferkel aus, dem er die durch 
Erwärmung verflüssigte Nährgelatine mit einer 2. Reincultnr unter 
die Bauchhaut injicirte. Die localen Reactionserscheinungen gering. 
Nach 3 Wochen zeigten sich c. 1^—2 Ctm. vom Einstiche auf der 
noch infiltrirten Haut 4 warzenartige, Erhebungen, die durch 
ihre rosenrothe Farbe deutlich von der weissen Haut abstachen. 
Eine derselben erreichte eine Länge von 6 Mm., wobei ihre Oberfläche 
uneben, höckrig wurde. 1 $- Wochen nach ihrem Erscheinen schnitt 
sie Vf. ab, während die anderen allmälig verschwanden. Die 
mikroskopische Untersuchung soll ergeben haben, dass dieses Ge¬ 
wächs in seiner histologischen Structur vollkommen einem ppitzen 
Condylome entsprochen hat. 

Die Impfungen auf die verschiedensten Schleimhäute fielen nega¬ 
tiv aus. 

Die geringe Haltbarkeit nnd das Wiederverschwinden der künst¬ 
lich erzengten spitzen Condylome meint Vf. dadurch erklären zu 
können, dass hier ein Kampf zwischen den Mikroben und den 
Metschnikow’schen Phagocyten stattfiudet, wobei letztere 
den Sieg davon tragen (!) 

Der Theorie, dass spitze Condylome nnd ebenso auch die Epithe¬ 
liome durch andauernde mechanische Reize entstehen, wird nach 
Vf. in der Literatur eine viel zu grosse Bedeutung zugeschrieben (!) 

P. 


BOcher-Anzeigen und Besprechungen. 

E. A1 be r t: Lehrbuch der Chirurgie und Operationslehre. 
Vorlesungen für praktische Aerzte und Studirende. Bflfcte 
umgearbeitete und vermehrte Auflage. Verlag von Urbän & 
Sch war zenberg. Wien u. Leipzig 1884 u. 1885. Band I—in* 
Von diesem bewährten Werke, welches in wenig Jahren bereits 
seine dritte Auflage erlebt, liegen uns die drei ersten Bände zur 
sprechung vor. Wir haben in unserer Wochenschrift schon mehr¬ 
mals Gelegenheit gehabt die vielfachen Vorzüge desselben hervor- * 
zuheben, so dass wir uns dieses Mal wohl kürzer fassen dürfen. Be¬ 
sonders zu erwähne^ wäre nur die gründliche historische Verarbei¬ 
tung des reichhaltigen Materiales, welches in dieser Auflage noch 
durch die neuesten Errungenschaften in der Chirurgie vollständig 
Msompletirt ist, sowie die zahlreichen Abbildungen in tadellosen Holz¬ 
schnitten, die zum Verständnis des Stoffes sehr wesentlich beitragen, 
Im ersten Bande werden auf 570 Seiten die chirurgischen Krankheiten 
des Kopfes und Halses abgehandelt. Die ersten Capitel dieses Ban¬ 
des bilden zu gleicher Zeit eine allgemeine Einleitung, in dem zu¬ 
nächst die Narkose, die Blutstillung, die Transfusion, ferner die ver¬ 
schiedenen Arten der Wundbehandlung, dann die Wundkrankheiten 
besprochen werden. Das vierte Capitel bildet dann mit der Theorie 
der cerebralen Localisation und der Behandlung der Circulations- 
und Druckverhältnisse im Schädel den Uebergang zu deu Schädel- 
fracturen und den übrigen Hirnerkrankungen. Es folgen dann die 
chirurgischen Krankheiten des Gesichtes, der Mund- und Nasenhöhle 
und schliesst der erste Band mit den Krankheiten des Halses. 
Der zweite Band enthält auf 566 Seiten die chirurgischen Kratk- 
heiten der Wirbelsäule, der Brust, des Schultergüriels und der 
oberen Extremität mit der reichlichen Zahl von 187 Holzschnitten 
illustrirt, wobei auch der Anatomie, Physiologie und allgemeinen 
Pathologie des Bückenmarks, sowie den verschiedenen Arten 
der Traumen desselben und den angeborenen Spalten des Rückgra¬ 
tes eine genügende Würdigung zu Theil wird. Im dritten Bande 
folgen auf 604 Seiten die chirurgischen Krankheiten des Bauches, 
des Mastdarmes und der Scrotalhöhle. Eine sehr eingehende Be¬ 
handlung ist im dritten Bande den verschiedenen Hernien, sowie der 
Incarceration und deren Beseitigung durch Taxis und Herniotomie, 
ferner den Uterus- und Darmerkrankungen gewidmet. Bei der un¬ 
zweifelhaft äusserst klaren Darstellungsweise wäre namentlich dem 
Anfänger höchstens eine an manchen Stellen etwa seingehendere Orien- 
tirung über die pathologisch-anatomischen Verhältnisse erwünscht. 
Im Uebrigen können wir, wie schon früher, diese noch bedeutend 
bereicherte Auflage wiederum auf’s Wärmste empfehlen. Nach Er¬ 
scheinen des hoffentlich baldigst zu erwartenden letzten Bande« 
wollen wir uns erlauben nochmals auf dasselbe zurückzukommen. 
Die Ausstattung desselben ist, wie wir es bei diesem Verlage ge¬ 
wohnt sind, eine ausgezeichnete,' der Preis trotzdem ein massiger. D. 


I. Congress russischer Aerzte. 

Section für innere Medicin. 

Sitzung den 27. December 1885. 

Die Section wurde vom Präsidenten Prof. Koschlakow eröffoet. 

Raptschewski: «Ueber Aetiologie der asiatischen Cholera 
nach eigenen Beobachtungen während der letzten Epidemie in Spa¬ 
nien». 

Die Cholera trat in Spanien zuerst in Alicante 1884 auf, wohin sie 
aus Toulon eingeschleppt worden war. Epidemisch wurde erst diese 
Krankheit im Frühjahr 1885 und zwar besonders in den südlichen 
Theilen von Valencia, welche Gegend durch ihre Bodenbeschaffen- 
heit besonders günstig für die Verbreitung dieser Krankheit sein 
soll. Von Valencia wurde die Cholera durch in ihre Heimath hei»- 
kehrende Arbeiter weiter verschleppt. Eine etwaige Abschwächwag 
des Infectionsstoffes durch locale Einflüsse, wie z. B. durch das dort 
herrschende Intermittens konnte nicht constatirt werden. Was das 
Krankheitsbild und die Aetiologie der Cholera betrifft, so bot R. in 
seinem Vortrage nichts Neues. Als eine Hauptquelle der Verbrei¬ 
tung dieser Krankheit sah R. das Trinkwasser an. 

F. T u m a s bestätigt diese Annahme R.’s und führt als weiteren 
Beleg an, dass in der Stadt Sarepta seitdem Jahre 1830 kein einziger 
Cholorafall vorgekommen ist, während in den umliegenden Dörfern 
etwa 1—der Gesammtbevölkerung an Cholera starben. 

Die Stadt Sarepta ist mit ausgezeichnetem Wasser versehen, wäh¬ 
rend in den umliegenden Dörfern das Grundwasser als Trinkwasser 
dient. 

A. Henrici theilt die Beobachtungen, die hinsichtlich der Cho¬ 
lera in Helsingfors gesammelt sind, mit: 

1) In den Cholera-Jahren 1848, 71 und 72 wurden in Finnland be¬ 
sonders die auf felsigen Höhen gelegenen Wohnungen betroffen. 

2) In allen Epidemien wurde nicht das ganze Land (Finnland), 
sondern bloss die Küstengebiete des Finnischen und Botnischen 
Meerbusens betroffen. 

3) Das in den mit Cholera infleirten Gegenden stehende russische 
Militär wurde nicht gleichzeitig mit den Eingeborenen von der Gho- 
era betroffen und überstand diese Krankheit leichter als letztere. 

4) Zur Zeit der Hausepidemie im Militärhospital (20 Monate) er¬ 
krankte bloss das Militär nnd die Bewohner des Hospitals, während 
die ganze Umgebung frei blieb. 

b) Die Erscheinung, dass die Cholera auf den felsigen Höhen von 


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35 


HeJsingfors nnd Abo auftrat, widerspreche durchaus aioht der An¬ 
sicht Pettenkofer’s, da auf diesen Höhen häufig Vertiefungen 
mit felsigem Grunde angetroffen werden, die mit allerhand Abfällen 
und'Bxc re menten verunreinigte Erde enthalten. 

Rotschinim «Ueber die Wirkung der Homeriana bei Bronchial- 
catarrhv 

Der botanische Name dieser Pflanze ist wahrscheinlich Palygonnm 
aukaJaze; diese Pflanze ist in .Russland sehr verbreitet und schon 
lauge in der Volksmedicin angewandt. Nach den Untersuchungen 
von Weine? soll dieselbe 2,81 % (!) eines Alcaloids enthalten. 

B. hat die Wirkung dieser Pflanse an sich selbst und an mehreren 
Pab. geprüft und gefunden, dass unter dem Gebrauche der Homeriana 
daon. Bronchialcatavrhe im Verlaufe von 10—30 Tagen vollkommen 
sehwanden. Iu gann verschleppten Fällen alter Leute blieb sie wir¬ 
kungslos; in 2 Fällen von Bronchitis capill. und in 3 Fällen von 
Keuchhusten erwies sie sich gleichfalls als wirksam. Irgend eine 
günstige Wirkung bei Lungentuberculose konnte B. nicht consta- 
tken. An wand ungs weise: 30,0 der Pflanze werden in einem Liter 
Wässer 3 stunden lang auf langsamem Feuer gekocht und dann sorg¬ 
fältig filtrirt. Die Kranken nahmen davon 3 mal täglich zu einem 
Glase. 

Or. Fremmert: «Ueber Parotitis». 

F. versucht zu beweisen, dass es sich bei der primären nnd secun- 
dfiren Parotitis um ein und denselben Procees handelt. Für gewöhn¬ 
lich gilt die primäre Parotitis als infectiös, die secundäre als paren- 
chpwatöf. Warum letztere so häufig zur Vereiterung führt, ist F r. 
nicht recht ersichtlich. Die secund. Parotitis wird nicht nur bei 
schweren, sondern anch bei leichten Formen von Typhus und Lungen- 
egf Unding beobachtet und F r. ist geneigt diese Complie&tion als 
efcm selbständige Erkrankung an primärer Parotitis anzuseken. 
Anfch der klinische Verlauf beider Formen von Parotitis berechtige 
ihn dieselben zn trennen; die idiopathischen Parotitiden können 
ebenso gut in Vereiterung übergehen, wie andererseits die symp- 
tomattseheu zur Verkeilung kommen können. Der schlimme Ver¬ 
lauf der Symptom. Parotitis lässt sich leicht dadurch erklären, 
dass die betreffenden Pat. schon durch eine andere Kraukheit ge¬ 
schwächt waren. Die charakteristische Complieation der idiopath. 
Parotitis, die Mitbetheiligung der Genitalorgane, kann bei der Symp¬ 
tom. leicht Übersehen werden, da dieselbe, wie schon gesagt, bei ge¬ 
schwächten Kranken und nicht selten Kurz vor dem Tode auftritt. 

Deshalb proponirt Fr. in jedem Falle bloss vön Parotitis zu 
sprechen, und weil dieselbe infeotiöser Natur ist, solche Kracke von 
den anderen zu trennen, 

N. Bys tr o w: «Ueber den Kopfschmerz der 3chu!jugeud in 
Folge von geistiger Ueberanstrengung». 

Als Material zu seinen Beobachtungen benutzte B. Schüler und 
Schülerinnen mehrerer Schulen, Pensionen und eines Mädchengym- 
naaiums. Im Ganzen verfügte B., während seiner 5jährigen Beob- 
achtungsaeit, über ein Material vom 7478(1) Schülern beiderlei Ge¬ 
schlechts. Leider hat B. es ver sä u m t die Namen der Schulen zu 
nennen, in denen er seine umfangreichen Beobachtungen gesammelt 
hat. Von 78 Schülern resp. Schülerinnen litten 19, von 35 Pensio¬ 
nären 15 an solchen Kopfschmerzen. Von 375 Gymnasiastinnen 
litten 2S<^ und von der Gesammtzahl 7478 litt 11,6% an Kopf¬ 
schmerzen in Folge von geistiger Ueberanstrengung. Mit den Jah¬ 
ren und mit der Höhe der Classe wachs auch der Procentsatz der an 
Kopfschmerz Leidenden. So betrug der Prozentsatz bei Kindern von 
8 Jahren 5, bei Schülern von 14—18 Jahren stieg derselbe auf 28— 
40% (t). Hecht anschaulich und verständlich wird diese Zahl erst 
wenn man bedenkt, dass B., wie es sich in der Debatte erwies, 
Sohüler resp. Schülerinnen, die aus anderen Gründen, als 
schlechte Luft, mangelhafte Ernährung, Eefractionsanomaiien etc. 
an Kopfschmerzen litten, ausgeschlossen haben will 1 B. meint, 
die an die Schüler resp. Schülerinnen der Gymnasien gestellten An¬ 
forderungen entsprechen weder der kindlichen N&tgr, noch einer 
usüsimhiftliehcn Hygiene. 

Auf eine Wiedergabe des Vortrages von Dr. Iljinski können 
wir versiebten, da I- in der Debatte selbst erklärte, dass er einen 
wissenschaftlichen Werth für seine Mittheilung nicht in Anspruch 
nehme. 


Vermischtes, 


n änf Mut m IdaiiB fligiHUi Am «städtischen flsnitäta- 
BNnmimfteu* mnsda, «de mir hsriohietsn, der Beschluss gefasst, 
einen Theü des Alexanderhospi taim den weiblichen medicinischen 
Cutsen zur Einrichtung von Auditorien zur Disposition zu stellen 
ä»4 zwar das alte Gebäude, In welchem gegenwärtig die venerische 
Ahtbeilnzg und em Theil des niederen Dienstpersonals untergt- 
braebt ist. Für die venerische Abtheilung soll eine Baracke gebaut 
werden (wet darüber wurde nichts Näheres veriautb&rt) und auch 
für dm Dienstpersonal soll en anderes Local geschafft werden. 
Alles.Nähere soll in einer Commission verhandelt werden, zu deren 
Mitglieder der städtische Curator des üospitales (ein Nichtarzt) 
und wehren Professoren der Aeademie uud Frauencurse, sowie der 
ältere Ürdin&tor eines anderen Hospitales, nämlsoh des «Alexauder- 
Barackenhospitales», Dr. W a s s i J j e w, gewählt wurden. Merk- 
Vftrdifer Weise wurde aber der Oberarst des Ai exander hospitaies, 
den die Angelegenheit doch sehr nabe augebt uud der im Spital« 
wohl am Besten Bescheid weiss, nicht in die Commission gewählt. 


Auch ein Zeichen der Zeit, wie «ungenirt» die Stadtverwaltung in 
ihrer Thätjigkeit zu Werke geht! f ) Um Missverständnisse nnd 
Verwechselungen zu vermeiden, wäre es ganz beiläufig bemerkt 
angebracht die Namen der beiden Hospitäler «städtisches Alexander¬ 
hospital» und < Alexander-Bar&ckenbospital» irgend wie zu ändern, 
damit man sie deutlicher unterscheiden könne. Ueberh&npt haben 
wir ausser diesen beiden Hospitälern noch ein «AJexanderhospital 
für Ausschlagskranke», ein «Alexander-Semenowhospit&l», ein «Ale- 
xandrabospital», ein • Alexander-Männeibospital» nnd ein «Hospital 
zum Andenken an Kaiser Alexander II.» Im Ganzen also 7 ver¬ 
schiedene Alexanderhospitiler, die natürlich sehr oft mit einander 
verwechselt werden. 

— Bei der am 18. Januar d. J. an der Dorpater Universität 
stattgehabten Immatriculation wurden xn die Zahl der studiren - 
den neu auf genommen 133 Personen, v>n denen für das Stadium 
der Medicin 53 und für das Studium der Pharmacie 15 inscribirt 
•worden sind. Im Ganzen betrag die Zahl der Studirendeu an diesem 
Tage 1693 (gegen 1611 im vorigen Jahre), von denen mehr als die 
Hälfte, näm'ich 858 (und zwar 739 Mediciner und 119 Pbarmacea- 
ten), der medicinischen Facultät angehört. Die Zahl der zur medi- 
cinischen Facultät gehörenden Studirenden hat gegen das vorig« 
Jahr pm 57 zugenommen. 

— Auf Grundlage des nenen Unirersitätsstatuta haben sich an der 
Kasanschen Universität die DDr. Mandelstamm, Lwow und 
Go d,n e w als Privaldocenten i» der medicinischen lacultät heb 
bititirt. 

— Wie der «Wratscb» erfährt, giebt der Professor der speciel- 
len Therapie an der Universität Kiew, Dr. Me ring, in Folge 
schwerer Krankheit seine Professur auf. Ebenso soll der Profes¬ 
sor der therapeutischen Hospitalklmik iu Kasan Dr. M. S u b - 
b o tin nach Ausdienuug von 25 Jahren demnächst seine Lehrtätig¬ 
keit aufeogeben beabsichtigen. Da nun auch in Charkow der Lehr¬ 
stuhl der specietlen Pathologie und Therapie in Folge Rücktrittes 
des Prof. Kremjanski und iu Ka*eu der Lehrstuhl der therapeu¬ 
tischen Klinik durch den T^d von Prof Winogrado v bereits er¬ 
ledigt ist, so sind in nächster Zeit vier Professuren der Therqpifi 
zu besetzen . 

— Verstorben: Am 21. Januar in Narwa der Senior der dorti¬ 
gen Aerzte, Stadtarzt Alexander Wold. Kraack, gegqn 
70 Jahre alt, am Herzschlage« Der Hingeschiedene stammte aus 
Livland uud erhielt seine medicinische Ausbildung auf der Universi¬ 
tät Dorpat, wo er von 1835—41 stydirte. Nach Absolviruug des 
Arzteaamsns Hess sich K. als Arzt in Dieskau nieder, wurde darauf 
Stadialst in Nowofobew (Gouv. Piei-kau), siedelte aber bald nach 
Narwa über, wo er lauge Jahre hindurch bis zu seinem Lebensende 
als Stadlphysicus fungiite unü %i§ Arzt wie als Mensch sich eiuer 
allgemeinen Beliebtheit erfreute.. 2) Iu Turek (Goi*v. KalDoh) 
der dortige Arzt B j e 1 i n s k i an Phosphor Vergiftung, die er sieh 
dadurch zugezogen hatte, dass beim Streicheu eines Zündhölzchens 
aia ahspruigeades Stück Phosphor ihm eine Brand wnude an einem 
Finger beibrachte, welche er aiifaugs uube&chtet Jiess. 2) Iu Mos¬ 
kau der ausseretatmässige Arzt der doitigeuPolizei, Sergei Sso- 
chanski am Typhus exaniheuiaticus im 28. Lebensjahre. 4) 
Der bekannte Professor der Phynolugie an der Züricher Universität, 
Dr. L u c h s i n g e r, iu Meran, wo er sich zur Cur befand. 5) in 
Stockholm Prof. Dr. C. Santesson, einer der berühmtesten 
Aerzte am dortigen Caroliniscben Institut, im 74. Lebenri*bre. 

— Wie der «Wratscb» erfährt, war der * assenbestand der Mos¬ 
kau-Petersburger Medicinischen Gesellschuft nach Schluss des 
vor Kurzem stattgehalteu ersten Congresses rassischer Aerste an¬ 
nähernd folgender: Von deH 13 Grüudern der Gesellschaft war an 
Capital nebst Zinsen eingeflossen die Summe von 1665 Rbl« 76 Cop., 
die Mitgliedsbeiträge betrugen 4330 KM , der Beitrag der Duma 
belief- sich auf lOUu Rbl., in Summa waren also eingeflossen 6995 
Rbl. 76 Kop. Veransg&bt waren bisher für Organisation des Con¬ 
gresses 1407 Rbl. 51 Cop. s uud sieben noch Ausgaben im Betrage 
von circa 300 Rbl. bevor; das Erscheinen des TagebiaMps des Cpn- 
gresses (JJ,HeBHBKT>) bat über 1800 Rbl. gekostet, so dass eiu Üeber- 
schuss von beinahe 8500 Rbl. in die Casse dar Gesell»oRaft geflos¬ 
sen ist. 

— Mehrere hiesige Mitglieder des im December v. J« hier statt- 
gehabten Aerzte-Congresses beabsichtigen dem Cassirer des Cpiwess- 
bnreans, Dr. W.Ssutugin, auf dessen Scuultern (wie aufuenen 
Dr. Ebermann’s^ die Hauptlast dbr Vorbereitungen zum Congress 
ruhte, welcher aber iu Folge der ihm eigenen Bescheidenheit wäh- 
I rend des Congresses mehr in den Hintergrund trat, ein cotlegiales 
Diner zu veranstalten . (Wr.) 

— Der VI. intematonale hygienische Gongress , welcher in 
diesem Jahre in Wien tagen sollte, wird aus Opportunitätsgründen 
erst im Jahre 1887 dort staufinden. 

— Iu den 5 Provinzen und 33 Gemeinden Italiens, in welchen 
die Cholera herrscht^ sind amtlichen Nachrichten zufolge in d^r 
Zeit vom 17. November bis 28. December v« J. 113 Choleraerkran- 
kungen mit 98 Todesfällen vorgekommen. 


*) Uebrigens fehlt zu diesen Beschlüssen die wichtigste Praemisse, 
nämlich die weiblichen med. Cnrse überhaupt weiter fortführeu zu 
düifeu, da sie laut Allerhöchsten Befehl im Aufhören begriffen siud. 
Es winl also nooh einige Zeit vergehen, bis man sie ins Alexander- 
hospital überführt. 


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36 


r 


Berichtigung: pag. 22, Zeile 14 und Zeile 24 von oben muss [ 

stehen Chromsäurep e r 1 e statt Chromsäurepaste. 

pag. 22 , Zeile 1 von oben rechts muss stehen «sind neue Woche- , 
rungen von solchen» — statt «sind nur Wucherungen eines solchen». 

Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 12. bis 18. Januar 1886. 

Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

Im Ganzen: • - £ £ £ t? £ £ %' * *-* 

1 ! w s» a ^ » 2 S S S S § ? S 

. *? v *? 7 I I I I I I I I s S 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


M. W. Sa. 


I ^ I I I r* KO v* »H 

331 262 593 128 44 78 26 il 20 71 54 


rH TH O J5 

t© 00 Q 

48 36 23 6 1 


2) nach den Todesursachen : 

— Typh. exanth. 0 , Typh. abd. 19, Febris recurrens 7, Typbus 
ohne Bestimmung der Form 3, Pocken 1, Masern 19, Scharlach 22 , 
Diphtherie 10 , Croup 4, Keuchhusten 3, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 31, Erysipelas 4, Cholera nostras 0 , Cholera asiatica 0 . Ruhr 2, 
Epidemische Meningitis 1 , Acuter Gelenkrheumatismus 0 , Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0 , Anthrax 0 , Hydrophobie 0 , Puerpe¬ 
ralfieber 1 , Septicaemie 5, Tuberculose der Lungen 107, Tubercu- 
lose anderer Organe 8 , Alcoholismus und Delirium tremens 1, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 51, Marasmus senilis 21. 
Krankheiten des Verdauungscauals 80, Todtgeborene 42. 


Name 

<D 

-§3 Woche 

| S (Neuer Styl) 

3 

Lebend¬ 

geboren 

<18* 

3 3* 

a C.5 

p oM 

Todtgeboren 

Gestorbeu 

* §i 
I c| 

co -tj gq 

London . 

4 083 928 3 .— 9 . Jan. 

2653 

33,7 

39 

1784 22,4 

Paris . . . 

2 239 928 3.-9. Jan. 

1319 

30,« 

97 

1126 26,* 

Brüssel . . 

175 811 3 — 9 . Jan. 

113 

33,3 

11 

97 28,7 

Stockholm . 

200143 27.Dec.—2.Jau. 

115 

29,9 

8 

98 25,6 

Kopenhagen 

280115 6 .- 12 . Jan. 

232 

43,o 

6 

111 20,6 

Berlin . . . 

1315412 3 .- 9 . Jan. 

841 

33,» 

33 

| 594 27,7 

Wien . 

769889 3 .— 9 . Jan. 

525 

37,» 

33 

419 27,9 

Pest . . . 

429 532 27.Dec.—2.Jan. 

269 

32,s 

13 

250 30,» 

Warschau . 

406 935 27.Dec.—2 Jan. 

305 

38,« 

25 

249 31,» 

Odessa . . 

194 400 3.-9. Jan. 

— 

— 

4 

123 32,t 

St. Petersburg 

928 016 10 -16. Jan. 

658 

39,6 

39 

590 32,« 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 4. Februar 1886. 

9^" Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 27. Januar J886. 


Annahme von Inser aten^ a usschliesslich im Central-Annoncen-Compto ir von Friedrich Petrick 

St. Petersburg, Newsky-Prospeet 8. 


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Direction: Paris, 8 , boulev. Montmartre. 

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Neigungen, schlechte Verdauung, Ver¬ 
stopfung der Leber, der Milz, des Lei¬ 
bes, Stemkrankheit u. s. w. 

HOPITAL. Gegen Verdauungsbe- 
' sch werden, Magenbeschwerden, Appe¬ 
titlosigkeit. Magenschmerzen u. s. w. 


I *1 fl V f e 


11AU 1 UMX ? Xi- Wg. XX1 VU«üvu>uv>«., 

Blasenleiden, Steinkrankh., Podagra, 
Appetitlosigk. u. 8 . w.—Man fordere die i 
Bezeichnung d. Quelle auf d. Scnachtel. | 
Zu haben bei: Stoll & Schmidt, Russ. 1 
Pharmac. Gesellschaft, H. Klos & Co. I 


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ortan aetl. an bie Slbrdie: tfTermmntt der FflrmtUchvn Minemtw**9er von Obvr-Sat*bmnn 
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wirb. $rei«liiten unb ^ebraudjäanroedungen flehen giatid jut ©ertiigung. 

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Herr Kaiserlicher Leibarzt, Prof. Dr. 
Nicolai Zdekauer: 

«Ist ein sicheres und kräftiges Abführmittel, was bei dem starken Gehalt an Bitter- und Glauber¬ 
salz nicht anders zu erwarten war». St. Petersburg, 24. Mai 1884. 

Prof. Dr. E. Biddcr, St. Petersbarg schreibt: Die Franz-Josef-Bitterquelle ist ein zuverlässi¬ 
ges und mildes Abführmittel, das auch in relativ geringer Quantität längere Zeit hindurch mit 
Erfolg gebraucht werden kann. St. Petersburg, im September 1885. 16 (3) 

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III. Jahrgang. 

(ln der Reihenfolge XJ. Jahrgang.) 


St. Petersburger 

Hedicinische Wochenschrift 


Prof. Ed. v. WAHL, 
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unter der Redaction von 
Dr. L. v. HOLST, 
St. Petersburg. 


Dr. GUST. TILING, 
St. Petersburg«, 


Die «St. Petersburger Medicioische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn* 
abend. Der Abonnements - Prült ist- In Umstand 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl* ftlr das halbe Jahr inclusive PosfrZustellimg; In den anderen Lin¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Inssfations - Prüfe Air 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist io Kop. oder 30 Pfenn« — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge bittet man an die Baehbendliuie roa 
Carl RIoker in St. Petersburg, Newslcy • Prospect AI 14 zu richten. 
BBP* Ine »rate werden ausschliesslich im CentraNAnnoUcen-Bu- 
rean von Frledrith Peirlc k in Sb. Petersburg, Newsky-Prospcct AI 8, 
entgegengenommen. Man II Scripte sowie alle aeif die Redactlon 

bezüglichen Mittheilungen bittet man an den gesobäftsführenden Re« 
dacteur Dr. GottäV Tlllng (Kirotschnaja M 39) zu richten* 


Ns 5. St. Petersburg, 1. (13.) Februar 1880. 

—^■BBgaaawMMt —warn—.. 


Inhalts P. Rauschenbach : üeber einen Fall von Morbus Addisoaii. — Referate. Schadewaldt: Die Trigemjuus-Mettreeeti. 
— Hondl: Spertüinum sulphurioun, ein neues Henmittel. — Bücher-Anreigen und Besprechungen. Vict. Kandinsky: Kri¬ 
tische und klinische Beobachtungen im Qehiete der 8inneetäusebnngen. — A. Hartmann: Die Knuokbeiten des Ohms und deren 
Behandlung. — 1 . Congress der russischen Aerzte . — F ermischtes. — Vacam. — MertatUdts-BuüeHn St. Petersburgs. — btwtOh 
litfit einiger Hauptstädte Europas. — Anzeigen. 


Ueber einen Fall von Morbns Addisenif. 

Aas dem weiblichen Obnchow-Hospital. 

Von 

Or. F. Rauschenbach. 


Wenn ich mich entschliesse nachstehenden Krankheits¬ 
fall zu veröffentlichen, so geschieht dies weniger des klini¬ 
schen Bildes als des bacterioskopiscben Befundes wegen, 
zumal mir nicht bekannt ist, dass kranke Nebennieren be¬ 
reits auf Tuberkelbacillen untersucht worden sind. 

Anissia Matwejewa, 25 a. n., Dienstmädchen, befindet Sch 
seit lOJahren in Petersburg. Anamnestisch lässt sieb Folgen¬ 
des ermitteln: Patientin erkrankte im October 1884‘unter 
Frost und Hitze, wozu sich bald Gliederschmerzen und 
Athemnoth gesellten. Im April 1885 trat sie in das 
Alexanderhospital ein und blieb daselbst bis zuia Mai, wo 
sie Linderung verspürte und entlassen wurde. Seit einiger 
Zeit leidet sie an Durchfall, ziehenden Schmerzen in der 
Brust und in den Füssen und fühlte sich zuletzt so schwach, 
dass sie in das Obnchow-Hospital kam, woselbst sie am 
14 August 1885 in die Abtheilung von Dr. K e r n i g auf¬ 
genommen wurde. 

Status prsesens: 

14. August. Abends 5 Uhr T. 37,8, 

15. August. Morgens 8 Uhr T. 37,2, P. 90. 

Patientin ist von mittlerer Statnr und graciiem Knochen¬ 
bau. Panniculus adiposus massig entwickelt. Die Haut 
gleichmä888ig graubraun verfärbt, am Rumpf dunkler wie 
an den Extremitäten. Sehr stark pigmentirt namentlich 
der Warzenhof and die Lendengegend. Die Sclera bläu¬ 
lich weiss, die sichtbaren Schleimhäute äusserst anämisch. 
Auf der Schleimhaut des harten Gaumens und auf der In¬ 
nenfläche der Lippen unregelmässig geformte, verschieden 
grosse Pigmentflecke. Zunge grau belogt und feucht. 

Lungengrenzen normal. In der Suprascapnlargegend 
links eine leichte Dämpfung, sonst überall heller Lungen- 
schall. Die Aoscultation ergiebt reines Vesiculärathmen, 
das an den Spitzen ein wenig abgeschwächt ist. Respira- 
1 tionsfrequenz 24 Herzgrenzen normal, Spitzenstoss inner¬ 
halb der linken Mamillarlinie im 4.Intercostalraum. Herz¬ 
töne rein. Radialpuls auffallend klein und weich. 


Die.Leberdämpfung überragt den Rippenrand in der Mam- 
millar- und Medianlinie um 1 und 2 Finger breit.' Milz 
nicht vefgrössert. Der Leib ein wenig eingesunken. Im 
Hospital noch kein Stuhl erfolgt. Urin eiweissfrei. Die 
Sinnesorgane bieten nichts abnormes dar. Die Sehnenre¬ 
flexe an den Knieen vermindert, doch kann Patientin mit 
geschlossenen Augen ohne Mühe im Zimmer umhergeben. 
Sensibilität erhalten. 

Patientin ist äusserst apathisch, fixirt selten einen Ge¬ 
genstand, sondern sieht meist ins Leere. Zwischen Fragen 
und Antworten vergeht eine geraume Zeit. 

Patientin klagt über ziehende Schmerzen in den Füssen. 

16. August. MorgenB 8 Uhr T. 37,0, P. 102, sehr klein, 
aber regelmässig. Patientin klagt über Uebelkeit, Er¬ 
brechen ( und über bitteren Geschmack im Monde. Zunge 
belegt. Appetit fehlt gänzlich. Innerhalb 24 Stunden kein 
Stuhl. Urinmenge 350 Ccm. 

Abends 5 Uhr T. 37,4. 

17. August. Morgens 8 Uhr T. 36,8. Patientin bat die 
Nacht rnhig verbracht. Gegen 10 Uhr wird Patientin un¬ 
ruhig, fährt öfter aus dem Bette auf and murmelt leise vor 
sich hin. Auf Fragen erfolgt keine Antwort. Pols bedeu¬ 
tend beschleunigt. Später verlässt Patientin das Bett, 
kriecht auf der Diele nmher und erkennt Niemand von den 
Anwesenden, ln das Bett zurfkekgebraebt, stirbt sie plötz¬ 
lich um 11V* Uhr Vormittags. 

Sectionsbefund am 18. August. (Dr. P o 1 e t i k a). 

Dura mater intact; die Pia stark hyperämisch und öde- 
matös; die venösen Gefässe derselben erweitert. Stellen¬ 
weise sieht man leichte Trübungen und Verdickungen in 
der Umgebung der P a c c bi o n i'sehen Granulationen. 
Die Corticalsubstanz des Gehirns ödematös, die centralen 
Ganglien intact Die Gehirnventrikel erscheinen erweitert 
und mit einer durchsichtigen, serösen Flüssigkeit gefüllt 
Auf dem Boden des 4. Ventrikels zahlreiche, pnnetförmige 
Blutaustritte. 

Beide Lungenspitzen mit dem Thorax durch alte fibröse 
SträBge verwachsen. In dem Gewebe der erster Sn fühlt 
man mehrere Knoten durch, welche sich auf dem Durch¬ 
schnitt als peribroncbitische, fibröse Verdickungen erweisen. 


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38 


Beide Spitzen etwas geschrumpft. Die herausgenommenen 
Lungen collabiren gut und sind stark anämisch. 

Das Herz klein und etwas atrophisch, schliesst in seinen 
Höhlen einige kleine Fibringerinnsel ein. Die Klappen» 
apparate intact und'sufficient. 

Die Mils von normaler Grösse, zeigt eine glänzende Kap* 
sei; die Pulpa etwas anämisch, von normaler Consistenz. 

Die Nieren, von normaler Grösse und Consistenz, sind 
namentlich in ihrer Rindensubstanz stark anämisch. Letz¬ 
tere hat stellenweise auf den Durchschnitten ein marmo- 
rirtes Aussehen, welches durch punctförmige Pigmentan¬ 
häufungen bedingt wird. Die Schleimhaut des Magens und 
des Darmcanals bietet ausser einer stark ausgesprochenen 
Anämie nichts besonderes dar. Die mesenterialen und re- 
troperitonäalen Drüsen erscheinen geschwellt und von 
grösserer Consistenz als normal; 

Die Nebennieren auffallend vergrössert und consistent. 
Ihr Inhalt besteht aus käsigen Massen, welche meist in Er¬ 
weichung übergegangen sind. Im Schwanzende des Pan¬ 
kreas befindet sich gleichfalls ein grösserer, erweichter kä¬ 
siger Herd. 

Der Uterus normal. 

.Totale Broncefärbung der äusseren Hautdecken. 

Hinsichtlich des klinischen Bildes habe ich nur wenig 
hinzuzufttgen, da die Symptomatologie des Morbus Addisonii 
durch zahlreiche Mittheilungen vollkommen festgestellt 
worden ist, und auch im vorliegenden Fall alle Cardinal- 
symptome, also Broncefärbung der äusseren Haut, Anämie 
und Adynamie, Störungen in den Functionen der Ver¬ 
dauungsorgane und des Nervensystems, vorhanden waren. 
Nur eines Umstandes möchte ich mit wenigen Worten er¬ 
wähnen. 

Während nämlich von älteren Forschern, vor allem von 
Averbeck *) und Merkel 1 ), dann aber auch vou 
Niemeyer*) und Burger 4 ) und anderen die Anämie 
als ein wesentlicher Factor der A d d i s o n ’schen Krank¬ 
heit angesehen wird, tritt dieses Symptom bei neueren Au¬ 
toren mehr in den Hintergrund. E i c h h o rs t 6 ) erwähnt 
wohl anämischer Herz- und Gefässgeräusche (welche, neben¬ 
bei gesagt, Nothnagel fast ausnahmslos vermisst), doch 
das Wort «Anämie» kommt bei ihm in der Symptomatologie 
der Kraukheit gar nicht vor und nach Nothnagel 6 ) 
«bildet diese sogenannte Anämie gar kein specifisches, we¬ 
sentlich primäres Symptom des Morb. Addisonii», sondern 
hängt seiner Meinung nach von anderen «zufälligen Beson¬ 
derheiten und Complicationen» ab. Demgegenüber muss 
ich hier hervorheben, dass im vorliegenden Fall gerade die 
Anämie vor allem Anderen auffiel, und dass die am ersten 
Krankheitstage von Dr. Kernig gestellte Diagnose 
«Anämia gravis» lautete, jedoch mit dem Zusatz, dass die 
hochgradige Hautverfärbung erlaube den Fall auch als 
Morbus Addisonii aufzufassen. Mir selbst schwebt noch¬ 
deutlich die fast wachsgelbe Farbe der Rachenschleimbaut 
und der Copjunctiva vor Augen. Blasende Geräusche am 
Herzen und Oedeme waren allerdings nicht vorhanden; 
Complicationen und Besonderheiten aber, von denen man 
die Anämie abhängig machen konnte, fehlten in diesem 
Fall. 

Da von fast allen Autoren die Verkäsung der Neben¬ 
nieren und Tuberkelbildung in denselben als pathologiscb- 
aoatomische Grundlage des Morbus Addisonii angenommen < 
wird, neben mehr oder weniger schwankenden Befunden an 

*) Averbeck: Die A d d i a o n ’sche Krankbeit. Erlangen 1869. 

*) Merkel: Die Krankheiten der Nebennieren in v. Z i e m s 8 e n’s 
Handbuch der speeiellen Pathol. und Therapie Bd. VIII, 2. Hälfte. 

*) F. Niemeyer: Lehrbuch der gpecieUen Pathologie und The¬ 
rapie 1877. 

4 ) C. B u r g e r: Die Nebennieren und der Morbus Addison. Berlin 
1882. 

s ) Eichhorst: Handbuch der speeiellen Pathologie und The¬ 
rapie 1883. 

*) H. Nothnagel: Zur Pathologie des Morbus Addison. Zeit- 
chrift für kün. Medicin. Bd. TK, pag. 204. 


den Nervenplexus und Ganglien der Bauchhöhle, ich erin¬ 
nere nur an die Arbeiten vonVirchow, Schüppel, 
Merkel und Anderen, so lag es nahe, oben genannte Or¬ 
gane auf Tuberkelbacillen zu untersuchen. Zur Anfertigung 
von Schnittpräparaten eigneten sich in diesem Fall die Ne¬ 
bennieren nicht, da ihr Inhalt vollkommen verkäst war, 
und desshalb begnügte ich mich aus letzterem Deckglas¬ 
präparate anzufertigen. Als Färbemittel benutzte ich Car- 
bolwasser- und Anilinwasser - Fuchsinlösung. In beiden 
Fällen wurde nachher mit Salpetersäure entfärbt und als 
Contrastfarbe Malachitgrün benutzt. Die Präparate wur¬ 
den theils vermittelst erwärmter Farbstofflösung angefer¬ 
tigt, theils auf 24 Stunden in die kalte Lösung eingelegt, 
welchem letzteren Verfahren ich, sowohl was Schönheit der 
Färbung als auch die Zahl der sicheren Bacillen anbelangt, 
entschieden den Vorzug gebe. Ich konnte unter dem Mi¬ 
kroskop (Ze iss Via Oelimmersion) in jedem Präparate 
6—10 und noch mehr Tuberkelbacillen nachweisen, welcher 
Befund auch von Dr. K e r n i g bestätigt wurde. Von 
zeitigen oder Nervenelementen war ausser einigen isolirten 
Kernen nichts zu sehen. Dass die Bacillen in so geringer 
Anzahl vorhanden waren, ist nach den neuesten Forschun¬ 
gen auf dem Gebiete der Bacteriologie leicht verständlich,* 
denn die Lebensdauer der eingewanderten Krankheitser¬ 
reger ist nach Koch überhaupt relativ kurz, und käsige 
Massen besitzen nicht die geeigneten Nährstoffe, welche zur 
fortwährenden Erzeugung neuer Bacillengenerationen nöthig 
sind. Ausserdem dürfte auch die Invasion der Tuberkelba¬ 
cillen eine wenig zahlreiche gewesen sein; es finden sich 
überall Angaben, welche das Vorkommen von Riesenzellen 
in tubereuiös degenerirten Nebennieren bestätigen und die¬ 
ser Befund setzt wenigstens nach P. Baumgarten’) 
eine allmälige, wenig zahlreiche Einwanderung von Bacillen 
voraus, d. h. Riesenzellen entstehen dann, wenn der Reiz, 
den die Krankheitserreger auf das Gewebe ausüben, kein 
allzu grosser ist. 

Was schliesslich die Wege anbelangt, auf welchen die 
Tuberkelbacillen in das Gewebe der Nebennieren eindringen, 
so dürften gewiss deren mehrere existiren. Doch hat der 
Infectionsmodus durch die Darmwand vieles für sich, denn 
als constanter Leichenbefund wird von Merkel Schwel¬ 
lung der mesenterialen und retroperitonäalen Drüsen, ihre 
sehr häufige Verkäsung und vollkommner Zerfall angeführt, 
während tuberculöse Affectionen der Lunge und anderer 
Organe nicht als constant angegeben werden. Ueber etwaige 
Veränderungen an den Ganglien und Nerven der Bauch¬ 
höhle im vorliegenden Fall kann ich nichts aussagen, da 
dieselben bei der Section nicht berücksichtigt wurden, doch 
wäre es gewiss lohnend und Interessant, auch sie und ihre 
Umgebung auf Tuberkelbacillen zu untersuchen. 

Der Nachweis von Tuberbacillen in käsig degenerirtep 
Nebennieren dürfte aber auch in experimenteller Hinsicht 
von Interesse sein. Bisher haben bekanntlich künstliche 
Läsionen der Nebennieren und Ganglien der Bauchhöhle, 
welche meistens in Ausschneiden und Quetschen der er¬ 
wähnten Organe bestanden, keine unzweideutigen Resultate 
geliefert. Die Einführung käsiger Massen oder Reinculturen 
von Tuberkelbacillen in dieselben dürfte jedenfalls leichter 
auszuführen sein und einen für die Versuchstbiere unge¬ 
fährlicheren Eingriff bilden wie die oben erwähnten Ma¬ 
nipulationen. 

Zum Schluss möchte ich noch einmal hervorheben, dass 
vorliegender Fall von Morbus Addisonii, so weit wenigstens 
meine Literaturkenntdiss reicht, wohl der erste sein dürfte, 
bei welchem Tuberkelbacillen in den Nebennieren nachge¬ 
wiesen worden sind. 


*>P. Baumgarten: Experimentelle und pathol.-an&t. Unter¬ 
suchungen über Tuberculöse. Zeitschrift für klin. Med. Bd. IX, 
Heft 2 und 3. 


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39 


Referate. 

Schadewaldt: Die Trigeminus-Neurosen. (D.med.W. 

1885, XX 37 BBd 38). 

In den MM 16 u. 17 der D. med. W. hat Dr. L. W. W i 11 e, Berlin, 
einen Aufsatz über den Trigeminushusten veröffentlicht, der auch in 
dieser Wochenschrift referirt wurde; die vorliegende Arbeit ist so 
in sagen die Fortsetzung jener. Schadewaldt theilt die Neu¬ 
rosen des nasalen Trigeminus in 2 Gruppen: t) localiairt bleibende, 
d. b. nicht reflectirte Neurosen, 2) wahre Beilexneurosen. 

ad 1) Halsparaesthesien als nicht reflectirte nasale Trigeminus- 
Neurosen. 

Nicht selten sind die Patienten, welche Aber Halsschmerzen ver¬ 
schiedenster Art in unklarer Weise klagen, obgleich in vielen Fällen 
‘Fauces, Tonsillen, Uvula, Pharynx und Larynx normal oder doch in 
den Grenzen der empirischen Norm sich finden. Die Patienten be¬ 
schuldigen einen Theil des Halses, der ihnen bekannt ist, das Zäpf¬ 
chen, den Keklkopf, den Schlund oder die Gegend hinter der Fossa 
jugularis. Die Empfindungen des Druckes, Brennens und Kratzens 
sind die häufigsten. Zuweilen finden sich auch wirkliche cbron. ana- 
tom. Veränderungen, doch haben dieselben mit der Paraestbesie 
nichts zu thun. Das Localisationsvermögen im Halsorgan ist phy¬ 
siologisch ein sehr mangelhaftes, Localisationstäuscbungen der Hals¬ 
kranken werden Veranlassungen zu alltäglichen Irrthümern, und 
zwar kommen die auch bei hochgradigen anatomischen Verände¬ 
rungen vor, um wie viel mehr also bei nervösen Affectionen. Auf 
die subjectiven Angaben ist also nichts zu geben, daher braucht man 
ein objectlves Symptom. Schadewaldt lässt sich von dem durch 
zarte Sondenreiznng in den Nasenhöhlen geweckten Trigeminus¬ 
husten, der eine Störung oder wenigstens physiologische Schwan¬ 
kung in der Function des nasalen Trigeminus bezeichnet, oft an den 
wahren Locus affectionis leiten, wenn deutliche anatom. Verände¬ 
rungen in den Nasenhöhlen nicht nachweisbar sind. Behandelt 
man dann die mit Trigeminushusten afficirte Nasenpartie alterirend, 
derart, dass man den unbezwingbaren Hustenreflex in den normalen 
Niesereflex wieder zurückgeführt, so schwinden in den Fällen unse¬ 
rer Kategorie die vorher geklagten Beschwerden, die Diagnose ist 
ex jnvantibus gesichert. 

# Bei der Behandlung folgt man der Leitung der Natur. «Die phy¬ 
siologische Reaction auf Reize der Nasalhöhlen ist der Reihenfolge 
nach : Schwellung, Secretion und Niesereflexact. In pathologischen 
Zuständen ist nun häufig nur ein Theil dieser Reaction, nämlich die 
Schwellung vorhanden; es fehlt die Secretion und der Nieseact: die 
Schwellung wird, als Ausdruck des bleibenden Reizes, chronisch. 
Für den Nieseact ist vicariirend der Trigeminushusten vorhanden. 
Wir haben also die Secretion und den Nieseact anzuregen, und un¬ 
sere Aufgabe ist erfüllt». Mittel sind: Jodkalium innerlich, local 
schwache Inductionsströme, Wasserdampf-Nasendouohe, Pinselungen 
mit Jodtinctur, Brennen galvanokaustisch oder mit Ferrum candens. 

Nicht jede abnorme Halssensation ist hierher gehörig, so z. B. ist 
der wahre Globus hystericus keine Trigeminusneurose. 

2. Die wahren Reflexneurosen des nasalen Trigeminus. 

Die wichtigste und verbreitetste Form dieser Reflexneurose ist der 
Trigeminushusten. Jede leiseste Schwankung in der physiolog. 
Nasenreflexfunction ist von Trigeminushusten 'begleitet, sei er spon¬ 
tan, sei er experimentell. Beim spontanen Trigeminushusten ist 
stets auch der experimentelle vorhanden, denn Sondenreizung be¬ 
weist uns ja seinen Ursprung. Der spontane Trigeminushusten ist 
idiopathisch oder symptomatisch, ersterer acut oder chronisch. Der 
acute tritt nach starken Erkältungen auf, ist sehr quälend, lässt sich 
aber schnell beseitigen, der chronische besteht oft viele Jahre, ist 
sehr widerstandsfähig. Der spontane Symptom. Trigeminushusten 
begleitet viele Trigem.-Neurosen, auch der vorigen Gruppe, beson¬ 
ders aber das Asthma vor und nach dem Anfalle. Der experimen¬ 
telle Trig.-H. ist bei allen Trig.-Neurosen beider Gruppen vorhan¬ 
den, kann jederzeit durch Sonde oder schwache Inductionsströme 
geweckt werden; wir können durch denselben z. B. das wahre rein 
nervöse Asthma auch in den freien Intervallen mit Sicherheit er* 
kennen. 

Bei männlichen Individuen hat S. wiederkehrende refleotorische, 
hierher gehörige Anfälle von Spasmus glottidis beobachtet. Diese 
Form ist nichtsehr häufig. Viel häufiger dagegen ist die fundioneile 
Aphonie , in den Lehrbüchern meist als hysterische Aphonie auf¬ 
geführt. Kommt bei Männern und Frauen vor, bei letzteren häu¬ 
figer, wird durch dreieckig- oder lanzettförmig geöffnete Glottis be¬ 
wirkt. Die hysterische Anlage bildet bisweilen ein ursächliches 
Moment, doch ist sie nicht das Wesen der Erkrankung. Dieses gilt 
von allen unseren Trigem.-Neurosen. 

Schon 1881 hat Schadewaldt behauptet, das wahre nervöse 
Asthma sei eine reine Reflexneurose des nasalen Trigeminus, und 
diese seine Ansicht hält er eben noch fest, ganz gleich, ob anato¬ 
mische Veränderungen der Nasenhöhle dabei vorhanden sind oder 
nicht. Man darf aber niebt Alles hier zusammen werfen, was irgend 
den Namen Asthma führt, sondern nur das typische idiopathische 
Asthma nervosum im Auge behalten. In dieselbe Kategorie fallen 
leichtere Athmungsbeschwerden, s. B. der Inspirationszwang (Luft¬ 
hunger) dicht vor eintretender Resolution der acuten Koryza. Her- 
forzubeben ist das oft beobachtete Factum, dass die Anfälle schwin¬ 
den, wenn ein Asthmatiker phthisisch wird, während auf Sondenreis 


der Nasalhusten noch naebzuweisen ist. Die mangelnde Innerva¬ 
tionsenergie und der destructive Process in den Lungen macht das 
Auftreten der kraftvollen Refiexkrämpfe unmöglich. 

Die Räucherungen mit in starker Salpeterlösnng getränkten Stra- 
monium- oder Belladonnablättern (Folia Stramonii oder.Belladonnae 
nitrata) bringen beim echten Asthma Besserung, weil sie direct auf 
den Trigeminus ein wirken. Dafür spricht auch der Umstand, dass 
mit dem Nachlassen der Athmungsbeschwerden durch die Räuche¬ 
rung Kopfschmerzen (also eine andere Trigeminusaffection) an Stelle 
des Anfalles eintreten. Das leitet hinüber zu dem 
Umsetzen der verschiedenen Trigem.-Affectionen in einander , 
das oft spontan oder nach Localbehandlung beobachtet wird. An¬ 
statt des asthmat. Anfalles tritt Kopfschmerz ein oder Zwerchfells¬ 
krämpfe (Weinkrämpfe). Chron. Trigem.-Husten geht in asthma¬ 
tischen Inspirationszwang über, Trigem.-Neuralgie in Ohnmacht, 
Schwinde], Husfen, Paraestbesie in Husten etc. etc. 

Als Nelensymptome der nasalen Trigeminus-Neurosen kann 
man anführen: Schwindel, Ohnmacht, Flimmerskotome, Gemüths- 
depression, Kopfschmerzen. 

Selten kommen Neuralgien der Nasaläste des Trigem. vor, werden 
meist falsch subjectiv localisirt. 

Die Neurosen haben meist byperästhetiseben, gelten anästhetischen 
Charakter. 

Selten sind die Fälle reiner nasaler Anästhesie und Hyperästhesie 
d. h. ohne deutlichen Trigeminushusten. 

Was den regelrechten Schnupfen anbelangt, so zeigt derselbe stets 
Hyperästhesie, aber in zwei Formen; entweder ist der physiolo- 
logische Niesereflex nur vermehrt, oder derselbe ist mehr oder 
weniger in Trigeminushusten verwandelt. Im letzteren Falle haben 
wir das, was das Volk «Schnupfen und Husten» nennt. 

Der Aufsatz ist hochinteressant, damit sei die Länge des Referats 
entschuldigt. Leider hat der Verf. es unterlassen, auch die The¬ 
rapie in kurzen Züeen vorzuführen. Aus Andeutungen geht die An¬ 
wendung von Jodkalium innerlich, Tct. Jodi äusserlich, Galvano- 
caustik und in ausgedehntem Maasse von elektrischen Strömen 
hervor. Dr. M. Schmidt. — San-Remo. 

Hond6: Spartginum sulphuricum, ein nenee Herzmittel. 

(Bullet, de thärap. 1885 H 11). 

Das Spartein ist eine, von St enhouse im Spartium scoparium (Oy- 
tisuB scoparius)entdeckte flüchtige Base, welche später von G er h a r d t, 
und Mills studirt worden. H o n d 6 verkleinert, um das Alkaloid 
zu gewinnen, die Blätter und Zweige der Pflanze zu einem mittei¬ 
grohen Pulver, welches in einem Verdrängungsapparat so lange mit 
6Ö% Alcohol ausgezogen wird, bis Jodjodkaliumlösung keinen Nie¬ 
derschlag giebt. Die so gewonnenen aleoholiseben Flüssigkeiten 
werden filtrirt und vereinigt bei einer massigen Temperatur im Va- 
cumn destillirt. Der Rückstand wird mit einer Weinsäurelösung 
behandelt, das Ganze wiederum filtrirt, um eine grünbräunliche, 
hauptsächlich Chlorophyll und Scoparin enthaltende Gallert zu ent¬ 
fernen. Diese saure Lösung wird durch kohlensaures Kali alkalisch 
gemacht’und mehrmals mit dem 5 -öfachen Volum Aether geschüt¬ 
telt. welcher sämmtliches Alkaloid anfhimmt. Behufs Reinigung 
wird die ätherische Spartelnlösung mit Weinsäure versetzt, neutra- 
lisirt und wird dieses Verfahren so lange wiederholt, bis die ätheri¬ 
sche Lösung farblos wird, dann wird der Aether unter Abschluss 
von Luft und Licht abgedampft und das reine Spartein damit erhal¬ 
ten Aus einem Kilo erhielt H o n d 6 gegen 3,0 Alkaloid. Es stellt 
ein flüssiges, farbloses, oloses Alkali dar, von der Formel C f * H* 6 N*, 
von durchdringendem, an Pyridin erinnerndem Gerüche, sehr bit¬ 
terem Geschmack, es bräunt sich an der Luft und ist specifisoh 
schwerer als Wasser, Siedepunct 280°. Es löst sich in Alcohol, 
Aether und Chloroform, gar nicht in Benzin und den Petroleumölen, 
reagirt stark alkalisch und giebt in Gegenwart von HCl starke weiss- 
liehe Dämpfe; es stellt ein tertiäres Diamin vor. Das Spartgin ver¬ 
bindet sich mit Säuren und bildet mit diesen leicht krystallisirende 
Salze, das schwefelsaure erscheint in dicken, leicht löslichen Rhom- 
boödern. Mit KO COs und NH» giebt die Lösung des schwefelsaureu 
Sparteins einen weisen, im Ueberschuss des Reagens sich nicht lösen¬ 
den Niederschlag, mit Bicarbonaten erscheint nur. wenn erhitzt, eine 
Trübung und später ein weisser Niederschlag. HCl, NO», SO» geben, 
wenn concentrirt, keine Färbung der Lösung, CaJ giebt einen klum¬ 
pigen, weissen Niederschlag, phospbormolybdänsaures Natron einen 
ebensolchen, in der Wärme löslichen, Knpfersalze einen grünlichen, 
Chlorplatin einen krystallinischen gelben. 

Physiologische Wirkung. (G. Säe) 0,2 pro dosi erhöhten die 
Herztnätigkeit und den Puls, ähnlich der Digitalis nnd der Conval- 
laria, nur viel deutlicher, rascher und anhaltender wirkend, regu- 
liren sofort den gestörten Herzrythmus nnd beschleunigen die Hera- 
contractionen. Diese Wirkung tritt nach Ablauf einer oder höch¬ 
stens einiger Stunden ein und hält, nach Aussetzen des Mittels 3—4 
Tage an, wobei die Kräfte sich heben und die Athmung frei wird. 
Das Schwefelsäure Spartein ist indidrt bei Schwäche des Herzmuskels 
selbst, sei es in Folge einer Degeneration desselben oder weil er 
Hindernisse in der Circnlation nicht zn überwinden vermag; ein 
intermittirender, arythmischer Puls wird rasch normal. Das Mit¬ 
tel wird in Pillen oder in Syrup (1:10) verordnet. H«. 


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40 


BOcher-Anzeigen und Besprechungen. 

Vict. Kandinsky (St. Petersburg): Kritische uod 
klinische Beobachtungen im Gebiete der Sinnestäu¬ 
schungen. I. und II. Studie. Berlin 1885. 170 pag. 

Kaum giebt es ein psychologisches Symptom, aber das schon so 
viel geschrieben ist, wie über Hallncinationen und doch enthält diese 
Literatur, wie der Verf. richtig bemerkt, im Verhältnis* zu dem 
Ueberfluss von Theorien nur wenig hinlänglich detaillirte Beobach¬ 
tungen. K. hat die Lehre von den Hallncinationen schon einmal in 
einem Artikel berührt (Archiv für Psychiatrie Bd. XI), in welchem 
neben bestreitbarer Theorie interessante Facta bekannt gegeben 
wurden. Wie die vorliegenden Studien beweisen, hat sich der 
Verf. weiter mit grossem Fleiss mit der Lehre von den Hallucina- 
tionen beschäftigt. Die Fachgenossen werden nicht nur die reiche 
Literaturkenntniss, welche hier zu Tage tritt, anerkennen, sondern 
besonders die Mühe zu schätzen wissen, welche der Verf. auf das 
Studium, das unermüdliche Inquiriren seiner Patienten verwendet. 
Die hier veröffentlichten Krankengeschichten werden als ein sehr 
instructiver Beitrag zur Lehre von den Hallncinationen und der 
hallucinatorischen Paranoia jeden Arzt interessiren, sie sind von po¬ 
sitivem, bleibendem.Werth auch für denjenigen, der K.’s theoreti¬ 
schen Ansichten und Ausführungen nicht überall zu folgen und bei- 
sutreten vermag. 

Während eine genaue klinische und theoretische Darstellung der 
eigentlichen Hallncinationen für eine folgende Veröffentlichung in 
Aussicht gestellt wird,beschäftigt sich K. in dieser Abhandlung haupt¬ 
sächlich mit den von ihm sogenannten «eigentlichen Pseudohallucina- 
tionen *. Das sind solche«subjective Erregungen gewisser sensorischer 
Gebiete des Gehirns, welche ganz concrete und sehr lebhafte sinnliche 
Vorstellungen oder sinnliche Bilder hervorrufen, wobei aber dieselben 
für das wahrnehmende Bewusstsein sich scharf von den hallucinatori¬ 
schen Bildern dadurch unterscheiden, dass ihnen der den letzteren ei¬ 
gene Charakter der Objectivität oder der Wirklichkeit fehlt und sie im 
Gegentheil, als etwas subjectiv Entstandenes und doch dabei als 
etwas Anormales, Neues, etwas von den gewöhnlichen sinnlichen 
Vorstellungen Verschiedenes wahrgenommen werden.* Hallucina- 
tionen dagegen sind «Erregungen der centralen Sinnesgebiete, welche 
als Resultat ein sinnliches Bild schaffen, das trotz seiner subjectiven 
Entstehung im Bewusstsein der betreffenden Person denselben Cha¬ 
rakter der Objectivität (Leibhaftigkeit) trägt, der bei gewöhnlichen 
Bedingungen nur den sinnlichen Bildern bei der unmittelbaren, ob» 
jectiven Wahrnehmung gehört». K. braucht also die Bezeichnung 
Pseudohallucinationen nicht in der seit H a y e n gebräuchlichen Weise 
(Erinneruugstäuschungen, Verwechselungen von Geträumtem und 
Gedachtem mit wirklich Erlebtem), sondern für jene subjectiv ent¬ 
standenen Sinnesbilder, die von den. meisten Autoren als eine Art 
Hallucination, als ein in der Mitte zwischen lebhafter Phantasievor¬ 
stellung und Hallucination Stehendes aufgefasst werden (cf. 
Schue 1 e und Kräpelinin ihren (Jompendien). Derartige ei¬ 
gentliche Pseudohallucinationen beobachten viele gesunde Indivi¬ 
duen an sich selbst vor dem Einschlafen. Viele Visionen der As¬ 
keten gehören hierher. Bei Geisteskranken unterscheiden sie sich 
besonders beim Auftreten im Gebiet des Gesichts uud Gehörs deut¬ 
lich von den eigentlichen Hallucinationen und den einfachen Phan¬ 
tasievorstellungen andererseits^ Die nähere Betrachtung dieser 
Pseudohallucinationen illnstrirt durch die erwähnte,^genaue Ca- 
suistik nimmt den grössten Theil der vorliegenden Schrift ein. Auch 
die weiteren Abschnitte bringen interessante Beiträge zur Patho¬ 
logie der Paranoia, wir heben nur das überdas «innere und zw&ngs- 
mässige Sprechen» der Kranken, das Über «das Gefühl des inneren 
Offenseins* Mit^etheilte hervor. Den Beschluss bilden theoretische 
Folgerungen, die Anschauungen des Verf. über die Localisation der 
Hallncinationen und Pseudohallucinationen. Es ist hier nicht der 
Ort diese Anschauungen wiederzugeben, deren hypothetischer Cha¬ 
rakter vielfach zur Kritik herausfordert. Wir befinden uns eben 
auf einem Gebiet, wo Vermuthungen noch ein weiter Spielraum ge¬ 
lassen ist. Wenn der Verfasser schon früher an einer anderen 
Stelle (p. 83) von «rein inteilectnellen Centren in der Rinde des 
Vorderhirns* spricht und die einfachen Zwangsvorstellungen als 
Producte spontaner Erregung dieser Centren ansieht — so ist hier¬ 
mit schon der Standpunot gekennzeichnet, von welchem aus der 
Verf. seine klinischen Erfahrungen mit Hypothesen ans der Physio¬ 
logie des Centralorgans in Verbindung bringt, ein Standpunct, der 
berühmte Forscher und Kenner des Hirnbaues zu seinen Vertretern 
zählt, auf den uns zu begeben wir aber mit Anderen vorläufig ver- 
sichten zu müssen glauben. 

Die Schwierigkeit der Nomenclatur für die ins Gebiet der Sinnes¬ 
täuschungen fallenden Erscheinungen hat K. selbst gefühlt (p. 30) 
und wird man über den Ausdruck «Pseudohallucination* mit dem 
Antor nicht rechten dürfen, ehe ein besserer erfunden ist. Auch 
Lazarus (Zur Lehre von den Sinnestäuschungen 1867, p. 16) be¬ 
merkt, «dass wir uns in diesem gauzen Gebiet von jeder etymolo¬ 
gischen Bedeutung verlassen sehen und uns für die technische Be¬ 
zeichnung mit einem leisen Anklang an den Sprachgebrauch begnü¬ 
gen müssen.» Ausdrücke aber wie «ein pseudohalluciuirender 
Kranker* oder «psendohallncinatorische Pseudoerinnerungen» (p. 
128) werden immer daran erinnern, dass hier die Terminologie drin¬ 
gend einer Aenderung bedarf. K. wird sich den Dank seiner Leser 


erwerben, wenn er bei deT in Aussicht gestellten Fortsetzung seiner 
Schrift möglichst Wiederholungen vermeidet, die öfters bei der Lee- 
tffre des vorliegenden Theils störend auffallen. Wegen des interes¬ 
santen, reichhaltigen Inhalts sind wir -berechtigt, dieselbe der Be¬ 
achtung unserer Oollegen zu empfehlen. Möge der zweite Theil der¬ 
selben, der genaue Beobachtungen über Gehörshallucinationen Zu 
geben verspricht, nicht lange auf sich warten las neu! 

M e rc k li n. 

A. Hartmann: Die Krankheiten des Ohres und deren 
Behandlung. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage. 
Mit 42 Holzschnitten. Berlin 1885. Verlag von Fischerfe 
medicinischer Buchhandlung H. Kornfeld. 

Ein Buch, das binnen Jahresfrist eine neue Auflage erlebt, braucht 
wohl kaum eine Empfehlung. — Unser Urtheil bleibt dasselbe wie 
bei der 2. Auflage (St. Petersb. Med. Wochenschrift 1884), und^ 
müssen wir noch hinzufügen, dass in dieser mit Fleiss and Geschick 
alles Nene und Wissens werthe berücksichtigt ist, wodurch auch der 
Umfang des Buches dementsprechend etwas zugenommen hat, N. 

I. Congress russischer Aerzte. 

Medicinisch-sociologische Section. 

I. 28. Decemder . Präsident Dr. Pogoshew(M). 

1) Prof. Tauber (Warschau). «Ueber die Mittel zur Verbrei¬ 
tung chirurgischer Hülfe unter der Landbevölkerung.» Ref. betont 
Eingangs das ungenügende medicinisch-erziehende Material, das 
unsere chirurgischen Kliniken den Stndirenden bieten and belegt 
diese Behauptung durch genaue, tabellarisch geordnete statistische 
Daten, deren Wiedergabe hier nicht möglich ist, (Prof. Koro wa- 
jew in Kiew z. B. hat in den 35 Jahren seiner Lehrtätigkeit ebenso 
viel Kranke gehabt, als die medicinische Schule am St. B&rtbolo- 
mew-Hospital in London während eines Jahrs), dann bespricht er die 
mangelhafte praktische Ausbildung der jungen Aerzte in der Chirur¬ 
gie in Folge der Ueberfüllung der medicinischen Facultäten. T. 
schlägt dem Congresse vor, bei der Regierung um schleunige Er¬ 
öffnung einer medicinischen Facultät bei der Odessaer Universität 
za petitioniren und fliegende chirurgische Detachements ans Studen¬ 
ten der beiden letzten Curse (7—10 Semester) unter Führung er¬ 
fahrener Lehrer, welche während der Ferien in verschiedene Gou¬ 
vernements zu entsenden wären. 

Prof. Sklifosso wski (M). Die Stndirende Jugend erhält eine 
ebenso tüchtige theoretische Ausbildung, wie die im Westen Euro¬ 
pas, wird aber dnrch sociale und geographische Bedingungen an 
praktischer Vervollkommnung verhindert, desshalb müssen die Hos¬ 
pitäler der Universitätsstädte zu klinischen Zwecken eingerichtet 
werden und die Zahl der medicinischen 8chuien verdoppelt und ver¬ 
dreifacht werden. Der Vorschlag des Prof. Tauber würde als 
Ergänzung der praktischen Beschäftigungen für Studenten und junge 
Aerzte seinen Zweck erfüllen, worauf Tauber erwidert, dass die 
Erfüllung der Vorschläge des Prof. Sklifossowski noch in weiter 
Ferne lägen, während fliegende Abtheilnngen den doppelten Zweck 
der Belehrung uud der ärztlichen Hülfe leicht erreichen könnten. 
Dr. Ebermann sagt, dass die ersten fliegenden chirurgischen 
Detachements von N. L. Pirogowin den Ostseeprovinzen organi- 
airt worden seien. Dr. Potschtarew(Smolensk) hält die Ausbil¬ 
dung einer neuen Reihe von Chirurgen für unnütz, weil die Univer¬ 
sitäten deren genug liefern uud Entsendung von fliegenden Abtei¬ 
lungen für zweifelhaft, weil sie möglicherweise keine Kranken vor¬ 
finden könnten. , 

2) Dr. S u 1 i m a (Janepolj, Podolien) meint in seinem Vortrage 
«Ueber die Ursachen der Entwickelung von Angenkrankheiten unter 
dem Volke and die Nothwendigkeit eines Gouvernementsocnlisten*, 
dass Angenkrankheitea sich in Folge von Unwissenheit and Armuth 
der Bevölkerung, der überhaupt ärztliche Hülfe fehle, entwickelten; 
wozu noch die Neigung der südrussischen Juden za Augenleiden, 
die Uebertragang von ansteckenden Krankheiten (Trachom) und die 
Beschäftigung (Schmiedearbeit) ihren Theil beitrügen; desshalb 
wäre die Creirung eines Gouvernementsoculisten wünschenswert. 

3) Dr. S k r e b i z k y (St P.).«Ueber die Verbreitung deT Bünden in 
Russland». — (cf. Aft 4 dieser Wochenschr.) 

4) Dr. Bogajewski (Krementschug). «Ueber das Bedürfhiss 
der Dorfbevölkerung nach ärztlicher Hülfe bei Augenerkrankungen 
und der Nothwendigkeit dasselbe zu erfüllen». Er schlägt eine 
Reihe sehr zweckmässiger Maassregeln vor,wie reguläre Organisation 
der landschaftlichen Medicin über ganz Russland, die obligatorische 
Bekanntschaft der Landschaftsärzte mit der Ophthalmologie, die 
Ausführung von Operationen an den Augeu in den Land- und Stadt¬ 
spitälern, die Gründung von Augenabtheilungen an den Gouverne- 
mentskrankenhäasern, die unentgeltliche Behandlung von Augen- 
kranken, das Stadium der Statistik und der Aetiologie der Augen- 
krankheiten und die grössere Ausbreitung der Thätigkeit des Ma- 
riencur&toriums zur Fürsorge der Blinden. 

. Der Präsident schlägt vor, wegen Mangel an Zeit zwei Commis¬ 
sionen zur Formulirnng der Vorschläge der DDr. Skrebizky und 
Tauber zu bilden, was auch geschieht.*(ef. Sitzung v. 30. Dec.) 

5) N a des hd i n (Vietinghof). «Ueber die Bedeutung der Chirur¬ 
gie in der landschaftlichen Medicin und über die Mittel, die Augen* 
kranken zum Ansuchen ärztlicher Hülfe zu bewegen. > Allgemeine 
Betrachtungen. 


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41 


II. 39. December Präsident Prof! Sk I i f o s s o w s k i. 

1) Dr. Rauchfass (St. P.). «Ueber die Tätigkeit der inter¬ 
nationalen Comitö’s für Samwelforsebung der Krankheiten». Das 
Programm ist für den Petersburger Lehrbezirk allein ausgearbeitet 
(überRhachiiis), (Vorsitzender des Comit6‘s Prof. Iwanowski): 
4me Aufforderung an die übrigen russischen Universitäten behufs 
Gründnug ähnlicher Comitd’s soll nächstens ergehen. 

2) Dr, E b e r m a n n: «Ueber Concurse zur Besetzung ärztlicher 
Stellen und über Organisation des Hospitalpersonals». Diesen Vor¬ 
trag geben wir wegen seiner einschneidenden Bedeutung nach dem 
Originale wieder 1 ). 

Die frühere Weise der Besetzung ärztlicher Stellen an den Hospitä¬ 
lern, wobei die Anciennität der Dienstzeit und Protection maassgebend 
w a ren, muss einer anderen weichen. Die jetzt beliebten Concurse 
sind ein Act der Willkür, weil sie vom Gesetze noch nicht sanctionirt 
sind und nicht, wie in Frankreich, in feststehenden Grenzen sich 
bewegen, wo die Wahl des Arztes zu einem Amte nur durch Aerzte 
volhogen wird. Obgleich Referent in den Concursen einerseits ein 
Mittel zur Ausschliessung der Protection bei den Wahlen und für 
Vorrücken junger und frischer Kräfte sieht; hält er sie andererseits 
in der Beziehung für schädlich, dass die so zu sagen, augenblickliche 
Abschätzung des Verdienstes und der Kenntnisse der Concurrenten 
durchaus nicht leicht sei Die Wahl von Personen, welche dem be¬ 
treffenden Hospitale fremd sind, wirkt auf das ganze ärztliche Per¬ 
sonal desselben lähmend, dieses verliert vollkommen das Interesse 
an seiner Thätigkeit. Das in der Sanitätscommission der Stadtduma 
(Magistrat) durch Nichtärzte veranstaltete Ballotement ist für den 
ganzen ärztlichen Stand schimpflich. — Referent bespricht die frü¬ 
here noch jetzt geltende Organisation der Hospitäler und das neue, 
von der Sanitätscommission der Duma ausgearbeitete Hospitalsstatut 
und kommt zu dkm Schlüsse, dass auch im letzteren der Oberarzt, 
wie früher, den oberen Gewalten (nicht ärztlichen) vollständig un¬ 
tergeordnet ist, dabei aber den Hospitalsäizten gegenüber ein Ge¬ 
walthaber ist, der in gesetzlicher Weise die mediciniscbe Thätigkeit 
derselben lähmen und abändern kann. Beim Vergleiche des Berliner 
Hospitalswesens mit dem unsren findet ReL, dass in Berlin die 
Abtheilnngsärzte in ihrer Thätigkeit durch Nichts eingeschränkt 
und vollkommen frei sind in ihren Handlungen in Bezug auf thera¬ 
peutische Methoden, Operationen und überhaupt alle, zum Wohle 
der Kranken dienenden Maassregeln; bei uns findet das Umgekehrte 
statt. Vom Principe ausgehend, dass der Arzt sowohl im Hospitale 
wie in der Privatpraxis immer Arzt und nie Beamter sein muss und 
dass ihm alles gehorchen muss, damit er sein Ziel, Kranke zu hei¬ 
len, «reiche, schlägt Ref. vor* jedes grossere Hospital in Abthei¬ 
lungen von 100—200 Betten zu theilen, deren einziger Vertreter und 
Verwalter der Abtheilnngs&rzt ist, ihm sind 2 Assistenten und meh¬ 
rere junge Aerzte zur Hülfe beigegeben. Das Hospital wird vom 
Conseil der Abtheilungzänte verwaltet, der ökonomische Theil von 
einem Nichtarzte besorgt, der dem ärztlichen Personale unterstellt 
ist und an den Oanferensen der Abtheilungsärzte nur als Berichter¬ 
statter für die fin&ncielle Seite der HospitalsveTwaltung Theil nimmt; 
überschreiten die Forderungen der Abtheilnngsärzte die vorhandenen 
Geldmittel, so tbeilt er solohes rechtzeitig den betreffenden Aerzten 
mit und reicht dann der Conferenz eine motivirte Vorstellung ein. 
In den Oonferenzen präsidirt abwechselnd einer der Abtheilnngsärzte, 
welche, im Falle von Erledigung eines solchen Postens, auch von 
diesen gewählt werden und zwar ans der Zahl der Assistenten, bei 
einer Neuwahl dieser letzteren aus der Zahl ihrer Geholfen nehmen 
auch die bereits thätigen Theil. Behufs grösserer Annäherung ver¬ 
sammeln sich die älteren sowie jüngeren Aerzte aller Hospitäler zu 
wissenschaftlichen Sitzungen. Die Geholfen der Assistenten haben 
das Recht, von einer Abtheilung in die andere überzugehen, müssen 
aber nicht weniger als ein halbes Jahr in einer Abtheilnng sich be¬ 
schäftigt haben und nehmen an den zum Druck bestimmten Arbeiten 
des Hospitals Theil» 

In der, an den Vortrag sich knüpfenden Discnssion meinte Dr. 
K n b i z k i, dass das von Dr. Ebermann vorgeechlagene Project 
auf die Hospitäler der Landschaften nicht anwendbar wäre, da diese 
verlangen, dass au der Spitze der Anstalt eine für alle Unregel¬ 
mässigkeiten verantwortende Person stehen müsse ; Dr. B o s h k o 
hält es für nöthig, dass an der Spitze eines Hospitals eine Persön¬ 
lichkeit stehen müsse, welche die Ausführung der von dem Aerzte- 
collegium getroffenen Anordnungen überwache und mit den Behörden 
verhandeln könne. 

3) Dr. J. Berthenson (St.P.). «Ueber die Verantwortlichkeit 
des Arztes für Nichtfolgeleistung einem Rnfe zum Kranken» (wird 
ausführlicher referirt werden.) 


Vermisohtes. 

— Das St. Petersburger Börsencomitö schreitet in nächster Zeit 
jrom Bau eines neuen Hospitales von 50 Betten , welches zum An- 
dsnken an den in Gott ruhenden Kaiser Alexander II. errichtet 
und daher den Namen * Hospital der St. Petersburger Börsen * 
kaufmannscHaft zum Andenken an den Kaiser Alexander Niko - 
lajeicitsch* führen wird. Die Stadtverwaltung hat zu diesem Zwecke 


f )Da8 Referat im Tageblatt des Congresses Jä 6 enthält sonder- j 
barer Weise den Abschnitt über die Oanourse gamieht! 


einen Bauplatz (2057 Q Faden gross) im Katharinenhoftchen Park 
unentgeltlich hergegeben. Bei der Ausarbeitung des Projectes hat das 
Börsencomitäden Präsidenten des Medicinalratbs Dr. Zdekauer, 
den Medicinalinspector Dr. J. Berthenson nnd den Oberarzt des 
hiesigen Barackenhospitals Dr. N. Ssokolowzn Rathe gezogen, 
welche sich einstimmig für das Barackensystem ausgesprochen und 
sogleich für nothwendig erachtet haben, dass das neue Hospital 
wenigstens aus 4 Baracken bestehe und zwar 1) für nicht ansteckende 
Krankheiten, 2) für Typhus, 3) für andere Infectionskrankheiten 
und 4) für chronische Kranke nnd Reconvalescenten. 

— Zn den 4 vacanten Professuren der internen Medicin, welche, 
wie wir in der vorigen H dies. Wochenschr. gemeldet haben, in 
nächster Zeit an russischen Universitäten zn besetzen sind, ist jetzt 
noch eine fünfte nämlich die Professur für Therapie nnd ärztliche 
Diagnostik an der Warschauer Universität hinzngekommen, da der 
bisherige Inhaber dieses Lehrstuhls. Prof. Baranowski, nach 
Ansdienung der 25-jährigen Dienstfrist nicht wiedergewählt wor¬ 
den ist. 

— Für den vacanten Lehrstuhl der Therapie an der Kasan - 
sehen Universität haben sich, wie der «Wratsch» erfährt, folgende 
Candidaten gemeldet: die Privatdocenten für interne Medicin an der 
hiesigen militär - medicinischen Ac&demie J. Baptschewski, 
S. Le’waschow nnd J. 81o 1 nikow, so wie der Arzt des Kraes- 
nosselo’schen Hospitals nnd zugleich Privatdocent der pathol. Chemie 
an der mil.-med.-Academie, J. Bogomolow. 

— Verstorben: 1) In Paris hochbetagt der bekannte Orthopäde 
Dr. Jules Gu6ri n, ehemaliger Bedacteur der «Gazette mädicale 
de Paris», welehe er 42 Jahre hindurch redigvrte. 2) Der Kreisarzt 
von Omsk, R. 8. W a s s i 1 j e w. $) Der Oberarzt der 41. Artillerie« 
Brigade Wl. Sjerikow. 4) Der Landschaftsarzt des Petrosawod- 
skieehen Kreises Titow. 5) Im Haag der ehemalige Professor 
der Universität Leyden und berühmte Arzt Dr. E vers. 

— Am 25. Januar fhnd in der psychiatrischen Klinik der militär- 
medicinischen Aademie eine Sitzung der hiesigen psychiatrischen 
Gesellschaft unter dem Vorsitz von Prof. Mierzejewski statt, in 
welcher der 8ecretär Dr. R o s e n b a c h den Bericht über die Thätigkeit 
der Gesellschaft im verflossenen Jahre verlas. Hierauf wurde zur 
Wahl des Vorstandes für das Jahr 1886 geschritten welcher in sei¬ 
nem bisherigen Bestände wiedergewäblt wurde, nämlich Prof. M i e r- 
aejewski als Präsident, Dr. Tbc he rem sch anski als Vice- 
Präaident, Dr. P. R o s e n b a c h als Secretär nnd Dr. Frey als 
Ca88irer der Gesellschaft. In dieser Sitzung theilte auch der Vor¬ 
sitzende mitj dasAdie von Dr. P h i 1 i p p o w ausgesetzte Prämie 
von den Preisrichtern dem hiesigen Arzte, Dr. K andi ns ki, für 
eine von. ihm eingereichte Arbeit zuerkannt worden sei. Die Ge¬ 
sellschaft beschloss ansserdem diese Arbeit in ihren Protokollen ab- 
zudrucken. 

— Die Schweizer Ophthalmologen haben auf die Initiative des 
Genfer Augenarztes Dr. H a 11 e n h o ff dem in Genf verstorbenen 
hochverdienten Oculisten Jaques Da viel, dem Begründer der 
Cataract* Extraction, in Grand-Sacconex (Canton Genf) ein Denkmal 
errichtet, welches im vorigen Herbst enthüllt wurde. Da viel 
war anfangs Professor der Anatomie nnd Chirurgie in Marseille, 
später Augenarzt des Königs von Frankreich und starb im Jahre 
1762 in Genf. 

— Eine Imitation (um nicht einen schärferen Ausdruck zn brau¬ 
chen) auf med, literarischem Gebiet ist uns neulich zufällig in die 
Hände gekommen. Bekanntlich erscheint in dem Verlage von C. 
Ricker alljährlich seit vielen Jahren ein allen Ansprüchen völlig ge¬ 
nügender ärztlicher Kalender , über dessen gute Eigenschaften sich 
unsere Wochenschrift auch alljährlich ansspricht. 

Bei der letzten Jahreswende wurde einem Collegen von einer 
Verwandten ein solcher Kalender geschenkt. Sie war in eine Buch¬ 
handlung gegangen, hatte dort nach einem «RaxeHAapB^jrnBpaveft» 
gefragt und ihr wurde ein solcher verabreicht, dem Aeusseren nach 
ganz dem des vorherigen Jahres entsprechend. Beim näheren Be¬ 
schauen fiel es dem Collegen auf, dass auf dem Deckel die übliche 
Verzierung, das academisohe Doctorabzeichen eine Veränderung 
erlitten, der Adler war aus dem Kranze beransgerückt und viel 
kleiner als sonst. Nun erst bemerkte er statt „najenjapb jm spa¬ 
ret“ die ebenso wie beim Ricker’schen Kalender placirte Aufschrift 
„MewupracKift saieHgapB.“ 

Die erste Seite giebt uns Aufschluss über das vorliegende Mach« 
werk. Es wird redigirt von dem «früheren Redacteur des Medizinski 
Westnik» Dr. W. 8 w ä 11 o w s k i nnd erscheint im Verlage der nicht 
gerade rühmlichst bekannten Redaction der«MedizmskajaBibliotheka» 

Das Vorwort der Redaction ist auch recht charakteristisch. Nach¬ 
dem ans dem «Aensseren» wie ans der ganzen Anlage des Inhaltes 
deutlich hervorgeht, dass man es mit einer «Nachahmung» des 
Ricker’schen Kalenders znthnn hat, die anf «hereinfallen» angelegt, 
beginnt das Vorwort ganz unverfroren: Die vorjährige Erfahrung<), 
überzeugt uns, dass der Versuch «dem russischen ärztlichen Stande 
ein Nachschlagebnch (cnpaBoqayH) khhsbj) darzubieten» nicht 
missglückt ist, wie Briefe von Collegen nnd Kritiken m den 
Jownälen «Medizinskoje Obosrenije» und «Pyccxas Mncjb» be¬ 
zeugen, sowie« canoe BTHopipoBaHie (ein schönes rassisches Wort!) 


*) Es erweist sich, dass bereits zum 2. Male diese Imitation erscheint. 


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42 


Hamero saieBAapji h yxnunjeHHoe «todtschweigen» co ctopobh I 

H’feKOTOpUX'b OpraHOBT) Me^HUHHCKOft flöBaTH > CJaB£IU,HXCH CBOefi I 

ueiepn hmoctmo h npncTpacriein» (soll wohl der «Wratsch» Bein, 
mit dem der Red&ctenr alte Rechnungen bat). 

Im Uebrigen giebt der Imitirende meist dieselben Notizen wie der 
«Wirkliche.* Das Capitel über die Dosirnng der verschiedenen | 
Mittel ist etwas andersangeordnet, von den «med. Neuigkeiten» stam¬ 
men viele ans dem Jahre 1884. Die Zeichnungen von Trichinen und 
Choleracnltnren sind meist mangelhaft. Dr. Perfiljew giebt 
eine Uebersicht über die russischen Chirurg. Arbeiten pro 1883—84 
die Aerztin W al izka, was in der periodischen Presse über weibl. 
Aerzte mitgetheilt worden etc. — Wir finden nichts, wodurch das 
Erscheinen dieses 2. ftrztl. Kalenders motivirt wird, ausgenommen 
dnrch Aehnlichkeit dem ersten Zufallsconcurrenz zu machen und 
wünschen dem Imitans gute Geschäfte zu machen . Der gute 

Ruf des Ri cker*sehen Kalenders wird durch ihn jedenfalls nicht 
v gestört werden! 

— Von Seiten der ans Delegirten der ärztlichen Bezirksvereine 
und des Vereins der Berliner Apotheker zusammengesetzten Ber¬ 
liner Commission zur Unterdrückung des Geheimmittelwesens 
ist an den Fürsten v. Bismarck eine Eingabe gerichtet worden, 
welche, wie wir der «A. m. C.-Z.» entnehmen, folgende Vorschläge 
enthält: I. Das Anfertigen, Feilhalten und der Verkauf von Arznei¬ 
mitteln jeder Art mit Einschluss der Geheimmittel und pbarmaceu - 
tischen Specialitäten zu Heilzwecken im Kleinhandel müsste aus- 
schliessslich den Apotheken angewiesen werden. — II. Zur mög¬ 
lichsten Beschränkung des Verkaufs von Geheimmitteln in den 
Apotheken wären einer zu errichtenden Reichsbehörde, die als tech¬ 
nische Centralstelle fnngirt, folgende Befugnisse zu ertheilen: 1) Die 
Untersuchung und Prüfung jedes Geheimmittels vor der Ertheilung 
des Verkaufsrechts an die Apotheker. 2) Die Festsetzung des Ver¬ 
kaufspreises. 3) Die Bestimmung darüber, ob das zum Verkauf zu¬ 
gelassene Geheimmittel im Handverkauf oder nür auf ärztliche Ver¬ 
ordnung an das Publicum verabfolgt werden darf. — HI. Behufs 
Verhinderung einer Ueberflutbung mit ausländischen Geheim¬ 
mitteln und pbarmaceu tischen Specialitäten wären dieselben a) den 
unter II angeführten Bestimmungen zu unterwerfen, b) mit einem 
hohen Eingangszoll zu belasten und c) mit einer Steuer ad valorem 
zu belegen. 

— Die vom Ophthalmologen-Vereine gestiftete grosse goldene 
‘Medaille für Verdienste um wissenschaftliche Leistungen in Bezug 
auf das menschliche Auge wird gelegentlich der Feier des 300jähri- 
gen Jubiläums der Heidelberger Universität zum ersten Male zur 
Vertheilung gelangen. Wie verlautet, soll sie Brof. H e 1 m h o 11 z 
(Berlin) für seine Erfindung des Augenspiegels zuerkannt werden. 

— Mag. E. Scheibe macht in der «Pharm. Zeitschrift Russin 
darauf aufmerksam, dass die kleinen, ca. 2 Centimeter langen tafel¬ 
förmigen arünen Schilderchen f welche man in den Handlungen 
an den Verkaufsgegenständen mit farbigen Fädchen befestigt sieht 
und den Kaufleuten zur Numeration und Preisnotirung dienen, stark 
arsenhaltig (sind. Bei der Anfertigung dieser Schilderchen einge¬ 
tretene verdächtige Zufälle führten zu einer chemischen Untersuchung 
derselben, welche ergab, dass 10 Stück im Gewichte von 0,7265 
Grm. (11,5—11,6 Gran) 0,0535 Grm. (=*/« Gran) auf arsenige Säure 
berechnetes Arsen (also 7,36%) enthielten. Jedes einzelne Stück 
enthielt demnach 0,0053 Grm, = J /i» Gran arseniger Sänre, eine 
Menge, die als höchste Dosis für einen Erwachsenen gilt. Ein einzi¬ 
ges Täfelchen, das in die Hände eines kleines Kindes geratben und 
von demselben beleckt oder gekaut worden, würde also hinreichen 
Intoxicationserscheinungen bei demselben zu bewirken. 

Hoffentlich wird die Sanitätspolizei energische Maassregeln zur 
Entfernung dieser Schilderchen treffen, was bis jetzt noch nicht ge¬ 
schehen zu sein scheint, da wir noch vor Kurzem an einem Schau¬ 
fenster die grünen Schilderchen an den Verkaufsgegenständen gese¬ 
hen haben* 

— In der Nummer vom 14.November d. J. der «Cincinnati Lancet 
and Clinic» ist eine Notiz über das neue Antisepticum — Jodol , aus 
verschiedenen französischen und deutschen Arbeiten zusammenge- 
stellt, abgedruckt. Darnach ist das Jodol oder besser Tetrajod- 
fjyrrol (CUJaNH) zuerst im Laboratorium von Prof. Cannizaro 
in Rom dnrch die DDr. Silber und C i a m i c i a n dargestellt und 
mit ihm in der chirurgischen Klinik von Dr. M a n z 0 n i zahlreiche 
Versuche angestellt worden. Aua diesen ergab sich, dass das Jodol 
des durchdringenden Geruchs und deT giftigen Eigenschaften des 
Jodoforms entbehre, ein mächtiges Antisepticum und locales Anästhe- 
ticum sei, und die Entwickelung gutei Granulationen befördere. Das 
Jodol wird aus animalischen Oelen durch Niederschlagen des Pyr- 
rols durch Kalinmbijodid gewonnen stellt ein braunes krystallini- 
sche8 Pulver dar, dass bis zu 100° 0., ohne sich zu zersetzen, er¬ 
hitzt werden kann, bei höheren Temperaturen aber Joddämpfe ent¬ 
wickelt und verkohlt. Es ist in Wasser vollkommen unlöslich, 
sehr leicht aber in Aether, Chloroform und Aleohol, am besten in 
absolutem Aleohol. Zusatz von Wasser zu einer weingeistigen 
Lösung von Jodol schlägt letzteres nieder, was durch Beifügung von 1 
Glycerin zur alcoholischen Lösung verhütet werden kann. Diese I 
wird dnrch NO» und Erhitzen schönroth, durch 80» aber grün ge¬ 
färbt. Ungeachtet des hohen Jodgehaltes — circa 90% — ist das j 
Jodol doch noch recht theuer. H z. 

— P h i 1 p 0 1 s (Brit. med. Journ. 1885 Aug, 29) empfiehlt gegen 
Heufieber und einfachen Schnupfen im Stadium des «Niesens» das 


Einblasen in die Nase eines Pulvers aus <3ß Add. boric., Natri 
salicyl. und gr. jj Cocain, muriat. 

— Vigier (Lancet 1885 Aug,. 15) empfiehlt zu subcutanen 
Injectionen das milchsaure Chinin (1:4). 

— Der schlechte Geruch des Naphthalins kann nach dem Ameri¬ 
can Druggist durch Verreiben des Mittels mit einer geringen Menge 
von 01. Bergamottae aufgehoben werden. 

— V.Faure (Pbarmaceu t Post) giebt folgende Vorschrift zur 
Bereitung einer gleichmässigen und sich nicht zersetzenden farb¬ 
losen Jodtindur. Rp. Ammonii jodati 8,0, Jodoformii 2,0, Ammo- 
nii caustici liquid. 2,0, Aleohol 90% 98,0. Das Jodoform und 
das Jodammoninm werden im Aleohol gelöst und das Ammonium 
zngefügt nnd dann während 10 Tagen dem Lichte ausgesetzt; die 
Tinctur wird farblos, muss aber, um sich nioht zu zersetzen, einen 
geringen Ueberschnss an Ammoniak enthalten. 

(Cincinnati Lancet Nov. 14. 1885). 

— Dr. Whithaker berichtete in der Sitzung der Cincinnati¬ 
medicinischen Akademie am 29. Juni a. c. über glückliche Behand¬ 
lung einer morphiumsüchtigen Dame mit subcutanen Injectionen 
von 10 Tropfen einer 10 % Cocainlösung = gij; nach 4 Ipjectionen 
war der Drang zum Morphium für 2 Wochen aufgehoben. 

(New-York Med. Record 1885, July 18.) 

— Dr. Stallcup (Weekly med. Rev. 10. Jan. 1885) entband 
am 2. Februar 1882 ein, nur 11 Jahre und 9 Monate altes Mädchen 
von einem aspbyktisch geborenen, aber rasch wiederbelebten Mäd¬ 
chen, dass etwas weniger als 7 englische Pfunde wog und nach kur¬ 
zer Zeit starb ; die junge Mutter wurde gesund. 

(Progr. m6d. 1885 p. 175). 


Vacanz. 

Am 1. Mai 1886 wird die Stelle des Arztes für Leal nnd Umge¬ 
gend vacant nnd werden daher die auf dieselbe reflectirenden Aerzte 
auffeefordert, sich brieflich an Herrn C. 0. von Rennenkampff 
auf Sastama per Le a 1 (Estland)zu wenden. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 19. bis 25. Januar 1886. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 







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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. ex&nth. 0, Typh. abd. 19, Febris recurrens 5, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 4, Pocken 2, Masern 11, Scharlach 12, 
Diphtherie 15, Croup 9, Keuchhusten 2, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 38, Erysipelas 1, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 0, Ruhr 0, 
Epidemische Meningitis 1, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0 Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerpe¬ 
ralfieber 2, Septicaemie 7, Tnberculose der Lungen 101, Tubercu- 
lose anderer Organe 8, Alcoholismus nnd Delirium tremens 2, Le¬ 
bensschwäche nnd Atrophia infantum 46, Marasmus senilis 30. 
Krankheiten des Verdannngscanals 83, Todtgeborene 28. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 

Einwohner¬ 

zahl 

Woche 
(Neuer Styl) 

Lebend¬ 

geboren 

Todtgeboren | 

Gestorben 

Summa 

Auf 1000 
Bin wohn. 

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London • 

4 083 928 

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10.—16. Jan. 

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30 

1902 

23,» 

Paris . . . 

2 239 928 

10.—16. Jan. 

1197 

27,» 

104 

1138 

26,« 

Brüssel . . 

175811 

10—16. Jan. 

114 

33,t 

8 

101 

29,♦ 

Stockholm . 

200 143 

3.-9. Jan. 

134 

39,» 

6 

79 

20,» 

Kopenhagen 

280115 

13.—19. Jan. 

210 

39,o 

6 

90 

16.» 

Berlin • . . 

1315412 

10.-16. Jan. 

936 

37,o 

33 

538 

21,» 

Wien . . . 

769 889 

10.—16. Jan. 

466 

31,4 

32 

399 

26,o 

Pest . . . 

429 532 

3._9. Jan. 

273 

32,o 

14 

272 

32,o 

Warschau . 

406 935 

3.-9. Jan. 

270 

34,4 

24 

222 

28,4 

Odessa. . 

194 400 

10.—16. Jan. 

— 

— 

8 

134 

35,« 

St. Petersburg 

928 016 

17—23. Jan. 

502 

JO,. 

31 

582 

32,. 


Berichtigung. Seite 35^ Zeile 32 von obeiffn der ersten Spalte 
Wort 1 muss es «nicht» anstatt «ihn» heissen. 


Mjr " Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 4. Februar 1886. 

MF» Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 10. Februar J886. 

MT Nächste Sitzung der geburtehlllflichen Section 
Donnerstag den 6« Februar 1886. 


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43 


Vom 1. Januar 1886 ab ist dem 

Central-Annoncen-Comptoir 


Verlad von Arthur Felix in Leipzig. 


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FRIEDRICH PETRICK 

die alleinige ANNAHME von ANNONCEN 

für die 

St. Petereburgrer 

Medicinische Wochenschrift 

übertragen worden und werden die geehrten Inserenten ersucht, vor¬ 
kommende nfalls sich ausschliesslich zu wenden an das 

Genfral-Annoncen-Compfoir 


von 


FRIEDRICH PETRICK 

St. Petersburg, Newsky - Prospect 8. 

Die Bedaction der St. Petersburger medicinischen Wochenschrift 

Dr. L. v. Holst. 

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1885 r.LpfcHa 3 p #1 ct> nepecwji. 3 p. 30 k. 

M3 T> hhxt. npoMFOTCH OTjrfcübHO: DpOÖHUO 'mpn^TU no 4 l p. 50 
Kon, h npoönufl Ta(5jinn,u no 2 py6. 

Die Tafeln sind nach dem Principe des Dr. M o n o y e r entworfen 
worden. Indem sie sich dem jetzt in der Ophthalmologie wohl mehr und 
mehr gebräuchlichen Metermaasse anschliessen, bieten sie den Vorzug einer 
genauen Bestimmung der Sehschärfe von i /to bis lo /io. In den «FIpo6Hi>ie 
Taß^HUbi» sind enthalten: ^ 

1) 1 Tafel mit russischer Schrift, 

2) 1 9 mit lateinischen Buchstaben, ( 15 ) 

3) 1 » mit Zahlen, 

4) 1 > mit Zeichen, 

5) 1 > zur Bestimmung des Astigmatismus. 


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Prospecte werden auf Verlangen zuge¬ 
sandt. 


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In die Herren Äerzfei 


Gutachten des Herrn Prof. Dr. Oscar Liebreich in Berlin. 

In Folge erzielter Verbesserung der Füllung , und dadurch vermiedener Mischung ist das 
Friedrichshaller Wasser jetzt bedeutend stärker und voraussichtlich tu, gleichem Maasse wirk¬ 
samer als früher. , 

Das von mir persönlich in Friedrichshall der Quelle entnommene Wasser ergab fol¬ 
gende Resultat: 

(Analyse I) 1000 Theile (t Liter) Wasser enthalten: 

Schwefelsaures Natron.18,339 

Schwefelsaurer Kalk.•.. Spuren 

Chlornatrium. 24,694 

Chlcmsagnesium .12,096 

Brom-Natrium. 0,204 

Chlorkalium. 1,376 

Kohlensaures Natron. 3,087 

Kohlensaurer Kalk. i»745 

Eisenoxyd und Thonerde. 0,015 

Kieselsäure. 0,010 

Summa 61,396 

und beurkundet mithin eine merkliche Zunahme der mineralischen Bestandteile gegen das bis¬ 
her versandte Wasser, dessen Analyse ich der Einfachheit wegen auch hier verzeichne’- 

Friedrichshaller Wasser, aus der Mineralwasser-Handlung von Herren J. F. Heyl & Co., 
von mir analyftirt: 

(Analyse II) Schwefelsaures Natron. t . . . . 9,800 

Schwefelsaurer Kalk..Spuren 

Chlornatrium.*6,870 

Chlormagnesium. 5,854 

Brom-Natrium . . . . .. .... 0,129 

Chlorkalium . 0,856 

Kohlensaures Natron. 1,09* 

• Kohlensaurer Kalk. 1,321 

Eisenoxyd und Thonerde.0,010 

Kieselsäure. 0,006 

Summa 35,938 

Justus v. Liebig hat das Friedrichshaller Wasser auf Grund seines Kochsalz-, Chlormagne¬ 
sium- und Brom-Gehaltes rühmlichst erwähnt, und es kann nicht bezweifelt werden, dass es 
jetzt noch mehr als früher den ihm von Liebig angewiesenen wichtigen Platz, als eines der 
wirksamsten Mineralwässer im Arzneischatze behaupten wird- 

#hri 1885 . g*,.. Dr. Q. Liebreich. 

Im Anschluss an vorstehendes Gutachten theilen wir hierdurch den Herren Aerzten ganz 
ergebenst mit, dass wir von diesem Herbst ab von der verbesserten Methode der Füllung Ge¬ 
brauch machen und ausschliesslich Friedrichshaller Bitterwasser versenden werden, wie es Herr 
Professor Liebreich selbst an der Quelle geschöpft und analysirt hat. Wir haben uns hierzu 
entschlossen, weil das Friedrichshaller Bitterwasser hierdurch relativ 

billiger und noch brauchbarer 

wird. Letzteres ist der Fall, weil ihm durch Verdünnung jeder gewünschte Concentrationsgrad 
auf das Leichteste gegeben werden kann. Soll z. B. ein Concentrationsgrad hergestellt wer¬ 
den, wie ihn das bisher versandte Wasser zeigte (cf. Analyse H), so braucht dasselbe nur mit 
gleichen Theilen gewöhnlichen Wassers gemischt zu werden. Wir hoffen, dass das Friedrichs¬ 
haller Bitterwasser sich durch die erzielte Verbesserung noch zahlreichere Freunde unter den 
Herren Aerzten erwerben wird. Probesendungen unseres Wassers stehen den Herren Aerzten , 
wie immer , gratis zu Diensten. 

Friedriohshall hei Hildburghausen. 

Die flr nnnen-Direotlon 

C. Oppel & Comp. 


► 

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V 

V 

V 

► 

► 

* 

► 


> 

> 


^obb. neH8. Cn6. 31 JfHBapa 1886 r. Herausgeber Dr. L. v. Holst. Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. St. Petersburger *. i»«™»'*. 

^ (ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 

Hedicinische Wochenschrift 


Prof. Ed. v. WAHL, 
Dorpat. 


unter der Redaction von 
Dr. Lu v. HOLST, 
8t. Petersburg. 


Dr. GüST. TILING, 
St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements - Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Inserations- Preis fiir 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 30 Pfenn. — Den 
Antoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abon n ements-Aufträge bittet man an die Buchhandlung von 
Ctrl R lcker in St. Petersburg, Newsky - Prospect H 14 zu richten. 
MT" Ineerute werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
reau von Friedrich Petric k in St. Petersburg, Newsky-Prospect JA 8, 
entgegengenommeu. Manuscripte sowie alle auf die Redaction 

bezüglichen Mittheilungen bittet man an den geschäftsführenden Re- 
dacteur Dr. Gustav Tiling (Kirotschnaja H 39) zu richten. 


Ns 6. St. Petersburg, 8 . (20.) Februar . 1886. 


Infealt s J. Assmuth: Ueber Harnresorption und Urämie. — Schmitz: Ein Chloroformtod. — Referate. G. Schpoljan- 
sk i: Ueber die Aufenthaltsdauer der Speisen im Magen Gesunder und Kranker und Beeinflussung des Aufenthaltes durch künstlich be¬ 
wirktes Schwitzen. — A. Lesshaft: Zur Therapie der Trichinose. — S e e g e n: Ueber Zucker im Blut mit Rücksicht auf die Ernäh¬ 
rung. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen. Bericht des Medicinal-Departements des Ministeriums des Innern für das Jahr 1881. — 
1. Gongress russischer Aerzte. — Vermischtes. — Vacanz. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Mortalität einiger 
Hauptstädte Europas. — Anzeigen. 


Ueber Harnresorption und Urfimie. 

Von 

Dr. J. A8smu th, 

Ordinator am Obnchow-Hospital. 

Im Folgenden soll von einem Symptomencomplex die 
Rede sein, der — nicht ganz selten beobachtet — vielleicht 
doch seinem eigentlichen Wesen nach noch zu wenig be¬ 
kannt ist. Selbst auf die Gefahr hin nur Bekanntes zu 
sagen, will ich die Sache zur Sprache bringen, und dürfte 
mich dabei nur der Umstand entschuldigen, dass der frag¬ 
liche-Zustand noch keinen allgemein acceptirten Namen 
trügt. Nehmen wir gleich ein concretes Beispiel. Ich 
wurde vor einem halben Jahr zu einem achtzigjährigen 
Manne gerufen, der Tags vorher leichte Fiebererscheinun¬ 
gen gehabt batte (die Temperatur war nicht über 37,8 oder 
38 gegangen), der, ohne sich noch für ernstlich krank zu 
halten, nicht nur keinen Appetit hatte, sondern einen inten¬ 
siven Widerwillen gegen Speisen, specieli gegen 'Fleisch¬ 
speisen empfand. Die Zunge ist für die kurze Dauer der 
Krankheit auffallend trocken und hat ein einigermaassen 
charakteristisches Aussehen: an den Rändern noch feucht 
und rotb, trägt sie auf ihrem Rücken einen bräunlichgelben, 
schon fast borkigen Belag, die Exspirationsluft hat einen 
widerlichen, zuweilen knoblauchartigen Geruch, bin und 
wieder glaubt man deutlichen Ammoniakgerucb vor sieb zu 
haben. Die Haut fühlt sich heisser an als der gemessenen 
Temperatur entspricht, ist durchaus trocken und es macht 
sich ein lästiges Jucken bemcrklicb. Endlich — und das 
ist neben der Beschaffenheit der Zunge wohl das constan- 
teste Symptom — ist ein mässiger Durchfall vorhanden; 
die Dejectionen sind nicht copiös, oft sogar sehr spärlich, 
erfolgen alle 2—3 Stunden und sind von leichten Tenesmen 
begleitet, das Entleerte ist schleimig, dunkelgefärbt, enthält 
bin nnd wieder etwas Blut. Uebligkeiten, häufiges Auf- 
stossen und ein sehr quälender Durst vollenden dieses recht 
charakteristische Bild. In dem Falle, von dem ich eben 
spreche, war mir die Diagnose von vorn herein klar, da mir 
einige anamnestische Daten eine sichere Deutung der Er¬ 
scheinungen an die Hand gaben. Es waren jahrelang Be¬ 
schwerden vorausgegangen, die mit Bestimmtheit für Ne- 


phrolithiasis sprachen, meine Aufmerksamkeit war also von 
vornherein auf den Harnappart gelenkt. Der oben ge¬ 
schilderte Symptomencomplex ist aber, wenn er so voll¬ 
ständig vorliegt, auch ohne jene Antecedentien nicht als 
einfacher Darmcatarrh aufzufassen, sondern der Darmca- 
tarrh ist hier nur Symptom und zwar Symptom einer Re¬ 
tention von Harn. 

Meistens haben wir es non mit einer Harnverhaltung in 
der Blase zu thun und die Durchfälle sowie die übrigen 
Symptome schwinden rasch, sobald die Blase einige Tage 
hindurch regelmässig entleert wird. In jenem Fall war 
indessen die Bisse nicht Sitz der Retention (der spärlich 
entleerte Harn war völlig klar und reagirte sauer; der Ka¬ 
theter förderte nur eine ganz geringe Harnmenge zu Tage) 
und es musste also anf die Nieren, resp. die Ureteren re- 
currirt werden. Druck auf die rechte Ureterengegend 
wurde stets schmerzhaft empfunden und einmal klagte der 
Pat. ausdrücklich über Schmerzen in der rechten Niere. 
Palpiren liess sieb die Niere nicht, es war offenbar keine 
entwickelte Hydronephrose vorhanden; desshalb glaube ich 
annehmen zu müssen, dass es sich entweder um seil kurzem 
bestehende Unwegsamkeit des rechten Ureters durch einen 
eingekeilten Stein oder Schleimpfropf, oder durch Knickung 
handelte, oder aber um Verschliessung etwa eines Nieren¬ 
kelches. Solche Verschliessungen führen ja bekanntlich erst 
nach längerer Dauer zu palpablen Erweiterungen der höhe¬ 
ren Harnwege und alte Männer erliegen diesen Zuständen 
oft genug, bevor es zu deutlicher Hydro- oder Pyonephrose 
kommt. 

In dem oben angeführten Fall — und das ist die allge¬ 
meine Regel — wichen die Durchfälle keinem der sonst 
wirksamen Mittel, sie bestanden fort bis zum Tode, der 
unter zunehmender Schwäche ohne Umnebelung des Be¬ 
wusstseins am 12. Krankheitstage erfolgte. Das ist nicht 
immer so: indem Maasse als die Retention eine grössere 
Harnmenge betrifft uud länger dauert, kommt es, wenn auch 
selten, zu Erscheinungen, die der Urämie im engeren Sinn 
näher stehen, zu einer tiefen Apathie, ja bis zu halber Be¬ 
wusstlosigkeit ; Convulsionen habe ich dabei nie beobachtet. 

So lange die Retention eine nur zeitweise oder quanti¬ 
tativ geringe ist, kann sie völlig unbemerkt bleiben; ist sie 


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46 


bedeutender, dauert sie länger, so treten, wofern nur die ; 
Ausscheidung auf anderem Wege nicht insufficient wird, 
doch keine eigentlich urämischen Symptome auf, obgleich 
es sich um Aufnahme von Harnbestandtheilen in die Circn- 
lation, also im etymologischen Sinn immer« um Urämie' 
handelt. Dieser andere Weg, den die Harnbestandtbeile 
nehmen, ist nun ja bekanntlich neben den Hautdrüsen, den 
Bronchien und den Speicheldrüsen 1 ) der Verdauungscanal 
und daraus erklärt sich das Vorwiegen der Magendarmer¬ 
scheinungen ; daher die trockene, belegte Zunge, daher das 
Aufstossen, der widerliche Geruch aus dem Munde, daher 
endlich die Durchfälle und der qualvolle Durst. 

Diejenigen Fälle, in denen es sich nm Retention in der 
Blase bandelt, sind, so lange diese nicht höhere Grade von 
Atonie erreicht oder wegen Insuificienz nach den Ureteren 
zu den Harn dorthin regurgitiren lässt, durch den immer 
häufiger kommenden und immer unerträglicheren Harndrang 
leicht kenntlich; aber beim Fehlen dieses Symptoms wird 
auch hier die wahre Natnr der Krankheit häufig genug ver¬ 
kannt und es ist ein Glück für den Patienten, wenn nach 
gemachter Diagnose noch Remedur geschafft werden kann. 

Ein 68jähriger Mann war in der Provinz Monate lang 
wegen hartnäckiger Durchfälle behandelt worden, ohne von 
denselben befreit zu werden. Wegen Geschäften nach Pe¬ 
tersburg gekommen, wandte er sich an mich, den er von 
früher her kannte. Er fieberte seit einigen Tagen (als ich 
ihn sab, betrug seine Temperatur 39,3° C.), seine trockene 
heisse Haut, seine dick und trocken belegte Zunge fielen 
mir auf und ich fragte ihn, ob er nicht häufigen Harndrang 
habe. Er verneinte das mit grösster Bestimmtheit und 
gab erst nach längerem Examiniren zu, vor Monaten aller¬ 
dings etwa eine Woche lang an lästigem Harndrang ge¬ 
litten zu haben; das sei aber vorübergegangen als sich die 
Durchfälle einstellten. Diese letztere Bemerkung bestärkte 
mich noch mehr in meinem Verdacht, dass Harnretention, 
resp. Resorption von Harnbestandtheilen und Ausscheidung 
derselben durch den Darm die Ursache jener Durchfälle sei. 
Mittelst des nun eingeführten Catheters entleerte ich 
950 Cub.-Ctm. eines zuerst klar fliessenden, successive aber 
immer trüber werdenden, neutral reagirenden Harns und 
am anderen Tage war das Fieber und alles Unbehagen ge¬ 
schwunden, 2 Tage später auch die Durchfälle. Eine 
Woche hindurch habe ich noch seine Blase entleert, darauf 
lernte Pat. es, den Catheter selbst einzuführen, was er, wie 
ich höre, noch bis jetzt 2 Mal täglich thut. Spontan kann 
er sich nur etwa der Hälfte seines Blaseninhalts entledigen. 
Die erste Ursache der Verhaltung war hier wahrscheinlich 
eine Prostatahypertrophie, die sieb ja häufig genug — wo 
sie nicht sehr bedeutend ist oder nur den mittleren Lappen 
betrifft — palpatorisch gar nicht ermitteln lässt. Sämmt- 
licbe Anhaltspuncte für die Annahme einer centralen Cysto- 
plegie fehlten, eineStrictur war nicht vorhanden. Gonorrhoe 
nie dagewesen und auch für die nicht seltene Atrophie der 
Prostata mit Constriction der Urethra sprach nichts; es 
fehlte der charakteristische häufige Drang mit unvollständi¬ 
ger Entleerung, das lange Nachtröpfeln und die nächtliche 
Enurese. Gelegentlich dieses Falles möchte ich noch auf 
einen nicht unwichtigen Umstand aufmerksam machen : es 
wird — und im Allgemeinen mit Recht — angenommen, 
dass, wo tympanitischer Percussionsschall bis zur Symphyse 
herab vorhanden ist, Blaseuausdehnung ausgeschlossen 
werden kann. Das trifft nun aber dort nicht zu, wo, wie 
bei alten Leuten nicht selten, einige Darmschlingen sich 
zwischen Bauchwand und Blase legen. Percutirt man sehr 
leise, so lässt sich auch in solchen Fällen zuweilen die 
Grenze der ausgedehnten Blase noch bestimmen, aber nicht 
immer. In dem oben mitgetheilten Falle sprachen die 
Percussionsergebnisse gegen eine abnorme Blasendilatation 

') S. hierüber Fleischer: Verhandlungen des 2. Congresses 
fUr innere Medicin 1883, S. 119 und ebendesselben «Klinische und 
pathologisch-chemische Beiträge zur Lehre von den Nierenkrank - 
beiten«. Deutsches Archiv f. klin. Med. Bd. XXIX, S. 129. 


und doch war sie vorhanden. Es könnte auffalien, warum 
hier nicht die so häufig beobachtete kuppelförmige pralle 
Spannung im Hypogastrium vorhanden war, die bisweilen 
allein schon genügt, um eine hochgradige Ausdehnung 
der Blase diagnosticiren zu lassen. Diese Erscheinung 
fehlt aber überall da, wo geringfügige, bei jeder Miction 
zurückbleibende Harnmengen sich im Laufe der Wochen 
und Monate summiren und den Tonus der Blase allmälig 
vernichten, die dann entweder wie ein schlaffer Beutel 
sich hin- und herwälzen lässt, oder — wie hier — 
seitlich sich ausdehnend eine mehr platte, ganz diffuse 
Hervorwölbung darstellt, welche, wenn noch Därme sich 
zwischen Blase und Bauchwand hineinlegen, weder pal¬ 
patorisch noch percutorisch abgrenzbar ist. 

Es ist zuweilen recht schwer, den Sitz der Retention in- 
tra vitam genau zu bestimmen und nicht immer ist es Einem 
gestattet, nach eingetretenem Tode die Diagnose durch die 
Section zu controliren. Im Mai a. p. wurde ich von einem 
Collegen zu dessen Bruder gerufen, einem Manne im Beginn 
der Fünfziger, der seit einem halben Jahre etwa an zeit¬ 
weise wieder schwindenden Harnbeschwerden gelitten, denen 
er Anfangs wenig Beachtung geschenkt hatte. Seit etwa 
einer Woche bettlägerig, fühlte er sich jetzt sehr schwach 
und bot im Uebrigen das oben geschilderte Krankheitsbild: 
Bieber von sehr wechselnder Höhe, trockene, borkig be¬ 
legte Zunge, quälender Durst, äusserste Anorexie, mässige, 
anhaltende Durchfälle, übelriechender, selten und spärlich 
entleerter Urin. Nach Einführung eines mittelstarken Ca¬ 
theters erfolgte der Abfluss von nur etwa 150 Cub. Gtm. 
eines trüben neutralen Harnes, der bei längerem Stehen ein 
Eitersediment zu Boden fallen liess, dabei aber nicht klar 
abstand, was zunächst auf eitrige Pyelitis deutete. Dage¬ 
wesene Schüttelfröste und hohes Fieber erlaubten aber auch 
die Annahme einer suppurativen Nephritis, wofür auch noch 
der hohe Eiweissgehalt des Urins sprach, der durch die 
Eiterbeimischung allein nicht erklärt werden konnte. Das 
rechte Hypochondrium bis zur Darmbeinscbaufel herab war 
druckempfindlich und ich glaubte dort eine schwappende 
Geschwulst durchfühlen zu können, von der ich nicht sicher 
war, ob sie als der erweiterte rechte Ureter oder als pyo- 
nephritischer Sack aufzufassen sei. Auf meine Veran¬ 
lassung wurde der Kranke in das deutsche Alexander-Ho¬ 
spital transferirt, woselbst er nach 10 Tagen starb. Vom 
Catheterisiren war in den letzten Tagen Abstand genommen 
worden, weil dasselbe den Pat. nicht erleichterte und nur 
ganz geringe Urinmengen zu Tage förderte. Es hatte sich 
offenbar um rückläufige Harnstauung bis in den Ureter und 
das Nierenbecken gehandelt, zu Stande gekommen durch 
Insufficienz der Blase nach oben. Auch hier war das Be¬ 
wusstsein bis zuletzt fast ungetrübt. 

Die Section ergab, soweit sie uns hier interessirt, Pyone- 
phrose beiderseits, Volumvergrösserung beider Nieren um 
das Dreifache; was an Nierensubstanz noch vorhanden, war 
von Eiterherden durchsetzt. Die Nierenkelcbe, das Nieren¬ 
becken und die Ureteren enorm dilatirt, mit Eiter angefüllt. 
Die Ureteren zeigen in ihrem ganzen Verlauf eine gleich« 
mässige Ans weitung. Die Blase ebenfalls ausgedehnt mit 
Massenzunahme ihrer Wandungen und stark gewulsteter 
Schleimhaut. Eine Prostatahypertrophie, als causa remota 
des ganzen Processes, liess sich nicht nachweisen. Mir ist 
es am wahrscheinlichsten, dass eine scheinbar unerhebliche, 
periurethritische Verengerung der Pars membranacea hier 
der Ausgangspunct gewesen ist, der zunächst zu einer Bla-, 
sendilatation und weiterhin zu den oben erwähnten Zustän¬ 
den geführt hat. Dass sehr geringfügige Hindernisse in 
der Urethra (chronische Periurethritis, die sogenannten 
«weiten Stricturen» im 01 i s’schen Sinne) im Stande sind 
bedeutende Erweiterungen in den höheren Harnwegen zu 
Wege zu bringen, darauf hat Englisch schon vor Jah¬ 
ren in der Wiener medicin. Presse hingewiesen. 

Die drei hier mitgetheilten Fälle ergänzen sieh insofern, 
als in dem einen noch eine reine Blasenretentjon vorlag, 


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47 


während in den beiden anderen die Rückstauung schon eine 
Erweiterung der Ureteren, resp. der Nierenbecken hervor¬ 
gerufen hatte. In allen drei Füllen fehlte das bekannte 
Bild der Urämie: das Bewusstsein blieb erhalten, es kam 
nicht zu Convulsionen. 

Liegt es nur daran, dass hier und in anderen analogen 
Fällen die Ausscheidung von Harnbestandtheilen durch den 
Verdauungscanal, den Bronchialbaum und die Haut bedeu¬ 
tend genug war, um das 'Zustandekommen jener schweren 
Störungen im Centralnervensystem hintanzuhalten, oder 
kommt es bei Retentionen innerhalb der abführenden Harn¬ 
wege überhaupt nie zu urämischen Anfällen? Ohne eine 
definitive Beantwortung dieser Frage zu wagen, will ich nur 
bemerken, dass ich bei Retentionen in den abführenden 
Harmvegen , wo nicht gleichzeitig schwere Nierenerkran¬ 
kungen Vorlagen, niemals wirkliche Urämie beobachtet 
habe und neige ich mich der Ansicht zu, dass zum Zustande¬ 
kommen derselben Veränderungen in den secemirenden 
Hamwegen unerlässlich sind. 

Welchen Namen soll man nun dem oben erörterten Zu¬ 
stande geben? Haben wir das Recht, ihn als Urämie zu 
bezeichnen? Ich glaube nicht. Es ist schon darauf hinge¬ 
wiesen worden, dass derartige Kranke kurz vor dem Tode 
in tiefe Apathie verfallen und so ein Bild darbieten können, 
das sich der Urämie um einen Schritt nähert, aber zu einem 
Coma und zu Convulsionen, den Cardinalsymptomen der 
Urämie, scheint es dabei nie zu kommen. 

Mag man die Urämie mit T r a u b e als Folge eines Hirn¬ 
ödems oder mit F r e r i c b s als Ausdruck einer Ueber- 
bürdung des Blutes mit.kohlensaurem Ammoniak auffassen 
oder aber mit den neueren Forschern den im Blute zurück¬ 
gehaltenen Harnstoff (Wagner, Rosenstein) oder 
die mineralischen Bestandteile des Harnes (etwa die Kali¬ 
salze — Astaschewsky*) für die Entstehung des 
urämischen Anfalles verantwortlich machen; immer wird 
man festhalten müssen, dass es sich dort um Zurückhal¬ 
tung der Hambestandtheile im Blut, nicht aber, wie hier, 
um Retention dieser schon zum Ham zusammengetretenen 
Bestandteile innerhalb der Excretionswege handelt. Dess- 
halb scheint es mir auch nicht zulässig, den fraglichen Zu¬ 
stand, wie das ja wobl geschehen ist, als chronische Urä¬ 
mie zu.bezeichnen. Es ist eben nicht ein nur gradueller, 
sondern ein wesentlicher Unterschied vorhanden: dort An¬ 
häufung gewisser Auswurfstoffe im Blut, hier Anhäufung 
des stagnirenden, bald sich zersetzenden Harnes in der 
Blase, den Ureteren oder dem Nierenbecken und — worauf 
ich besonderes Gewicht legen möchte — Resorption des¬ 
selben, resp. seiner Zersetzungsproducte in's Blut. 

Es ist ja unzweifelhaft, dass normaler Harn durch die 
normale Schleimhaut der Harnwege nicht resorbirt wird; 
den Schutzwall bildet hier das Epithel. Wenn aber die 
Blase abnorm ausgedehnt ist, so fragt es sieb, ob nicht die 
hierdurch stark verdünnten und in ihrer Form veränderten 
Kpitbelialzellen *) imbibitionsfähig werden, und sehen wir 
auch von dieser Möglichkeit ab, so wird zugegeben werden, 
dass ein stagnirender und in Zersetzung begriffener Harn, 
wie wir ihn hier meist vor uns haben, indem er durch Ma- 
ceration die Integrität der Epithelialdecke vernichtet, zur 
Imbibition der Mucosa führen und so resorbirt werden muss. 
Gestützt wird diese Ansicht durch ein Experiment von 
Küss, von dem R o b i n *) sagt: «Küss injecte dans la 
vessie d’un lapin röcemment tu6 ou simplement chlorofor¬ 
mier une solution trös-ötendue de cyanure jaune ferro-po- 
tassique et applique sur la face externe du viseöre une so- 

*) Zur Frage von der Urämie. St. Petenburger med. Wochen¬ 
schrift 1881, M 27. 

*) Gustav Oberdieck bat diese Oestaltsverändernng in 
seiner von der Göttinger medic. Facultät gekrönten Preisschrift: 
«Ueber Epithel und Drflsen der Harnblase etc.», GOttingen 1884, 
durch minutiöse Untersuchungen nachgewiesen 

Ch.Bobin: Des OpithOlinms; Bibliothdque des Sciences na¬ 
turelles. Citirt nach B e 1 i q u e t: Legons sur les maladies des 
voiea urinaires. Paris 1885. 


lution trfes-Ttendue de perchlorure de fer. Tant que l’öpi- 
thelium reste sain, il n’y a pas formation de bleu de Prasse; 
dös que i'dpithelium de la vessie est enlevö möcaniquement, 
il y a immödiatement formation de bleu de Prusse juste au 
point oü l'öpithelium a 6t6 enlevö». 

Für diejenigen Fälle, wo der Harn trotz längerer Reten¬ 
tion völlig klar und normal bleibt — und solche Fälle kom¬ 
men nicht ganz selten vor — wird allerdings angenommen 
werden müssen, dass die Harnresorption durch das verän¬ 
derte, vielleicht auch lückenhaft gewordene Epithel hin¬ 
durch vor sich gehe, denn auch in solchen Fällen erscheint 
ein ähnliches Krankheitsbild wie das oben gekennzeichnete. 
Damit haben wir uns einem Gebiet genähert, das vielleicht 
als neutrale Zone anzusehen ist zwischen den unzweifelhaft 
urämiBchen Affectionen im oben festgestellten Sinne und den¬ 
jenigen Fällen, wo Stagnation und Resorption des Harns 
bei gesunden Nieren ein eigenartiges Krankheitsbild schaffen; 
denn Harnresorption aus den abführenden Wegen, sofern 
es sich nicht um die Blase handelt, und Retention im Blute 
geben zuweilen so vielfach ineinanderspielende Erschei¬ 
nungen, dass alle sichere Unterscheidung aufhört, zumal 
da nicht selten chronische Nierenerkrankungen mit Hem¬ 
mungen in der Harnabfuhr gleichzeitig vorhanden sind. 
Das kann uns aber nicht davon abhalten, die wohlausge¬ 
prägten Fälle auseinanderzuhalten; auch gelingt es häufig 
bei genauerer Analyse der Symptome, einen Fall, der 
scheinbar jener neutralen Zone angehört, noch einer oder 
der anderen Gruppe zuzuweisen und es mögen hier folgende 
Anhaltspuncte für die Differentialdiagnose Platz finden: 
Entschiedenes Vorwiegen der Erscheinungen von Seiten der 
Verdauungsorgane (Durchfälle und namentlich die oben be¬ 
schriebene Zungenbeschaffenheit) spricht für Resorption 
durch die Harnwege; Ueberwiegen der Alteration des Cen¬ 
tralnervensystems (Depression bis zum Torpor) für Zurück¬ 
haltung von Harnbestandtheilen im Blute. Ein urticaria¬ 
ähnliches Exanthem, das bei chronischer Urämie nicht ganz 
selten ist, habe ich bei Harnretention noch nie gesehen. 
Mittlere, zuweilen hohe Temperatursteigerungen sprechen 
ceteris paribus für Retention und gegen Urämie. Auch die 
im Blut retinirten Hambestandtheile gelangen zur Aus¬ 
scheidung durch die Lungen, die Haut und den Verdauungs¬ 
canal und es kommt auch hier zu Durchfällen; aber 
diese Durchfälle weichen eher geeigneten Mitteln, speciell 
der Borsäure, als die durch Harnretention bedingten, 
wo nqr die Abfuhr des stagnirenden Harnes hilft. 
Endlich giebt die Palpation und Percussion bei Reten¬ 
tionen in den höheren Harnwegen bei wiederholter und 
sorgfältiger Untersuchung doch oft noch Aufschlüsse, 
wo die erste Exploration nur negative Resultate lieferte. 
Das Kraukheitsbild, das der chronischen Harnretention 
im Gegensatz zur chronischen Urämie angehört, wird um 
so deutlicher, je grösser die zurückgehaltene Harnmenge 
ist und je mehr der Harn der Zersetzung anheim fällt 
Und das führt uns zu einer analogen Unterscheidung, 
die J a k s c h 6 ) streng durchzuführen sucht, . indem 
er diejenigen Fälle, in welchen eine Harnretention zu 
dem geschilderten Symptomencomplex geführt hat &1 3 
«Ammoniämie » von jenen trennt wo Functionsstörungen 
innerhalb der Nieren zur «Urämie im engeren Sinne» Ver¬ 
anlassung geben. Er findet nämlich, dass in den einschlä¬ 
gigen Fällen die Exspirationsluft des Kranken, ja das ganze 
Krankenzimmer intensiven Ammoniakgeruch darbietet und 
scbliesst hieraus unter der Herrschaft der damals noch un¬ 
erschütterten F r e r i c h s’schen Lehre, dass in der That 
in solchen Fällen kohlensaures Ammoniak aus den Harn¬ 
wegen in das Blut gelangt, wobei er jedoch betont dass in 
Fällen eigentlicher Urämie ein solcher Ammoniakgeruch 
niemals von ihm beobachtet worden sei. Was den Am¬ 
moniakgeruch im Krankenzimmer betrifft, so habe ich ihn 
nur da gefunden, wo die ad maximum dilatirte paralytische 

*) Ueber Urämie. Prager VierteijahrsBchrift Bd. LXVI, S. 143. 

6 * 


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48 


Blase den Ueberschuss des angesamDielten Barns durch l 
einen Rest von Contractionskraft unwillkürlich austreibt 
(Ischuria paradoxa) und so die Wäsche des Kranken häufig 
durchnässt wird; an der Exspirationsluft habe ich nur hin 
und wieder einmal einen Geruch wahrgenommen, der mehr 
oder weniger deutlich an Ammoniak erinnerte. 

Ich glaube also, dass der Name «Ammoniämie» nicht 
glücklich gewählt ist, zumal da Ammoniak im Blute sich 
nicht hat nachweisen lassen. Vielleicht entspricht die Be¬ 
zeichnung < Harnresorption» eher dem bezüglichen Krank¬ 
heitsbilde; wenigstens liegt in dem Worte keine Hypothese 
und besagt es nichts Anderes, als dass in den betreffenden 
Fällen irgendwelche Harnbestandtheile in das Blut zurück¬ 
gelangen, was J a k s c h (1. c.) ohne Weiteres als erwiesen 
annimmt und woran auch Cohnheim 8 ) nicht zu zwei¬ 
feln scheint. 

Wenden wir uns nun der Behandlung solcher Kranken 
zu, so liegt es auf der Hand, dass wir in denjenigen Fällen, 
wo eine Entleerung des angestauten Harns unthunlich ist, 
nicht im Stande sind, wesentliche Hülfe zu schaffen; hier 
müssen wir uns leider auf Palliativmittel beschränken: neben 
den fast ganz unwirksamen Mitteln gegen den Durchfall, 
die man aber doch wohl reichen wird, so weit sie ge¬ 
nommen werden (Wismuth, vielleicht auch Naphthalin 
(R o s s b a c h), Tct. nuc. vomicar.) empfiehlt es sich, zur 
Bekämpfung des unerträglichen Durstes in kleinen Mengen 
heisses Karlsbader Wasser (von Sprudeltemperatur) trinken 
zu lassen, ebenso heissen, wenig versüssten Thee. Die 
sauren Geträuke, nach denen sich die Patienten meist seh¬ 
nen, widern sie sehr bald an, auch kleine Stückchen Eis 
schaffen wenig Erleichterung. Am meisten leistet noch die 
Borsäure, von der 1—2 Gramm tagüber genommen werden 
muss und in zweiter Linie milde Abführmittel (Tamarinden, 
wohl auch Ricinusöl), die trotz der bestehenden Durchfalle 
gegeben werden dürfen, wo es der Kräftezustand des Kran¬ 
ken und der chronische Charakter des Falles erlauben. 

Ganz besonders schwierig ist die Ernährung solcher 
Kranker: Milch wird im Allgemeinen schlecht vertragen, 
gegen Fleischspeisen haben sie einen unüberwindlichen Wi¬ 
derwillen und Obst und Gemüse sind oft das Einzige, was 
sie geniessen können. 

Anders verhält es sich da, wo mit oder ohne blutigen 
Eingriff dem angesammelten Harn ein Abfluss geschafft 
werden kann. Hierher gehört zunächst die Retention in 
der Blase. Vollständige, lebensgefährliche Harnverhaltun¬ 
gen werden — abgesehen von Cystoplegien im Gefolge von 
Spinallähmungen, von denen weiter unten die Rede sein 
soll — fast immer durch Prostatahypertrophien verursacht, 
auffallend selten durch Harnröhrenstricturen und ebenso 
selten durch maligne Tumoren der Prostata, weil letztere 
eben selbst sehr selten sind. Hier kommt Alles darauf an, 
den oft mit unsäglicher Mühe gefundenen Weg durch mehr¬ 
maliges, längeres Liegenlassen des Catheters offen zu er¬ 
halten und durch sorgsamste Führung des Instruments 
jede Blutung zu vermeiden, denn ein Theil des Blutes ge¬ 
langt zurück in die Blase und disponirt den stagnirenden 
Harn zur Zersetzung. 

Hier muss eines Umstandes Erwähnung geschehen, der 
zu vielen Controversen geführt hat und praktisch von grosser 
Bedeutung ist: Es ist allgemein bekannt, dass, wo Reten¬ 
tion stattfindet, der erste Catbeterismus meist einen völlig 
klaren Harn zu Tage fördert, während bald darauf, oft 
schon am folgenden Tage, ein trüber, übelriechender Urin 
abfliesst. Bekanntlich hat Traube zuerst darauf aufmerk¬ 
sam gemacht, dass die durch eitrige Cystitis verursachte 
Trübung des Harns auf Infection durch den Catbeter be¬ 
ruht, und das trifft für die meisten Fälle zu; doch ist es mir 
schon einige Mal vorgekommen, dass beim Catheterisiren 
von Individuen, denen noch nie vorher ein Instrument in 
die Blase eiogeführt worden war, ein eiterhaltiger Harn sich 


') Allgemeine Pathologie, Bd. II, S. 265. Berlin 1882. 


zeigte. Solche Fälle lassen keine andere Deutung zu, als 
dass der Mikrokokkus ureae oder ein verwandter Spaltpilz 
auch die männliche Harnröhre vom Orificium ext. bis zur 
Blase durchwandern kann, ohne dass ihm dabei ein Instru¬ 
ment zum Träger dient (für die kurze weibliche Urethra 
wird das wohl kaum bezweifelt). In strengster Desinfici¬ 
rung des Catheters so wie des Orificii ext. und bei Weibern 
der Vulva vor Einführung des Instruments werden also die 
Cautelen zu suchen sein, die — wenn genau beobachtet — 
eine Infection von aussen her hintanzuhalten im Stande sein 
müssen. Seitdem ich jedesmal den sorgfältig gewaschenen 
Catheter, bevor ich ihn mit Vaselin bestreiche, in eine fttnf- 
procentige Carbollösung tauche, sehe ich solche Infectionen 
immer seltener. Statt des einfachen Vaselin Thymolvaselin 
zu nehmen, scheint mir nicht zweckmässig, denn erstens 
hat man es dabei doch immer nur mit einem Gemenge und 
keiner chemischen Verbindung zu tbun und dann wirkt 
das Thymolvaselin auf sensiblere Harnröhren oft als uner¬ 
wünschter Reiz. Wo die Vergrösserung der Prostata, wie 
gewöhnlich, noch zum Theil auf venöser Hyperämie beruht, 
wo die Drüse noch sehr succulent ist, sind kräftige Drastica 
(Infus, sennae salin.) und Einreibungen von Quecksilber¬ 
salbe in den Damm so wie Stuhlzäpfchen aus Ung. hydrarg. 
mit Cera alba entschieden von guter Wirkung und zuweilen 
allein im Stande, die Pars prostatica durch Abschwellung 
der Drüsenlappen wieder wegsam zu machen. Hinsichtlich 
der Cystoplegien, wie sie regelmässig als Tbeilerscheinnng 
von Rückenmarkslähmungen auftreten, kann ich mich nach 
reiflicher Prüfung mit der Ansicht nicht einverstanden er¬ 
klären, es sei am besten, gar nicht zu catheterisiren und die 
Blase überfliessen zu lassen, denn nur so könne man die 
sogenannten paralytischen Catarrhe vermeiden, die sich 
regelmässig einstellten, wo in solchen Fällen vom Catheter 
Gebrauch gemacht wird. Einerseits kommt es eben auch 
ohne künstliche Entleerung des Harns zu diesen eitrigen 
Blasencatarrhen, die oft genug das Ende beschleunigen, 
und andererseits gelingt es bei strenger Beobachtung der 
Antisepsis nicht nur, den Harn klar zu erhalten, sondern 
bisweilen auch, eine schon vorhandene Eiterbeimischung 
wieder zum Schwinden zu bringen; denn es darf wohl nicht 
mehr bezweifelt werden, dass, wie jede abnorme Zersetzung 
und jede Eiterbildung, so auch diese nur unter Mitwirkung 
von Mikroorganismen zu Stande kommt. Ich muss aller« 
dings zugeben, dass es nirgends so schwer ist, den Harn vor 
Zersetzung zu bewahren, wie bei Paraplegikern und es ge¬ 
nügen dazu oft nicht die oben angedeuteten Maassnahmen, 
sondern man muss ausserdem einige Mal wöchentlich bis 
täglich Blasenausspülungen vornehmen und innerlich Anti- 
septica (Salicylpräparate, Borsäure) in genügend grosser 
Dosis reichen. 

Durch Proßtataatrophie, die, nach Ditt el’s zahlreichen 
Untersuchungen an den Insassen eines Greisenasyls zu ur- 
theilen, mindestens ebenso häufig vorzukommen scheint wie 
die Hypertrophie, werden im Ganzen selten Harnverhal¬ 
tungen zu Wege gebracht, die das Leben unmittelbar be¬ 
drohen, und fällt ihre Behandlung im Wesentlichen mit 
derjenigen der Hypertrophie zusammen, zumal in Fällen, 
wo die beiden Zustände nur verschiedene Stadien desselben 
Processes darstellen. 

Von der Anwendung des Catheters möchte ich nur da 
abrathen, wo Füllung der Blase mit Blutgerinnseln die Re¬ 
tention bedingt, denn hier ruft der Catheterismus, ob es 
sich nuB um Papillom oder Carcinom der Blase oder um 
Nierenkrebs handelt, fast immer neue Blutungen und damit 
Vermehrung und Verlängerung der Qualen des Kranken 
hervor. Man ist in diesen Fällen leider darauf angewiesen, 
dem Patienten durch narkotische Mittel über die 2—3 Tage 
hinwegzuhelfen, innerhalb deren die Verflüssigung der Ge¬ 
rinnsel sich vollzieht. 

Da ein grosser Theil der Retentionen mit ihren Folgezu¬ 
ständen auf dem Vorhandensein alten harter, schwer zu 
beseitigender Stricturen beruht, so wird die Behandlung 


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häufig genug in der allmäligen Dilatation der Verengerun¬ 
gen zu bestehen haben und somit sehr viel Zeit in Anspruch 
nehmen; wo wegen bedrohlicher Erscheinungen periculum 
in mora ist, wird man zur Drethrotomia externa schreiten 
müssen, die, früh genug gemacht, immer auf lange Zeit 
Euphorie bringt; ich sage Urethrotomia externa, weil die 
Erfahrung lehrt, dass alte Männer mit nicht mehr intacten 
Nieren, um die es sich hier gewöhnlich handelt, die innere 
Urethrotomie nur ganz ausnahmsweise gut ertragen. Ueber 
die von D i 11 e 1 vorgeschlagene und geübte Exstirpation 
des periurethralen Callus ohne Eröffnung der Harnröhre 
gehen mir eigene Erfahrungen ab. 

Ist nicht die Blase, sondern der Harnleiter oder das 
Nierenbecken Bitz der Urinanhäufung, so gelingt es zu¬ 
weilen selbst bei sehr entwickelten Zeichen von Harnresorp¬ 
tion, bei hohem Fieber mit grossen Temperaturschwankun¬ 
gen durch systematischen, lange Zeit hindurch fortgesetzten 
Gebrauch von Mineralwässern, die Gesundheit wiederher- 
znstellen, wie ich das an einer Patientin zwei Mal im Laufe 
eines Jahres erlebt habe. Es war eine sehr bedeutende 
Pyonephrose der linken Niere mit heftigen Schmerzen und 
pyämischem Fieber vorhanden, die einmal nach sechs¬ 
wöchentlicher, das andere Mal nach acht wöchentlicher Ad¬ 
ministration von je einer Flasche Vichy täglich schwand: 
der bis dabin fast klare, spärliche Harn wurde das erste 
Mal plötzlich, das zweite Mal allmälig trübe und setzte 
ein starkes Eitersediment ab bei gleichzeitiger Zunahme 
des Tagesquantums fast um das Doppelte des früheren 
Volumens. Eine so lange Dauer dieser Zustände ohne un¬ 
mittelbare Bedrohung des Lebens wird nur dadurch er¬ 
möglicht, dass hier fast immer die eine Seite allein oder 
vorherrschend Sitz der Erkrankung ist. 

Wo der verschliessende Eiterpfropf oder Stein nicht 
herausgespült werden kann, wo sich die Hydro- oder 
Pyonephrose unter hohem Fieber steigert, kommt die 
Frage nach der Nephrotomie resp. der Nephrectomie in 
Betracht. Ob die eine oder die andere dieser Opera¬ 
tionen ausgeftthrt werden muss, läSBt sich selten von 
vornherein bestimmen, vielmehr wird das Verhalten der 
kranken Niere zu ihrer Umgebung das maassgebende 
sein und hierüber erhält man erst während der Operation 
sicheren Aufschluss. In zwei einschlägigen Fällen fand ich 
den hydronephrotischen Sack so fest mit der Umgebung ver¬ 
wachsen, dass an eine Nephrectomie nicht gedacht werden 
konnte. Der erste derselben, in dem von secernirendem 
Nierenparenchym nHr noch sehr wenig übrig war, wurde 
nach Ablauf eines halben Jahres völlig gebeilt entlassen. 
Das Interesse an demselben wurde durch eine eompHci- 
cirende Darmfistel erhöht: mit der Aussenwand des dila- 
tirlen Nierenbeckens war eine extraperitonäale Darmpartie, 
die wohl nur dem Duodenum angebören konnte, verlöthet 
und die kleine, immer wieder vorfallende Schlinge zeigte 
eine leine Fistelöffnung. Nach endlich erzielter Heilung der 
Fistel gelang es, den Darm zu lösen und zu reduciren und 
auch die Nierenbeckenbauchfistel schloss sich mit tief ein- 
gezogener Narbe. Im anderen Fall entleerte sich aus dem 
geöffneten Sack eine stark blutig tingirte Flüssigkeit, die 
den Gedanken an Nephrolithiasis nahe legte; beim Abtasten 
der durch derbe Septa von einander geschiedenen Nieren¬ 
kelche liess sich aber nichts finden, ebenso wenig an der 
muthmaasslichen Abgangsstelle des Harnleiters. Trotz be¬ 
deutender Besserung, die der Kranken erlaubte wochenlang 
umherzugehen, kam es im dritten Monat nach der Operation 
— wahrscheinlich weil den Wundsecreten und dem immer 
noch reichlich abgesonderten Harn kein ganz freier Abfluss 
geschafft werden konnte — zu Kräftevcrfall und einen Mo¬ 
nat später ging die Kranke septisch zu Grunde. Bei der 
Section fand sich ein im unteren Ende des Ureters einge¬ 
keilter, spindelförmiger Stein. 


Ein Chloroformtod. 

(Ans den Verhandlungen des Vereins St. Petersburger Aerzte vom 
4. Februar 1886). 


Dr. Schmitz berichtet über einen Fall von Chloro¬ 
formtod aus der Privatpraxis. — Ein öVajähriger Knabe 
batte vor c. 2 Monaten eine Contusion des rechten Knie’s 
sich zugezogen, — dieselbe wurde Gelegenheitsursache zur 
Entwicklung einer sehr rasch und unter stetem, verhält- 
nissmässig hochgradigem Fieber zunehmenden fungösen Go- 
nitis mit offenbar synovialem Ausgangspunkte. Die vom 
Hausarzte eingeschlagene Behandlung mit wochenlang fort¬ 
gesetzter energischer Massage, später mit Immobilisirung 
etc. führte zu keiner Besserung. Als Referent den Knaben 
zum ersten Male sah (am 9. Januar a. c.), war die Schwel¬ 
lung des Knie’s eine sehr bedeutende, von teigiger Consis- 
tenz, doch kaum druckempfindlich; hart unterhalb der 
Kniebeuge in der Tiefe der Wade Fluctuation. Es wurde 
in Anbetracht des raschen Wachsens der Geschwulst, des 
continuirlichen Fiebers und der zunehmenden Entkräftung 
des Patienten ein operativer Eingriff (Arthrectomie) vorge¬ 
schlagen und von den Eltern acceptirt, doch leider der wie¬ 
derholte dringende Rath, der grösseren Sicherheit, auch 
Billigkeit wegen die Operation im Hospitale ausführen zu 
lassen, zurückgewiesen. — Am 19. Januar wurde dann in 
der Wohnung der Eltern des Kindes zur Operation ge¬ 
schritten. Zugegen waren ausser dem Referenten, der die 
Ausführung der Operation übernommen hatte, sein Hospi¬ 
tals-Assistent, eine Feldscherin, die Gehilfin derselben, und 
auf Wunsch des Vaters der Hausarzt, welcher letztere frei- ' 
willig die Chloroformiruug des Knaben auf sich nahm; end¬ 
lich auf ihre Bitte eine zur späteren Pflege des Operirten 
designirte Hebamme. — Als nach c. 10 Minuten Chlorofor- 
mirens ein ruhiges Athmen bei verengten Pupillen und ent¬ 
schieden gutem Pulse eingetreten war, wurde nach gründ¬ 
licher Äbseifung, Aether- Abreibung und Anlegung des E s - 
march’schen Schlauches zunächst der Wadenabscess 
gespalten und gereinigt. Beim Schnitte durch die Haut 
reagirte der Knabe mit Anziehen des Beines, so dass Refe¬ 
rent den Chloröformirenden darauf aufmerksam machte. 
Dann wurde der V o l k m an n ’sche Querschnitt über das 
Knie geführt und die noch knorplige Patella mit einem star¬ 
ken Messer gespalten. Hier traten zum ersten Male beun¬ 
ruhigende Symptome auf, indem das Athmen zuerst schnar¬ 
chend, dann auch aussetzend wurde. Sofort wurde eine 
Pause im Operiren gemacht, der zurückgesunkene Unter¬ 
kiefer hervorgezogen und einige künstliche Respirationsbe¬ 
wegungen ausgefübrt. Erst als die Athmung wieder in Gang 
gekommen war, machte sich Referent rasch an die Fort¬ 
setzung der Operation. Nach Aufklappen des Gelenkes er¬ 
wiesen sich die Gelenkknorpel noch ganz intact, nur vom 
Rande her von der colossal fungös entarteten Synovialis 
überwuchert, so dass die Operation auf eine Arthrectomia 
synovialis sich beschränkt hätte. Der tibiale Ansatz der 
Gelenkkapsel war mit Scheere und Pincette soeben zum 
grössten Theil herauspräparirt worden, als der Ctüorofor- 
mirende Ungleichheit der Pupillen meldete. Sogleich wandte 
Referent wiederum seine ganze Aufmerksamkeit dem Allge¬ 
meinzustande des Knaben zu, — das Gesicht desselben war 
todtenblass, die rechte Pupille verengt, die linke maximal 
erweitert, der Puls nicht zu fühlen, desgleichen kein Herz- 
stos8, das Athmen stockte. Unverweiltes Emporheben des 
Unterkiefers, Hervorziehen der Zunge mit der in Bereit¬ 
schaft liegenden Houze’scben Zange, energische künst¬ 
liche Athembewegungen, — noch zwei in grösseren Pausen 
erfolgende willkürliche Inspirationen, und dann war Alles 
still! Wohl gegen 3 U Stunde wurde bei geöffnetem Kapp¬ 
fenster die künstliche Respiration unermüdlich fortgesetzt, 
wobei die Luft in breitem Strome laut hörbar in die Lungen 
eindrang, — wiederholt wurde die Inversion vorgenominen, 
der Thorax in der Herzgegend kräftig geklopft, desgleichen 


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Stösse in das Hypochondrium applicirt etc. — nichts half. 
— Nach Angabe des Chloroformirenden soll nach der ersten 
Störuug der Narkose nur noch ein Tropfen Chloroform auf 
das Netz geträufelt worden sein. Das im Ganzen in c. 25 
Minuten verbrauchte Quantum des aus Chloralhydrat ge¬ 
wonnenen Präparates schien nicht gross zu sein; doch fehlt 
bisher dem Referenten eine genaue Angabe darüber vom 
Hausarzte, dem er die ganze nachgebliebene Menge zur Aus¬ 
messung Übergab. — Referent kann nicht anders als hier 
einen Fall der glücklicher Weise seltenen, so doch immer¬ 
hin vön Zeit zu Zeit wieder vorkommenden Chloroform-Syn¬ 
kope annehmen; er weist auf die Möglichkeit einer Degene¬ 
ration deB Herzmuskels in Folge des langdaueruden consu- 
mirenden Fiebers hin, — er weist auch darauf hin, dass die 
auffallende Ungleichheit der Pupillen kurz vor Eintritt des 
Todes vielleicht einem bisher latent sich entwickelnden soli¬ 
tären Hirntuberkel zuzuschreiben wäre. 


Referate. 

G. Schpoljanski: Ueber die Aufenthaltsdauer der 
Speisen im Magen Gesunder und Kranker und Beein¬ 
flussung des Aufenthaltes durch künstlich bewirktes 
Schwitzen. (Wratech J* 43). 

Vf. hat seine Beobachtungen an 20 Personen angestellt, denen 
vor Einführung der Speisen am Morgen mit der Sonde Auswa¬ 
schungen gemacht wurden und desgleichen au verschiedenen Zeiten 
nach Aufnahme verschiedener Nahrungsmittel. Auf diese Weise 
bestimmte Vf., wann dieselben bereits aus dem Magen geschwunden 
waren. Hierbei ergab sich, dass Milch bei Gesunden t-J—3-J- Std. 
im Magen bleibt, sauere Milch dagegen um 10—20 Minuten we¬ 
niger. Eier verblieben 2-J—34 Stunden im Magen. Schwitzen von 
kürzerer Dauer (durch die Badatube oder Wannen bewirkt) hat zur 
Folge, dass die Nahrungsmittel kürzere Zeit brauchen, um iu den 
Darm Überzagehen. 

Bei der Neuheit dieser Art der Beobachtung und der verhältniss- 
mässig geringen Zahl der Versuche lassen sich.natttrlich noch keine 
definitiven Schlüsse ziehen und sind weitere, grössere Reihen von 
Beobachtangen wünschenswert^ , P. 

A. Lesshaft: Zur Therapie der Trichinose. Aus ddr’med. 
Klinik des Herrn Geh. Med.-Rath Dr. M o s 1 e r in Greifswald. 
(D. med. W. 1885, 47 u. 48). 

Trotz aller Fleisciibeschauer kommt trichinöses Fleisch zum Ge¬ 
nuss, auch in Zukunft muss man sich darauf gefasst machen, und 
muss die Unschädlichmachung der Trichinen durch die Zubereitung 
des Fleisches, sowie die Therapie nach erfolgter Infection im Auge 
behalten. Fiedler fand, dass Trichinen erst durch eine Hitze 
von 58—60° R. getödtet werden, und Prof. M o s 1 e r hat durch seine 
Versuche nachgewiesen, dass umfangreiche trichinöse Schweine¬ 
schinken sogar nach 2^stündigem energischem Kochen in verschlos¬ 
senen Gefässen in der Tiefe um die Knochen herum noch lebende 
Trichinen beherbergten. Das gleiche Resultat haben die Unter¬ 
suchungen Von V a c h e r (Paris) gehabt. 

Krabbe hat festgestellt, dass es mindestens*4 Wochen'bedarf, 
um in einem eingesalzenen Schinken die Trichinen im Innern zu 
tödten. 

Die Frage der Therapie hat somit nicht] bloss wissenschaftliches 
Interesse. 

Die AbfÜhrungsmittel haben nicht den Erfolg gehabt, den man 
von ihnen erwartete, ebenso die Anthelminthica, wie Kali und Natr. 
picronitricum, 01. Terebinth.,Extr. filic. mar., Benzin. Auch Pepsin 
und Pancreatin haben nicht gehalten, was man sich von ihnen 
versprach. Alle diese Mittel hat Fiedler, der unermüdliche 
Forscher in Bezug auf Trichinoseutherapie, geprüft, und hat 1864 
selbst Glycerin empfohlen, von der Thatsache ausgehend, dass die 
Würmer in Glycerin ausserordentlich schnell sterben. Seine bezüg¬ 
lichen Experimente mit Kaninchen bestätigten jedoch nicht sein 
Calcul. 

Im Jahre 1885 kommt er aber aaf das Glycerin nochmals zurück, 
erwähnt, dass er alle Trichinenkranken im Stadtkrankenbause zu 
Dresden seit 1863 mit Glycerin behandelt habe. Die Zahl derselben 
ist aber zu gering, und die Fälle zu leicht, um Schlüsse darauf zn 
bauen. 

M e r c k e 1 hat einem Fabrikanten, der 20 Stunden nach dem Ge¬ 
nuss trichinöser Wurst, von deren Gefährlichkeit er unterrichtet 
wurde, in Behandlung kam, zuerst 300 Grm. Inf. sennae comp, ge¬ 
geben . In den Dejectionen fand er dann auch uneingekapelte 
Trichinen. Im Laufe des nächsten Tages liess M e r c k e 1 bei ma¬ 
gerer Kost stündlich 1 Esslöffel Glycerin nehmen, bis zu 15. Der 
Patient blieb völlig gesund, während Andere, die vom selben Schwein 
gegessen hatten, zum Theil schwer erkrankten. 

Hampeln berichtet in der «Petersb. med. W.» über eine 
Trichinenepidemie, in welcher 14 Personen erkrankten; Alle wurden 
mit Glycerin und Carbolsäure behandelt, und bloss eiuer starb. 


Verf. hat nun an Thieren Versuche mit Glycerin angestellt, an 
Kaninchen und Schweinen, und ist zn dem Resultat gekommen, dass 
das Glycerin keine schädliche Wirkung auf die Trichinen ausübt; 
er hat dasselbe den Thieren einfach eingeflösst, es bleibt abzuwar- 
ten, ob vielleicht die Darreichung in keratinirten Pillen, wie Fied- 
ler neuerdings vorschlägt, um das Glycerin concentrirt in den 
Darm zu bringen, bessere Wirkung entfaltete. 

Dr. M. S c # h m i d t — San-Remo. 

S e e ge n: Ueber Zucker im Blut mit Rücksicht auf die 
Ernährung. (Wien. med. Bl. 1885, As 47). 

S. hat die viel ventilirte Frage, aus welchen Stoffen der Zucker 
in der Leber gebildet wird, experimentell in Angriff genommen. 
Nachdem er friiher dargethan, dass die Leber im Staude sei, aus 
Pepton Zucker zu bereiten, hat er jetzt mit Benutzung neuer Me¬ 
thoden, zunächst festgestellt, dass das Lebervenenblut fast um das 
Doppelte zuckerreicher ist, wie das Portalblut und ferner durch 
Rechnung die stündlich in der Leber producirte Zuckermenge auf 
20—40 Grm. (für einen mittelgrossen Hund) festgestellt. 

Zum Beweis dafür, dass in der Tbat der Zucker nicht ans den 
Kohlehydraten der Nahrung, sondern aus den Blutbestandtheilen 
selbst stammt, sind von S. 2 Reihen von Ernährungsversuchen an 
Hunden ausgeführt. 

In der ersten Reihe, an hungernden Thieren, fand Vf. immer 
Zucker im Blut und zwar wieder im Lebervenenblut, doch halb so 
viel wie im Portalblut. Das Procentverhältniss der Zuckermenge 
war etwa ebenso gross, wie bei normal gefütterten Thieren. Dieser 
Zucker konnte also weder aus der Nahrung, noch aus dem Glycogen, 
wie er im Organismus, Muskeln, Leber etc. enthalten ist, stammen. 
Dazu ist, wie S. dies des Näheren ausführt, das Glycogen im Ver¬ 
gleich zu den vom hungernden Thier producirten Zuckermengen in 
zu geringer Quantität vorhanden. Also hatte sich hier Zucker aus 
Blutbestandtheilen und zwar stickstoffhaltigen gebildet. 

In der 2. Versuchsreihe hat Vf. die Thiere ausschliesslich mit 
Kohlehydraten gefüttert. Wenn der Zucker des Blutes aus Kohle¬ 
hydraten stammte, so müsste seine Menge bei solcher Fütterung be¬ 
deutend steigen. Die Untersuchung ergab jedoch, dass zwar auch 
hier das Lebervenenblut doppelt so zuckerhaltig war wie das Por¬ 
talblut, aber durchaus nicht zuckerhaltiger wie das Blut der Hun- 
gerthiere. 

Somit hält 8. die sooft angegriffene Ansicht CI. B e mar d’s, 
von der glycogenbildenden Function der Leber in vollem Umfange 
aufrecht, nuT dass er das Vorhandensein eines zuckerbildenden Fer¬ 
mentes leugnet. —8. 


BUcher-Anzeigen und Besprechungen. 

Bericht des Medicinal-Departements des Ministeriums des 
Innern für das Jahr 1881. (Orien Me^un,BHCKaro 
AenapTanenTa MflHucTepcTaa BHyTpeHHiMT. Ätxi. sa 
1881 r.). St. Petersburg 1884. gr. 8°. Knssisch. 

Der uns vorliegende umfangreiche Bericht des Medicinal-Departe¬ 
ments behandelt auf 524 Seiten (um 166 Seiten mehr als der vorig¬ 
jährige Bericht) und XX Tabellen eingehend die sanitären Verhält¬ 
nisse des russischen Reiches im Jahre 1881 und bietet eine Fülle von 
intemsantea und bemerkenswerthen Daten. Der Bericht könnte in 
allen seinen Theilen ein ziemlich treues Bild der sanitären Verhält¬ 
nisse des Reiches geben, wenn nicht leider wiederum die Berichte der 
Medicinal - Verwaltungen, welche dieser Arbeit zu Grunde gelegt 
sind, zum Theil unvollständig und unzuverlässig wären, manchmal 
aber auch ganz fehlten. Dass letzteres Vorkommen kann, ist uns 
geradezu unverständlich, da das Medicinal-Departement als oberste 
Medicinalbehörde doch die Befugniss besitzt, die ihm unterstellten 
Medicinal-Verwaltungen zur piinctlichen Abstattung der vorschrifts- 
mässigen Berichte anzuhalten, die säumigen Medicinal-Verwaltungen 
aber zur.nachträglichen Einsendung der nöthigen Daten zu zwingen, 
zumal die Zusammenstellung des Materials c. 2 Jahre in Anspruch 
nimmt. 

Das I. Capitel des Berichts enthält Nachrichten über den 
Gesundheitszustand der Bevölkerung. Wir ent¬ 
nehmen demselben, dass bei einer Bevölkerung von ca. 91 Millionen 
sich die Zahl der Geburten auf 4,043,863, die Zahl der Todesfälle 
aber auf2,826,438 belief; im europäischen Russland kamen bei 
4,66% Geburten — 3,24% Todesfälle, im asiatischen Russland bei 
3,75% Geburten — 2,84% Todesfälle vor, so dass der Zuwachs der 
Bevölkerung im europäischen Russland 1,42%, im asiatischen Russ¬ 
land dagegen 0,91 % betrug. Die mittlere Sterblichkeit betrug im 
Jahre 1881 — 3,21%. Mehr oder weniger regelrechte Sterblich¬ 
keitsregister wurden, wie der Bericht hervorhebt, nur in 8 Städten 
des Reiches und zwar in den beiden Residenzen und in den Städten 
Kiew, Kostroma, Bjelostock, Grodno, Brest-Litowsk und Odesssa 
geführt. In St. Petersburg kamen im Berichtsjahre bei 
einer Einwohnerzahl von 929,093 (mit Einschluss der vorstädtischen 
Bezirke) — 34,788 *) Sterbefälle (mit Ausschluss von 1,217 Todtge- 
borenen) vor und betrag die durchschnittliche Sterblichkeit 38,2 Pf 0 
mille der Einwohner. Unter den Verstorbenen waren 12,235 Kin- 


*) 21,236 männlichen und 13,552 weiblichen Geschlechts. 


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51 


der unter 5 Jahren (davon 7,933 unter einem Jahre), 2,191 standen 
im Alter von 60- 69 Jahren, 1,251 im Alter von 70—79 Jahren und 
468 waren 80 Jahr und älter geworden. Die häufigste Todesursache 
bildeten Krankheiten der AthmungsoTgane und zwar Lungenschwind¬ 
sucht in 5,619, acnte Entzündungen der Athmnngsorgane in 3,783 
und andere Krankheiten der Brusthöhle in 837 Fällen, sodann fol¬ 
gen Gastrointegtinal-Krankheiten in 5,467 und andere Krankheiten 
der Bauchhöhle in 1,132 Fällen, Typhus in 5,082, angeborene 
Schwäche und Atrophia infant. in 1,959, Marasmus senilis in 1,411, 
Entzündungen des Gehirns und seiner Häute in 1,322, Gehirnapo¬ 
plexie in 589 und andere Krankheiten des Gehirns in 1,095 Fällen, 
Kachexia in 1,155, Krankheitep des Herzens und der Gefässe in 
1,034, Diphtherie in 723, Scharlach in 592 Fällen u. s. w. Die Zahl 
der Selbstmorde betrug 127, die der Morde 15. — Die Einwoh- 
neraahl Moskau’s betrug 750,867 und starben davon 24,407*) 
(excl. 993 Todtgeborene), d. i. 32,6 pro mille der Einwohner. 
10,626 Todesfälle kamen auf Kinder unter 5 Jahren, darunter 3,058 
Kinder des Moskauer Findelhauses. Die meisten Todesfälle kamen 
in Moskau ebenfalls auf Krankheiten der Athmnngsorgane und zwar 
Lungenschwindsucht 3,286 und acute Entzündungen der Athmungs- I 
organe 2,846Fälle, ferner Magen-Darm-Catarrh 3,793 Fälle, Typhus 
2,221 Fälle, Scharlach 416 Fälle, Diphtherie 326 Fälle, Pocken 302 
Fälle u. 8. w. Selbstmorde kamen 85 und Morde 26 vor. 

Die Ermittelungen der Wehrpflicht-Commis - j 
8 i o n e n gewähren ebenfalls einen Einblick in den Gesundheitszu¬ 
stand der Bevölkerung des Reiches. Bei der Aushebung im Jahre 
1881 stellte es sich heraus, dass von 1,600,000 Knaben, welche im 
Jahre 1860 geboren waren, nach 21 Jahren nur noch 779,288, d. i. 
48,7% am Leben geblieben waren. Von diesen wurden 270,734, d., 
i. 34,7% in den Wehrpflicht-Commissionen ärztlich untersucht, wo¬ 
bei sich erwies, dass unter ihnen 64,122 oder 23,6% wegen körper* 
lieber Gebrechen und chronischer Krankheiten zur Ableistung der 
Militärpflicht untauglich waren. Man kann also daraus schliessen, 
dass von allen im Jahre 1860 geborenen Knaben 48,7 % das 21. Le¬ 
bensjahr erreichten und 37,16% gesund blieben *). 

In Betreff des Einflusses der Infectionskrank- 
heiten auf die Volksgesundheit entnehmen wir dem 
Bericht, daäs die grösste Zahl der Todesfälle auf die Diphtherie 
(36,949 Fälle), Pocken (28,046 F.), Typhns (23,255 F.), Scharlach 
(15,664 F.), Tuberculose (15,107 F.) und Dysenterie (10,895 Fälle), 
die grösste Zahl der Erkrankungen aber wiederum auf Syphilis 
(315,462 Fälle), dann, Typhus (224,895 F.), Pocken (121,937 Fälle), 
fieberhafte Krankheiten ohne Bestimmung der Form (118,201 F.), 
Diphtherie (100,045 F.), Scharlach (62,932 F.), Dysenterie (53,837 
F.), Masern (50,198 F.), Keuchhusten (40,692 F.), Tuberculose 
(39,674 Fälle) kommt. 

Die Erkrankungen an P o c k e n haben im Jahre 1881 im Verhält- 
nis8 zu den vorhergehenden 6 Jahren bedeutend zugenommen, doch 
ist das 8terblichkeitsprocent geringer geworden. Von 121,937 Er¬ 
krankten starben 28,046, also 23,0%. (1875 starben 25,8%, 1876 
- 25,5%, 1877 - 25,6%, 1878 - 26,0%, 1879 — 28,4%, 1880 — 
24,1%). Die Pocken waren über alle Gouvernements des europäi¬ 
schen und asiatischen Russland verbreitet, namentlich herrschten sie 
in den südlichen (ftravernements , wo bei 39,693 Erkrankungen 
10,086 Todesfälle d. i. 25,4% und in den westlichen Gouvernements, 
wo bei 34,141 Erkrankungen 7,463 Todesfälle d. i. 21,8 % vorkamen. 
Von den nördlichen Gouvernements hatten am meisten zu leiden: 
Livland (bei 6,837 Erkrankungen 1,483 Todesfälle) und Perm (bei 
7,441 Erkr. 921 Todesfälle). In St. Petersburg kamen 243 Todes¬ 
fälle an Poeken vor, in Moskau 329. 

Der Scharlach weist ebenfalls eine bedeutende Zunahme 
gegen die 5 vorhergehenden Jahre auf, vielleicht aber nur in Folge 
sorgfältigerer Registrirung. Im Berichtsjahre erkrankten am Schar¬ 
lach 62,932 Personen und starben 15,664 d. i. 24,8%. 

1876 erkrankten 22,449 und starben 5,242 d. i. 23,3%; 

1877 * 25,733 * 6,439 „ 25,0%; 

1878 „ 26,987 „ 5,483 * 20,8%; 

1879 * 22,242 „ 4,971 „ 22,3%; 

1880 * 23,400 * 4,976 „ 21,2%. 

Vom Scharlach hatten am meisten zu leiden die Gouvernements 
Ssamara (4,829 Erkrankungen mit 2,731 Todesfällen), Tambow 
(4,696 ErkT. mit 1,160 Todesf.), Nishni-Nowgorod (3,663 Erkr. mit 
703 Todesf.), Warsohau [und Stadt] (4,837 Erkr. mit 1,306 Todesf.), 
Pensa (2,544 Erkr. mit 630 Todesf.), 8saratow (2,331 Erkr. mit 748 
Todesf.). In St. Petersburg starben 562 Personen an 8charlach. 

Die Zahl deranDiphtherie Erkrankten war im Berichtsjahre 
geringer, als im vorhergehenden Jahre, doch ist das Sterblichkeits¬ 
procent grösser geworden, denn es starben im Berichtsjahre von 
100,116 Erkrankten 36,949 d. i. 36,9%, während im Jahre 1880 von 
124,197 Erkrankten 44,429 d, i. 35,7 % starben. Die Diphtherie war 
über 61 Gouvernements und 3 Gebiete verbreitet und herrschte na¬ 
mentlich im Süden Russlands. Di den am meisten von der Epidemie 
betroffenen Gouvernements Bessarabien, Wolhynien, Jekaterinosslaw, 
Kiew, Podolien, Poltawa, Taurien, Charkow, Chersson und Tscher- 
nigow erkrankten 60,211 Personen und starben 23,850 d. i. 39,6%. 
Dann folgen die Gouvernements: Woronesh mit 6,400 Erkrankungen 


*) 13,795 männl. und 10612 weibl. Geschlechts. 

*) Von den im J. 1859 geborenen Knaben hatten 47,9% das 21. 
Lebensjahr erreicht und waren 38,9% gesund geblieben. 


und 2,364 Todesfällen, Ssamara (2,924 — 1,821), Ssaratow (2,891 — 
1,346). In St. Petersburg starben an Diphtherie 723. 

Die Masern waren über alle Gouvernements verbreitet und wei¬ 
sen eine recht beträchtliche Zunahme der Erkrankungen gegen die 
beiden vorhergehenden Jahre auf, während jedoch die Sterblichkeit 
geringer war, als in den 5 vorhergehenden Jahren. Die Gesammtr 
zahl der Masernkranken im Reiche betrug 50,198, von denen 3.646, 
also 7,2% starben. Die meisten Erkrankungen kamen im Kostro¬ 
maschen Gouvernement (4,743 mit 305 Todesfällen), im Kiewschen 
(3,372 mit 206 Todesf.), Warschauer [incl. 8tadt W.j (2,582 mit 272 
Todesf.), im Grodnoschen Gouv. (2,343 mit 199 Todesf.) vot. 

Der Keuchhusten war im Jahre 1881 stärker verbreitet, als 
in den 5 vorhergehenden Jahren und zwar über alle Gouvernements 
des Reiches. Es erkrankten 40,692 und starben 2,562 d. i. 6,0%. 
Die meisten Erkrankungen kamen auf die Gouvernements : Charkow 
(3,002), Ssamara (2,988), Perm (2,849), Kiew (2,438). 

Am Typhus erkrankten im Jahre 

1879 — 89,251 Personen und starben 8,694 d. i. 9,7%; 

1880 — 121,725 . „ 15,621 * 13,1%; 

1881 - 224,895 . # * 23,255 „ 10,3%. 

Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, dass der Typhus sich immer 
weiter ausbreitet und im Berichtsjahre die Zahl der Erkrankungen 
sich fast verdoppelt hat, während das Mortalitätsprocent geringer 
geworden ist. Der Typhus war über alle Gouvernements des euro¬ 
päischen und asiatischen Russland verbreitet und hatten am meisten 
vom Typhus zu leiden die beiden Residenzen, die Städte Warschau, 
Odessa, Kiew und Riga, sowie die nördlichen und mittleren Gouver¬ 
nements. In den nördlichen Gouvernements erkrankten 78,959 und 
starben 8,815 d. i. 11,1 %, in den mittleren Gouvernements 57,107 und 
starben 5,124 d. i. 8,9%, in den östlichen Gouvernements 17,380 und 
starben 2,034 d. i. 11,7%, in den westlichen Gouvernements 27,449 
und starben 3,180 d. i. 11,5%, in den südlichen Gouvernements 
35,467 und starben 3,164 d. i. 8,9%, sowie in dem asiatischen Russ¬ 
land erkrankten 8.533 und starben 938 Personen d. i. 10,9 %. In 
8t. Petersburg starben von 28,236 (?) Typhuskranken 4,442. in Mos¬ 
kau von 17,057 — 1,788. In den Monaten März, April und Mai des 
Jahres 1881 waren die Hospitäler St. Petersbnrg’s in Folge der herr¬ 
schenden Typhus-Epidemie dermaassen überfüllt, dass 6,821 Kranken 
die Aufnahme versagt werden musste. Die grösste Zahl der Er¬ 
krankungen kommt auf den Flecktyphus (90,956 mit 9,2% Mortalität), 
dann folgt der Abdominaltyphus (65,891 mit 14,8% Mort.), hierauf 
Recurrens (47,308 mit 7,7% Mort.) und der Rest fällt auf die Ty- 
phnsfälle, welche ohne Bestimmung der Form aufgeführt sind. 

An Dysenterie erkrankten im Berichtsjahre 58,837 Personen 
und starben 10,895, also 20,2 %, woraus auf eine Zunahme gegen 
früher zu schliessen wäre. Am stärksten herrschte sie in den Gou¬ 
vernements : Wologda (bei 5,831 Erkrankungen 1,432 Todesfälle), 
Minsk (3,494 - 403). Ssamara (2-720 — 1,291), Charkow (2,507 — 
272), Perm (2,278 — 187), Grodno (2,121 — 199). 

Cholera nostrasistim Jahre 1881 in 28 Gouvernements des 
Reiches beobachtet worden, hat jedoch mit Ausnahme des 8t. Pe- 
tersburgseben und Jekaterinosslawschen Gouvernements sich nicht 
weiter ansgebreitet. Im Ganzen erkrankten 825 Personen und star¬ 
ben 50. Von diesen Erkrankten sind in Heilanstalten verpflegt 
worden 418 Personen, von denen 16 starben d. i. 3,8%. Die meisten 
Erkrankungen kamen auf das St. Petersburger (309 mit 3 Todes¬ 
fällen) und das Jekaterinosslawsebe Gouvernement (95 — 8). In 
St. Petersburg erkrankten 31 und starben 4. 

An Parotitis erkrankten 15,661 Personen und staTben 226- 
oder 1,44%. Die meisten Fälle kamen im Charkowschen Gouver¬ 
nement (1,708 mit 37 Todesfällen), im Jekaterinosslawschen (1,649 
— 7) und im Nisbni-Nowgorodschen Gouv. (927 — 1) vor. 

Die Zahl der Erkrankungen an der R o s e betrug im Berichtsjahre 
21,806, die Zahl der Todesfälle 793 oder 3,6%. Die meisten Er¬ 
krankungen kamen in den Gouvernements Nowgorod (1,656), Jekate¬ 
rinosslaw (1,541), Kiew (1,463), Ssamara (1,335) vor. In St. Pe¬ 
tersburg erkrankten 1,170 Personen und starben 183, in Moskau 
1,141 — 114. 

Von epidemischer Meningitis entfielen die meisten 
Fälle, wie im Jahre vorher, auf Kurland (bei 271 Erkrankungen 105 
Todesfälle), ferner auf die Gouvernements Warschau (21 — 12) und 
Lomsha (16 — 12). 

An Augen-Blennorrhoe erkrankten im Jahre 1881 — 
12,805 Personen und staTben 24. Die meisten Erkrankungen kamen 
in den Gouvernements Nishni-Nowgorod (1,594), Podolien (1,515), 
Ssamara (1,318), Perm (1,020), Livland (796) vor. 

An Puerperalkrankheiten litten 9,127 Frauen und star¬ 
ben 1,185 d. i. 12,9%. Die meisten Erkrankungen kamen im Kiew¬ 
schen Gouvernement (837 mit 121 Todesfällen), in Livland (697 — 
50), im Nishni-Nowgorodschen Gouvernement (629 — 16) vor. In 
8t. Petersburg starben von 427 Erkrankten 224 d i. 52,4%, in Mos¬ 
kau von 275 Erkr. 184 d. i. 66,9%, in Odessa von 71 Erkrankten 
50 d. i. 70,4%! 

Von Milzbrand,an welchem im Berichtsjahre 2,752 Personen 
erkrankten und 390 d. i. 14,1 % starben, kamen die meisten Fälle in 
den Gouvernements: Nishni-Nowgorod (bei 402 Personen 20 Todes¬ 
fälle), Charkow (361 mit 42 Todes?.), Nowgorod (278 mit 70 Todesf.), 
Ssamara 200 njit 6 Todesf.), Ssimbirsk (171 mit 7 Todesf.), Jekateri¬ 
nosslaw (117 mit 12 Todesf.) vor. In St. Petersburg starben von 


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\ 


55 Erkrankten 17, im Gouvernement St. Petersburg: starben von 73 
Erkr. 31, davon im Neu-Ladogaschen Kreise von 59 Erkr. 21. 

Von Lyssa sind 83 Fälle und davon 31 mit tödtlichem Ausgange 
beobachtet worden und zwar in der Stadt Moskau und in den Gou¬ 
vernements Orel, Ssamara, St. Petersburg, Ssaratow, Tambow und 
Tula. 

Die Syphilis und dievenerischenKrankheiten wei¬ 
sen auch in diesem Berichtsjahre eine starke Zunahme gegen früher 
auf und fanden sich über alle Gouvernements des europäischen und 
asiatischen Bussland sowohl unter der Stadt-, als auch Landbevöl¬ 
kerung, sowie in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. 

Fälle, welche in 
ärztliche Behandlung 
kamen. 

Von den in den Hospitälern behandelten Kranken waren 90,325 
d. i. 28,6% mit venerischen Krankheiten behaftet. Die meisten 
Erkrankungen entfielen auf die Gouvernements: Tambow (26,419), 
Pensa (16,896), die Stadt Moskau (15,376), das Gouv. Ssamara 
(14,821), die Stadt St. Petersburg (14,143). die Gouvernements Wo- 
ronesh (14,060), Ssamara (13,744), Nishni-Nowgorod (13,245)* Ssim- 
birsk (12,571). Die Zahl der im ganzen Reiche vorhandenen Pro- 
stituirten betrug zum 1. Januar 1882 — 25,047, im Laufe des Jah¬ 
res 1881 waren aus den Registern der mediciniscb-polizeilichen Co- 
mitö’s 12,235 ausgeschieden worden, während 15,897 neu in die Re¬ 
gister eingetragen wurden. Der geheimen Prostitution wunden ca. 
10,000 Frauenzimmer überführt. Von den in Bordellen wohnenden 
Proetituirten wurden bis 80 % und mehr als syphilitisch inficirt ge¬ 
funden, von den einzeln lebenden Prostituirten 33% und von den der 
geheimen Prostitution Angehörigen 20%. InSt. Petersburg 
betrug die Zahl der Prostituirten am 1. Januar 1881 — 3,838 ; im 
Laufe des Jahres 1881 schieden 633 aus und wurden 1,166 neu in die 
Register eingetragen, so dass zum 1. Januar 1882 die Zahl der Pro¬ 
stituirten 4,371 (davon 1,535 in Bordellen, die Uebrigen einzeln le¬ 
bend) betrug. Der geheimen Prostitution wurden 923 überführt, 
von denen 145 oder 15,7 % mit venerischen Krankheiten behaftet 
waren. Von den in Bordellen lebenden Prostituirten wurden 1,682 
ärztlich untersucht und 2,522 Erkrankungen constatirt, d. i. 149,9%, 
unter den einzeln lebenden Prostituirten erwiesen sich 918 oder 
32,3% als syphilitisch inficirt. — ln Nishni-Nowgorod, wo während 
der grossen Messe eine strenge ärztliche Untersuchung deM Prosti- 
tuirten stattfindet, erwiesen sich von 897 Prostituirten 41 A syphi¬ 
litisch inficirt. * 

Unter den Invasionskrankheiten nimmt die Krätze 
die erste Stelle ein. Es erkrankten an derselben im Ganzen 89,805 
Personen und entfällt die grösste Zahl der Kranken auf die Gouver¬ 
nements : Nishni-Nowgorod (14,555), Charkow (13,291) und Wjatka 
(12,644). 

An Trichinose erkrankten im Berichtsjahre 17 Personen und 
starben 9 und zwar erkrankten in der Stadt Riga 13 Personen, von 
denen 9 starben, in der Stadt Ssaratow erkrankten in der Familie 
eines Arztes 3 Personen und im St. Petersburger Gouvernement kam 
1 Fall von Trichinose vor. 

Aus dem die endemische« Krankheiten behandelnden 
Abschnitte ersehen wir, dass unter diesen Krankheiten die Malaria 
die erste Stelle einnimmt. Es erkrankten an derselben im Jahre 
1881 im Ganzen 459,316 Personen, von denen 919 d. i. 0,20 % star¬ 
ben. Am meisten heimgesucht waren die südlichen, mittleren und 
östlichen Gouvernemeuts. Die meisten Erkrankungen weisen das 
Woroneshsche (71,074), Ssamarasche (60,309) und Charkowsche 
(61,529) Gouvernement auf, sodann folgen das Ssimbirskische Gouv. 
mit 36,505, das Jekaterinosslawsche Gouv. mit 33,371, das Nishni- 
Nowgorodsche mit 23,598, das Tschernigowsche Gouv. mit 19,228, 
Bessarabien mit 18,215, sowie das Kiewsche Gouv. mit 14,766 Er¬ 
krankungen. 

B h a p h a n i e ist im Jekaterinosslawschen (150 Fälle ohne Todes¬ 
fälle), im Poltawasohen (249 mit 27 Todesfällen) und im Tomsk’schen 
Gouvernement (30 Fälle, sämmtlich genesen) beobachtet worden. 

AnScorbut erkrankten im Jahre 1881 im Ganzen 13,867 Per¬ 
sonen, von denen 368 d. i, 2,5% starben. Die meisten Fälle kamen 
im Gouvernement Ssamara (1,778), Perm (1,731 mit 23 Todesfällen), 
in der Residenz St. Petersburg (927 mit 101 Todesfällen (10,8%), im 
Gouv. Woronesh(855), im Gouv. Petersburg (791 mit 24 Todesf.), 
Orel (592), Kiew (514 mit 19 Todesf.) und in der Stadt Moskau 
(505 mit 41 Todesfällen (8,1 %)) vor. (Schluss folgt.) 


I. Congress russischer Aerzte. 

Seciion für normale und pathologische Anatomie und normale 
und pathologische Physiologie . 

HI. 30. December. PräsidentDocent 0. Motschutkowski 
(Odessa). 

l)Dr. 8. A. Popow (Docent, St. P.): «Ueber einige, in der 
wissenschaftlichen Medicin wenig oder gar nicht bekannte diuretische 
Volksmittel. (Schellbeere, Arbuse, Regen Würmer)». 

Die Schellbeere, voposna (Rubus Chamaemorus L.) wird beson- 


1m Jahre 1876 gab es 129,738 

„ 1877 * 145,398 

„ 1878 „ 239,805 

* 1879 „ 254,932 

* 1880 * 255,636 

„ 1881 * 315,462 


Ueberhaunt in 6 Jahren 1.340.971 


den im Norden Russlands als aus den Beeren bereitetes Infus ge¬ 
braucht. Ref. hat sich durch Versuche sowohl an Menschen als 
auch an Thieren von der kräftigen diuretischen Wirkung dieser 
Frucht überzeugt und suchte das wirksame Princip derselben darzu- 
ptellen. Dieses scheint ihm eine organische Säure zu sein, welche 
unter anderem auch durch das von Lösch angegebene Verfahren 
zur Gewinnung der Säure (Antihydropin) aus der Blatta Orientalin 
dargestellt werden kann. Die Säure stellt ein farbloses / in Wasser 
aber noch besser in Weingeist lösliches Pulver dar, dessen Salze in 
Wasser sich nicht lösen; die Säure hat eine bedeutende diuretische 
Wirkung und wird desshalb von P. für das wirksame Princip der 
Schellbeere gehalten. Seine Versuche an Kalt- und Warmblütern 
zeigten, dass die subcutau oder direct ins Blut eingebrachten Men¬ 
gen der Säure die Thätigkeit des Herzens und des Gefässsystems 
nicht beeinflussten, dass sie aber bei allen Versuchsanordnungen 
(Durchschneidung des Rückenmarks, der Splanchnici, Curarisiren) 
stark diuretisch wirken, woraus P. schliesst, dass die Säure der 
Schellbeere die secretorische Thätigkeit der Nieren direct anregt. 

Die Wassermelone (Citrullus vulgaris Schrad.) wird arzneilich 
besonders im Süden Russlands, am Don und im Kaukasus, beson¬ 
ders bei Erkrankungen des Urogenitalsystems gebraucht. Popow be¬ 
nutzte den frisch ausgepressten, eingedickten Saft und den verkäuf¬ 
lichen Arbusenmetb, welche sehr ausgesprochen diuretische Eigen¬ 
schaften aufweisen und da Controlversuche zeigten, dass verschie¬ 
dene andere Zackerarten eine solche Wirkung nicht äusserten, so 
suchte er das wirksame Princip der Arbuse darzüstellen, was ihm 
aber nicht gelang, meint aber, dass es ein Glykosid sei. Snbcutane 
Injectionen in den Rücken von Fröschen verlangsamten die Herzcon- 
tractionen und bewirkten Stillstand des Herzens in Diastole, welche 
auch nach Vergiftung mit Atropin und Durchschneidung der Vagi 
so wie des Rückenmarks fortbestand, woraus P. schliesst, dass der 
Arbusensyrup auf den Herzmuskel und die in ihm befindlichen 
Ganglien einwirke. Ausserdem wurde Prostration der Frösche, 
Verlust der Willensbewegungen neben Erhaltung der Reflexe und 
der Erregbarkeit der Nervenstämme und der Muskeln beobachtet. 
Control versuche mit anderen Zuckerarten zeigten, dass die Wirkung 
der Arbuse von einem besonderen in dieser enthaltenen Stoffe be¬ 
dingt sei, bei Warmblütern kam allein die diuretische Wirkung der 
Wassermelone nur bei der Einverleibung des Syrups per os zur 
Geltung, während Injection ins Blut Herabsetzung des Blutdrucks 
und Beschleunigung der Herzcontractionen nach sich zogen. Die 
Wirkung der Arbuse besteht somit in einer Reizung der secretori- 
schen Elemente der Nieren, wenn auch ein Einfluss des veränderten 
Blutdrucks nicht ganz abznleugnen ist. 

Ueber die von P. gleichfalls constatirte diuretische Wirkung der 
besonders, im Smolenskischen Gouvernement benutzten Regenwür¬ 
mer lässt sich Ref. weiter nicht aus, da Dr. Schimowski sich 
speciell mit diesem Gegenstand beschäftigen wird. 

2) Dr. A r n h e i m (St. P.); «Ueber ein neues Thermogalvano¬ 

meter zur Messung der Wärmeabgabe von der menschlichen Haut¬ 
oberfläche». • 

Bei der Beurtheilung der v den Temperaturerhöhungen des mensch¬ 
lichen Körpers zu Grunde liegenden Ursachen müssen beide, die 
Beständigkeit der Körperwärme bedingende Factoren, die Bildung 
. und der Verlust der Wärme berücksichtigt werden. A. betont, 
dass die Wärmeabgabe wenig bearbeitet worden ist und von den 
verschiedenen Forschern verschieden beurtheilt wurde, wesshalb er 
mit einem besonders construirten Apparate diese Frage näher stu- 
dirte. Dieser bestand ans 1) einer thermoelektrischen Batterie, 
welche aus 40 neusilbernen und eisernen, in einem Kautschukcylin- 
der eingefassten Cylinder befindlichen Drähten zusammengesetzt 
war, der Kautschukcylinder war in einem Holzbehälter eingeschlos¬ 
sen, und 2) aus einem, mit Kupferdämpfer versehenen Galvano¬ 
meters, dessen astatische Nadel derart aufgehängt ist, dass sie 
leicht an den, die Theilung tragenden Kreis angedrückt werden 
kann, wodurch der Seidenfaden, an welchem die Nadel hängt, ent¬ 
spannt und vor dem Zerreissen gesichert wird. Die Vorzüge dieses 
Apparats bestehen nach Arnheim darin, dass die thermoelek¬ 
trische Batterie bequemer, als z. B. die M e 11 o n i ’sche Säule am 
Krankenbette anzuwenden sei, dass wegen des Dämpfers die Mag¬ 
netnadel nicht schwanke, dass 3 Minuten zur Ausführung einer 
Messung genügen, dass der Apparat auch als Thermometer zu be¬ 
nutzen sei und dass er leicht transportabel sei. Auf eine Bemer¬ 
kung von Dr. Wjasemski (M.) hin bemerkt A., dass die 
( Theilung an seinem Galvanometer nicht in Graden besteht, son¬ 
dern der Stärke des Stromes proportional gemacht worden sei, 
so dass die Nadelablenkung direct der den Löthestellen mitgetheil- 
ten Wärmemengen entspreche. 

3) A r n h e i m: «Ueber Hautperspiration und Wärmeabgabe 

bei theilweiser Firnissetig der Haut gesunder Menschen.» 

Seine, an gesunden Kindern gemachten Untersuchungen führten 
zu folgenden Resultaten: Der Wärmeverlust an den gefirnissten 
Stellen ist vermindert, die Grösse desselben hängt von der Art des 
aufgestricheiien Stoffes ab, die Perspiration ist vermindert, aber 
nicht aufgehoben, der Stoff und die Dicke der aufgetragenen Schiebt 
beeinflussen diesen Verlust der Hautausdünstung; auf einem er¬ 
wärmten kupfernen Würfel giebt die gefirnisste Oberfläche mehr 
Wärme ab, als die metallene und der Grad dieser Abgabe wächst 
mit der Höhe der Temperatur. 


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53 


4) Sc h i 1 b o w : «Die strahlende Kraft des Menschen als mäch- , 
üges therapeutisches Agens». 

Versuche ä la Bishop und Cumberland, das Object wird durch 
den Willen des Experimentators zu allerlei Handlungen, ohne 
bypnotisirt zu werden, gezwungen. Und glaubt Ref., dass diese, 
übrigens nicht Jedem innewohnende und auf Jeden auszuübende 
Kraft in der Beziehung therapeutisch zu verwertben wäre, dass man 
das Object beruhigen, einschläfern u. s. w. könnte. * 

5) K. N. Winogradow (8t. ?.): «Ueber Veränderungen 
des Blutes bei einem Hunde, dem vor 6 Jahren im Laboratorium 
des Prof. Paschutin die Milz entfernt worden war.» 

Seine während der ersten 3 Jahre angestellten Messungen sind im 
«Wratsch» 1883 pag. 86 ff, 103 ff abgedruckt, er referirt nur über 
die von ihm in den letzten Jahren beobachteten Veränderungen im 
Blute dieses Hundes. Es ergiebt sich, dass im Laufe der 6 Jahre 
nach Entfernung der Milz von allen Veränderungen im Blute (Ver¬ 
mehrung des Serums, der rothen Blutkörperchen, u. a.) die unge¬ 
nügende Production von Hämoglobin das hervorragendste Symptom 
darstelle. Obgleich im ersten Jahre nach der Splenotomie der 
Hämoglobingehalt steigt, so lässt das Sinken desselben im letzten 
Jahre darauf schliessen, dass die Compensation durch die blutberei¬ 
tenden OTgane zuletzt gestört wird und tiefe Störungen im ganzen 
Organismus durch den Mangel an Hämoglobin hervorgerufen wer¬ 
den, die den Tod des Thieres verursachen können; als Vorbote die¬ 
ser Störungen erscheint das Fallen des Körpergewichts trotz guter 
äusserer Verhältnisse. 

5) Dr. Possashnyi: «Ueber Gasmetamorphosen bei hun¬ 
gernden Hunden». (Laboratorium des Prof. Paschutin). 

An 3 Hunden wurden gegen 50 Beobachtungen gemacht, die im 
Mittel je 22 Stunden dauerten, wobei ausser den ausgeschiedenen 
Wasserdämpfen und CO* noch die Meuge des 0, welche das Thier 
während des Versuches verbrauchte, theils direct, theils indirect 
durch Rechnung bestimmt wurde. P. kam zu dem Schlüsse, dass 
die Körpertemperatur des hungernden Hundes erst 1—2 Tage vor 
dem Tode zu sinken beginne, dass das % des Körpergewichtsver¬ 
lustes in den ersten Tagen und kurz vor dem Tode am grössten sei, 
dass die Harnmenge (auf Kilo Körpergewicht berechnet) rasch am 
ersten Tage des Hungerns sinke, gegen das Ende des Lebens aber 
relativ steige. Die absolute Menge der ausgeathmeten Wasser¬ 
dämpfe sinkt sehr früh rasch auf 4 /* bis */• des Normalen und hält 
sich auf dieser Höhe bis zum Tode, das %, auf Kilo Körpergewicht 
berechnet, steigt aber vor dem Tode, im Vergleich zu den mittleren 
Perioden des Hungerns, die CO* sinkt allmälig während des Hun- 
gerns, zeigt aber sowohl in ihrer absoluten Menge, als auch im 
Verhältnisse zum Körpergewichte starke Schwankungen, das hun¬ 
gernde Thier verbraucht gegen das Ende seines Lebens mehr 0, als 
im Anfänge des Hungerns. 

6) Dr. Ochotin: «Pathologisch-anatomische Veränderungen 
der Organe und Gewebe bei einer der Formen von unvollständigem 
Hungern.» # 

Die Kaninchen erhielten nur ± ihrer gewohnten normalen Nah¬ 
rung, untersucht wurden später Rückenmark, Herzmuskel, Zwerch¬ 
fell, Leber, Nieren und Knorpel und stimmten 0. y s Resultate mit 
denen anderer Beobachter überein, welche Thiere absolutem Hun¬ 
gern unterwarfen. Die ungleiche Vertheilung der Degeneration 
an verschiedenen Stellen eines und desselben Organs führt 0. auf 
eine ungleichartige Lebensfähigkeit jeder einzelnen Zelle des Or¬ 
gans als Einheit im Kampfe um das Nährmaterial zurück. 


Vermischtes. 

— Der auf den bereits längere Zeit erledigten Lehrstuhl der Arz¬ 
neimittellehre und Diätetik an die Universität Dorpat berufene 
Prof. Dr. R u d. K ob er t, (früherer Assistent von Prof. Sc h mie¬ 
de b e r g in Strassburg) ist, wie aus Dorpat gemeldet wird*daselbst 
eingetroffen. 

— Professor Dr. Adolf Strümpell, Director der medicini- 
schen Poliklinik an der Universität Leipzig, hat einen Ruf alB ordent¬ 
licher Professor und Director der medicinischen Klinik an die Uni¬ 
versität Erlangen angenommen an Stelle von Prof. Leube, welcher 
bekanntlich nach Würzburg berufen ist. Prof. AdolfStrümpell 
ist ein Sohn des früheren Dörptschen, jetzt in Leipzig docirenden 
Professors derPhilosophie gleichen Namens und hat seine medicinische 
Ausbildung zuerst an der Universität Dorpat, später in Deutschland 
erhalten. 

— In Charkow beging am 26. Januar d. J. der als Botaniker und 
Bacteriolog bekannte dortige Professor L. S. Zenkowski, wel¬ 
cher sich durch die von ihm ausgeführten Milzbrandimpfungen nach 
Past e n r’scher Methode, die er durch längere Beschäftigung in 
PaBteur’s Institut gründlich kennen gelernt hatte, einen Namen in 
Russland gemacht hat, das 35 jährige Jubiläum seiner wissenschaft¬ 
lichen Lehrtätigkeit. 

— Der Privatdocent der Moskauer Universität, Dr. K.M.Paw- 
1 i n o w ist znm ausseretatmässigen Professor extraord. beim Lehr¬ 
stuhl der therapeutischen Klinik daselbst ernannt worden. 

— Der hiesige reiche Fürst N. Jnssupow hat 5000 Rbl. gespen¬ 
det zur Errichtung eines Asyls für arme Kinder , welche aus dem 
Hospital für chronisch kranke Kinder entlassen werden . 


— Die Odessaer medicinische Gesellschaft hat beschlossen, de n 
Doctor G a m a 1 e i (?), welcher zum Director der in Odessa zu grün¬ 
denden bakteriologischen Station designirt ist, zu Pasteur kn 
schicken, um dessen Impfmethode zu studiren. 

— In Odessa ist auf dem Wege der Subscription eine ansehnliche 
Summe zusammengebracht worden, um eine in der Colonie Robrbach 
von tollen Hunden gebissene Familie zu Pasteur zu schicken. 
Pasteur soll sich bereit erklärt haben, die Familie auf seine 
Kosten in Paris zu unterhalten.. 

— Das von Dr. W i 11 i a m s o n in London beschriebene und von 
England aus in den Handel gebrachte Alkaloid des Hopfegs Hopbin 
hat sich als einfaches Schwindelproduct erwiesen. In Jß 11 der 
Deutschen Medicinalzeitung ist das Referat der am 25. Januar 1886 
stattgefundenen Sitzung der Pariser Academie der Medicin abge¬ 
druckt, dem zu Folge Williamson das Opfer eines Betruges ge¬ 
worden. In der Berliner «Pharmaceut. Zeitung/ 1886, Jß 12, der 
wir diese Notizen entnehmen, spricht sich Julius Müllerin 
Breriau dahin aus, dass auch nach seinen Untersuchungen «das un¬ 
ter dem Namen Hopöin in den Handel gebrachte neue Hopfenalka¬ 
loid aromatisirtes Morphin ist.» — Das Hopöin ist in Petersburg 
schon zu haben, es sei also hiermit vor dieser Mystification gewarnt. 

— Verstorben : 1) Am 29. Januar in Dorpat nach schweren Lei¬ 
den der dortige freiprakticirende Arzt Dr. Gustav v. Broecker, 
gegen 63 Jahre alt. Der Dahingeschiedene war in Dorpat als Sohn 
des ehemaligen Dörptschen Professors der Jurisprudenz, Dr. Erd- 
maun Gustav v. Broecker, geboren ünd erhielt auch dort 
seine Schulbildung, worauf er von 1811—46 auf der Dorpater Uni¬ 
versität Medicin studirte. Nach Erlangung der Doctorwürde im 
Jahre 1848 fungirte er anfangs als Assistent an der ^eburtshülf- 
lichen Klinik, darauf als Prosectorgehülfe der Universität Dorpat. 
Er unternahm sodann eine längere Reise in’s Ausland, nach welcher 
er sich bleibend'in Dorpat niederliess, wo er als allgemein geachte¬ 
ter und beliebter Arzt bis zu seinem Lebensende wirkte. — 2) In 
Nishni-Nowgorod der Divisionsarzt der 3. Infant.-Divis. Staatsrath 
Dr. F. K u n a c h o w it s c h. 3) In St. Petersburg am 28. Januar 
im 62. Lebensjahre Karl Wold. Schmidt, Gründer und Chef 
der bekannten 8t. Petersburger Droguenhandlung^ unter der Firma 
«St oll und Schmidt,» welche in den ärztlichen Kreisen Russ¬ 
lands sich eines wohlverdienten ausgezeichneten Renommäe’s erfreut. 

— Die St. Petersburger medicinische Gesellschaft hielt am 28. 
Januar ihre Jahresversammlung unter dem Vorsitze von Dr. 
Tscherepninab. Aus dem vom Secretär der Gesellschaft ver¬ 
lesenen Rechenschaftsberichte geht hervor, dass die Gesellschaft 
im verflossenen Jahre 13 Sitzungen gehabt hat, in welchen 15 Vor¬ 
träge aus verschiedenen Disciplinen der Medicin gehalten wurden. 
Diese Vorträge und die Sitzungsprotokolle füllen einen stattlichen 
Band. Bei der darauf vorgenommenen Wahl der Vorstandsmitglie¬ 
der wurden für das Jahr 1886 gewählt: Docent Dr. S su tUg i n zum 
Präsidenten, Dr. J. Gribowski zum Vicepräsidenten, die DDr. 
Rabinowitsch und Dembo zu Secretären und F. Kuso- 
wenko zum Cassirer. In dieser Sitzung wurden auch Professor 
Hyrtl und Dr. P6an zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft 

gewählt. , . _ „ 

— Im St. Petersburger Bezirksgerichte hatte sich vor Kurzem der 

Inhaber einer hiesigen Wasserheilanstalt, Arzt A. M. Wal den - 
b e r g , zu verantworten, welcher einem an Fieber erkrankten Be¬ 
diensteten seiner Wasserheilanstalt aus Versehen statt Chinin auf 
einer Messerspitze etwa 5 Gran eines Quecksilbersalzes eingegeben 
hatte, welches den Tod desselben am 7. Tage zur Folge hatte. Diese 
verhängnisvolle Verwechselung war dadurch zu Stande gekommen, 
dass W auf-die Aufschrift des Arzneigefässes, welches er sich von 
einem in der Austalt Angestellten hatte reichen lassen, nicht geach¬ 
tet hatte. Das Gericht verurtheilte den Angeklagten zu 7 Tagen 
Arrest auf der Hauptwacbe. . 

— Am 23. Januar gelangte im hiesigen Bezirksgerichte eine 
Klage wider die St. Petersburger Aerzte Herzen ste in und 
Woronzow, wegen wissentlicher Verheimlichung der Todes¬ 
ursache des Fräulein A. 2V. zur Verhandlung. Der Sachverhalt 
ist folgender: Die Tochter des Wirkl. Staats. N. hatte sich mit 
Opium vergiftet und konnte ungeachtet aller Bemühungeu der hin¬ 
zugerufenen obengenannten Aerzte H. und W. nicht gerettet wer¬ 
den. Auf die Bitte des tiefgebeugten Vaters und um das Gefühl 
desselben zu schonen, bezeichneten die Angeklagten in der Beschei¬ 
nigung als Ursache des Todes der A. N. nicht Selbstmord, sondern 
Herzschlag und wurde so die Leiche unbeanstandet bestattet. Die 
Vertheidiger der Angeklagten beriefen sich darauf, dass in casu 
eine gerichtlich-medicinische Section vom Gesetz garnicht vorge¬ 
schrieben werde, da die Todesursache bereits festgestellt war, und 
ausserdem die von den Angeklagten ausgestellte Bescheinigung nur 
zu statistischen Zwecken diene und gar keine officielle Bedeutung 
habe — Das Gericht verurtheilte jedoch die beiden Angeklagten zu 
je 10 Rbl. Strafe, resp. 2 Tage Arrest im Gefängnisse. 


Vacanz. 

Es wird ein Arzt, welcher der lithauischen Sprache mächtig ist, 
zur freien Praxis in dem Flecken Schaty gesucht. Der nächste 
Arzt wohnt auf einer Entfernung von 20 Werst. Nähere Auskünfte 
ertheilt die Apotheke vonEidrigewitseh. 


6 * 


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54 


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jDieftnatpfe benrfunbet mithin eine merfli<he Annahme ber miitera* 

1 i f <h e n ©eftanb theile gegen b a« bisher »erfanbte SBaffer. 

Ä J«stus ▼. Liebig hat ba« FriedrichshaJler SBaffer auf ©runb feine« Ämhfalv, 
©hlomagneftiim* unb ©romgehatte« tähmtidjfi ertD&bnt, unb e« fann nicht beateesfelt tcer= 
ben, ba§ e« jefct noch mehr al« früher ben ihm »on Liebig angetoiefenen toichtigen ©fe§ 
eine« ber mrffamften WineraMSäffev im tlrjueifähabe behaupten toirb.. 



FRANZ JOSEF- 
BITTERQUELLE 


DIE 


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hat die Ehre, den Herren Aerzten die untenstehende Analyse zu unterbreiten, mit der Bitte 
versuchsweise, wenn sie es noch nicht gethan haben, dieses Wasser zu verordnen, welches be 
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sandt. 


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ertheilt wie bisher Curarzt 15 (1) 

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Freiluftathmung 

jederzeit, auch nachts, 
zu Julius Wolfifs 
Kurverfahren! 
Dieser Wlnter-S onnen- 
aufenthaltsersatz bietet zur 
Gesundung und Gesunder¬ 
haltung, Tag und Nacht, der Lunge kalte ent¬ 
stäubte Freiluft, dagegen der Haut bei leichter 
Wollkleidung trocken- warme Zimmerluft, 
welche die so nöthige Hautausdünstung stark er¬ 
höht, aber für Athemweikzeuge Gift wäre. — 
Wolfis neues Kursystem ist der Natur abgesehen. 
Dass Sonnen-AufeDthalt in Frostluft das denkbar 
Gesundeste, ist anerkannt; er wirkt günstig, weil 
er die Haut erwärmt, die Lunge erfrischt und 
stärkt. An Frosttagen sind an besonnter Wand 
oder Kleidung ca. 15 °, auf 2 Fuss Entfernuug 
ca. 0 ° R. Diese günstigsten Lebensbedingun¬ 
gen sind im Norden selten und selbst in Davos, 
wenn Sonne scheint, nur ca. 5 Std. pr. Tag ge¬ 
boten. , ,Wolft s F r e i I u f t athmer für s Haus“ 
(Winterkur 20 Pf. pr. Tag) verschafft sie tgl. 
23 Std.: er kurirte Erfdr. von langj. Schwind¬ 
sucht und machte ihn bacillenfrei. Nach Koch 
erfrieren Tub.-Bacillen bei 23 ° R., womit die 
namhaften Erfolge durch reichliche Frostluft- 
athmung bei Wolff’s und Davoser Kursystem er¬ 
klärt sind. Näheres: W 0 I f f’s Gesundheits- 
Schutzgeräthe-Fabrlk, Grcss-Geran, Grossher¬ 
zogthum Hessen. 25 (3) 


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zen, Blasenleiden, Stemkrankheit, 
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reau von Friedrich Petrick in St. Petersburg, Newsky-Prospect AI 8, 
entgegengenommen. Manuscrlpte sowie alle auf die Redaction 

bezüglichen Mittheilungen bittet man an den gesebäftsführenden Re* 
dacteur Dr. Gustav Tlllng (Kirotschnaja AI 39) zu richten. 


NS 7. St. Petersburg, 15. (27 ) Februar 1886. 


Inhalts P.N. Wilishanin: Ueber den Einfluss des Bedeckens der Hant mit Firniss anf dieStickstoffmet&morphose im thierisohea 
Organismus. — Referate . F. üble: Beiträge zur Behandlung der Febris intermittens mjt Alumeu ustum. — Assaki: Transplanta¬ 
tion von Sehnen und Sehnenregeneration. — M. Z e i s s 1: Ueber Lnes hereditaria tarda. ~F. Blocbaum: Vorschlag zur Behandlung 
der Diphtherie, gestützt anf ein Heilverfahren bei analogen Processen der Hornhaut Änd anf Versuche an Thieren. — Bücher-Anzeigen 
und Besprechungen. Bericht des Medicinal-Departements des Ministeriums des Innern für das'Jahr 1881. (Schloss). — Protokolle des 
Vereins St. Petersburger Aerzte. — 1. Congress russischer Aerzte. — Vermischtes . — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs . — 
Mortalität einiger Hauptstädte Europas . — Anzeigen. * 


Ueber den Einfluss des Bedeckens der Haut mit Firniss 
auf die Stickstoffmetamorphose im thierischen 
Organismus. 

Von 

Dr. P. N. Wilishanin. 

(Ansdem physiologischen Laboratorium v. Prof. J.B. Tarcbanow 
in St. Petersburg). 


Der Reichthuni der Haut an Blutgefässen, wie auch an 
Drfisenapparaten weist uns darauf bin, dass dieses Organ 
eine wichtige Bedeutung für den thierischen Organismus 
haben müsse. Zu den Aufgaben der Haut rechnet man die 
Wasserausscheidung und die Regulirung der Körperwärme; 
ausser dem Wasser werden von ihr noch Stoffe ausgeschie¬ 
den, deren chemische Natur noch nicht untersucht worden 
ist, die aber, in’s Blut eingespritzt, den Tod des Thieres be¬ 
dingen (R ö h r i g). Daher muss auch jede Veränderung 
der Hautfnnction auf den Organismus von Einfluss sein. 
Die grosse Anzahl von Untersuchungen, angefangen von 
F 0 u r c a u 11, welcher zuerst diese'Frage auf experimen¬ 
tellem Wege zu lösen versuchte, stimmen darin überein, 
dass mit dem Anfhören der Hautperspiration nach dem Be¬ 
decken derselben mit Firniss, eine ganze Reihe von Erschei¬ 
nungen eintritt, die schliesslich den Tod des Thieres verur¬ 
sachen. Hierher gehören: das Sinken der Temperatur, 
die Veränderungen der Herzthätigkeit, der Respiraton und 
sogar constante nachhaltige pathologisch-anatomische Ver¬ 
änderungen (Stokwis, Feinberg, N. Sokolow). 
Am Menschen bat man das Bedecken der Haut mit Firniss 
eines therapeutischen Zweckes wegen, nämlich um einen 
Temperaturabfall zu erreichen, angewandt. So hat Grie¬ 
singer ‘) bei Typhus darnach einen jähen Abfall der Tem¬ 
peratur eintreten sehen. Senator 2 ) sagt, dass beim 
Menschen ' das Bedecken mit Firniss auch mehr als der 
Hälfte seiner Körperfläche — also jedenfalls einer grösseren 
Fläche, als deren Bedecken mit Firniss auf die Thiere sehr 
schädlich wirkt — nicht schadet; freilich hat er auch an 


') Griesinger: Infectionskrankbeiten. 

0 Senator: Dntersncbnngen über den fieberhaften Process und 
seine Behandlung. Berlin 1873, S. 202. 


seinen typhösen Kranken einen, wenn auch geringen, Tem¬ 
peraturabfall gesehen. Der Erfolg von Dr. C o 1 r a t *) ist 
in dieser Hinsicht grösser gewesen. Er hat Kindern, die an 
aenten fieberhaften Krankheiten litten, die Haut mit Firniss 
bedeckt und die Temperatur darnach um 0,5°—2° abfallen 
gesehen. Diese Thatsacben zeigen uns, dass das Bedecken 
der Haut mit Firniss auch auf den Organismus des Menschen 
nicht ohne Einfluss ist. Uns scheint es aber, dass die Frage 
über die Einschränkung der Hautperspiration weniger in 
therapeutischer Hinsicht^ als vielmehr für die Lehre von 
den Functionen der Haut, von Bedeutung sein kann. 

Aus dem eben erwähnten ist nunmehr zu ersehen, dass 
das Bedecken der Haut mit Firniss eine ganze Reihe von 
Veränderungen im thierischen Organismus hervorruft, die 
schon von den älteren Beobachtern ziemlich eingehend un¬ 
tersucht worden sind; nur eine Seite dieser wichtigen Frage 
wurde von ihnen fast garnicht beachtet — das ist der Ein¬ 
fluss der Einschränkung der Hautperspiration auf die Stick¬ 
stoffmetamorphose und überhaupt auf die Nierenthätigkeit. 
Das Experiment zeigt, dass, wenn man die Haut in ge¬ 
wisser Dimension mit Firniss bedeckt, im Harne sich Ei- 
weiss einstellt; doch wenn wir die Literatur genauer durch- 
sehen, so erweist es sich, dass man Ei weiss nur im Harne einer 
schwächeren Gattung von Thieren—bei Kaninchen, gefunden 
hat. Weniger constant ist der Eiweissbefund bei Hunden. 
Edenhuizen 4 ) erwähnt eines Experimentes, das er riiit 
einem Schaf angestellt hatte und bei dem er nach dem Be¬ 
decken der ganzen Oberfläche der Haut mit FirnisB erst am 
14. Tage Eiweiss im Harne coustatiren konnte. Nicht we¬ 
niger instructiv ist auch sein Versuch mit einem Hunde, 
dem er die ganze Körperfläche mit gekochtem Leinöl be¬ 
deckt hatte. Unmittelbar nach dieser Operation ent¬ 
wickelte sich beim Thiere eine ganze Reibe von Erschei¬ 
nungen von Seiten der Athmuog, des Pulses und des moto¬ 
rischen Apparates. Nach 24 Stunden entwickelte sich so¬ 
gar eine Parese der linken hinteren Extremität, welche 
aber freilich bald schwand; und ungeachtet aller dieser Er¬ 
scheinungen konnte der Autor Eiweiss im Harne erst nach 

s ) C o 1 r a t: Lyon medio. T. 45,1884. 

*) Edenbnizen: Zeitschrift für rationelle Medicin 3. Reibe, 
Bd. XVII, 1863. 


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56 


214 Stunden d. h. nach Ablauf von fast 9 Tagen constati- 
ren. Sogar bei Kaninchen konnte Valentin 6 ) Eiweiss 
im Harne nur in dem Falle finden, wenn er die Thiere bei 
normaler Zimmertemperatur hielt, wenn er sie aber in eine 
erhöhte Temperatur brachte, so schwand das Eiweiss in 
kurzer Zeit. Diese vollkommen zuverlässigen Beobach¬ 
tungen geben uns das Recht anzunehmen, dass Eiweiss im 
Harne, auch wenn man die ganze Körperfläche mit Firniss 
bedeckt, erst nach längerer Zeit nach der Operation auf- 
treten kann. Uebrigens ertragen die Hunde diese Opera¬ 
tion besser als alle anderen Thiere. Es ist wohl kaum an¬ 
zunehmen, dass die Anwesenheit von Eiweiss im Harne die 
Beobachter gehindert haben kann, Untersuchungen über 
die Stickstoffmetamorphose der mit Firniss bedeckten Thiere 
anzustellen. Sie erkannten freilich diese Lttcke in der ge¬ 
gebenen Frage und wiesen in ihren Arbeiten auf die Beob¬ 
achtung von Valentin hin, welcher an einem Kaninchen 
gefunden hat, dass nach dem Bedecken der Haut mit Fir¬ 
niss der Procentgebalt an Harnstoff unverändert blieb, da¬ 
gegen die Quantität des von den Nieren ausgeschiedenen 
Wassers — folglich also auch die absolute Menge des Harn¬ 
stoffs vermindert waren. 

Wir führen hier- das Experiment dieses Autors an. Wäh¬ 
rend 3 Tage bestimmte er das Gewicht des Kaninchens, so¬ 
wie auch die Quantität des Harnes und des Harnstofis und 
am 4. Tage um IO'/j Uhr Morgens bedeckte er die ganze 
Körperoberfläche des Tbieres mit Firniss, am 5. Tage um 
6 Uhr Abends crepirte das Kaninchen; das ganze Experi¬ 
ment dauerte also etwas Ober 24 Stunden. 

1. Tag Harn 104 Ccm. Harnstoff 2,29 Grm. 


2. 

> 

152 

» 

3.08 

3. 

» 

292 

> 

3,95 

4. 

> 

11 

> 

0,15 

5. 


8 

» 

0,14 


Was nun die Veränderungen in der Quantität des Harns 
nach dem Bedecken der Haut mit Firniss betrifft, so existi- 
ren darüber ausser den V a 1 e n t i n’schen Experimenten 
noch Beobachtungen von G e r 1 a c h 6 ), welcher die Zu¬ 
nahme der Harnmenge unter solchen Bedingungen zu den 
gewöhnlichen Erscheinungen zählt; dagegen haben C. Mül¬ 
ler 11 ) und Lang 8 ) hierbei eine Abnahme der Harnmenge 
beobachtet. • 

Das ist alles, was uns betreffs der Thätigkeit der Nieren 
nach dem Bedecken der Haut mit Firniss gelungen ist in 
der Literatur aufzufinden; die Klinik hat diese Frage gar- 
nicht berührt. Die Untersuchungen über die Stickstoff¬ 
metamorphose nach dem Bedecken der Haut mit Firniss 
haben aber ausser der theoretischen auch eine rein prak¬ 
tische Bedeutung. Nach dem letzten Handbuch über den 
Harn von Leube und Salkowsky*)zu urtheilen, ha¬ 
ben uns die Kliniker nicht einmal positive Data über den 
Einfluss der (nichtsyphilitischen) Hauterkrankungen auf die 
Zusammensetzung des Harns gegeben; von Tbierexperimen- 
ten wird garnichts erwähnt. 

Auf Grund des eben Gesagten hielten wir es für ange¬ 
zeigt, einige Tbierexperimente über den Einfluss des Be- 
deckens der Haut mit Firniss auf die Stickststoffmetamor- 
pbose im Organismus anzustellen. Es schien uns, dass 
man in ähnlichen Experimenten nur kleine Hautcegionen 
oder wenigstens nicht die ganze Körperoberfläche mit Fir¬ 
niss überziehen dürfe, wofern man nicht allzu heftige Er¬ 
scheinungen, ja sogar den Tod des Tbieres herbeiführen 
will. Die V a 1 e n t i n’sche Beobachtung ist unserer An¬ 
sicht nach für die Lösung der gegebenen Frage von gerin¬ 
ger Bedeutung, eben weil das Kaninchen zu bald zu Grunde 
ging und vor dem Tode, wodurch derselbe auch bedingt 


*) Valentin; Archiv f. physiolog. Heilkunde 1858. 

*) G e r 1 a c h : Müller’s Archiv 1851, 8. 467—473. 

') C. M ü 11 e r: Arch. f. experiment. Pathol. u. Pharmac. 1873. 
•) C. Lang: Archiv der Heilkunde Jahrg. 13, 1872. 

') Leube and Salkowskv: Die Lehre vom Harne. Berlin 
1882, S. 519. 


sein mag, sowohl die Harn-, als auch die Harnstoflmenge im¬ 
mer sinkt. Daher muss man, um die Stickstoffmetamor¬ 
phose zu studiren, länger dauernde Beobachtungen anstellen. 

Eins der wichtigsten Hindernisse bei den zur Lösung der 
uns interessirenden Frage nöthigen Experimenten, bildet na¬ 
türlich das baldige Auftreten vonEiweis3 im Harne, welches 
Symptom auf eine rasch um sich greifende Nierenerkrankung 
hinweist, auf die Erkrankung eines Organs, durch velches 
fast die gesammte Menge der Producte der regressiven Me¬ 
tamorphose der Eiweissstoffe ausgeschieden wird. Aus dem 
citiiten ist zu ersehen, dass bei manchen Thieren, selbst 
wenn man ihre ganze Körperoberfläche mit Firniss bedeckt, 
Eiweiss im Harne erst spät auftritt. Diese Thatsache 
brachte mich auf die Idee, zu unserem Zwecke die Periode 
vor dem Auftreten von Eiweiss im Harne zu benutzen. Als¬ 
dann haben wir vorausgesetzt, dass, wenn wir nur kleine 
Hautflächen mit Firniss bedeckten, wir diese Periode nach 
Belieben ausdehnen, ja das Auftreten von Eiweiss im Harne 
ganz verhindern könnten. Zwar lag die Möglichkeit nahe, 
dass bei solcher Ausführung des Experiments, das Bedecken 
der Haut mit Firniss ganz ohne Einfluss auf den Organis¬ 
mus bleiben könnte, dass die iu solchen Fällen beobachteten 
Erscheinungen garnicht eictreten würden; dafür fanden wir 
aber auch in der ganzen Literatur keine Andeutung dar¬ 
über, dass nach dem Bedecken kleiner Hautflächen mit Fir¬ 
niss die Stickstoffmetamorphose unverändert bliebe. Ab¬ 
gesehen davon lehrt uns die Klinik, dass fast keine einzige 
Hautkrankheit existirt, bei welcher die Haut in ihrer Ge- 
samvtheit afficirt wäre, sogar bei Pocken, wo eine tiefge¬ 
hende Veränderung der Haut st&ttfindet, erkranken nicht 
alle Zellen der M a 1 p i-g h i ’schen Schicht in gleichem 
Grade. Es existirt eine Menge von Hautkrankheiten, wo 
das Leiden sich nur auf kleinen Hautdistricten localisirt. 
Daher erachteten wir auch für zweckmässiger, anfangs nur 
kleine Hautflächen mit Firniss zu bedeken; wir machten 
aber bald die Erfahrung, dass mau bei Hunden, mit welcher 
Thierspecies wir experiraenten, viel grössere Hautflächen 
mit Firniss bedecken könne, als von den Autoren angege¬ 
ben wird, ohne dass die Thfere zu Grunde gehen oder Ei¬ 
weiss im Harne auftritt. 

Um einige Fragen betreffs des Einflusses der Beschrän¬ 
kung der Hautperspiration auf den thierischen Organismus 
lösen zu können, mussten wir ausser den weiter erwähnten 
noch andere Experimente anstellen. Diese ergaben, dass 
das Thier, wenn man seine Haut mit Firniss bedeckt, nur 
in einem Fall zu Grunde geht, — nämlich wenn wir zu¬ 
gleich mit anderen Körpertheilen auch den Bauch mit Fir¬ 
niss bedecken. Freilich haben wir nur 4 solcher Experi¬ 
mente — 2 an Hunden, 2 an weissen Ratten — angestellt. 
Bei dem einen Hunde von mittlerer Grösse wurde mit Aus¬ 
nahme des Kopfes, des Bauches, der Leisten- üud Achsel¬ 
gegenden, die ganze Körperoberfläche mit Firniss bedeckt. 
Das Thier verlor sehr schnell an Gewicht, doch wurden we¬ 
der von Seiten des Nervensystems noch von Seiten des mo¬ 
torischen Apparates irgend welche Erscheinungen beob¬ 
achtet. Es gelang uns nicht, diesen Hund durch Bedecken 
der Haut mit Firniss innerhalb derselben Zeit zu tödten, 
innerhalb welcher diese Thiere bei den früheren Experimen¬ 
tatoren zu Grunde gingen. Dafür ging ein anderer Hund 
von 5000 Grm. Gewicht, bei welchem unter denselben Be¬ 
dingungen auch der Bauch mit Firniss bedeckt wurde, nach 
l’/i Wochen zu Grunde. 2 Ratten wurden abrasirt; bei 
der einen wurde die ganze Haut mit Ausnahme des Kopfes 
mit Firniss bedeckt, bei der anderen noch ausserdem ein 
1*/* Ctm. breiter Streifen in der Mitte des Bauches frei ge¬ 
lassen. Die erste Ratte ging nach einer Woche zu Grunde, 
die andere lebte 3 Wochen, nahm Speise und Trank zu 
sich und schien durch den Firniss durchaus nicht genirt zu 
werden. Das letzte Experiment zeigt uns, dass es genügend 
war eine kleine Fläche am Bauche ungefirnisst zu lassen, 
um das Thier am Leben zu erhalten. Die weiteren Beob¬ 
achtungen werden natürlich zeigen, in wiefern wir Recht 


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57 


haben. Jedenfalls bewogen uns diese Experimente bei un¬ 
seren Untersuehungen über die Stickstoffmetamorphose sehr 
vorsichtig an’s Werk zu gehen und bei den zu den Experi¬ 
menten benutzten Hlinden niemals den Bauch mit Fir niß 
zu bedecken. 

Um nach Möglichkeit die jähen Schwankungen der äus¬ 
seren Temperatur zu vermeiden und die Wärmeabgabe der 
mit Firniss bedeckten Körperoberfläche einzuschränken, 
wurden unsere Beobachtungen namentlich im Sommer an¬ 
gestellt. Ausserdem schoren wir, da wir die die Ansicht 
von Prof. Berne 10 ) über die Ursache des Todes der mit 
Firniss bedeckten Thiere bestätigenden Experimente von 
Krieger“) (an Kaninchen) und Lomikowski 12 ) 
sehr gut kannten, — vor jedem Experiment die später mit 
Firniss zu bedeckende Oberfläche der Haut ab, brachten 
das Thier unter solchen Bedingungen bis zum Stickstoff¬ 
gleichgewicht, und bedeckten es alsdann mit Firniss. Das 
nächste Ziel unserer Experimente war die Nierenthätigkeit 
nach dem Bedecken der Haut mit Firniss zu untersuchen, 
namentlich zu bestimmen, wie ihre wichtigsten Auschei- 
dungsproducte — Wasser und Harnstoff sich verhalten; in 
einem späteren Experiment wollten wir die Fäces unter¬ 
suchen. Im Ganzen haben wir 3 Experimente angestellt, 
davon eins an einem hungernden und 2 an normalen Hun¬ 
den. Der Harn wurde nach der L i e b i g ’schen Methode 
bestimmt, der Koth nach derWiel-Warrentrapp- 
scben mit Zusatz von Natronkalk in Röhren aus Hartglas 
verbrannt. Die Hunde wurden mit Pferdefleisch unter den 
von V o i t angegebenen Cautelen gefüttert. Wasser wurde 
ihnen nur in bestimmten Quantitäten gereicht. Der Harn 
wurde von den Thieren selbst 2 Mal täglich in ein unter 
dem Bauche angebrachtes Glasgefass entleert. Der Käfig, 
in welchem die Thiere untergebracht waren, stand in einem 
guten, luftigen Zimmer. Der Procentgehalt des Stickstoffe 
im Fleisch wurde auch nach V o i t ’s Methode bestimmt. 

I. Experiment mit einem hungernden Hunde. Der Harn 
wurde mittelst eines Catbeters entleert. Sowohl vor dem 
Experiment als auch während desselben bekam <}as Thier 
30 Cctm. Wasser pro die. Nach längerer Fütterung mit 
Fleisch wurde ihm das Futter zum letzten Mal am 13. Juni 
1884 gereicht. Schon am 18., d. h. also von 9 Uhr Mor¬ 
gens des 17. bis 9 Uhr Morgens des 18. resp. des 19. schied 
der Hund fast eine und dieselbe Quantität Harn ünd Harn¬ 
stoff aus, ersteren von einem und demselben specifischen 
Gewicht. Am 19. Juui bedeckten wir den.-abgeschorenen 
Theil der Haut, der ungefähr den neunten Theil der ganzen 
Körperoberfläche ausmachte, mit Firniss. Eiweiss im Harne 
war während der ganzen Dauer des Experiments nicht zu 
constatiren. Hierbei bringen wir die Tabelle der bei diesem 
Experimente gefundenen Zahlenwerthe: 


1884 

Juni 

Gewicht 

des 

Hundes 

Harn- 

menge 

Specif. 

Gewicht 

Harn¬ 

stoff 

Quanti¬ 
tät des 
ausgetr. 
Wassers 

Tmp. um 
6 Uhr 
Abends 

15 

7500 

180 

1036 

11,86 

75 


16 

7220 

114 

1044 

11,72 


38,9 

17 

7010 

70 

1056 

8,87 

30 

38,8 

18 

6870 

65 

1049 

4,34 

30 

38,7 

19 

6740 

60 

1050 

4,56 

30 

38,7 

20 

6560 

110 

1044 

7,09 

30 

38,9 

21 

6370 

76 

1050 

5,66 

30 

38,7 

22 

6320 

97 

1046 

6,67 

30 

38,7 


Die Zahlen 7,09, 5,66,'6,67, die wir nach dem Bedecken 
des Thieres mit Firniss für Harnstoff bekommen haben, 
weisen auf ein jähes Anwachsen des letzteren im Vergleich 
zu den ziemlich beständigen Zahlen der vorhergehenden 
2 Tage hin. Die durchschnittliche Menge des Harnstofe 


") Th&e de Paris 1854. 

") Lomikowski: Diss. Charkow 1877 (russisch). 

") Zeitgehr. f. Biologie BJ. 5,1869, S. 528 und folgende. 


für die Tage des Experiments war um 50% höher als in der 
Norm. Die Harnmenge war auch grösser. 

IL Experiment mit einem normalen Hunde. Der 7435 
Grm. schwere Hund verzehrte täglich 465 Grm. von Fett 
und sehnigen Theilen befreites Pferdefleisch und nahm tägr 
lieh 150 Cctm. Wasser zu sich. Am 21. bedeckten wir 
ihm beide Flanken und beide Hinterbacken, also ungefähr 
den siebenten Theil der ganzen Körperoberfläche mit Fir- * 
niss. Hierbei müssen wir bemerken, dass wir, lange bevor 
wir den Hund mit gekochtem Leinöl bedeckten, die be¬ 
treffenden Stellen abrasirt hatten. Doch war schon am 4. 
Tage die Wolle so gewachsen, dass sie den Firniss empor¬ 
heben und von der Haut leicht ablösen konnte. Desshalb 
mussten wir während dieses Experimentes den emporgeho¬ 
benen Firniss fast täglich entfernen, die Wolle so kurz wie 
nur möglich abscheeren und die abgeschorene Fläche von 
neuem mit Firniss bedecken. Während der ganzen Dauer 
auch dieses Experimentes konnte kein Eiweiss im Harne 
constatirt werden. Hierbei folgt die auf das zweite Expe¬ 
riment bezügliche Tabelle: 


Datum 

Gewicht 

des 

Thieres 

Harn¬ 

menge 

Specif. 

Gewicht 

Harn¬ 

stoff 

Gew. 

der 

Fäces 

Temp. 

Morg. 

Temp. 

Abds. 

1884 
Juli 18. 

7435 

384 

1044 

32,30 




19. 

7435 

324 

1050 

33,05 

_ 

_ 

_ 

20 . 

7410 

342 

1050 

34,56 

— 

38,7 

38,9 

21 . 

7420 

336 

1048 

33,06 

42.0 

38,5 

38,4 

22 . 

7410 

372 

1046 

33,86 

__ 

38,6 

38,7 

23. 

7400 

360 

1042 

31,22 

— 

38,4 

38,7 

24. 

7420 

390 

1046 

37,60 

— 

38,3 

38,6 

25. 

7300 

370 

1048 

37,63 

— 

38,5 

38,9 

26. 

7230 

312 

1052 

33,77 

— 


27. 

7200 

325 

1052 

34,72 

— 

38,4 

38,7 

28. 

7180 

328 

1052 

36,32 


38,2 

38,6 

29.—30. 

7140 

685 

1052 

75,48 

— 

38,7 

38,9 

31. 

, 7120 

280 

1052 

! 31,36 

— 

38,4 

38,9 

Aug. 1. 

! 7150 

392 

1052 

39,67 

— 

38,5 

38,4 

2 . 

7040 

320 

1054 

36,67 

— 

— 

— 

3. 

7050 

352 

1052 

36,34 

43 

38,4 

38,7 

4. 

7030 

352 

1050 

| 35,06 

— 

38,7 

38,0 

5. 

7020 

340 

1052 

35,42 

— 

38,5 

38,1 

6 . 

7010 

360 

• 1048 

35,42 

37 

— 


7. 

7020 

340 

1052 

32,37 

20 

38,8 

38,9 

8 . 

7000 

344 

1053 

36,32 

— 

— 

38,8 

9. 

6880 

324 

1052 

33,45 

— 

38,5 

— 


Während der 19tägigen Dauer des Experimentes hat der 
Hund 530 Grm. an Gewicht verloren; an Harnstoff hatte 
er im Ganzen 672,37 Grm. verloren, oder 35,34 Grm pro 
die, d. h. um 2,116 Grm. mehr als in der Norm (33,26), 
was 6% ausmacht. Die durchschnittliche Harnquantität 
war während des Experiments dieselbe, wie während der 
normalen Periode. 

III. Experiment mit einem normalen Hunde, Das vor¬ 
hergehende Experiment zeigt uns, dass man bedeutende 
Hautfläcben mit Firniss bedecken kann, ohne dass sich Ei¬ 
weiss im Harne zeigt. Diese Thatsacbe gab uns die Mög¬ 
lichkeit im letzten Experiment dem Thiere beide Schulter¬ 
gegenden, den Rücken, die Flanken und beide Hinter¬ 
backen mit Firniss zu bedecken; ein 8 Ctm. breiter Streifen 
am Bauche, wie auch die Leistengegenden und Achselhöhlen 
blieben unbedeckt; kurz es wurde ein so grosser Theil der 
Körperfläche mit Firniss bedeckt, dass die früheren Autoren 
die weitere Existenz des Thieres unter solchen Bedingun¬ 
gen für eine Unmöglichkeit erklärt hätten. Wir konnten 
auch hier kein einziges Mal Eiweiss im Harne constatiren. 

Dieses Experiment wurde von mir in der Absicht ange¬ 
stellt, zum Theil um die Resultate der beiden ersten prüfen 
zu können, namentlich aber um die Frage zu beantworten, 
ob die gesammte Harnquantität nach dem Bedecken der 
Haut mit Firniss zunimmt oder dieselbe bleibt, da das Re¬ 
sultat des 2i Experiments uns in dieser Hinsicht zweifelhaft 
vorkam. Nebenbei haben wir auch den Stickstoffgehalt 

7* 


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58 


der Fäces bestimmt. Den Umstand berücksichtigend, dass 
das 3. Experiment fast 2 Monate lang gedauert batte, füh¬ 
ren wir hier der Kürze wegen nur die Durchschnittszahlen 
für bestimmte Zeitabschnitte an. 

Der Hund wog 8530 Grm. und bekam täglich 465 Grm. 
Fleisch und 40 Cctm. Wasser. Das Bedecken der Haut 
mit Firniss wurde am 21. October angefangen und bis zum 
. 19. December 1884 fortgesetzt. 


Datum 

Gewichts- 

Schwan¬ 

kungen 

Durch- 
schnittl. 
Harum, 
in 24 St. 

Specif. 

1 Gewicht 

i ! 

! Harn- 
! Stoff ; 

I | 

Gew. 

der 

Fäces 

N gehalt 
der 

Fäces 

October 

12-21 

8532 - 8530 * 

333 

1055 

i i 

! 330,27 1 

44 

1,449 

22-30 

8414-8280 

363,3 

1055,6 

! 314,26 

59 , 

1,257 

November 






\ 

31— 4 

8150-8220 

349 

1057,6 

179.09 j 

78 

1,656 

5-14 

8240—7980 

365,3 

1057,6 

353,54 i 

42 

0,791 

15—18 

7970—7800 

366 

1058,2 

142,02 

58 

1,215 

18-29 

December 

7710-7500 j 

359,7 

1058,9 

372,77 

; 50 1 

1,104 

30— 6 

7480-7210 

367,4 

1060,7 

, 255,71 

1 57 

1,114 

7— 9 

7230-7180 

336,3 

1057,8 

108,59 

1 67 

1,725 

10-19 

0 

j 7180-6950 

364,6 

1062 | 

| 357,2 

; 

! 47 

1,225 


Während dieser 59 Tage hat der Hund 1580 Grm. an 
Gewicht verloren, was 115,01 Grm. Harnstoff gleich kommt. 
Fleisch verzehrte er 27,435 Grm. = 1993,48 Grm. Harn¬ 
stoff. Vor dem Bedecken der .Haut mit Firniss und unter 
den Bedingungen des Stickstoffgleichgewichts hat das Thier 
mit dem Harne 330,27 Grm. und mit den Fäces 3,11 Grm. 
Harnstoff ausgeschieden oder pro die 33,34 Grm. (Der 
Hund befand sich unter den Bedingungen des Stickstoff¬ 
gleichgewichts während der Dauer von 10 Tagen). Nach 
dem Bedecken der Haut mit Firniss wurden mit dem Harne 
2083 Grm. und mit den Fäces 23,5 Grm. Harnstoff ausge¬ 
schieden, zusammen also 2106,5 Grm., oder 35,75 Grm. 
pro die, was im Vergleich zu der Norm eine Zunahme um 
2,39 Grm. pro die oder um 7 % ausmacht. Mit den Fäces 
wurden vor dem- Bedecken mit Firniss 0,145 Grm. N aus¬ 
geschieden, nach dem Bedecken 0,171 oder um 0,026 Grm. 
mehr als im normalen Zustande. Die Harnmenge hatte 
während dieses Experiments deutlich zugenommen. Zur 
besseren Uebersicht der Resultate unserer Experimente 
gruppiren wir sie in einer besonderen Tabelle: 


Experiment i 

Durchschn. 
Harnmenge 
in Ccm. 

I Durchschn. 

| Menge des 
| Harnstoffs in 
| Grm. ! 

Zunahme 

i 

Fäces 

Dauer des Experi- | 
ments in Tagen j 

normal 

nach dem 
Bedecken 

normal 

nach dem 
Bedecken 

um | 

* 

normal 

nach dem 
Bedecken 

I. 

625 

94 

! I 

4,45 

6,473 

| 2,023 

50% i 

j 

i _ 

; | 

i 

3 

II. 

346 

344 

33,26 

35,346 

' 2,116 

6 % 

— 

— 

19 

m. 

333 

359 

33,24 

1 

35,75 

2,390 

; i% 

i 

0,145 

0,171 

59 


Alle diese 3 Versuche sprechen dafür, dass unter dem 
Einfluss des Bedeckens der Haut mit Firniss eine bedeutende 
Steigerung der Stickstoffmetamorphose im thierischen Or¬ 
ganismus stattfindet, die durch die Zunahme der mit dem 
Harne ausgeschiedenen Ha mstoffm engen ausgedrückt wird. 
Die Assimilation der Eiweisskörper vom Darme aus scheint 
ein wenig schlechter als tm normalen Zustande vor sich zu 
gehen. Die nach dem Bedecken der Haut mit Firniss aus- 
geschiedene Hammenge ist auch grösser (Experiment I und 
111 ); das specifische Gewicht des Harnes ein wenig höher. 

Um für die eben angeführten Resultate eine Erklärung 
zu geben, können wir bis zu einer gewissen Grenze das be¬ 
nutzen, was über den Einfluss des Bedeckens der Haut mit 
Firniss auf den thierischen Organismus in unserer Wissen- i 


schaft schon bekannt ist. Da wir aber der Ansicht sind 1 ’), 
dass Harnstoff sich aus rothen Blutkörperchen bildet, so 
setzten wir voraus, dass unter dem Einfluss des Bedeckens 
der Haut mit Firniss eine Veränderung in der Anzahl der 
rothen Blutkörperchen stattfinden müsse. Leider hat die 
Klinik diese Frage nie berührt und Uber das Verhalten der 
rothen Blutkörperchen bei verschiedenen, nicht syphiliti¬ 
schen Hauterkrankungen geben uns nur 2 Arbeiten Auf¬ 
schluss. Dr. G e o r g e s T h i n **) hat darauf hingewiesen, 
dass nur in einem Falle von Pemphigus und in einem Falle 
von Prurigo die durchschnittliche Anzahl der rothen Blut¬ 
körperchen ein wenig unter der Norm war; bei Eczem, Pso¬ 
riasis und Lepra blieb ihre Anzahl normal. Bei Dr. L 6 v y ,s ) 
finden wir, dass Psoriasis scheinbar weder auf die Anzahl 
der rothen Blutkörperchen, noch auf die Zusammensetzung 
des Blutes von Einfluss ist. Bei chronischem ausgebreite¬ 
tem Eczem ist die Anzahl der rothen Blutkörperchen sehr 
gering; bei chronischem Pemphigus ist ihre Anzahl ent¬ 
weder garnicbt oder unbedeutend vermindert. Bei Purpura 
bleibt ihre Anzahl vergrössert. 

Angesichts der Unbestimmtheit in dieser sehr interessan¬ 
ten Frage schien es uns an der Zeit eine Zählung der ro¬ 
then Blutkörperchen nach dem Bedecken der Haut mit Fir¬ 
niss vorzunehmen und zu dem Zwecke folgendes Experi¬ 
ment anzustelleu. Einem 5050 Grm. schweren und mit 
einer bestimmten Quantität Fleisch und Wasser gefütterten 
Hunde wurden der Rücken, beide Flanken und beide 
Schulter- und Hinterbackengegenden mit Firniss bedeckt; 
der Bauch des Thieres blieb frei. Die Zählungen mittelst 
des Apparates von M a 1 a s s e z wurden am 10. Februar 
1885 angefangen und bis zum 16. Februar täglich wieder¬ 
holt, hierauf fingen wir an die Haut mit Firniss zu be¬ 
decken und täglich um eine und dieselbe Stunde die An¬ 
zahl der rothen Blutkörperchen zu bestimmen. Das Ex¬ 
periment dauerte bis zum 15. März. Der Hund verlor nach 
dem Bedecken der Haut mit Firniss 1050 Grm. an Gewicht. 
Wir wollen hier nicht die lange Reihe von Zahlen anführen 
uud uns .nur auf die Durchschnittszahlen beschränken. 
Während der 6tägigen normalen Periode war die durch¬ 
schnittliche Anzahl der rothen Blutkörperchen pro die 
6,645,700; nach dem Bedecken der Haut mit Firniss fiel 
ihre Anzahl allmälig und erreichte am letzten Tage 
5,196,800'; die durchschnittliche Anzahl für 24 Tage war 
5,547,300; die kleinste Ziffer, bis zu welcher die Anzahl 
der rothen Blutkörperchen gefallen war, war 4,816,400. 

Obgleich nun die Methode der Blutkörperchenzäblung 
sich überhaupt nicht durch besondere Genauigkeit auszeich¬ 
net, so müssen wir doch den Umstand berücksichtigend, 
dass nach dem Bedeckeu der Haut mit Firniss wir eine 
deutliche Verminderung der Anzahl der rothen Blutkör¬ 
perchen bekommen haDen — zugeben, dass hierbei ein be¬ 
deutender Zerfall derselben stattfindet. Schon diese eine 
Thatsache genügt zur Erklärung der Steigerung der Stick¬ 
stoffmetamorphose nach dem Bedecken der Haut mit 
Firniss. 

Wenn wir noch in Erwägung ziehen, dass die Temperatur 
der Thiere während meiner Experimente in den normalen 
Grenzen blieb und wir andererseits auf Grund der Unter¬ 
suchungen früherer Autoren annehmen müssen, dass die 
Wärmeabgabe von der mit Firniss bedeckten Haut bedeu¬ 
tend energischer, als im normalen Zustande vor sich geht — 
so müssen wir verrauthen, dass auch die Wärmeproduction 
unter solchen Bedingungen energischer ist. Eine grössere 
Wärmepröduction zieht aber auch grössere Ausgaben des 
Organismus nach sich, d. h. steigert seine Metamorphose. 

Die Experimente von Valentin haben gezeigt, dass bei 
den mit Firniss bedeckten Thieren die Mengen der ausge- 
athmeten Kohlensäure und des aufgenommenen Sauerstoffs 
sich vermindern. Wir glauben, dass, wenn wir nicht die 

<3 > Siehe meine Dissertation St. Petersburg 1882 (rassisch). 

“) lledic. -Chirurg. Transactions Vol. 61, 1878, 8. 97. 

**) L 6 v y: ThtSse de Paris 


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ganze Haut bedecken, und wenn der Organismus selbst seine 
Temperatur regulirt, auf Grund unserer Versuche das 
stricte Gegentheil denkbar ist — nämlich, Steigerung der 
ausgeschiedenen Kohlensäure- und der aufgenommenen 
Sauerstoffmengen. Leider existiren in der Wissenschaft 
keine Experimente über den Gaswechsel bei unvollständi¬ 
gem Bedecken der Haut mit Firniss und wartet diese Frage 
noch vorläufig auf ihre Lösung. Neben dieser tritt aber 
unwillkürlich noch eine andere, nicht weniger wichtige Frage 
an’s Licht — das ist die experimentelle Ausarbeitung des 
Einflusses des Bedeckens der Haut mit Firniss auf den fie¬ 
bernden Organismus. 

Zum Schluss müssen wir noch bemerken, dass wenn die 
Ansicht, dass nach dem Bedecken der Haut mit Firniss eine 
Retention der Producte der Hautperspiration stattfindet 
(Edenhuyzen 9 Lang 9 Röhrig), in der Wissen¬ 
schaft festen Fuss fasst, die Resultate unserer Experimente 
sehr leicht durch den deletären Einfluss dieser Producte auf 
den Organismus erklärt werden können; wenn aber die be¬ 
obachteten Erscheinungen nur auf die Wirkung der Ab¬ 
kühlung zurückgeführt werden müssen (Berne, Krie¬ 
ger, Lomikowski), so sind unsere Beobachtungen 
so zu sagen der erste Schritt zur Lösung einer sehr verwickel¬ 
ten und ihre Lösung noch erwartenden Frage, nämlich der 
Frage über den Einfluss niedriger Temperaturen der Umge¬ 
bung auf die Stickstoffmet&morphose des thierischen Orga¬ 
nismus. 


Referate. 

F. U h 1 e: Beiträge zur Behandlung der Febris intermit- 
tens mit Alumen ustum. (D. med. w. J4 31. 1885). 

Verfasser ist Garnisonsarzt im Fort Haa ao der Westküste von 
Sumatra and Beobach tan gen über Malaria stehen ihm so za sagen 
aas erster Hand zu Gebote, wenn man von ihm hört, dass er bei¬ 
spielsweise im Jahre 1884 hei einer Darchschnittsbesatzung von 50 
Mann 360 Malariaf&lle behandelt hat, — ungerechnet 25 Fälle, die 
ihn selbst betrafen. 

Das Aluinen ustum hat er bei reiner typischer Intermittens ange¬ 
wandt, bei Interm. mit Darracomplicationen, bei Febris continna in 
Folge von Malaria, endlich bei jener Form, die er Febris hectica 
nennt. Unter letzterer versteht er Fälle, wo die Temp. sich kaum 
über 38,5 erhebt, weder Remissionen oder Intermissionen vorhanden 
sind and rapid schnell Kachexia paladosa eintritt. Diese letzteren 
Fälle sind einer Behandlung nicht zugänglich, Veränderung des 
Klimas ist das einzige, vor dem Tode schützende Mittel. 

Mit Alumen ustum bat Verf. nun 22 Fälle im Hospital behandelt, 
and dieselben genau beobachtet. Die Einzeldosis betrug 1,0, die 
grösste Tagesdosis 6,0, die geringste Tagesdosis 2,0. Von diesen 
war gnter Erfolg bei 17 za constatiren, welche alle typische Inter¬ 
mittens darboten, die übrigen 5, die keine typisch Teine Intermit¬ 
tens darboten, wurden mit Chinin in grossen Dosen (4,0—5,0) wei¬ 
ter behandelt. Bei vieren wirkte das Chinin dann befriedigend, ein 
Fall genas erst nach Evacnation in ein gesundes Klima; es war 
das ein Fall der besprochenen Febris hectica. 

Da der Preis des Alum. ustum sehr gering ist, so empfiehlt es 
sich für die Armenpraxis, und da es Indifferenten Geschmack hat, 
so hat es eine Zuknnft für die Kiuderpraxis. Endlich hat er nie¬ 
mals Nebenwirkungen bemerkt, die beim Chinin doch zuweilen in 
sehr unangenehmer Weise vorhanden sind. 

Dr. M. S c h m i d t — San-Bemo. 

A s s a k i: Transplantation von Sehnen und Sehnenrege¬ 
neration. (Societö de biologie. Sitzung vom 31. Oct. nach 
Semaine Mödicale 1885 J4 45). 

Verf. behauptet, man könne 2—3 Ctm. lange Sehnenstücke eines 
Thieres durch gleiche eines andern ersetzen. Die Sehnen heilten 
(unter antiseptischen Cautelen) durch prima intentio in 8 Tagen ein, 
unterschieden sich nicht von den andern, glitten unter der Haut hin 
und her and wiesen nirgends Verwachsungen auf. 

Transplantationen habe er gemacht von Kaninchen auf Kaninchen, 
von Meerschweinchen auf Meerschweinchen, aber auch von Hunden 
auf Kaninchen und umgekehrt; ebenso von Vögeln auf M&mmi- 
feren und umgekehrt mit identischem Erfolge. 

Bei der Autopsie sah Verf. vollständige Vereinigung der genäh¬ 
ten Sehnen, die einzige Spar der Operation sei in der reichlicheren 
Vascnlarisation der Sehnenscheide zu finden gewesen. 

Das Einnähen von Catgutfäden in grössere Sebnendefecte «beför¬ 
dere sehr die Regeneration der Sehneufibern», und aus seinen Ex¬ 
perimenten folge, «dass diese Regeneration, die nur gegen den 109. 
Tag eomplet ist, wenn die Sebnenenden sich selbst überlassen ge¬ 
blieben sind, im Gegentheil in 45 Tagen effectuirt ist, wenn sie 
durch Catgutfäden vereinigt gewesen seien». 


Mit Recht weist Verf. auf den Vortheil hin, den die Chirurgie 
daraus ziehen könne, da kaum zu zweifeln, dass beim Menschen 
dieselben Erscheinungen, wie am Experimentthiere zu erlangen 
seien. 

M. Z e i 8 s 1: Ueber Lues hereditaria tarda. (Wien Klinik 
1885, Heft vn.) 

Ueber diese Frage ist soviel einander Widersprechendes geschrie¬ 
ben worden, dass jede Neubearbeitung auf Grund reicheren Mate¬ 
riales erwünscht kommt. Z. hat nun aus der Literatur ausser den 
85 von Augagner gesammelten Fällen noch weitere 15 zus&m- 
mengesucht und 4 eigene Beobachtungen zugefügt. Da die Ansich¬ 
ten so verschieden, präcisirt Z. die «einige dahin, dass er unter 
L. bered, tard. alle Fälle versteht, in weldien es erst längere Zeit 
nach der Gebnrt (wenigstens 1—2 Jahre) sum Ausbruche aus¬ 
schliesslich tertiärer Erscheinungen kommt. 

Unter den 104 Fällen ist jedoch kein einziger, welcher, streng ge¬ 
nommen, überzeugend wirken kann, wenn man sioh an. die Z.’sche 
Definition hält, denn es ist mit der Anamnefie eben ein schwieriges 
Ding. Z. glaubt an der Existenz dieser Krankheitsform nicht 
zweifeln zu dürfen. [Wie leicht können aber Anfangsstadien über¬ 
sehen werden. Bef. ist der Meinung, dass es sich in allen diesen 
Fällen bei Pat. in der Pubertätsperiode allerdings zweifellos um 
tardive Erscheinungen handelt, jedoch jedenfalls secnndäre Erschei¬ 
nungen dazwischen vorgekommen und übersehen oder für andere 
Leiden gehalten worden sind. Dieses nachträglich in jedem Einzel¬ 
falle zu constatiren ist allerdings eine schwierige Aufgabe. Die 
sogen, hereditäre Lues ist ja am Ende nichts Anderes, als ein Reci- 
div der intrauterin durchgemachten recenten Ln es. Allerdings 
scheint meist die gummöse Periode früher einzutreten, doch kann 
sie ja auch erst nach 10—15 Jahren auftreten]. P. 

F. Blocbaum: Vorschlag zur Behandlung der Diph¬ 
therie, gestützt auf ein Heilverfahren bei anologen 
Processen der Hornhaut und auf Versuche an Thie- 
ren. (Deutsche Medicinalzeitung. 1885 88. pag. 973. sq). 

Die Augenärzte behandeln neuerdings die septisch inficirten Go- 
webe ? speciell Cornealgeschwüre, mit dem Galvanocauter. Ande¬ 
rerseits geht das Bestreben aller Aerzte bei Bekämpfung der Diph¬ 
therie, welcher Ansicht sie auch über dieselbe seien, darauf hin, 
local deren Producte zu entfernen oder in Schranken zu halten, 
wozu alles Mögliche, doch ohne eigentlichen Erfolg angewandt 
worden sei. Daher geht sein Vosrchlag dahin: — «Man folge den 
Augenärzten, vernichte die Mikroorganismen und sterilisire — und 
zwar unter Anwendung von Cocain — den diphtherischen Geschwürs¬ 
boden mit der galvanocaustischen Schlinge». 

Die Operation sei einfach. Die Beschreibung derselben und des 
Instruments glaubt Ref. übergehen zu können, da jeder galvano- 
caustische Apparat wirken und die Operationsmethode in jedem 
Falle sich von selbst ergeben wird. Verf. hat, als Angenarzt, 
selbst nicht über Erfahrungen zu gebieten, weist aber auf solche 
dnrch eigne Experimente an Thieren hin. Er hatte «ca. 20» Tau¬ 
ben und Hühnern, deren Halskrankheit nach Z ü r n (Krankheiten 
des Geflügels) identisch mit den beim Menschen seien, in einem 
frühen Stadium mit der galvanocaustischen nach einer, höchstens 
zwei gründlichen Cauterisationen, binnen weniger Tage sämmtlich 
geheilt, während sonst 80% starben. N. 


BQcher-Anzeigen und Besprechungen. 

Bericht des Medicinal-Departemehls des Ministeriums des 
Innern für das Jahr 1881. (Orien» MejeitHHCKaro 
AenapTaueHTa Mhhhct6pctb& BHyTpera hx* Rb xi sa 
1881 r.). St. Petersburg 1884. gr. 8°. Russisch. 

(Schluss.) 

Das II. Capitel des Berichts handelt von dermedicinisch- 
polizeilichen (sani t äre n)Th ätigkei t und bringt Mit¬ 
theilungen über die Organisation und Thätigkeit des Sanitätswesens, 
über die Aufsicht beim Verkauf von Nahrungsmitteln und Getränken, 
sowie beim Handel mit stark wirkenden Substanzen, über die Sani- 
tätsVerhältnisse in den Gefängnissen, Fabriken, Gewerbeanstalten, 
Schulen und auf den Eisenbahnen, sowie über die Quarantaine. 

Das III. speciell-medicinischeCapitel enthält Nach¬ 
richten über das medicinische Personal, die Krankenanstalten, Apo¬ 
theken u. s. w. Im Jahre 1881 nahmen nach den Berichten der 
Medicinalverwaltnngen 8*239)503 Kranke oder 8,5% der Gesammt- 
hevölkemng des Reiches Rath und Hülfe der Aerzte und Feldscheerer 
in Anspruch. Es existirten in 63 Gouvernements 1349 städtische, 
landschaftliche, den Collegien der allgemeinen Fürsorge unterstellte 
und jüdische Krankenanstalten, in welchen zusammen sich 50,440 
Betten befanden. Rechnet man jedoch die bei den Gefängnissen, 
Fabriken und Gewerbeanstalten und von Privatpersonen errichteten 
Heilanstalten, sowie die Anstalten für Geisteskranke hinzu, so be¬ 
trug die Zahl der Heilanstalten gegen 3,000 mit 73,958 Betten, oder 
1 Bett auf 1,270 Personen der Gesammtbevölkemng. Folgende 
Krankheiten lieferten das grösste Krankencontingent in den Hospi¬ 
tälern : Typhus 108,484 (11,71% aller Kranken), venerische Krank¬ 
heiten 90,325 (9,75%), Pneumonie und Pleuritis 59,570 (6,43%), 

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Intermittene 43,217 (4,66%), Rheumatismus 42,861 (4,63%), Ent¬ 
zündungen der Bauchorgane 36,789 (3,97%), verschiedene catarrha- 
Ksche, gastrische und rheumatische Fieber 34,907(3,77%), acute 
Bronchitis und Grippe 26,996 (2,91 %), Tuberculose 24,252 (2,62%), 
chirurgische Krankheiten (?) 22 576 (2,44%), Wunden 20,131 (2,17%) 
n. a. w. — Die grösste Zahl der Todesfälle in den 
Hospitälern kam auf: Tuberculose 10,386 (42,62% der daran 
Erkrankten), Typhus 8,934 (10,71 %), Pneumonie und Pleuritis 8,709 
(14,62%), Marasmus und Gangraena senilis 3,743 (35,82%), Ent¬ 
zündungen der Bauchorgane 3,191 (8,40%), Geisteskrankheiten 
2,119(10,94%), chronischen Darm-Catarrh 1,914(11,52%), Recur¬ 
rens 1,770 (7,06%), Pocken 1,668 (15,09%) Hydrops 1,617 (2,79%), 
organische Krankheiten der Athmungsorgane 1,556 (15,94%), orga¬ 
nische Krankheiten des Herzens 1,436 (23,40%), Apoplexie und ver¬ 
schiedene Lähmungsformen 1,421(19,67%), Morbus Brightii 1,397 
(24,55%), Croup und Diphtherie 1,309 (25,37%), Krebs 1,252 
(21,83%), Entzündungen des Gehirns und seiner Häute 1,115(29,55%). 
Die Mortalität in den Hospitälern betrug im Berichtsjahre 7,62%, 
um 0,38% weniger als im Jahre vorher. 

Anstal ten für Geisteskranke gab es^67 mit 5,583 
Betten. In diesen Specialanstalten waren im Jahre 1881 unterge¬ 
bracht 11,291 Geisteskranke, von denen 1,373 oder 12 2% starben 
(im Ganzen befanden sich in Krankenhäusern 19,363 Geisteskranke, 
von denen 2,119 oder 10,4 % starten). 

Im Jahre 1881 belief sich die Zahl der Civil-Aerzte auf 
14,488, darunter 2,110 Doctoren der Medicin, also 14,5%. Es star¬ 
ben im Laufe des Jahres 163 Aerzte, d. i. 1,1%. Im Staatsdienste 
stehende Aerzte gab es 2,570 und zwar in den Medicinal-Verwal- 
tungen 148, Kreis- und Bezirksärzte 659, Stadt- und Polizeiärzte 
521, Dorfsärzte 98, Landschaftsärzte 1,007, Aerzte bei den Anstalten 
der Collegien allgemeiner Fürsorge 113 und Gefängnissärzte 24. Im 
Berichtsjahre wurde 66 Personen weiblichen Geschlechts, welche in 
den weiblichen ärztlichen Cursen am Nikolai-Hospital ihre Ausbil¬ 
dung erhalten hatten, das Recht zur Ausübung der ärztlichen Praxis' 
(Frauen- und Kinderkrankheiten) in Gemässheit des Allerhöchsten 
Befehls vom 6. April 1879 ertheilt. 

Die Zahl dermedicinischen Gesellschaften betrug 
76, die Zahl der im JahTe 1881 erschienenen medicinischen 
Zeitschriften 17, darunter eine in deutscher und 4 in polni¬ 
scher Sprache. 

Die Zahl derKreisarzt-Discipel undFeldscheerer 
bei den Kreisärzten, bei den Anstalten der Collegien der allgemeinen 
Fürsorge, bei den Gefängnissen, in den Dörfern und bei den Land¬ 
schaften betrug 6,426, die Zahl der freiprakticirenden (sic !) Feld- 
scheerer im Weichselgebiet und in den südwestlichen Gouvernements 
betrug 1,156 (grösstentheils Hebräer). Feldscheererschulen gab es 
34. Hebammen im Dienste gab es 2,449, ausserdem freiprakti- 
cirende 1,350: Hebammenschulen existirten 27. 

Die Zahl der Apotheken mit dem Rechte deB freien Verkaufes 
betrug im Berichtsjahre 1,883, ausserdem gab es im Kaukasus und 
im Lande der Donischen Kosaken 84 Apotheken. Von den 1,883 
Apotheken befanden sich 436 in den beiden Residenzen und in den 
Gouvemement88tädten und 1,447 in den Kreisstädten und Flecken. 
Die Zahl der Recepte belief sich auf 11,769,692, der Gesammtumsatz 
auf 7,694,518 Rubel, doch waren diese Zahlen in Wirklichkeit viel 
höher, da aus mehreren Gouvernements und Gebieten die einschlä¬ 
gigen Nachrichten entweder ganz fehlten oder doch unvollständig 
waren. Der Durchschnittspreis eines Receptes stellte sich nach dem 
Berichte auf circa 50 Kop. (im Jahre 1878 ca. 35Kop., 1879 ca. 
50 Kop., 1880 ca. 72 Kop.). Die Erhöhung der Apothekertaxe i. J. 
1881 hat den kleinen Provinzialapotheken eher geschadet als ge¬ 
nützt, da auch die nicht gerade armen Bevölkerungsclassen sich nun 
bemühten, die Arzneien unentgeltlich aus den Landschaftsapotheken 
zu erhalten. In St. Petersburg gab es 56 Apotheken mit einem Um¬ 
satz von 1,515,774 Rbl. bei 1,865,126 Recepten; in Moskau belief 
sich die Zahl der Apotheken auf 38 mit einem Umsatz von 954,037 
Rbl. bei 1,165,981 Recepten. 

Das IV. Capitol behandelt den gerichtlich-medicini- 
schenTheil und entnehmen wir demselben, dass im Berichts¬ 
jahre 17,329 Fälle ärztlicher Besichtigungen von Leichnamen vor¬ 
kamen und die Zahl der gerichtlichen Sectionen sich auf 14,874 be¬ 
lief ; 64,994 ärztliche Besichtigungen wurden an lebenden Personen 
bewerkstelligt. Die Ges&mmtzahl der gerichtlich - medicinischen 
Acte betrug 101,958. Im MedicinaLDepartement gelangten 168 
gerichtlich-medicinische Sachen, welche von verschiedenen Behörden 
eingesandt waren, zur Durchsicht und Entscheidung. Im Ganzen 
kamen im Medicinal-Departement 4,696 Sachen zur Verhandlung, 
von welchen 3,563 erledigt wurden, während 1,133 Sachen zum Jahre 
.1882 unerledigt verblieben; 21,530 Schriftstücke liefen ein und 
11,918 Schriftstücke wurden ausgefertigt. 

Aus dem letzten, dem Veterinärwesen gewidmeten Theile 
des Berichts bringen wir nur die Zahl der Veterinäre, welche sich 
im Jahre 1881 auf 1,686, und zwar 42 Magister der Veterinärkunde, 
1,413 Veterinärärzte und 231 Veterinärgehülfen belief. B l 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

Sitzung am 12. November 1885 . 

1. Dr. Dombrowski proponirt eine Discussion Über die 
Frage des Empyema pleurae und schildert in kurzen Zügen 


den gegenwärtigen Stand dieser Frage. Die Meinungen der Aerzte 
gehen namentlich nach 3 Richtungen auseinander. Die Einen 
drehten die Operation des Empyem überhaupt, Andere sind für die 
Punction und wollen den Schnitt nur dann zulassen, wenn die Punc- 
tion nicht zum Ziele führt. Die 3. Ansicht geht dahin, dass man 
möglichst früh zur Radicaloperation schreite. 

Die Punction hat nur bei serösen Exsudaten Aussicht auf Erfolg, 
bei eitriger Pleuritis lässt sie im Stiche und verschleppt nur die 
Krankheit. Ferner weist D. auf die in letzter Zeit von C. Sc hm i d t 
erschienene Arbeit, skizzirt ihren Inhalt und hebt namentlich dar¬ 
aus hervor, wie man stets das idiopathische und traumatische Em¬ 
pyem von dem bei Phthisis und Neubildungen entstehenden zu 
trennen habe. 

In letzter Zeit hat D. 5 Fälle von Empyem erfolgreich mit In- 
cision behandelt. 

1) 8jähriges Mädchen. Erkrankt am 23. März an doppelseitiger 
Pneumonie, linkerseits bildet sich eine eitrige Pleuritis. Das Exsu¬ 
dat stand vorn bis zur 4. Rippe, hinten bis zur Spina scapulae. Am 
7. April Incision im 6. Intercostalraum. Innerhalb 7 Wochen trat 
die Heilung ein. 

2) 24jährige Pat. Nach Pneumonie wurde am 13. Juli linkerseits 
ein eitriges Exsudat constatirt, welches vorn bis zur 2« Rippe, hin¬ 
ten bis zur Spinae scapulae stand und das Herz nach rechts ver¬ 
drängte. Am 15. Juli Incision mit partieller Resection der 6. Rippe. 
Der Wundverlauf günstig. Am 26. August Heilung. 

3) Ein 7jähriger Knabe erkrankte am 14. Juni an Scharlach und 
im Verlaufe desselben trat am 10. Juli eine rechtsseitige Pleuro¬ 
pneumonie auf, welche ein eitriges Exsudat hinterliess, so dass am 
12. August zur partiellen Resection der 6. Rippe in der Axillarlinie 
und Incision geschritten wurde. Es entleerte sich mässig viel Eiter 
und viel Gerinnsel. Nach vier Wochen Heilung. 

4) Pat« 30 a. n. Rechtsseitiges Exsudat, das die ganze rechte 
Brustseite einnimmt, vorne von der IV. Rippe, hinten von der Spina 
scapulae beginnt. Die Leber ist nach unten verdrängt, bis zu 4 
Querfingerbreit unter dem Rippenbogen. Das Herz nach links um 
einen Querfingerbreit verdrängt. Grosse Athemnoth. Puls 120, 
T. 39,6. Oedem der unteren Extremitäten. Operation am 15. Oc- 
tober. Resection der V. Rippe. Entleerung einer grossen Quanti¬ 
tät Eiters. Ausspülung mit Sublimat 1: 2000. Ungestörter, fieber¬ 
loser Verlauf. 12. November der Gesellschaft mit einer granuli- 
renden Wunde vorgestellt. 

5) Pat. 23 a. n. Rechtsseitiges Exsudat, vorne von der 4. Rippe, 
hinten von der Scapula beginnend. Die Leber ragt 2 Querfinger¬ 
breit unter dem Rippenbogen hervor. Pat. ist sehr elend, starke 
Dyspnoe. Die Prohepunction hat jauchigen Eiter ergeben. 

15. October Operation. Schnitt in der rechten Axillarlinie. Re¬ 
section der V. Rippe. Entleerung einer Menge sehr übel riechenden 
Eiters. Ausspülung vermittelst 3 Irigatoren voll einer Sublimat¬ 
lösung 1: 2000. Dickes Drain. Verband. 

3 Stunden nach der Operation blutiger Durchfall mit Tenesmeu. 
Ord.: Amylumkly8tier und Opium. Am nächsten Tage noch ein 
blutiger Stuhl und dann normale Ausleerung. Temperaturen sofort 
normal. Ganz reactionsloser Verlauf. Pat. wird mit geheilter 
Wunde vor gestellt. Das Aussehen und der Kräftezustand des Pat. 
gut. 

2. Dr. ehern. Poe hl (Gast) spricht über die Antiseptik und 
Asepsis in der pharmaceutischen Technik und weist daraufhin, 
dass diese Frage bisher noch viel zu wenig berücksichtigt worden, 
namentlich bei Herstellung von Lösungen zu subcutanen Injectionen, 
die filtrirt werden müssen (nach der gesetzlichen Vorschrift), das 
Filtrirpapier enthalte gewöhnlich Bacterien, die dann mit in die 
Lösung übergehen können. Zur Abhülfe dieses Uebelstandes em¬ 
pfiehlt P. die betreffenden Alcaloide (wie Morphium, Apomorphin 
etc.) in Form kleiner «Grannies» fertig dosirt zu halten, die dann 
unmittelbar vör dem Gebrauch einfach gelöst werden. 

Zum ächluss demonstrirt Dr. ehern. P oeh 1 eine reiche Sammlung 
von ihm hergestellter Mikro-Photogramme verschiedener Droguen, 
Harncylinder, Blut, Eiter etc. und zeigt einen Apparat zur Demon¬ 
stration von Lichtbildern (nach Art der Laterna magica), mit dem er 
eine Reihe von Versuchen anstellte. 

Sitzung am 26. November 1885. 

1. Dr. Barthel verli&t eine Arbeit Über Behandlung der 
croupösen Pneumonie mit Einreibungen grauer Salbe. Verf. 
hat diese Behandlungsmethode, gemeinsam mit Dr. M o r i t z, seit 
längerer Zeit)im Obuchowshospitai mit entschieden günstigem Erfolge 
angewandt. 

Die Arbeit ist in H 1 der «Pbg. med. W.» abgedruckt. 

% Dr. A n d e r s hält einen längeren Vortrag über die Behand¬ 
lung der Spondylitis mix Sayre'schen Corsets. Nach Darlegung 
der anatomischen Verhältnisse theilt A. die Ergebnisse seiner ex¬ 
perimentellen Studien und Messungen mit, die er in grosser Zahl 
angestellt und in einer Reihe äusserst instructiver Zeichnungen 
graphisch dargestellt hat. Seine Beobachtungen beruhen auf 38 
Fällen von Spondylitis bei Kindern und spricht er sich entschieden für 
die S a y r e ’sche Behandlungsmethode aus, stimmt jedoch bezüglich 
des orthopädischen Effectes nicht mit den Ansichten der bisherigen 
Forscher überein, eine essentielle Verlängerung der Wirbelsäule wird 
durch den Schwebehang nicht erzielt, wohl aber eine bessere Haltung. 


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Der Vortrag ist zum Druck bestimmt. 

Dr. T i 1 i n g weist darauf hin, dass verschiedene Forscher sich 
gegen die Say re’sche Methode, dem Patienten ff ei hängend das Cor- 
set anzulegen ausgesprochen haben nnd andere Methoden Vorschlä¬ 
gen. So gypse Czerny seine Patienten in halb sitzender Stellung 
ein, Maas dagegen gebe ihnen zu diesem Zwecke eine horizontale 
Lage, und richtet Dr. TilinganA. die Frage, welche der ange¬ 
führten Lagen als die zweckentsprechende anzusehen sei. 

Dr. A n d e r 8 ist der Ansicht, dass ein absolutes Schweben der 
einzugypsenden Pat. nicht praktisch sei, weil, wie dieses ja auch 
Czerny betont, eine zu starke Lordose entstehe und den willkür¬ 
lichen Bewegungen zu viel Spielraum gegeben wird. Er lasse die 
Pat. derartig hängen, dass sie mit den Fussspitzen noch Fühlung 
mit dem Fussboden haben, sich also gerade noch'etwas stützen 
können. Uebrigens können die anderen angeführten Methoden auch 
benutzbar sein und müsse man bei ihrer Verwendung möglichst in- 
dividualisiren. 


3. Dr. Moritz: Vor Kurzem habe ich Gelegenheit gehabt ein 
Auscultationsphdnomen a m Herzen 3 Tage lang zu beobachten, 
welches mir bisher trotz einer sehr grossen Anzahl von Herzkranken, 
die ich während 8 Jahren im Obuchow-Hospitale beherbergt und alle 
mindestens. einmal auscultirt habe, noch nicht vorgekommen ist. 
Sie wissen ja alle m. H., dass es eine Anzahl auscultatorischer Phäno¬ 
mene giebt, deren Entstehung eine gemischte ist, zu deren Zustande¬ 
kommen sowohl Herz als Lungen Zusammenwirken. Es sind das 
sogenannte Herz-Lungen-Geräusche oder Lungen-Herz-Geräusche, 
deren es verschiedene giebt. Dasjenige auf welches ich heute Ihre 
Aufmerksamkeit lenken machte, ist ein respiratorischer pericar - 
duUer Affrictns . Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein pericardiales 
Reibungsgeräusch bei gewissen Respirationsphasen deutlicher wird, 
sich verändert, event.. sogar nur in einem bestimmten Respirations¬ 
moment bOrbar ist. Dieses ist immerhin ein pulsatorisches Geräusch, 
welches im Rhytmns der Herzcontraction sich vollzieht — was ich 
meine, ist jedoch ein Reibungsgeräusch, welches gerade wiedas 
pleuritische der Respiration folgt, jedoch im Pericaidialsack entsteht. 

Der Fa.ll , bei welchem ich es beobachtet, ist kurz folgender. 

Der 20 jährige Lithograph E. Unruh wurde am 20. Oct. im Deut¬ 
schen Al ex.-Hospitale aufgenommen. Derselbe bat vor 2 Jahren 
einen 2 wöchentlichen Rheumatismus gehabt; jetzt war er nach einer 
heftigen Erkältung vor 8 Tagen mit heftigen Geienkschmersen 
erkrankt. 

Bei dex Aufnahme fanden ‘sich fast alle grossen Gelenke schmerz¬ 
haft, erheblich geschwellt, die Haut über denselben geröthet, ge- 
spannt Lungen gesund, Herzdämpfnng nicht vergrössert, reicht 
vom 1. Sternalrand bis zur Stelle des Spitzenstosses (Parasternallinie, 
41. C. R.) Töne an der Spitze etwas dumpf, jedoch nirgends Ge- 
räu8che. Temp. 39,5 P., 100 voll, gespannt. Ord. Na Ir. salicyl. 
A. Ti 39,5. 

21. Oct. Trotz starker Sch weise* Wirkung keine snbject. Lin* 
derung, Pat. klagt über Schmerz unterm Sternnm. M. T. 38,5» 
A. T. 39,5. 


22. Oct. Kurzathmigkeit. Heftige Schmerzen in der Herzgegend, 
die sich bei jedem tiefen Athemzug steigern, ebenso bei jeder Be- 
wegung, dieselben sind bisweilen schiessend, stechend. Zugleich 
und die Schmerzen in allen Gelenken heftig ; starke Schwellung und 
Röthung. Es erweist sich nun bedeutende Vergrösserung der Herz- 
dämpfung. Dieselbe überschreitet nach rechts den rechten Sternal¬ 
rand, nach links erreicht sie fast die Mamillarlinie, nach oben 
erstreckt sie sich längs d. linken Sternalrand bis zum 2. Intercostal- 
raum. Ueber allen Ostien hört man blasende Geräusche, zum Theil 
leben dumpfen schwachen Tönen. Ausserdem findet sich ein überall 
verbreitetes schabendes Geräusch, dass sich der aufgelegten Hand als 
Fremissement kund giebt. Dasselbe ist auf der Mitte des Sternum 
ai ? Esiist also Endo- und Pericarditis aufgetreten, letztere 

d 1 ^ sowohl als mit fibrinösen Auflagerungen, 

Umg 10 mTA^T 39 5 1, Antipyrin nnd Hydropath. Behänd- 

, j Brustschmerz sistirt, Gelenke abgeschwellt bis auf die 

beiden Handgelenke. Puls 92, rhythmisch, voll. Auf dem Sternum 
lautes pencardiales Reibungsgeräusch; der 2. Aorten ton unrein, an 
der Mitralis 2 dumpfe, unreine Töne. Geringe Abnahme der Herz¬ 
dämpfung, reicht nur bis zur 3. Rippe hinauf. M. T, 37,8, A. T. 38,8, 
24. und 25. Oct. Schmerz beim Athmen unterm Sternum, auch 

» überhaupt unten in der Brust. — H. U. beiderseits relative Däm- 
undBronchial-Athmen, Consonanz der Stimme, besonders links 
-nauf zum Scapular-Winkel, links auch einige feinblasige Ge¬ 
räusche, kein Affrictns. Dieser Lnngenbefund wird gedeutet auf 
geringen Hydrothorax, Compression und Hyperämie der Lunge i. e. 
nypostase. Hustet gar nicht. Die Herzdämpfung hat ihre grösste 
Ausdehnung, reicht rechts auf der 5. Rippe 1 bis 2 Fingerbreit übers 
t6*num hinaus, nach oben zum obern Rande des 3. Rippenansatzes, 
nach links bis zur Mamillarlinie 5 I. C. R.- Ord.: Antipyrin uni 
Hydrotherapie. T. 37,8—38 5. 

i 1 k 26 T 2ö ‘ Erscheinungen werden rückgängig, die Herz- 

ämpfiia| yerklmnert sich allerseits, das'pericardiale Schaben ist 
i. V* eiu Sternum laut , am stärksten entsprechend der 3. Rippe, nach 
za .^ird es schwächer, der erste Mitralton bleibt unrein, mit 
nem leichten Sausen. Die Gelenkschmerzen lassen erheblich nach. 


Die Lnngenhypostasen dauern fort ohne subjective Beschwerden, kein 
Husten. T. sinkt auf 37,0—37,5. 

30. Oct. Man hört heute während des Inspiriums ein mässiges 
sehr deutliches, ruckweises Reiben, welches ganz wie pleuritischer 
Affrictns klingt, —jedoch nur auf der Linie der untern Herz- 
grenze , vom Spitzenstossim4. /. f. B. an dis zum linken Stemdl - 
i rand hörbar ist. Nach links zu fehlt es, nach rechts oben schliesst 
sich daran das heute bereits viel schwächere, aber immer noch sehr 
präcise pericardiale pülsatorische Reibungsgeräusch. 

Bei den vorhandenen Lungenhypostasen und der supponirten 
Flüssigkeitsaneammlnng in beiden Pleura-Säcken glaubte ich im 
| ersten Moment diesen neuen Affrictns als pleuritischen auffassen zu 
| müssen, doch widersprach dieser Annahme die circumscripte Locali- 
sation auf dem Herzen. Es bleibt also nur möglich die Erscheinung 
1 so zu erklären, dass die inspiratorische Ausdehnung des Thorax eine 
I derartige Verschiebung der rauhen Pericardialblätter gegeneinander 
| bewirkte, dass obiges Geräusch mit jedem Inspirium entstand. Nach 
der circum8cripten Localisation an der untern Herzgrenze wäre es 
sehr plausibel anzunehmen, dass die Reibung an dem dem Diaphragma 
aufliegenden Theile des Herzbeutels entstand. 

| 31. Oct. — 14. Nov. Die eben beschriebene Erscheinung war 

I noch 2 Tage in abnehmender Stärke zu constatiren, dann schwand 
sie. Das pülsatorische Reibungsgeräusch dauerte länger, allmälig 
nachlassend. Die Lungenhypostasen schwanden gleichfalls allmälig 
ohne Husten, ohne Expectoration. 

Bei Entlassung des Kranken am 14. Nov. War nur noch ein dum¬ 
pfer, gedehnter erster Mitralton als einzige Abnormität zu consta- 
tiren, sonst völlig normale Verhältnisse und vortreffliches Allge¬ 
meinbefinden. 

| Im vorliegenden Fall entwickelte sich unter unsern Augen eine 
j unzweifelhafte, ganz schulgerechte Pericarditis, der wir Tag für 
I Tag folgen konnten, — es bestand das charakteristische Pericardial- 
| Reiben und neben demselben stellte sich dito respiratorischer Affrictns 
1 an einer Stelle ein, wo er nicht gut anders, als auf das rauhe Peri¬ 
card zu beziehen war. — Dass so etwas Vorkommen kann , ist ja 
wohl kaum zu bezweifeln, — der berichtete Fall soll nur constatiren, 
dass es tbatsächlich vorgekommen ist. 

Discussion: 

Dr. W u 1 ff meint, diese Erscheinung liesse sich vielleicht in eine 
Reihe stellen mit der systolischen Einziehung nach abgelaufener 
adhaesiver Pericarditis und erkläre sich durch Verwachsung zwi¬ 
schen Herz und Pericard, wobei die Basis des Herzens fixirt sei und 
ein intrathoracischer Druck stattfinde, wobei die Lingula das resp. 
Geräusch bedinge. 

Dr. Moritz will dieses auch für möglich halten, im gegebenen 
Falle liess sich jedoch eine Verwachsung der Pericardial-Blätter 
nicht annehmen und ist er eher für einen weit nach rechts vorra¬ 
genden Pleuraraum, wie er dieses oft bei Sectionen gefunden. 

Dr. Kernig erinnert sich eines Falles von Fiüssigkeitsan- 
sammlung in der rechten Thoraxhälfte, wo ihm vor der Punction 
R. V. U. ein deutliches pleuritisches Reiben auffiel, welches auch 
nach der Punction fortdauerte und nicht zwischen Pleura costaliS 
und pulmonalis, sondern zwischen Pleura costalis nnd Pleura dia- 
phragmatica entstanden war. 

Auf die Frage Dr. Selenkow’s, woher in dem vorliegenden 
Falle nicht Salicylsäure, sondern Antipyrin verordnet worden sei, 
antwortet Dr. Moritz, dass er seit c. 1 Jahr Gelenkrheumatismus 
mit Antipyrin, combinirt mit Hydrotherapie (EinWicklungen und Ab¬ 
reibungen) mit Erfolg behandele und namentlich in denjenigen 
Fällen, wo Salicylsäure nicht vertragen würde oder nicht wirke, 
entschieden das A. zu empfehlen sei, welches nur des hohen Preises 
wegen nicht öfter zur Anwendung gelange. 

Dr. K e r n i g hat ebenfalls in einem Falle von schwerem Gelenk¬ 
rheumatismus, wo Salicylsäure nicht vertragen wurde, mit sehr 
gutem Erfolg Antipyrin verordnet und macht auf die eigentüm¬ 
liche Thatsache aufmerksam, dass Antipyrin beim Gelenkrheuma¬ 
tismus gamicbt so stark Temperaturherabsetzend wirke, wie bei 
anderen fieberhaften Erkrankungen, wohl aber treten deutliche Re¬ 
missionen der 8chmerzen und collossaler Schweiss(nach 4—5 Grm.) ein. 

Dr. Moritz kann die K e r n i g 1 scüe Beobachtung ebenfalls 
bestätigen. Dosen von 4 Grm. setzten das Fieber höchstens um 
o. 1-J- 0 herab. 

Secretair: Dr. 0. Pe te rs en. 


I. Congress russischer Aerzte. 

Medicinisch-sociologische Section' 

III. 30. December. Präsident Prof. Sklifossowski. 

1) Dr. Or 1 o w; «Ueber die Frage den Landschaften ff eizustellen, 
Apotheken mit öffentlichem Ablass von Arzneien zu eröffnen». 

Da die Landschaften (sencTBa) in Bezug auf das Volkswohl an 
Stelle der früheren Collegien der allgemeinen Fürsorge getreten sind, 
so seien auch die Rechte der letzteren hinsichtlich der Eröffnungen 
von Apotheken auf erstere zu übertragen und bittet Ref. den Con¬ 
gress durch den Medicinairath bei der Regierung zu petitioniren, 
dass den Landschaften dieselben Rechte wie den früheren Collegien 
eingeräumt werden sollen. 

Die ziemlich langathmige Discussion förderte nur die bekannten 
Ansichten zu Tage, welche seit Jahren in der Apothekenfrage ge- 
äussert worden sind, ein Theil der Redner war für das Monopol der 


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Apotheken, der grössere aber dagegen, eine scharfeFormrtlirnng der 
Frage kam aber nicht za Stande. Hinsichtlich der Landschaft wurde 
die Frage des Präsidenten: hält es die Versammlung für nothwen- 
dig, wegen des Hechtes der Landschaften, Apotheken zu eröffnen, 
Schritte zu thun ? mit sehr grosser Majorität bejaht. 

2) Dr. U w a r o w (M.): «Ueber die Bedeutung der durch die weib¬ 
lichen Aerzte der Landbevölkerung erwiesene medicinische Hülfe». 

In Anbetracht der wesentlichen Dienste, welche die weiblichen 
Aerzte bis zum heutigen Tage den Kranken, besonders unter der 
Landbevölkerung geleistet, schlägt Ref. vor: 

1) zu constatiren, dass ein Bedürfnis nach einer, der Noth in 
der Landbevölkerung Russlands entsprechenden Anzahl weiblicher 
Aerzte vorhanden und dass in Folge dessen ein Weiterbestehen der 
medicinischen Frauencurse durchaus nothwendig sei. 

2) die Möglichkeit einer Gleichstellung der Rechte der weiblichen 
Aerzte mit denen der Aerzte im Allgemeinen zu constatiren. 

Der Präsident richtete, da sich Niemand zur Discns&ion’meldete, fol¬ 
gende Fragen an die Versammlung 1) über die Nothwendigkeit weib¬ 
licher Aerzte, 2) über die Wiederherstellung der medicinischenFrauen- 
curse und 3) über Erweiterung der Rechte für solche, die die Curse 
di ich gemacht haben, welche alle einstimmig bejaht wurden. 

Dr. Pogoshew referirie über die Beschlüsse zweier Commis¬ 
sionen, welche über 1) die Mittheilungen yon Prof. Tauber und 
Dr. bkrebitzky und 2) über den Brief der Aerzte in Tomsk (cf. 
Berthen8on)zu berathen hatten. 

1) Der Vorschlag Prof. Tanber’s hinsichtlich der fliegenden 
Detachements soll bis zum künftigen 2. Congress ad acta gelegt wer¬ 
den, die Frage soll bis dahin von den örtlichen medicinischen Ver¬ 
einen, den Gouvernementsärzteversammlungen und Kreismedicinal- 
räthen bearbeitet werden. 

2) Die Commission fand eB für sehr zweckentsprechend, wenn in 
den nächsten Sommerferien Ezcursionen solcher fliegender, von 
Chirurgen und Ophthalmologen geleiteter Detachements namentlich 
in solche Gegenden gemacht werden, deren landschaftliche Verwal¬ 
tungsbehörden Unterstützungen Zusagen. 

3) In Hinsicht einer Verstärkung medicinischer Kräfte im Süden 
Russlands möge der Congress bei der Regierung um möglichst rasche 
Einrichtung einer medicinischen Facnltät in Odessa bitten. 

4) Vereinigung der städtischen Hospitäler mit den Universitäts¬ 
kliniken in Anbetracht des Mangels an Material für den Unterricht. 

5) Sehr nothwendig ist es, allen Landschaften die Absendung ihrer 
Aerzte auf 2—3 Monate in die Kliniken und andere medicinische 
Lehranstalten behufs Vervollkommnung in der praktischen Ans¬ 
übung der medicinischen Fächer zu empfehlen. 

6) Der Beschluss der Commission in Bezug auf die von Dr. S k r e - 
bitzkv angeregte äusserst wichtige Frage, cf. dessen Vortrag 
in Jä 4 der Wochenschrift. 

Hinsichtlich der von den Tomsker Aerzten aufgeworfenen Frage 
wegen der Wechselbeziehungen zwischen Publicum und Aerzten und 
dieser letzteren unter einander wurde beschlossen, bis znm nächsten 
Congresse zu warten, weil zu einer eingehenden Berathung die Zeit 
mangelte. 

Dr. Pogoflhew versprach als freiwilliger Referent der Com¬ 
mission ein Programm Über die Fondamentalfragen des ärztlichen 
Lebens auszuarbeiten und in «Medizinskoje Obosrenie*,«Wratsch»und 
einigen anderen medicinischen Zeitschriften zu veröffentlichen; er 
bittet in der Folge ihm Bemerkungen und dergl. zu diesem Pro¬ 
gramme in die Redaction der «Medizinskoie Obosrenje» zu schicken. 

3)Dr. P e t e r s e n (St. P.) «Die gegenwärtige Lage des ärztlichen 
Standes in England, Belgien, Frankreich und Deutschland. Rechts¬ 
schutzvereine im Westen Europa's». Die von Dr. Ce c i 11 y 1880 in 
Frankreich gegründeten ärztlichen Syndicate haben sich im Ver¬ 
laufe von 4 Jahren auf 120 vermehrt, in verschiedenen deutschen 
Städten bestehen schon seit 16 Jahren ärztliche Rechtsscbutzvereine, 
deren Zweck in Wahrung der Interessen ihrer Mitglieder und Re¬ 
gelung der Beziehungen zwischen Aerzten und Pnblicum besteht, 
bei Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern entscheidet ein Ehren¬ 
gericht. Ref. schlägt zum Schlüsse seiner Rede auch in Russland 
ähnliche Vereine zu gründen vor, welche Anfangs sich nur mit 
Wahrung der materiellen Interessen ihrer Mitglieder beschäftigen 
sollen, während Ehrengerichte erst bei Erstarkung der Vereine ein¬ 
geführt werden sollen. 

Dr. Ebermann schlägt vor, diese wichtige Frage auf dem 
nächsten Congresse eingehend zu behandeln. 

Dr. Katz opponirt gegen die gerichtliche Einforderung, weil 
eine solche nur Arme treffen würde; man könne wohl bei den Deut¬ 
schen (in Wien nach Dr. Katz!) wohl Medicin, aber nicht von den 
Patienten Geld einzufordern lernen. DDr. Eber mann und S a - 
w e 1 j e w wiesen auf die falsche Auffassung des ärztlichen Standes 
von Seiten des Vorredners hin, kein Arzt wird von einem Armen 
Geld einfordern. 

S Dr. 0 r 1 o w: «Ueber das Project des Statuts für Civilhospitäler». 
is alte Statut, das 1851 versuchsweise auf 3 Jahre eingeführt 
und bis jetzt unverändert bestanden hat, entspricht schon lange nicht 
mehr den Anforderungen der Neuzeit und müsste folgendermaassen 
abgeändert werden. 

1. Die Errichtung von Civilhospitälern liegt vollständig in der 
Competenz der Städte oder Landschaften, welche dabei ihre Interes¬ 
sen zu wahren haben. 

2. Die Hospitäler werden von Aerzten verwaltet, ihre Thätigkeit 


durch die Gouvernementsmedicinalinspectoren regierungsseitlic. 
controlirt. Die Hospitäler haben specialis tische und gesonderte Ab¬ 
theilungen für ansteckende Krankheiten und sollen eine gewisse 
Anzahl Frei betten besitzen, auch müssen bei ihnen Ambulatorien 
errichtet werden. 

Section für Ophthalmologie. 

28. December. Präsident Dr. Maklakow (M.) 

2)Ernroth (Aerztin). Demonstration makro- und mikrosko¬ 
pischer Augenpräparate — Technik der Untersuchung solcher Prä¬ 
parate. 

Eine ganze Reihe bösartiger Neubildungen, eine Menge schöner 
Präparate von Glaukom, einigen Fällen von ^Traumen, viele Ent¬ 
zündungen, darunter seltene Fälle von Frühlingscatarrben. Die 
Technik dieser, bei Prof. K1 e b s angefertigten Präparate bestand 
in Folgendem: Der leicht eingeschnittene Augapfel wird in M ü 1- 
1 e r’sche Flüssigkeit, welcher Campher zugesetzt ist, auf 6 Wochen 
eingelegt, nach gehöriger Erhärtung während 3 Tage in Wasser 
ausgewaschen und in 80% Spiritus gelegt, letzterer wird allmälig 
bis zu absolutem verstärkt und dann das Präparat erst in eine 
Mischung von Aether und Spiritus und dann in Cellndin eingelegt, 
welches in ätherhaltigen Alcohol bis zu Honigconsistenz aufgelöst, 
den Augapfel binnen 2 Wochen in sich aufnimmt; das Gefäss muss 
mit einem Glassstöpsel verschlossen sein 1 damit das Cellndin nicht 
steif werde, dann wird das Präparat in ein offenes Gefäss gelegt, iu 
welchem das Celludin in 1—3 Tagen fest wird ; das Präparat wird 
endlich in nicht allzu starken Spiritus eingelegt. Der haJbirte Bul¬ 
bus wird auf einen Kork geklebt und mit einem Mikrotom ge¬ 
schnitten, die Schnitte werden mit Bergamottöl aufgehellt, weil 
dieses allein das Celludin nicht auflöst. 

2) Prof. W o 1 f f r i n g (Warschau). Demonstration von patho¬ 
logisch-anatomischen Präparaten von acuten infectiösen Catarrhen 
der Bindehaut. Bei der Beschreibung des klinischen Bildes hob 
er die Schwellung der Uebergangsfalte hervor und sucht die Haupt¬ 
ursache bei diesem Processe in Anschwellung der acino-tubulösen 
Drüsen und ihrer Umgebung, was er durch ein mikroskopisches 
Präparat illustrirte. Dann demonstrirte W. mit einem binoculären 
Mikroskope stereoskopische Bilder vom Angenhintergrunde, wobei 
Arterien und Venen mit verschieden gefärbten Flüssigkeiten injicirt 
waren. Schliesslich zeigte er Präparate, welche einen unmittel¬ 
baren Zusammenhang der Lidarterien mit den vordem Ciliararte¬ 
rien bewiesen. — An der lebhaften Discussion über den infectiösen 
Conjunctivalcatarrh betheiligten sich die DDr. Chodin, Makla¬ 
kow, Magawly; Wolffring behauptete, dass das Secret 
der Bindehaut von dem Augenblicke, wenn die Uebergangsfalte an¬ 
zuschwellen fängt, ansteckend wird. 

3) Maklakow (M.) «Ueber Ophthalmotonometrie». 

Demonstration seines Apparates (eine convexe, mit blauer Farbe 

bestrichne Halbkugel wird auf die Hornhaut gedrückt, dann die 
Halbkugel auf Papier gestellt; die Grösse des nicht gefärbten 
inneren Theils des dabei entstehenden blauen Flecks giebt einen 
Maassstab für die Tension des Augapfels) und vieler Abdrücke und 
Tabellen, in welchen, nach Untersuchung von 1150 Augen, in 
Millimetern, die mittlere Grösse der Oberfläche des gedrückten Aug¬ 
apfels in normalen und krankhaften Zuständen angegeben war. 

4) Maklakow, vorläufige Mitteilung über sclerocorneale 
Iridectomie bei Glaukom ; der Vorzug dieser Methode soll in einer 
leichtem Bildung der Filtrationmarbe und einer grössem Bestän¬ 
digkeit der Herabsetzung des intraoculären Druckes bestehen. 

Die Discussion über M.’s Ophthalmotonometer (Chodin, Ma¬ 
gawly, Dohnberg, Skrebitzky u. a.) ergab als Resultat, 
dass dasselbe keine mathematisch genauen Daten gebe und desshaib 
nur zu praktischen Zwecken tauge; die von M. vorgeschlagene 
Modifikation der Iridectomie fordere weitere Versuche, wobei die 
Hauptaufgabe in einer Beschränkung der Ausdehnung der cystözen 
Narbe bestehe. 

5) Dr. Tichom iro w (St. P.): «Ueber den Charakter der 
Augenerkrankungen in den Regimentern des 8t. Petersburger Mili¬ 
tärbezirks.» 

1884 gab es 11,63% Augenkranke unter den Soldaten des St. P. 
Militärbezirks, von denen 7,82% ambulatorisch, 3,81% stationär 
behandelt wurden; in der Garde waren 9,04%, in der Armee 13,85%, 
nach Ausschluss der ambulanten Kranken ist das Verhältniss 2,76% 
und 4,75%. Aus der Zahl der Genesenen erblindeten 7 auf einem 
(0,8% aller Augenkranken) und 2 auf beiden Augen (0,23%); die 
Ursache der Erblindung auf einem Auge war je 1 Mal — eitrige 
Keratitis, eitrige Iritis, Pannus, intraoculäre traumatische Blu¬ 
tung, Retinitis, Glaskörpertrübung und Atrophia bulbi in Folge wie¬ 
derholter Iridocyclitis, und auf beiden Augen — Sehnervenatrophie 
und Blennorrhoe. Am meisten waren CoDjunctivalerkrankdngen 
gesehen worden; das Trachom variirt zwischen 2,5-8%, in der 
Armee bis zu 25,5 %, am stärksten war es in der 25. Division. 
Nicht allein die Bedingungen des Kasernenlebens begünstigen die 
Entwickelung des Trachoms, sondern wird dieses durch die Neuein- 
berufenen in die Kasernen eingeschleppt. Hinsichtlich der Frequenz 
folgen dann die Affectionen der Hornhaut (23,8 %), der Iris und Cho- 
rioidea (5,0%), Retina und Opticus (2,4%). Unter den in Ishora 
cantonirenden Genietruppen herrschte Hemeralopie sehr stark 
(6,9 %), wessbalb blieb unbekannt. 


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Za Ende der Sitzang warde der Beschluss zur Bildung einer 
russischen ophthalmolo gischen Gesellschaft gefasst, deren Statut 
zum nächsten Congress ausgearbeitet werden sollte. Zu den Stif¬ 
tern der Gesellschaft gehören: DDr. Magawly, Wolffring, 
Cbodin, Weyer t, Makla ko w, Ernroth.F. Schröder, 
Tichomirow, Dohnberg, Drushinin, F. Ku bly, Ger¬ 
man n, Med wedj ew, Potecbin,Lawrentjew, 0. Lange. 

Hz. 


Vermischtes. 

— Eine russische 8 yphüidologische und dermatologische Ge’ 
sellschafl hat sich im vergangenen Herbste in St. Petersburg ge* 
bildet, nachdem die Statuten am 9. August 1885 officiell bestätig 1 
worden. 

Wir begrüssen diese neue Gesellschaft von Fachcollegen mit Freu¬ 
den, denn gerade in genannter Specialität ist es mehr denn sonst 
nöthig, dass sich die Fachcollegen zusammen thun, um ein Bollwerk 
gegen die sich in den Tages blättern dem Publikum anpreisenden 
«Specialärzte» (deren Specialkenntnisse oft gerade nicht von Weitem 
her sind) zu bilden. In erster Reihe verfolgt die neue Gesellschaft 
natürlich wissenschaftliche Bestrebungen, doch wird bei der Auf¬ 
nahme von Mitgliedern stets streng darauf gesehen werden, dass 
dem Vereine keine unlauteren Elemente zugeführt werden. 

Zum Präsidenten ist der Gründer der Gesellschaft, Prof. B.Tar- 
now8ki, zum Vice-Präsidenten Prof. Polotebnow, zu Secre- 
tairen DDr. M aj e w und Ts cbis t jako w gewählt. 

Nachdem anf der Sitzung vom 2. Nov. beschlossen, alle an den 
einschlägigen Special-Abtheilungen unserer Hospitäler thätigen 
Collegen zu Mitgliedern aafzufor dem, desgleichen die bekanntesten 
Fachcollegeu anderer russischen Städte, ist die Reihe der Gründer 
geschlossen und werden von n u n an nur durch Ballotement weitere 
Mitglieder recipirt. 

Seit dem 14. December finden nunmehr die Sitzungen der Gesell¬ 
schaft im Locale des «Rothen Kreuzes» statt und haben die bisheri¬ 
gen Vereinsabende bereits gezeigt, dass es dem jungen Vereine 
nicht an zahlreichen Gliedern fehlt, die reiches wissenschaftliches 
Material darbringen. 

So stellte am 30. Nov. Dr. Tschistjakow dem Vereine einen 
Pat. mit Sitz der Initialsklerose an der rechten Tonsille vor. 
Ein anderer College zeigte einen Pat., dem in Folge eines Bisses 
durch eine Paella publica sich ein Ulcus induratum am 3. Finger 
der linken Hand gebildet. Dr. Herzenstein verlas eine äus- 
serst interessante kritische Studie über die im vergangenen Jahre 
vom liedicinalrathe projectirten Maassregeln gegen Ausbreitung 
der venerischen Leiden. 

Auf der Sitzung vom 14. Dec . theilte ein Assistent vou Prof, 
Polotebnow 2 Fälle von Pemphigus mit. Aerztin Elzin 
sprach über die Controle der Prostitution auf dem Jahrmarkt in 
Nishni und Dr. Petersen hielt einen Vortrag über extragenitale 
8yphiHsinf ection nebst 1 Fall von Tonsülars chanker. 

Auf der Sitzung vom 21. Dec . wurde das Gesuch einer Landver¬ 
waltung, ein Programm für eine Concurrenzausschreibung einer 
populären Brochüre über Syphüis % discutirt und schliesslich Prof. 
Gay in Kasan gebeten, das Programm auszuarbeiten. Ferner 
wurde beschlossen Auszüge aus den Protokollen im «Wratsch» und 
der «Pbg. med. Wochenschrift» zu veröffentlichen. In bereits her¬ 
vorragender Weise hat sich die junge Gesellschaft bei der Organi¬ 
sation der syphilidologischen Section auf dem I. Congresse russischer 
Aerzte bethätigt. 

Wir wünschen der neuen Gesellschaft das beste Gedeihen, welches 
auch schon durch die bewährte Tüchtigkeit und das parlamentari¬ 
sche Talent ihres Präsidenten für die nächste Zukunft sicher gestellt. 
Zum Schluss sei noch als besonders erfreulich hervorzuheben, dass 
sich die Gesellschaft sofort derartig gestellt hat, dass jegliche «na¬ 
tionale Einseitigkeit» ausgeschlossen ist. P. 

— Die Dorpater Universität erhielt bekanntlich seit einer Reibe 
von Jahren Leichen aus einigen Hospitälern St. Petersburg^. Die¬ 
ses Recht wurde ihr seit einiger Zeit durch die hiesige militär- 
medicinische Academie streitig gemacht und war die Sache bereits 
cur Entscheidung des Minister-Comitö’s gelangt. Wie der < Wratsch» 
nun zu berichten weiss, ist verfügt worden, dass künftighin alle 
Leichname aus den St. Petersburger Hospitälern und Gefängnissen 
nur der militär-medicinischen Academie zugestellt werden sollen. 
Dem Ministerder Volksaufklärung ist es aber anheimgestellt, Maass¬ 
regeln zur Vergrösserung des Rayons, aus welchem Leichen nach 
Dorpat geschickt werden könnten, zu ergreifen. Nur im laufenden 
Jahre soll die dörptsche Universität noch soviel Leichen erhalten, 
als die Academie es für möglich erachtet, ihr abzutreten. 

Die medicinische Facultät in Dorpat ist durch diese Entscheidung 
in eine schwierige Lage versetzt, da bei der grossen und mit jedem 
Semester immer grösser werdenden Zahl der Medicinstudirenden die 
aus den Ostseeprovinzen und der Stadt Pleskau zu beschaffenden 
Leichen unmöglich für den so wichtigen praktischen Unterricht in 
der Anatomie und Chirurgie genügen können. 

— Der Professor an der St. Petersburger Entbindungsanstalt, 
Dr. E. B i d d e r, ist cum wirklichen Staatsrath befördert worden. 

— Verstorben : 1) In Wien der Privatdocent Dr. Theodor 
PI ei sc hl, ehemaliger Assistent Prof. Oppolzer’s, im 59. 


Lebensjahre. 2) Der Oberarzt des Donez’schen Bezirkshospitals 
A. Z y g a n k o w im 35. Lebensjahre an der Schwindsucht. 3) ' In 
Poltawa der dortige Kreisarzt N. L i m a r ö w. — Sowohl Zygan- 
k o w, als auch L i m a r 6 w haben ihre Familie ohne jegliche Exis¬ 
tenzmittel hinterlassen, ungeachtet dessen, dass der Erctere eine 
ausgebreitete Praxis hatte und bis in die letzten Tage seines Lebens 
thätig war. Für L i m a r ö w mussten sogar die Beerdigungs¬ 
kosten durch eine Collecte beschafft werden. (Wr.) 

— Der bekannte russische Bacteriologe, Prof. Zenkowski in 
Charkow, ist anlässlich seines 35jährigen Jubiläums von der hiesi¬ 
gen militär-medicinischen Academie zum EhrenmUgliede gewählt 
worden. 

— In Perejasslawl (Gouv. Poltawa) ist der Hebräer Sribny in 

dem hohen Alter von 117 Jahren gestorben. Derselbe erfreute 
sich bis in seine letzten Tage hinein einer seltenen Rüstigkeit, Ge- 
dächtniss- und Geistesfrische; noch im vorigen Jahre hatte der Ver¬ 
storbene die Absicht gehabt, die neunte Ehe einzugehen. Sein ältester 
noch lebender Sohn zählt bereits 82 Jahre, soll aber nicht so rüstig 
sein, wie der Vater es war. (Kiew(janin — Wr.) 

— Der V. Congress für innere Medicin findet vom 14. bis 17. 
April 1886 zu Wiesbaden statt unter dem Präsidium des Herrn 
Geheimrath Leyden (Berlin). Folgende Themata sollen zur 
Verhandlung kommen : Am ersten Sitznngstage, Mittwoch den 14. 
April: Ueber die Pathologie und Therapie des Diabetes melitus. 
Referenten: Herr S tok vis (Amsterdam) und Herr Hoffmann 
(Dorpat). Am zweiten Sitzungstage, Donnerstag den 15. April: 
Ueber operative Behandlung der Pleuraexsudate. Referenten: Herr 
0. Fräntzel (Berlin) uud Herr W e b e r (Halle). Am dritten 
Sitzungstage, Freitag den 16. April: Ueber die Therapie der Syphi¬ 
lis. Referenten: Herr Kaposi (Wieu) und Herr Ne iss er 
(Breslau). Nachstehende Vorträge sind bereits angemeldet: Herr 
Thomas (Freiburg): Ueber Körperwägungen. Herr R i e s s 
(Berlin): Aus dem Gebiete der Antipyrese. Herr B r i e g e r (Ber¬ 
lin) : Ueber Ptomäine. Herr Ziegler (Tübingen): Ueber die 
Vererbung erworbener pathologischer Eigenschaften. Herr Fick 
(Würzburg): Ueber die Blutdruckschwankungen im Herzventrikel 
bei Morphiumnarkose. 

— Kürzlich hat der bekannte Verfertiger und Verkäufer einer 
» heilsamen und göttlichen Salbe », Namens A. I. I w a n o w, den 
Redacteur des «Russischen satyrischen Blattes» gerichtlich belangt, 
weil ders^be in seinem Blatte eine Karrikatur brachte, welche 
Iwanow eine Salbe aus folgenden Bestandtheilen zubereitend 
darstellte: Frechheit 10 Pfd., Unwissenheit 15 Pfd., Dummheit 1 
Pud und Charlatauerie 2 Pud 15 Pfd. Der Angeklagte berief sich 
unter Beibringung der erforderlichen Belege darauf, dass Iwanow 
unter der Anklage des Verkaufs stark wirkender Mittel gestanden 
habe, welche nur in Folge des Krönungs-Manifestes vom 15. Mai 
1883 niedergeschlagen wurde uud dass von Seiten des Medicinal- 
Departements bereits im Jahre 1880 der Verkauf der «göttlichen» 
Salbe Iwanows verboten worden sei. Trotzdem wurde der an- 
geklagte Redacteur vom Moskauer Bezirksgericht zu einer Straf¬ 
zahlung von 25 Rbl. verurtheilt. — Ebenso glücklich ist es dem 
Iwanow in einem gegen ihn angestrengten Processe ergangen. 
Er war vom Bezirksgericht und von der Gerichtspalate für den Ver¬ 
kauf seiner Salbe zu 3 Monaten Gefängniss verurtheilt worden, das 
Cassations-Departement des Senats hat diese Entscheidung aber auf¬ 
gehoben. Es fanden sich zwei vereidigte Rechtsanwälte, welche 
es nicht unter ihrer Würde hielten, den Quacksalber Iwanow zu 
vertheidigen und den Verkauf seiner «göttlichen» Bleisalbe, zu 
deren Bereitung angeblich Oel aus Lämpchen, welche vor wunder- 
thätigen Heiligenbildern gebrannt, verwandt wird und welche daher 
mindestens acht Mal theurer verkauft wird, als sie ihren Bestand¬ 
theilen nach in der Apotheke kosten würde, zu rechtfertigen. Lei¬ 
der konnte die Vertheidigung sich auch darauf stützen, dass — 
was man kaum glauben könnte ! — zwei Medicinal-Verwaltungen, 
die Ssaratowsche und Orelsche, sich dazu hergegeben haben, den 
Verkauf dieser «Wundersalbe» zu gestatten. 

— Prof. Sch wimmer benutzt in seiner Abtheilung für Syphi¬ 

lis und Hautkrankheiten im Stadthospital in Budapest zu Inunctions - 
euren statt der grauen Quecksilbersalbe mit ausgezeichnetem Er¬ 
folge die von einem Prager Apotheker angefertigte Sapo mercu - 
rialis . Jedes Stück dieser Seife enthält 4 Gramm Quecksilber; 
dieselbe schmutzt nicht so, wie das Ungt. einer, und soll rascher als 
letzteres wirken, wodurch die üblichen Cycleu auch schneller zu 
Ende geführt werden. (W. m. Presse.) 

— Dr. R a b o w (Berlin) empfiehlt folgende Mittel gegen Schnup¬ 

fen , die sich ihm vielfach als nützlich und hülfreicb erwiesen haben 
und ebenso einfach, wie bequem zu appliciren sind. Das Pulver, 
welches je nach Bedarf in Form einer Prise geschnupft wird, gleicht 
in Aussehen und Beschaffenheit dem gewöhnlichen Schnupftabak 
und hat folgende Zusammensetzung: R. Menthol, pulv. 0,2 — Coffeae 
tostae, Sacch. albi ü 5 . 0 . M. f. pulv. D. in scatula. S. Schnupfpul¬ 
ver. — In selteneren Fällen fand auch folgendes PulverAnwendung: 
R. Cocaini bydrochl. 0,1 — Coffeae tostae, Sacch. albi 5,0. M. f., 
pulv. D. in scatula. S. Schnupfpulver. (D. m. W.) 


Briefkasten. Dr. Treymann, Riga. Manuscript erhalten, 
wird demnächst im Druck erscheinen. 


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Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 2. bis 8. Februar 1886. 

Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

Im Ganzen: • ti i i i i ä . 

- flO£'-;örtrt<tfeöc 3 «iaS<x>p 3 

M. W. Sa. 

I | I I I I I I I I I I fl s 

351 289 640 98 47 100 16 16 21 77 61 59 52 51 31 11 0 
2) nach den Todesursachen : 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 24, Febris recurrens 9, Typhus 
ohne Bestimmung 1 der Form 1, Pocken 0, Masern 20, Scharlach 23, 
Diphtherie 11, Croup 3, Keuchhusten 2, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 36, Erysipelas 8, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 0, Ruhr 4, 
Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerpe¬ 
ralfieber 2, Septicaemie 2, Tuberculose der Lungen 114, Tubercu- 
lose anderer Organe 8, Alcoholismns und Delirium tremens 0, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 40, Marasmus senilis 35, 
Krankheiten des Verdauungscanals 79, Todtgeborene 31. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 


London . 
Paris . . . 
Brüssel . . 
! Stockholm . 
Kopenhagen 
Berlin . . . 
Wien . 

Pest . . . 
Warschau . 

; Odessa . . 

St. Petersburg 


Woche 
(Neuer Styl) 


4 083 928 24 
2 239 928 24. 
175811 24 
2Ü0143 17. 
280115 27. 
1315 5471 24. 
769 889 24. 
429 532 17. 
406 935 17. 
194 400; 24. 
928 016 31. 


—30. Jan. 
.—30. Jan. 

.—30. Jan. 
.—23. Jan. 
Jan.-2. Feb, 
.—30. Jan. 
.—30. Jan. 
.—23. Jan. 
.—23. Jan. 
•—30. Jan. 
Jan.-6. Feb. 


Lebend¬ 

geboren 

a 3 * 

1 ££ 
fl 3 Cd 

Todtgeboren 

Gestorben 

s lli 

a 'C l 

s ö a 

co 

2836 

36 r o 

40 

1769* 22,7 

1319 

30, • 

106 

1172 27,* 

104 

30,7 

6 

83 24 . s 

140 

36,4 

9 

104 27,o 

234 

43,« 

8 

102 18,9 

916 

36,a 

26 

563 22, S 

546 

36,8 

23 

439 29.« 

287 

34,s 

16 

300 36,8 

294 

37,4 

25 

276 35,i 

— 

— 

11 

123 32,9 

542 

31,8 

28 

624 34,9 


IW* Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 18. Februar 1886. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 24. Februar J886. 


Annahme von Inser aten a usschliesslich im Central-Annoncen-Comptoir von Friedrich Petrick 

St. Petersburg, Newsky-Prospeet 8. 


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ohne jede Zumischung eines Narcoticum. 

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Alle Aerzte haben anerkannt die zuverlässige Wirkung dieses hygienischen Mittels 
gegen das Zahnjucken: die Ursache aller nervösen Zufälle, welche sehr oft das 
erste Zahnen begleiten. 

Es ist keine Gefahr zu befürchten, falls das Kind den Sirop herunterschlucken sollte. 

Notiz. — Der Sirop Oelabarre wird nur in kleinen Flagons, die in einem Etui 
verschlossen, mit dem offlc. Stempel des französ. Gouvernements als Zeichen 
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Prof, der Physiologie in Basel, 
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Soeben erschien: 29 ( 1 ) 

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LEITFADEN 

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von 

Docent Dr. Ad. Tosslus. 

1886. gr. 8« Mit 22 Holzschn. 2 Mark. 


Verlag von August Hirschwald in Berlin. 

Soeben erschien: 30 (1) 

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PHARMAKOLOGIE 

für Aerzte und Studirende 
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schiedenen Stärkegraden, M 1 ist von schwächster nnd J 6 4 von stärkster Wirkung. 

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Flicgenpfisster von Albespeyres nut der Signatur auf der grünen Seite . • a si 
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wird es in den Pharmacien in jeder Qrösse abgegeben. 

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Herr Kaiserlicher Leibarzt, Prof. Dr. 
Nicolai Zdekauer: 

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salz nicht anders zu erwarten war?. St. Petersburg, 24 . Mai 1884. 

Prof« Dr. E. Bidder, 8t. Petersburg schreibt : Die Franz-Josef-Bitterquelle ist ein zuverlässi¬ 
ges und mildes Abführmittel, das auch in relativ geringer Quantität längere Zeit hindurch mit 
Erfolg gebraucht werden kann. St, Petersburg, im September 1885. 16(2) 

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Zur Anwendung in den Spitalern zugelassen 

' Primirt an der Weltausstellung 1878. j 

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2 >ie 3 lnaft)fe beurfunbet mithin eine merfltdbe ,3 u nab me ber nt in er a* 
lifd^en Seftanbtbeile gegen ba$ bt«ber berfanbte äßaffer. 

„Justus v. Liebig bat ba« Friedrichshaller äßaffer auf ®runb feine« Äocbfafc, 
Sbformagneuum= unb Sromgebalte« rübmlicbfl ertoabnt, unb e« fann nicht begtoejfelt toer* 
ben, bafj e« iefet noch mehr al« früher ben ihm üon Liebig angetoiefenen toidbtigen änafe al$ 
cittcJ her mtffamftcn dfttneraLättoffer im tttr$neifd)at;e behaupten toirb., 



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Freiluftathmung 


jederzeit, auch nachts, 
zu JullU 8 WolfPB 
Kurverfahren! 
Dieser Wint«r-S o n n • n- 
aufenthaltsersatz bietet zur 
Gesundung und Gesunder¬ 
haltung, Tag und Nacht, der Lunge kalte ent¬ 
stäubte Freiluft, dagegen der H a H t bei leichter 
Wollkleidung trocken -warme Zimmerluft, 
welche die so nöthige Hautausdünstung stark er¬ 
höht, aber fiir Athemwerkzeuge Gift wäre. — 
Wolff’s neues Kursystem ist der Natur abgesehen. 
Dass Sonnen-Aufenthalt in Frostluft das denkbar 
Gesundeste, ist anerkannt; er wirkt günstig, weil 
er die Haut erwärmt, die Lunge erfrischt und 
stärkt. An Frosttagen sind an besonnter Wand 
oder Kleidung ca. 16°, auf 2 Fuss Entfernuug 
ca. 0° R. Diese günstigsten Lebensbedingun¬ 
gen sind im Norden selten und selbst in Davos, 
wenn Sonne scheint, nur ca. 6 Std. pr. Tag ge¬ 
boten. , ,Wolft’s F r e II u f t athmer fürs Haus 14 
(Winterkur 20 Pf. pr. Tag) verschafft sie tgl. 
23 Std.; er kurirte Erfdr. von langj. Schwind¬ 
sucht und machte ihn bacillenfrei. Nach K 0 0 h 
erfrieren Tub.-Baclllen bei 23° R., womit die 
namhaften Erfolge durch reichliche Frostluft- 
athmung bei Wolff’s und Davosor Kursystom er¬ 
klärt sind. Näheres: W o 11 f’s Gosundhoi^s- 
Schutzgerätho-Fabrlk, Grost-Geran, Grosshe r- 
zogthum Hessen. 25 (T) 


Medico-mecfoniscks 

INSTITUT 

von 8 ( 6 ) 

Dr. DJakoffsky & Co. 

St. Petersburg, Kasanskaja 3 . 

Bewegungs- und Massage-Kuren. 

Empfang von 11 Uhr bis 2 Uhr N.-M. 


, 3 , 08 b. u,eH8. Cnö. 14 <I>eBpaJifl 1886 r. Herausgeber Dr. L. v. Holst. Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. St. Petersburger 


Hl. Jahrgang. 

(ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 


Medicinische Wochenschrift- 


Prof. Ed. v. WAHL, 
Dorpat. 


unter der Redaetion von 
Dr. L. v# HOLST, 
St. Petersburg. 


Dr. Gust. TILING, 
St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift* erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist In Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Inserations - Preis für 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 30 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 
Abonnements-Aufträge bittet man an die Buchhandlung von 
Carl Ricker in St. Petersburg, Newsky -Prospect AI 14 zu richten. 


Inserate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
reau von Friedrich Petrlck in St. Petersburg, Newsky-Prospect AI 8, 
und in Paris bei unseren Ge neral - A gen te n entgegengenommen. 
Les annonces frangalses sont regues exclusivement ä Pyis, 
chez Messieurs G. E. Puel de Lobel & Cie., Rue Lafayette 58. 
Manuscrlpte sowie alle auf die Redaetion bezüglichen Mittheilungen 
bittet man an den geschäitsführenden Redacteur Dr. Gustav Tiling 
(Klinisches Institut der GrossfUrstin Helene Pawlowna, Kirotschnaja 39) 

zu richten. 


Ns 8. 


St. Petersburg, 22. Februar (6. März) 


1886. 


Inhalts M. Treymann: Zur Aetiologie der Infectionskrankheiteu. — Referate. Prof. F. Ahlfeldt: Die Ursachen der 
Wehenschwäche in der Austreibungsperiode bei Erstgebärenden und die Mittel zur Beseitigung derselben,—J. Stilling: Ueber die 
Entstehung des Schielens. — Lewis A. Sayre: Genital irritation as a cause of reflex nervous phenomena. — Krajewski: Günstige 
Resultate von Schutzimpfungen gegen den Milzbrand. — BUcker-Anzeigen und Besprechungen. A. Nuhn: Lehrbuch der verglei¬ 
chenden Anatomie. — S. Laach e: Harn-Analyse für praktische Aerzte. — 1. Gongress russischer Aerzte. — x Aus dem serbisch- 
bulgarischen Kriege 1885. — V ermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 
— Ameigen. . __ 


Zur Aetiologie der Infectionskrankheiten. stehen die miasmatisch - contagiösen Krankheiten, deren 

" y räthselhaftes Wesen sich weder durch die P e 11 e nk ofer- 

n \t rr sehe monobla3tische, noch durch die N ä g e 1 i ’sche diblas- 

ür. M.Treymann. tische Theorie ent hüllen lassen wollte. Ueber die Con- 

(Vortrag gehalten am 18. December 1885 im ärztlichen Verein gtanz Veränderlichkeit der Spaltpilzarten ist keine 

zuKiga;. • Einigung erzielt worden, über die Art des Eindringens der 

Seit dem Erscheinen des N ä g e 1 i’schen Buches «Die Infectionsstofle in den menschlichen 
niederen Pilze» sind erst 8 Jahre verflossen. Der von ihm Grundwasser- und Trinkwassertheorie, über m , A " 
geführte Nachweis, dass die Infectionskrankheiten durch S e “ e Infectionskrankheiten herrsc v , 

organmirte Stoffe und zwar durch Spaltpilze heivörgerufen Behauungen. Es liegt m der Natur der , 
werden, hat fast allseitige Zustimmung erfahren und ist vor den auf Thatsachen der Erfahrung ~ 

Allem durch die Ko ch’schen Entdeckungen des Tuberkel- schaftlichen Theorien viele Hypothesen einhergehen, die 
und Cholerabacillus soweit bekräftigt worden, dass gewiss keineswegs geeignet sind, das Dun e zu i ' 
nur eine äusserst geringe Anzahl von Aerzten heutzutage Es dauerte 20 Jahre, bis es den Pasteur sehen Expe- 
gegen die Pilztheorie etwas einzuwenden hat. Sie hat der rimenten gelang, die Gegnerschaft zu entkräften, welche 
neuesten Forschung die Bahn gewiesen. In rascher Auf- sich wider die 1837 von Cagniard-Latour und 
einanderfolge sind uns bekannt geworden: die Erysipel- Schwann inaugurirte vitalistische Theorie erhob, S^geu 
kokten, die Gonokokken, die Pneumoniekokken, die Ty- dje Lehre nämlich, dass Gahrung und Eäulniss durch die 
phusbacillen, die Leprabacillen, die Rotzbacillen. Die Be- Lebensäusserung und Arbeitsleistung gewisser Mikroorga- 
funde sind durch Koch und dessen Mitarbeiter im Kaiser!, nismen entstehen. Eis sind mehr als 40 Jahre vergangen, 
Deutschen Gesundheitsamt bestätigt worden. Wenn über bis durch Pollender, Braueil, D avaine, P a - 
die bei Diphtherie, Endocarditis, Scharlach, Masern, Variola, steur,Obermeyer und K o c h die Lehre ^on- 
Vaccine, Hamophilia neonatorum, acuter gelber Leber- tagium animatum sicher begründet wurde, welche H e n l e 
atroph ie, Septicaemie, Pyämie und Osteomyelitis entdeckten mit unvergleichlichem Scharfsinn rein speculativ erörtert 
Kokken und über die bei Malaria, Syphilis und Tetanus hatte, fussend auf der Kenntniss der Sch w an n sehen 
gefundenen Bacillen die Acten noch nicht geschlossen sind, Forschungen über die Gährungs- und Fäulm^keime und 
so ist doch für eine grössere Anzahl von Infectionskrank- der B a s s i’schen Untersuchungen über den Muscardine- 
heiten 1) der Befund gut charakterisirter Spaltpilze festge- Pilz. Heute sind die Contagia viva des Milzbrandes, der 
stellt, 2) die Reincultur erzielt und 3) die Uebei tragung Recurrens, der Tuberculose und der Cholera die hervorra- 
mit den entsprechenden Krankheitssymptomen auf Thiere genden Leitsterne in unserer erweiterten Kenntniss der In- 
und Menschen, sei es durch Fütterung, durch Inhalation fectionskraukheiten geworden. Wir stehen nach langjab- 
oder Impfung bewirkt worden. Die ausgezeichneten Unter- rigem Kampf auf einer sicheren Basis. Was darüber mn- 
suchungen Koch’s und seiner Mitarbeiterhaben dabei ausreicht, ist schwankend und im Bau begrmen. ln der 
Thatsachen zu Tage gefördert, die z. Tb. den bisher gül- Voraussetzung, dass es für jeden Arzt von Interesse ist, sic 

tigen Theorien den Boden entziehen, z. Th. ein neues Licht in diesem Neubau zu orientiren, nabe ich mich nach Mog- 
auf die Entstehung, den Verlauf und die Verbreitung der lichkeit darin umgesehen und will versuchen, das m den 
Infectionskrankheiten werfen. letzten Jahren stark veränderte Bild zu entwerfen. Ic 

Auf’s Deutlichste sind die Gegensätze und neuen An- bitte um Ihre Nachsicht, wo Sie Lücken oder Irrthümer 
schauungen in den zu Berlin im Reichsgesundheitsamte entdecken. Die Literatur der Infectionskrankheiten is 
st&ttgehabten Sitzungen der Choleraconferenz zu Tage ge- kaum zu bewältigen. 

treten. Im Mittelpunct des wissenschaftlichen Streites Die Aeusserungen der Fachautoritäten über die miasma- 


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tisch-contagiösen Infectionskrankheiten führen uns in me- 
dias res und enthüllen am besten alle Unklarheiten, Zweifel 
und Jrrthümer im Gebiet der Infectionskrankheiten. Die 
Genesis dieser eigentbümlichen Zwischengruppe ist ohne 
Weiteres klar. Das Miasma entstand spontan im Boden, 
war an die Localität gebunden und inficirte nur an Ort und 
stelle, es schien nicht verimpfbar zu sein. Das Contagium 
stammte immer vom Menschen oder vom Thier, steckte un¬ 
mittelbar oder mittelbar (durch Verschleppung) an und war 
verimpfbar. Wo sollten diejenigen Krankheiten unterge¬ 
bracht werden, welche, wie z. B. die Cholera, immer an 
einer bestimmten Localität entstanden, jedoch verschleppt 
wurden und sjch epidemisch ausbreiteten, ohne die Intensi¬ 
tät der directen Ansteckung zu zeigen, wie sie den rein con- 
tagiösen Krankheiten eignete ? Diesem Uebelstande musste 
durch die Theorie der miasmatisch-contagiösen Krankheiten 
abgeholfen werden. H e n 1 e hat diese Benennung zuerst 
angewandt und ausser Cholera, Typhus, Ruhr auch die acu¬ 
ten Exantheme (Masern, Scharlach etc.) mit zu dieser Ka¬ 
tegorie gerechnet. Er spricht von < Krankheiten, die also 
zugleich miasmatisch und contagiös sind, und von denen 
man sagt, dass sie miasmatisch entstanden und im weiteren 
Verlauf contagiös wurden». 

Hirsch spricht sieb in seinem Bericht Ober die 1873 
zu Berlin abgehaltene Cboleraconferenz folgendermaassen 
aus: «Entbehrt somit die Theorie von der auf dem Wege 
der (reinen) Contagion vermittelten Uebertragung der Cho¬ 
lera jeder exacten Begründung, so bleibt, da die Uebertra¬ 
gung selbst ausser jedem Zweifel steht, nur die Annahme 
übrig, dass entweder von den Cholerakranken in der That 
ein Infectionsstoff ausgeschieden wird, der aber an sich noch 
nicht als Choleragift wirkt und eine specifisch inficirende 
Wirkung erst dann erlangt, nachdem er ausserhalb des 
Organismus unter dem Einfluss der.zuvor besprochenen 
äusseren Bedingungen auf oder in dem Boden (oder einem 
Surrogate des Bodens) eine gewisse Veränderung, eine Art 
Reifung erfahren hat, bildlich gedacht, etwa in der Weise, 
wie das im Ovarium gebildete Ei erst unter dem Hinzu¬ 
tritt der Samenfäden keimfähig wird, oder die Vermehrung 
(Reproduction) des Choleragiftes erfolgt ganz unabhängig 
von dem Cholerakranken (als solchem), indem es (gesunden 
oder kranken) Personen oder anderen Objecten anhaftet, 
durch diese von Ort zu Ort getragen wird, und eben da, wo 
es diefürseine Reproduction geeigneten Bedingungen findet, 
zu dem Auftreten einer Epidemie Veranlassung giebt. 
Beide Hypothesen haben vorläufig gleiche Berechtigung. 
Hirsch giebt vorläufig der ersten, ich , fügt Petten- 
k o f e r in seinem Referat hinzu, «der letzten Anschauung 
den Vorzug. . . mir genügt, dass der localistischen An¬ 
schauung endlich ihr Recht geworden ist.» Diese tnzno- 
blastische Theorie Pettenkofer’s, nach welcher der 
dem Kranken anhaftende Ansteckungskeim X qjch mit 
dem vom siechhaften Boden gelieferten Y vereinigt und als 
fertiges Product, .als eigentliches lofectionsgift Z in den 
Organismus eintritt, ist von Nägeli einer Kritik 
unterzogen und darch die diblastische Theorie ersetzt 
worden. Sie lautet folgendermaassen: «Der siechhafte 
Boden bewirkt in den Bewohnern eine (miasmatische) 
Infection, ohne welche der vom Kranken kommende (con- 
tagiöse) Ansteckungskeim nicht sich zu entwickeln vermag.» 
Nägeli nennt demgemäss nur diejenigen Krankheiten 
miasmatisch-contagiös, bei welchen sswei Anstockungsstoffe, 

‘ der eine vom kranken auf den gesunden Menschen, der 
zweite vom Boden auf den Menschen übertragen werden 
und hält es für überflüssig, das Wort miasmatisch-conta¬ 
giös auf contagiöse Krankheiten anzuwenden, die zuweilen 
auch spontan entstehen sollen (z. £. die Diphtherie). 

Oer te 1 bezeichnet inZiemssen’s Handbuch in der 
That die Diphtherie, weil er die Möglichkeit der spontanen 
Entstehung derselben zugeben zu müssen meint, als der 
erwähnten Kategorie zugehörig. In einem Vortrag, gehal¬ 
ten 1880 in München, fühlt sich Pettenkofer dann 


veranlasst, statt der Benennung miasmatisch und contagiös 
die Ausdrücke ektogen und endogen zu gebrauchen, um die 
Infectionskrankheiten, welche sich ausserhalb des Organis¬ 
mus vermehren, von denen zu unterscheiden, welche sich 
gewöhnlich innerhalb des Organismus vermehren. Er 
meint, «dass die Ausdrücke Miasma und Contagium aufge¬ 
hört haben, bestimmte begriffliche Gegensätze zu bezeich¬ 
nen, weil man jetzt unter dem Syphilis- und Blattern con¬ 
tagium eben sowohl wie unter dem Wechselfieber-J/i'ajwrt 
Iofectionsstofie, niedere Organismen. . . versteht. . • 

«Neben den Infectionsstoffen», fährt er fort, »welche sich 
nur auf dem einen oder anderen Wege bilden und vermeh¬ 
ren, kann es selbstverständlich auch solche geben, welche 
es auf beiden Wegen thun, welche man bisher als miasma¬ 
tisch-contagiös bezeichnet hat. . . Wenn ein Infections¬ 
stoff endogen und ektogen zugleich ist, so wird er sich nicht 
in einer eigenen Weise beliebig bald so, bald so verbreiten, 
sondern natumothwendig auf beiden Wegen stets zugleich 
neben einander , so weit die Bedingungen dazu gegeben 
sind.» 

Koch hat nun nachgewiesen, dass die Milzbrandsporen, 
die sich in sumpfigen Gegenden auf pflanzlichem Nährsub¬ 
strat entwickeln, durch Hochwasser etc. auf Weideplätze 
gelangen, in den Darmcanal der Thiere kommen und von 
diesen sowohl in den Mund und Darmcanal des Menschen 
(Anthrax intestin.), als in die Luftwege (Wollsortirerkrank- 
heit) und in Wunden der Haut (Pustula maligna) eindrin- 
gen können. Wir hätten dann auch den Milzbrand, den 
wir doch nur für eine exquisit contagiöse, impfbare Krank¬ 
heit erklären, zu den miasmatisch-contagiösen zu rechnen. 
Man kann sich in der That die Verwirrung kaum grösser 
denken. 

Eine wesentliche Stütze erhielten diese Theorien durch die 
hauptsächlich von Nägeli ausgebildete, in vieler Beziehung 
anzufechtende Lehre, dass »die Luft fast ausschliesslich der 
Träger sei, welcher die Ansteckungskeime uns zu fuhrt. • Sie 
lösen sich nicht von dem ersten Nährboden ab, sondern 
werden erst nach Austrocknung als Staub durch die Luft fort¬ 
geführt und können in die Lungenalveolen oder in zufällig 
verwundete Stellen der Schleimhäute oder der Haut ein« 
treten, nicht aber in die unverletzten Schleimhäute. Was 
den nassen Weg der Verbreitung betrifft, so meint Nägeli, 
dass die Spaltpilzformen nur kurze Zeit ihre eigenartige 
Beschaffenheit und Wirksamkeit im Wasser behalten. Ent¬ 
weder finden sie zu wenig Nährstoffe oder bei genügender 
Nahrung wandeln sie sich bald in andere Spaltpilze um, 
wenn sie nicht von den im Waschwasser, Küchenwasser, in 
der Abtrittsflüssigkeit vorhandenen Fäulnisspilzen vernichtet 
werden. «Die Contagien dürften sich», meint Nägeli, 
«in diesen Medien kaum ein paar Tage unversehrt erhalten». 
Sollten sie aber, gleichviel ob nass oder staubförmig (fix 
oder flabil), in den Mund, den Magen oder Darmcanal ge¬ 
langen, so würden sie vom sauren Magensaft oder weiterhin 
von der Galle geschwächt oder vernichtet werden, abgesehen 
davon, dass erfahrungsgemäss noch so fein vertheilte feste 
Stoffe vom Darmcanal nicht aufgenommen werden. «Auch 
niedere Algen und Thiere sterbeo», nach Näge li’s An¬ 
sicht, «sowie sie in den Magen kommen». Durch die Er¬ 
fahrung bestätige sich diese Anschauung. Massen von 
Fäulnissstoffen (Spaltpilzen), die mit Nahrungsmitteln 
(saure Milch, Melonen, Wassermelonen, Feigen, Kumyss, 
Wildpret, Käse, Sauerkraut) in den Magen gelangen, — 
Sumpfwasser, Grubenwasser und Nilwasser als Trinkwasser 
genossen, bringen keinen Schaden. Ja, das gelbe, lehmige 
Nilwasser, welches, voll kleinen Ungeziefers, den ganzen 
Unrath Aegyptens mit sich führt, soll «als wohlschmeckend 
und gesund hochgepriesen sein und die Sehnsucht derer er¬ 
regen, die es einmal getrunken haben». So N ä g el i auf 
pag. 136 «die niederen Pilze», Jeder, der diese Stelle 
zum ersten Male las, wird sich gefragt haben: Warum igno- 
rirt Nägeli den Umstand, dass die Filaria sanguinis und 
das Distomum bämatobium mit dem Nilwasser und anderen 


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Gewässern in den menschlichen Magen gelangen, dass die 
tbierischen Vorstufen der Filaria medinensis, wie durch 
Fedschenko nacbgewiesen ist, und das Anchylostomum 
duodenale mit dem Trinkwasser verschluckt werden? Es 
ist klar: «das Münchener Dogma von dem Nichteinfluss 
des Trinkwassers» — wie Prof. G e i g e 1 sich auBdrflckt 
— steht in engstem Zusammenhang mit der Lehre von der 
fast ausschliesslichen Verbreitung der Infectionserreger 
durch die Luft. War die Verbreitung derselben auf nas¬ 
sem Wege hinweggedacht, «musste das Wasser im Ganzen 
und Grossen als unschädlich betrachtet werden» (Nägeli, 
ibid. pg. 141), so war man genöthigt, für diejenigen Krank- 1 
beiten, welche die Ansteckung nicht mit derselben Leichtig¬ 
keit, wie z. B. die Pocken, durch die Luft übertrugen, einen 
besonderen Modus vivendi zu erdenken. Das Grundwasser 
musste sinken und der Boden trocken werden, damit der 
Ansteckungsstoff als losgerissener Staub in die Luft gelange. 
Dass er behufs Reifung zuvor sich in den* Boden senken 
musste, war eine scheinbar notbwendige Voraussetzung, da 
eine directe Uebertragung von Organismus zu Orgapismus 
nach den epidemiologischen Erfahrungen mindestens zwei¬ 
felhaft war. Nur die bekannten Erkrankungen der Wäsche¬ 
rinnen an Cholera und die Schiflsepidemien verursachten 
viel Kopfzerbrechen. Wir haben aus den Sitzungen der 
letzten Berliner Choleraconferenz in diesem Jahre erfahren, 
mit welcher Energie Pettenkofer «die Trinkwasser¬ 
gläubigen», «die Trinkwassertheoretiker» bekämpft hat. 
Aber schon vor mehr als einem Decennium hat Virchow 
(■Canalisation und Abfuhr») sich dahin geäussert, dass die 
Aufnahme des Kraukheitsstoffes beim Typh. abd. mit mehr 
Wahrscheinlichkeit dem Trinkwasser, als der Luft oder dem 
Grundwasser zuzuschreiben sei und dass die Affection des 
Darmcanals insbesondere für die directe Aufnahme des Ty¬ 
phusgiftes in den Digestionstractus spreche. 1880 hat 
Wo lfsteiner sich io einer Discussion zu München, auf 
Virchow Bezug nehmend, in gleicher Weise geäussert. 
Dass die englischen Aerzte schon längst auf den gewichtigen 
Einfluss des Trinkwassers und der Milch bei der Verbrei¬ 
tung des Typb. abdom. (und des Scharlachs) hingewiesen 
haben, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. 
Und dass die indischen Aerzte in Bezug auf die Verbreitung 
der Cholera derselben Anschauung huldigen, haben wir in 
diesem Jahre aus Koch’s Munde erfahren, wobei der 
Energie Erwähnung geschah, mit welcher der dem Münche¬ 
ner Dogma anhängende Chefarzt C u n n i n g h a m in In¬ 
dien die trink wasser gläubigen Collegen zu bekehren ver¬ 
suchte. Weniger bekannt dürfte sein, dass 1874 auf der 
internationalen Choleraconferenz in Wien der Einfluss der 
Nahrung und des Trinkwassers bei der Verbreitung der 
Cholera fast einstimmig anerkannt wurde. Ziemlich allge¬ 
mein hat man übrigens der Beobachtung Pettenkofer’s 
beigestimmt, dass die Vermehrung der Krankheitsfälle bei 
Typhus- und Choleraepidemien in directer Abhängigkeit 
vom Fallen des Grundwassers stehe. Auch Virchow 
bestätigt dies. Aber auch hierzu macht G a f f k y in seiner 
Arbeit: «Zur Aetiologie des Typh. abdom.» einige Bemer¬ 
kungen, welche die aus der Tbatsache hergeleitete Theorie 
Pettenkofer’s in Frage zu stellen geeignet sind. Er 
weist darauf hin, dass, je mehr das Grundwasser sinkt, je 
weniger Wasser also zur Speisung der Brunnen verfügbar 
ist, desto sicherer und schneller und in desto weniger ver¬ 
dünnter Form alle in der Nähe der Brunnen versickernden 
Verunreinigungen mit dem Trinkwasser wieder zu Tage ge¬ 
fördert werden müssen. Auch so dürfte das Zusammen¬ 
treffen der Massenerkrankungen mit niedrigem Grund¬ 
wasserstande durchaus verständlich sein. Gaffkyfügt 
hinzu, dass die überwiegende Mehrzahl der Aerzte heutzu¬ 
tage als Invasionsstelle des Typhuskeimes den Darm an¬ 
nimmt, und citirt einen von Meyer beobachteten und voo 
E b e r t h berichteten TyphuBfall, bei welchem nach am 2. 
Krankheitstage eingetretenen Tode die Section hochgradige 
Schwellung der solitären und P e y e r ’schen Plaques im 


untersten Ende des Ileum nachwies, während die Mesen¬ 
terialdrüsen an keiner Stelle geschwollen waren. Die mi¬ 
kroskopische Untersuchung ergab eine ganz ausserordent¬ 
lich starke Einlagerung von Eberth-Koch’schen Ba¬ 
cillen in den Zellen, in der Submucosa und in den Zwischen- 
muskel8cbichten. Für die Aufnahme des Typhuskeimes 
durch die Lungen, meint E b e r t h dazu, hätten sich bisher 
nirgend Anhaltspuncte finden lassen. 

Es ist bekannt, mit welcher Entschiedenheit Koch in 
der diesjährigen Choleraconferenz für die Aufnahme der 
Cholerabacillen in den Digestionstractus sich ausgesprochen 
hat Hatte er schon früher nacbgewiesen, dass die sorg¬ 
fältig verfütterten Milzbrandsporen zweifellos in die gesunde 
Darmschleimhaut einzudringen vermögen, so gelang es ihm 
nunmehr, nachdem N i c a t i und R i e t s c h bereits eine 
Infection mit Cbolerabacillen in den Dünndarm hinein er¬ 
zielt hatten, nach Neutralisation des Magensaftes vermittelst 
koblensauren Natrons und subcutaner Injection von Opium- 
tinctur bei Meerschweinchen Cholera-Erkrankung durch 
Verfütterung einer Reincultur von Cbolerabacillen zu er¬ 
zeugen. Ausserdem wurde festgestellt, dass die Cholera¬ 
bacillen sich 24 Stunden lang in Abtrittsjauche, 3—4 Tage 
auf feuchter Wäsche, 80 Tage im Hafen wasser von Marseille, 
30 Tage in Brunnenwasser, 6—7 Tage in Berliner Canal¬ 
jauche am Leben erhalten, 144 Tage auf Agar gezüchtet 
werden können und dass sie keine Dauersporen erzeugen, 
sondern an der Luft nach 2—3 Stundenabsterben. Endlich 
theilte Koch den Macnamara’schen Fall mit. Von 
einem durch Choleradejectionen verunreinigten Trinkwasser 
hatten 19 Mann getrunken. Davon erkrankten binnen 36 
Stunden 5 an-der Cholera. Dieser einem Experiment am 
lebenden Menschen gleichkommende Fall erhielt die ent¬ 
sprechende Illustration durch die in Calcntta, speciell im 
Fort William gemachten günstigen Erfahrungen mit der 
neuen Trinkwasserleitung. Obwohl von Pettenkofer 
mancherlei Einwände bezüglich des genannten Forts erho¬ 
ben wurden, macht doch die sachgemässe und detaillirte 
Berichterstattung des Augenzeugen Koch den Eindruck, 
dass die Trinkwassertheorie neuerdings eine mächtige Stütze 
erhalten hat. Jedenfalls giebt es- nun einen gut gekannten 
Infectionserreger , welcher sich auf nassem Wege verbrei¬ 
ten, sich lange in wässrigen Medien erhalten und unter be¬ 
günstigenden Umständen den Mägen passiren kann, um in 
die gesunde Schleimhaut des Darmes einzudringen, dessen 
Epitbelien zum Absterben gebracht werden. Die Vermu- 
thung K o c h ’s , dass die Cholerabacillen eine toxische 
Substanz erzeugen, auf deren Einwirkung die Symptome 
»der asphyktischen Cholera zurückzuführen sind, scheint 
neuerdings ihre Bestätigung von Seiten N i c a t i ’s und 
R i e t s c h ’s zu finden. Die Letzteren haben aus einer 
Reincultur von Cholerabacillen ein flüssiges bei 100° C. 
flüchtiges Ptomain dargestellt, welches sehr giftig ist und 
auf den Organismus wie die Reincultur der Bacillen wirkt 
(Referat d. Pet. med. Woch. 1885, N* 45). Von den übri¬ 
gen Eigenschaften des Infectionserregers ist noch anzu¬ 
führen, dass die Kommabacillen am besten bei Tempera¬ 
turen von 30®—40® C. gedeihen, dass sie noch bei 17® C. 
gut wachsen können und hierin mit dem Bacill. Antbracis 
und Bacillus Eberth-Koch übereinstimmen, ferner 
dass sie bei einer Temperatur von — 10® C. nicht abster¬ 
ben, wohl aber bei Entziehung von Sauerstoff das Wachs¬ 
thum sofort einstellen und nach 2—3 Stunden absterben, 
sobald sie getrocknet werden. Unter gewissen Umständen 
wachsen sie zu Spirillen aus, die den Recurrensspirillen zum 
Verwechseln ähnlich sehen, so dass Koch geneigt ist, sie 
zur Gruppe der schraubenförmigen Bacterien zu rechnen, 
«welche ein für alle Mal auf Flüssigkeiten angewiesen sind 
und nicht, wie die Milzbrandbacillen, unter Verhältnissen 
vegetiren, unter denen sie auch einmal einen trockenen Zu¬ 
stand zu bestehen haben.» 

Dass sowohl diese Spirillen wie die Kommabacillen eine 
ansserordentlich lebhafte Eigenbewegung in einem Tropfen 

8 * 


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der Flelschbrühecultur zeigen,, bemerkt Koch ausdrück¬ 
lich, ebenso wie G a f f k y die deutliche Eigenbewegung der 
Typhusbacillen betont, welche im Gegensatz zu den Kom¬ 
mabacillen Sporen erzeugen sowohl innerhalb wie ausser¬ 
halb des menschlichen Organismus. 

Die exacten Untersuchungen K o c h’s und seiner Mitar¬ 
beiter, die in den 2 bisher erschienenen Bänden des Reichs¬ 
gesundheitsamts niedergelegt sind und bezüglich der Infec- 
tionskrankheiten eine Bereicherung unseres Wissens bringen, 
auf welche ich hier nur in aller Kürze hinweisen kann, 
haben eine fast allseitige Anerkennung gefunden und sind 
durch die Emmerich 'sehen Untersuchungen und P e t - 
t e n k o fe r'sehen Theorien in keinem wesentlichen Punct 
erschüttert worden. Die contagionistischen Anschauungen 
haben im Gegentheil die localistischen vollständig in’s Hin¬ 
tertreffen gedrängt. Es handelt sich nicht mehr um die 
Worte «miasmatisch» und «contagiös», sondern 1) um den 
Zustand des im Bereich des Infectionserregers befindlichen 
Organismus, 2) um die allgegenwärtigen, mit Spaltpilzen 
und anderen Infectionserregern angefüllten Medien Wasser 
und Luft, welche beide, je nach der Beschaffenheit des In- 
fectionsejrregers, die Ansteckung vermitteln können, und 3) 
um die Eigenschaften der Infectionserreger. 

1) Bezüglich des lebenden Organismus , der in bestän¬ 
digen Contact mit den Infectionskeimen tritt — nach N ä - 
g e 1 i trinkt jede Person täglich einen halben Liter Wasser 
und athmet iip Tag mehr als 8000 Liter Luft ein — ist zu 
beachten, dass das Eindringen der Infectionserreger durch 
die Beschaffenheit der Eingangspforten bedingt ist, wobei 
es auf die Intactheit aller Deckepithelien, besonders aber 
des schützenden Flimmerepithels, und auf die normale Ab¬ 
sonderung der Verdauungssäfte ankommt, ferner dass die 
Entwickelung der Infectionserreger durch die Ernährung, 
den Stoffwechsel und die Secretion des Organismus bedingt 
wird, wodurch zugleich die Ausscheidung des Infections- 
Stoffes ermöglicht wird. Sie werden tbeilweise oder gänz- 
licü durch Sputum, Thränensecret, Eiter, Blut, durch Koth 
oder Harn eliminirt. Die Milzbrandbacillen, die Recurrens- 
spirillen, die Tuberkelbacillen sind im Harn aufgefunden 
worden etc. Auch injicirte Schimmelsporen sind nach 
G r a w i t z’ Untersuchungen ohne Ruptur der Nierenca- 
pillaren nach aussen gelangt, und F o d o r hat an Thieren 
beobachtet, dass 50—100 Millionen injicirter Spaltpilze 
nach 4—6 Stunden die Blutbahn verlassen hatten. Dabei 
wird es natürlich von Belang sein, ob die Wachsthumsenergie 
der Spaltpilze, deren Zahl in etwa 20 Minuten sich ver¬ 
doppelt, oder ob die Stoffwechselenergie des Organismus 
grösser ist. Von nicht geringem Einfluss mag auch die Re- 
action des Blutes sein. De Re n z i fand verschiedene 
Reaction desselben bei krankhaften Zuständen, bald alka¬ 
lische, bald neutrale, ja saure Reaction (bei Icterus, acuter 
Leberatrophie etc.). Es ist daher nicht von der Hand zu 
weisen, dass unter Umständen sich im Organismus ausser 
den Spaltpilzen auch echte Schimmelpilze ansiedeln können. 
Es fragt sich namentlich, welche Differenzen in der ßlutbe- 
schaffenheit der Fleisch- und Pflanzenfresser Vorkommen. 
Hierüber liegen meines Wissens keine Untersuchuagen vor. 
Endlich wird die Eigenwärme des tbierischeu Körpers der 
Entwicklung von Spalt- oder Schimmelpilzen ganz be¬ 
stimmte, ziemlich enge Grenzen ziehen. 

2) Nachdem ausser der Luft die Bedeutung der wäss¬ 
rigen Medien für die Verbreitung der Infectionserreger her¬ 
gehoben worden, haben wir uns in aller Kürze: 3) die Haupt¬ 
eigenschaften der letzteren, der Infectionskeime, zu verge¬ 
genwärtigen, zuerst der Spaltpilze. 

Zunächst kommt in Betracht, ob sie Dauerformen (endo¬ 
gene Sporen) bilden oder nicht? Davon wird es abhängen, 
ob sie nur in wässrigen Medien, ihrem eigentlichen Lebens¬ 
element, existiren oder auch an der Luft ihr Leben erhalten 
können. Diejenigen, welche rasch an der Luft absterben, 
ohne Dauerformen zu bilden, werden auf nassem Wege in 
den Organismus eindringen und zwar entweder, wie die Cho¬ 


lerabacillen, durch den Mund in den Magendarmeanal, oder 
durch directen Contact in wunde Stellen, wie die Gonokokken. 
Diejenigen, welche an der Luft «durch Dauerformen ihre 
Virulenz erhalten» (K o c h), wie die Tuberkel- oder Milz¬ 
brandsporen, werden vermittelst der Luft in die Lungen, in 
den Mund und Magen, in die Schweissdrüsen und verwun¬ 
dete Stellen der Haut und der Schleimhäute eindringen 
(Inhalations-, Fütterungs- und Impftuberculose; Anthrax 
intestinalis, Wollsortirer- und Hadernkrankheit, Pustula 
maligna). 

Weiterhin fragt es sich, in welchen Temperaturgrenzen 
der Lebenslauf der Krankheitserreger sich abspielt. Davon 
wird es abhängen, ob sie sich nur im menschlichen Körper, 
oder ausserhalb desselben vermehren. Die Tuberkelbacillen, 
die bei 37°—38° C. am besten gedeihen, unter 28® und 
über 42° nicht leben können, werden als echte Parasiten 
- nur auf den thierischen Körper angewiesen sein (endogene, 
contagiöse Krankheit). Die Cholera-, Milzbrand- und Typhus - 
bacillen, die innerhalb der weiten Grenzen von 12°—42® C. 
gedeihen, werden auch ausserhalb des menschlichen Kör¬ 
pers ihre Vegetation fortsetzen können (ekto- und endogene, 
mia8matisch-contagiöse [?J Krankheiten). 

Das Sauerstoff-Bedürfniss ist zu beachten. Die Cholera- 
und Milzbrandbacillen haben ein lebhaftes Sauerstoffbedürf- 
niss. Die letzteren kommen daher innerhalb des Organis¬ 
mus nur in Bacillenform vor und bilden erst Sporen ausser¬ 
halb desselben bei reichlichem Sauerstoffzutritt. Die Cho¬ 
lerabacillen stellen ihr Wacbsthum ein, sobald der Sauer¬ 
stoff ihnen entzogen wird. Die Bacillen de3 malignen Oe¬ 
dems bedürfen keines Sauerstoffs und vermehren sich 
vielleicht deshalb aufs reichlichste im Unterhautzellgewebe. 

Ferner fragt es sich, ob die Vermehrung der Spaltpilze 
rasch oder langsam vor sich gebt. Die Tuberkelbacilleu 
wachsen äusserst langsam, die Milzbrandbacillen vermehren 
sich sehr rasch. Dadurch ist zum.Theil der verschiedene 
Verlauf der Krankheiten bedingt. 

Erzeugen die Krankheitserreger toxische Stoffe oder nicht? 
Daraus erklärt sich zum Theil der maligue Verlauf des 
Cholera- und Anthraxprocesses. 

Auch darauf kommt es an, ob sie in geringer oder grosser 
Menge eindringen. Es ist anzunehmen, dass oft nur ein 
Spaltpilz geuügt, um bei enorm rascher Vermehrung den 
Körper krank zu machen. Jedoch fand Koch bei der 
Verfütterung von Milzbrandsporen einen Unterschied, je 
nachdem er sie in geringerer oder grösserer Menge einver¬ 
leibte. Im ersten Fall blieben die Versuchsthiere öfter 
gesund. 

Endlich fragt es sich, ob die Infectionserreger Eigenbe- 
wegung haben oder nicht? Auf diese Erscheinung, welche, 
wie mir scheint, zu wenig berücksichtigt wird, möchte ich 
besonders hinweisen. 

Alle Autoren legen nicht geringes Gewicht 'auf die Eigen¬ 
bewegung der Mikroorganismen, welche die letzteren in 
wässrigen Medien zeigen. N ä g e 1 i sagt, dass wenn die 
Spaltpilze im Gegensatz zu gleich grossen oder kleinen 
Kohlentheilchen doch in die Substanz des Körpers eindrin¬ 
gen, sie dies als lebende Organismen in activer Weise voll¬ 
bringen. Er glaubt, dass das Eindringen durch die Lun¬ 
genalveolen in die Capillaren möglich sei, weil die Spalt¬ 
pilze sehr fein seien, mit 100—öOOfach geringerem Quer¬ 
schnitt als die Pilzfäden, weil sie sich schraubenartig 
um ihre Achse drehen, weil sie selbständiger Vorwärts¬ 
bewegung fähig seien im Gegensatz zu der Molecular- oder 
Zitterbewegung vieler Mikroorganismen. Die Geschwin¬ 
digkeit, mit welcher sie im Wasser vorwärts geben, sei 
tausendmal grösser als die Geschwindigkeit des im Wasser 
frei wachsenden Schimmelfadens. Dazu bemerkt Nä¬ 
gel i, dass die Spaltpilze bald ruhend, bald schwär¬ 
mend angetroffen werden. Koch betont ausdrücklich 
die stete Ruhe der im hängenden Tropfen beobachteten 
Tuberkel- und Milzbrandbacillen gegenüber der Eigen¬ 
bewegung der L Recurrensspirillen und Cholerabacillen und 


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71 


sagt von den Tuberkelbacillen: «sie können, weil sie 
keine eigene Bewegung besitzen, nur von selbstbeweglichen 
Elementen, den Wanderzellen, fortbewegt werden.« Auch 
er unterscheidet zwischen der Molecular- und Eigenbewe¬ 
gung. G a f f k y beschreibt die lebhafte Eigenbewegung 
der Typhusbacillen. In der Beschreibung der niederen 
Filze, welche Flügge liefert, bemerkt er bei jedem Spalt¬ 
pilz, ob er Eigenbewegung zeige oder nicht, und meint, dass 
diese «locomotorischen Bewegungen» meist oder immer 
durch Cilien vermittelt werden, wobei die Energie der Be¬ 
wegung von der Temperatur- oder Sauerstoffzufuhr abzu¬ 
hängen scheine. Bei Anaerobien (Oedema malignum) si- 
stire die Bewegung sofort bei Sauerstofizutritt. Rind¬ 
fleisch gesteht ausser den Fäulnissbacillen auch anderen 
Scbizomyceten einen gewissen Grad eigener Beweglichkeit 
zu, welche das Eindringen derselben ins Körperparenchym 
unterstütze. Noch im Jahre 1872rechnete Rindfleisch die 
Kokken zu den pflanzlichen, die Bacterien dagegen um 
ihrer willkürlichen Bewegung willen zu den thierischen Ge¬ 
bilden. Man hat sich mittlerweile überzeugt, dass die 
selbständige Beweglichkeit nicht mehr als unterscheidendes 
Merkmal zwischen Thier und Pflanze gelten darf, dass na¬ 
mentlich die Generationszellen beider Reiche in dieser Be¬ 
ziehung einander gleichen. Die pflanzlichen Schwärmsporen, 
deren erste Beobachtung im Jahre 1843 Unger zu der 
Broschüre «die Pflanze im Moment der Thierwerdung» ver- 
_ anlasste, verhalten sich nicht anders als die thierischen 
Samenfäden, denen man vor 25 Jahren nur eine Molecular- 
bewegung zugestand, während man später berechnet hat 
(He nie), dass sie 0,05—0,15 Mill. in der Secunde zu¬ 
rücklegen und wahrscheinlich lediglich dadurch trotz der 
ihnen entgegen gerichteten Flimmerbewegung in den Ute¬ 
rus, die Tuben, in die Bauchhöhle (Ovarial- und Tuben- 
Schwangerschaft), in das weibliche Ei eindringen können. 
Auch sie gedeihen, wie die Spaltpilze, im alkalisch reagi- 
renden Schleim. Neuerdings bat Wiedersperg direct 
beobachtet, wie der Samenkörper die Samenzelle hinten 
mit der Geissei durchbricht und den Kopf vorne durch die 
Zellwand hervorschnellt. 

Es liegt natürlich nahe zu vermuthen, dass das Eindrin¬ 
gen gewisser durch die Luft in Staubform fortgetragenen 
Spaltpilze, sobald sie in dem wässrigen Medium des Bron¬ 
chialschleims ihre Eigenbewegung beginnen, in ähnlicher 
Weise vor sich geht. Sie durchdringen die intacten Epi- 
thelien und die Gefässwände der Capillarschlingen, nachdem 
sie die Gegenbewegung des Flimmerepithels überwunden 
haben. Dass die Eigenbewegung der Spaltpilze direct mit 
der Organisation derselben zusammenhängt, soviel auch 
andere Einflüsse begünstigend einwirken mögen, wird da¬ 
durch erwiesen, dass beispielsweise in demselben mensch¬ 
lichen Organismus zu derselben Zeit die Tuberkelbacillen 
immer ruhend, die Recurrensspirillen immer beweglich an¬ 
getroffen werden. Man ist versucht, die Zeit annähernd 
zu berechnen, während welcher die Recurrensspirillen und 
andere noch unbekannte bewegliche Spaltpilze die Alveo¬ 
larwand der gesunden Lungen durchdringen. Während die 
Infection durch Impfung bei Recurrens, Variola und Vari¬ 
cellen den Ausbruch der Krankheitssymptome nach 7—8 
Tagen bewirkt, dauert die Incubationszeit bei der gewöhn¬ 
lichen, durch die bis dahin gesunden Lungen erfolgten In¬ 
fection 10—14—16 Tage. Die Spaltpilze dieser Krank¬ 
heiten bedürfen also eines Zeitraums von 3—8 Tagen zu 
dieser Arbeit Der Process wird verschieden lange dauern, 
je nachdem das Epithel durch Catarrh verloren ging oder 
je nachdem die Menge der eindringenden Spaltpilze diesen 
natürlichen Schutz des Körpers überwand. 

Die Verbreitung der Spaltpilze im lebenden Organismus 
wird sich natürlich sehr verschieden gestalten müssen, je 
nachdem die Mikroorganismen Eigenbewegung haben oder 
nicht. Das Krankheitsbild einer Infection hängt von ver¬ 
schiedenen Umständen ab. Sowohl die Milzbrand- wie die 
Tuberkelbacillen zeigen niemals Eigenbewegung. In dem¬ 


selben Organismus wird das langsame Wachsthum des Tu¬ 
berkelbacillus einen chronischen Verlauf, die plötzliche 
Ueberschwemmung der Blutbahn aus einem käsigen Herde 
eine acute Miliartuberculose bedingen, die Absonderung 
eines toxischen Stoffes von Seiten des Milzbrandbacillus, 
oder seine rasche Vermehrung und sein bedeutender Sauer¬ 
stoffverbrauch einen höchst acuten Verlauf herbeiführen. 
Auch wird es einen Unterschied machen, ob die Spaltpilze 
von vornherein in die Lymphbahnen oder in den Blutstrom 
gelangen. Nichtsdestoweniger lassen sich im Ganzen und 
Grossen viele eigenthümliche Erscheinungen im Verlauf der 
Infectionskrankheiten fast einzig und allein aus der Eigen¬ 
bewegung und dem Ruhezustand der Infectionserreger er¬ 
klären. 

Dies gilt insbesondere vom acuten und chronischen Ver¬ 
lauf. H e n 1 e setzt die Dauer der einzelnen Krankheit 
gleich der Lebensdauer der Generation des Spaltpilzes (die 
Dauer einer Epidemie gleich der Lebensdauer einer Gat¬ 
tung). Diese Annahme ist unhaltbar, wie die Relapse bei 
den verschiedenen Krankheiten beweisen, z. B. beim Den¬ 
guefieber, gelben Fieber, Typh. abdom., Recurrens. Wie 
Carter und Koch nachgewiesen haben, macht die Spi* 
rochaete Obermeyeri beim Affen einen einfachen Ent¬ 
wicklungsgang durch. Die Affen bekommen keinen Re- 
laps, sondern nur einen Anfall , wenn sie mit Recurrensblut 
geimpft wurden. Beim Menschen beweisen die Intermis¬ 
sionen, dass der'Spaltpilz 2—6 Mal in verschiedenen For¬ 
men sich erneuert und G a f f k y ’s Untersuchungen des Ty¬ 
phusbacillus machen es wahrscheinlich, dass das Recidiv 
beim Typhus abdom. auf abwechselnder Bacillus- und Spo¬ 
renbildung beruht, die sich im inficirten Organismus selbst 
vollziehen kann. Trotzdem bleiben aber Recurrens und 
Typhus abdom. acute Kraukheiten. Warum bleiben diese 
in einer adäquaten Temperatur und Nährlösung, dem thie¬ 
rischen Blut, gedeihenden Spaltpilze nicht so lange im Blut, 
bis sie den Organismus zerstört haben, gleich wie die Tu- 
berkel-j Lepra- nnd Rotzbacillen ? Dass die Recurrensspi¬ 
rillen im Organismus auch nicht etwa zu Grunde gehen, 
lehrt ausser der beständigen Uebertragung auf Gesunde der 
Umstand, dass sie noch 60 Stunden ausserhalb des Körpers 
in derselben Temperatur am Leben erhalten werden können. 
Dasselbe ist von den Tuberkel- und Cholerabacillen zu 
sagen. Und wenn sicher constatirt ist, dass sowohl Re¬ 
currensspirillen (Kannenberg), wie Tuberkel- und 
Milzbrandbacillen (Flügge, Koch, Weigert) und 
Schimmelsporen (G r a w i t z) durch die Nieren ausge¬ 
schieden werden — wie überhaupt eine geringere oder stär¬ 
kere Ausscheidung aller Infectionserreger ohne Ausnahme 
durch Darm, Haut, Nieren und Lungen anzunehmen ist — 
warum verläuft ein Theil der Krankheiten chronisch oder 
atypisch (d. h. bald chronisch bald acut), der andere Theil 
immer nur acut und typisch? Warum genesen die von Tu- 
berculose und Recurrens gleichzeitig Befallenen von der 
Recurrens und siechen oder sterben an der Tuberculose? 
Warum genesen die gleichzeitig von Recurrens und Variola, 
Typh. abd. und Variola, Typh. abd. und Scharlach Befalle¬ 
nen nach acutem Verlauf der beiden schweren Infectiops- 
krankbeiten? Wir haben zufällig selbst die erwähnten 
Doppelerkrankungen beobachtet.’ — Die exquisit beweg¬ 
lichen Recurrensspirillen finden wir reichlich im Blutplasma. 
Die ruhenden Tuberkelbacillen, deren Lebenslauf Koch 
so genau beschrieben hat, werden von den Wanderzelle auf¬ 
genommen und so lange weiter getragen, bis sie aufquellen, 
absterben und hier und da liegen bleiben, woran sich der 
Kampf zwischen den Spaltpilzen und Riesenzellen schliesst. 
Der gewöhnliche Ausgang ist nach chronischem Verlauf der 
Tod des Organismus. In ähnlicher Weise verlaufen dieje¬ 
nigen chronischen Krankheiten, bei welchen die ruhenden 
oder, wie es manchmal heisst, die schwachbeweglichen Ba¬ 
cillen (Lepra) oder die immer im Ruhestand angetroffenen 
Kokken innerhalb der Wanderzellen gefunden werden: 
Septicaemiebacillen, Lepra - Syphilisbacillen, Gonokokken, 

8 * 


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72 


Diphtheriekokken. Die ruhenden Milzbrandbacillen werden 
freilich auch zuweilen im Blutplasma gefunden, ebenso die 
Tuberkelbacillen. Dies geschieht jedoch nur ausnahms¬ 
weise bei sehr starker Vermehrung oder Qeberschwemmung 
in Folge plötzlichen Durchbruchs in die Gefässe. Im All¬ 
gemeinen ist es durchaus verständlich, dass die ruhenden 
Bacillen gewöhnlich von Wanderzellen in’s Gewebe ver¬ 
schleppt werden, in den Lymphbahnen stecken bleiben, 
überall zahlreiche Döpots bilden und nur durch einen äus- 
serst energischen Stoffwechsel zum grössten Theil ausge¬ 
schieden werden, während die beweglichen Bacillen und 
Spirillen, von dem zur Oberfläche des Körpers tendirenden 
Saftstrom getragen, nach verhältnissmässig kurzer Zeit die 
Ausgangspforten erreichen. Kurz, die Eigenbewegung 
wird den Spaltpilzen bei ihrer Verbreitung innerhalb des 
Organismus eine gewisse Selbständigkeit und Ueberlegen- 
heit gegenüber den amöboiden Wanderzellen verleihen und 
sie befähigen, die Deckepithelien von innen nach aussen und 
von aussen nach innen, desgleichen auch die Placentar- 
zellen, zu durchdringen. JEs scheint also durchaus gerecht¬ 
fertigt, die Verbreitung der beweglichen Endophyten im 
Organismus nach Analogie der Endozoen sich vorzustellen, 
deren Bedeutung für den menschlichen Körper verkannt 
worden ist. Es sei hier an die Trichina spiralis erinnert, 
deren Aufnahme vom Darm aus (von Leuckardt, Vir- 
c h o w und Zenker 1860) erkannt wurde, lange nach¬ 
dem die Muskeltrichine (von Owen 1835) entdeckt worden 
war. Giebt es doch auch heute noch manche Aerzte, die 
daran zweifeln, dass die Filaria sanguinis und das Distomum 
hämatobium, durch den Darmcanal aufgenommen, den 
ganzen Körper durchsetzen, um durch die Nieren wieder 
hinauszudringen, wobei es zu einer Nephritis hämorrha¬ 
gica (ähnlich wie bei Recurrens und Scharlach) kommt. 
Dass das Anchylostomum duodenale gleichfalls mit dem 
Trmkwasser aufgenommen wird, dass die Eier desselben in 
der Leber und den Nieren aufgefunden werden, ist früher 
und neuerdings wieder constatirt worden. Ebeuso sicher 
ist nach den Untersuchungen Fedschenko’s, dass die 
Vorstufe der Filaria Medinensis mit schlechtem Trink wasser 
in den Magen gelangt und den ganzen Körper durchwan¬ 
dert, bis der ausgewachsene Parasit, das trächtige Weib¬ 
chen, durch die Haut sich hinausbohrt. Und doch glauben 
noch heute Manche, dass der Wurm durch die Haut von 
aussen in das Unterhautzellgewebe eindringt*). 

Dass einzelne Infectionsstoffe die Placentarscheidewand 
durchdringen , andere nicht, ist eine zweite Thatsache, die 
bis jetzt nicht erklärt worden ist. B o 11 i n g e r nahm an, 
dass nur Gase die Placentarscheidewand durchdringen. 
Albrecht hat indessen die Recurrensspirillen im Foetus 
gefunden. Die Infection des Foetus mit Pockengift und 
die Nichtinfection desselben mit Milzbrandgift, worüber 
Bollinger zahlreiche Versuche angestellt hat, ist be¬ 
kannt. Die von Perls und vielen Anderen angestellten 
Experimente, Farbstoffkörnchen (Zinnober und Ultramarin) 
durch die Placentarscheidewand hindurebzubringen, haben 
negative Resultate geliefert. Von den Pocken berichtet 
Bollinger, von der Syphilis Eichhorst, dass in den 
ersten 5 Monaten der Schwangerschaft die erwähnten In¬ 
fectionsstoffe manchmal auf den Foetus übergehen. Rind¬ 
fleisch und Kassowitz8ind dagegen der Meinung, dass 
das syphilitische Gift die Placentarscheidewand überhaupt 
nicht überschreitet. Ich will nun die Infectionskrankh eiten 
hier anführen, bei welchen bis hierzu Infection des Foetus 
beobachtet worden ist: 

1) Bei Recurrens, 2)Cholera, 3) Typhus abdom., ^Gelb¬ 
fieber, 5) Pest, 6) Scarlatina, 7) Tussis convulsiva, 8) Mor¬ 
billi, 9) Pocken (auch bei Schafpocken), 10) Lues, 11) Pur- 


*) Ich habe im vorigen Jahre hier einen Fall von Filaria Medi- 
neneis gesehen, wo ein Exemplar am Oberschenkel, das andere in 
der Nierengegend die Haut perforirte. Der Patient hatte vor 8 
Monaten bereits den Infectionsort Taschkent verlassen. 


pura hämorrhagica, 12) Malaria, 13) Gelenkrheumatismus, 
14) Hühnercholera. 

Mit Ausnahme der Lues, dann der Malaria und Purpura 
hämorrhagica (über welche später zu sprechen ist), sind es 
lauter exquisit acute Krankheiten, bei welchen die Foetus- 
Infection constatirt ist. Wer zugiebt, dass der acute Ver¬ 
lauf der Infectionskrankheiten am ungezwungensten durch 
die Eigenbewegung der Spaltpilze sich erklären lässt, wird 
dieselbe Deutung für dies bisher unerklärte Verhalten der 
Placentarscheidewand zulässig finden. Die Epithelien und 
Gefäske der Placentarscheidewand würden denen der Lun¬ 
genalveolen mit ihren Gefässen und den Darmepithelien 
gleich zu setzen sein. Zuzugeben wäre immerhin, dass uri- 
ter besonderen Umständen (Continuitätstrennung der Pla- 
centarzellen- und Gefässwände) eine uterine Infection des 
Foetus auch durch Verschleppung ruhender Mikroorganis¬ 
men zu Stande kommen könnte. Es dürfte jedoch sehr 
schwierig sein (z. B. bei Tuberculose, Syphilis etc.) die 
germinative oder conceptionelle Infection (J o h n e) im gege¬ 
benen Fall auszuschliessen. 

Auch die eigenthümliche Thatsache, dass die endocardi- 
tpchen Affectionen beim Erwachsenen meist im linken, "beim 
Foetus im rechten Herzen gefunden werden (Flügge, 
Eich hörst), könnte am natürlichsten daraus erklärt 
werden, dass bewegliche Spaltpilze beim Erwachsenen 
durch die Lunge in’s linke Here , beim Foetus durch die 
Nabelvene in’s rechte Herz gelangen. 

Die gutartig und acut verlaufenden Endocarditiden, 
Pneumonien etc. im Verlauf von Recurrens, Pocken, Typh. 
abdom., Typh. exanth., Denguefieber würden gleichfalls als 
durch die entsprechenden beweglichen Spaltpilze verursacht 
anzusehen sei. (Schluss folgt.) 


Referate. 

Prof. F. A h 1 f e)l d t: Die Ursachen der Wehenschwäche 
in der Austreibungsperiode bei Erstgebärenden und 
die Mittel zur Beseitigung derselben. (D. med. W. 1885, 
J* 51). 

Eine der häufigsten Indicationen, welche die Hebamme veran¬ 
lasst, den Arzt herbeizurufen, und welche den Arzt veranlasst, die 
Zange anzulegen, ist die «Wehenschwäche» am Ende der Austrei¬ 
bungsperiode, der Kopf steht direkt hinter der Schamspalte, er¬ 
scheint wohl auch während der Wehe in derselben, und weicht dann 
wieder zurück, — dieser Zustand kann sehr lange andauern. 

Der Grund ist darin zu suchen, dass der Uterus sich im Laufe der 
Geburt so hoch nach oben zurückgezogen hat, dass in dem sich con- 
trahirenden Theile nur noch die Hälfte, vielleicht blos ein Drittheil 
des Kindes liegt. Mithin kann der Uterus keine sehr erhebliche 
Kraft mehr ausüben, die Geburt steht still, wenn nicht die Bauch¬ 
presse das Kind herausdrückt. Die Bauchpresse wirkt um so kräf¬ 
tiger, je mehr der Leib ausgedehnt ist und bei Erstgebärenden ist 
die Ausdehnung ohnehin eine geringe, die Bauchprese wirkt hier 
am wenigsten. Die Anwendung von Secale ist in solchen Fällen 
eine gänzlich unberechtigte Maassnahme, das richtigste Hilfsmittel 
ist eine Verstärkung der Bauchpresse, wo dieselbe möglich ist, z. B. 
durch Zugbänder und Handhaben. 

Dann aber boII man zwei weitere Mittel nicht vergessen: 

1 ) den B i t g e n ’schen Handgriff, falls der Kopf mit beträcht¬ 
lichem Segment schon in der Schamspalte erscheint, d. h. Heraus¬ 
hebung des Kopfes mit Hülfe zweier in den Anus eingeführten 
Finger. 

2 ) die Construction eines Geburtsstuhles: die Frau wird mit ge¬ 
spreizten Schenkeln auf oder vielmehr zwischen zwei Stühle gesetzt. 
Sowie die sitzende Stellung eingenommen wird, sieht man, dass der 
Kopf nicht wieder zurückweicht, und ist die Geburt genügend vor¬ 
gerückt, so kann die Frau zurück auf ibr Lager, und der R i t g e n- 
sche Handgriff tritt in sein Recht. In sitzender Stellung kann die 
Bauchpresse auch in stärkere Action treten, weil die Ansatzpuncte 
der Bauchmuskulatur sich nähern. 

Zieht der Uterus sich so stark zurück, so liegt die Gefahr nahe,' 
dass die Placenta theilweise oder gänzlich gelöst wird. Der Arzt 
hat soeben noch die kindlichen Herztöne gehört, und eine Viertel¬ 
stunde darauf wird das Kind todt geboren. In solchen Fällen folgt 
wohl auch die Placenta, dem Steisse anliegend, dem Kinde direct 
nach. 

Kann der Arzt eine solche Gefehr gewahr werden, sc muss er 
, natürlich das Kind sofort an die Aussenluft bringen, und zwar 
durch dasjenige Mittel, welches am schnellsten zum Ziele fürt. 

Dr. M. Schmidt — San-Remo. 


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J. Stilling (Strassburg): Ueber die Entstehung des 
Schielens. (Archiv für Augenheilkunde von Knapp und 
Schweigger. Bd. XV. 1. Heft. 

Durch an sich selbst und einer recht grossen Anzahl zuverlässi¬ 
ger Selbstbeobachter angestellte Prüfungen kam Yerf. zu der 
Ueberaeugung. dass nicht die bisher allgemein angenommene Pa¬ 
rallelstellung der Augen der Ruhelage derselben entspricht, sondern 
dass man den Satz «Ruhelage der Augen ist Schielstellung» als 
Gesetz mit seltenen Ausnahmen statuiren müsse, und giebt Yerf. 
folgende Definition des Schielens. Strabismus ist Aufgeben der 
binoculären Fixation unter Verfallen des einen Auges in die ihm 
von Haus aus zukommende Ruhelage. Ist dieselbe Convergenz, so 
entsteht Einwärtsschielen, ist sie Divergenz, Auswärtsschielen, ist 
sie Parallelstellung, so kann absolute Schielstellung nicht zu Stande 
kommen. 

Bei Berücksichtigung der verschiedenen Refractionsverhältnisse 
hat sich herausgestellt, dass bei Hypermetropen in der Mehrzahl 
der Fälle als Ruhestellung sich Convergenz findet, wogegen Myopen 
Divergenz als Ruhestellung produciren. Bei Emmetropie ist die 
Regel Convergenz. Diese Befunde entsprechen vollkommen den bei 
den verschiedenen Refractionszuständen in der Regel zu beobach¬ 
tenden typischen Schieiformen und finden sich, um mit den Worten 
des Verfassers zu reden, in der normalen Ruhelage der Augen die 
Vorbedingungen des Schielens . — Damit nun die als normale Ruhe¬ 
lage sich findenden Abweichungen der Augenaxe manifest wird, 
somit manifestes Schielen zu Stande kommen kann, müssen be¬ 
stimmte Bedingungen vorliegen, die das Aufgeben der binoculären 
Fixation für den Patienten wünschenswerth machen, z. B. bedeu¬ 
tende Refractionsunterschiede beider Augen, Amblyopie des einen 
Auges etc. — Ohne näher auf die sehr interessanten Deductionen 
des Verfassers hier eingehen zu wollen, möchten wir hiermit die 
sich für vorliegenden Gegenstand interessirenden Collegen auf Stil- 
ling’s Arbeit aufmerksam gemacht haben. Wiewohl weiterer 
Control-Prüfungen bedürftig,. so ist die von Still i n g aufgestellte 
Theorie des Schielens zur Beurtheilung der bisher in vielen Puncten 
so dunkelen Strabismuslehre von grosser Bedeutung. L. 

L e w i 8 A.Sayre (New-York): Genital irritation as a 
cause of reflex nervous phenomena. (Virginia Medic. 
Monthly. Sept. 1885, AI 6). 

Der als Orthopaed bekannte Yerf. theilt folgende Fälle aus'seiner 
Praxis mit: 1) 6-j. gesunder Jungej seit 3 J. oft unsicherer 
Gang, seit 2 Wochen lahm. Nach Beseitigung einer hochgradigen 
Phimose mit Adhaerenz des Praeputiums in 10 Tagen Restitution. 
2 ) 5-j. früher stets gesunder Knabe ; seit 2 Monaten Chorea minor 
mit undeutlicher Sprache; idiotischer Gesichtsausdruck; Penis 
beständig erigirt wegen Phimose und Adhaerenz. Nach Circum- 
cision vollständige Heilung in 3 Wochen. Die Sprache schon nach 
einigen Stunden deutlicher. 3) 7-j. Knabe, lebhaft und nervös, zu 
Erbrechen geneigt, schwach auf den Beinen, dabei wohlgenährt. 
Phimose mit Adhaerenz; Berührung der Harnröhrenmündung ruft 
convulsivische Zuckungen des ganzen Körpers hervor. 12 Tage 
nach der Circumcision vollständiges und dauerndes Wohlbefinden. 
4) 25-j. sehr kräftiger, doch nervöser JJann, klagt nach «Fall vom 
Pferde» über ziehende Schmerzen in der Reg. lumbalis, Unfähigkeit 
zu stehen und zu gehen. Blutegel und Tags darauf trockene 
Schröpfköpfe; horizontale Lage. Wegen des förmlich hysterischen 
Zustandes Untersuchung der Genitalien : Praeputium eng, schwer 
hinter die Glans zu streifen, Frenulum extrem kurz; leiseste Be¬ 
rührung der Mündung ruft nervöse Zuckungen hervor, beständige 
Erectionen. Incisiones praeputii et frenuli von baldigem Ver¬ 
schwinden aller Symptome gefolgt. Sei. 

A. Erajewski (Chersson): Günstige Resultate von 
Schutzimpfungen gegen den Milzbrand. (Centralbl. f. d. 
med. Wissenscb. 1886, AI 1). 

Prof. Zenkowski ist es nach Angabe des Yerf. gelungen mit 
selbstbereitetem Impfstoff wirksame Schutzimpfungen gegen Milz¬ 
brand an Schafen zu bewerkstelligen. Die Impfungen wurden im 
Sommer auf dem Gute Bialoserka an ca. 1333 Schafen vorgenom¬ 
men. Die Verluste betrugen nach der ersten Impfung 1,55—1,6%, 
nach der zweiten Impfung 0,099—0,3%, im Mittel also 1,8—2,0%. 
Darauf vorgenommene Probe-Impfungen mit verdünntem Milzbrand¬ 
blut hatten den Tod keines einzigen Thieres zur Folge. Eine ad hoc 
niedergesetzte Commission wählte dann aus den geimpften Thieren 
30 Stück aus, welche gleichzeitig mit 10 nicht geimpften Schafen 
am 5. Nov. einer Controlimpfung mit verdünntem Milzbrandblut 
{*1*0 Ccm. mit der dreifachen Menge Wasser verdünnt) unterzogen 
wurden. Von den nicht geimpften Schafen fielen 8 Stück binnen 
20—40 Stunden, das 9. am 6. Tage nach der Impfung an ^ausgespro¬ 
chenem Milzbrände und nur eines genas. Die vaccinirten Schafe 
zeigten am folgenden Tage eine Temperaturerhöhung, welche bis 
zum 4. Tage wieder geschwunden war. Eins von den vaccinirten 
Schafen war von Hunden zu Tode gehetzt worden, eins fiel später 
an Pleurapneumonie und Pericarditis; die mikroskopische Unter¬ 
suchung konnte bei keinem von Beiden Authraxbacillen nachweisen, 
weder im Blute noch in den Geweben. —t. 


Bacher-Anzeigen und Besprechungen. 

A. N u h n: Lehrbuch der vergleichenden Anatomie. 
II. Ausgabe. Mit 36 Holzschnitten. Heidelberg, Carl Win- 
ter’s Universitätsbuchhandlung 1886. 

Ueber das vorliegende Werk hat sich unsere Wochenschrift Bchon 
gelegentlich der ersten Auflage sehr günstig ausgesprochen. In der 
That hat der Autor gestützt auf die Erfahrungen seiner langjährigen 
Lehrthätigkeit an der Heidelberger Universität nicht nur seine Auf¬ 
gabe, den Studirenden der Medicin eine Uebersicht über den Bau 
der Thiere zu liefern, welche geeignet sei, das Yerständniss der 
menschlichen Anatomie und Physiologie zu fördern, aufs Glänzendste 
gelöst, sondern daB Werk hat sich auch viele Freunde unter den 
Naturforschern und Aerzten erworben und wird wohl selten in der 
Bibliothek eines Physiologen oder Anatomen vermisst. Es wird den 
Darstellungen der thierischen Organisation nicht die genetische, 
sondern die physiologische Methode zu Grunde gelegt, indem jeder 
der organischen Apparate durch die ganze Reihe des Thierreiches 
durchgeführt wird. Ein Vorzug des Werkes ist die grosse Anzahl 
ganz vorzüglicher Holzschnitte, welche zu dem bei Weitem grössten 
Theile nach der Natur angefertigt sind und der Anschauung we¬ 
sentlich zu Hilfe kommen, woher das Werk auch ganz besonders zum 
Selbststudium geeignet erscheint. 

Diese zweite Ausgabe, von welcher uns die erste Abtheilung vor¬ 
liegt, ist durch Literaturangaben bis zum Jahre 1885 ergänzt und 
soll ein ausführliches Sach- und Namenregister erhalten. Sie wird 
in zwei Theilen einen Band bilden und in fünf Abtheilungen alle 
zwei Monate zum Subscriptionspreise von im Ganzen 20 Mark er¬ 
scheinen. Nach dem Erscheinen dagegen soll ein erhöhter Laden¬ 
preis eintretcn. —x. 

S. Laach e: Harn-Analyse für praktische Aerzte. 

Leipzig, Verlag von Vogel 1885. 

Dieses Büchlein, in Octavform 166 Seiten stark, macht uns in 
übersichtlicher und klarer Weise mit Allem bekannt, was den prak¬ 
tischen Arzt auf diesem Gebiete interessirt. Einige wichtige Ca- 
pitel wie z. B. Albuminurie und Diabetes sind besonders sorgfältig 
bearbeitet, ln allen Capiteln wird der klinischen Seite die gebüh¬ 
rende Berücksichtigung gewährt und 21 in den Text gedruckte gute 
Holzschnitte tragen das ihrige bei, um den Werth des Büchleins zu 
erhöhen und für den praktischen Arzt sehr empfehlenswerth zu 
machen. L—n. 


I. Congress russischer Aerzte. 

Section für Syphüidologte. 

Sitzung , den]'28. Decemder. Ehrenpräses: Prof. Brujew — 
Charkow. 

1) Dr. Witz — Petersburg: «Die Rolle der Schwefelbäder in der 
Therapie der Syphilis.» Er spricht denselben folgende Wirkungen 
zu: 1) Sie erneuern im Körper des Pat. die Empfänglichkeit für die 
Heilwirkung des Hg., welche durch häufige Hg.-Behandlung all- 
mälig verloren gegangen. 2) Härtnäckige, sonstiger Behandlung 
nicht weichende syphilitische Affectionen schwinden beim Gebrauch 
von Schwefelbädern. 3) Die Schwefelbäder verstärken die Heilwirkung 
des gleichzeitig eingeftihrten Hg. — Die Möglichkeit, dass unter 
dem Schwefelbädergebrauch Recidive sich schneller zeigen, giebt 
W. zu, spricht dieser Erscheinung jedoch jede Bedeutung ab. 

Prof. Ga y hält es nicht für erwiesen, dass die Heilkraft das Hg. 
bei gleichzeitigem Schwefelbädergebrauch erhöht werde und spricht 
sich gegen die in den Schwefel-Badeorten übliche Methode, gleich¬ 
zeitig mit den Bädern grosse Dosen Hg. einzureiben, aus. Dem Kör¬ 
per soll gerade nur soviel Hg. zugeführt werden, als zur Verhin¬ 
derung eines Recidives nöthig. 

Dr. S m i r n o w weist auf die reactive Bedeutung der Schwefelbä¬ 
der hin in denjenigen Fällen, wo gleichzeitig Mercurialismus und 
Syphilis bestehen. Indem Ersterer beseitigt wird, erkennt man 
erst welche Erscheinungen der Syphilis angehören. 

Prof. G a y entgegnet, man müsse stets die. Syphilis nach ihren 
Symptomen diagnosticiren, nicht durch Schwefelbädergebrauch Auf 
den Vortrag W.’s eingehend, weisst G. nach, dass man nach 2 jähri¬ 
ger Beobachtung von Pat. nicht über das Behandlungsresultat urthei- 
len könne« Nach seiner Erfahrung tritt bei c. 10 % der lege artis 
Behandelten ein gummöses Stadium ein, im Allgemeinen müsse aber 
die Zahl Buck’s (32%) als richtig angesehen werden. 

2) Dr. Michailo wski — Pbg.: «Die Hg.-Ausscheidung durch 
den Harn nach Anwendung von Hg.-Salben.» M. bat 9 verschie¬ 
dene Salben benutzt und kommt zudem Resultate, dass am schnellsten 
(nach 12 Std.) Hg. im Harne auftritt, nach Anwendung von Ung. 
hydrargyr. dplex cum butyro Cacao parat. (J ß) sowie der Sapö 
mercurial. Oberländeri, am langsamsten nach Ung. hydr. olöin, und 
Ung. hydrarg. sublimst, corrosiv. M. hat seine Untersuchungen mit 
der W i t z’schen Methode angestellt (an74 Pat. — ca. 1500 Harnana¬ 
lysen). Hg. scheidet sich auch nach dem Aufhören der Inunctionen 
aus und zwar während einer 3—4 fach so langen Zeit, als Inunctio¬ 
nen gemacht wurden. Wenn Gingivitis und Stomatitis auftraten 
so war auch gleichzeitig der Hg.-gehalt des Harnes am Bedeu, 
tendsten. 

3) Dr. Such o w — Pbg.: «DieHg.-Ausscheidung durch den Ham 


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74 


bei Bubcutanen Hg.-Injectionen.» Bereits nach einigen Ständen (p. 
inject.) konnte man im Harn Hg. nach weisen bei allen Präparaten, 
ansgenommen Hg. bijodicum, welches erst nach 9—11 Injectionen 
Hg.-Gehalt im Harn bewirkte. Interessant ist die Beobachtung, 
dass gleichzeitige Verabreichung von Jodkali die Hg.-Ausscheidnng 
in Harn herabsetzte. Im Uebrigen bestätigte S. die Beobachtungen 
von Mich ailo wski. 

Sitzung den 30, December. Ehrenpräses : Prof. Tarnowski 
Petersburg. 

1) Prof. Tarnowski demonstrirte den von M a n.s u r o w in Mos¬ 
kau eingesandten Comedonenqüetscher , welcher sich nur dadurch 
von den sonst bekannten Instrumenten auszeichnet, dass mit einer 
besonderen Pincette der Gomedo eingeklemmt und dann durch ein 
cyl inderförmiges Instrument ausgequetscht wird. 

2) Dr. G r a z i a n s k i — Pbg.: «Die pathol. Anatomie’der Bupia. » 
R. entwickelt sich, wie zahlreiche instructive mikroskopische 
Präparate es zeigten, in der reticulären Schicht der Haut und geht 
zuweilen bis in das Unterhautzellgewebe, von starker Infiltration 
begleitet. Gleichzeitig findet starke Rundzellenbildung, sowie 
Schwellung der Capillargefässwandungen (bi3 zu Verschluss der Lu¬ 
mina) Btatt. Die Epidermis wird vom Stratum Malpighi abgehoben, 
welches eitrig infiltrirt ist, das Stratum papillare ist stark hyperä- 
misch. Als Ursache für die Geschwürbildung sieht G. die Herab¬ 
setzung des arteriellen Blutzuflusses in Folge der Compression der 
GefäsBe durch die Infiltration, sowie auch die Veränderung der 
Qualität des Blutes in Folge der Infection an. 

3) Dr. Tschistjakow — Pbg.: «Ueber extragenitale Syphi- 
lis-Infection.» Wenn man die Landbevölkerung in Betracht zieht, 
so muss die extragenitale Infection dort viel häufiger Vorkommen 
als die Infection per coitnm. Dafür spricht, dass auf dem Lande 
besonders häufig Kinder und alte Leute inficirt gefunden werden, 
sowie dass ganze Familien auf einmal an Syphilis erkranken während 
Ulcus molle eine Seltenheit. Bisher ist noch viel zu wenig auf die 
extragenitale Infection geachtet worden. In den Städten ist oft der 
Mund der Sitz der Initialsklerose. Aus dem Beobacbtungsmaterial 
des Prof. Tarnowski hat T. 100 Fälle von extragenitaler Infection 
zusammengestellt, von denen 45 auf die Mundlippen kommen, 14 auf 
den Finger. Je 2 Mal sass das Ulcus induratum am Anus, Augenlid, 
Kinn, Unterleib, je 1 Mal an der Nase und Hals und 27 Mal in der 
Mundhöhle. Namentlich macht T. auf die Initialsklerose an der 
Tonsille aufmerksam und berichtet über einen von ihm beobachte¬ 
ten Fall. 

Prof. Gay spricht sich dagegen aus, dass man, wie T., annehmen 
soll, die Initialsklerose sässe häufig im Rachen, er habe in 14 Jahren 
nur 2 Fälle gesehen. Auch Dr. Petersen hält den Tonsillar¬ 
schanker für äusserst selten. Er habe in 10 Jahren auch nur 1 Fall 
gesehen. Dagegen wendet T s c h i s tJ a k o w ein, er komme viel¬ 
leicht häufiger vor, würde jedoch beim Land Volke leicht übersehen. 
Gay meint, bei der Landbevölkerung müsste die Initialsklerose 
jedenfalls häufiger an den Lippen, als im Rachen gefunden werden, 
was aber auch nur selten angegeben wird. 

4) Dr. Petersen: «Ueber die Verbreitung der venerischen 
Krankheiten unter der männlichen Bevölkerung Petersburg^.» (Der 
Vortrag wird in extenso in unserer Wochenschrift erscheinen.) 

5) Dr. Herzenstein: «Charakteristik der Syphilis in Russland 
nach den neuesten officiellen und Semstwo-Berichten.» Nach H.’s 
Ansicht wird die Syphilis auf dem Lande vorherrschend extragenital 
und zwar unter Weibern und Kindern verbreitet. Auf Grund der 
officiellen Zahlen fand H., dass unter 1,617,413 jungen Leuten, die 
sich 1877—82 zur Wehrpflicht gemeldet, 9543 wegen Syphilis bra- 
kirt worden (NB. Nach dem bisher geltenden Reglement werden nur 
tertiär Syphilitische nicht zum Dienst acceptirt), also durchschnitt¬ 
lich 0,59%. 1877 waren es 0,79%, 1882 0,49%. Hieraus geht 
hervor, dass die Zahl der tardiven Fälle abnimmt. Andere Zahlen 
dagegen beweisen, dass die frischeren Formen zunehmen, somit die 
Syphilis im Allgemeinen nicht abnimmt. 

Prof. G a y weist darauf hin, dass die bisher bekannten Zahlen 
keinen richtigen Ueberblick über die Verbreitung gewinnen lassen, 
selbst die «allgemeinen^Besichtigungen ganzer Dörfer» sind nicht 
beweisend, da sie im Sommer vorgenommen werden, wo vorherr¬ 
schend Weiber, Kinder und Greise in den Dörfern Zurückbleiben. 
Daher das scheinbare Resultat, dass diese häufiger erkranken als die 
Männer mittleren Alters. — Zum Schluss der Thätigkeit der Section 
proponirt Prof. Tarnowski das Resultat der Vorträge und Discus- 
sionen näher in einer Reihe von Thesen zu formuliren. Nach noch¬ 
maliger lebhafter Discussion werden folgende Thesen allgemein 
anerkannt: 

1) Die Verbreitung von Kenntnissen[über Syphilis ist die Hauptbe¬ 
dingung zur Wirksamkeit der verschiedenen vorgeschlagenen Maass¬ 
regeln zur Bekämpfung dieser Volksseuche. 

2) Die Errichtung von Specialhospitälern in den grösseren Städten 
(für Venerische und Hautkranke) ist wünschenswerth. In Univer¬ 
sitätsstädten müssen sie mit Lehrstühlen verbunden sein. 

3) Die gegenwärtige Art der Reglementirung der Prostituirten 
ist ungenügend. Die inficirenden Prostituirten müssen von den 
nicht inficirenden getrennt werden. Hierbei müsste auch die Inspec- 
tion dcrMänner,welche die Prostituirten besuchen, eingeführt werden. 

# 4) Die Land Verwaltungen müssen die Errichtung von Ambulato¬ 
rien bei ihren Hospitälern und zeitweiligen Ambulatorien an denjeni¬ 
gen Orten, wo Syphilis endemisch wflthet, begünstigen und anstreben. I 


5) Die Findelhäuser sollen die Brustkinder nicht vor dem 3. Mo¬ 
nate aufs Land abgeben und dafür sorgen, dass dieselben dort unter 
ärztlicher Aufsicht sind (meist wird diese jetzt noch von Feldscherern 
besorgt). Kinder, bei denen im Findelhaus Syphilis constatirt wird, 
sollen garnicht aufs Land gegeben werden. 

6 ) Die Section erkannte den Nutzen der weiblichen Aerzte bei 
Bekämpfung der Syphilis unter der Landbevölkerung an. 

7) Die Ersetzung der Besichtigungsbücher durch Photographiren 
der Prostituirten wurde für unzulässig erkannt. 

8 ) Es ist wünschenswerth, dass sich Wohlthätigkeitsgesellschaf- 
ten zur Unterstützung von Kranken '(einschliesslich der Syphiliti¬ 
schen) bilden. 

9) Es ist durchaus wünschenswerth, dass die bisherige Art der 
officiellen Berichterstattung über Veneriker dahin abgeändert würde, 
dass in den Berichten die 3 Formen (Urethritis, Ulcus molle und 
Syphilis) strikt von einander getrennt angegeben werden. P. 


Aus dem serbisch-bulgarischen Kriege 1885. 

In Belgrad hatten die während des serbisch-bülganschen Krieges 
dort beschäftigten fremdländischen Aerzte einen ärztlichen Verem 
gebildet, welcher allwöchentlich Sitzungen abhielt. Der «Militär^ 
arzt» (JSS 24, 1885) und die «Wien. med. W.» As 62 bringen Aus¬ 
züge aus den Protokollen, denen wir folgendes entnehmen: 

Sitzung den 12. December 1885, unter dem Präsidium von Dr. 
M u n d y. Aus den verschiedenen Mitteilungen geht hervor, dass 
recht viel Tetanus beobachtet worden (Dr. Maydl 6 Fälle, Prof. 
M o s e t i g 4 Fälle, Schmidtl Fall). Ferner wurden über 8 Fälle 
von Thorakotomie bei Thoraxschüssen (M ay dl 5, Mos e tig 3) be¬ 
richtet. Der Stand der Verwundeten in Belgrad war am 14. Dec. 
929, von denen in der Festung 128, im Militär-Spital 67, im Militär- 
Casino 46 und alle Uebrigen in verschiedenen Schulen unterge¬ 
bracht wareu. 

Sitzung den 20. Dec. Dr. Farkas (Ungarn) berichtete über seine 
Ambulanz, in welcher er ausschliesslich, mit Sublimat verband und 
sehr günstige Erfolge erzielt. Auch F. hatte einen Fall von Tetanus. 
Dr. Fränkel (Wien) hatte 330 Fälle zur Behandlung (theils mit 
Carbois., theils Jodoform oder Sublimat) und ist mit den Resultaten 
zufrieden. Es wurde sehr wenig operirt, meist konnte conservative 
Behandlung durchgeführt werden. Bisher hatte er nur 4 Todesfälle 
(2 pyämisch eingebrachte Brustschüsse, 1 Nachblutung aus der A. 
femoralis bei Verjauchung und 1 Tetanus). 

Dr. S a b a t i 6 hebt ans einem Material von 370 Verwundeten her¬ 
vor, dass 70 schwer verwundet, darunter 2 Knieschüsse, die einen 
ganz reactionslosen Verlauf nähmen. 

Dr. H um e (England) hat seine 100 Verwundeten ausschliesslich 
mit Jodoform verbunden und glänzende Resultate erzielt. 

Dr. M u n d y giebt im «Militärarzt» einen ausführlichen Bericht 
über den Krieg, den wir nach seinem Schluss referiren werden. 
Ferner bringt fast jede Nummer der «W. med. W.» Correspondenzen 
vom Kriegsschauplatz, denen wir noch Folgendes entnehmen: Am 
12./24. December erliess König Milan ein Decret, welches die aus¬ 
schliessliche Anwendung der antiseptischen Verbände anbefiehlt. 
Zu Beginn des Krieges waren nämlich die serbischen Truppenärzte 
noch mit Charpie und Carbolsäure ausgerüstet. (Also so wenig 
hatte Serbien von den russischen Aerzten 1876 lernen wollen!) 

Dr. Wittel sh öfer jun. (W. med. W. M 2) berichtet aus Bul¬ 
garien das interessante Factum, dass die Chloroformnarkose durch¬ 
weg besonders leicht wirkte, weil die Trunksucht unter den Bnlgaren 
wenig verbreitet. Die Verbandstoffe in Bulgarien waren mangel¬ 
haft, viel wurde Charpie und das ominöse «Liquor ferri» auf den 
Wunden gefunden. Primär amputirt ist sehr.wenig worden. Ery¬ 
sipel, Tetanus und Wundgangrän hat W. garnicht gesehen. Die 
Zahl der leichten Verletzungen war gross, weil die Serben aus weiter 
Distance schossen und Fürst Alexander mit Vorliebe seine Angriffe 
in der Dämmerung unternahm. Zum Verbände wurde Jodoform, 
Kali hypermanganicum-, Chlorzink- und Carbol-Löaungen benutzt. 
Die Mortalität war eine geringe. 

Dr. Fi 11 e n b au m berichtet vom 2. Januar aus Sophia , bei einem 
Hospital bestände von c. 300 Verwundeten, dass die Erfolge bei 
äusserst conservativem Vorgehen sehr günstig seien. Bisher waren 
nur 2 Amputationen gemacht. Von c. 100 Scbussfracturen nahmen 
bis auf 2, alle einen günstigen Verlauf. Bisher nur 3 Todesfälle 
(1 Wirbelschuss, 1 Pneumonie und 1 Sepsis bei einem Knieschuss, 
wo die Amputation verweigert worden). Nachdem das mitgebrachte 
antiseptisehe Verbandmaterial aufgebraucht, wird solches vom 
Kriegsministerium geliefert. P. 


Vermischtes. 

— Seitens der Universität Dorpat sind in der Zeit vom 1. Sept. 
1885 bis zum 1. Februar 1886 in der medicinischen Facultät nach¬ 
stehende Diplome über medicinische Grade und Würden ausge- 
reicht worden: 

1 ) Ueber die Würde eines Kreisarztes 4: Arzt Louis Haudelin, 
Dr. Wold. Jacobson und Baron Hildebert v. Tiesenhausen aus Liv¬ 
land, Herrm. Johannson aus Kurland. 

2 ) Ueber den Grad eines Doctors 10 : Carl Dahlfeld, Hans v. Rey- 
her, Baron Hildebert v. Tiesenhausen, Wold. Jacobson, Bronisl. 
Czerwinski, Edm. Blumenbach aus Livland, Herrm. Johannson aus 


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75 


Kurland, Hugo Sachs ans Kowno, Michael Halberstam ans Odessa, 
Thaddens v. Dembowski ans Pnltnsk. 

3) Ueber den Grad eines Arztes 16: Albert Berkowitz, Ernst 
Rohsit, Nik. Sörd, Rad. Spliet nnd Emst Classen ans Livland, Carl 
Bock nnd Rieh. Becker ans Kurland, Adolph Kollegorsky ans Odessa, 
Stanisl. Orlikowski ans Podolien, Pincns Levin ans Disna, Nacbnm 
Schutzkwer ans Wilna, Victor Micewicz ans Ssuwalki, Jnl. Malis 
ans St. Petersburg, Leo Sandberg ans Minsk, Meier Lichtermann 
ans Shitomir, Franz Bociansky ans dem Anslande. 

4 ) Ueber den Grad eines Provisors 14: Carl Jundelin, Adolph 
König, Siegfr. Kieseritzky, Ed. Brockhusen nnd Herrn. Niggol ans 
Livland, Edm. Ditzei ans Estland, Benno Stillbach, Georg Papihr, 
Nik. Chemnitz nnd Job. Sommerfeldt ans Kurland, Max Wetzer ans 
Finnland, Isaak Friedmann ans Kowno, Ferd. Blöcker, Rieh. Bnwa 
ans dem Auslände. 

5 ) Ueber die Würde eines Zahnarztes 6 : Heinr. Walleastein ans 
Livland. Friedr. Stephany ans Kurland, Alb. Schneider, Bolesl. ' 
Schröder, Herrm. Kol bien Georg Regner ans dem Anslande. 

6 ) Ueber den Grad eines Apothekergehilfen 35 nnd 

7) Ueber die Würde einer Hebamme 6. 

— Das Conseil der Universität Dorpat macht bekannt, dass zur 
Bewerbung um die im Jahre 1886 fällige Praemie der Rodert 
Heimbürger'schen Stiftung nnr solche in deutscher , russischer , 
f ranzösischer oder lateinischer Sprache verfasste Wissenschaft- 
liehe Originalwerke coucnrriren können, weiche in den letzten zehn 
Jahren erschienen sind,' ferner ihrem Inhalte nach den wissen¬ 
schaftlichen Disciplinen der medicinischen Facultät angehören 
nnd deren Verfasser mindestens drei Jahre lang als immatriculirte 
Studirende oder ebenso lange als Privatdocenten, etatmässige Do- 
centen, Prosectoren, oder gelehrte Apotheker der Dorpater Univer¬ 
sität angehört haben. Im letzten Falle müssen die Verfasser zur 
Zeit der Prämiirnng ihre amtliche Thätigkeit an der Dorpater Uni¬ 
versität noch fortsetzen. Die zur Bewerbung qualificirten Werke 
sind spätestens dis zum 1 . Mai 188.6 in zwei Exemplaren bei dem 
Conseil der Universität Dorpat einzureichen. 

^ — (Concurs oder persönliche Wahl dei Besetzung ärztlicher 

Stellen). Wiederholt haben wir schon darauf hinge wiesen, wie 
unsicher die Stellung der Aerzte der Petersburger Hospitäler ge¬ 
worden, seit letztere in die Hände der Stadtverwaltung übergegan¬ 
gen, namentlich wiesen wir auf die EigenthUmlichkeiten beim An¬ 
stellen der Aerzte auf dem Wege des Concurses hin. Die Sitzung 
der Sanitätscommission vom 4. Febr. hat unsere Anschauung voll¬ 
kommen bestätigt. 

Wie bekannt war für die Stellung des Proseclors im Obuchow- 
Hospital 1885 im März ein Concurs ausgeschrieben worden. Es 
hatte sich nur Dr. U s k o w, der Prosector des Marine-Kalinkin- 
hospital gemeldet, da die Bedingungen ziemlich schwere waren. 
Fast ein Jahr lang fiel keine Entscheidung, bis endlich am 4. Febr. 
die Frage gelöst worden, aber wie? Nachdem auf der Sitzung ent¬ 
schieden worden, dass man Dr. U s k o w gestatten könne,. seine 
bisherige Stellung beizubehalten, theilte Prof. B o t k i n mit, im 
Barackenhospital, wo B. Curator, sei die Prosectorstelle ebenfalls 
vacant geworden nnd wünsche er dieselbe durch Djr. Uskow zu 
besetzen. Das wurde ihm gestattet, also eine Stellenbesetzung 
ohne jegliche Concurrenz. Warum ? Weil Prof. Botkin es so 
wünscht. 

Nun blieb aber die arme Obuchow-Prosectur wieder ganz ohne 
Candidaten. Prof. Botkin wusste auch hier Rath zu schaffen. 
Er proponirte, dem Prof. Winogradow die Stellung anzubieten 
und auch darauf ging die Sanitätscommission ein. Somit muss das 
Factum constatirt werden, dass 2 Stellen ohne Concurs besetzt wor¬ 
den sind. Was ist nun aber gesetzlich, die Stellenvergebung auf 
Grund von Concursen oder auf Wunsch der Hospital-Curatore ? 

Unsere Oberärzte haben, wie es heisst, stillgeschwiegen auf der 
8 itzung, wohl fanden sich einige Stadtverordnete, die einige Zweifel 
gegen diese Art zu verfahren anssprachen, doch wurden sie leicht 
zur Ruhe gebracht. . . 

— Wie der «Wratsch» erfährt, ist der Privatdocent der hiesigen 
militär-medicinischeu Acaderaie, Dr. L. Tumas, zum Professor 
der Pharmakologie an der Warschauer Universität ernannt worden. 

— Verstorben : 1) Im September 1885 der Landschaftsarzt des 
Ssimbirsk’schen Kreises, 0. Kasakewitsch, an Erysipelas im 
53 . Lebensjahre. Der Verstorbene hatte seine medicinische Aus¬ 
bildung auf der Kiewer Universität erhalten, an welcher er auch 
7 Jahre hindurch als Prosectorgehtilfe uud gleichzeitig als Ordi- 
nator der Chirurg. Abtheilung des Cyrill-Hospitals fungirte. 1871 
übernahm er die Leitung der Chirurg. Abtheilung des Hospitals in 
Ssimbirsk, gab aber im J. 1876 wegen Streitigkeiten mit der Ver¬ 
waltung des Hospitals gleichzeitig mit allen anderen Collegen den 
Dienst an diesem Hospiral auf. Nachdem K. sodann während des 
letzten türkischen Krieges als Oberarzt eines Lazareths des «Rothen 
Kreuzes» fungirt, nahm er die Landschaftsarztstelle bei Ssimbirsk 
an, wo er bis zu seinem Lebensende wirkte. Aus der Zahl seiner 
bedeutenderen Arbeiten heben wir nur seine Uebersetzung der Phy¬ 
siologie von L u d w i g hervor. Trotz seiner langjährigen Praxis 
hat der Dahingeschiedene, wie wir dem im «Wratsch» Teproducirten 
Nekrolog von Dr. Kadjan entnehmen, seiner zahlreichen Familie 
nichts hinterlassen, als Bücher, Instrumente und mehrere unbe- 
endigte Arbeiten. — 2) Der Director der pädiatrischen Klinik an 
der Universität in Florenz, Prof. M. Levi an Apoplexie. 3) Prof. 


Dr. Marcovici, einer der angesehensten Aerzte in Bukarest, 
im 50. Lebensjahre. 

— Auf eine Unterlegung der Conferenz der militftr-medicinisehen 
Ac&demie ist höheren Ortes verfügt worden, künftig 10 junge Aerzte 
(statt der bisherigen 7) jedes Jahr hei der Academie Behufs wei¬ 
terer Ausbildung zu belassen . Diese überzähligen drei Aerzte 
sollen alle Rechte der übrigen 7 sogenannten Institnts-Aerzte ge¬ 
messen, jedoch kein Gehalt, wie diese, beziehen. Diejenigen, welche 
unter diesen Bedingungen bei der Academie verbleiben wollen, müs¬ 
sen solches vor dem Concurse anzeigeü. Zum Concurse werden nur 
diejenigen Studenten der Academie nach Absolvirung des Curses 
zngelassen werden, welche bei der Prüfung wenigstens ia der Hälfte 
der Fächer die Censur «sehr gut» erhalten haben. Bezüglich der 
jüdischen Aerzte, welche zur weiteren Vervollkommnung bei der 
} Academie verbleiben wollen, ist die Anordnung getroffen worden, 
dass die Academie vor der Zulassung zum Concurse sich mit der 
Ober-Militär-MedicinalVerwaltung in Relation zn setzen habe, um 
festzustellen, ob die gesetzlich normirte Procentzahl der jüdischen 
Aerzte in dem Militärbezirk nicht durch die etwaige Belassung 
solcher bei der Academie überschritten wird. (Wr.) 

— In den klinischen Abtheilungen der militär-medicinischsn Aca¬ 
demie werden, wie der «Wratsch» mittheilt, wieder Dejouren der 
Studenten eingeführt. 

— Die auch von uns aus dem «Wratsch» reproducirte Nachricht, 
dass der Professor der speciellen Therapie an der Universität Kiew, 
Dr. Mering, in Folge schwerer Krankheit seine Professur* aufzu¬ 
geben beabsichtige, bestätigt sich nicht. Prof. Mering hat nach 
einer durch eine intercurrente Krankheit bedingten zweiwöchent¬ 
lichen Pause seine Thätigkeit wieder aufgenommen. 

— Der bekannte Physiologe und ehemalige französische Cultus- 
minister, Prof. Paul B e r t ist zum französischen Generalresidenten 
für A n a m und T o n k i n g ei nannt worden und hat seinen neuen 
Posten bereits übernommen. 

— Zum Professor der Physiologie an 0 w e n * s College in London 
ist nach dem Rücktritt Dr. G a m g e e ’s der Professor an der Uni¬ 
versität Aberdeen, Dr. S t i r 1 i n g, ein Schüler Prof. L u d w i g 's 
in Leipzig, berufen worden. S t i r 1 i n g ist auch als Uebersetzer 
des L an d o i s 'sehen Lehrbuchs der Physiologie in's Englische be¬ 
kannt. (A. m. C.-Ztg.) 

— Ein Hamburger Kaufmann hat 450,000 Mark zur Errichtung 
einer Seeheilstätte in Cuxhaven an der Elbmündung testamenta¬ 
tarisch vermacht. 

— H e 11 w i g empfiehlt als das beste Mittel , den anhaltend süssen, 
ekelhaften Nachgeschmack des salicylsauren Natron zu vertreiben, 
dasselbe in Syrup. cort.aurant. zu nehmen und darauf koohsalzhaltigen 
Cognac nachzutrinken. Um das Brennen im Munde nach dem Cognac 
zu verhüten, soll das Essen eines Stückchens guten Cacaos genügen* 
(Arch. d. Pharm. — Pharm. Z. f. Russl.) 

— Ueber eine sonderbare Bleivergiftung berichtet ein berühm¬ 
ter Arzt, welcher zu einer reichen Familie berufen wurde, nachdem 
bereits mehrere Aerzte ein Kind an starken Kolikanf&llen erfolglos 
behandelt hatten. Er fand dort ein ziemlich herabgekommenes Kind 
von 5 Wochen, dessen Hautfarbe bleifarbig bläulich aussah und das, 
immerfort schreiend, Füsse und Hände zusammenzog. Der Arzt 
forschte nach allen möglichen Ursachen der Krankheit, konnte je¬ 
doch keine ermitteln, bis er endlich einen Blick auf das Gesicht der 
Amme des Kindes warf, worauf ihm die Ursache der Krankheit 
sofort klar wurde. Die Amrae hatte nämlich ein wunderbar hüb¬ 
sches, weiss und roth gefärbtes Gesicht. Der Arzt fuhr mit dem 
Zeigefinger über das Gesiebt der Amme und siehe da! eine ziem¬ 
liche Portion fettiger Bleischminke blieb an dem Finger haften! 
Die Amme hatte sich, wie sie gestand, seit längerer Zeit mit einem 
stark bleihaltigen Schönheitsmittel geschminkt. Natürlich wurde 
ihr das Schminken strengstens untersagt, und das Kind genas dann, 
unter Anwendung der geeigneten Heilmittel, in wenigen Tagen, 

(Med.-chir. C.-Blatt). 

— Wie «The Lancet» mittheilt, existirt in Columbien ein Strauch 
«Aliza» genannt, der einen Saft ausschwitzt, welcher ein so mäch¬ 
tiges Blutstillungsmittel sein soll, dass, wenn ein Messer damit 
beschmiert und für chirurgische Zwecke benutzt wird, die grössten 
Bluttgefässe ohne irgend welche Blutung getrennt werden können. 

I Dagegen soll durch das Einathmen des Geruches der weiblichen 
Pflanze Blutung hervorgebracht werden können. 

(A. m. C.-Ztg.) 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 
rür di© Woche vom 9. bis 15. Februar 1880. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. ex&nth. 3, Typh. abd. 21, Febris recurrens 5, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 4, Pocken 4, Masern 26, Scharlach 28, 
Diphtherie 10, Group-3, Keuchhusten 3, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 43, Erysipelas 3, Cholera nostras 0, Cholera asiatica O.Ruhr 4, 
Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatismus 1, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerpe¬ 
ralfieber 2, Septicaemie 5, Tuberculose der Lungen 133, Tubercu- 
lose anderer Organe 10, Alcoholismns undDelirinm tremens 0, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 27, Marasmus senilis 23. 
Krankheiten des Verdauungscanals 99, Todtgeborene 44. 

Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 


London . 
Paris .. . . 
Brüssel . . 
Stockholm . 
Kopenhagen 
Berlin . . . 
Wien . 

Pest . . . 
Warschau . 
Odessa . . 

8t. Petersburg 


Einwohner¬ 

zahl 

Woche 
(Neuer Styl) 

Lebend^ 

geboren 

4 8 . 

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Todtgeboren 

4083 928 31. Jan.-6- Peb. 

2800 

35,« 

50 

2239 928 31. Jan.-6. Feb. 

1231 

28,6 

88 

175811 ! 31. Jan -6. Feb! 

109 

32,* 

7 

200143 

24.-30. Jan. 

130 

33,« 

5 

280115 

3.-9. Feb. 

205 

38,o 

5 

1315547 31. Jan.-6. Feb. 

935 

36,* 

30 

780066 31. Jan.-6. Feb. 

549 

36,« 

22 

442591 

24.—30. Jan. 

304 

35,* 

14 

406 935 

24.—30. Jan. 

327 

40,3 

20 

194 400 

31. Jan.-6 Feb. 

— 

— 

8 

928 016! 

7.-13. Feb. 

598 

36,4 

38 


|Gestorben | 

68 

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77 22,8 
93 24,i 
102 18,9 


Nächste Sitzung des Vereins 
Ae rzte D ienstag den 4. März 1886. 

0W* Nächste Sitzung des deutschen 
Montag den 24. Februar J886. 


St. Petersburger 
ärztlichen Vereins 


Die Bedeutung des Pancreatin lUr den Stoffwechsel. 

Von M. Tb. Defresne. 

Die Verdaunngsthätigkeit des Magens bezweckt die Zersetzung 
und theilweise Auflösung der eiweisshaltigen Nahrungsmittel, in 
einem Worte die Chymification. 

«Was den Magen verlässt» — sagt M. E. Du clause, — eist 
ein Gemisch von festen Bestandteilen, unlösbaren fiowma n’schen 
Scheiben, kaum anfgeqnollenen oder in Zerstörung übergehenden 
Fleischprismen und flüssigen Elementen, in denen man alle Stufen 
des Ueberganges ins Pepton wiederfindet>. Der Magen hat also 
für die stickstoffhaltigen Nahrungsmittel genau dieselbe Bedeutung 
wie der Mund für die stärkehaltigen Nahrungsmittel; in beiden 
Fällen ist das zu erreichende Resultat die vollständige Zersetzung 
der Nahrungsmittel und ihre Auflösung, die im Munde bis zur theil- 
weisen Zuckerbildung in den stärkehaltigen Stoffen und im Magen 
bis zur theilweisen Peptonisirnng der Eiweissstoffe geht. — Sobald 
der Speisebrei auf diese Weise vorbereitet ist, wird er stossweise 
in das Duodenum getrieben, wo er die Galle, welche ihn nentra- 
lisirt, und den pancreatischen Saft, welcher seine vollständige Um¬ 
bildung bewirkt, in sich aufnimmt. Durch die vorhergehende vor¬ 
bereitende Thätigkeit begünstigt, bildet derselbe aus dem Stärke¬ 
mehl Zucker, löst die Fette in Oel auf und peptonisirt die Ei weiss- 
Stoffe, die schon aufgelöst, syntonisirt oder anch nur zersetzt sind; 
seine Wirkung ist schnell, wenn nicht augenblicklich. 

Der vorherrschende Einfluss des pancreatischen Saftes auf die 
Verdauung ist zweifellos, man kann also den Nutzen, welchen die 
Heilkunde vom Pancreatin erwartet, voraussehn; nur fragt es sich, 
ob dasselbe inmitten des sauren Speisebreies weilen kann, ohne eine 
Veränderung zu erleiden, mm seine Wirkung auf die Nahrungs¬ 
mittel erst bei seiner Ankunft im Duodenum aufzunehmen, oder ob 
das vom Magen wieder auigesogene Pancreatin im Stoffwechsel aus¬ 
genützt werden und die Sporen seines Durchganges im Organismus 
selbst hinterlassen kann. 

Der Magensaft enthält, wie man weiss, Salzsäure, aber eine halbe 
Stunde nach dem Eintritt der Verdauung verbindet sich der grössere 


Theil dieser Säure und zuweilen auch das Ganze mit den alkalischen 
Stoffen der Nahrungsmittel, und die durch eine stärkere Säure ver¬ 
drängten organischen Sänren geben fortan dem gemischten Magen¬ 
saft seinen scharfen Geschmack; in diesem Falle aber haben die drei 
Gährstoffe des Pancreatin: Myopsin, Amylopsin und Steapsin, nichts 
von dem Magensaft zn befürchten; wenn dieser gesättigt ist, er¬ 
langt das Pancreatin alle seine Eigenschaften wieder. (Defresne 
Comptes rendus de Plnstitut t. LXXXIX.) 

Wir haben untersucht, in welcher Zeit die pancreatischen Pillen 
von Defresne, mit ihrer doppelten Hülle von Wachs und Zucker, 
sich im Magen auflösen: Die Kaninchen, welche uns als Beobach¬ 
tungsobject dienten, zeigten uns, dass nach Verlauf der ersten 
Stunde die Pillen noch von der sie umgebenden Wachshülle beschützt 
werden; nach Verlauf der zweiten Stunde sind sie« erweicht und am 
äussern Rande mit Feuchtigkeit durchzogen, der innere Kern aber 
noch unversehrt; nach Verlauf der dritten Stunde haben wir sie 
nicht mehr vorgefnnden. Ist folglich die Mahlzeit leicht und haupt¬ 
sächlich aus stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln bestehend, so ist es 
sicher, dass die Pancieatinpillen, nach der Mahlzeit eingenommen, 
in die Eingeweide gelangen, ohne vollständig aufgelöst zu sein, 
und dass sogar der aufgelöste Theil derselben, nach einem Aufent¬ 
halt in einem Medium, in dem die organischen Säuren vorherrschen, 
noch alle seine Wirkung in dem Duodenum wiederfinden und bei 
der Verdauung der Nahrungsmittel Beistand leisten kann. 

Wir wollen jetzt den zweiten Fall betrachten: Wenn das Pan¬ 
creatin als Pulver, bei Beginn der Mahlzeit eingenommen wird, so 
befindet es sich in einem Medium von Salzsäure, welches ihm, ä pri¬ 
ori, unzuträglich zu sein scheint, denn nach einem zweistündigen 
Verweilen inmitten des salzigsanren Magensaftes haben wir, nach* 
dem auch die Mitte mit Säure gesättigt war, das Pancreatin kaum 
eine Wirkung auf die Eiweissstoffe und gar keine Wirkung auf die 
stärkemehlhaltigen und fetten Nahrungsmittel ausüben sehen. In¬ 
dessen ist doch das Pancreatin nicht vernichtet; es ist von dem 
Magen absorbirt worden und hinterlässt offenbare Spuren seines 4 
Durchganges in dem Organismus, wie wir sehen werden: Wenn 
wir einem Kaninchen Pancreatin in einer starken Dosis eingehen, 
0,60 Centigramme auf ein Kilogramm lebendes Gewicht, so finden 
wir nach* fünf Stunden, dass sein Blut fünf Mal mehr Zucker ent¬ 
hält als im normalen Zustande: ein Theil davon wird von den 
Nieren abgesondert und das Kaninchen ist zeitweilig diabetisch ge¬ 
worden. Dieser Zucker wird augenscheinlich durch den Einfluss 
des wieder wirksam gewordenen Pancreatin auf die glycogenetische 
Materie der Leber gebildet; die Milz, welche im Verlauf von zwei 
Stunden ungefähr das Zweifache ihres eigenen Gewichts an Stärke¬ 
mehl in Zucker varwandelt, bildet jetzt sechs oder acht Mal so viel; 
die M&gendrüse eines normalen Kaninchens, welche sonst das Acht¬ 
fache ihres eignen Gewichts an Stärkemehl in Zucker verwandelte, 
verzuckerte nach dem Ein nehmen des Pancreatin das zwanzigfache 
ihres Gewichts an Stärkemehl. 

Diese physiologischen Experimente zeigen deutlich, dass das Pan¬ 
creatin, in den Magen gebracht, heilkräftig wirken kann. Ausser¬ 
dem autorisiren die klinischen Beobachtungen des Professors P 0 - 
tain, sowie die des Herrn M. H. Buchard jedenfalls den prakti- 
sirenden Arzt, den Gebrauch des Pancreatin zu versuchen und 
M.Eugesser (von Stuttgart) schreibt darüber, nach Anführung 
einiger ebenso genauen, wie überzeugenden kliniscbenBeobachtungen; 

Das Pancreatin ist bei Dyspepsie angezeigt, die Dosis von drei bis 
fünf Pillen: 

1) bei der atonischen Dyspepsie, das heisst in dem Fall, wo ent¬ 
weder die Ausscheidung oder die Zusammensetzung der ausge- 
schiedenen Säfte ungenügend ist. 

2) bei der säurebildenden Dyspepsie, welche, wie man weiss, nicht 
aus einer Vermehrung des Magensaftes entsteht, sondern aus der 
Anwesenheit anderer Säuren, als Kohlensäure, Milch-, Butter- oder 
Essigsäure, welche sich im Verlaufe der Verdauung entwickeln, 
entweder durch eine anormale Verwandlung der Nahrungsmittel oder 
übermässige Ausscheidung von Säure aus dem Magen. 

3) bei der zu Blähungen geneigten Dyspepsie, welche ihren Sitz 
nicht im Magen, sondern in dem obern Theile des Darmes hat, wo 
der Speiseballen, wahrscheinlich in Folge ungenügenden Saftzu¬ 
flusses im Darm, einer Gährung unterliegt, welche Gase erzeugt. 

4) in einigen allgemeinen Zuständen, wie Rhachitis, Gicht, Scro- 
pheln, Harnruhr etc., weil sie Processen entspringen, die mit denen, 
welche die Dyspepsie hervorbringt, Aehnlichkeit haben. 49 (1) 


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ben, ba§ c# iefct nod) mehr als früher ben ihm t>on Liebig angemiefenen mtchttgen Tplafc ale 
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Bille diese 
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um nicht 
Contrifacons 
zu erhalten. 


24 Avenue Victoria, Paris. 



Freiluftathmung 

jederzeit, auch nachts, 
zu Julius WolfTs 
Kurverfahren! 
Dieser Wlnter-S o n n e n- 
aufenthaltsersatz bietet zur 
Gesundung und Gesunder¬ 
haltung, Tag und Nacht, der Lunge kalte ent¬ 
stäubte Freiluft, dagegen der Haut bei leichter 
Wollkleidung t r o c k e n - warme Zlmmorluft, 
welche die so nöthige Hautausdünstung stark er¬ 
höht, aber für Athemweikzeuge Gift wäre. — 
Wolfi s neues Kursystem ist der Natur abgesehen. 
Dass Sonnen -Aufenthalt in Frostluft das denkbar 
Gesundeste, ist anerkannt; er wirkt günstig, weil 
e r die Haut erwärmt, die Lunge erfrischt und 
st ä rk t. An Frosttagen sind an besonnter Wand 
oder Kleidung ca. 15 °, auf 2 Fuss Entfernuug 
ca. 0 ° R. Diese günstigsten Lebensbedingun- 
g en sind im Norden selten und selbst in Davos, 
wenn Sonne scheint, nur ca. 6 Std. pr. Tag ge¬ 
boten. „Wolft’s F r e 11 u f t athmer für s Haus “ 
(Winterkur 20 Pf. pr. Tag) verschafft sie tgl. 
23 Std.: er kurirte Erfdr. von langj. Schwind¬ 
sucht und machte ihn bacillenfrei. Nach K 0 C h 
erfrieren Tub.-Baclllen hei 23 ° R., womit die 
namhaften Erfolge durch reichliche Frostluft- 
athmung bei WolfTs und Davoser Kursystem er 
klärt sind. Näheres: W 0 I f f’s GesundheitS- 
Schutzgeräthe-Fabrlk, Grass-Geran, Grossher¬ 
zogthum Hessen. 25 ( 1 ) 


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(In der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 

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unter der Redaetion von 

Prof. Ed. v. WAHL, Dr. L. v. HOLST, Dr. Güst. TILING, 

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Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. bittet man an den geschäftsführenden Redacteur Dr. Gustav Tiling 
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Carl Rlcker in St. Petersburg, Newsky-Prospect AS 14 zu richten. zu richten. 

Ns 9. St. Petersburg, 1. (13.) März 1886 


Kult Alt 1 M. Treymann: Zur Aetiologie der Infectionskrankheiten. (Schluss). *— P, Werner: Zur Behandlung der Diph¬ 
therie. — Referate . Axenfeld: Ueber das Fussphäuomen. — Leonhard Voigt: Untersuchungen über die Wirkung der Vaccine¬ 
mikrokokken. — Moncorvo: Ueber die Wirkung des salzsanren Cocains bei der Behandlung des Keuchhustens. — P. Bruns : Litho- 
lapaxie mit Cocainanaesthesirung der Blase und H&rnrdhre. — 1 . Gongress russischer Aerzte. — I' erwischtes* — Mortalität einiger 
Hauptstädte Europas. — Anzeigen . 

Zur Aetiologie der Infectionskrankheiten. I wenn der von einer pockenkranken Mutter inficirte Foetus 
Von bald mit Pockenpusteln oder -Narben geboren wird, bald, 

Dr. M.Treymann. ohne dieselben zur Welt gebracht, immun erscheint, also 

(Vortrag gehalten am ts. December 1885 im ärztlichen Verein durchseucht worden ist, wenn es sicher beglaubigte Fälle 

zn Riga). von Febris variolosa sine exantbemate (C u r s c h m a n n) *) 

- giebt, so sind diese auffälligen Thatsachen leicht zu ver- 

(Schluss.) stehen; sobald angenommen wird, dass die Infectionserreger 


Was endlich das Hinausdringen und die Ausscheidung 
der_ Infectionserreger betrifft, so kann nach der vorliegenden 
Erörterung angenommen werden, dass die beweglichen 
Spaltpilze nicht etwa einfach exhalirt werden, sondern dass 
sie ausser der Abscheidung durch Darm, Schweissdrüsen, 
Abkieiung der Haut (Exanthem), Secretion der verschie¬ 
denen Schleimhäute, der Nieren (Nephritis), auch aus den 
Lungenalveolen, nachdem sie die Gefässwand und die Epi- 
thelien in grosser Menge durchbrochen, mit dem Schleim 
durch Husten ausgeworfen werden und auf diese Weise in 
die Exhalationsluft gelangen. Nachweislich ist in den Ex- 
halatiopen das Masern-, Pockengift etc. enthalten. Augen¬ 
scheinlich spricht für diesen Vorgang die fast immer vor¬ 
handene catarrhalische Affection der Langen im Verlauf 
deijenigen Infectionskrankheiteu, von denen anzunehmen 
ist» dass ihre specifischen Spaltpilze durch Dauerformen 
befähigt sind, die Virulenz nach Eintrocknung an der Luft 
zu erhalten (Masern, Keuchhusten, Typhus exanth. etc.). 

Es ist ja klar, dass auch die ruhenden Tuberkelbacillen 
in die Lungen eindringen und mit dem Sputum ausgeworfen 
werden. Sie setzen sich aber nur unter besonders günsti¬ 
gen Umständen, zu denen wohl vorzugsweise der Verlust 
des Flimmerepithels gehört, und nach langer Zeit (Koch) 
in den Lungen fest, werden langsam durch die Wander¬ 
zellen fortgetragen, wie die Kohlepartikeln bei der Anthra- 
cosis, und zerstören die Lungen langsam und sicher, ohne 
sie zu verlassen, obwohl eine Menge von ihnen nachweislich 
mit dem Sputum entfernt, ja durch die Nieren ausgeschie- 
y den wird. Im Gegensatz dazu genesen die Lungen nach 
Masern, Pocken, Typhus, Recurrens, Pertussis, obwohl die 
Catarrbe bei diesen Krankheiten oft, wahrscheinlich doch 
in Folge der Ansammlung specifischer Spaltpilze, in pneu¬ 
monische Affectionen übergeben. Wenn im Blut der 
Pockenkranken das Pockengift bisher nicht gefunden wurde, 


der Pocken während des Initialfiebers relativ schnell die 
Bluthahn durchlaufen und ihre Dauerformen oder Producte 
reichlich, spärlich oder garnicht in der Haut absetzen. Für 
diese Auffassung, welche Curschmann vertritt, spricht 
auch der Abfall des Fiebers beim Erscheinen des Exanthems. 
Vor dem Auftreten desselben müsste das Blut, meine ich , 
sicherlich die Infectionserreger enthalten. Meine zahl¬ 
reichen Untersuchungen des Masernblutes vor und nach dem 
Ausbruch des Exanthems bestärken mich in dieser Vermu- 
thung. Der defribinirte Tropfen Blut von einem Masern¬ 
kranken enthält vor dem Erscheinen des Exanthems eine 
grosse Menge schwer erkennbarer beweglicher Gebilde und 
erscheint nach dem Ausbruch des Exanthems klar und 
rein. Wegen der Schwierigkeit einer frühzeitigen Diagnose 
ohne Zuhülfenahme der charakteristischen Hautaffectionen 
sind diese Blutuntersuchungen bei Typhus und Pocken nur 
ausnahmsweise möglich. 

Die an der Luft absterbenden beweglichen Spaltpilze der 
Cholera, des Gelbfiebers, des Typh. abd. werden selbstver¬ 
ständlich nur vorübergehende Depots in den Lungen bilden 
können, wenn sie überhaupt dahin gelangen und nicht schon 
nach kurzer Existenz vom Darm aasgeschieden werden oder 
durch die Nieren und die Haut hinausgelangen. 

Die unbeweglichen Spaltpilze werden nur selten und 
zwar bei energischem Stoffwechsel durch Darm, Nieren und 
Haut ausgeschieden werden,' meist aber schon an der Ein¬ 
trittsstelle ; im Innern des Körpers auch in den Secretions- 
Organen chronische, schwer heilbare Läsionen hinterlassen 
(Diphtherie, Lues, Rotz etc.) oder durch besondere Eigen¬ 
schaften raschen Tod bringen (Anthrax, Lyssa etc.) Eine 
segensreiche Ausnahme macht nur das wunderbare Vaccine¬ 
gift. 

3 ) loh habe einen exquisiten derartigen Fall im vorigen Jahre 
beobachtet und beabsichtige ihn nächstens mitzutheilen. 


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80 


Eine besondere Stellung nehmen die sog. miasmatischen 
oder Bodenkrankheiten ein (Malaria, Pneumonia fibrinös., 
Polyarthrit. etc.). Sie werden schwerlich den Schizomy- 
cosen zuzurechnen sein, weil man sie klinisch als nicht con- 
tagiös betrachten darf. Ein Spaltpilz, der sich rasch im 
Organismus vermehrt und beständig ausgeschieden wird, 
muss auf nassem oder' trockenem Wege evident contagiös 
wirken. Es mehren sich nun die Erfahrungen, welche für 
eine, freilich sehr bedingte Contagiosität der genannten 
Krankheiten sprechen. Gerhardt und Tomasi, 
Cuboni, Celli, Marchiafana haben das Mala¬ 
riagift überimpft und dann mit Chinin erfolgreich behan¬ 
delt. S a w y e r berichtet über Uebertragung des Mala¬ 
riagiftes, Thoresen über Ansteckung durch Gelenkrheuma¬ 
tismus. Man hätte also auch hier die Bedingungen der 
Contagiosität zu erforschen, welche zusammenfiele mit der 
Frage nach der Eigenart der Infectionserreger. Sicher ist 
nur, dass die hier in Betracht kommenden Krankheitskeime 
vom Erdboden stammen und ihren vollen Entwickelungs¬ 
gang nur bei reichlichem Zutritt von Wasser und Sauer¬ 
stoff, d. h. ausserhalb des thierischen Körpers vollenden. 
Da sie sowohl auf nassem wie trockenem Wege, d. b. ausser 
in den Digestionstractus (Icterus epidem.), in die Haut 
(Madurakrankheit), in die Schleimhäute (Actinomycose) 
auch in die gesunden Lungen eindringen (Malaria, Pneu¬ 
monia fibr., Polyarthrit,' Endocarditis sept.), so darf man 
einzelnen unter diesen Infectionsstoffen Eigenbewegung zu¬ 
schreiben. Die oftmals constatirte Malaria-Infection des 
Foetus spricht ebenso für diese Annahme, wie die freilich 
ganz vereinzelte Beobachtung von P o c o c k über acuten 
Gelenkrheumatismus und von Dohm über Morb. maculos. 
Werlhof. beim Foetus. 

Da diese eigen gearteten Infectionsstoffe in relativ gerin¬ 
ger Menge Infection verursachen und doch den Organismus 
oft sehr schwer afficiren (Infection mit Malariagift nach 
kurzem Aufenthalt auf Malariaboden), so müssen sie inner¬ 
halb des inficirten Körpers ein gewisses Wacbstbum, fort¬ 
setzen. Da sie selten oder gar nicht Ansteckung verur¬ 
sachen, können sie sich nicht unbegrenzt im Organismus 
vermehren. Denn dass sie mindestens durch die Nieren 
äusgeschieden werden, ist mit Sicherheit anzunehmen. 

Es liegt nahe zu vermuthen, dass es sich um Sporenkei¬ 
mung im Organismus , wobei die Eigenbewegung der einge- 
drungenen Scb wärmsporen verloren geht, und um Sporenbil¬ 
dung oder geschlechtliche Fructification ausserhalb des Orga¬ 
nismus handelt. Als Paradigma könnte das Heufieber dienen, 
bei welchem die Pollenkörner den Nasencätarrh verursachen 
und, auf eine disponirte andere Nasenmucosa übertragen, 
dieselbe Krankheit erzeugen würden, ihre volle Entwicke¬ 
lung jedoch erst ausserhalb des Organismus in der Vereini¬ 
gung mit den weiblichen Geschlechtsorganen der.Grami¬ 
neen durchmachen könnten. 

Oder man dürfte die Soor- und Favus-Inf ectionen (Gas¬ 
tritis favosa, von Kundrat), besonders aber die Pneunto- 
nomycosis aspergillina als Beispiele heranziehen, wo die 
Keimung der Sporen von Aspergillus fumigatus und flaves- 
cens im thierischen Organismus eine fibrinöse Pneumonie 
und Embolien verursacht (Schütz), während die Mycel- 
bildung und Fructification hur ausserhalb des inficirten 
Organismus vor sich geht. — Eine Gruppe fast flechtenbil¬ 
denden Pilze (Schwendener, de Bary) macht einen 
ähnlichen Vorgang denkbar. Nur so viel sei hier beispiels¬ 
weise in Kürze bemerkt, dass die eigenthümliche Entwicke¬ 
lung der auf Algen schmarotzenden Ascomyceten und Hy- 
menomyceten sich mit dem Verlauf mehrerer hierher ge¬ 
hörigen Krankheiten zu decken scheint. (Malaria, Endo¬ 
carditis, Polyarthrit.). Wenn aus dem Hymenium die so¬ 
fort keimenden Ascosporen sammt den Hymenialalgen (Go- 
nidien) als Generationszellen mit Eigenbewegung in die 
Luft und demnächst in die unverletzten Lungenalveolen 
und in’s Blut des menschlichen Körpers gelangen, werden 
sie sich in den Lungen, im Endocard, oder irgendwo in der 


Blutbahn sofort entwickeln, d. h. auskeimen, Coagulations- 
nekrosen veranlassen und Depots bilden. Sie werden nach 
einiger Zeit ihre Eigenbewegung eingebüsst haben und nur 
unter besonders günstigen Umständen ausgeschieden werden 
können, gleichwie die unbeweglichen Mikroorganismen. 

Eine unbegrenzte Vermehrung unter Bildung von Fructi- 
ficationsorganen könnte erst wieder eintreten, wenn sie,in 
oder auf deif wasserreichen Erdboden gelangen, wo die 
Pilze neue Hyphen treiben unter fördernder Mitwirkung 
der von ihnen ergriffenen, des reichlichen Sauerstoffs und 
Wassers bedürftigen Algen. 

Wie dem auch sein mag, soviel scheint klar zu sein, dass 
es sich bei den genannten Infectionskrankheiten ebenso we¬ 
nig wie beim Actinomyces , der nach de Bary ein «pilzar- 
tiges Gewächs» ist und den Asco- oder Hymenomyceten sehr 
ähnlich sieht, schwerlich um Schizomyceten,sondern umsehr 
verschiedene Dinge handelt. Sowohl einfache Hyphomyce- 
ten, Algen, flechtenbildende Pilze, Mycetozoen (de Bary), 
wie auch Pbanerogamen könnten die Krankheitserreger sein. 
Wie wenig sicher die einzelnen Gruppen abgegrenzt sind, da¬ 
rüber geben Flügge und de Bary interessante Auskunft. 

Wenn Arsenik, Chinin und Natrum salicyl., welche un¬ 
wirksam gegen Schizomyceten sind, einige der hierher ge¬ 
hörigen Krankheiten heilen, so dürfte dies weiterhin ein 
Fingerzeig sein, dass die hier angeführten sog. miasmati¬ 
schen Infectionskrankheiten nicht einfach unter die Schizo- 
mycosen einzureihen sind. 

Hiernach würde sich folgende aetiologische Eintheilung 
der Infectionskrankheiten ergeben, welche ich Ihrer Kritik 
unterbreite. Es soll selbstverständlich nicht ein neues 
System, sondern ein zur eigenen Orientirung dienender 
Versuch sein, die Schizomycosen und übrigen Infections¬ 
krankheiten möglichst entsprechend dem heutigen Stand - 
punct der Forschung zu gruppiren. Dass alle diese Ein- 
theilungen — man vergleiche die von Eichhorst — 
Lücken und Willküriichkeiten aufweisen, liegt an den un¬ 
bekannten Grössen, mit denen gerechnet werden muss. Bei 
eingehender Beschäftigung mit den neueren Ergebnissen 
und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen drängt sich 
dieses X stetig in den Gedankenkreis und heischt Berück¬ 
sichtigung. Wird anerkannt, dass die Eintheilung in mias¬ 
matische, miasmatisch-contagiöse und contagiöse Infections¬ 
krankheiten nicht ausreichend ist, weil «unter Infection ein 
Vorgang zu verstehen ist, bei welchem ein Mikroorganis¬ 
mus in den Körper eindringt, durch rasche Vermehrung 
denselben krank macht, zum Theil beständig wieder binaus- 
gelangt und, auf einen anderen Körper übertragen, wieder 
dieselbe Krankheit zu erzeugen im Stande ist», so kann es 
unter den Infectionskrankheiten eigentlich nur contagiöse 
geben, wobei nur die Bedingungen der Contagion zum 
grossen Theile unbekannt sind. Es sei daher gestattet, 
folgende 3 Gruppen zu unterscheiden: 

L Contagiöse Infectionskrankheiten, welche staubförmig 
vermittelst der Luft verbreitet werden. Sie stecken direct 
an, werden aber auch verschleppt durch Personen und Ge¬ 
genstände. Sie werden verursacht durch Schizomyceten 
mit Dauerformen (Erhaltung der Virulenz in trockener 
Luft), welche in sämmtliche gesunde und erkrankte (ver¬ 
wundete) Eingangspforten des Organismus einzudringen 
vermögen. Wir unterscheiden hier: 

A) Schizomyceten mit Eigenbewegung, welche meist in 
die gesunden Lungen eindringen, die Placentarscheidewand 
durchsetzen und den Körper rasch durch Lungen, Darm, 
Nieren und Haut verlassen. Hier beobachten wir eine be¬ 
stimmte Incubationszeit, acuten typischen Verlauf, Infection 
des Foetus. Hierher gehören: 1) Recurrens , 2) Pocken, 
3) Typhus exanth., 4) Masern, 5) Scharlach (?), 6) Influenza, 
7) Keuchhusten, 8) Pest, 9) Denguefieber. 

B) Schizomyceten ohne Eigenbewegung. Sie können 
unter begünstigenden Umständen von der intacten Darm¬ 
schleimhaut aufgenommen werden (Tuberkeln, Milzbrand¬ 
sporen), dringen aber gewöhnlich in wunde Stellen der 


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81 


Schleimhäute oder der Haut ein, wobei catarrhaliscbe Af- 
fection der Mucosa oder Aufquellung der Epidermis einer 
Verwundung gleichkommt, und verlassen den Organismus 
nur unter günstigen Stoffwechselbedingungen. Hier beob¬ 
achten wir verschieden lange Incubationszeit, meist chro¬ 
nischen Verlauf oder rasche Ertödtung des inficirten Orga¬ 
nismus mittelst toxischer Stoffe. Der Foetus wird nicht 
afficirt. Hierher gehören: 1) Milzbrand, 2) Tuberculose, 
Scrophulose, Lupus, 3) Diphtherie, 4) Erysipelas, 5) Sep- 
ticaemie, 6) Pyaemie, 7) Hospitalbrand, 8) Rotz , 9) Puer¬ 
peralfieber, 9) Vaccine. 

II. Contagiöse Infeetionskrankheiten, welche sich ver¬ 
breiten vermittelst wässriger Medien. (Trink- und Ge¬ 
brauchswasser, Nahrungsmittel). Sie stecken nur an ent¬ 
weder , wenn sie durch Nahrung oder Trinkwasser in den 
intacten Digestionstractus gelangen und von den Ver¬ 
dauungssäften nicht zerstört werden, oder wenn sie in wun 
den Stellen der Schleimhäute oder der Haut deponirt 
werden. Sie können durch feuchte Gegenstände ver¬ 
schleppt werden. Sie werden verursacht durch Schizomy¬ 
ceten ohne Dauerformen, deren Vegetation an wässrige 
Medien gebunden ist und deren Leben nach Austrocknung 
in der Luft sich nur kurze Zeit (höchstens 3—6 Monate) 
erhält. Wir unterscheiden hier: 

A) Schizomyceten mit Eigenbewegung. Sie dringen 
meist in den Digestionstractus ein, durchdringen die Pla- 
centarscheidewand und verlassen den Körper entweder 
rasch durch den Darm oder werden in relativ kurzer Zeit 
durch Nieren und Haut, wohl selten durch die Lungen aus- 
geschieden. Wir beobachten hierbei eine nicht immer 
gleiche Incubationszeit, acuten typischen Verlauf und Infec- 
tion des Foetus. Mehrere dieser Krankheiten werden rein 
empirisch im Beginn erfolgreich mit Abführmitteln behan¬ 
delt (1, 3, 4, 5 und 7). Hierher gehören: 1 yCkolera, 
2) Schweissfriesel, 3) Typb. abdom., 4) Dysenterie, 6)Gelb¬ 
fieber, 6) Parotitis epid., 7) Cerebrospinalmening. infectiosa, 
S) Maul- und Klauenseuche. Wahrscheinlich gehört hier¬ 
her auch die Wurst-, Käse-, Fisch- und Fleischvergiftung 
(acute intestinale Sepsis B o 11 i n g e r ’s). 

B) Schizomyceten ohne Eigenbewegung. Sie dringen 
gewöhnlich durch directen Contact (aus einem wässrigen 
oder feuchten Medium in’s andere) in wunde Stellen der 
Haut oder Schleimhäute ein und verlassen den Körper nur 
ausnahmsweise. Hier beobachten wir eine unbestimmte 
Incubationszeit und entweder chronisches Siechthum oder 
rasche Ertödtung des inficirten Organismus je nach der 
sonstigen Eigenart des Infectionserregers. Hierher gehören: 
1 ) Syphilis, 2) Gonorrhoe und Arthritis gonorrhoica, 3) 
Lepra, 4) Lyssa, 5) Tetanus (Nicolaier), vielleicht auch 
6 ) Leichengift. 

TTT. Sogenannte miasmatische Infeetionskrankheiten, 
welche im Allgemeinen als nicht contagiös angesehen wer¬ 
den. Sie werden verursacht durch lnfectionserreger, die 
vom Erdboden stammen und ihren vollen Entwicklungs¬ 
gang, d. b. die Vermehrung vermittelst Fructification 
ausserhalb des menschlichen oder thierischen Organismus 
vollenden, während sie innerhalb desselben einem einfachen 
Auskeimungsprocess unterliegen. Sie gehören wahrschein¬ 
lich nicht zur Gruppe der Schizomyceten. Einige verbreiten 
sich staubförmig vermittelst der Luft (Malaria, Polyarthri¬ 
tis, Pneumonia fibr., Endocard. etc.), andere auf nassem 
Wege (Icterus epidem. etc.). Einige unter ihnen besitzen 
Eigenbewegung und dringen daher auch in die gesunden 
Eingangspforten des Organismus ein und iuficiren den 
Foetus (Maleria, Purpura hämorrhag. etc.), um dann, ver¬ 
möge ihres eigenartigen Wachsthums, die Eigenbewegung 
einzubüssen. Andere besitzen keine Eigenbewegung und 
können daher nur in die verletzten Eingangspforten des 
Organismus (wunde Haut und catanhalisch inficirte Schleim¬ 
häute) sich den Weg bahnen (Actinomyces, Chionyphe Car- 
teri [?]). Alle ohne Ausnahme können nur unter besonders 
günstigen Stoffwechselbedingungen ausgeschieden werden. 


Alle durch die hierher gehörigen Krankheitserreger verur¬ 
sachten Krankheiten verlaufen daher meist chronisch oder 
atypisch und zeichnen sich durch häufige Recidive aus. 
Sie sind nur unter besonderen Bedingungen contagiös und 
können zuweilen durch antimycotische Mittel geheilt werden. 
Hierher gehören: 1) Malaria, 2) Pneumonia fiortnosa ,, 

3) Rheumarthritis acuta und Rheumatismus d emblfee (M- 
docarditis ohne Gelenkaffect. der französischen Autoren), 

4) Endocarditis acut, septica, 5) Osteomyelitis infect., 6) 
Heufieber, 7) Morb. maculos. Werlhof, 8) Icterus epidem., 
9) Acute gelbe Leberatrophie, 10) Aktinomycosis, 11) Ha- 
mopbilia neonat., 12) Peliosis rheumat., vielleicht auch 
13) Scorbut, 14) Urticaria ab ingestis. 

n Z i e m 88 e n ’s Sammelwerk Bd. X, infectionskrankh. 2) P e r l’s 
und Z i eg 1 e r’s Lehrbücher der allg. pathol. Anatomie. |) Er¬ 
hörst: Pathologie und Therapie. 4) «Zur Aetiologie der Infek¬ 
tionskrankheiten», Vorträge gehalten 1880 in München. 5) Nä¬ 
gel i: «Die niederen Pike» 1877. 6) Büchner: «Die Nage- 

f i 'sehe Theorie der Infeetionskrankheiten». 7) F 1 tt gg e: «P«** 
eiten nnd Fermente» 1882. 8) B o 11 i n g e r: Ueber Pocken m der 
Volkmann’schen Sammlung klin. Vom. 9 ) R u n g e: Ueber 
denUebergang der Infect.-Brreger auf den Foetus in Jolkm 
Sammlung 8 klu». Vortr. 10) Mittheilnngen aus dem deutschen 
ReTÄundbeitsamt, Bd. I und Bd II 11) De^e med^ 
Wochenschrift J4 32 und 33 A t 1884 und J4 37 und 37 1885 

(Sitzungen der Choleraconferenz in Berlin). 12) Ri “ df . J ® 
Elemente der Pathologie. 18) Hirsch: Die Infektionskrank¬ 
heiten in histor.-geogr. Darstellung mit Berücksichtigung ihrer 
Aetiokgie 2 Bünde. 13) d e B a ry: Vergleich. Morphologie und 
Biologie der Pike; Mycetosoen und Bactenen, 1884 14) Physiologie 
von L a n d o i s 1880. 15 ) S c h r ö d e r ’s Geburtshttlfe. 


Zur Behandlung der Diphtherie. 


Von 

P. Werner. 


Ich habe es hier (Fabrik bei Narwa) mit einer geschlos¬ 
senen Bevölkerungsgruppe von etwa 2000 Seelen zu thun. 

Die Erkrankten suchen gleich meine ärztliche tliue. 
Darum habe ich Gelegenheit fast immer jede Erkrankung 
gleich vom Beginn an zu beobachten. Leider tritt tue 
Diphtherie bei Kindern, hier wenigstens, nicht selten 
schleichend, unter Anfangs wenig bedrohlichen Symptomen 
auf und wird daher zuweilen von den Eltern im Anfang 

Öb Im Ganzen habe ich in 6 Jahren. 90 Fälle von Diphtherie 
gehabt. Die Verhältnisse liegen so, dass eine Einschleppung 
der Ansteckung von aussen leicht möglich ist. Nichtsdesto¬ 
weniger ist es sehr wahrscheinlich, dass der Ansteckungs¬ 
stoff in einigen unserer Arbeiterkasernen haftet: es er¬ 
krankte gewöhnlich ein Kind 10-14 Tage nach dem vor- 
bererkrankten, einige wenige Mal in derselben Familie, ge¬ 
wöhnlich aber in der nächsten Nachbarschaft, d. h. in den 
grossen Kasernen in den nächstgelegenen Ziminern, (sich 
längere Zeit an einen Corridor haltend); dort aber, wo die 
Arbeiter in kleinen Gebäuden (Einzel Wohnungen) wohnten, 
traten die nächsten Krankheitsfälle in benachbarten Häus¬ 
chen auf. Während der 4—5 wärmeren Monate gab es 
gewöhnlich keine Diphtheriekranken, mit Ausnahme des 
Jahres 1885, wo gerade zum Sommer und während des¬ 
selben sich die Erkrankungen häuften. 

Die Sterblichkeit betrug im Durchschnitt 60—fu *. 

An allen sanguinischen Hoffnungen die sich an alle neu- 
proponirten Behandlungsmethoden knüpften, habe ich 
redlich Theil genommen, ebenso an den nachfolgenden Ent¬ 
täuschungen. Es starben einige wenige auf der Hohe der 
Krankheit (des Localprocesses) 6, ebenso w ® mge » 
plötzlich und unvermuthet eintretender Herzparalyse; e g , 
9 an Erstickung bei Complication mit Diphtherie des Kehl¬ 
kopfe 1 an Drüsenvereiterung, die Meisten aber bei im 
Schwinden begriffenem oder gar schon abgeiaufenem^Lo- 
calprocesse, an allgemeiner Entkräftung. ^ as r , g . 

Fieber war selten hoch (vielleicht in Folge von Chinin- und 
Pilocarpingebrauch). 


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82 


Im vergangenen Jahr (1885) war die Krankbeit am bösar¬ 
tigsten ; in der letzten Zeitperiode vor Beginn der neuen Be¬ 
handlung, in den Monaten Juli, August, September starben 
von 11 Erkrankten — öl Von Ende Sept. bis heute sind 
mir 1 von 17 Kranken, von denen die meisten schwere waren, 
2 gestorben; von letzteren kam der eine 2 Stunden, der 
andere 6 Stunden vor dem Tode zur Behandlung, am 8 . bis 
10. Tage der Krankheit, so dass ich eigentlich berechtigt 
bin, zu sagen, dass keiner von den Behandelten gestorben ist. 

Hierunter ist auch ein Kind von 2 */se Jahren genesen, bei 
dem der Kehlkopf mit ergriffen war, während bei der frü¬ 
heren Behandlung ein solcher Fall hier immer tödtlichen 
Ausgang batte. 

Dieser grosse und auffällige Unterschied jn den Ausgän¬ 
gen der Erkrankungen früher und jetzt lässt sich nur als 
Folge der Veränderung in der Behandlung deuten, es sei 
denn, dass auf unerklärliche Weise die Krankheit einen 
milderen Charakter angenommen hätte, ohne dieses in den 
zu beobachtenden Symptomen zu verrathen. 

Meine Behandlung seit dem Sept. besteht in der inner¬ 
lichen Darreichung des Sublimat und Einreibungen von 
Ichthyol in die geschwellten Drüsen. Da aber auf das 
«Wie» ebenso viel ankommt, wie auf das «Was», so bitte 
ich um Entschuldigung für etwaige Weitschweifigkeit. Für 
Kinder bis 1 */* J. i l* Gran auf 4 Unz. Aq. destill., bei Kin¬ 
dern bis 6 —7 Jahre */s Gran auf 6 Unz., bei älteren 3 U G. 
auf 8 Unz. Von dieser Lösung wird, wenn die Kinder 
nicht schlafen, alle 20 Min. bis ‘/2 Stunde in mensurirtem 
Glas zu so kleinen Portionen gegeben, dass das Ganze in 
20—24 Stunden ausgebraucht wird. In der Nacht, wenn 
guter Schlaf vorhanden, gebe man nur 2—3 Mal, aber 
dann in etwas grösserer Portion auf einmal. 

Hauptgrundsatz hierbei: keine psychische Alteration des 
kleinen Kranken! Keine Beunruhigung. Wenn irgend 
möglich, die Mutter bei dem Kranken behalten. Ein-, 
höchstens zweimal Inspection der ergriffenen Tbeile. Sehr 
warmes Zimmer, natürlich gut gelüftet (Am besten be¬ 
ständig brennender Ofen). Milch, Milch und wieder Milch. 
Keinen Wein! Andere Nahrung nur wo sehr ausgesproche¬ 
nes Bedürfniss (aber ja nicht mit krankhafter Begehrlich¬ 
keit zu verwechseln). Nichts Zuckerhaltiges. 

Sollte nennenswerthes Fieber vorhanden] sein, so thut 
Antipyrin, 10—30 Gran, je nach dem Alter, im Klystier 
applicirt (auf 2—3 Unzen Wasser von 37 1 /*° C.) in das 
vorher entleerte Rectum, prompten Dienst. 

Das Ichthyol wird so angewandt: Die Kuppe von Zeigc- 
und Mittelfinger in Ichthyol getaucht und in die geschwell¬ 
ten Drüsen langsam einreiben. Sofort werden die Finger¬ 
spitzen trocken und müssen mit Wasser befeuchtet werden ; 
dies muss während einer Einreibung 2—3 Mal wiederholt 
werden. Solche Einreibung wird 3—4 Mal in 24 Stunden 
wiederholt. Um den Hals wird ein breiter Streifen Watte 
lose geschlungen, welcher liegen bleibt, ohne erneuert zu 
werden. Vor der nächsten Eiureibung findet man den 
Wattestreifen an die Haut angetrocknet; er wird c mit feuch¬ 
tem Finger abgelöst. 

Am ersten Tage der Behandlung sieht 'man' gewöhnlich 
keine bemerkenswerthe Veränderung, der Localprocess geht 
sogar zuweilen weiter; am 2. Tage kommt dieser in Bezug 
auf Verbreitung zum Stillstand. (Bei der früheren Behand¬ 
lung, namentlich bei Anwendung des Pilocarpin sah ich oft 
die diphtherischen Einlagerungen überraschend schnell 
schwinden, ebenso das Fieber, ohne dass sich das Allge¬ 
meinbefinden wesentlich gehoben hätte). 

Am 3. Tage gewöhnlich bemerkt man das Zurückgehen 
des Localprocesses, welches aber ganz albnälig, kaum 
merklich erfolgt. Gleichzeitig, oft schon früher, hebt sich 
das Allgemeinbefinden: die Kinder werden munter, es zeigt 
sich Appetit (oder hebt sich, wo schon vorhanden), es 
kommt nicht zu dem perniciösen Kräfteverfall, wie früher 
so oft beobachtet. 

Es scheint mir das Sublimat eine deutlich roborirende 


Wirkung zu haben (abgesehen von der Nebenwirkung der 
wirklich beim Schlucken oft wiederholten localen Desinfec- 
tiori). 

Beim allmäligen Schwinden der Krankheit werde die 
Sublimatlösung entsprechend verdünnt; so habe ich kein 
Mal mehr als 6 , gewöhnlich nur 4—5 Portionen verbraucht. 

Bei all’ den zuletzt Behandelten 15, kam es zu keiner 
Complication (3 hatten zuerst den Scharlach); nur in einem 
Fall griff der Process auch auf den Kehlkopf über (am 5. 
Tage der Krankheit), während früher auf 75 Fälle 9 ka¬ 
men,' in denen der Kehlkopf mit ergriffen wurde. In dem er¬ 
wähnten Falle, bei einem schwächlichen Kinde von 21 Jah¬ 
ren, entwickelten sich in der Zeit vom Morgen bis 6 Uhr 
Ab. die bedrohlichsten Erscheinungen bis zur Erstickungs¬ 
gefahr. Dann erst gab ich in einer Gabe i Gran Pilo¬ 
carpin, worauf zur Nacht völlige Euphorie eintrat. Am 
folgenden Tage wiederholte sich der Vorgang mit derselben 
Medication und demselben Erfolge, worauf Genesung ein¬ 
trat. (Sublimat war unentwegt weiter gebraucht worden). 

Ich habe nur noch zu bitten; 

1 ) Wer diese Methode prüfen will, verfahre genau, wie 
angegeben. 

2) Wer den Versuch später beginnt, als am 3. Tage der 
Krankheit, möge eventuell -nicht meine Behandlung verur- 
theilen, denn ich spreche es noch ausdrücklich aus, dass 
von meinen 15 Genesenen nur 3 später in Behandlung 
kamen. 

3) Ausdrücklich sei noch betont, dass ich keine üble 
Nebenwirkung vom Sublimat gesehen (z. B. Mundschleim¬ 
haut, Darm), auch nicht bei den Ende Sept. Behandelten. 


Referate. 

Axenfcld: Ueber das Fussphänomen. (Arch. f. Psvcli. 
XVI, 3. pag. 824-25). 

«Bei der gewöhnlichen Methode am untersuchten Individuum in 
der Rückenlage durch Dorsalflexion des Fusses den Olonus hervor¬ 
zurufen, ist es sehr schwer bei der Raschheit der Bewegungen die 
Zahl der Schwingungen per Secunde ohne coinplicirte Instrumente 
zu schätzen». A. giebt, da kein sicheres Criterium, wie dieses 
Sehnenphänomen normal beschaffen sein muss, vorhanden ist, folgen¬ 
des einfache Verfahren an, um die Schwingungen graphisch dar¬ 
zustellen. Der zu Untersuchende sitzt auf einem Sopba oder nicht 
zu hohen Stuhle mit gebogenen Knie- und Fussgelenken derart, 
dass nur die Fussspitzen den Boden berühren. Bei einer gewissen 
Steilung fängt das Bein an, periodisch zu oscillireu, diese Bewe¬ 
gungen steigern sich allmälig bis zum Aufschlagen der Ferse auf den 
Boden und die durch den Willen nicht unterdrückt werden können; 
nur eine Orts Veränderung des betreffenden Beines hebt diese Bewe¬ 
gungen auf, sich selbst überlassen können sie in schwankender 
Stärke bis zu einer halben Stunde fortdauern. Die Zahl der Schwin¬ 
gungen misst man in der Weise, dass man ein Blatt Papier auf das 
Knie legt und mit der rechten Hand eine Feder oder einen Bleistift 
darauf stützt. Zieht man mit der Linken das Papier weg, während 
man den Secundenzeiger einer Uhr alle 10 Secunden beobachtet, 
so erhält man eine wellenförmige Linie, deren Zacken der Zahl der 
Schwingungen entspricht. .A. fand an sich und zwei anderen ge¬ 
sunden Männern die Zahl der Schwingungen zwischen 68 und 74 pro 
10 Secunden schwanken, im Mittel also 7 pro Secunde. Versetzt 
man beide Beine in Schwingungen, entweder gleichzeitig oder nach¬ 
einander, so sieht man, dass die Beine nicht im Tacte schwingen, 
sondern jedes im eigenen Tempo mit periodischen Interferenzen und 
Schwebungen, was für den Einfluss des anatomischen Baues jeden 
Beines und die Disposition seiner einzelnen Bestandteile, wie Fuss- 
länge u. a. auf die Schwingungszahl in der Zeiteinheit bezeichnend 
ist. H z. 

Leonhard Voigt: Untersuchungen über die Wir¬ 
kung der Vaccineniikrokokken. (D. med. W. 1885 , M 52 ). 

Die wichtige Frage, ob es gelingt, künstlich Impflymphe zu züch¬ 
ten, hat den Verf., Ober-Impfarzt zu Hamburg, zu seinen ausge¬ 
dehnten Versuchen bestimmt. Seine Resultate giebt er mit folgen¬ 
den Worten: «Nach Obigem ist es mir gelungen, aus der Vaccine 
eine Reincultur und mit dieser am Kalbe Knötchen zu erzielen, 
dann von den Knötchen wieder eine der ersten gleiche Reincultur 
zu erzüchten, dieselbe mit Erfolg einem Kalbe, und von diesen an¬ 
deren Kälbern zu überimpfen und zuletzt sogar eine ausserordent¬ 
lich kräftige Schutzpockenlymphe (gewissermaassen Cowpox experi¬ 
mental) zu gewinnen. Ich konnte also den Kreis vom Kalb zur 
Reincultur und von dieser zum Kalbe zweimal schjiessen. Aber 
trotz dieser guten Resultate ist es mir nicht gelungen, eine prak- 


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tische Methode zur Gewinnung brauchbarer Impfymphe in Reincultur 
zu finden.» 

Nach der Meinung des Verf. bedarf es nur vielseitiger Wieder¬ 
holung der Züchtungs- und Impfnngsversnche auf geeignetem Nähr¬ 
boden, um dass Vaccinecontagium vom thierischen Organismus 
gänzlich losgelöst als brauchbare künstliche Lymphe darzustellen.* 
Zu diesen Untersuchungen fordert Verf. die Collegen auf, welche 
Zeit und Lust für dieselben haben, ihnen theilt er seine Methode 
mit, und führt die einzelnen Versuche genau vor. Wer sich für die 
Frage interessirt, sehe das Original ein, wir meinen, Mancher wird 
sich durch Kenntnissnahme derselben zu eigenen Versuchen anregen 
lassen. Dr. M. S c h m i d t — San-Remo. 

Moncorvo (Rio de Janeiro): Ueber die Wirkung des 
salzsauren Cocains bei der Behandlung des Keuch¬ 
hustens. (Bull, de thärap. 18 85, 6). 

M. behandelt den Keuchhusten mit Bepinselungen des Kehlkopfes 
und des Rachens mit Resorcinlösungen, anästhesirt aber vorher die 
zu behandelnden Theile mit einer 10% Cocainlösung; es sollen bei 
dieser Combination die Anfälle viel gelinder werden und kürzer 
dauern. H s. 

P. B r u n s (Tübingen): Litholapaxie mit Cocainanae- 
sthesirung der Blase und Harnröhre. (Berl. kl. Woch. 
1885, AI 21). 

Nach Einspritzung von 40 Gramm einer 2 % Cocalnlösung in die 
Blase und 10 Gr. in die Harnröhre war die 8 Mm. darauf begonnene 
30 Min. dauernde Operation ganz schmerzlos. Der Fall betraf 
einen 21-j. Mann. — Bei Prostatahypertrophie wird der durch den 
Druck des harten Instrumentes auf die Drüse bewirkte Schmerz 
nicht beeinflusst. (Ref.). Sei. 

I. Congress russischer Aerzte. 

Section für Hygiene und gerichtliche Mediän . 

I. 27. December. Präsident Dr. Bensengr (M.). 

1) Prof. J a n s o n (Statistiker, St. P.): «Ueber die Bedürfnisse 
der medicinischen Statistik in der Gegenwart». 

Da dieser Vortrag uns nicht vorliegt, so müssen wir uns auf die 
Wiederg*abe des vom Ref. selbst gegebenen Resumö beschränken. 

a) Es müssen bei der Kegierung Schritte getban werden, damit 
in den Städten und Ansiedelungen, welche mehr als 30,000 Ein¬ 
wohner haben, das Amt geschworener Aerzte eingerichtet werde; 
diese sollen, in genügender Anzahl vorhanden, sowohl die Todesfälle, 
als auch deren Ursachen constatiren. Letztere müssen entweder 
direct durch diese Aerzte oder indirect nach vorhergehender Ver¬ 
ständigung mit dem, den Verstorbenen behandelt habenden Arzt 
bestimmt werden. 

b) Ferner soll dafür gesorgt werden, dass in den Städten, deren 
Verwaltungen' eine beständige Erkrankungsstatistik organisirt ha¬ 
ben, alle Aerzte verpflichtet werden, den Stadtämtern auf beson¬ 
deren Blanquets jeden Fall von infectiösen Krankheiten anzuzeigen. 

c) Es soll dafür gesorgt werden, dass alle Todes- und Erkran¬ 
kungslisten und auch alles statistische, von Städten and Land¬ 
schaften gesammelte Material kostenfrei durch die Post befördert 
werden. 

d) Behufs Feststellung einer einheitlichen Bearbeitung des medi- 
cinisch-statistischen Materials soll eine Commission niedergesetzt 
werden, welche eine Normal-Nomenclatur der Krankheiten und der 
Todesursachen und die Form der statistischen Mittheilnngen für Zu¬ 
sammenstellung der Daten über Morbilität und Mortalität znm näch¬ 
sten Congresse ausarbeiten soll. 

Prof. Dobroslawin (St. P.) schlug vor, die Nichterfüllung 
der Zusammenstellung von statistischen Daten Seitens der Aerzte 
gesetzlich weniger streng zu belangen, weil eine solche Nichterfül¬ 
lung oft weniger von der Nachlässigkeit der Aerzte, als von einer 
nicht bequemen Form der Registrirnng abbänge und der künftigen 
Commission nur die Aufgabe zu stellen, die Form der Registrirung, 
die Weise des Sammelns und die Zustellung der statistischen Daten 
zu verbessern. Beim Ballotement bestimmte die Section, eine Com¬ 
mission zu wählen, welche bis zum nächsten Congresse die Organi¬ 
sation der medicinischen Statistik und Nomenclatur der Krankheiten 
auszuarbeiten hätte, wobei das Elaborat der Commission gedruckt 
und den Mitgliedern der Gesellschaft vor dem Congresse zugestellt 
werden solle, Zu Mitgliedern der Commission wurden die Proff. 

J an s o n und E r is m an (M.) und die DDr. Pogoshew,Uwa- 
r o w und 0 r 1 o w vorgeschlagen. 

In der sehr lebhaften, auf den Vortrag folgenden Discussion 
sprachen sich viele gegen die Forderung des Prof. J an son aus, 
dass neben Aerzten auch Geistliche, Hebammen, Pbaimaceuten u. 
a. die Ursache des Todes coqstatiren sollen. Dr. Herzenstein 
(St. P.) schlug vor, in Städten von 30,C00 Einwohnern ein den St. 
Petersburger Dumaärzten ähnliches Institut einzurichten, wobei die 
betreffenden Aerzte neben der Behandlung auch die sanitäre Statistik 
zu besorgen hätten. 

2) Dr. 0 b o 1 e n 8 k i (Charkow): «Ueber Haare in gerichtiich- 
medicinischer Beziehung». 

Die weiblichen Haare sind im Allgemeinen dicker als die männ¬ 
lichen und können die Haare je nach dem Orte ihres Vorkommens in 


4 Gruppen getbeilt werden: Haare 1) am Rumpfe, 2) an Augen¬ 
brauen, —Wimpern und Nüstern, 3) des Barts, Schnurr- und Backen¬ 
bart und 4) am Kopfe. Die erste Gruppe zeigt wegen deT fortwäh¬ 
renden Reibung durch die Kleider ganz allgemein eine Abrundung, 
zuweilen auch eine stecknadelkopfförmige Auftreibung und eine 
Streifung an der Spitze. An den Haaren der Unterschenkel und der 
Brust stehen oft die Spitzen der Schuppen weiter von einander ab, 
als normaliter, an stark schwitzenden Stellen sind dje Haare oft mit 
Salzen belegt und haben einen ovalen, oder nierenförmigen Quer¬ 
schnitt. Die Haare der zweiten Gruppe sind nicht eingebogen, 
glatt, glänzend, die aus der Nase ausgenommen, welche häufig mit 
Schleim nnd schwarzen Klümpchen (Kohlenstaub ?) bedeckt sind und 
zeigen einen ovalen oder runden Querschnitt. Die Haare der 3. und 
4. Gruppe unterscheiden sich durch ihre Länge, Dicke nnd histolo¬ 
gische Structur. -- Der von allen Autoren (Oesterlen ausgenom¬ 
men) angegebene Unterschied zwischen einem ausgerissenen und 
einem ausgezogenen Haare (bei erstem volle, bei letzterem halb¬ 
volle Zwiebel) ist kein ganz vollständiger, weil bei der gerichtlichen 
Untersuchung wohl schwerlich sich eine frische Haarzwiebel finden 
wird; ein sicheres Kennzeichen aber für ein ausgerissenes Haar 
bietet die Anwesenheit eines inneren glasartigen Häutchens, das be¬ 
sonders deutlich bei der Bearbeitung mit Ag. 0. NO 5 , Au. CI, oder 
Pikrocannin hervortritt. — Die angebrannten Haare sind an ihren 
Enden stecknadelkopfförmig angeschwollen, schwarz, die Ränder 
scharf, stachelig, gezähnt. Nach Aufhellung mit Terpenthinöl 
zeigen sich diese Anschwellungen in ihrem Inneren in viele Abthei¬ 
lungen und Zellen geschieden, diese vacu ölen artigen Zellen ziehen 
rosenkranzförmig weit von der angebrannten Stelle im Centrum des 
Haares weiter. Nach 2 Wochen glätten sich die Winkel der An¬ 
schwellung nnd erscheinen nach einem Monate ganz abgeschliffen, 
doch kann man noch längere Zeit ein angebranntes Haar von einem 
normalen unterscheiden. — Die gut abgeschorenen Haare zeigen 
gleichförmige Schnitte, deren Durchmesser dem des Haarschaft gleich 
ist; war aber die operirende Scheere stumpf und die sie führende 
Hand ungeschickt, so ist der Schnitt ungleichförmig, gezähnt nnd 
dicker als der Haarschaft. Wird das Haar mit der Schärfe eines 
Hammers abgeschlagen, so bekommt man Bilder, wie nach Schnei¬ 
den mit einer scharfen Scheere, zuweilen aber auch Zeichen von 
Quetschung. Wird das Haar von einem stumpfen Instrumente ge¬ 
troffen, so stellt es in seinem Verlaufe Anschwellungen mit längs¬ 
gestellten Streifungen, theilweise auch Zersplitterungen dar. Die 
Abründung der scharf abgeschnittenen Haarränder beginnt schon am 
Ende der zweiten Woche nach dem Scheeren, wonach man die Zeit 
des letzteren ungefähr bestimmen kann. — Bei der Untersuchung 
von, Thierhaaren müssen berücksichtigt werden: die Länge und 
Breite des Haares und seines Markcanals, die Lagerung der Epider- 
miculaschuppen, die seitliche Zähnelung und der Bau der Mark¬ 
schicht. So nimmt diese beim Kaninchen und Hirsch die ganze 
Dicke des Haares ein, beim Biber dagegen ist die Rindenschicht 
mächtiger als die Markschicht. Die Structur des Markcanals ist 
auch verschieden, so sind die Zellen beim Meerschweinchen poly¬ 
gonal, beim Ochsen ist ein zartes, kaum bemerkbares queres Reti- 
culum, beim Igel grobe quergelagerte Balken und enorme Vacuolen, 
beim Hunde und beim Wolfe ein dichtes breites Reticulum und 
rundliche Vacuolen sichtbar. 

Dr. Bensengr fügte hinzu, dass der Durchschnitt von Haaren 
civilisirter Racen oval, zuweilen biscuitförmig erscheine und wird um 
so runder, je tiefer in der Civilisation die Träger der Haare stehen 
und dass in einigen Racen der Querschnitt sogar viereckig wird. 

3) Dr. Schijachtin (Riga): «Zur Frage von der Einheit der 
Desintection» ist für verstärkte Ventilation der Wohnungen an¬ 
steckender Kranker, für Desinfection mit Sublimat aller Holzge- 
räthe und des Inhalts der AlfuhTgruben, iür Desinficiren von Wäsche 
und Kleidern durch überhitzten Dampf, dessen Anwendung im 
Merke ’schen Apparate wenig kostspielig ist. H z. 


Vermischtes. 

— Die v on uns in 7 dies. Wochenschrift ausgesprochene Be¬ 
fürchtung, dass duicb die Einstellung der Zufuhr vou Leichen aus 
den St. Petersburger Hospitälern der praktische Unterricht in der 
Anatomie und Chirurgie an der Dorpater Üniversität ernstlich .ge¬ 
fährdet werden könnte, wird von Dorpat aus bereits bestätigt. Na¬ 
mentlich soll das anat« mische Institut daselbst bereits in ernster 
Verlegenheit sein, da die Leichenzufukr aus der Provinz eine ganz 
unzureichende ist. Um diesem Uebelstande einigermassen abzu¬ 
helfen, hat nun, wie die «Ztg. f. Stadt u. Land» meldet, der Curator 
des Dorpater Lehrbezirks in Folge eines am 24. Januar d. J. Aller¬ 
höchst bestätigten Ministern noitö-Beschlusses die Gouvernements- 
Obrigkeiten d er drei Ostseeprovinzen aufgefordert, auf Grund eines 
Gesetzes aus dem Jahre 1822 dahin Anordnung zu treffen, dass hin¬ 
fort sämmtliche Leichen von Arrestanten, Selbstmördern und bei- 
matblosen Individuen dem Dorpater Anatomicum zugestellt würden. 

— Das von dem Verwaltungsrathe der medicinischen Unter- 

stützungscasse eingereichte Gesuch um Befreiung der Kapitalien 
dieses Wohlthütigkeits-lnstituts von der Staatssteuer ist vom 
Finanzminister abschlägig beschieden worden und zwar, weil voü 
dieser Steuer nur die Kapitalien derjenigen Wohlthätigkeits-Anstal¬ 
ten befreit werden, welche unter der unmittelbaren Verwaltung der 
Regierung stehen; (Wr.) 


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— In Odessa ist die syphilitische Abtheilung des Stadthospitales, 
welche gegen 200 Kranke beherbergte, abgebrannt. Unglücksfälle 
sind nicht vorgekommen, obschon die Kranken nur im Hemde und 
Schlafrock sich retten konnten. 

— Verstorben : 1) In St. Petersburg das beständige Mitglied 
des militär-medicinischen gelehrten Comitd’s, Geheimrath Dr. T. M. 
A r a k i n. 2) In Moskau Dr. C a r 1 Sänger, Gehfilfe des Ober¬ 
arztes am dortigen Golizyn-Krankenhause. 3) In Warschau der 
frühere Gouvernements-Medicinal-Inspector Dr. 8 e w r u k im 60. 
Lebensjahre. 4) Im 78. Lebensjahre der Medico-Chirurg J. G u 11. 
Der Verstorbene hatte im Jahre 1830 den Cursus an der hiesigen 
Academie absofvirt und darauf 30 Jahre als Arzt am Kalinkinhospi- 
tal gewirkt. Die letzten 15 Jahre verbrachte er auf dem Lande, 
wo er seine Müssestunden der Behandlung der umwohnenden armen 
Landbevölkerung widmete. (Wr.) 5) In Berlin der dortige Poli- 
zei-Stadtphysicus, Geh .-Med .«Rath Dr. He r m. v. Cha misso, 
einer der angesehensten Berliner Aerzte, im 56. Lebensjahre an 
einem chron. Herzfehler. Der Dahingeschiedene war ein Sohn des 
bekannten Dichters Adalbert v. Chamisso und hat sich 
ebenfalls als hervorragender Gelegenheitsdichter bewährt. 6) In 
Frankfurt a/M. Dr. A u g. 8 c h o 11, Badearzt in Nauheim, welches 
den Aufschwung, den dieser Badeort in den letzten Jahren genom¬ 
men hat, vorzugsweise S c h.’s wissenschaftlicher Begabung und 
seinen energischen Bemühungen zu verdanken hat. 

— Prof. Gerhardt in Berlin hat das Unglück gehabt, beim 
Verlassen eines Stadtbahn-Coupö’s im Centralbahnhof in Folge eines 
Fehltritts auf den Perron zu stürzen und sich einen Armbruch zu¬ 
zuziehen. 

— Der bekannte Wiener Laryngolog, Prof. L. Schrotter, 
beging am 22. Februar sein 25jähriges Dienstjubildum . 

— In Krementschug haben die DDr. Bogajewski und 0r- 
1 o w s k i an einem 101 Jahr alten Schneider die Katarakt-Extrac - 
tion auf beiden Augen mit dem gewünschten Erfolge ausgeführt. 

(Ophthalmol. Bote). 

— Pasteur hält das Problem des Schuttes gegen die ToU- 
touth durch seine Impfmethode bereits für gelöst Am 2. Februar 
c. hat er der Pariser Academie der Wissenschaften nähere Mitthei¬ 
lungen über die Resultate seiner Schutzimpfungen gegen die Toll- 
wuth gemacht. P. hat bisher 385 Personen in Behandlung genom¬ 
men, von denen jedoch bei 35 die Behandlung noch nicht zu Ende 
geführt ist. Sämmtliche Behandelte haben von Aerzten und Thier¬ 
ärzten eine Bescheinigung darüber, dass die Verletzungen von toll- 
wüthigen Thieren herrühren. Bei den 350 nach F.’s Methode 
geimpften Personen (nämlich nach Abzug der 35 noch in Behand¬ 
lung befindlichen) ist mit Ausnahme eines jungen Mädchens, wel¬ 
ches erst 37 Tage nach dem erfolgten Bisse in Behandlung kam, 
die Tollwuth nicht zum Ausbruche gekommen. Von den 350 Be¬ 
handelten schied Pasteur 100 aus, die er als vollgültige Beweise 
für seine Methode gelten lassen wollte. Bei diesen hat nämlich die 
Verletzung vor mehr als 75 Tagen stattgefunden, während nach allen 
Beobachtungen die Krankheit innerhalb 40 Tage ausbricht, so dass 
nach 60 Tagen jede Gefahr als beseitigt gelten kann. Maassgebend 
für die Würdigung der Sicherheit seiner Methode sind auch gegen 
100 Hunde, welche in Folge der P a s t e u r'sehen Schutzimpfungen 
im Laufe eines Jahres vollkommen immun gegen das Wuthgift sich 
erwiesen haben. Die obenerwähnten 100 Menschen verdanken, wie 
P. erklärte, ihr Leben nur der Schutzimpfung. Das Problem sei 
somit gelost. 

Zum Schluss beantragte Pasteur die Gründung eines inter¬ 
nationalen Impfinstituts in Paris; ein einziges solches, würde 
seiner Meinung nach für Europa und Nordamerika genügen, da die 
Patienten wohl rechtzeitig eintreffen können. 

Hoffentlich wird nun Pasteur die versprochenen näheren Mit¬ 
theilungen über seine Impfmethode selbst der medicinischen Welt 
nicht länger vorenthalten! 

— Im O.dessaschen Militär-Bezirksgerichte gelangte kürzlich 
nachstehender Process gegen die Aerzte des 52. Wilnaschen Regi¬ 
ments Weschtschitzky, Lukjantschenko und A g r i - 
k o w, sowie die Feldseheerer Petroschewski und C h a ri¬ 
sch o w zur Verhandlung: Der Second-Lientenant D. des 52. Wilna¬ 
schen Regiments litt in Folge von Alcoholismus an Schlaflosigkeit, 
wogegen der Arzt desselben Regiments Dr. Lukjantschenko 
\ Drachme Chloral verschrieb. Am anderen Tage schickte D. ohne 
ärztliche Verordnung seiuen Diener nach einer zweiten Dosis Chloral 
in das vou Dr. Lukjantschenko verwaltete Revier-Krankenhaus. 
Dr. Lukjantschenko war unterdessen erkrankt nnd an seine 
Stelle Dr. A g r i k o w getreten, welcher weder den Schlüssel zum 
Arzeneischrank, in welchem auch die stark wirkenden und giftigen 
Mittel auf bewahrt wurden, empfaugen hatte, noch auch wusste, in 
wessen Händen derselbe sich befand. Gewöhnlich befand sich der 
Schlüssel in den Händen des Feldscheerers Petroschewski, 
welcher ihn beim Fortgehen entweder dem Dr. L u k j a n t s c*b e n k o 
oder dem dejourirenden Feldseheerer zu übergeben pflegte. An 
diesem Tage war der Feldscb. Petroschewski in Dienstange¬ 
legenheiten abwesend und der ihn vertretende Feldsch. Chari- 
ßchow, welcher seiner eigenen Aussage nach mit den medicini¬ 
schen Bezeichnungen der Arzeneien wenig vertrant war, liess, 
obgleich die Unterschrift des Arztes zur Wiederholung der Arznei 
fehlte, das Medicament ab, gab aber statt Chloralum hydratum — 
Hydrarg. chloratum corrosivum! Die Folge dieses Versehens war 


der Tod des Second-Leutenants D. — Dr. A g r i k o w, welcher 
den Krauken 2 Tage nach dem Gebrauch dieser Arznei besuchte, 
berichtete, dass D. an einer acuten Enteritis leide, verschwieg aber 
die Ursache der Krankheit. Erat 8 Tage später gab Dr. A g r i - 
kow auf die Anfrage des Bataillons - Commandeurs an, dass D. 
durch ein Versehen des Feldscheerers vergiftet worden sei. — Das 
’ Gericht sprach den Dr. A g r i k o w von der Anklage einer absicht¬ 
lichen Verheimlichung der Vergiftung frei und verurtheilte den 
Feldseheerer Petroschewski dafür, dass er den Schlüssel zum 
Arzeneischrank vor demselben gelassen hatte, zum siebentägigen 
Arrest, den Feldseheerer Charischow aber zum Verlust des 
Unterofflciere-Ranges, zu einem zweiwöchentlichen Arrest und zur 
Kirchenbusse. Die Anklage wider die Aerzte Weschtschitzky 
und Lukj an tsch enko (worin besteht diese eigentlich !?) ge¬ 
langte nicht zur Verhandlung, weil dieselben krank waren. 

(Odess. Ztg. — Wratsch.) 

— Der nächste in 300 Pfd. Sterl. bestehende •Astley Cooper- 
Preis* , welcher diesmal für die beste Abhandlung über •Aetiologie , 
Anatomie , Therapie der tüberculösen Erkrankungen der Kno¬ 
chen und Gelenke » bestimmt ist, gelangt im Jahre 1889 zur Ver- 
theilung. Die Abhandlung, welche Originalzeicbnungen und Prä¬ 
parate enthalten muss und keine Compilation zweier oder mehrerer 
Autoren sein darf, ist vor dem 1. Januar 1889 an die «Physicians 
and Surgeons of Guys Hospital» einzureicheu. Die Abhandlungen 
können entweder in englischer oder in einer anderen Sprache, unter 
Beifügung einer englischen Uebersetzung, geschrieben sein ; jede 
Abhandlung muss mit einem Motto versehen sein und in einem ver¬ 
schlossenen Couvert den Namen und den Wohnort des Verfassers 
enthalten. 

— AlsRedacteur der «Deutschen Vierteljahrsschrift für öffent¬ 
liche Gesundheitspflege» ist an Stelle von Dr. Georg Vayren- 
trapp, welcher wegen vorgerückten Altera von der Redaction 
zurückgetreten ist, Medicinalrath Dr. P i s t o r in Berlin eingetreten. 

— Dem 16. Rechenschaftsberichte des gegenwärtig 363 Mitglie¬ 
der zählenden Hechtsschutevereins Berliner Aerzte entnimmt die 
«Allg. med. Cent. Ztg.» folgende Daten: Im Jahre 1885 wurden 
dem Verein zur Einziehung übergeben: 6068 Liquidationen im Be¬ 
trage von 101,672 Mark 96 Pf., welche mit den aus dem Voijahre 
in geschäftlicher Behandlung verbliebenen Liquidationen im Betrage 
von 38,714 Mark 22 Pf. im Ganzen 140,387 Mark 18 Pf. ausmachen, 
die im Berichtsjahre einzuziehen waren. Davon sind eingegangen 
77,541 Mark 30 Pf., während uneinziehhar waren 19,206 M. 88 Pf. 
und erlassen wurden 21,485 Mark 5 Pf. In geschäftlicher Behand¬ 
lung verblieben zum Jahre 1886 — 1760 Liquidationen im Betrage 
von 22,153 Mark 25 Pf. 

— Im Februar fand in Paris eine Vertheilung von Preisen an 
die besten Ammen durch die «Gesellschaft zum Schutz der Säug¬ 
linge» statt. Preise von 100 Frcs. erhielten eine Frau aus Paris, 
welche 16 Kinder aufgesäugt hat und eine Frau aus dem Departe¬ 
ment Loir et Cher, welche sogar 24 Kinder aufgesäugt und ausser¬ 
dem 4 Kinder mit der Flasche grossgezogen hat. 

— Wie streng man in Deutschland gegen Quacksalber und Ge- 
heimmittelschwmdler vorgeht, beweist ein vor Kurzem gegen einen 
ehemaligen Friseur Bühligen (Berlin), welcher] einen schwung¬ 
haften Handel mit einem Mittel gegen Kahlköpfigkeit betrieben 
hat, angestrengter Process. Derselbe wurde, weil er sein Mittel, 
welches 80 Pfennig werth ist, mit 12£ Mark bezahlen liess, wegen 
Betruges zu 6 Monaten Gefängniss und 1 Jahr Ehrverlust ver- 
urtheut. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 

Einwohner¬ 

zahl 

Woche 
(Neuer Styl) 

| Lebend- | 

Todtgeboren j| 

|Gestorben 

geo 

«8 1 
B 

0 

ö 

GQ 

AuflOOO 3 
Einw. B 

Summa 

Auf 1000 
Einwohn. 

London . 

1 ; 

4083 928 

7.—13. Feb. 

2739 

34,» 

48 

1983 

24,» 

Paris . . 

2 239 928 

7.—13. Feb. 

1320 

30,6 

87 

1135 26,* 

Brüssel . . 

175811 ! 

7—13. Feb. 

115 

33,® 

5 

92 

27,4 

Stockholm . 

200143 31. Jan.-6. Feb. 

V22 

36,t 

3 

84 

21,a 

Kopenhagen 

289000, 

10.-16. Feb. 

224 

40,s 

2 

102 

18,a 

Berlin . . . 

1315 5471 

7.—13. Feb. 

917 ' 

36,» 

39 

585 23,« 

Wien . 

780066 

7.—13. Fet>. 

508 

33,» 

24 

494 32,» 

Pest . . . 

44259131. Jan.-6. Feb. 

_ 1 

— 

— 

— 

1 — 

Warschau . 

40693531. Jan.-6 Feb. 

317! 

40,« 

21 

221 

28,< 

Odessa . . 

194 400' 

7.-13. Feb. 

t 

— 

8 

| 135 36,« 

St. Petersburg 

( 928 016 14.-20. Feb. | 

6161 

37 , * 

31 

640 35,* 


_ _ Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 4. März 1886. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 10. März J886. 

(4P Nächste Sitzung der geburtshUlflichen Section 
Donnerstag den 6. März 1886. 


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f 


85 


Adressen von Krankenpflegerinnen. 

* E. van der VIiet, Eoxbiii. M&crepcK&n, 
X. As 5, kb. 49. 

* Fr. P. Eurich, HeBCKift npocn. x» «Ns88, 
kb. 10. 

* JIjHsa KapjiOBHa MepTBe, Asy- 
mepBa, PracKift np. x. N 42/4. kb. Nt 5. 

* Codbifl IlaBJioBHa IIIk ibdö BCKaa, 
no MoöKt X’ N 102, spapT. N 4. 

Mad. Hellwig, H3Maft JOBCKifi noiro, 11. 


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PUF* St. Petersburg, New sky-Prospeet 8 . *^P 8 ___ 

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no MeTpHnecKoS CHCTenk ft > 3 g S • g 'S S 

nna sci3g.S-s*t>DA.2 1 gB 

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H3AAHIE C.-flETEPByprCHOM r/IA3H0ft /ItHEBHMUbl. 1*3 i||| 1 |1 | I 

1885 ^ 11^0 3 p., cx nepecMJi. 3 p. 30 k. I gj «f 11 

H 31 hhxt» npoaaiOTca OTR-feJibiio: npoÖHUe Uipn<I)TH no 1 p. 50 I g || J? J, 15 • t «f|g 

Kon. h npoÜBHH TaÖJIHI^M no 2 py6. 1 ^ 3 jJfJjpjlg 

Die Tafeln sind nach dem Principe des Dr. Monoyer entworfen 5 Jjjj J e ?i| > '^‘^ > ö a ■ 

worden. Indem sie sich dem jetzt in der Ophthalmologie wohl mehr und ^ K ©o j§ 

mehr gebräuchlichen Metermaasse anschliessen, bieten sie den Vorzug einer ■ «■« a S|^'g3§_§p 

genauen Bestimmung der Sehschärfe von */*o bis , 0 /io. In den «IIpoÖHfaie Sl^J g 5 g ä> W B 'g p § 

TaßjiHUbi» sind enthalten: * §■§ *** -2 ^ 2 s g S £ •<) 5 1 * 

1 ) 1 Tafel mit russischer Schrift, g § | „ 8 >&»sgf!l 

2 ) 1 » mit lateinischen Buchstaben, (13) ■ >-r » R « § 3 % 5 ’S 5 £ ■ 

3) 1 » mit Zahlen, I.S ^ "§ a -5 p-tgj S!g 2 SI 

4 ) 1 » mit Zeichen, |« •« * S~ g J •§ «-a B S 3 S 1 

5 ) 1 » zur Bestimmung des Astigmatismus. ^ 

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flitait aeft. an bie Slbreffe: „Verband der Mretl ieHen Minernheammer von Ober-8al*brttnn 
Herren F UM BACH Jt STKlig hOLL, Ober-8a hgbfru nn i, Sehlem.*' 

rieten tu lDOtleit, bereu prompte Stuäfüljnntg fid) bie ^irma Furbach & Strieboii angelegen fein taffen 
wirb. $Teicliften unb @ebraud)8anroeifunaen fielen g’ati« jur SBeTfugung. 

Obtt*maltfnMun in tm §anuat 18 Ö 8 . ICerfanb ber JürftL JWtneralroaifer 

VUft'fdie »runMtt=SnfP«ctt»» _ _oon p 6 w««i»btunn __ 


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Brochüren über das Lanolin stehen gratis und franco zu Diensten. 

J^o 8 B. cteH 8 . Cn 6 . 28 d>eBpaJifl 1886 r. Herausgeber Dr. L. v. Holst. Buchdmckerei von A. Caspary, Liteiny 52 


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Neue Folge. 


III. Jahrgang. 

(ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 


St. Petersburger 

Medieinische Wochenschrift 


Prof. ED. v. WAHL, 
Dorpat. 


unter der Redaction von 
Dr. L. v. HOLST, 
St. Petersburg. 


Dr. GüST. TILING, 
St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medidnische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn« 
übend. Der Abonnements-Preis ist In Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; In den anderen LÄn- 
dera 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Inserations - Preis ihr 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist ta Kop. oder 30 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 
Abenaements-Aufträge bittet man an die BuchÜandiung von 
Carl Rieker in St. Petersburg, Newsky • Prospect Jft 14 zu richten. 


■0^ Insorato werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
reau von Friedrich Petrick in St. Petersburg, Newsky-Prospect JA 8, 
und in Paris bei unseren General-Agenten entgegengenommen. 
Los annonces frangalses sont reyues exclusivement 1 Paris, 
chez Messieurs G. E. Puel de Lobei de Cie., Rue Lafayette 58. 
Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen 
bittet man an den geschäftsfübrenden Redacteur Dr. Gustav Tiling 
(Klinisches Institut der Grossfilrsdn Helene Pawlowna, Kirotschnaja 39) 

zn richten. 


NS 10. 


St. Petersburg, 8. (20.) März 1886. 


Inhalt s F. W e h 0 r: Ueber Infusion einer Kochsalzlösung in das Venensystem bei Verblutungsgefahr nach der Geburt. — J. G ri m m : 
Krankheite-Bf rieht für das Jahr 1885 über die NicoJai-Cavallerie-Schule. — Die Commission zur Reorganisation der Gesuudheitsrer- 
hAltnisse in Russland. — Referate . LawsonTait: A Series of 112 operations for ovarian and parovarian kystoma without a death. 
— Osear Liebreich: Ueber das Lanolin, eine neue Salbengrnndlage. — H, Tillmanns: Ueber die operative Behandlung ron 
Snbstanzverlnsten an peripheren Nerven. — P. Guttmann und H. Neumann: Zur Lebensdauer der Cholerabacillen. — Bücher- 
Anzeigen und Besprechungen. — Halberstamm: Beitrag zur Lehre vom Icterus neonatorum. Th. v. Dembowski: Ueber die 
Abhängigkeit der Oedeme von Hydrämie und hydrämischer Plethora. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerete. — Bericht 
Über die wissenschaftliche Thätigkeit des Vereins St. Petersburger Aerztepro 1885. — 1. Gongress russischer Aerzte . — l ermi- 
schtes. — Vacanzen* — Mortalwäts-Buüetin St. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas . — Anzeigen. 


Ueber Infusion einer Kochsalzlösung in das Venen¬ 
system bei Verblutungsgefahr nach der Geburt. 

• Von 

I>r. F. W e b e r. 

Da es wohl schwerlich für den praktischen Geburtshelfer 
eine peinlichere Situation geben kann, als eine Kreissende 
oder frische Wöchnerin unter seinen Händen verbluten zu 
sehen, so ist es natürlich, dass jede Behandlungsmethode, 
die selbst in den sonst hoffnungslosen Fällen einen Erfolg 
erwarten lässt, freudig begrüsst wird. Seiner Zeit schien 
die Transfusion mit ganzem nnd defibrinirtem Menschen« 
°nd Lammblut die Hoffnung auftauchen zu lassen, dass end¬ 
lich die Möglichkeit gefunden, selbst in verzweifelten Ver- 
blutungsfällen das Leben der betreffenden Patientin noch zu 
retten, doch erwies sich bald in der Praxis, dass die neue 
Methode so viele Schwierigkeiten bot und dabei der Erfolg 
durch zahllose Zwischenfälle erschwert wurde, dass selbst 
4 ie eifrigsten Verfechter derselben sich von ihr lossagten. 
Nun folgten Versuche mit Infusion von Blut in die Bauch¬ 
höhle, doch auch diese war in den Fällen von Verblu¬ 
tungen in nnd nach der Geburt nicht zureichend, da.bier 
die Zeichen der acuten Hirnanämie so ausserordentlich 
rasch ihren Höhepunct erreichen, bevor es möglich das nö- 
thige Blnt zu beschaffen und die Operation auszuführen. 
Nun folgten Versuche mit Iojection von emfachem Wasser 
nnter die Haut und in die Bauchhöhle, doch blieben die 
Erfolge gerade in Verblutungen nach der Geburt zweifel¬ 
haft. Endlich ging man zur Injection einer schwachen 
Kochsalzlösung (6°/«o) direct in das Venensystem über und 
scheint mit der Methode den Nagel auf den Kopf getroffen 
zu haben. Unter den Collegen unserer Residenz gebührt 
dem Docenten der medicinischen Academie, Dr. 0 11, die 
Ehre bei uns der Verfechter dieser Behandlungsmethode 
zu sein, doch trotzdem er bereits 1883, 1884 und 1885 im 
Wratsch (1883 pag. 441, 1884 K 12, 1885 K 2) seine Be¬ 
obachtungen in diesem Gebiete veröffentlicht hatte, scheint 
die Methode bis jetzt bei uns noch wenig Anklang gefunden 
zu haben, da ich in den letzten Jahren nicht selten von 
VerblutungsfälTen nach der Geburt gehört habe, ja selbst 
einen Fall dieser Art iu meiner Praxis hatte, wo dieser 


letzte Versuch nicht gemacht wurde. Um so mehr fühle 
ich mich verpflichtet einen Fall mitzutheilen, wo dank der 
Anwendung dieser Methode durch Dr. 011 bei einer meiner 
Patientinnen das Leben derselben gerettet wurde. 

Ehe ich zur Beschreibung des genannten Falles übergehe, 
will ich noch mit einigen Worten der einfachen Technik, 
welcher sich Dr. 011 in diesen Fällen bedient, erwähnen 
und auch die Motive hervorheben, die die Anhänger dieser 
Methode die genannte Flüssigkeit zur Infusion wählen 
Hessen. Die Technik der Operation ist so ausserordentlich 
einfach und ist dazu ein so einfaches Instrumentarium 
DÖthig, dass dieselbe Überall, selbst bei den misslichsten 
Localverhältnissen ohne Zeitverlust ausgeübt werden kann. 
Man braucht nur einen E s m a r c h ’seben Krug, womög¬ 
lich mit Glasreservoir, sowie einige kleine Glascanülen, wie sie 
bei den physiologischen Vivisectionen gebraucht werden, sowie 
einige Zoll nichtgefensterten Drainrohrs bereit zu haben, 
um sofort zur Operation schreiten zu können. Es wäre 
daher zu empfehlen, dass ein jeder Geburtshelfer seinem 
geburtshülflichen Besteck einige der genannten Glascanülen, 
die auch nach der Vorschrift Dr. G e s e 11 i u s mit ge¬ 
krümmten Schnabel versehen sein können (da diese Form 
das Eindringen. in die angeschnittene Vene bedeutend er¬ 
leichtert), ein Drainstückchen, eine Anzahl von Päckchen 
chemisch-reinen Chlornatriums 6 Gramm pro Dosi beilegt, 
da alle übrigen Utensilien (Scalpel, Ligaturfäden etc.) im 
Tascheubesteck vorhanden. Ehe man zur Operation schrei¬ 
tet, bereitet man sich eine Lösung von 5 Liter Kochsalz¬ 
lösung mit destillirtem Wasser (6°/oo) und erwärmt die¬ 
selbe, indem man die Flasche in warmes Wasser stellt, bis 
zur Körpertemperatur. Ist das Venennetz so zusammen¬ 
gefallen, dass man trotz Unterbindung des Oberarmes das¬ 
selbe nicht durch die Haut wahrnehmen kann, so präparirt 
man sich eine der Venen frei, schiebt zwei Ligaturen unter 
das freigelegte Stück, unterbindet das periphere Ende, 
macht einen Längseinschnitt in die Vene, fuhrt die mit der 
Kochsalzlösung gefüllte Glascanüle iu denselben und befes¬ 
tigt die Spitze durch die zweite Ligatur. Dadurch dass 
die Canüle mit der Lösung gefüllt und ein Abfliessen durch 
Fingerdruck unmöglich gemacht, kann niemals Luft iu die 
Vene dringen. Nun verbindet man die Canüle durch ein 


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Drainrohr mit dem E s m a r c h'sehen Krug, wodurch die 
Wassersäule der Canüle mit der ganzen Injectionsmasse in 
Contact gebracht wird, Sobald der Fingerdruck nachlässt, 
beginnt die Infusion. — Was die Wahl der Flüssigkeit an¬ 
betrifft, so spricht sich Dr. Ott ausserordentlich warm für 
die Kochsalzlösung aus, da dieselbe nicht nur vom theore¬ 
tischen Standpunct, sondern auch in der praktischen Aus¬ 
übung als die geeignetste sich erwiesen hat. 

Wie bereits erwähnt, bedient sich Dr. Ott einer Lösung 
von 6 pro Mille und findet, dass derselben keiner der Uebel- 
stände anhaftet, welche bei den übrigen Infusionsflüssig¬ 
keiten, besonders des ganzen und defibrinirten Lamm- wie 
Menschenblutes zu bemerken sind. Die Vortbeile der Blut¬ 
infusionen negirt er vollkommen, da er sich auf experimen¬ 
tellem Wege davon überzeugt und seine Beobachtungen im 
Aufsatze: «Ueber den Einfluss der Kochsalzinfusion auf den 
verbluteten Organismus» (V i r c h o w’s Archiv XCIII) be¬ 
kannt gemacht hat Schädlichen Einfluss kann die infun- 
dirte Kochsalzlösung weder auf die Circulation, noch auf 
die Blutmischung haben, da dieselbe nimmer zu Thromben¬ 
bildung Veranlassung geben kann, ausserdem das allerge¬ 
eigneteste Substrat zur Regeneration des Blutes bildet. Die 
einfache Technik der Application, sowie das einstimmige 
Gutachten aller Autoren, die mit dieser Lösung operirt, 
sprechen dafür, dass dieselbe am geeignetesten ist, um so 
rasch wie möglich das verlorene Blut zu ersetzen. Nach 
diesen einleitenden Worten bin ich so frei den Lesern der 
St. Petersburger medicinischen Wochenschrift die kurze 
Krankengeschichte eines von mir beobachteten Falles zu 
bieten. 

Frau B-, 21 Jahr alt, Frau eines Eisenbahnbeamten, 
christlicher Gonfession, doch israelitischer Abstammung, 
ausserordentlich anämisch, nervös und hysterisch; in Pe¬ 
tersburg geboren, seit 1 Jahr verheirathet, bekam die erste 
Menstruation mit 14 Jahren; dieselbe dauert gewöhnlich 
3 Tage, hat einen 3wöchentlichen Typus, die Quantität war 
immer sehr gering, dysmenorrhoische Erscheinungen wäh¬ 
rend der ganzen Zeit jeder Menstruation. Die Menstruation 
blieb vor 8 Monaten aus, es wurde Schwangerschaft consta- 
tirt; darauf folgt heftiges Erbrechen, welches bis zum IV. 
Schwangerschaftsmonat anhält, dann aber aufhört, worauf 
die vollkommen erschöpfte Dame sich wieder ein wenig er¬ 
holt. Beim Umzuge im November-Monat unterzieht sich 
Patientin unnöthigen körperlichen Anstrengungen und psy¬ 
chischen Alterationen, worauf die Kindesbewegungen, welche 
2 Monate lang deutlich gefühlt wurden, verschwanden. Am 
16. November 1885 wurde durch eine ärztliche Consultation 
das Absterben der Frucht conBtatirt; da nun im Verlauf 
von Wochen und Monaten die Geburt der todten Frucht 
nicht zu Stande kam, wurde eine ganze Reihe von Collegen 
abwechselnd zu Rathe gezogen, doch als endlich die Geburt 
eintrat, vertraute man die Leitung der Geburt einer Heb¬ 
amme an. In den letzten Monaten wurden Bäder und 
warme Scheidendouchen verordnet. Die Hebamme appli- 
cirte im Verlauf der letzten 24 Stunden der ausserordent¬ 
lich ungeduldigen Kreissenden 3 heisse, prolongirte Voll¬ 
bäder (30° R.). Nach vollendeter Eröffnungsperiode ging 
die Geburt ziemlich rasch von Statten, es wurde ein mace- 
rirtes Kind in der Fusslage spontan geboren und die Nach¬ 
geburt soll sofort nach Expulsion der Frucht ausgestossen 
worden sein. Wie die Gebärmutter überwacht wurde, 
konnte nicht constatirt werden, doch soll nach 15 Minuten 
eine profuse Blutung eingetreten sein, welche die Hebamme 
veranlasste, kalte Injectionen zu appliciren. Die Geburt 
des Kindes fand am 16. Januar um 9 Uhr Abends statt und 
ich bekam die Kranke um lOi zu Gesicht, nachdem die 
profuse Blutung über eine Stunde angehalten hatte. Bei 
meiner Ankunft fand ich die stark blutende, anämische Frau 
mit total atonischem Uterus, dessen Fundus in der Höhe 
deB Nabels stand, vor, so dass sofort kräftige Massage, 
heisse Injectionen, subcutane Campber- und Aetherinjec- 
tionen vorgenommen werden mussten, da die Verblutungs¬ 


symptome ernsten Charakter angenommen hatten. Erst 
nach 5 Stunden, um 3 Uhr Nachts, nachdem die heissen 
Douchen mehrmals mit Eistampons abgewechselt wurden, 
wobei man die Massage des Uterus ununterbrochen fort¬ 
setzen musste, gelang es die Blutung vollkommen zu Aillen, 
wobei durch die Massage bedeutende Eihautreste aus der 
Uterushöhle gedrückt wurden. Trotzdem die Metrorrhagie 
vollkommen gestillt, wollten die Symptome der acuten Hirn¬ 
anämie nicht weichen, nahmen hingegen in erschreckender 
Weise zu, obwohl der Uterus gut contrahirt war. Das hef¬ 
tige, unstillbare Erbrechen liess keine Temperaturmessungen 
zu, der Puls schwand zeitweise vollkommen und wenn er 
fühlbar wurde, konnte man über 160 Schläge zählen. Die 
heissen Compressen auf den Kopf, die von 10 Uhr Abends 
ohne Unterbrechung gewechselt wurden, Compressiwerband 
der unteren Extremitäten, tiefe Lagerung des Kopfes bei 
hoher Stellung der unteren Extremitäten, wurden alle 
iBtündig durch Campber- Aether-Injectionen unter die 
Haut unterstützt, ohne eine dauernde Besserung des Allge¬ 
meinzustandes zu bewerkstelligen. Nach Berathung mit 
den zu dieser Zeit hinzugeeilten Collegen wurde beschlossen 
noch die Infusion einer Kochsalzlösung in das Venennetz zu 
versuchen, und da Dr. 011 diese Frage in den letzten Jah¬ 
ren angeregt, sofort nach ihm geschickt. Er fand den Fall 
vollkommen geeignet für die vorgeschlagene Behandlungs¬ 
methode. Vor der Operation war der Puls wieder fühlbar 
geworden, ich zählte 160 Schläge, doch wegen Erbrechen, 
Praecordialangst, Unruhe konnte noch keine Temperatur¬ 
messung vorgenommen werden. Das Venennetz war so 
blutleer, dass trotz energischer Unterbindung des Oberarms 
und Friction des Vorderarms die Venen nicht durch die 
Haut schimmerten, in Folge dessen Dr. 0 11 einen li Zoll 
langen Schnitt machte und einen Tbeil der Vena cephalica 
freipräparirte; sie war so dünn und zuBammengefallen, dass 
die Spitze der Canüle mit einiger Mühe eingeführt werden 
konnte. Die Infusion ging dessen ungeachtet ausserordent¬ 
lich glücklich von statten, schon nachdem 500 Gramm in’s 
Venennetz gedrungen waren, beruhigte sich das Erbrechen 
und die Kranke, welche trotz der erschreckenden Symptome, 
die ganze Zeit bei voller Besinnung geblieben, athmete tief 
auf und sagte: «jetzt ist es mir leichter». Der Puls wurde 
deutlich fühlbar, doch war seine Frequenz noch bedeutend; 
als gegen 1000 Gramm infundirt waren, klagte Patientin 
über Herzklopfen, der Zufluss wurde sofort gehemmt und 
nachdem sich Patientin beruhigt, die Infusion unter schwä¬ 
cherem Drucke fortgesetzt. Nach Ablauf von 18 Minuten 
waren 1500 Gramm der Lösung in das Venennetz überge¬ 
gangen und da der Puls jetzt vollkommen gut entwickelt, 
alle Verblutungssymptome, sowie Erscheinungen der Hirn¬ 
anämie gewichen, andererseits sich aber wieder Herzklopfen 
einstellte, wurde die Masse der Injectionsflüssigkeit für ge¬ 
nügend angesehen. Nach beendeter Operation fühlte Pa¬ 
tientin sich vollkommen wohl; der Kopf war frei, nur klagte 
sie über starke Herzaction, doch beruhigte sich diese eben¬ 
falls bald. Patieutin nahm reichlich Getränk zu sich, ohne 
dass dasselbe Uebelkeit oder Erbrechen hervorrief. Das 
Wochenbett verlief ausserordentlich gut, eine mässige trau¬ 
matische parenchymatöse Metritis abgerechnet, die der 
energischen Massage zuzuschreiben ist. Beiliegende Tabelle 
giebt die Temperatur, Respiration und Pulsfrequenz für die 
12 Tage des Wochenbetts, während welcher das Bett ge¬ 
hütet werden musste. 


17. 

Januar Morg. Temp. 37,5 Resp. 35 

Puls 

145 


Mittg. 

n 

38,3 

tf 

31 

tt 

128 


Abends 

n 

37,5 

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30 

rt 

127 

18. 

» Morg. 

tt 

36,7 

rt 

21 

tt 

90 


Mittg. 

n 

37,5 

tt 

28 

tt 

122 


Abends 

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37,5 

rt 

25 

tt 

115 

19. 

„ Morg. 

ft 

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rt 

94 


Mittg. 

rt 

37,5 

tt 

24 

rt 

92 


Abends 

n 

38,2 

tt 

25 

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114 

20. 

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110 


Mittg. 

ft 

37,5 

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22 

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113 


Abends 

tt 

37 

tt 

22 

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104 


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89 


21. 

tr 

Morg. 

ft 

37 

tf 

21 

pp 

105 



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ft 

37,3 

ff 

22 

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103 

22. 


Abends 

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37,7 

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29 


101 

n 

Morg. 

n 

37,3 

tf 

26 


108 



Mittg. 

ff 

37,8 

ft 

27 

* 

101 

23. 


Abends 

ff 

38,0 

tt 

30 


101 

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ft 

37,5 

ft 

28 

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98 



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37,6 

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28 


101 

24. 


Abends 

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tf 

30 

pp 

104 

ft 

Morg. 

ir 

37,5 

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31 

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82 



Mittg. 

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28 


92 

. 25. 

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Morg. 

n 

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29 

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9P 

95 

93 

26. 


Mittg. 

Abends 

rr 

ft 

37,5 

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30 

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101 

92 

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Morg. 

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37,3 

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26 


92 



Mittg. 

ft 

37,5 


28 


93 

27. 


Abends 

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37,3 

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28 


90 

n 

Morg. 

m 

37,3 

tt 

28 

pp 

90 



Mittg. 

tt 

37,4- 

tt 

29 

Pf 

95 

28. 


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37,6 

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26 

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90 

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Morg. 

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37,2 

tf 

27 

pp 

90 



Mittg. 

tt 

37,3 

tt 

27 

ff 

90 



Abends 

tt 

37,4 

ff 

26 

99 

93 Genesen 


— — - • v * w w.vu «ui u«/ uiu YcuuiuiQ nage ganz ue* 

sondere interessirt, ao bin ich so frei die Herren Collegen 
darauf aufmerksam zu machen, dass er beständig den für 
die Infusion der Kochsalzlösung nöthigen Apparat bereit 
hält und somit jedem Collegen im Nothfalle sofort behülf- 
lich sein kann. Ausserdem wäre es wünschenswert)], dass 
jeder Fall einer solchen Infusion, mit günstigem oder un¬ 
günstigem Ausgange bekannt gemacht würde, um den 
Werth der neuen Behandlungsmethode richtig würdigen zu 
können. 


Krankheits-Bericht fllr das Jahr 1885 Uber die Nicolai- 
Cavallerie - Schule. 

Von 

l)r. J. Grimm. 

Zum l. Januar 1885 war der Bestand . . 197 Junker 

Es gingen ab. 88 ( 16 . Aug.) 

Es traten ein.93 ( 1 . Sept.) 

Zum 1 . Januar 1886 war der Bestand . . 202 Junker. 

. Da der August-Monat in die Ferienzeit fällt — nach dem Lager 
ist die Schule bis zum l. September geschlossen — und Kranke nicht 
vorhanden sind, so muss man das Jahr zu 11 Monaten rechnen 
Im Lazareth wurden 165 Junker mit 357 verschiedenartigen 
Krankheiten behandelt*); 12.5% der Zahl der Schüler war mithin 
die ganze Zeit über gesund. Von den genannten Junkern waren 
nn Lazareth: 1 Mal — 73, 2 Mal 42, 3 Mal — 26, 4 Mal — 12 , 
5 Mal — 4, 6 Mal — 5, 7 Mal — 2,10 Mal — l Junker. 

Ambulatorisch wurden 247 Junker in 2318 Krankenbesuchen be¬ 
handelt. von ihnen besuchten die Ambulanz: l Mal — 40 2 Mal 
— 27, 3 Mal — 28, 4 Mal — 23, 5 Mal — 19, 6 Mal — 14,’ 7 Mal 

,8 Mal — 6 , 9 Mal — 7,10 Mal — 8 , 11 Mal — 4 , 12 Mal — 

6,13 Mal — 8 , von 14—39 Mal — 2—3 Junker, von 40—66 Mal_ 

1 Junker. 

Id Mittel war der tägliche Krankenbestand im Lazareth • 

Im September 1884. 4,3 Junker 

» October . 9,9 

. November. 6,7 „ 

„ December ^ 5,0 „ 

Im Januar 1885 . 6,5 . 

„ Februar. 53 

.3j ; 

- Apnl.7,8 

- 3,6 „ 

» 5,1 „ 

» 3,2 „ 

_ n August. 0,0 m 

ln 11 Mon. — V. l. Sept. 1884bis 1 . Sept. 85 611 Junker. 

Monatlich im Durchschnitt .... 5,5 n 

Im September 1885 . 3,6 Junker. 

* October. 7,0 „ 

* November. 4,9 * 

__ n De cember. 6,0 * 

Iu li Monaten des Kalenderjahrs 1885 . . 566 Junker. 

M onatlich durchschnittlich .... 5,1 „ 

*) Durchschnittlich muss man den Bestand mit 200 Junkern rech- 
nai, da der Abgang nach einem Monat durch die Neueintretenden 
«rietst wird. 


Nimmt man den Bestand der Schule zu 200 Junker an, so sind 
täglich 2,5—2,7 % der Junker durchschnittlich im Lazareth gewesen, 
wobei der Monat August nicht gerechnet ist. 


Betreffe der Häufigkeit an Erkrankungen lassen sich im Kalender¬ 
jahr 1885 die Monate wie folgt an einander reihen: 

November.61 Erkrankungen 

December.53 ^ 

October.50 

Februar. 39 „ 

Januar . 37 

März .31 l 

September.27 „ 

April.24 

Juni. 13 

Mai.. . . 11 

Juli.11 _ 

Summa . . . 357 Erkrankungen. 

Im Schuljahr 1884—1885 stellen sich die Monate etwas anders: 


October 1884 . 

... 59 Erkrankungen 

November . . 

. - .50 


Februar 1885 . 

. . .39 


Januar .... 

. . .37 

* 

März. 

. . .31 


December 1884 

. . .28 

T 

April ... 

. . 241 


September . . 

. . .22 

pp 

Juli .... 

. . .13 


Mai. 

... 11 


Juni. 

. . .11 

99 

99 


Summa . • . 325 Erkrankungen. 

Bei Vergleichung dieser beiden Tabellen finden wir, dass die Ver¬ 
schiedenheit sich auf die Monate September, December zurückführen 
lässt, da in diesen 2 Monaten die Zahl der Erkrankungen im Jahre 
1885 grösser als im Jahre 1884 war: September 1885 — 27,1884 — 
22, December 1885 — 53, 1884 — 28. — Hierdurch erklärt sich 
überhaupt die grössere Anzahl der Erkrankungen in dem Kalender¬ 
jahr, während die Summe der im Lazareth verbrachten'Tage im Ka- 
lendeijahr 1885 geringer war: 566 : 611. 


Betreffs der verschiedenen Krahkheitsformen finden wir folgende 
Reihe der Häufigkeit: 

CatarrhaliBche und gastrische hitzige Fieber . . 34 ) 

Gallen- und Schleim-Durchfälle.58 > 106 *) 

Magen- und Darm-Catarrh.14 J 

Diese drei Krankheitsformen sind unserer Ansicht nach zusammen * 
zufassen , da sie alle sich auf den Magen-Darmcanal beziehen; sie 
bilden fast den 3. Theil aller Erkrankungen oder = 10600/357 = 
30%. 

Einfache Angina, ernsteren Verlaufes • 

Kopfschmerz aus verschiedenen Ursachen . 

WechBelfieber (Febris intermittens) . . , 

Catarrh. bronchialis acutus .... 

Morbi venerici (ausgenommen sind leichte) 

Fälle von Gonorrhoen, die ambulatorisch!. 

behandelt wurden. J 

Haemoptoe. . . 

(2 Fälle bei Pneumonia chronica; beide 
Junker sind als dienstuntauglich entlassen 
worden). 

Contasiones. 37 9 = 

Abscessus.28 „ = 

Typhus abdominalis. 7 n = 

Catarrh. conjunct. 4 ^ = 

Rheumatismus musc. 7 „ = 

und dann etliche einzelne unbedeutende Krankheitsfälle. 


22 Fälle = 
20 * = 
20 * = 
•18 * = 


14 * = 


3,9% 
= 0,58% 


10 % 

8 % 

1 , 1 $ 

2 % 


Die Krankheiten des Magen-Darmcanals vertheilen sich haupt¬ 
sächlich auf die Monate November, December, Januar, Februar. 
Der Abdominal-Typhus auf die Monate December, Januar, März. 
Fast alle Kranken waren nach der Rückkehr aus einem längeren 
Urlaub erkrankt. Im Juli 1885 kam ein Fall von Typhus abdomin. 
vor, und auch hier war der betreffende Junker 3—4 Tage auf Urlaub 
gewesen. — Die Angina nahm die Monate September, October, No¬ 
vember, December, Januar ein. Bronchitis vom October bis Ende 
März. Die Contusionen vertheilen sich auf das ganze Jahr, beson¬ 
ders aber auf die Lagerzeit. 

In den letzten 4 Monaten 1885 war die Krankheitshäufigkeit (Mor- 
bilität) grösser als in den betreffenden Monaten 1884 (191:159). 
Diese grössere Häufigkeit (Morbilität) fällt, wie erwartet, auf die 
Erkrankungen des Magen-Darmcanals (96t 60). 

s ) Alte Nomenclatur, die seit dem Herbst 1885 abgeschafft ist. 

10 * , 


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90 


Die mittlere Dauer des Verlaufes der Krankheiten war: 



Tage 

Junker 

Tage 

September 1884 . 

• 125 

22 

5,6 

October .... 

.267 

59 

4,5 

November .... 

. 268 

50 

5,3 

December . . . . 

. 151 

28 

5,0 


811 

15 9 


Januar 1885 . . • 

190 

37 

5,0 

Februar . . . * . 

. 143 

39 

3,6 

März. 

. 122 

31 

3,9 

April. 

.“233 

24 

9,7 

Mai. 

. 105 

11 

9,5 

Juni. 

. 133 

11 

12,0 

Juli . 

. 88 

13 

6,7 

August . . . . 

0 

0 

0,0 


1014 

166 


September . . • . 

. 105 

27 

4,0 

October. 

. 230 

50 

4,6 

November . . . . 

. 209 

61 

3,4 

December . . . . 

. 190 

53 

3,6 


734 

191 



1825/3251 kc 
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1748/3571 . q 
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Die grössere Krankheitsdatier im April-Monat bei der verhältniss- 
mäs8ig geringen Zahl Kranker im Lazareth erklärt sich dnrch die 
Anwesenheit von 3 Typhnsabdom. mit 30, 26,17 Tagen, einer Febr. 
gastric. mit 19 Tagen, einer Pneumonia mit 23 Tagen, einem Icterus 
mit 21 Tagen und einem Ulcus simpl. mit 13 Tagen. 

Aehnlich erklärt sich die grössere Krankheitsdauer im Mai-Monat 
durch die Anwesenheit von Typhuskranken und Contusionen. 

Die grössere Krankheitsdauer im Juni-Monat erklärt sich durch 
die Anwesenheit von Contusionen mit 26, 19, 17 und eines Malaria- 
Kranken mit 13 Krankheitstagen. 

Die Typhuskranken waren im Lazareth 23, 12, 39, 41, 29, 18, 26 
Tage, durchschnittlich — 29 Tage. 

Die 4 letzten Monate des Jahres bieten die Mehrzahl der Krank¬ 
heitsfälle ; im Verhältnis zu den 7 anderen Monaten ergiebt sich: 
811 (resp. 734) zu 1024. 

St. Petersburg, Februar 1886. 


Die Commission zur Reorganisation der GesundheitsverhSIt- 
nisse in Russland. 

Auf der internationalen Sanitäts-Copferenz in Horn im Mai 1885 
wurden keine definitiven Beschlüsse gefasst, wohl aber eine grosse 
Reihe wichtiger Sanitätsfragen erörtert. Nach der Rückkehr des 
Delegirten Russlands, Dr. N. Ec k, arbeitete derselbe seinen Bericht 
an den Medicinalrath aus und verlas einen Auszug daraus am 5. Dec. 
1885 in der Gesellschaft russischer Aerzte. Der Bericht schloss mit 
folgenden Thesen: H 

1) Der Tod in Folge der meisten Krankheiten ist ein gewaltsamer, 
unnatürlicher (?Ref.)> d. h. bei genügenden Vorkehrungsmaassregeln 
auf dem Gebiete der Hygiene hätte die Krankheit vermieden werden 
können. 

2) Die Übermässige Mortalität der Bevölkerung Russlands ver¬ 
ringert die Arbeitskräfte Russlands und schädigt den Wohlstand des 
Reiches. 

3) Die Erhöhung der Aibeitsleistung der Bevölkerung und des 
Wohlstandes des Reiches ist ohne Verminderung der Mortalität 
nicht möglich und daher ist die erste Bedingung zur Hebung des 
materiellen Wohlstandes des Reiches Maassregeln zur Herabsetzung 
der Sterblichkeit der Bevölkerung zu ergreifen. 

4) Die Thesen müssen zur Kenntniss des Ministers bes Innern 
gebracht werden. 

Der Medicinalrath schloss sich der Ansicht Eck’s an und der 
Minister des Innern hat eine Commission ernannt «zur Reorganisa¬ 
tion der GesundheitsVerhältnisse in Russland». Dieses ist für uns 
das bedeutsame indirecte Resultat der Sanitäts-Conferenz in Rom. 

Die Commission ist bereits ernannt und zwar unter dem Präsi¬ 
dium des Prof. B o t k i n, aus folgenden Mitgliedern des Medicinal- 
rathes bestehend: Dr. B u b n o w (Vice-Director des Medicinal- 
Departements), Dr. K u d r i n (Generalstabsdoctor der Flotte), Dr. 
ehern. Poe hl (Pharmaceut) und Dr. Ettlinger (Accoucheur). 
Zum Secretair ist der Medicinalbeamte Dr. W. 0 b o 1 e n s k i er¬ 
nannt. Die Befugnisse der Commission sind weitgehende und steht 
ihr das Recht der Coaptation zu, worauf hin bereits Prof. D o h r o- 
slawin, DDr. Eck und Arcbange 18ki als Mitglieder er¬ 
wählt sind. Ferner hat sich die Commission an folgende Aerzte 
mit deT Bitte um Mitarbeiterschaft gewandt: DDr. Iwanow, 
Kapustin, Mechmandarow, Mo lies on, Ossipöw, 
Peskow, Pogoshew, Caesarewski. Prof. Eris mann 
und Prof. Jakobi. Ferner erklärt Bie sich bereit jegliche Art 
Zuschriften und Hinweise auf nöthige Verbesserungen unseres Sani- 
tätswesens mit Dank anzunehmen. Die Mittheilungen sind auf die 
Adresse des Prof. B o t k i n (St. Petersburg, Galernaja, im eige¬ 
nen Hause) einsusenden. 

Ein Programm der Arbeiten ist jedoch bisher nicht veröffentlicht 
worden. Aus der soeben erschienenen M 4 der «Medicinskoje Obo- 
srenije» jedoch ersehen wir, dass bereits am 19. Januar a. c. die 
erste Siteuna der Commission stattgefunden und bereits einen wich¬ 
tigen Vorschlag gebracht hat. 


Es handelt sich um nichts Geringeres als die Gründung einer 
Hauptverwaltung für Sanitätswesen (raaBHoe ynpamieHie no 
Ä’fcaaM’fe 8#paBifl), in deren Händen das gesammte Sanitätswesen des 
Reiches concentrirt werden soll. Von ihr sollen alle Maassregeln 
zur Besserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung ausgehen. 
Alle Sanitätsanstalten der Städte, derSemstwo, der Fabriken, Eisen¬ 
bahnen, Häfen etc. sollen in geregelte Beziehungen zur Haupt- 
Sanitätsverwaltung gestellt werden. Welcher Art diese Beziehun¬ 
gen sein sollen, muss erst festgestellt werden und hat sich die 
Commission deshalb au verschiedene mit dem Medicinalwesen 
auf dem Lande (Semstwo) bekannte Aerzte mit folgenden Fragen 
gewandt: 

1) Wie soll das Verhältnis der Hauptsanitätsverwaltnng (als 
staatliches Institut) zu den Organen der Semstwoverwaltung orga- 

) nisirt werden ? 

2) Welchen Antheil kann die Semstwo bei den Assainisirungsar- 
beiten nehmen ? 

3) Welches sind die besten Maassregeln zur Einschränkung der 
Morhilität und Mortalität der Bevölkerung Russlands ? 

Ferner referirt die «Med. Obosr.» über den Bericht des Dr. Eck, 
da derselbe offenbar den Ausgangspunct für die Commissionsarbeit 
bilden soll. Da finden wir nun eine Reihe merkwürdiger Thatsachen 
und Vorschläge, deren kritische Besprechung wir uns nicht versagen 
können. 

1) E c k weist an der Hand der Berichte des Medicinal Departements 
nach, wie die Sterblicheit stetig gestiegen: 

1877 . . . . 32,5% 1880. . . 36,9% 

1878 . . 37,2 . 1881 .... 34,0» 

1879 . . . 36,9 » 1882 . . 39,0» 

Diese Thatsache möchten wir nicht ohne Weiteres zugeben, 

denn es ist bekannt, dass diese Zahlen durchaus nicht der Wirk¬ 
lichkeit entsprechen, weil wir noch keine regelrecht organisirte 
Mortalitätestatistik besitzen. Dieselbe wird an vielen Orten von 
den Priestern auf Grund ihrer Kirchenbücher geführt. Wir erin¬ 
nern aber nur an das bekannte Factum, dass die Sectirer bisher 
keine Berichte einsandten, da ihre Priester nicht anerkannt 
wurden. 

2) weist Dr. Eck auf die ungenügende Ernährung des Landvol¬ 
kes, als auf einen besonders günstigen Faktor für die grosse Sterb¬ 
lichkeit hin und berechnet, dass jährlich pro Seele durchschnittlich 
4- Tschetwert Korn zu wenig verbraucht wird. Wir können 
diese Berechnung nicht controliren. [Die Med. Obosr. rneiDt sie 
streife — an Phantasie]. Dagegen vermissen wir einen, unserer 
Ansicht nach wesentlichen Factor, das sind die Fastenspeisen wäh¬ 
rend eines grossen Theiles des Jahres^und der übermässige Brannt¬ 
weingenuss . 

3) Eck berechnet die durchschnittliche Lebensdauer für die 
Bevölkernng Russlands auf 25 Jahre (in England — 53 Jahre, in 
Deutschland — 37 Jahre). Hier wäre, wenn diese Zahl der Wirk : 
lichkeit entspricht, wohl in erster Reihe die kolossale Kindersterb - 
lichkeit zu berücksichtigen, 

4) Da in Russland jährlich 16°/oo mehr als in England sterben, 
kann man sagen, dass jährlich 1-J- Millionen Menschen in Folge 
mangelhafter Sanitätsverbältnisse sterben. Nimmt man nun an, 
dass ca. a /s dieser Millionen Menschen stirbt, ohne dem Staate 
einen materiellen Nutzen gebracht zu haben, während derselbe für 
jeden Bewohner pro Lebenszeit ca. 50 Rbl. verausgabt, so giebt der 
Staat jährlich ca. 50 Millionen aus, welche ihm nicht wiedergebracht 
werden durch die Arbeit der zu früh Verstorbenen. Kurz, Vf. will 
nach weisen, dass der Staat durch die übergrosse Mortalität grosse 
materielle Verluste erleidet und daher darauf bedacht sein muss, 
durch im grossen Maassstabe angelegte Arbeiten zur Verbesserung der 
Gesundheitsverhältdisse sich materiell zu schützen. Nach Berechnung 
des Vf. sind dazu 60 Millionen jährlich oder 600 Millionen für 10 
Jahre nöthig. Diese Ziffer soll nicht erschrecken, wenn man be¬ 
denkt, dass im Leben der Völker von Zeit zu Zeit Zustände eintre- 
ten. wie Kriege, Epidemien etc., die oft auch 600 Millionen ver¬ 
schlingen können, aber nicht in 10 Jahren, sondern schon in 10 
Monaten. Zur Realisirung der Assainisations-Arbeiten muss ein 
weitgehender und billiger Credit eröffnet werden, um Städten und 
Land Verwaltungen Anleihen zu ermöglichen, ohne sie zu bedrücken. 
Die Frage, oh dieser Credit nun vom Staate oder von einer Privat- 
CreditgesellBchaft unter Regierungsgarantie eröffnet werden soll, 
beantwortet E. dahin, eine Privatgesellschaft wäre wünschenswer- 
ther, weil in letzterer jüngere Kräfte leichter zur Geltung kommen 
als bei Regierungsinstitutionen, wo im Dienst ergraute Männer 
nicht umgangen werden können, um jüngere Kräfte vorzusebieben. 
Ausserdem, meint E., kann eine Privatgesellschaft mehr Initiative 
entwickeln. Aus dem Weiteren geht hervor, dass dem Vf. des 
Projectesals Muster das 1848 in England gegründete «General Board 
of health» vorschwebt, dem jetzt 700 Local-Sanitätscomitö’s in ver¬ 
schiedenen Städten und bewohnten Gegenden zur Seite stehen. 

Ferner verlangt E. die Erlassung eines Gesetzes, dass in allen 
Gegenden, wo die Mortalität 23°|co übersteigt, unverzüglich Ma&ss- 
regeln zur Besserung der Gesundheitsverhältnisse zu ergreifen 
seien. 

Ueberblicken wir das ganze Project des Dr. Eck, so können wir 
ihm trotz mancher darin vorkommender etwas barocker Vorschläge 
die grösste Anerkennung nicht versagen, es ist jedenfalls eine offene, 
mannhafte That, so kategorisch zu verlangen, dass endlieh ener- 


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/ 


91 


zur Verbesserung unserer Sanitätsverhältnisse geschritten 
werde und kann die bereits durch seine Initiative geschaffene Com¬ 
mission viel leisten, wenn sie sachgemftss verfährt und erlauben wir 
uns, auch unsererseits auf einige Puncte hinzuweisen: 

Vor Allem muss zugegeben werden, dass Morbilität und Morta¬ 
lität allerdings in Busaland sehr hohe Ziffern erreichen (wie hoch, 
dafür fehlen, wegen unzureichender Statistik, alle sicheren Zahlen). 
Der Hauptgrund dafür liest aber in den socialen Zuständen, im 
Mangel an Büdung des Volkes und in der nicht weniger Scha¬ 
den Dringenden Halbbildung unserer sogen . 'Gebildeten—Bevöl¬ 
kerung* Gehen wir einen Augenblick näher darauf ein. Als erster 
Grundsatz zur Vermeidung von Krankheiten ist« Reinlichkeit» an¬ 
zusehen. Der Sinn dafür geht der niedrigsten Schicht der Bevöl¬ 
kerung völlig ab und wird erst allmälig, sehr allmälig mit dem 
Steigen des Bildungsniveau sich einstellen. Als zweiter Funct wäre 
«genügende Ernährung » hinzustellen. Sehen wir nur darauf, 
womit eich unser einfaches Volk nährt, namentlich während der 
häufigen Fasten! Kwass und Zwiebeln, Schwarzbrod und Kohl 
und zwar welcher Qualität! In erster Beihe wäre da, wenigstens 
in den Städten, eine mit allem Ernst an die Sache gehende Sanitäts- 
polizeil nOthig, nicht officielle ScheinreVisionen, wobei Menschlich¬ 
keiten Vorkommen. Wie aber sollen wir das in den entfernten Ge¬ 
genden unseres weiten Beiches erreichen, solange selbst in unseren 
Residenzen die Aerzte derartig gestellt sind, dass ihre Meinung 
nicht durchdringen kann. Wir sind nun zum 3. Punct gelangt, 
welcher bezüglich der Durchführbarkeit noch am günstigsten steht. 
Solange die Aerzte nicht derartig gestellt werden, dass ihre Mei¬ 
nung schwer ins Gewicht fällt, solange kann man unsere Sanitäts- 
verhältnisse nicht durchweg bessern. Man gebe ihnen mehr äctive 
Hechte in ihren Stellungen! Bisher nimmt ja leider der Arzt 
stets in socialen Fragen nur eine Nebensteliung ein. Der Medici¬ 
nah Inspector und der Stadtarzt sind vom Gouverneur abhängig 
und ihre Vorschläge und Verordnungen bleiben unberücksichtigt, 
wenn sie der Gouverneur (in diesem Falle ein Laie) nicht bestäti¬ 
gen will. 

Der Semstwo-Ar 2 t bleibt abhängig von der jeweiligen Semstwo- 
Verwaltung, die ihn sofort absetzen kann, ^sobald er etwas thut, 
was ihr nicht gefällt (cf. die zahlreichen vom Wratsch alljährlich in 
seiner Chronik registrirten Fälle). 

Die Hospitalärete sind ohnmächtig gegenüber allen Anordnun¬ 
gen der nichtärztlichen Hospital-Administration. Man braucht 
nur in jedes beliebige grossere Hospital Petersburgs oder Moskau’s 
zu gehen, um zu sehen, wer mehr Macht besitzt, der Smotritel oder 
der Ordinator. Der Arzt kann die besten Absichten zur Verbesse¬ 
rung der Lage seiner Kranken haben, sobald der «Smotritel» es 
nicht wil), geschieht es nicht! 

Daher unser Vorschlag, gebt den Aerzten die Möglichkeit mehr 
activ in.die Verhältnisse einzugreifen, schützt sie vor der Willkür 
niehtmedicinischer Vorgesetzten und die Einführung von Maass- 
regeln zur Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse wird leichter 
durchzusetzen sein. Solange die Aerzte ihre jetzige, untergeord¬ 
nete Stellung in der Semstwo, in den Sanitätsanstalten einnehmen, 
werden alle Maassregeln nur halb durchzuführen sein. P. 


Referate. 

LawsonTait: A Series of 112operations for ovarian 
and parovarian kystoma without a death. (The Provin- 
cial Med. Journ. Sept. 1885, p. 322). 

Nach der vor 2 Jahren (Brit. Med. J. 1883, Jft 1155. Bef. Cen- 
tralbl. f. Chir. 1883 H 15.) publicirten Serie von 208 Laparoto- 
mieen mit nur 16 Todesfällen bringt uns der bekannte Gegner des 
•Listerism» bei der fraglichen Operation neuerdings 112 Ovdrioto - 
mieen ohne Todesfall . Er schreibt seine Erfolge auf Rechnung 
von wachsender persönlicher Erfahrung, Berücksichtigung der klein¬ 
sten Details, strenger Disciplin der Patienten und Assistenten bei 
scrupuldse8ter Reinlichkeit (cleanliness). Leider giebt Verf. weder 
in der ersten noch in dieser Publication eine genaue Beschreibung 
seiner Wundbebandlungsmethode. Unter den Fällen figuriren; 1 
Dermoid, 1 Sarcom, 2 Ovarienabscesse, 49 Cysten eines Ovariums, 
38.beider, und 21 Parovariaicysten. Darunter erwiesen sich bei der 
Operation 6 Ovarien- und 4 Parovariaicysten als «rotirt und gan¬ 
gränös», Der Spencer Wells’sche Clamp wird endgültig 
verurtheilt als Hauptursache der «tremendous mortality» bei seinem 
Erfinder. Bei der Stielversorgung benutzte T. den (nicht näher 
beschriebenen)Staffordshireknoten(wohl den 8er Knoten?), wel¬ 
cher nie abgleiten soll. In 2 Fällen Hess er «eine Anzahl» von 
«pressure forceps» 40 Stunden in der Wunde. Stiellose Parovarial- 
cysten hat T. stets radical herauspräparirt, die oft bedeutende Blu¬ 
tung durch Schwämme und Cauterium (actaale ?) bekämpft und die 
Höhle nach aussen drainirt. Die Incision und Vernähung mit der 
Bauchwand rechnet er zu den unvollendeten Operationen, von denen 
er za seiner grossen Genugthuung in der letzten Serie keine einzige 
anfzuweisen hat. Sei. 

Oscar Liebreich: Ueber das Lanolin, eine neue 
Salbengrundlage. (Berl. klin. W. 1885, J* 47). 

Unter dem Namen «Lanolin» repommandirt L i e b r e i c h ein Ge¬ 
menge aus Schafwolle gewonnenen, neutralen Cliolesterinfettes mit 


Wasser. Dieses Gemenge ist in mancher Hinsicht sowohl den Gly¬ 
cerin- als auch den Mineralfetten vorzuziehen, da es 1) die Eigen¬ 
schaft besitzt Wasser (über 100%) aufzunehmen, 2) vollkommen 
neutral reagirt und sehr schwer der Zersetzung unterliegt, 3) mit 
Leichtigkeit Glycerin aufnimmt und in dieser Mischung sich mit jedem 
anderen Fett mit Leichtigkeit vereinigt, 4) ausserordentlich leicht 
von der Epidermis resorbirt wird und in die tieferen Schichten der Haut 
eindringt. Da das Einreiben dnrch die letzte Eigenschaft des 
Lanolins beeinträchtigt wird, so empfiehlt Liebreich 5—10% 
Fett oder Glycerin hinznzufügen. Ueber die chemischen und phar¬ 
makologischen Eigenschaften des Lanolins siehe das Original. 

Die Angaben Liebreich’s über die vorteilhaften Eigen¬ 
schaften des Lanolins als Salbengrundlage fanden im Allgemeinen 
ihre Bestätigung durch einige Versuche, die Dr. 0 s c a r L a s s a r 
in seiner Privatklinik mit diesem Mittel angestellt hat (Berl. klin. 
W. H 5, 1886)* Namentlich recomm&ndirt L a s s a r das Lanolin als 
Constitnens in den Fällen, wo es sich darnm handelt, auf in den 
tieferen Schichten der Haut oder in den Lymphdrüsen localisirte 
Krankheitsprocesse einzuwirken. 

B. F r ä n k e 1 (Berl. klin. W. 1886, 5. Sitzungsbericht der Berl. 

med. Ges.) hat das Lanolin mit Fettzusatz bei trockenen zur Atro¬ 
phie neigenden und eitrigen Rachencatarrhen angewandt und ge¬ 
funden, dass das Bestreichen der Schleimhaut mit Lanolinsalbe nicht 
nur die Borkenbildnng verhindert, sondern auch die Secretion ver¬ 
mindert. K n. 

H. T i 11 m a n n 8: Ueber die operative Behändlung von 
Sub8t&Dzverlu8ten an peripheren Nerven. (Langenb.’s 
Archiv XXXII, 4). 

Behufs Behandlung von Defecten peripherer Nerven sind bis jetzt 
sechs Operationsmethoden empfohlen resp. am Menschen oder expe¬ 
rimentell an Thieren erprobt worden, und zwar lLdie Transplanta¬ 
tion eines Nervenstückes in denDefect, derselben Thierart oder einer 
anderen Species entnommen (Philipeaux und Vnlpian- 
G1 n c k n. A.); 2) die Vereinigung des peripheren Nervenstnmpfes, 
mit einem benachbarten unverletzten Nerven, Greife nervense (L 0 - 
tiövan t); 3) bei Defecten an zwei benachbarten Nerven in ungleicher 
Höhe die Nervenkreuzung (F1 o u r e n s), eventuell, nach dem Vor¬ 
schläge des Verf., mit nachfolgender Vereinigung der beiden noch 
übrig bleibenden Nervenstümpfe mit dem aus der Kreuzung resolti- 
renden Stamme nach dem Grundsätze der Greife nerveuse ; 4) die 
Bildung gestielter Nervenläppchen, entweder eines einzigen Läpp¬ 
chens ans dem centralen Nervenstumpfe oder zweier Läppchen ans 
beiden Nervenenden (L 41 i 4 v a n t); 5) die Einschaltung eines 
hohlen, entkalkten Knochenstückes, eines Knochendrains (Vau- 
1 a i r); 6) die snbperiostale Resection eines entsprechenden Knochen- 
stttckes ans der Continuität der Röhrenknochen der betreffenden Ex¬ 
tremität mit nachfolgender Vereinigung der Nervenstümpfe dnrch 
die Naht (L ö b k e r). — Wie es scheint, kommt es nnr darauf an 
zu verhindern, dass sich der Nervendefect dnrch Bindegewebe aus¬ 
füllt, damit den vom centralen Stumpf answachsenden jungen Fi¬ 
brillen der Weg zum peripheren Ende nicht verlegt wird; können 
doch unter günstigen Umständen, wie klinische und experimentelle 
Erfahrungen lehren, selbst bedeutende Nervendefecte spontan er¬ 
setzt werden. Am einfachsten dürfte obiger Anforderung genügt 
werden durch Bildung von Nervenläppchen, dnrch welche Methoden 
auch Verf. gelang, einen 4-}- Ctm. langen Defect im N. median, und 
nlnaris einer 23jährigen Bäuerin mit voller Wiederherstellung der 
Function zu beseitigen. G. 

P.Guttmann und H. N e u m a n n: Zur Lebensdauer 
der Cholerabacilleo. (Berl. klin. W. 1885,49). 

Nach den Untersuchungen, die von den beiden oben bezeichneten 
Herren angestellt wurden, kann die Lebensdauer der auf Agar-Agar 
oder Fleischpepton-Gelatine gezüchteten Cholerabacillen 218-219 
Tage betragen. 


BQcher-Anzeigen und Besprechungen. 

Halberstamm: Beitrag zur Lehre vom Icterus 
neonatorum Dorpater Inauguraldissertation. 1885. 

Th. v. Dembowski: Ueber die Abhängigkeit der 
Oedeme von Hydrämie und hydrämischer Plethora. 
Dorpater Inauguraldissertation. 1885. 

Unter den zn Ende des vergangenen Semesters zur öffentlichen 
Vertheidignng gekommenen Dissertationen sind namentlich die bei¬ 
den ebengeuannten für den Pathologen und innern Mediciner von 
Interesse. 

Halberstamm hat sich auf Prof. B u n g e ’s Anregung 
die Aufgabe gestellt, die in den letzten Jahren immer mehr zur 
Geltung kommende Ansicht, dass der Icterns neonatorum hepatoge- 
nen Ursprunges sei, nochmals zu prüfen. Er bestätigte die Th&t- 
sache, dass der Harn der icterischen Neugebornen genau dieselben 
Pigmente enthält, wie der Ham erwachsener Ioterischer und fand 
ferner mit Hülfe der Dragendorff’schen Ausschüttelungsme¬ 
thode, dass der icterische Harn der Neugebornen auch stets Gallen - 


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säuren enthält. Diese letztere Thatsache würde nun unzweifelhaft 
die hepatogene Natur des Icterus neonatorum beweisen, wenn H. 
nicht gefunden hätte, dass sich auch bei gesunden Kindern, welche 
nie icterisch waren, geringe Spuren von Gallensäuren im Harn nach- 
weisen lassen. Verf. wandte sich daher zur Untersuchung anderer 
Körperflüssigkeiten, und zwar speciell der Pericardialflüssigkeit. 
Er constatirte zunächst an 25 nicht icteriscben Kindesleichen, dass 
bei solchen in der Pericardialflüssigkeit keine Gallensäuren nach¬ 
weisbar sind. Danach untersuchte er die Pericardialflüssigkeit von 
6 icteriscben Leichen Neugeborener und fand in derselben in allen 
Fällen Gallensäuren, speciell Taurocholsäure. Da diese letztere 
aber nur bei hepatogenem Icterus in den Kürperflüssigkeiten auf- 
treten kann, so war hiermit der Beweis erbracht, dass der Icterus 
neonatorum in der That hepatogenen und nicht hämatogenen Ur¬ 
sprunges ist. Wir künnen somit diese schon von C r u 8 e und Hof¬ 
meister im gleichen Sinne beantwortete Frage nunmehr als 
definitiv erledigt ansehen, zumal die Halberstamm 'sehe Arbeit 
im Laboratorium des Prof. Dragendorff, also unter den Augen 
einer in diesen Fragen unangreifbaren Autorität entstanden ist. 

Dembowski hat unter Prof. T h o m a’s Leitung eine 
Reihe hüchst interessanter Versuche über die Bedeutung der künst¬ 
lich erzeugten hydrämischen Plethora für die Entstehung der Oedeme 
gemacht. (Zunächst wurden die Verbuche von Cohnheim und 
Lichtheim mit Infusion einer 0,6% Kochsalzlösung wiederholt 
und die Resultate dieser Forscher im Wesentlichen bestätigt» Es 
zeigte sich, dass bei Infusion in die Carotis der Versuchsthiere der 
venöse Blutdruck entsprechend der zunehmenden Flüssigkeitsmenge 
des GefässsyBtems steigt und dass diese Steigerung des venösen 
Blutdruckes für das Zustandekommen der Oedeme von wesentlicher 
Bedeutung ist. Wenn die Versuchsthiere ferner durch die Infusion 
von Kochsalzlösung künstlich hydrämisch gemacht wurden und 
dann durch die Durchschneidung des Ischiadicus, N. cruralis oder 
symphaticus die Vasomotoren verschiedener Körpertheile (hintere 
Extremitäten resp. Ohr) gelähmt wurden, so traten in den gelähm¬ 
ten Extremitäten ungleich stärkere Oedeme auf, als in den gesunden. 
Damit war bewiesen ; dass in der That die auf vasomotorischem 
Wege erzeugte Erweiterung der arteriellen Bahn bei bestehender 
hydrämischer Plethora die Ausbildung localer Oedeme im Gefolge 
hat. Dieselben Thatsacben wurden auch im Gebiet der Lungenar- 
terie constatirt. Wenn durch die Durchscbneidung beider Vagi 
eine vasomotorische Dilatation der Lnngengefässe herbeigeführt 
wurde, so entstand regelmässig bei gleichzeitig hervorgerufener 
hydrämischer Plethora ein acutes Lungenödem, dem die Versuchs« 
thiere in kurzer Zeit erlagen. Diese Versuche sind zugleich für 
die Physiologie des Vagus von Bedeutung, denn sie spreeSsen dafür, 
dass dieser Nerv in der That die vasomotorischen Fasern für die 
Lungengefässe enthält. Uebereinstimmend mit den Versuchen von 
C o h n h e i m und L i c h t h e i m hatte auch Dembowski in 
seinen Versuchen mit einfacher Infusion von NaCl-Lösung zwar 
Ascites und Oedem des retroperitonäalen Zellgewebes und hie und 
da leichte Transsudate in anderen Körperregionen hervorrufen kön¬ 
nen, nie aber war es ihm gelungen, ein allgemeines Anasarka her¬ 
zustellen. C o h n h e i m und Lichtheim führen das bekannt¬ 
lich auf eine verschiedene Durchlässigkeit der Capillaren in den 
verschiedenen Kürperregionen zurück. Gestützt auf seine soeben 
angeführten Experimente, welche die Bedeutung der stärkeren Ge- 
fässfüJlung für das Zustandekommen der Oedeme in*s rechte Licht 
gehoben haben, kam Dembowski auf den Gedanken, ob nicht 
das Ausbleiben des Anasarka in den'C ohnheim-Lichtheim- 
schen Versuchen dadurch zu erklären sei, dass die äussere Abküh¬ 
lung der Thiere reflectorisch einen Contractionszustand der Haut- 
gefässe hervorrufe, welcher seinerseits ein Hinderniss für die Trans¬ 
sudation abgiebt. Er tauchte daher seine Versuchsthiere in ein 
Wasserbad von Körpertemperatur und infundirte ihnen dann die 
NaCl-Lösung ; in der That entstanden bei dieser Versuehsanordnung 
nicht blos die schon früher beobachteten Oedeme, sondern auch 
allgemeines Anasarka und Oedem des intermuskulären Bindegewe¬ 
bes des ganzen Körpers. Durch diesen Befund ist die C o h n h e i m- 
Lichthei m’sche Lehre vom Oedem um ein Bedeutendes erwei¬ 
tert und in gewisser Beziehung zurecht gestellt worden« Es ist 
damit bewiesen, dass eine experimentell erzeugte hydrämische 
Plethora an sich wohl im Stande ist, ein allgemeines Oedem hervor¬ 
zurufen, ohne dass dabei eine sonstige Alteration der Gefäss- 
wand, vermehrte Durchlässigkeit der Capillaren, angenommen 
werden muss. 

Zum Schluss macht der Verf. darauf aufmerksam, dass dieses Re« 
sultat, so wichtig es ist, doch nicht ohne Weiteres auf pathologische 
Zustände beim Menschen, z. B. auf die Oedeme der Nephritiker 
und Anämischen angewandt werden darf. Bei diesen ist zwar eine 
Hydrämie (genauer Oligocythämie und Hypalbuminose) vorhanden, 
eine gleichzeitige bedeutende Vermehrung der Blutflüssigkeit (Ple¬ 
thora) jedoch fehlt. Für diese Fälle ist es immerhin möglich, dass 
eine pathologische Alteration der Gefässwand vorhanden sein muss, 
bevor sich hydrämische Oedeme entwickeln können. D—o. 


Protokolle des Vereins St Petersburger Aerzte. 

Sitzung den 10. December 1885 . 

1. Prof. B i d d e r berichtet über eine von ihm ausgeführte Ova- 
riotomie , bei welcher gleichzeitig ein kleiner Tumor aus der 


Leber entfernt wurde. Es handelte sich um eine 31 jährige Frau, 
die 7 mal geboren (zuletzt vor 10 Monaten). Nach der letzten Ge¬ 
burt nahm ein bereits vorher vorhandener Ovarialtumor bedeutend 
an Umfang zu, zeitweilig trat locale Peritonitis ein. Im November 
a. c. hatte der Unterleib bereits bedeutende Dimensionen erreicht 
und konnte deutliche Fluctnation nachgewiesen werden. Unterhalb 
der Geschwulst fand man den Uterus etwas verlängert und retre- 
flectirt. Die Bauchdecken wenig verschiebbar, die Wandungen des 
Tumor sehr dünn, stellweise jedoch verdickt. 

Bei der Operation am 27. November fand man starke Adhaesionen, 
die theils mit den Fingern durchtrennt, theils abgebunden wurden, 
namentlich an 4 Stellen, wo der Tumor mit dem Netz verwachsen 
war. Nach Entfernung des Tnmors und Versenkung des Stieles 
wurde auch das andere Ovarium in 2 Partieen unterbunden und 
entfernt. Während der Toilette der Banchhöhle bemerkte man am 
vorderen Leberrande, dicht neben der Gallenblase einen kleinen 
weissen Tumor, mit glatter Oberfläche, die eine Delle zeigte. Da 
ersieh derb anfühlte und Verdacht auf bösartige Neubildung er- 
regte, entschloss sich B. denselben ebenfalls zu entfernen. Er Um¬ 
schnitt den Tumor, trennte die Capsel, löste nun den Tumor stumpf 
heraus. Die Blutung war unbedeutend und stand, nachdem 3 Nähte 
durchs Lebergewehe gelegt, die Wunde verschlossen. Hierauf Ver¬ 
schluss der Bauchdecken durch einige Matratzennähte. 

Der Verlauf war ein äusserst günstiger. Die ersten Tage trat 
etwas Fieber auf, welches sich jedoch durch Schwellung des einen 
Beines erklären liess. Nach c. 14 Tagen war bereits Alles verheilt 
und Pat. wohl. Die mikroskopische Untersuchung des Lebertumors 
erwies denselben als Spindelzellensarcom, wie ebensolche Tumoren 
auch am entfernten Ovarialtumor gefunden wurden. Daher ist die 
Prognose jedenfalls eine trübe. Wichtig ist aber die Thatsache, 
dass jedenfalls mit Erfolg auch Lebertumoren entfernbar sind. 

2. Discussion über Empyem. 

Dr. L u n i n meint, auch die Therapeuten seien im Allgemeinen 
dafür, dass bei Empyem operirt werden müsse, obgleich auch Em¬ 
pyeme Vorkommen, die ohne operative Eingriffe schwinden, wie 
folgender Fall zeige. Ein 10 jähriger Knabe litt seit 3 Wochen 
an Keuchhusten als sich R. U. stehende Schmerzen und Dämpfung 
einstellten; die Punction mit der Pravaz’scben Spritze ergab Eiter. 
Es wurde Massage mit grüner Seife verordnet und in 2 Wochen war 
das Exsudat geschwunden. 

Dr. M a s i n g: Die meisten Fälle werden bisher bei uns wohl nicht 
operirt, sondern zur Resorption gebracht, ob aber zum Nutzen der 
Patienten, sei doch fraglich. Wenn auch kein Exsudat mehr nach¬ 
weisbar, so bleibe doch eine geringere Expansion der kranken Seite. 
Vor c. 1-}- Jahren behandelte M. 3 junge Leute an pleuritischem 
Exsudat und brachte bei Allen dasselbe zum Schwinden. Bel allen 
3 ist nachträglich Tuberculose eingetreten. Einer ist bereits ge¬ 
storben, ein Anderer moribund. Ferner lenkt M. die Aufrnerksam- 
keit auf die Hampeln ’sche Arbeit und hebt hervor, dass nach 
dessen Statistik von den Operirten 26%, von den Nichtoperirten 
80% t. Bezüglich der Operationsmethode spricht sich M. dahin 
aus, dass er die Rippenresection für unnöthig halte. Sowohl in deT 
Landpraxis wie in der Privatpraxis sei letztere schwieriger durch- 
zuführen, es gebe auch der Schnitt genügende Resultate. 

Dr. Schmitz entgegnet, er halte, sowohl bei Kindern wie bei 
Erwachsenen die Rippenresection für viel einfacher als die Thoraco- 
tomie, natürlich müsse aber stets antiseptisch vorgegangen werden. 
Bezüglich des Schnittes meint er, derselbe müsse möglichst nach 
hinten, in der hinteren Axillarlinie angelegt werden, um den Ab* 
fluss möglichst zu erleichtern. Auf dem Lande allerdings, wo man 
oft unter den schwierigsten Verhältnissen zu arbeiten hat, sei die 
Punction vorzuziehen. 

Dr. T i 1 i n g erwidert, er halte es nicht für richtig, prindpiell 
stets die Rippenresection bei der Empyemoperation zu machen. 
Man müsse das Empyen als einen Abscess in einer starren Höhle 
unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen ansehen und die 
erste Bedingung sei, dem Eiter Abfluss zu schaffen. Sind die 
Zwischenrippenräume eng, so resecirt man ein Rippenstück, sind sie 
weit, so ist das nicht nöthig. Ferner muss man den Zustand des 
Pat. berücksichtigen. Wiederholt bekam er Pat. in einem der¬ 
artig heruntergekommenen Zustande mit ärgster Dyspnoe, dass man 
nicht Chloroform geben konnte; in diesen Fällen könne man sich 
nicht mit der Rippenresection aufhalten, sondern müsse sofort die 
Thoracotomie ohne Rippenresection machen. 

Dr. Moritz spricht sich dahin aus, dass er die Thoracotomie 
für viel einfacher halte als die Resection. Er habe bereits in der 
vor-Listerischen Zeit c. 20 Thoracotomieen ausgeführt, stets ohne 
übele Zufälle, mit geringer Blutung, guten Erfolgen. Namentlich 
mache er in der Privatpraxis stets die Thoracotomie, im Hospital 
habe er allerdings auch zwei Mal zur Rippenresection schreiten 
müssen. 

Dr. D o m b r o w s k i: Die Frage über die Operationsmethode bei 
Empyem muss noch als eine offene angesehen werden, doch scheint 
die Mehrzahl der Autoren sich zur Rippenresection hinzuneigen, 
weil auf diese Weise die Entleerung eine schnellere und sicherere, 
und namentlich die Gerinnsel leichter entfembar. 

Dr. T i 1 i n g bezweifelt es, ob nach der Rippenresection der Ab¬ 
fluss stets ein leichterer ist. Der Abfluss hänge in erster Linie von 
der Flüssigkeit des Exsudates ab. Wird die Oeffhung durch die 
Resection auch recht gross, so kann man doch nicht genug weit mit 


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den Fingern in die Höhle hineingelangen um alle Schwarten zu ent¬ 
fernen. 

Dr. Wulff: Seit die Empyemoperation mit Rippenresection durch 
die Empfehlung K ö n ig ’s einen besonderen Aufschwung genommen 
hat W. eine Reihe von Fällen nach dieser Methode operirt, ist je¬ 
doch mit den Resultaten nicht besonders zufrieden, doch liegt dieses 
weniger an der Methode, als daran, dass die meisten Patienten der¬ 
artige Complicationen aufwiesen, dass eine Lungenausdebnung nicht 
mehr zu erzielen, die Lunge bleibt in den Schwarten stecken. Nur 
wenige Fälle sind glatt gegangen, weil die Meisten zu spät zur Ope¬ 
ration kommen. Bezüglich der Resection führt W. an. dass er bis 
zu 5 Rippen resecirt hat, jedoch nicht dem beistimmen könne, wenn 
man sagt, je grösser die Oeffnung um so rascher die Verkleinerung 
der Höhle. Nach seinen Erfahrungen entschliesst sich W. jetzt nur 
bei frischen Fällen zur Resection. 

Dr. S e 1 e n k o w weist ebenfalls darauf hin, dass gewöhnlich von 
den Therapeuten zu lange gewartet wird und bisher meist die 
Indicatio vitalis und nicht die Indicatio symptomatica die Pat. zur 
Operation bringt. Je frischer die Fälle zur Operation gelangen, um 
so seltener wird wohl die Rippenresection gemacht werden. 

Dr. Dombrowski schliesst sich der Meinung Selenkow’s 
und W u 1 f f ’ s an und weist nur noch darauf hin, dass deshalb die 
Statistik bisher relativ so schlechte Resultate aufweise, weil so viele 
Fälle erst spät zur Operation kommen. 

Dr. Petersen macht auf die Rolle aufmerk sem, welche die Ur¬ 
sachen des Empyem’8 bezüglich der Endresultate spielen und meint 
es müssten dieselben mehr beachtet werden. Von 21 Fällen von 
Empyem, die er innerhalb der letzten 3 Jahre im Alexander-Hospital 
zur Section bekam, waren nur 6 uncomplicirt; 6 Mal dagegen fand 
er gleichzeitig Tuberculosis, 4 Mal Scorbut, 2 Mal Nephritis und zu 
1 Mal Leucämie, Lebercirrbose und Flecktyphus. Nur 5 dieser Fälle 
waren operirt worden, davon waren 3 an Tuberculose und 2 an 
Scorbut zu Qrunde gegangen, die 6 uncomplicirten Fälle waren alle 
unoperirt. 

Dr. Anders weist darauf hin, wie schwer es bei uns ist. die End¬ 
resultate zu verfolgen und berichtet über ein von ihm beobachtetes 
Kind, welches nach einer schweren Pleuro-Pneumonie ein schweres 
Empyem bekam, welches nicht operirt worden und zu collossaler 
Schrumpfung der einen Thoraxhälfte geführt mit gleichzeitiger enor¬ 
mer Skoliose. 

Dr. 8 c h m i t z proponirt, das Thema der Discussion mehr aus¬ 
zudehnen und über alle plenritischen Exsudate zu ^verhandeln und 
stellt folgendes Schema auf: 

1) Behandlung der plenritischen Exsudate bis zur Operation. 

2) Wann ist der Moment der Operation gekommen ? 

3) Wie soll man operiren ? 

Punction, mit oder ohne Ausspülung und Aspiration-Drainage, 
Thoracotomie mit oder ohne Resection. 

4) Nachbehandlung. 

5) Aetiologie der Pleuritis exsudativa. 

Secretair: Dr. 0. P e t e r s e n. 


Bericht Uber die wissenschaftliche ThStigkeit des Vereins 
St. Petersburger Aerzte pro 1885. 

Im Ganzen fanden 1885 — 1? Sitzungen statt, auf denen von 20 
Mitgliedern und 2 Gästen 42 Vorträge gehalten wurden, von denen 
9 bereits im Druck erschienen sind. Ferner wurden 12 Patienten 
vorgestellt und 13 Präparate sowie verschiedene Apparate vorge¬ 
wiesen. 14 mal schlossen sich an die Vorträge längere Discus- 
sionen. 

Die erste Reihe nahmen auch im vergangenen Jahre die Mittei¬ 
lungen aus dem Gebiete der Chirurgie ein und zwar 16: 

Dr. ▼. Grünewaldt — 1) Operation eines Abdominaltumors. 

Dr. Anders — 2) Eine Kniegelenkresection. 3) Eine doppel¬ 
seitige Osteotomie wegen Genu vulgum. 4) Eine Exstirpatio tali. 
5) Ueber Haltung der Wirbelsäure Spondylitischer mit besonderer 
Berücksichtigung des Schwebehanges. 

Dr. Dombrowski — 6) Totalexetirpation der Zunge. 7) 
3 Fälle von Totalexstirpation des Uterus per vaginam. 8) 2 weitere 
Fälle von Uterusexstirpation. 9) Ueber Operation des Empyems. 

Prof. Dr. Monastyrski — 10) Resection des Unterkiefers 
wegen Carcinom. 11) Eine Operation nach Mikulicz-Wla¬ 
dimir o w. 12) Entfernung eines Larynxtumors durch Laryngo- 
fissio. 

Dr. V o g e 1 — 13) Ueber Antiseptik. 

Dr. P e t e r s e n — 14) Ueber Froschhauttransplantation. 

Prof. Dr. B i d d e r — 15) Eine Ovariotomie nebst gleichzeitiger 
Entfernung eines kleinen Tumors ans der Leber. 

Dr. Hörschelmann — 16) Abbrechen der Nadel bei Punction 
einer Pleuritis mittelst der P r a v a z ’schen Spritze. 

In zweiter Reihe stehen die Mittbeilnngen aus dem Gebiete der 
inneren Medicin: (15). 

Dr. N e u m a n n — 17) Cocain bei Angina follicularis. 

Dr. P e t e r s — 18) Die günstige Wirkung der Magenausspülun¬ 
gen bei Ileus. 

Dr. G r i m m — 19) Antipyrin bei Erysipel. 

Dr. B a r t h e 1 —- 20) Ueber Behandlung der Pneumonie. 

Dr. Reimer — 21) Behandlung der Variola mit Natron sali- 
cylicum. 


Dr. M o r i t z — 22) Ein Fall von Gelenkrheumatismus mit nach¬ 
folgender Septicaemie. 23) Pyloruskrebs mit metastatischer Peri- 
' carditis. 24) Ueber ein Auscultationsphänomen. 

Dr.de 1 a C r o i x — 25) Qgber die bacteriologische Diagnose 
der Cholera. 26) Ein Fall von Darmkrebs. 27) Ueber Malleus. 

Dr. Amburger — 28) Ueber Schrumpfhiere. 

Dr. P e t e r s e n — 29) 3 Fälle von Leberruptur. 30) Erstickung 
i durch einen Fremdkörper im Larynx. 

Dr. Masing —31) Ueber die Wo 1 ff’sche Methode der Be¬ 
handlung des Schreibekrampfes. 

Aus dem Gebiete der Geburtshülfe und Gynäkologie wurden 4 
Mittheilnngen gemacht. 

Dr. W i e d e m a n — 32) Ein Fall von Eileiterschwangerschaft. 

. Dr. B a r t h e 1 — 83) Ein Fall von Tubenschwangerschaft. 

| Prof. Dr. B i d d e r — 34) Tod nach der Geburt dujch Luftein- 
I tritt in die Venen. 35) 2 operativ beendete Geburtsfälle. 

Was die weiteren Specialfächer betrifft, so kamen nachfolgende 
| Mittheilungen zum Vortrage. 

Dr. Boerling — 36) 1 Fall von Sklerodermie. 

' Dr. 8 e 1 e n s k i — 37) Vergiftung durch Insektenpulver. 

Dr. R e i m e r — 38) Masern mit schweren Bronchialaffectionen 
complicirt. 

Dr. U c k e — 39) Ueber Bestimmung des Pilzgehaltes der Luft. 

Dr. ph. B i e 1 — 40) Ueber Eiweissstoffe des Kefir. 

Dr. S c h r ö d e r — 41) 2 Fälle von Amaurose nach Blutverlust. 

Dr. ehern. P o e h 1 —- 42) Ueber Antiseptik auf dem Gebiete 
derPharmacie. Secretair: Dr. 0. Petersen. 


I. Congress russischer Aerzte. 

Section für Hygiene und gerichtliche Medicin . 

II. 29. December. Präsident Dr. Pogoshew (M.). 

1) Prof. M o r o 8o w (Charkow). «Ueber die Bedeutung der Ver¬ 
brennungsspuren bei Schüssen aus nächster Nähe in gerichtlich- 
mediciuischer Beziehung». 

Ref. hat die Frage, ob Verbrennungsspuren an der Eingangsöff¬ 
nung- einer Schusswunde ä bout portant Vorkommen, experimentell 
unter den verschiedensten äussern Bedingungen geprüft und beant¬ 
wortet sie kategorisch dahin, dass unter allen Umständen, selbst bei 
nasser Kleidung (gegen Casper, Liman, Schauenstein, 
H o f {m a n n), ein Schuss aus nächster Nähe die Oberfläche des 
Körpers oder die dieselbe bedeckenden Kleidungsstücke ansengen 
muss, eine Ansicht, welche durch des Ref. Erfahrungen aus derPraxis 
bestätigt wird. 

Dr. Jagodinski (Pensa) bestätigt die Ansicht Prof. Moro- 
s o w ’ 8 durch seine im serbisch-türkischen Kriege gemachten Erfah¬ 
rungen, in welchem serbische Soldaten, um aus der Front ausge¬ 
schieden zu werden, sich in die Finger schossen, wobei die aus gros¬ 
ser Nähe erfolgten Wunden deutlich Brandspuren aufwiesen. 

2) Prof. Dobroslawin (St. P.) verlas ein von der städtischen 
Sanitätscommisaion an den Congress gerichtetes Gesuch, dieser möchte 
ein von der 4. Versammlung der landschaftlichen Aerzte des St. Pe¬ 
tersburger Gouvernements verfasstes Project einer Organisation der 
Impfung in den Dörfern berathen; die Versammlung beschloss dieses 
Project an die Section für sociale Fragen, welcher bereits mehrere 
ähnliche Referate angemeldet sind, zu verweisen. 

3) Prof. Dobroslawin verlas ein, von J)r. 8 m o 1 e n s k i 
ausgearbeitetes Programm zur Untersuchung der in Lehr- und Heil¬ 
anstalten verwendeten Milch. 

Bei der Debatte einigten sich alle Redner in der Vorzüglichkeit des 
sehr einfach construirten M a r c b a n d’schen Apparats. Dr. Berensen 
(M.) wünscht, dass neben der Prüfung des Fettgehaltes und des spe- 
cifischen Gewichtes der Milch auch die chemische Reaction derselben 
berücksichtigt werde, da die nicht gährende und unverfälschte Milch 
eine doppelte Reaction zeige, das blaue Lakmuspapier röthen, das 
rothe aber bläuen müsse. Dr. Schijachtin wünscht, dass die 
obligatorische Milchschau vom Gesetze sanctionirt werden solle. 

Die Section erkannte die Nothwendigkeit einer obligatorischen 
Milchschau an, und sprach den Wunsch aus, dass dieselbe überall 
mit dem M a r c h a n d’schen, als dem einfachsten Apparate ausge¬ 
führt werden möchte. 

4) Dr. S c h i d 1 o w 8 k i hat im Laboratorium des Prof! Dobrosla¬ 
win eine Reihe von Versuchen über Desinfection mit Sauerstoffver¬ 
bindungen des Stickstoffes angestellt, welche trotz ihrer grossen Gif¬ 
tigkeit das theoretische Interesse bieten, dass sie den Sauerstoff 
leicht den oxydirbaren Körpern abgeben, ihn aus der Atmosphäre 
wieder aufnehmen und von Neuem so lange abgeben können bis oxy- 
dirte Körper und freier 0 vorhanden sind. Aus diesen Versuchen 
ergab sich, dass wenn die Sporen des Bacillus subtilis nach der von 
P a y e n und N o k e r vorgeschlagenen Methode (Entwicklung von 
Stickstoff-Sauerstoffverbindungen durch die Einwirkung von NO* auf 
Knpferspäne ohne Durchfeuchtung des zu desinfleirenden Raumes) be¬ 
arbeitet wurden, sie ihre Lebensfähigkeit gar nicht einbüssten, im 
feuchten Raum aber auch nicht, zur Hälfte jedoch bei Anwendung der 
N o k e r sehen Methode; hier wird das 4fache von N-O-verbindungen 
im Vergleich zum P a y e n’schen Verfahren gewonnen, offenbar wegen 
Anwendung concentrirter NOs. Dr. Sch. findet die bis jetzt bekann¬ 
ten Methoden der Desinfection mit NO-Verbindungen für ungenügend 
und müssen bessere abgewartet werden. 

Prof. Dobroslawin meint, dass die Tauglichkeit einer Des* 


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infectionsmethode nur durch ihre Wirkung auf beständige Mikroben 
bestimmt werde und schlägt für künftige derartige Untersuchungen 
vor, sich auf folgende Thesen zu stützen : 

1) Es sollen nur solche Desinfeo^onsmittel angewandt werden, 
welche vorher im Laboratorium genau geprüft worden sind. 

2) Die Begriffe der Desjnfection und der Desodorisation sollen 
ebensowenig, wie die entsprechenden Mittel mit einander verwech¬ 
selt werden. 

3) Nicht jedes, Flüssigkeiten desinficirende Mittel ist bei festen 
Körpern anwendbar. 

4) Das Desinficiren ist nur nach den von der Wissenschaft angege¬ 
benen Methoden oder gar nicht auszuführen, man solle im letzteren 
Falle sich mit Reinigung, Lüftung u. der gl. begnügen. 

5) Man soll, um Geld zu sparen, das Desinficiren nicht übertreiben. 

6) Man soll bei der praktischen Ausführung der Desinfection nach 
einem genaden Programm sich richten. 

Die Desinfection der Zimmerluft geschieht nach D. am besten 
durch Chlor. Die flüssigen Unreinlichkeiten schaden nicht durch 
die sich ans ihnen entwickelnden Gase, sondern durch Ausstreuen 
der Mikroben in die Luft und Bereitung eines guten Nährbodens für 
dieselben in der Erde, weshalb sie zur Desinfection sich besonders eig¬ 
nen. Verdünnen mit Wasser, Ansäuern mit SO«, Umgraben der Erde, 
Carbolsänre und andere Kohlenwasserstoffe und HgCl. Für feste 
Körper hält D. nur die «Salzwasseröfen» (cojeBOAHHÄ neun) für 
genügend, wie dies seine Versuche in den Gefängnisspitälern nach¬ 
gewiesen haben. Schliesslich vertheilt D. ein kurzes Schema der 
Desinfectionsmaassreg'eln, welches als Grundlage für eine genauere 
Ausarbeitung der Frage von einheitlicher Desinfection auf dem 
nächsten Congress dienen kann. 

Aus der, an den Vortrag sich anknüpfenden, nur Detailfragen be¬ 
rührenden Debatte heben wir die Mittheilung des Dr. A k u 1 o w 
(Wilna) hervor, welcher auf das im nordwestlichen Russland viel¬ 
fach zur Desinfection in den Senkgruben gebrauchte Torfmoos 
(Sphagnum) hinwies. Dieses nimmt das 8fache seines Gewichtes an 
Flüssigkeit auf, welche dabei ihren Geruch verliert, während das 
Moos eine erdige Consistenz annimmt und, in die Hand genommen, 
diese nicht beschmutzt; es scheint, dass hierbei die Huminsäure ei¬ 
nigen Einfluss hat. 

Prof. Dobroslawin bestätigt diese Wirkung des Sphagnum, 
dieses desodorosire aber nur, desinficire aber nicht. 


Vermischtes. 

— Vor Kurzem beging in Warschau der Bebirksoculist des 
Warschauer Militärbezirks Dr. J. T a 1 k o sein 25jähriges Dienst - 
jubiläum . 

— Zum Gehülfen des Militär-Medicinalinspectors des Kgew’schen 
Militärbezirks ist der bisherige Oberarzt des Simferopol’schen Mili- 
tärbospitals, Dr. A. Rosow, ernannt worden. 

— Der diesjährige Cbirurgen-Congress wird durch den 2. Vor¬ 
sitzenden Prof. V o 1 k m a n n (Halle) eröffnet werden, da Prof. 
Langenbeck durch sein Augenleiden daran verhindert ist 

— Prof. B i 11 r o t h (Wien) hat aus Gesundheitsrücksichten eine 
Reise nach Egypten angetreten. 

— In Moskau hatte der Flecktyphus im Februar dermaassen zu¬ 
genommen, dass — ungeachtet des Zuwachses von 150 temporären 
Betten in den Hospitälern — Kranke wegen Platzmangels abge¬ 
wiesen werden mussten. (Russ. Med.) 

— Der verstorbene Dr. A. Dubnitzki hat der ärztlichen 
Unterstütznngscasse 200 R. S. vermacht, 

— Prof. Schweninger wird in nächster Zeit auf Schloss 
' Heidelberg sein längst angekündigtes Sanatorium eröffnen. Die 
Anstalt ist auf Actien gegründet, für welche in einem in kaufmänni¬ 
schen Kreisen circulirenden Prospect ein Gesammtertrag yon32% 
pro Jahr in Aussicht gestellt wird. Die Oberleitung der auf 250 
Betten berechneten neuen Heilanstalt übernimmt Prof. Schwe¬ 
ninger persönlich, dem mebrere v Assistenten zur Seite stehen 
werden. Anmeldungen werden schon jetzt bei Prof. Schwenin- 
g e r in Berlin und im Sanatorium «Schlosshötel Heidelberg» ent¬ 
gegengenommen. Wie verlautet, sind schon viele ständige Gäste 
aus höchsten Kreisen, unter Anderen Lord Roseberry aus Lon¬ 
don, angemeldet worden. 

• — In London hat sich eine neue Gesellschaft für Neurologie 
unter dem Vorsitze Hugblings-Jacksons gebildet, an der 
sich die hervorragendsten Fachmänner, wie Wilkes, Hutchin¬ 
son, James Crichton-Browne, Ben net, Ferrier 
u. A. betheiligen. 

— C a d 6 a c und .Malet haben in der Sitzung der Acadömie 
des Sciences zu Paris am 11. Januar c. Mittheilungen über ihre Un¬ 
tersuchungen , betreffend die Uehertragbar keil des Morphium 
van der Mutter auf den Foetus , gemacht. Die Versuche wurden 
an Pferden, Hunden und Meerschweinchen angestellt. Was die 
beiden ersten Thiergattungen anbelangt, so war das Resultat nega¬ 
tiv, während die an weiblichen Meerschweinchen angestellteu Ver¬ 
suche folgendes ergaben: Die Foetus von 2 tragenden Thieren 
dieser Gattung hatten das Morphium der Mutter aufgenommen, 
waren aber anscheinend gesund, während 4 säugende Thiere das 
Morphium nicht auf die Jungen übertragen hatten. Es ergab sich 
also von den 13 Versuchen nur bei 2 ein positives Resultat, so dass 


der Schluss berechtigt erscheint, dass Kinder morpbiumsüchtiger 
Mütter nur selten an Morphiumintoxication leiden. 

— Die leider erst zu Ende des Krieges auf den serbisch-bulgari- 
sehen Kriegsschauplatz entsandten Militär-Sanitäts-Abtheilungen 
des russischen «Rothen Kreuzes» setzen ihre Thätigkeit noch immer 
fort, während fast alle übrigen Sanitäts-Abtheilungen der europäi¬ 
schen Gesellschaften des «Rothen Kreuzes» die Balkan-Halbinsel 
bereits verlassen haben. Für die in Bulgarien thätige russische 
Abtheilung belaufen sich die Ausgaben des «Rothen Kreuzes» nach 
dem letzten Berichte bereits auf 17,619 Francs in Gold, darunter 
für das etatmässige Personal 5,210 Francs, für das gemiethete Per¬ 
sonal 2880, Frcs,, für den Unterhalt des Hospitals 4558 Frcs., Wob- 
nungs-Miethe 970 Frcs., für Ergänzung der Vorräthe 1135 Frcs. 
u. s. w. Für die in 8erbien thätige Sanitäts-Abtheilnng sind im 
Januar Monat 13,537 Francs verausgabt worden, darunter 6198 
Francs für das medicinische Personal, für die Administration und 
Bedienung 1105 Frcs., Miethe784 Frcs., Ausgaben für zwei Reserve¬ 
hospitäler 4300 Frcs. u. s. w. Bis zum 6. Februar wurden von der 
russischen Abtheilung in Bulgarien 163 Kranke und Verwundete 
verpflegt, und verblieben dann noch in Behandlung und Pflege 25 
Schwerkranke und gegen 100 Reconvalescenten. In Belgrad wurde 
der russischen Abtheilung am 20. Januar von der heimkehrenden 
deutschen Delegation das VII. Reserve-Hospital von 90 Betten mit 
30 Sch wer verwundeten übergeben, während der deutsche Orden bei 
seiner Rückkehr 59 Schwerverwundete der russischen Abtheilung 
tiberliess. Ueberdies wurden von den aus Nisch nach Belgrad am 
21. Januar evacuirten Verwundeten 29 Schwerverwundete im Hospi¬ 
tal der russischen Abtheilung untergebracht. 

— Von Italien aus wird auf die Initiative des bekannten Agita¬ 

tors für körperliche Erziehung, Costantino Reyer, für die 
Einsetzung eines Comitä’s Propaganda gemacht, welches aus Ver¬ 
tretern sämmtlicher Staaten bestehen, einen stabilen Wohnsitz haben 
und sich vor Allem mit swei Hauptaufgaben befassen soll: 1) mit 
dem Studium aller Kontagien und Epidemien bei Menschen, Thieren 
und Pflanzen, und 2) mit der einheitlichen Bearbeitung aller beste¬ 
henden Sanitätsgesetze und Erhaltung derselben auf dem jeweiligen 
Standpunct der Wissenschaft. Nachdem als vorläufiges Erforderniss 
zum Unterhalt dieses neuen Instituts die Leistung von 1 Centime 
per Kopf und Jahr für genügend erachtet wird, werden unter Ande¬ 
rem folgende Ansichten geäussert resp. Vorschläge iu Betreff der 
Bildung einer permanenten internationalen Sanitäts-Commission 
gemacht: 1) Internationale Sanitäts-Conferenzen sind zu verwer¬ 

fen, weil ihre kurzen Arbeitszeiten niemals zulassen, alle Puncte der 
Tagesordnung erschöpfend durchzuberathen; nur dauerndes Zusam¬ 
menarbeiten und dadurch geförderte persönliche Intimität würden 
im Stande sein, die Gegensätze und Härten der verschiedenen An¬ 
sichten abzuschleifen. 2) Die Zusammensetzung und die Regelung 
der Fnnctionen dieser Commission kann selbstverständlich nur das 
gewissenhafte Werk fachmännischer Erörterungen sein; doch wären 
vielleicht folgende Vorschläge beachtenswerth: Jeder Staat ent¬ 
sendet als solcher zwei Mitglieder. Die Staaten wären, ihrer FiJ- 
wohnerzahl entsprechend, in drei bis fünf Klassen zu theilen ; jede 
Klasse entsendet ein weiteres Mitglied. Diese Mitglieder würden 
von der Sanitätsbehörde eines jeden Staates zu ernennen und von 
ihr direct abhängig sein. Die Commission hätte nur gesetzgebende 
Kraft, wenn ihre Beschlüsse einstimmig erfolgen; iu anderen Fällen 
würde, wenn die Einigkeit nicht zu erzielen ist, das Chaos der jetzt 
bestehenden Verordnungen auf einige Hanpt-Typen zu reduciren 
sein, um sich im Laufe der Zeiten dem Ziele der Einigkeit naUern 
zu können. 3) Abhaltung von Cnrsen nnd Vorträgen für solche, 
die sich speciell dem Sanitätsfache widmen wollen. 4) Errichtung 
einer Bibliothek und Veranstaltung einer permanenten Ausstellung 
über das gesammte Sanitätsfach, so dass eine Stadt, wenn sie bei¬ 
spielsweise ein Spital, eine Schule, Kaserne, Wasserleitung, ein 
Gefängniss u. s. w. bauen will, ihren Sanitäts-Chef dahm zur Ent¬ 
gegennahme von Belehrung und Instruction senden könnte. 5) Kegu- 
lirnng der Prostitution. 6) Erstrebung einer einheitlichen Termino¬ 
logie in den gesammten medicinischen Wissenschaften. «) rerma- 
nente Beschäftigung einer bestimmten Anzahl von Aerzten in den 
Laboratorien der Commission, welche dann im Bedarfsfälle beim 
Ausbruch von Epidemien n. s. w. an Ort nnd Stelle geschickt wer¬ 
den könnten, nm Beobachtungen zu machen und um zur Vertagung 
der betreffenden localen Behörden zn sein. 8) Herausgabe einer 
Zeitschrift für Hygiene, welche regelmässig Bulletins über alle an¬ 
steckenden Krankheiten zn veröffentlichen hätte. 

— Für das Jahr 1888 ist eine zweite internationale pharmaceu- 
tische Ausstellung und zwar in Genf als Centralpunct Europas in 
Aussicht genommen. Das provisorische Comitö besteht aus H. to* 
ey tau x (Präsident), G. Go egg (Secretär) und Dr. H. Popp 6 
(Cassirer). Die Ausstellung wird 6 Monate dauern. 

— Neuerdings sind in einem Wildschweine ^ welches m den for¬ 
sten bei Oranienburg (Regierungsbezirk Potsdam^ erlegt worden, 
Trichinen nachgewiesen worden. Es wird die obligatorische 
Trichinenschau nun wohl auch auf die Wildschweine ausgedehnt 
werden müssen 

— Das französische Parlament hat vor Kurzem mit grosser 
Stimmenmehrheit ein Gesetz angenommen, nach welchem jeder Voll¬ 
jährige, aber auch ein unabhängiger Minderjähriger das Recht hat, 
seinen Körper einer öffentlichen Unterrichtsanstalt oder einer ge¬ 
lehrten Gesellschaft testamentarisch zn vermachen. 


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— Ein deutscher Sprachreiniger schlägt für das Fremdwort 
« Apotheker* ein deutsches Wort: « Gesundheitswiederherstellungs- 
mittelzusammenmischungskundiger * vor. 

Berichtigung: Seite 62, Spalte 2, Zeile 10 muss «Anfertigung» 
statt «Untersuchung», Zeile 65 cBegttnstigung» statt «Beschrän¬ 
kung» stehen. 

Vacanzen. 

1) Die Stelle eines Ordinators der weiblichen ABtheiluna (50 
Betten) des Ssaratowschen Gouvernements-Landschafts-Hospi¬ 
tals. Gehalt 1100 Kbl. ohne Wohnung, oder 900 Rbl. bei freier 
Wohnung. Refl. haben sich bis zum 15. April c. bei der «CapaTOB- 
ckäh ryöepHCKas Ynpaßa» zu melden. 

2) Ordinatorstelle am Krankenhause des heiligen Lazarus in 
Warschau. Gehalt 300 Rbl. jährlich. 

3) Die Stelle eines chirurgischen Ordinators am Hospital in 

Praga (Vorstadt von Warschau). Gehalt 300 Rbl. jährlich. Die 
sub 2) und 3) angeführten Vacanzen werden auf dem Wege des Con- 
curses vergeben, welcher fQr die erstere am 18., für die letztere am 
26. März in Warschau stattfindet. Concurrenten haben sich bei dem 
«BapmaBCKift ropojtCKOfi CoB*fcn>» zu melden. (Wr.) 

Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 16. bis 22. Februar 1880. 

Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 23. Februar bis 1. März. 1883. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

Im Ganzen: . . *;_ä5sj3_ä5:5äs!3ji 


m Ganzen: 

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O f O'*-‘CO ^-HCQCO^iO^Oc-aotD 

410 306 716 124 56 105 24 21 16 91 67 58 67 41 32 14 0 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. ezanth. 3, Typh. abd. 18, Febris recurrens 5, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 4, Pocken 0, Masern 15, Scharlach 30, 
Diphtherie 10, Croup 1, Keuchhusten 2, Croupösc Lungenentzün¬ 
dung 39, Erysipelas 6, Cholera nostras 0, Cholera asiaticaO, Ruhr 0, 
Epidemische Meningitis 1, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit, 0, Antrax 0, Hydrophobie 1, Puerpe¬ 
ralfieber 0, Septicamie 4, Tuberculose der Lungen 118, Tubercu- 
lose anderer Organe 15, Alcoholismus und Delirium tremens 11, Le- 
bensschwäche und Atrophia infantum 44, Marasmus senilis 32, 
Krankheiten des Verdauungskanal 80, Todtgeboren 17. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Im Ganzen: 


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385 287 672 101 55 124 18 16 17 73 69 53 53 56 30 6 1 

2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 23, Febris recurrens 7, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 0, Masern 20, Scharlach 3l, 
Diphtherie 14, Croup 2, Keuchhusten 2, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 46, Erysipelas 8, Cholera nostras 0. Cholera asiatica 0. Ruhr 0, 
Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerpe¬ 
ralfieber 1, Septicaemie 4, Tuberculose der Lungen 119, Tubercu¬ 
lose anderer Organe 12, Alcoholismus und Delirium tremens 0, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 46, Marasmus senilis 19. 
Krankheiten des Verdauungscanals 85, Todtgeborene 21. 


Name 

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a 

3 

Woche 
(Neuer Styl) 

LebencL 

geboren 

i f.i 

W 

Todtgeboren | 

London . 

. 

4083 928 

14.—20. Feb. 

2849, 

36,* 

28 

Paris 

2 239 928 

14.—20. Feb. 

1224 

28,4 

103 

Brüssel 

175811 

14.—20. Feb. 

115, 

34,9 

9 

Stockholm . 

200 143 

7.-13. Feb. 

143 

37,* 

9 

Kopenhagen 

289000 

17.-23. Feb. 

193 

35,r 

2 

Berlin . . . 

1315547 

14.-20. Feb. 

830 1 

38,o 

32 

Wien 

780066 

14.—20. Feb. 

576 

38,4 

27 

Pest . . . 

442591 

7.—13. Fe&. 

303 

36,« 

18 

Warschau . 

406 935 

7.—13. Feb. 

273 

34,« 

20 

Odessa. . 

194 400 

14.—20. Feb. 

— : 

— 

10 

8t. Petersburg 

928 016 

21.-27. Feb. 

619 

37,4 

44 


Gestorben 


i 2 ? 

w 


119, 35,» 
76 19,7 
104 18,. 


121, 32,« 

684 38,i 




SIROP de DENTITION du D r DELABARRE 

EX-CHIRURGIEN DENTISTE DES HOPITAUX DE PARIS. 

Der Sirop Delabarre besteht aus einem Gemenge von Safran und Tamarinde 
ohne jede Zumischung eines Narcoticum. 

Man gebraucht es zur Friotion des Zahnfleisches. 

Alle Aerzte haben anerkannt die zuverlässige Wirkung dieses hygienischen Mittels 
gegen das Zahnjucken: die Ursache aller nervösen Zufälle, welche sehr oft das |m 
erste Zahnen begleiten. I ! 

Es ist keine Gefahr za befürchten, falls das Kind den Sirop herunterschlucken sollte. I 

Notiz. — Der Sirop Delabarre wird nur in kleinen Flagons, die in einem Etni HI 
verschlossen, mit dem ofiflo. Stempel des französ. Gouvernements als Zeichen HI 
der Echtheit verkauft. H 1 

Döpöt Central: FUMOUZE-ALBESPETBBS, 78, FauBourg Saint-Denis ,\\\ 

PARIS. 6i(i 5 ) | 


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(Band 32) wird verkauft durch die Buchhand¬ 
lung von 7(1) 

Carl Kicker in St. Petersburg, 

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WF“ Preis 220 Rbl. 


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J AHRBUCH OER PRAKTISCHEN MEDICIN 

herausgegeben von Sanitätsrath Dr. S. Guttmann in Berlin. 
Jahrgang 1886. I. Hälfte. 8 geh. Preis 3 Rbl. 6oKop. 

(Die II. Hälfte erscheint im April.) 

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tersburg, Newsky-Prospect H 14, erschien 
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Ersatz der Muttermilch event. auch als Nahrung 
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Digitized by 


Goog : 


















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__ r - f Der I. Theil Hautkrankheiten (3 R. 6oK.) J 

Kon. H npOOHUH TaÖJieil,U no 2 py6. ♦ erschien 1885. X 

Die Tafeln sind nach dem Principe des Dr. M o n o y e r entworfen | 

worden. Indem sie sich dem jetzt in der Ophthalmologie wohl mehr und Verlag von August Hirschwald in Berlin, 
mehr gebräuchlichen Metermaasse anschliessen, bieten sie den Vorzug einer ® . # 6 , * 

genauen Bestimmung der Sehschärfe von 7 k> bis 10 /io. In den «IlpoÖHue Soeenerscien V 

Ta6jini;u» sind enthalten: LöiirDUCll 


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lichen Weltanschauung. 


A 08 B. aeHs. Cu6. 7 MapTa 1886 r. Herausgeber Dr. L. y. Holst. Buchdruckerei von A. Ca spary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. St. Petersburger Hl. Jahrgang. 

^ (In der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 

Hedicinische Wochenschrift 

unter der Redaction von 

Prof. ED. v. WAHL, Dr. L. v. HOLST, Dr. GüST. TILING, 

• Dorpat. St. Petersburg. St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medidnische Wochenschrift* erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnsmests-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. Rir das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Der Inserations - Preis für 
die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist is Kop. oder 30 Pfenn. — Den 
Antoren werden 25 Separatabztige ihrer Original - Artikel zugesandt; 

Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 
Abon nements-Aufträge bittet man an die Buchhandlung von 
Carl Rlcker in St. Petersburg, Newsky - Prospect JA 14 zu richten. 


Inserate werden ausschliesslich im Central-Annoncen-Bu- 
reau von Friedrich Petrlck in St. Petersburg, Newsky-Prospect JA 8, 
und in Paris bei unseren General-Agenten entgegengenommen. 
Lee annonces frangaltes sont regues exclusivement k Paris, 
cbez Messieurs G. E. Puel de Lobei 8c Cie., Rue Lafayette 58. 

Man Uteri pt# sowie alle auf die Redactiou bezüglichen Mittheilungen 
bittet man an den geschäftsführenden Redacteur Dr. Gustav Tifting 
(Klinisches Institut der GrossfUrstin Helene Pawlowna, Kirotschnaja 39) 

zu richten. 


N2 11 . St. Petersburg, 15 (27.) März 1886 . 


iMlsalt t A. Hearici: Der Unterschied zwischen Karavanen- und Schiffscholera in Bezug auf ihre pandemische Verbreitung. — 
Referate . Koch: Ueber Desinfection der Scheidentampons. — G. J. Ti g er: Einige Worte über die Ernährnngsverhältnisse der 10. 
Infanterie-Division für das Jahr 1884. — Kassowitz nnd Hoch sing er: Ueber einen Mikroorganismus in den Geweben hereditär- 
syphilitischer Kinder. — VMonte: Wasserscheu geheilt dnrch Chloroform. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen . — H. v. 
H e b r a: Die Elephantiasis Arabnm. — S. Krüger: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Hydrotherapie. — H e i b e r g: Schema 
der Wirkungsweise der Hirnnerven. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerete. — 1. Gongress russischer Aerzte. — Ver¬ 
mischtes. — Vacanz* — Mortalitäts-Bulletin 8t. Petersburgs . — Mortalität einiger Hauptstädte Europas . — Anzeigen. 


Der Unterschied zwischen Karavanen- und Schiffs¬ 
cholera in Bezug auf ihre pandemische Verbreitung. 

Von 

Dr. med. et chir. A. H e n r i c i. 

Vom October 1884 ab habe ich in den Sitzungen der Mi- 
litär-Sanitäts-Gesellschaft zu Helsingfors (nachdem ich einen 
kurzen Abriss der Mikroben-Theorie E o c h ’s und der 
Boden-Theorie Pettenkofer’s vorausgeschickt), die von 
mir seit 47 an den verschiedenen Stellen meines ärztlichen 
Dienstes als Augenzeuge durchlebten Choleraepidemien 
beschrieben und nach den örtlichen Autoritäten und Docu- 
menten die ganze Reihe der Choleraepidemien erforscht, 
welche vom Jahre 31—73 unter der Bevölkerung und den 
russischen Truppen in Finnland gewQthet haben, wobei ich 
beständig darauf hingewiesen habe, in wie weit die, wäh¬ 
rend einer jeden derselben beobachteten Facta mit dem 
einen oder dem anderen Satze der erwähnten Theorien über¬ 
einstimmen oder ihm widersprechen. Auf diese Weise ge¬ 
langten wir nach Prüfung der Erscheinungen und des Cha¬ 
rakters der einzelnen Epidemien der asiatischen Cholera, 
welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in verschiedenen 
Stellen und Strichen unseres ausgedehnten Vaterlandes 
wiederholt haben, auf dem Wege der Vergleichungen zu 
dem Schluss, dass die Cholera, ungeachtet der Gleichheit 
der Erscheinungen in ihren Hauptzügen nicht überall mit 
der gleichen Heftigkeit aufgetreten war und nicht überall 
dieselbe Form bewahrt hatte. 

Wenn man alle unbedeutenden, weniger auffallenden nnd 
streitigen Differenzen unberücksichtigt lässt, so muss man 
doch zugeben, dass aus der Zahl der von uns erforschten Epi¬ 
demien diejenigen, weichein den Jahren 31 in Finnland, 47 in 
Kasan, 48 in Tambow, 48 und 49 nnd ebenso 53 und 56 in 
Finnland herrschten, sich durch besondere Heftigkeit und eine, 
wenn auch nicht reissend schnell^, so doeb hartnäckig fort¬ 
schreitende Ausdehnung nach Norden, von denen untei schei¬ 
den, welche im Jahre 54 in der Krim, 65 und den folgenden 
in Odessa und 66, 71 und 72 wiederum in Finnland wüthe- 
ten. ln Betreff ihrer Form muss anerkannt werden, dass 
die von den Autoren beschriebenen Epidemien im Jahre 30 
in Polen, 31 in Finnland, ebenso die 47 in Kasan beobach¬ 


tete, an der Mehrzahl der an der Cholera Erkrankten eine 
äussörst folgerechte and typische Entwicklung der charak¬ 
teristischen Erscheinungen zeigten und ausschliesslich in der 
cyanotiscben Form auftraten, welche weniger häufig und in 
bedeutend geringerem Grade im Jahre 48 in Tambow und 
noch seltener 51 in Warschau beobachtet wurde. Ferner 
sieht man ans den Beschreibungen der Antoren, dass die 
cyanotische Form der Cholera während der Epidemie in 
Finnland im Jahre 53 vorherrschte and nach Heyfelder 
besonders häufig während der Hospital-Epidemien vorkam, 
welche im Jahre 55 in Helsingfors, Sweaborg, Abo und an¬ 
deren Städten Finnlands, ausschliesslich unter den rassi¬ 
schen Trappen und in ihren Hospitälern, herrschte. Hey¬ 
felder legt dabei der Cyanose keine besondere Bedeutung 
hei und erwähnt der cyanotiscben Cholera nicht als einer 
besonderen Form. Dagegen erschien die Cholera von 65— 
73, besonders im Süden, in Odessa mehr atypisch, bald in 
der spastischen^ bald in der adynamischen Form, mit deut¬ 
licher Abnahme der Cyanose und dem entsprechend mit 
grösserer Neigung zum Uebergang in die typhoide Form. 
Vorher wurde die Cholera unter diesen Formen nnr bei 
Sewastopol im Jahre 1854 beobachtet, ausschliesslich unter 
den verbündeten feindlichen Truppen. Alle Choleraepide¬ 
mien, welche im laufenden Jahrhundert in Europa wüthe- 
ten, lassen sich nach der Mehrzahl der Autoren, auf eine 
der 4 grossen Epidemien zurückführen, welche auf verschie¬ 
denen Wegen von Indien aus eindrangen. Auf Grundlage 
dieser Eintheilung finden wir, dass von den von uns be¬ 
schriebenen und erforschten Epidemien: 

1) die, welche im Jahre 31 in Finnland herrschte, zur 
Periode der 1. grossen Epidemie gehört, welche von 30—37 
in Europa wüthete, aber in Bengalen schon am Ende der 
20ger Jahre aasgebrochen war, von wo sie durch Mittel- 
Asien und Persien erst im Jahre 30 bis an den Caspi-See 
nach Astrachan vorgedrungen war und im Jahre 31 sich 
über Moskau, Polen, Petersburg und Finnland ausgebreitet 
hatte; 2) dasä die von mir im Jahre 47 in Kasan, 48 in 
Tambow beobachteten Epidemien, ebenso die während der 
Jahre 48 und 49 in Finnland und 51 in Warschau be¬ 
schriebenen Epidemien, sich auf die zweite grosse Epidemie 
beziehen, welche seit dem Jahre 45 fast auf demselben 


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Landwege, wie die frühere von Indien aus eingedrungen 
war. 3) Dass die Cholera, welche im Jahre 53 unter der 
Bevölkerung in Finnland herrschte und dort besonders die 
russischen Truppen im Jahre 1855 heimsuchte, zur Periode 
der 3. grossen Epidemie gehört, welche sich gleichfalls auf 
dem Landwege im Jahre 52 bis nach Schlesien erstreckte 
und in verschiedenen Gegenden Europas bis zum Jahre 55 
incl. anhielt; die Cholera in der Umgebung Sewastopols im 
Jahre 1854, welche dorthin durch Schifie aus Varna, der Do* 
brudscba, dem südlichen Frankreich und aus Konstantino* 
pel verschleppt war, machte davon keine Ausnahme. 4) 
Dass die von mir im Jahre 65 und den folgenden in Odessa, 
Kutscburjan, unter den Truppen bei Nikolajew beobachteten 
Epidemien, ebenso die 66, 71 in Finnland beschriebenen, 
wie auch die im Jahre 72 in Helsingfors beobachtete kleine 
Epidemie zur Periode der 4. grossen und ihrem Ursprünge 
nach gemischten Epidemie gehören, welche einerseits durch 
Pilger aus heiligen Orten auf dem Seewege über Konstan¬ 
tinopel und die Häfen des schwarzen Meeres in unser Va¬ 
terland eingeschleppt, andererseits durch Karavanen ig den 
Jahren 70, 71 und früher nach Astrachan gelangt war, von 
wo sie sich längs dem Wolgabassin weiter verbreitet hatte. 

5) Hierbei muss noch der Epidemien des Jahres 1884 
Erwähnung geschehen, welche in Frankreich, Italien und 
Spanien wütheten und sich dort auch im Jahre 1885 wieder¬ 
holten, als solcher," die zur 5. herrschenden grossen Epi¬ 
demie gehören, welche aus Aegypten durch Schiffe in die 
Hafenstädte der genannten Länder eingeschleppt wurde. 
Das letzte Wort über dieselbe gehört der Zukunft, obgleich 
ihr Verharren während zweier Jahre in südlichen Breiten, 
deren Isothermen denen Aegyptens nahe kommen, sie auch 
schon jetzt genügend von den Epidemien der früheren Pe¬ 
rioden unterscheiden. Aus dieser Uebersicht geht hervor, 
dass mit Ausnahme der Epidemie in der Krim, im Jahre 54, 
alle Epidemien, welche in unserem Vaterlande wie in den 
übrigen europäischen Staaten bis zum Jahre 65 auftraten, 
ihren Ursprung den Handelsbeziehungen zu Indien durch 
Vermittelung der Karavanen auf dem Landwege verdankten 
— und dass dagegen seit 65, Dank dem zu jener Zeit er- 
öffneten kürzeren Verbindungswege mit Bengalen durch das 
Rothe Meer (Suez-Canal) die Cboleraepidemien sich vor¬ 
zugsweise durch Verschleppung durch Schiffe ausbreiten 
und dass schliesslich die letzten Epidemien in den Jahren 
84 und 85 das reinste Beispiel einer Epidemie der letzteren 
Kategorie darstellen. 

Auf solche Weise können wir constatiren, dass alle Cho¬ 
leraepidemien, welche in diesem Jahrhundert in Europa ge- 
wüthet haben, zerfallen in 1) Land- oder Karavanenepide- 
mien — oder aber 2) See- oder Schifisepidemien. Der Un¬ 
terschied zwischen diesen beiden Arten der Cholera ist für 
jeden Beobachter in die Augen springend und in Bezug auf 
die Folgen, ihre Ausbreitung ausserhalb Indiens betreffend, 
ungeheuer. So zeichnet sich 1) die Karavanencholera durch 
ihre langsame, langwierige und hartnäckige Verbreitung 
aus, nicht nur über alle die Gegenden, welche von den Ka¬ 
ravanen berührt werden, sondern überall, wohin Leute ge¬ 
langen, welche unlängst in enge Berührung mit den Kara¬ 
vanen, ihren Rastorten oder Etappen gekommen waren, 
besonders wenn letztere bewohnt waren oder sich in ihrer 
Nähe eine Niederlassung befand. — Natürlich haben sowohl 
niedrige Temperatur, wie auch reichliche atmosphärische 
Niederschläge einen Einfluss auf das Erlöschen der Cholera, 
jedoch ist es aus dem Grunde schwer zu entscheiden — bei 
welchem Temperaturgrade der Luft oder des Bodens die¬ 
selbe erlischt, weil sie dem entsprechend, wie sie nach 
Norden fortschreitet, eine dünnere, weniger gedrängte Be¬ 
völkerung vorfindet, wodurch sie der Möglichkeit beraubt 
wird, ihre Herde zu bilden. Sie tritt vorzugsweise in der 
cyanotischen Form auf und bewahrt hartnäckig ihren ur¬ 
sprünglichen Typus. Dagegen wird 2) die Schiffscholera 
viel schneller und leichter, als die frühere, eingeschleppt 
und entwickelt sich in südlichen Gegenden, welche in ihren 


klimatischen Verhältnissen und der Temperatur des Bodens 
mehr der Ursprungsstelle — Bengalen ähnlich sind; da¬ 
gegen zeigt sie keine so hartnäckige Neigung sich nach dem 
Norden auszudebnen, wie die Karavanencholera, sondern 
beschränkt sich mehr auf die heissen, dem ersten Einschlep¬ 
pungsgebiet zunächstliegenden Gegenden. Indem sie häufig 
: unter dem Bilde der spastischen oder adynamischen Form 
1 auftritt, ist sie meistentbeils in der Entwicklung der cha¬ 
rakteristischen Erscheinungen atypisch, indem häufig bald 
das eine bald das andere Symptom fehlt. Ihr Anfall selbst 
ist kürzer als bei der früheren und je mehr die Epidemie 
sich dem Ende nähert, desto kürzer ist die algide Periode 
und desto schneller und unmerklicher der Uebergang der* 
letzteren in die typhoide Form. 

In wiefern eine solche Eintbeilung von praktischer Be¬ 
deutung ist, d. b. in wie weit die Vorhersage in Bezug auf 
die Verbreitung des Ansteckuugsstoffes bei beiden Formen 
verschieden ist, können wir sowohl aus der Geschichte der 
Epidemien, als auch aus der einfachen Analyse der Ver¬ 
hältnisse und Bedingungen ersehen, welche die Entwick¬ 
lung einer jeden ausserhalb ihrer Brutstätte — Bengalen 
— begleiten. Des leichteren Verständnisses wegen wollen 
wir aber die Bedingungen betrachten, unter welchen die 
Cholera in Unterbengalen als epidemische Krankheit, ohne 
Neigung zur Ausbreitung, verharrt und darauf unter 
welchen Verhältnissen sie zunimmt und eine pandemiscbe 
Stärke erlangt. 

Die Bewohner der Niederungen im Gebiete des Ganges- 
Delta und seiner Nebengewässer, des Hugly und Brahma¬ 
putra verharren, ungeachtet des Mangels an natürlichen 
Abflüssen, in den von ihnen bewohnten Oertlichkeiten hart¬ 
näckig bei ihrer primitiven Unsauberkeit Aus Furcht vor 
Ueberschwemmungen erbauen sie ihre Wohnungen auf 
künstlichen Erhöhungen, zu deren Aufführung sie die Erde 
den der zu errichtenden Wohnung zunächst liegenden 
Plätzen entnehmen, wodurch auf denselben tiefe Gruben 
Zurückbleiben, welche sich mit der Zeit in schmutzige 
Teiche verwandeln, Tanks genannt, deren Wasser die 
Einwohner benutzen, in welche sie, in Ermangelung natür¬ 
licher Abflüsse, sowie aus Sorglosigkeit nicht nur alles un¬ 
reine Wasser hineinleiten, sondern in denen sie auch ihre 
Wäsche und andere Dinge waschen, sich selbst baden und 
in welche sie sogar den Inhalt ihrer Retiraden entleeren. 
Begreiflicher Weise verwandeln sich solche Tanks bei der 
tropischen Hitze in Reservoire einer beständigen Fäulniss, 
welche leicht den lockeren Boden durchdringt und die Luft 
inficirt. Diese bevölkerten Strecken gehen allmälig, in der 
Richtung zum Meere sich senkend, in ein noch niedriger 
gelegenes und noch weniger bevölkertes Gebiet, den Sun¬ 
derban über. Die ausgedehnten Sümpfe des Letzteren, 
mit dichten Wäldern und einer üppigen Flora bestanden, 
weisen darauf hin, dass in ihnen die Bodenbestandtheile des 
Festlandes und süsses Wasser überwiegen; von solchem 
Verhalten überzeugt uns auch eine Süsswasser - Fauna, der 
Tiger nicht ausgeschlossen, dessen Bedürfniss ausschliess¬ 
lich süsses Wasser von ausgezeichneter Qualität ist. Men¬ 
schen leben im Sunderbau nicht wegen der dort grassiren- 
den bösartigen Fieber. Im Vorübergehen sei bemerkt, dass 
im Sunderban, in dessen Sümpfen die Fäulniss der Pflanzen¬ 
stoffe nie aufhört, die endemische Krankheit das Fieber ist, 
in seiner bevölkerten Umgegend aber, wo die Fäulniss thie- 
rischer Ueberreste und Abfälle vorwaltet — die Cholera. 
Unter gewöhnlichen Verhältnissen bleiben in den bewohnten 
Gegenden die faulenden organischen Abfälle und mensch¬ 
lichen Unreinigkeiten an Ort und Stelle und gelangen nur 
theilweise in die Flüsse, bei hohem Wasserstande im Ganges 
dagegen werden sie in bedeutenden Massen fortgeschwemmt 
und über die Sümpfe des Sunderban verbreitet. Es ist be¬ 
kannt, dasB die Cholera den epidemischen Charakter nach 
ihrer vorherigen Steigerung im Deltagebiet erhält, eine 
solche Steigerung erfolgt aber gewöhnlich einige Zeit nach 
Stürmen und Unwetter, welche mit einem starken Fluthen- 


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andrang vom Meere verbunden sind und langwierige Ueber- 
schwemmungen des Sunderban und seiner bevölkerten Um¬ 
gebung erzeugen. Während solcher StUrme verschleppen 
die Flussarme des Delta und ihre Zuflüsse die Unreinig¬ 
keiten und Choleraexcremente aus den bewohnten Gegenden 
über die ganze Niederung des Sunderban, in dessen unreinen 
Gewässern der Cholera-Mikrobe einen passenden Nährboden 
findet, bei dem Fluthandrange vom Meere aber erreichen 
die Wellen, sich mit den Fäulnissstoffen der Sümpfe und 
den Choleraexcrementen mischend, die bevölkerten Orte 
und führen ihnen bereits das Product einer doppelten Fäul- 
niss zurück. Beim Eintritt günstiger Witterung und der 
Ebbe bleibt ein Theil der unreinen Gewässer an deu nied¬ 
rigen Stellen in Lachen zurück, die in das Meer zurückflu- 
thenden Wellen aber schlagen einen guten Theil ihres un¬ 
reinen Inhalts auf dem sich aus dem Wasser erhebenden 
Boden nieder, der ohnehin schon von unreinen Wässern durch¬ 
tränkt ist. Begreiflicherweise fällt mit der beginnenden 
Austrocknung des Bodens das Grundwasser rasch und er¬ 
langt eine der Vermehrung des Cholera-Mikroben günsti¬ 
gere Concentration, das ist aber Alles, was die Theorie 
K o c h ’s und Pettenkofer’s für die weitere Entwick¬ 
lung der Cholera fordern. 

Durch eine solche Analyse der Folgen einer Ueberschwem- 
' inung mit darauffolgender Dürre innerhalb der Grenzen 
eines von einer Cholera-Epidemie betroffenen Gebietes, er¬ 
langt man die Ueberzeugung, dass die Steigerung einer 
Endemie und ihre Neigung zur epidemischen Verbreitung 
über die Grenzen des Herdes hinaus, unter den Bedingungen 
eines sehr complicirten Processes entsteht, der in einem, 
vom Choleragift schon durchtränkten Boden vor sich geht, 
welcher abwechselnd dem Einflüsse von Süss- und Meer¬ 
wasser ausgesetzt war, nach vorhergegangener Einwirkung 
desselben auf Süss- und Meerwasser-Flora* und -Fauna. Das 
Factum eines verderblichen Einflusses des Flusswassers auf 
die Erzeugnisse des Meeres und noch mehr des Meer¬ 
wassers auf die organischen Producte der Flüsse und Sümpfe 
ist von Alters her dadurch bekannt, dass Infectionskrank- 
heiten, welche an Flüssen in Thälern oder Sumpfgegenden 
auftreten, sich bedeutend steigern, wenn letztere an der 
Mündung in einem Delta gelegen sind, wo die Möglichkeit 
des häufigen Eindringens der Meereswellen in den Fluss 
gegeben ist. So sind z. B. die Infectionskrankbeiten in 
Ismail viel bösartiger als in Widdin und in Wien. Aus dem¬ 
selben Grunde traten nicht nur die Cholera, sondern auch 
die Pest in den früheren Epidemien, sobald sie an das Kas¬ 
pische Meer gelangt waren, bei Astrachan mit grösserer 
Heftigkeit auf, weil sie in deu Niederungen der Wolga neue 
Kraft zu ihrer weiteren Verbreitung erhielten. Aus dem¬ 
selben Grunde erlangt die Cholera in der Umgebung des 
menschenleeren Sunderban, nach Beendigung der Ueber- 
fluthung von Seiten des Meeres, beim Sinken des Grund- 
was&ers, eine grössere Fähigkeit zur pandemischen Ver¬ 
breitung, als in den Städten und Orten oberhalb des Delta’s, 
wohin die Meereswoge nicht gelangt. Dieses Factum der 
Steigerung der Infectionskrankbeiten an den Flussmün¬ 
dungen ist unumstösslich und um so bemerkbarer, je ge¬ 
ringer der Fall und je, niedriger die Ufer des Flusses bei 
seiner Mündung in’s Meer sind, d. h. je ausgedehnter sein 
Delta ist, aber in dieser Beziehung steht das Delta des 
Ganges einzig da, so dass von unseren Flüssen höchstens 
die Wolga einen schwachen Vergleich mit dem Ganges aus- 
halten kann. Daraus erklärt sich auch die häufigere Stei¬ 
gerung der Karavanencholera in Astrachan und ihre un¬ 
ausbleibliche Verbreitung von hieraus über Russland längs 
dem Wolga-Bassin. 

Der Hauptunterschied der beiden Flüsse besteht darin, 
dass der Boden und die Ufer der Wolga sandig und ihre 
Niederungen der Fieber wegen berüchtigt sind, während der 
Ganges einen schlammigen Boden hat, seine Niederung da¬ 
gegen — der Sunderban, eine sumpfige Gegend mit Damm¬ 
erde und einem Ueberfluss an pflanzlichen Ueberresten dar¬ 


stellt, in welcher bösartige Fieber herrschen; die oberhalb 
und ringsherum gelegenen Gegenden aber mit ebenso locke¬ 
rem Boden und einem Ueberfluss an organischer thierischer 
Substanz bilden einen beständigen Herd der Cholera. 

Wir wollen jetzt die Bedeutung der Karavanen in Bezug 
auf die Verschleppung der Cholera und die Potenzirung 
derselben untersuchen. Die Karavane mit ihren Arbeitern 
und Passagieren, den Kameelen und anderen Thieren, ihrem 
Hab und Gut, stellt ein fliegendes Lager dar, welches im 
Laufe mehrerer Monate, ehe es an den bestimmten Handels¬ 
platz gelangt, physische Anstrengungen, Einschränkungen 
und die Entbehrungen des Wanderlebens zu ertragen hat. 
Ihre umfangreiche Fracht besteht aus verschiedenen Han¬ 
delsartikeln, vorzugsweise dem Pflanzen- und Tiherreiche 
entnommen, in Ballen und Bündel verpackt. Ausserdem 
schleppt sie Schirmdächer, Zelte, Gegenstände der Ver¬ 
pflegung, Fourage, Trinkwasser mit sich. Dazu werden 
die Leute von Durst gequält aus Mangel an Wasser und 
Schatten, wodurch Erschöpfung erzeugt wird, während die 
übermässige Hautausdünstung Unsauberkeit und Krank¬ 
heiten begünstigt. Die Unsauberkeit der zur Karavane 
gehörigen Leute und der Pilgrimme ist fabelhaft. Wäsche 
und Kleider verbleiben auf unbestimmte Zeit in ihrem 
Schmutze; in Bündeln zusammengebunden enthalten sie or¬ 
ganische Schmutz- und Infectionsstoffe und sind in ihrer Art 
einer Zersetzung unterworfen. Beim Verlassen einer Cho¬ 
leragegend nimmt die Karavane Leute mit sich, welche die 
Cholera bereits überstanden haben und sich irriger Weise 
für vollständig genesen halten, sie nimmt auch solche mit, 
welche schon an Verdauungsstörungen leiden, aber in 
leichter Form und desshalb das Unwohlsein nicht beachten, 
endlich werden auch solche mitgenommen, welche sich ihres 
Krankseins bewusst sind, aber im Verlassen der Cholera- 
gegend den letzten Rettungsanker erblicken und sich darum 
nicht krank melden. Beim Mangel jeglicher Controle in 
der Karavane begeben sie sich mif letzterer auf die Reise, 
während welcher schwere Erkrankungen Vorkommen, sowohl 
der Zahl dieser drei Kategorien, als aus der Zahl der 
Passagiere, welche die Reise vollkommen gesund antreten. 

Falls die Choleraepidemie in der Karavane nach ihrem 
Einrücken in die Wüste ausbricht und sie länger als 20 Tage 
durch dieselbe ziehen muss, so erlischt die Epidemie von 
selbst, so dass die Karavane an ihren Haltpuncten ausser¬ 
halb der Wüste keine Kranken zurücklässt und die Orte, 
an denen sie rastet, nicht inficirt. So schleppen die Kara¬ 
vanen bei ihrem Auszuge aus Chiwa immer die Cholera mit 
heraus, aber wenn sie nach Orsk ziehen, bringen sie die¬ 
selbe nicht dahin, weil sie auf ihrem Wege nicht weniger 
als zwei Monate in der Wüste zubringen. Beim Passiren 
von Ansiedelungen werden die Karavanen an bestimmten 
Plätzen, den sogenannten Karavanserais untergebracht, an 
welchen sie Wasser und Verpflegung finden und die Kran¬ 
ken zurücklassen können, an deren Stelle sie die kaum Ge¬ 
nesenen aus der Zahl der Kranken aufnehmen, welche von 
früher vorübergezogenen Karavanen zurückgelassen waren. 

Auf solche Weise durchkreuzen hunderte von Karavanen 
aus Bengalen und anderen Provinzen Ostindiens, Mittel- 
Asien und Persien, gelangen an das kaspische Meer nach 
Astrachan und Orenburg, auch nach andern Handels-Cen* 
tren im Süd-Osten unseres Vaterlandes, wobei sie häufig 
Cholerakranke gegen unvollkommen von derselben Genesene 
umwechseln. 

Reine Erde ist ein kräftiges Desinfectionsmittel und der 
gewöhnliche Boden besitzt die Eigenschaft sich von den in 
ihn gerathenen, in Zersetzung begriffenen organischen Sub¬ 
stanzen zu reinigen, doch dazu sind Zeit und günstige Be¬ 
dingungen erforderlich. In der Wüste begünstigen die 
Trockenheit, Reinheit der Luft, die Reinheit der Erde selbst 
und die Hitze, nicht so sehr die Zersetzung als das Ver¬ 
trocknen der Cadaver. Die Infection irgend eines Ortes in 
der Wüste durch den Cholera-Mikroben ist auch desshalb 
schwierig, weil die Karavanen, obgleich sie iu der Wüste 



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Ihre bestimmten Haltpnncte haben, wie z. B. an Brunnen, 
Quellen oder in den selten auftretenden kleinen Oasen, doch 
häufig wegen unvorhergesehener Umstände, wie z. B. der 
Sandstttrroe, zu grosser Hitze, Erschöpfung und der plötz¬ 
lich, fast ohne Dämmerung hereinbrechenden Nacht, ge¬ 
zwungen sind, an anderen Orten zu rasten, deren Boden, 
wenn er auch einmal durch Infectionsstoffe verunreinigt 
wird, dann aber weitere Verunreinigungen nicht stattfinden, 
sich von denselben bald befreit 

Hunderte von Thatsachen sprechen dafür, dass auch an 
bewohnten Orten mit einem weniger reinen Boden, eine 
einmalige Verunreinigung mit Choleradejectionen an der 
Bevölkerung spurlos vorübergeht ebenso erzeugten auch 
wiederholte, aber in längeren Zwischenräumen auf einander 
folgende Verunreinigungen die Krankheit nicht während 
andererseits eine Oertlichkeit, welche lange für immun galt, 
nach einer neuen Verunreinigung, wenn dieselbe bei der 
Gegenwart einer geringen Feuchtigkeit geschah, sich inficirt 
und ihren Bewohnern verderblich erwies. 

Wenden wir uns wieder den Karavanen zu, welche zur 
Zeit einer Choleraepidemie bewohnte Gegenden durch¬ 
ziehen, so ist begreiflich, dass eine jede von ihnen, indem 
sie an ihren Haltpuncten Kranke in verschiedenen Stadien 
der Cholera zurücklässt, die an diesen Plätzen schon vor¬ 
handene Iufection noch verstärkt, oder wo dieselbe schon im 
Erlöschen begriffen war, sie von neuem anfacht. Indem die 
Karavane aber Kranke als genesen mitnimmt, bei denen 
der Process noch nicht abgelaufen ist, setzt sie sich und 
ihre Leute neuer Ansteckung auB. . In den Karavanserais 
ist der Boden immer aufs äusserete durch organische Sub¬ 
stanzen verunreinigt und deshalb findet sich in denselben 
bei jeder Einschleppung auf lange Zeit Ernährungsmaterial 
für die Vermehrung der Mikroben. Da aber die Verun¬ 
reinigung und Infection des Bodens in denselben beständig 
durch die sich häufig ablösenden Karavanen und die von 
ihnen zurückgelassenen* Kranken gesteigert wird, so wird 
unter BOlchen Bedingungen die Ansteckung potenzirt. Hier¬ 
aus ergiebt sich, dass die Karavanen auf allen ihren Zügfgk 
die Cholera-Mikroben verschleppen, ihre Rastpuncte aber 
— die Karavanserais — die Rolle grosser Herde von Cho- 
lera-Culturen spielen und als Stätten eines gegenseitigen 
Austausches derselben durch Vermittelung der Karavanen 
dienen. Auf solche Weise befördern die Karavanen, indem 
Bie langsam und in kleinen Tagmärschen immer weiter nach 
Norden vorrücken, unbemerkt die Zucht der Cholera-Cultur 
unter für dieselbe immer nachtheiligeren Bedingungen in 
Folge beständiger Veränderungen des Klima und der Bo¬ 
dentemperatur, wobei in Folge der beständigen Zufuhr neuen 
Materiales die Ansteckung nicht nur unterhalten, sondern 
noch potenzirt wird. Dabei muss berücksichtigt werden, 
dass beim Fortschreiten gegen Norden eine viel bedeuten¬ 
dere Abnahme der Temperatur der Luft, als der des Bodens 
stattfindet, dass aber von der letzteren mehr, als von der 
ersteren die Vervielfältigung des Ansteckungsstoffes abhängt. 
Diese Bedingungen des beständigen Eintausches neuer Cul- 
turelemente und des langsamen Vordringens der Einschlep¬ 
pung erklären wie es scheint zur Genüge die Acclimatisi- 
rung der Cholera an fern von ihrer Brutstätte gelegenen 
Orten, ihr Verharren in der ursprünglichen Form und Kraft 
und ihre Fähigkeit bis in den ferneren Norden vorzudringen. 

Jetzt ist es verständlich, warum die Cholera, welche Bich 
am Ende der 20ger Jahre durch Karavanen von Bengalen 
aus über Ostindien und Mittel-Asien verbreitete, erst im 30. 
nach Astrachan und Polen, im 31. nach Petersburg und 
Finnland gelangte und bis 37. fortfubr die übrigen Gegen¬ 
den Europas zu verheeren. (Schluss folgt.) 


Referate. 

Koch (Heidelberg): Ueber Desinfection der Scheiden¬ 
tampons. (Centralbl. f. Gynäkol. J* 39, 1885). 

Der Uebelstand, dass man Tampons, welche wegen Metrorrhagien 
angewendet werden, nicht lange in der Scheide Segen lassen kann 


ohne eine Infection der Kranken aus dem bald in Fäuiniss überge¬ 
henden blutigen Inhalt des Tampons zu riskiren, hat K. veranlasst 
genaue Untersuchungen darüber anzustellen, welche Desinfectious- 
mittel für solche Fälle als zuverlässig anzusehen seien. Er ist dabei 
zu folgenden Schlüssen gelangt: 1) aus dem Geruch des Tampons 
kann kein Schluss auf Bacterien gezogen werden, da dieselben auch 
in geruchlosen Tampons gefunden wurden; 2) unbrauchbar sind 
Sublimat (weil es durch das Bluteiweiss gebunden wird), Jodoform, 
Borsäure; unzuverlässig 1 % wässrige Carboisäurelösung und 10 % 
Carbolsäureglyceprin; zuverlässig sind 2,5—5% wässrige Carbol- 
säurelösung, 5—10% alcoholische Salicylsäurelösung, die nur den 
Uebelstand haben, dass sie zugleich ätzend wirken, und namentlich 
die essigsaure Thonerde, welche ihrer Milde wegen der Carbolsäure 
wohl vorzuziehen sein dürfte, von der Vf. aber leider nicht angiebt 
in welcher Concentration er sie angewandt hat. — t. 

G. J. T i g e r: Einige Worte über die Ernährungsverhält¬ 
nisse der 10. Infanterie-Division für das Jahr 1884. 
(Wojenno Med. Journal 9. Heft, September 1885). (Russisch). - 

Der Autor entwickelt in dieser Schrift seine Meinung über die Un¬ 
zulänglichkeit der in der russischen Armee üblichen Ration der Sol¬ 
daten, da er als Mitglied einer zur Erforschung dieser Frage im 
Warschauer Militär-Kreise eingesetzten Commission Gelegenheit 
gehabt hat genau den Gegenstand kennen zu lernen. Die Aller¬ 
höchst bestätigte Ration nähert sich sehr der vom physiologisch¬ 
chemischen Standpunct bestimmten Normal-Ration, und ist auch 
durch einen Befehl des Kriegsministers vom 29. März 1882, Ji 543 
zur strengen Beachtung allen Truppentheilen empfohlen worden, 
doch ist sie leider nicht durchführbar, da sie die den Truppen abge¬ 
lassenen Kostgelder übersteigt, und dann hat sie den Mangel, dass 
bei ihr die Gabe von 3 Pfd. Roggenbrod beibehalten ist. Der Autor 
führt die 7 Rationen an, die von der Commission zusammengestellt 
sind, leider aber nur kurze Zeit zur Anwendung gekommen sind, da 
sie zu theuer wareu, und zeigt an vergleichenden Tabellen mit den 
Rationen der Armeen anderer Staaten, wie scheinbar reich der Nähr¬ 
werth unserer Rationen ist, wenn man die Zahlenwerthe der einzel¬ 
nen Bestandteile neben einander stellt. Doch leider ist das eine 
Täuschung, die bei dem Vergleich der Ziffern für sich auftritt. Geht 
man näher auf die Sache ein, so findet man, dass dass Eiweiss un¬ 
seren Soldaten zum grössten Theil durch die 3 Pfd. Roggenbrod ge¬ 
boten wird. Nun ist aber das Roggenbrod ein solches Nahrungsmittel, 
welches unverdaut durch den Magen-Darmcanal durchgeht, wie es 
vielfach bewiesen ist (Voit, Bischoff, Panum, Dr. Ga- 
wrilko und Andere) und wobei andererseits der Umstand in Be¬ 
tracht kommt, dass die Minderzahl der Soldaten nicht 3 Pfd. Brod, son¬ 
dern höchstens 2 Pfd. Brod täglich essen, wodurch 34Grm. Eiweiss, 

6 Grm. Fett und 177 Grm. Kohlenhydrat in Abzug kommen. — Nach 
P a v y soll die Fleischkost -J-, nach Kirchner */»—der ganzen 
Kost eines Soldaten in Friedenszeiten betragen. Unsere Soldaten 
erhalten während 104 Monaten V» Pfd. Fleisch und nur während der 
Lagerzeit \ Pfd., und dieses noch ohne Abzug der Knochen, Sehnen 
etc., so dass von dem */* Pfd. wohl nur '/* Pfd. nachbleibt-(in Frank¬ 
reich 250 Grm. Fleisch, England 350 Grm., Nordamerika 566 Grm.); 
es ist die Fleischgabe zu gering, und ebenso nach Verfasser die Fett¬ 
gabe der Ration. Der Raum erlaubt nicht auf die interessante und 
auf Thatsachen beruhende Arbeit näher einzugehen, doch können 
wir nur wünsche», dass dieselbe in weiteren competenten Kreisen 
bekannt werde und zur Abänderung der ihrem Nahrungswerth nach 
ungenügend zusammengestellten Soldaten-Rationen, durch die hun¬ 
derte tüchtige jugendliche Kräfte zu Grunde gehen, führen möchte. 
Man vergleiche nur die Listen der Morbilität' und Mortalität in un¬ 
serer Armee : mit die Hauptstelle nehmen die Erkrankungen des 
Magen-Darmcanals ein, und an denselben trägt zum grossen Theil 
die ungenügende, schon den verschiedenen klimatischen Verhält¬ 
nissen des russischen Reiches nicht angepasste einseitige Nahrung 
der Soldaten bei. —i— 

Kassowitz und Hochsinger: Ueber einen Mikro¬ 
organismus in den Geweben hereditär-syphilitischer 
Kinder. (Wien. med. Bl. 1886. 1. 2. 3.) 

Verf. haben bei 5 hereditär syphilitischen Kindern constant einen 
Mikroorganismus angetroffen und zwar sowohl in der Haut (bei Pem¬ 
phigus), als auch in der Leber, im Pankreas und Knochengewebe. Es 
sind das Streptokokken, die in Ketten angeordnet liegen. Nie 
haben Vff. die von Lustgarten in primär-syphilitischen Ge¬ 
schwüren beschriebenen und vielfach bezweifelten Stäbchen ge¬ 
troffen. Diese Kokken waren blos mit der Gram ’scben und einer 
von den Vff. modificirten ähnlichen Färbungsmethode nachzuweisen, 
während die E h r 1 i c h ’sche und ähnliche im Stiche Hessen. Sie 
liegen in grosser Menge in den feineren und feinsten Capillaren und 
zeichnen sich dadurch von anderen pathogenen Mikroorganismen 
z. B. den Tuberkelbacillen, aus, dass sie nie in die Zellen selber 
(z. B. in Blutkörperchen, Riesenzellen, Myeloplaxen etc.) eindringen, 
sondern um dieselben herum gelagert sind. Sie fanden sich vor¬ 
wiegend im Bereiche der reactiven Entzündungsprocesse und sind 
in den Producten der bereits abgelaufenen Entzündung und in den, 

| der Nekrobiose anheimgefallenen Gewebstheilen zum grössten Theil 
wieder geschwunden. —s. 


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101 


D’M o n t e: Wasserscheu geheilt durch Chloroform. (Brit. 
med. Jonrn. H 1311). 

Ein l§jähriger Hindu (Bombay) war 2 Monate vor seiner Erkran¬ 
kung von einem mutbmasslich (!) tollwüthigen Hunde in die Wade ge¬ 
bissen worden; 3 Narben waren an der betr. Stelle sichtbar. Er 
erkrankte nach einer unruhigen Nacht unter Angst, Unruhe und fort¬ 
währendem Spucken eines zähen Schleims, wobei er oft aufechrie. 
Luftzug schien ihn nicht zu belästigen, wohl aber Lärm ; Getränk 
wies er ängstlich zurück. — Er erhielt Chloroforminhalationen alle 
4 Stunde eine Nacht hindurch, jedesmal etwa $; im Ganzen wurden 
Axn verbraucht. Am andern Morgen fühlte er sich wohl und 3 
Tage später nahm er seine Arbeit wieder auf. - o— 

BOcher-Anzeigen und Besprechungen. 

H. t. Hebra: Die Elephantiasis Arabum. wiener minit 
Hefte VHI—IX, 284 pag. 

Die vorliegende Monographie, wenngleich vorherrschend eine 
Compilation, gebärt zu den besten, kürzeren 4 ) Arbeiten, die wir 
über Elephantiasis gelesen haben, und können wir sie jedem Colle- 
gen, der sich mit der betreffenden Frage bekannt machen will, aufs 
Wärmste empfehlen. 

Nach einer ausführlichen geschichtlichen Einleitung, welche auch 
den Unterschied der E. A. als Pachydermie von der Lepra, die 
fälschlich auch Elephantiasis Graecorum genannt wurde, scharf 
markirt, giebt Vf. klar und übersichtlich eine Darstellung der Ent¬ 
stehung, der Anatomie und des Verlaufes der Erkrankung, illustrirt 
durch zahlreiche, instructive Abbildungen und zum Schluss werden 
Pathogenese und Therapie ausführlich besprochen. Vf. ist der An¬ 
sicht, dass man als aetiologische Momente verschiedene Einflüsse 
gelten lassen müsse, sowohl parasitische, wie auch entzündliche 
Beize, welche schliesslich zu demselben Resultat, der Bindegewebs- 
Wucherung führen. p. 

S. Kröger: Die wissenschaftlichen Grundlagen der mo¬ 
dernen Hydrotherapie. Mitau 1886 V. Felsko (Fr. Lucas). 
57 Seiten. 

Kursgefasste, doch alles Nothwendige enthaltende Zusammen¬ 
stellung der modernen hydrotherapeutischen Methoden, welche sich 
hauptsächlich auf die bedeutenden Untersuchungen von Winter- 
n i t z stützt und zu rascher Orientirung über Indicationen und 
Contraindicationen, und die physiologische Wirkung der einzelnen 
hydrotherapeutischen Proceduren sehr eignet. H z. 

H e i b e r g (Christiania): Schema der Wirkungsweise der 
Hirnnerven. Wiesbaden 1885, Bergmann. 

Die vorliegende Doppeltafel ist zunächst für Studirende bestimmt, 
welche sich in den anscheinend so schwierigen Verhältnissen der 
Wirkungsweise der Hirnnerven zurecht finden wollen; dann soll sie 
auch dem praktischen Arzte in zweifelhaften Fällen eine rasche 
Orientirung darbieten. Die Wirkungsweise der Hirnnerven wird 
für die motorischen durch Roth, für die sensitiven durch Gelbbraun, 
für die spezifischen Nerven durch Blau angegeben und ist diese An¬ 
ordnung eine recht übersichtliche und technisch gut ausgeiührte. 

Hz. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

Sitzung vom 7. Januar 1886 . 

1) Dr. S t o 11 (Gast aus Warschau) deroonstrirt dem Verein den 
von ihm erfundenen *HodeUrepan* (Hhychanotrepan), welcher 
durch Drehen eines Räderwerkes nebst amerikanischer Transmission 
in Bewegung gesetzt, je nach Belieben als Trepan und als Knochen¬ 
hobel benutzt werden kann und den grossen Vorzug besitzt, dass 
sämmtliche abgehobelten Knocbentheile sich im Innern des Qylinder- 
förmigen Instrumentes ansammeln, also nicht in der Wunde bleiben 
können. Mit dem genannten Instrument kann man leicht jede 
Knochenoperation ausführen. Ferner zeigt S. eine Reihe Zeich¬ 
nungen aus einem zur Veröffentlichung bestimmten Atlas der 
Trepanationsinstrumente, welcher Abbildungen aller seit dem Alter¬ 
thum zur Trepanation benutzten Instrumente enthält. 

2) Dr. phil. B i e 1 (Gast) hält einen zum Druck bestimmten Vor- 

trag ^ ef jr die Kumyss enthaltenen Eiweissstoffe. 

3) Dr. K e r n i g theilt einen Icdl von primärem Nieren-Car- 
emom mit und demonstrirt das bei der Section erhaltene Präparat. 

^ en ^ D t 55 J. alt, trat am 13. Sept. 1885 ins weibliche 
Obucbowhospital ein, nachdem sie angeblich seit dem März krank. 
Man fand bei der sehr elenden Patientin in der linken Hälfte 
des sehr schlaffen Uhterleibes eine umfangreiche, höckrige Ge¬ 
schwulst, deren hintere Fläche jedoch ziemlich glatt. Sie war 

*) Natürlich lässt sich kein Vergleich ziehen mit dem kürzlich 
erschienenen Prachtwerke: <Die elephtmtiastischen Formen *, her¬ 
ausgegeben vonEsmarchundKulenkampf, welches28zum 
Theil chromolithographirte Tafeln enthält und zum Theil von dem 
Verf. bei der vorliegenden Arbeit wohl benutzt worden. Ref. 


nach vorn und nach rechts bis an den Nabel beweglich, nicht .mit 
der Haut verwachsen. Ihre Lage entsprach einer beweglichen 
linken Niere und reichte sie bis zur Spina ant. sup., war ca. 14 Ctm. 
lang und 13 Ctm. im Durchmesser. Die übrigen Organe waren un¬ 
verändert, die Milz liess sich abgrenzen, ihr vorderes Ende war 
fühlbar, per vaginam konnte man Uterin- und Ovariahtumoren 
ausschliessen. Am inneren Rande des Tumors, zum Nabel hin lag 
eine Darmpartie, welche als Colon descendens angesproeben werden 
konnte. Die Diagnose auf Nieren-Carcinom liess sich leicht stellen. 
Während nun Pat. im Hospital lag, nahm der Tumor stetig zu. 
Ein operatives Vorgehen wurde wohl erwogen, jedoch wegen zu 
starker Erschöpfung der Pat. davon Abstand genommen. Einige 
Umstände wären noch hervorzuheben. Im Harn wurde trotz fast 
täglicher Untersuchungen kein einziges Mal Blut gefunden. Des¬ 
gleichen bestand anfangs keine Albuminurie und nur erst in den 
letzten Wochen trat sie ein. Ferner konnte man keinen Grund 
dafür finden, dass Pat. immer dazwischen fieberte. Pat. ging 
langsam marantisch zu Grunde. 

Die vorgenommene Section am 6. Januar 1886 bestätigte die 
Diagnose vollkommen. Es handelte sich in der That um ein link¬ 
seitiges Nierencarcinom von seltener Grösse, nur das obere Drittheil 
der linken Niere war erhalten. Die oben erwähnte Darmpartie 
erwies sich nicht als Colon descendens, sondern als der aufsteigende 
Schenkel des eine Schlinge nach unten bildenden Colon transversum, 
während das C. descendens unterhalb des Tumors und nach aussen 
zu liegen kam. Ferner fand man eine Erklärung für die Fieber- 
anfälle in zerfallenen Krebsknoten der Lunge. Auf dem Peritonaeum 
sassen ebenfalls 2 kleine Knoten. In der Vena renalis sass ein deut¬ 
licher krebsiger Thrombus. 

Anknüpfend an diesen Fall theilt K. noch einen 2. Fall von Nie¬ 
rencarcinom mit, welcher dadurch besonders bemerkenswert^ dass 
Pat. sich temporär soweit erholte, dass die Diagnose zeitweilig 
wieder angezweifelt werden konnte. Es handelt sich um Dr. N., 
welcher 1881 im Frühling mit heftiger Haematurie erkrankte. K. 
fand einen Tumor, den er als Nierencarcinom ansprach. Zu erwäh¬ 
nen wäre noch, dass jede etwas eingehendere Palpation des Tumor 
stets wieder Haematurie hervorrief. Pat. zog sehr herabgekommen 
aufs Land und kehrte im Herbst in einem geradezu «blühenden 
Zustande» zurück. Im Februar 1882 jedoch fing der Marasmus 
wieder an und gesellte sich zum sonstigen Leiden noch ein sehr 
hartnäckiger Bronchialcatarrh. Pat. starb im Mai 1882 und die 
Section ergab ein primäres Nierencarcinom mit secundären Knoten 
in der Leber und der Lunge* (daher der Bronchialcatarrh.) 

4) Dr. W u 1 f f: Zu derselben Zeit, wie College Kernig auf 
der weiblichen Abtheilung des Obuchowhospitales den uns heute 
mitgetheilien Fall beobachtete, lag auch bei mir, auf der männliohen 
Abtheilung ein ähnlicher Fall (57j. Holzflösser von kräftigem Kör¬ 
perbau und sehr reducirtem Ernährungszustände, vom 24. October 
bis 3. December 1885) zur Beobachtung. Er wurde mit der Dia¬ 
gnose Paraplegie aufgenommen. Bei der Untersuchung fand ich 
Oedem der unteren Extremitäten, etwas Ascites und eine Asym¬ 
metrie des Unterleibes, dessen rechte Hälfte etwas fassförmig vor¬ 
gewölbt schien. Die Palpation ergab einen harten Tumor zwischen 
den Rippen und dem Os ilei liegend, der sich in die Lendengegend 
hinein verlor. Er war verschiebbar, hatte eine stumpfe Spindelform 
und war üöckrig. Die Leber konnte deutlich vom Tumor abgegrenzt 
werden. Es war also ziemlich klar, dass man es mit einem Nieren¬ 
tumor zu thun habe. Das Colon ascendens liess sich herauspercu- 
tiren. Die Diagnose «Paraplegie» war darauf hin gestellt worden, 
dass Pat. nicht auf seinen Füssen stehen konnte (Schmerzparese). 
Bemerkenswerth ist die Anamnese. Pat. hat vor ca. 1 Jahr einen 
Fusstritt in den Unterleib erhalten und seither datiren die bestän¬ 
digen Schmerzen im Unterleibe und seit dem Mai 1885 bekam er 
das Gefühl der Schwere in demselben. Im August hatte er einen 
Tag lang Blutharnen. Bei seiner Aufnahme war die Harnmenge 
etwas vermindert, stieg jedoch bald bei ruhiger Lage auf 2000 Ccm. 
Weder Eiweiss noch Formelemente fanden sich im Harn. 

Auf die Proposition, die Geschwulst zu operiren, ging Pat. nicht 
ein. Nachdem Pat. jedoch längere Zeit im Hospital gelegen und 
sehr heruntergekommen, bat er selbst um die Operation, da ihn 
arge Schmerzen plagten, doch nun musste von einem operativen 
Eingriff Abstand genommen werden, denn die Kräfte waren zu 
schwach und die Geschwulst war bedeutend gewachsen, namentlich 
hatte sich ein Fortsatz zur Mittellinie hin gebildet. Pat. verliess 
das Hospital. 

Bezüglich einer Bemerkung K e r n i g 's, dass secundäre Nieren- 
carcinome weniger bedeutende Dimensionen annehmen, führt Wulff 
einen Fall von Carcinom; der Nebennieren an, in dem die Nierenmeta¬ 
stasen bedeutende Grösse erreichten und in den Darm hinein wucher¬ 
ten. Auch Dr. Petersen hat einen Fall von Gallenblasenkrebs 
mit bedeutendem secundärem Nierenkrebs gesehen. 

Secretair: Dr. 0. P e t e r s e n. 

). Congress russischer Aerzte. 

Section für Hygiene und gerichtliche Medicin. 

III. 30. December. Präsident: Dr. Schijachtin. 

1) Dr. W eb er (St. P.): «Ueber klimatische Curorte am Süd¬ 
ufer der Krim, von Balaklawa bis Aluschta». Am geeignetsten für 


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den Winteraufenthalt sind: Lasti, Limenj, Simen*, Alapka, Jalta 
und dessen Umgebung, als äusserster Punct Gur-Suf; für Bergsta¬ 
tionen giebt es mehrere, in verschiedenen Theilen des Höhenzuges 
befindliche sehr geeignete Thfiler. 

2) Dr. Weber (St. P,): «Ueber die Wichtigkeit der Gründung 
von Kinderheilcolonien bei den rassischen Carorten». 

3) Dr. H e n r i c i (Helsingfora): € Bestätigung der Pettenko- 
f e r ’schen Theorie durch die von den, in Finnland aufgetretenen 
Choleraepidemien gelieferten Thatsachen». 

Die Cholera verbreitete sich in Finnland, wie aus einer ad hoc 
ausgearbeiteten Karte des Landes ersichtlich war, nicht Über Orte, 
welche höher als 100 Fass über dem Meeresspiegel gelegen waren, 
mit Ausnahme von Tawasthus (277'). Dabei bilden die Moränen 
Salpaun-Selke und Ohjan-Selke diejenige Grenze zwischen der Ufer¬ 
niederung des finnischen Meerbusens und dem übrigen Theile des 
Landes, welche von der Cholera nicht überschritten wurde. Ta¬ 
wasthus liegt zwar ausserhalb der angeführten und anderer Morä¬ 
nen, aber sehr tief unterhalb des Spiegels der ihm nächstgelegenen 
Seen. 'Betroffen wurde besonders die schmale, tiefliegende Ufer¬ 
linie mit den Städten und Gemeinden am bothnischen uud finnischen 
Meerbusen nur bis zu den ersten Moränenspuren oder den nächsten, 
150 J oder zuweilen 150 Meter über dem Meeresspiegel liegenden 
Höbenzügen und nur die Reihe von Orten mit einer Bevölkerung von 
150,000—180,000 Einwohnern, während der Rest dieser letzteren 
(1,850,000) verschont blieben. Bemerkenswerth ist, dass die Cho¬ 
lera nur Handelspuncte ergriff, deren Bewohner schon längst die 
altgewohnte, traditionelle Lebenssitte verlassen hatten, die Kalja 
(ein saures, moussirendes Getränk aus Buttermilch, Milch oder 
leicht angesäuerten Roggenfladen bereitet) nicht mehr tranken und 
durch geistige Getränke und Bier ersetzten. Die umliegenden 
Aöcker wurden nicht mehr gedüngt, die Wohnungen wurden enger 
und schmutziger (der Bauer hat gewöhnlich zwei Hütten, eine für 
den Winter und eine für den Sommer), grössere Strecken Waldes 
wurden nicht mehr ausgebrannt, Theer und Harz nicht mehr ge¬ 
wonnen und das Vieh in der Nähe der Wohnungen nicht mehr be- 
räuchert. — Das russische Militär litt von der Cholera weniger, als 
die eingeborene Bevölkerung, weil es nach Ansicht des Referenten 
in seiner Nahrung 4 saure Stoffe erhält: Sauerkohl, angesäuerte 
Runkelrüben, Kwass (aus Brod bereitetes gegohrenes Getränk) und 
säuerliches Roggenbrod ; als 1855 ein Mangel an diesen Nahrungs¬ 
mitteln eingetreten war, erlosch nicht nur nicht die Choleraepi¬ 
demie, sondern entwickelte sich solche local von Neuem in den 
Hospitälern, Lazarethen und Kasernen der Trappen, während in 
diesem Zeiträume (20 Monate) das Land von der Cholera verschont 
blieb. Von grossem Einflüsse auf den günstigen Verlauf der Epi¬ 
demien war die Energie und die Achtung vor SanitätsmMZsregeln 
in dem intelligenten Theile der Bevölkerung, welche eine natür¬ 
liche Reinigung des Landes vor dem Auftreten der Cholera 1866 
ermöglichten; die Desinfection der angeseuchten Ortschaften liess 
die Krankheit bald schwinden. 

4) Dr. Mendelejew (Jekaterinoslaw): «Ueber ärztliche Hülfe- 
leistung bei Erkrankungen und Unglücksfällen auf Eisenbabnzügen». 

Ref. schlägt folgende Maassregeln vor: 

a) Jeder Passagierzag muss von einem Feldscheerer begleitet 
werden. 

b) Auf jedem Passagierzuge muss, ausser Betten ersetzenden 
Tragbahren, eine Reiseapotheke vorhanden sein. 

c) Bei jedem Stationschef muss eine Handapotheke für die erste 
Hülfeleistung vorhanden sein. 

d) Auf den Stationen, in deren Nähe Eisenbahnärzte wohnen, 
müssen besondere Empfangszimmer für etwaige Kranke vorhanden 
sein. 

e) Für den Fall eines Eisenbahnunglücks muss an den Wohnorten 
der Eisenbahnärzte wenigstens ein Waggon mit der nöthigen Ein¬ 
richtung zum Verwundetentransport nebst den nöthigen chirurgi¬ 
schen und therapeutischen Hülfsmitteln den Aerzten zur Verfügung 
stehen. 

f) Die Eisenbahnverwaltungen mögen sich mit den nächstwoh¬ 
nenden Aerzten in Verbindung setzen, damit Bie vorkommenden 
Falles bei Eisenbahnkatastrophen helfend eintreten: es können 
Landschafts-, Stadt- und frei prakticirende Aerzte sein. 

g) Um dem Reisepublicum die ärztliche Hüife zugänglich zu 
machen, müssen in allen Wartesälen und Waggons entsprechende 
Bekanntmachungen ausgehängt sein, welche ausserdem die Namen 
der von Eisenbahnärzten, Hebammen und FeldBcheerern bewohnten 
Stationen enthalten müssen. 

Ausserdem hält Ref. die Besprechung folgender Fragen für sehr 
wünschenswerth; 

' a) Der ärztliche Dienst auf den Eisenbahnen muss in Bezug auf 
die Interessen des Allgemeinwohls selbständiger werden und in me- 
dicinisch-sanitärer Beziehung der Regierungscontrole unterstellt 
werden. 

b) Sehr wünschenswerth wäre die Herausgabe eines allgemeinen 
sanitären Statuts für alle russischen Eisenbahnen, in welchem die 
Stellung, die Rechte und die Pflichten des medicinisch - sanitären 
Eisenbabnpersonals scharf präcisirt werden. 

c) Der Rayon der Thätigkeit eines Eisenbahnarztes darf nicht 
mehr als 100 Werst Bahn betragen und nicht mehr als 2£ Tausend 
Menschen umfassen. 

d) Es müssten besondere Arten von Passagierwaggons und eine 


eigene Desinfectionsmethode dieser bestimmt werden mit Berück¬ 
sichtigung der Statistik und der Maassregeln gegen Verbreitung von 
Krankheiten durch die Eisenbahnen. 

e) Alle Eisenbahnverwaltungen sollten Sanitätsberichte einliefern. 

f) Sehr zweckmässig wären periodische Zusammenkünfte der 
Eisenbahnärzte. 

Discussion. Dr. Uwarow(M.) schlägt eine Verallgemeine¬ 
rung der von einer durch die Tula’sche Gouvernementslandschafts- 
versammlung 1883 eingesetzten Commission ausgearbeiteten Maass- 
regeln für Desinfection und Evacuation während einer Choleraepi¬ 
demie vor und dass die, einen Status in statu darstellenden Eisen - 
bahnverwaltungen zur Annahme dieser Maassregeln gezwungen 
werden sollten. Diesem Mangel an Einverständnis zwischen den 
örtlichen Landschaften und den Eisenbahnadministrationen könnte 
auf zwei Wegen abgeholfen werden. Erstens könnten die Eisen¬ 
bahnärzte als Mitglieder der sanitären oder ärztlichen Conseils bei 
den Gouvernementslandschaftsämtern fungiren, oder sich dort, wo 
solche Conseils nicht bestehen, mit den Kreis- oder Gouvernements¬ 
landschaftsämtern in Verbindung setzen, wobei aber die Eisenbahn - 
verwaltungen oder irgend eine andere Instanz zu vermeiden sind« 
Zweitens könnten die Gouvernementslandschaftsämter von den, in 
ihrem Bezirke befindlichen Eisenbahnstrecken eine gewisse Werst¬ 
steuer zum Besten der sanitären und medicinischen Thätigkeit er¬ 
beben und aus den so gewonnenen Mitteln den Unterhalt einer ge¬ 
wissen Anzahl specieller Eisenbahnärzte bestreiten. U. schlägt vor, 
die Berathung des Vorschlags von Dr. Mendelejew und des sei- 
nigen einer Commission zu überweisen, welche ihre Beschlüsse dem 
nächsten Congresse vorlegen soll. Ref. lenkt die Aufmerksamkeit 
der Section auf den ungenügenden Zustand der Stationen und beson¬ 
ders der Waggons, was durch die zu wählende Commission auch 
berathen werden könnte. 

Dr. Herzenstein (St. P.) theilt mit, dass er an den Arbeiten 
der Sanitätscommission beim Ministerium der Wegecommunicationen 
Theil genommen habe. Diese hat ein ärztliches Normalstatut für 
alle russischen Eisenbahnen ausgearbeitet, welches nach endgültiger 
Redaction allen Eisenbahnverwaltungen und -Aerzten zugeschickt 
und nach Berücksichtigung der von diesen eingelaufeneu Ansichten 
dem Reichsrathe zur Bestätigung vorgestellt werden soll; in diesem 
Statut sind alle Wünsche Dr. M e n d e 1 e j e w 's vorgesehen. Die Ab¬ 
grenzung des Rayons der ärztlichen Thätigkeit begegnete so viel 
Schwierigkeiten, dass sie der Vereinbarung zwischen der örtlichen 
Inspection und der Eisenbahnverwaltung anheimgestellt wird. 

Prof. Dobroslawin meint, dass das System der Theilung der 
Gewalten, welches im Anfänge unserer Geschichte so grosses Unheil 
anstiftete, auch jetzt nach 1000 Jahreu fortbestehe; die Aerzte 
dienen in verschiedenen Ressorts und wenn dieser Umstand der 
ärztlichen Thätigkeit nicht schadet, so hemmt er die sanitäre, welche 
durchaus von einem Centrum aus geleitet werden muss; die Com¬ 
mission müsse diesen Pnnct scharf in’s Auge fassen. 

5) Dr. H e n r i c i (Helsingfors): «Ueber den Unterschied zwischen 
der Schiffs- und Karavanencholera im Sinne der pandemischen Ver¬ 
breitung der Cholera.» 

6) Dr. L i p s k i (St. P.): «Ueber den Werth der verschiedenen, 

in Petersburg verkäuflichen Pepsinsorten. > f 

Aus Versuchen im Laboratorium des Prof. Dobroslawin er- 
giebt sich, dass die beste Sorte das Pepsinum rossicum solubile, dann 
das von B o n d a u 11 und Witte sei; der beste Pepsinwein sei 
gleichfalls der russische. Analysirt wurden ein Jahr alte Präparate. 

7) Dr. B e r t e n 8 o n (St. P.). Das Ministerium der Wegecom¬ 
municationen schlägt dem Congresse vor, die auf der Tagesordnung 
im Ministerium stehende Präge über Flussregulirung in ihrer sani¬ 
tären Bedeutung zu discutiren und folgende Sätze zu besprechen : 
1) Die Regulirung der Flüsse vermindert die Schwankungen im 
Niveau des Grundwassers und verbessert dadurch die Gesundheits- 
Verhältnisse, indem sie die Bedingungen für das Auftreten von Epi¬ 
demien verringert; 2) der Gefahr einer Abnahme der Feuchtigkeit 
iu den Niederungen kann dadurch vorgebeugt werden, dass Abdäm¬ 
mungen nur in Orten mit starker Bodenneigung vorgenommen wer¬ 
den, während sie in niedrig gelegenen Oertlichkeiten den Austritt 
des Wassers über die Ufer vermindern und eine Drainirung solcher 
Gegenden gleichzeitig das Niveau des Wassers in Flüssen regulire. 

Die Section beschloss wegen Maugel an Daten über den Einfluss 
der Abdämmungen von Flüssen den Wunsch auszusprechen, dass die 
in dieser Frage interessirten Personen eine möglichst grosse Anzahl 
von Thatsachen sammeln möchten, welche den sanitären Einflass 
solcher Abdämmungen klar stellten. H z. 


Vermischtes. 

— Bei dem vor Kurzem in der Conferenz der militär-medicini- 
schen Academie stattgehabten Ballotement behufs Besetzung der 
Vacanz eines ausserordentlichen Professors soll keiner der vier 
Professor-Acyuncte die nöthige Majorität der Stimmen erhalten 
haben. 

— Mit Genehmigung der Conferenz der Academie haben sich 
Dr. Jakubowitsch (Ordinator an der Klinik des Prof. B y 8- 
t r o w) und Dr. Kowalkowski (Assistent von Prof. Dobro¬ 
slawin) als Privatdocenten an der militär-medicinischen Aca¬ 
demie habilitirt und zwar ersterer für Kinderheilkunde, letzterer 
für Hygiene. 


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103 


_ Der ausserordentliche Professor der Chirurgie au der Univer¬ 
sität Kasan, Dr. N. B o g o 1 j u b o w ist zum ordentlichen Profes¬ 
sor ernannt worden. 

— Der Oberarzt des Militärhospitals in Bobruisk, Dr. Masa- 

n o w s k i, welcher bereits früher ein Mal der medicinischen Unter- 
stützungscasse 300 Rbl. geschenkt, hat neuerdings wiederum 200 
Bbl. zum Besten dieser Casse gespendet. (Wr.) 

— Verstorben : 1) In St. Petersburg der Ordinator des Heb« 
ammen-Instituts der Grossfürstin Katharina Michaüowna — W. 
Penkowski. 2) Am 1. März in Kiew der frühere Sanitäts- 
arst und Secretär der Militär-Medicinalverwaltung des Kiew’schen 
Militärbezirks Dr. T. M a k o w e z k i. Der Verstorbene hat meh¬ 
rere kleinere Arbeiten über medieinische Statistik veröffentlicht; 
ihm verdankt auch die Stadt Kiew die monatlichen Morbilitäts- 
und Mortalitäts-Tafeln dieser Stadt, welche M. mehrere Jahre ge¬ 
fühlt hat. 3) Der Kreisarzt von Krassnoufimsk (Qouv. Perm) 
Dr. B. A. W i t te. 4) Der Bezirksarzt von Tscbita (Baikalgebiet) 
Dr! Saks. 5) Der Kreisarzt von Kopal (Ssemiretschinskisches 
Gebiet) Pjatnizki. 6) Der Landschaftsarzt des Chotin’schen 
Kreises (Bessarahien) I. Sarusski im 48. Lebensjahre. Der 
Verstorbene hat trotz einer 15jährigen ausgebreiteten Praxis seine 
Familie ohne alle Existenzmittel binterlaBsen. 7) Der Stadtarzt 
von Kacsk — Heibowitsch. 

— Im Cbarkow’schen Gouvernements-Landschaftshospital sind 
in der Abtheilung für Geisteskranke, Klinik des Prof. Kowalew- 
s k i) die ordinirenden Aerzte G u t n i k o w und D a-w y d o w von 
einem hundswnthkranken Menschen, der kurz vorher vom Lande 
ins Hospital gebracht worden war, gebissen worden. G u t n i k o w 
bat der Kranke in den Finger gebissen, jedoch oberflächlich und 
ausserdem ihm in’s Gesicht gespieen, wobei ihm der Speichel in’s 
Auge gerathen ist. D a w y d o w ist der Speichel des Kranken auf 
eine Abschürfung der Hand, welche er sich einige Stunden vorher 
zngezogen hatte, gerathen. Beide Aerzte sollen zu Pasteur 
geschickt werden; zur Bestreitung der Kosten sollen bereits reich¬ 
liche 8penden eingelaufen sein« 

— Der Professor der Histologie in Budapest, Dr. B a b e s, wel¬ 
cher, wie wir seinerzeit mitgetbeilt haben, von der ungarischen 
Regierung bebufr Studiums der Pasteur 'sehen Hundswuthim- 
pfungen nach Paris geschickt wurde, hat mehrere Briefe über das 
von ihm dort Beobachtete veröffentlicht, die jedoch nicht gerade 
viel NeueB enthalten. Jn seinem zweiten Briefe hebt B a b e s die 
woblthätige Wirkung hervor, welche in dem Vertrauen liegt, das 
die Gebissenen Pasteur’s Heilmethode entgegenbringen. Aller¬ 
dings sei es wahr, dass das Pasteur’sche Verfahren zum Theil 
auf schwankenden Hypothesen ruht, zum Theil im Allgemeinen 
nur Erfahrungssache ist und dass Pasteur selbst sage, dass er 
in dieser Sache eine gewisse Koketterie darein setzt, mit unbekann¬ 
ten, nicht aufgeklärten Factoren ein für die Menschheit so wichtiges 
Resultat erzielen zu wollen. Im Uebrigen ist nach B a b e s die 
Technik der Schutzimpfungen zwar einfach, aber sie erfordere die 
allergrösste Vorsicht; der kleinste Fehler genüge dazu, dass Je¬ 
mand, bei dem sonst die Wuth wahrscheinlich nicht ausgebrochen 
wäre, zufolge der Schutzimpfung der Hunds wuth zum Opfer falle. 
Die ganze Methode Pasteur’s beruht, wie B a b e s meint, nur 
auf der Beständigkeit und Dauerhaftigkeit des Virus; wenn es 
Pasteur nicht gelungen wäre, vollkommen gleichwertigen und 
gleichmässigen virulenten Stoff zu gewinnen, wäre die successive 
Impfung unmöglich geworden. 

— In Berlin findet alljährlich ein sog. anatomischer Festcom - 
mers statt. Dieser Commers ist von dem verstorbenen Professor 
der Anatomie, Reichert, dort eingefübrt worden und hat den 
Zweck auch in der Grossstadt Berlin zwischen den Professoren und 
Studenten den socialen Verkehr aufrecht zu erhalten, wie solcher in 
kleineren, Universitätsstädten zum Butzen Beider von Alters her 
gepflegt wird. Auf dem diesjährigen anatomischen Commers, an 
welchem c. 400 Studirende der Medicin theilnahmen, konnte Prot. 
Waldeyer in dem von ihm ausgebrachten Toast auf die Medi- 
einer sich mit Recht al^« Vater der stärksten anatomischen Familie» 
bezeichnen. 

— W* D. Hallibuston in Jacksonville berichtet in einem an 
die Redaction der Weekly Medical Review gerichteten Briefe über 
einen von ihm beobachteten Fall von Menstruado mascula. Es 
handelte sich um einen 26jährigen Mann, der seit seinem 19. Jahre 
regelmässig menstruirt war ; als Vorboten traten heftige Schmerzen 
im Kreuz und in der untern Gegend des Leibes auf, welche 1—2 
Tage lang andauerten, denen eine schleimig-eitrige, mit Blutstreifen 
gemischte Secretion aus dem Penis folgte, die 4—5 Tage anhielt. 
Der Mann ist verheirathet und hat ein Kind; man bemerkt an ihm 
weibliche Neigungen in Kleidung und Beschäftigung, eine schmale 
Taille und ein breites Becken ; die Brüste sind nicht entwickelt, die 
Genitalien normal gebildet, der Bartwuchs voll. 

— Die an den Pariser Hospitälern fungirenden Aerzte haben 
eine Bittschrift an den Minister des Innern gerichtet, worin sie um 
Beibehaltung der barmherzigen Schwestern der verschiedenen reli¬ 
giösen Orden als Pflegerinnern nach suchen. Diese Petition hat 
eine um so grössere Bedeutung, als sie von den besten Namen der 
medicinischen Welt von Paris und, wie es scheint, in corpore, con- 
trasignirt ist. Darunter befinden sich auch die ärztlichen Stimmen 
aus solchen Hospitälern, die bereits seit längerer Zeit laicisirt sind. 

(Gaz. d. Höpit. 18b5. As 140.) —s. 


— V u 1 p i a n empfiehlt zur Behandlung des Tripperrbeuma- 

tismus, welcher dem Natr. salicyl. widerstrebt, das salicylsaure 
Lithion. (Ibidem). —s. 

— Der bekannte Statistiker Dr. W. 0 g 1 e hat in der Sitzung 
der «Royal medical and chirurgical Society of London» vom 26 . 
Januar c. einen interessanten Vortrag über die Sterblichkeit der 
Aerzte gehalten. Wir entnehmen demselben, dass die Sterblich¬ 
keit unter den Aerzten in den Jahren 1880—1882 25,53 auf 1000 
Aerzte, welche das Alter von 20 Jahren überschritten hatten, betrug. 
Sie übersteigt das Mittel, welches etwa 22 , 83 °|oo beträgt, und ebenso 
sehr viele andere Berufszweige, z. B. die der Juristen — 20 , 23 °/oo, 
der Theologen — 15 , 93 °/oo und die der Gärtner, welche mit 15 , 08 °/oo 
wohl die geringste Mortalitätsziffer ist. In Bezug auf die Krank¬ 
heiten, denen die Aerzte erliegen, fand Redner, dass dieselben unter 
den Medicinern weit mehr Opfer fordern, als unter gleichalterigen 
Individuen anderer Stände, und zwar führen insbesondere die Infec- 
tionBkrankheiten häufig den Tod herbei, während er die Erfahrung 
gemacht bat, dass 10 Mal weniger Aerzte den Blattern erliegen, 
als es sonst der Fall zu sein pflegt, denn obwohl der Arzt mehr, als 
jeder Andere, dem Contagium ausgesetzt ist, so lässt sich doch die 
relative Immunität aus der sorgfältigen Durchführung der Vacci- 
nation unter den Aerzten erklären. Was die Sterblichkeit in Folge 
anderer Infectionskrankheiten anbelangt, so stellt sich dieselbe so, 
dass auf 1 , 000,000 Menschen 59 Todesfälle an Scarlatina bei Aerzten 
gegen die gewöhnliche Mortalitätsziffer 16,01 kommen, während 
gleichzeitig bei der Diphtherie die entsprechenden Zahlen 59 und 
14 , hei Abdominaltyphus 311 und 238 , bei Erysipel 172 und 136 
betragen. Todesfälle in Folge von Sumpffieber sind unter den 
Aerzten 4 Mal so häufig, als bei dem Reste der Bevölkerung, ein? 
Thatsache, welche übrigens nichts Ueberraschendes hat, wenn mau 
bedenkt, dass ein Theil derselben ihr Leben tbeilweise in den tropi¬ 
schen Ländern verbringt; auf dieselbe Weise lässt sich übrigens 
auch die grosse Anzahl von Leberkrankbeiten erklären, denen die 
Aerzte zum Opfer fallen. Auch die Gicht, die Blasenleiden, Dia¬ 
betes und Alcoholismus sind beim ärztlichen Stande weit häu¬ 
figer, als bei den übrigen Classen der Bevölkerung; was endlich 
die Nervenkrankheiten anbetrifft, so beträgt der Antheil, den die 
Aerzte an denselben stellen, 7 pCt. mehr als bei der übrigen Be¬ 
völkerung. Durch Unglticksfälle kommen im Allgemeinen weniger 
Aerzte um’s Leben, als die Durchschnittsziffer angiebt, dagegen 
fällt der Vergleich der Selbstmorde zu Ungunsten der Aerzie aus, 
welche pro Million 363 (gegenüber 238 der übrigen Bevölkerung) 
Selbstmorde zu verzeichnen haben. Ausserdem ist aber auch Red¬ 
ner zu dem Resultate gelangt, dass der Medicinalstand der einzige 
ist, US flössen Schoosse die Selbstmorde von Jahr zu Jahr weiter zu¬ 
nehmen. In den meisten Fällen erfolgt der Selbstmord auf dem 
Wege der Vergiftung (14 Mal auf 35 Fälle) und zwar meist durch 
Blausäure. Nur zwei Krankheiten sind es, welche unter den Aerz¬ 
ten weniger Opfer fordern, als im Allgemeinen, die Phthise und 
die Krankheiten der Respirationsorgane, die um 27 pCt. weniger 
häufig als gewöhnlich Bich unter den Aerzten finden.(A. m. C.-Ztg). 

— Die französische Fachzeitschrift «Science de Nature» bringt 

einen Artikel unter dem Titel «La flore des Billets de Banque», in 
welchem mitgetheilt wird, dass auch die Banknoten, wie solches hei 
der mikroskopischen Untersuchung verschiedener Geldmünzen ge¬ 
funden wurde, allerhand niedere Organismen, wie Pilzsporen, Bac- 
terien und Bacillen, beherbergen. Die Banknoten, welche Schar¬ 
schmidt mikroskopisch untersuchte, namentlich österreichische 
und russische, enthielten ausser Stärkekörnern und Theüen von 
Fasern Haaren und Schüppchen eine reiche Kryptogamenflora. Bei 
etwa 900facher Vergrösserung findet man: Bacterium termo, ge¬ 
gliederte Stäbchen, welche früher gleichsam die untere Grenze des 
organischen Reichs bildeten, aber jetzt bei vollkommeneren Instru¬ 
menten noch an Kleinheit durch die folgenden Spaltpilze weit über¬ 
troffen werden, Mikrokokkusarten und schön entwickelte Pilze der 
Bierhefe, ferner Leptothrix oder fadenförmige Bacterien, mehrere 
Bacillen und endlich die auch auf den Münzen vorkommenden 
Algen. Woher diese auf den Geldmünzen und Banknoten beobach¬ 
teten pflanzlichen Gebilde stammen, wird begreiflich, wenn man an 
die sogenannten Sonnenstäubchen denkt, welche bekanntlich sicht¬ 
bar werden, wenn in ein dunkles Zimmer durch einen Spalt ein 
Sonnenstrahl fällt. Dieselben erscheinen dann, selbst in sauberen 
und gut gelüfteten Wohnungen, vor den Augen flimmernd in unend¬ 
lich grosser Menge und überziehen als «Staub» in kurzer Zeit jeden 
Gegenstand. Da Geldmünzen und Banknoten Jahr aus Jahr ein 
durch viele Hände gehen und in viele Räume kommen, wodurch sie 
immer fetter und klebriger werden, so sind sie vorzugsweise begün¬ 
stigt, einen ungewöhnlichen Reichthum von Mikro Organismen 
aufzunehmen, die auch durch blosses Abwischen oder Abreiben 
nicht wieder zu entfernen sind. Auf Geldmünzen hatten sich beson¬ 
ders kleine einzellige Algen angesiedelt, Pleurokokkus und ver¬ 
wandte Arten, die überall verbreitet sind und gänzlich austrocknen 
können, aber bei Zutritt von geringer Feuchtigkeit sich wieder be¬ 
leben. Sie vermehren sich durch Theilung und sind so klein, dass 
etwa 6000 dieser körnigen Zellen aneinandergelegt erst die Länge 
eines Zolles einnehmen. (A. m. C.-Ztg.) 

— Das Cocain, welches plötzlich eine so enorme Preissteigerung 
erfuhr, ist jetzt wieder rasch im Preise gefallen. Grosse Znfuhren 
von Cosablättern nach London, Hamburg, Hävre und New-York 
Bollen den Preis der Blätter und damit auch den des Cocains auf 


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104 


das jetzige sehr niedrige Niveau gebracht haben. Interessant ist 
die Mittheilung in dem Handelsberichte der Firma Gehe, dass die 
Nachfrage nach Cocain trotz der Ermässigung des Preises eine ge¬ 
ringere ist als zur Zeit des hohen Preises, so dass es scheint, als ob 
dasselbe doch nicht dem sicher und nachhaltig wirkenden Chloro¬ 
form für die Daher Eintrag zu thnn vermöchte, wenn es auch für 
gewisse Operationen an den Angen, der Nase und im Schlunde ein 
werthvolles An&stheticnm bleiben wird. 

— Dr. v. G e 11 h o r n (Brit. med. Journ. 7 Nov. 1885) empfhhlt 

bei Schlaflosigkeit, besonders bei Congestionen zum Kopfe, Com- 
presse öchauffantes auf den Unterschenkeln. Durch die Hyperämie 
soll Ableitung von den Kopfgefässen bervorgebracht werden, die 
Temperatur, im äusseren Gehörgang gemessen, boII in Kürze um 
0,4° C. fallen. (Therap. Gazette. 1886. 1. pag. 70). 

Vacanz. 

— Die Kreislandschaft von Smolensk sucht für einen vacanten 
Sanit&tsbezirk eine Aeretin. Gehalt 500 Rbl., Fahrtengelder 200 
Rbl. und 100 Rbl. Quartiergeld jährlich. Adreeee: «CnoaeHCKaa 
y$8#Hafl 3excBafl JnpaBa.» 

Mortalität«-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 2. bis 8. März. 1886. 

Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


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Woche 

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(Neuer Styl) 

3 



London . 
Paris . . . 
Brüssel . . 
Stockholm . 
Kopenhagen 
Berlin . . . 
Wien 

Pest . . . 
Warschau . 
Odessa . . 

St. Petersburg 


4083 928 
2 239 928 
175811 
200143 
280115 
1315 547 
780 066 
442 591 
406 935 
194400 
928 016 


! 21.—27. Feb. 
21.—27. Feb. 
21.-27. Feb. 
14.-20. Feb. 
24.Feb.-2.Uärz 
21—27. Feb. 
21.—27. Feb. 
14.—20. Feb. 
14.—20. Feb. 
21.-27. Feb. 
28 . Feb.-6. M«rz 


ZU* Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Ae rzte D ienstag den 18. März 1886. 

UU* Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 24. März 1886. 


MWSft. *® ©-^C4COH»OtDt^OOo*2 

M. w. sa. 1 7 | | | I | | | | s I 

OtOiHCO^rHCaeO^iOCOC^COU 

349295 644 79 54 114 21 11 24 72 68 70 59 32 24 13 3 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh.exanth. 1, Typh. abd. 25, Febris recurrens 6, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 2, Pocken 1, Masern 19, Scharlach 19, 
Diphtherie 12, Croup 3, Keuchhusten 5, Croupöse Lungenentzün¬ 
dung 46, Erysipelas 3, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 0, Ruhr 2, 
Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatismus 0, Parotitis 
epidemica 0, Rotzkrankheit, 0, Antrax 0, Hydrophobie 1, Puerpe¬ 
ralfieber 1, Septioäade 5, TeherwUl^der Lpngaa 429, ^Rbercu- 
lose anderer Organe 8, Alcoholismus und Delirium tremens 4, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 26, Marasmus senilis 24, 
Krankheiten des Verdauungskauais 93, Todtgeboren 26. 

Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 



36 1988 25,’ 
99 1246 28,9 
3 114 33,7 
2 69 17,9 

7 115 21,3 
38 548 21,7 
33 510 34,o 
13 314 36,9 
18 245 31,8 
7 138 36,9 
21 672 37,« 


BAD ELSTER 

( Königreich Saehsen.) 

Eisenbahnstation zwischen Reichenbach in Sachsen und 
Eger in Böhmen. 

Saison vom 15. Mai bis 20. September. 
Vom 20. August ab halbe Curtaxe und ermässigte Preise. 
(1885 Frequenz über 5000 Personen.) 

Elster besitzt an Kohlensäure reiche, alealiech-ealinieoho Stahlquelien, 
die zu Trink- und Badecuren dienen, 1 Glaubersalzsäeerllsg (die Salz¬ 
quelle) ; Lager von vortrefflichem salinischen Eisenmoor. Die Mine¬ 
ralwasserbäder werden, je nach Verlangen, mit Dampfheizung nach 
Schwarze’schem Princip oder auch ohne Dampfheizung bereitet. 
Molken täglich frisch. 

Erfolgreiche Anwendung finden die Eisenquellen und Moorbäder von 
Elster gegen verschiedene Zustände von Blutarmuth, wie nach schweren 
Geburten, Abonen, starken Verwundungen, bei Hämorrhoidalblutungen, 
nach überstandenen schweren acuten und chronischen Krankheiten u. 
s. w., bei Bleichsqcht mit Neigung zu Recidiven; gegen Krankheiten 
des Nervensystems, als: krankhafte Reizbarkeit desselben, Nerven¬ 
schwäche, Hysterie, Neuralgien, Erschöpfungsparalysen, beginnende 
Tabes dorsalis und gegen gewisse Krankheiten der weiblichen Sexual¬ 
organe, als Menstruationsmangel, zu reichliche und schmerzhafte Men¬ 
struation, Catarrh der Gebärmutter, Sterilität pp. 

Die Salzquelle (Glaubersalzsäuerling), nur zu Trinkeuren benutzt, be¬ 
währt sich bei Blutstockungen im Unterleibe, Abdominalplethora, be¬ 
sonders, wenn ein gewisser Grad von Blutarmuth nebenbei besteht, bei 
chronischen Magen* uofd DtcfcdarmcatarrtfOff,habttuetler Stuhlver¬ 
stopfung, chronischer Blutüberfüllung der Leber und Gebärmutter mit 
reichlicher Menstruation, bei chronischem Bronchialcatarrh und chroni¬ 
scher Gicht. 

Die Curmittel von Elster werden mit bestem Erfolg vielfach auch zu 
Nachcuren nach dem Gebrauche anderer Bäder verwendet. 

Die ausserordentlich gesunde, vor rauhen Ostwinden geschützte Lage 
des Ortes in lieblicher Waldgegend bei einer Seehöhe von 473 Meter 
und die Gleichmässigkeit der Lufttemperatur empfiehlt aber Elzter auch 
als klimatischen Curort fttr blutarme Kranke und Nervenleidende, sowie 
für Solche, welche duroh geistige Ueberanstrengung erschöpft sind. 

Zu weiterer Orientirung über die therapeutischen Verhältnisse wird auf 
die Officialschrift: «Bad Elster von Dr. R. Flechsig, 3. Auflage, 
Leipzig im Verlage von J. J. Weber 1884» verwiesen. 

Mineralwasser- und Moorerde-Versand durch die Königliche Bad- 
directioo. 

$rofpscte gratis and franco. 

Bad Elster 1886. 

Der königliche Bad-Director. 

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Niederwalluf im Rheingau. 

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handlung. Eröffnung im Frühjahr. 
Ausführliche Aufschlüsse ertheilt 

68(1) die Direction. 




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tioo, Ratanhia oder Theer-Extraot; Capsein von Baquin nur mit Natcium- 
oopaivat, Oubeben, Theer oder Terpenthin gefüllt. 

Anwendung: 3—0 Raquln-Capaeln mit Bratrlumeo|ialirat, ge¬ 
gen Blasencatarrh und Blennorrhoe. — 3—13 Raquln-Capseln mit reinem 
Copalva [oder mit Copalva und Culielien gegen Blasenentzündung, Blen¬ 
norrhoe, Blasencatarrh, weissen Fluss. — 3—3 Raquln-Capaeln mitTheer 
oder Terpenthtnf gegen Catarrh, Asthma, Neuralgien, weissen Fluss, Bronchitis 

und Blennorrhoe. „ , . . , . . . 

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Erfahrungsgemäss haben sich die Schlammbäder bewährt bei: Scrophulose, Rheumatismus der Muskeln und Gelenke, Gicht, 
Knochen• und Gelenkkrankheiten ; atonischen Geschwüren, chronischen Exanthemen, chron. Affectionen der weiblichen Sexualorgane, 
namentlich Exsudaten im Beckenraum. Uterin- und Vaginal-Catarrhen, chron. Metritis. Ausserdem ist Hapsal speciell indicirt bei 
Schwächezuständen des Kindesalters jeglicher Art. Contraindicirt ist Hapsal bei Phthisis und Geistesstörungen. 

Aer zte: DDr. von Hnnnius, Abels, Hoffmann, Houdello, Linse. 70 (3) 

Auskunft ertheilt und Wohnungen besorgt der Badecommissär. Qjg BüdGCOlYHlliSSiOn 


i i_ T . T-. r ., I- 



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106 


Annahme von Inser aten ausschliesslich im Central-Annoncon-Compto irvon Friedrich Petrick 

St. Petersburg, Newsky-Prospeet 8. 


Vorräthig in der Buchhandlung von CARL RICKER in St. Petersburg. I 

Newsky-Prospeet JS6 14. ' 

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H3CJTM0BAHM 3PtHM. 

M3AAHIE C.-riETEPByprCKOM I7IA3H0& JTbHEBHMUbt. 

1885 r. U/feHa 3 p., ct> nepecuji. 3 p. 30 k. 

H3t> hhxt> nponaKDTCfl cnyrfejibHo: lipoÖHUO IIipiI(|)TLI no i p. 50 
Kon. h npOÖHHfl TaÖJlHIl,« no 2 py6. 

Die Tafeln sind nach dem Principe des Dr. M o n o y e r entworfen 
worden. Indem sie sich dem jetzt in der Ophthalmologie wohl mehr und 
mehr gebräuchlichen Metermaasse anschliessen, bieten sie den Vorzug einer 
genauen Bestimmung der Sehschärfe von 7 n> bis ,0 /io. In den •FIpoÖHue 
TaÖJiHUbi» sind enthalten: 

1) i Tafel mit russischer Schrift, 

2) 1 » mit lateinischen Buchstaben, (i0) 

3) 1 » mit Zahlen, 

4) 1 > mit Zeichen, 

5) 1 > zur Bestimmung des Astigmatismus. 


CMbCb TPECKOBArO MPA Cb COKOMb 

noÄatEJiy^oiHoft HtEji-Bati 

AllTEKAPfl AEOPEHA Bh nAPHJKfc 

(HUILB de FOIB de MORUE PAWREATIQUE de DEFRESTE) 

üpien: ott» 4 no 8 rafiHurb ioiöki esegiieBHO- nepe^T» o64^oxi 
ffiuo ; y rx&BHUxi» anrexapett h MOCKOTHJbimzROB'b. 


Für Professoren ni Amte. 

Eine nach jeder Richtung vorzügliche Vorschrift 
zur Darstellung einer Kindernahrung als 
Ersatz der Muttermilch event. auch als Nahrung 
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gegen hohe Honorimng event. Betheiligung ge¬ 
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Expedition von S. Komik, Berlin S. W. Mark- 
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t eher die Wirkung der Franz Josef Bitterquelle 
äusserte sich unter Anderen 

Herr Kaiserlicher Leibarzt, Prof. Dr. 

Nicolai Zdekauer: 

«Ist ein sicheres und kräftiges Abführmittel, was bei dem starken Gehalt an Bitter- und Glauber¬ 
salz nicht anders zu erwarten war». St. Petersburg, 24 . Mai 1884. 

Prof. Dr. E. Bidder, St. Petersburg schreibt : Die Franz-Josef-Bitterquelle ist ein zuverlässi¬ 
ges und mildes Abführmittel, das auch in relativ geringer Quantität längere Zeit hindurch mit 
Erfolg gebraucht werden kann. St. Petersburg, im September 1885. 16 (1) 

Vorräthig in den Mineralwasser-Depöts. Nied erlagen werden auf Wunsch überall er¬ 
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Neue Folge. St. Petersburger m.hmum. 

^ (ln der Reihenfolge XI. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction von 

Prof. ED. v. WAHL., Dr. L. v. HOLST, Dr. GCJST. TILING, 

Dorpat. St. Petersburg. St. Petersburg. 

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